Sparschwein

14. März 2010

Neue Verwaltungsräte für die NZZ-Gruppe

«NZZ-Mediengruppe mit operativem Gewinn», titelt die «Neue Zürcher Zeitung», «NZZ-Gruppe rutscht in die roten Zahlen», schreibt hingegen «tagesanzeiger.ch» - und beide haben sie wohl recht.

In der etwas weniger verschwurbelte Zusammenfassung der Konkurrenz von der Werdstrasse heisst es:

    «Der Verlust betrug 3,1 Millionen Franken, verglichen mit einem Gewinn von 22,2 Millionen Franken im Vorjahr. Die Aktionäre sollen auf eine Dividende verzichten. Neben den rezessionsbedingten Einbussen bei den Werbeeinnahmen drückten Restrukturierungskosten und Wertberichtigungen bei Beteiligungen auf das Konzernergebnis. Das Betriebsergebnis (EBIT) blieb mit 3,7 Millionen Franken leicht positiv, lag aber um 86,2 Prozent unter dem Resultat von 2008. Der Umsatz sank um 8,1 Prozent auf 494,6 Millionen Franken.»
Von der Medien-, Finanz und anderen Krisen besonders gebeutelt wurde im vergangenen Jahr der «Geschäftsbereich NZZ» («Neue Zürcher Zeitung», «NZZ am Sonntag» und «NZZ Online»), dessen Umsatz um 35,1 Mio. Fr. auf 187,8 Mio. Fr einbrach.

Mit Olivier Burger und Susanne Bernasconi-Aeppli werden gleich zwei Mitglieder aus dem NZZ-Verwaltungsrat ausscheiden. Neu für den VR vorgeschlagen werden hingegen der vormalige Swisscom-CEO Jens Alder, die Unternehmerin und Nestlé-Verwaltungsrätin Carolina Müller-Möhl sowie Joachim Schoss, der die von ihm gegründete Internet-Plattform für Rubrikanzeigen, Scout24, vor gut zwei Jahren an den NZZ-Nachbar Ringier verkauft hat.

Bleibt zu hoffen, dass die neuen Verwaltungsräte die NZZ-Gruppe von der m.E. fatalen «Newsnetzisierung», also der (Online-)Vermischung des Prestige-Brands «NZZ» mit den zur Gruppe gehörenden Regionaltiteln oder - wie die «SonntagsZeitung» heute schreibt – vom «Abstieg in die Provinz», noch bewahren können (s. dazu auch hier).

Zum NZZ-VR-Geplänkel s. auch:
- Der Kampf um den NZZ-Verwaltungsrat ist eröffnet
- Ist «BaZ»-Verleger Wagner auch ein «Freund der NZZ»?
- Philippe Gaydoul in den NZZ-Verwaltungsrat?
- Neue Verwaltungsräte für die NZZ-Gruppe?
- «Freunde» der «NZZ»?

26. Februar 2010

Wie unabhängig sind Gratiszeitungen?

    «Die Zürcher Ausgabe von ‹20 Minuten› hatte zu Beginn der Finanzkrise unkritischer über die UBS berichtet als das Konkurrenzblatt ‹.ch›. Zudem hatte ‹20 Minuten› Inserate von der UBS, ‹.ch› hingegen nicht. Zufall oder Zusammenhang? Eine aktuelle Studie der Universität Fribourg versucht, den wirtschaftlichen Einflüssen auf den Journalismus auf die Spur zu kommen» ...
... und fragt bzw. vermutet zum Schluss:
    «Ist das nun ein Beweis für eine fehlende Unabhängigkeit von ‹20 Minuten›? Nicht unbedingt. Möglich ist, dass die Wirtschaftsfreundlichkeit der Redaktion grundsätzlich zu einer moderateren Einschätzung der Bankenkrise beigetragen hat. Möglich ist auch, dass die Journalisten von ‹20 Minuten› aus Bequemlichkeit mehr auf die Medienmitteilungen der UBS zurückgegriffen und weniger Aufwand betrieben haben, um ergänzende Stimmen einzuholen. Möglich ist zudem, dass mit der Zeit eine selektive Wahrnehmung der Journalisten stattgefunden hat: So könnte die unkritische Berichterstattung in der eigenen Zeitung mit der Zeit zu einer positiveren Wahrnehmung der UBS geführt haben.»
Alles dazwischen gibt's auf «Medienheft.ch».

22. Februar 2010

Der Kampf um den NZZ-Verwaltungsrat ist eröffnet

Nun wissen wir's: Nicht Philippe Gaydoul, wie an dieser Stelle spekuliert, sondern Alex Seidel und Urs Ledermann heissen die Kandidaten der «Freunde der NZZ» für den NZZ-Verwaltungsrat.

Wie dem aktuellen Newsletter der «Freunde» zu entnehmen ist, handelt es sich bei Alex Seidel um den Ex-CEO von Unilever Schweiz. Urs Ledermann ist mit seiner Ledermann Immobilien AG im Immobilienbusiness tätig und amtet überdies als VR-Präsident der börsenkotierten Immobiliengesellschaft Mobimo Holding AG.

Offenbar zeigt der NZZ-VR den «Freunden» aber nach wie vor die kalte Schulter. Im Newsletter heisst es nämlich weiter:

    «Wir [i.e. die «Freunde der NZZ»] mussten leider feststellen, dass die beiden Kandidaten vom Verwaltungsrat der NZZ weder kontaktiert noch für ein Gespräch eingeladen wurden. Es wurde uns schliesslich mitgeteilt, dass es der NZZ gelungen sei, eigene, gute Kandidatinnen bzw. Kandidaten für den VR zu gewinnen.»

Wie die «SonntagsZeitung» in ihrer gestrigen Ausgabe schreibt, soll es sich bei einer der vom NZZ-VR angefragten Kandidatinnen um Carolina Müller-Möhl handeln, ihres Zeichens u.a. VR-Präsidentin der Müller-Möhl Group und VR-Mitglied bei Nestlé (und Member im «Club zum Rennweg»).

In ihrem Newsletter machen die «Freunde der NZZ» übrigens auch klar, weshalb ihrer Ansicht nach sowohl ein Immobilien- als auch ein Marketingspezialist in den NZZ-Verwaltungsrat gehören:

    «[...] erreichte uns im Herbst die Nachricht aus Immobilienkreisen, dass die NZZ mehrere ihrer wertvollsten Liegenschaften in einer Art Auktionsverfahren unter Zeitdruck auf den Markt werfen wollte, darunter das Gründungshaus der NZZ (das Salomon Gessner-Haus), das ‹Conti›-Gebäude an der Dufourstrasse sowie Wohnhäuser an der vorderen Seefeldstrasse – insgesamt im Wert von rund CHF 80 Millionen Franken. Wir haben dem Verwaltungsrat der NZZ bezüglich beider Vorgänge umgehend unsere Besorgnis kundgetan. Wir freuen uns den auch, dass beide Projekte inzwischen nicht mehr weiterverfolgt werden.
    [...]
    Bei der Suche möglicher Kandidaten haben wir uns auf Persönlichkeiten konzentriert, welche Erfahrung in der professionellen Bewirtschaftung von Immobilien (die NZZ besitzt Liegenschaften mit einem Brandversicherungswert von CHF 635 Mio!) oder Erfahrung in der Distribution und im Marketing von Konsumprodukten vorweisen. Wir stellen fest, dass diese Kenntnisse im heutigen Verwaltungsrat der NZZ nur ungenügend vorhanden sind. Gerade die unprofessionelle Aktion zur Veräusserung der wertvollen eigenen Liegenschaften (das Unverständnis in der ganzen Branche ausgelöst hat) hat dringenden Handlungsbedarf offen gelegt. Aber auch in der Zeitungs- und Anzeigen-Vermarktung sehen wir enorme Verbesserungsmöglichkeiten. Einerseits wird die NZZ-Zeitung unseres Erachtens zum heutigen Preis immer noch ‹verschenkt› (Die Zeitung kostet weniger als der Kaffee dazu), anderseits gäbe es zahlreiche Möglichkeiten, die verschiedenen Publikationen zu Politik und Wirtschaft kombiniert zu vertreiben.»

Siehe dazu auch:
- Ist «BaZ»-Verleger Wagner auch ein «Freund der NZZ»?
- Andreas Durisch verlässt die «SonntagsZeitung»
- Philippe Gaydoul in den NZZ-Verwaltungsrat?
- Neue Verwaltungsräte für die NZZ-Gruppe?
- «Freunde» der «NZZ»?

17. Februar 2010

«Blick»-Gruppe: 25 Kündigungen - und vom Presserat eins, nein: gleich zwei auf den Deckel

Nun ist die Katze aus dem Sack: Ringiers «integrierter Newsroom» hat 25 Kündigungen zur Folge. In einer mit «Personalplanung für Integrierten Newsroom abgeschlossen» übertitelten Medienmitteilung heisst es dazu:

    «Nach den Konsultativverhandlungen mit der Personalkommission, freiwilligen Abgängen, Anpassungen der Ressortgrössen nach oben, Pensenreduktionen, sowie internen Wechseln konnte der am 12. Januar 2010 angekündigte Abbau von 29 Mitarbeitervollzeitstellen [s. dazu hier] auf rund 22 reduziert werden. Insgesamt müssen 25 Kündigungen ausgesprochen werden. Zusätzlich wurde das Mandatsverhältnis mit zwei freien Mitarbeitenden aufgelöst und es kam zu drei vorzeitigen Pensionierungen.»
Laut Mediengewerkschaft Comedia
    «sind wegen Pensenreduktionen, Frühpensionierungen usw. gar 44 Personen von den Umstrukturierungen negativ betroffen. Davon sind ein Drittel JournalistInnen, zwei Drittel entfallen auf technisches Redaktionspersonal. Der Abbau wird durch einen Sozialplan aufgefangen.»

***

Wie diese Woche weiter bekannt wurde, hat der Presserat zwei Beschwerden gegen den «Blick» wegen Verletzung der Privatsphäre gutgeheissen:

In Stellungnahme Nr. 1/2010 heisst es unter anderem:

    «Eine Todesanzeige gehört zu den landesüblichen Bestattungsritualen. Ihre Publikation verleiht den Medien keine Lizenz zur publizistischen Plünderung einer Grabstätte.
    [...]
    Einen besonders schweren Verstoss gegen Ziffer 7 der ‹Erklärung› beging der ‹Blick›, indem er ein privates Porträt des verstorbenen Kindes vom Grab abfotografierte, zum Aufmacherbild seiner Titelseite vergrösserte und das Bild später anderen Medien weiterverkaufte.»
Und in Stellungnahme Nr. 2/2010 kommt das Gremium zum Schluss:
    «‹Blick› hat mit der Publikation des Artikels ‹Sado-Maso im Sozialamt› (Bericht und Fotos) in der Ausgabe vom 30. August 2009 die Ziffer 7 der ‹Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten› (Privatsphäre) verletzt.»

Ob man sich beim «Blick» über die Rügen des Presserats wohl klammheimlich freut? Schliesslich will das Blatt ja «wieder zum Kern seiner Marke zurück. Guter, konsequenter Boulevard.» (Ringier-Schweiz-Chef Marc Walder im Medienmagazin «Klartext»)

Siehe auch Rainer Stadlers «Wie privat ist nackte Haut?».

10. Februar 2010

Ist «BaZ»-Verleger Wagner auch ein «Freund der NZZ»?

Achtung Spekulation:

Wie der «Tages-Anzeiger» gestern berichtete, ist Martin Wagner– seit wenigen Tagen Mitbesitzer und VR-Präsident der Basler Zeitung Medien AG – unter anderem auch Mitglied der Club zum Rennweg AG.

Regelmässige Medienspiegel-Leser mögen sich erinnern, dass diese illustre Vereinigung hier schon einmal eine Rolle gespielt hat, und zwar im Zusammenhang mit der Vermutung, dass es sich bei der von den «Freunden der NZZ» für den NZZ-Verwaltungsrat portierten «starken Führungspersönlichkeit mit profunder Konsumgüter- bzw. Marketingerfahrung» um Ex-Denner-Chef Philippe Gaydoul handeln könnte.

Ebendieser Philippe Gaydoul ist nun zufälligerweise auch Verwaltungsratsmitglied der Club zum Rennweg AG wie übrigens auch Ex-Banker Thomas Matter, dem Martin Wagner aus Swissfirst-Zeiten bestens bekannt sein dürfte. (Matter besitzt eigenen Aussagen zufolge rund ein Prozent der NZZ-Aktien.)

Kann man nun der NZZ-Gruppe die «Basler Zeitung» vor der Nase wegschnappen – wie dies der «Tages-Anzeiger» von Wagner behauptet – und möglicherweise trotzdem ein «Freund der NZZ» sein? Jemand, der sich wie Wagner selbst als «gefährlichen Dealmaker» bezeichnet und Medienmogul Rupert Murdoch als Verlegervorbild nennt, vermutlich schon. Auch Murdoch hat schliesslich mit einem Regionalblatt angefangen und sich dann zum Besitzer von Qualitätszeitungen wie der Londoner «Times» oder dem «Wall Street Journal» hochgekämpft.

(Note to self: Springer nicht vergessen: Ebenfalls VR-Mitglied der Club zum Rennweg AG ist Martin Spieler, seines Zeichens Chefredaktor der zu Axel Springer Schweiz gehörenden «Handelszeitung». Im Verwaltungsrat der Axel Springer Schweiz AG wiederum sitzt Martin Wagner.)

8. Februar 2010

Tito Tettamanti übernimmt die Basler Zeitung Medien

Die Basler Zeitung Medien teilen mit:

    «Dr. Tito Tettamanti und der Basler Medienanwalt Martin Wagner übernehmen sämtliche Aktien der Familie Hagemann und der PubliGroupe der ‹National Zeitung und Basler Nachrichten AG›, die als ‹Basler Zeitung Medien› (BZM) am Markt präsent ist.

    Tettamanti wird als Mehrheitsaktionär einen Aktienanteil von 75% halten und Martin Wagner 25%. Über die Höhe des Kaufpreises haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. »

Der Basler Medienanwalt Wagner übernimmt das Amt des Verwaltungsratspräsidenten und wird neuer Verleger der «Basler Zeitung». Das gleiche Amt (i.e. VR-Präsident) bekleidet Wagner übrigens auch bei der Weltwoche Verlags AG.

Für Tettamanti stellt die Beteiligung an den Basler Zeitung Medien nach dem Kauf und Wiederverkauf der Jean Frey AG («Weltwoche», «Beobachter», «Bilanz» etc.) das zweite bedeutende Engagement in der Schweizer Medienbranche dar.

Dass es dem 80-jährigen Tessiner Financier bei seinen Medienbeteiligungen nicht nur um den Profit geht, hatte er bereits Ende 2006 im Zusammenhang mit der Übernahme der Jean Frey AG durchblicken lassen (s. hier): Nur zwei Wünsche habe er an die Redaktion: «echt liberal und nicht politisch korrekt» solle sie sein. Im Übrigen habe er noch nie in die Redaktionsfreiheit eingegriffen. Er sei Investor, kein Verleger.

Führt der Trend nun eigentlich wieder in Richtung Meinungs- und Parteipresse?

Update: Tito «the old man with a mission» Tettamanti im «Echo der Zeit»:

    «Gibt es nicht genug Linksradikale in den Medien?»

Siehe auch:
- «Frontal» gegen den «Blick»
- Tettamanti weiss von nichts

1. Februar 2010

«Paywall» spielen

Leider habe ich noch keine Zeit gehabt, das «Paywall»-Tool des «Nieman Journalism Lab» zu testen. Vielleicht will ja aber jemand anders mit den Zahlen von «NZZ Online» «Tagesanzeiger.ch», «blick.ch» etc. herumspielen. Allfällige Screenshots mit Ergebnissen werden hier gerne publiziert.

Play_Paywall.png

29. Januar 2010

Aus für AP Schweiz

Erst vor wenigen Wochen hat die deutsche Nachrichtenagentur DDP den deutschsprachigen Dienst der Agentur AP übernommen, und schon wird das Schweizer AP-Büro – nicht ganz ohne Zutun der Konkurrentin SDA – geschlossen. 15 Personen sollen die Kündigung erhalten.

Aus der Pressemitteilung der DDP (die SDA-Website ist zurzeit am Boden):

    «Die Schweizerische Depeschenagentur AG (SDA) übernimmt per 1. Februar von der ddp nicht nur deren deutsche Text-Dienste, sondern auch den aus dem englischsprachigen Dienst von AP International produzierten Auslands-Depeschendienst der DAPD für die Schweiz. Im Gegenzug erhält die ddp die Lizenz zur Nutzung des SDA-Dienstes. Das ehemalige AP-Büro in Bern (heute ddp Schweiz) wird in ein Korrespondentenbüro umgewandelt.»

Haben wir es nun mit einem Agenturmonopol zu tun? Rainer Stadler auf «NZZ Online» dazu:
    «Verfügt damit die 1894 gegründete SDA hierzulande über ein Monopol? Sicher verliert sie einen direkten Konkurrenten, der die Nachrichtenlage nach denselben journalistischen Massstäben bearbeitet hat. Allerdings sind die Zeitungen heutzutage bedeutend weniger blind ohne die SDA, als sie es vor der Internet-Ära waren. Jedes journalistische Medium kann heute jederzeit weltweit auf viele Online-Quellen zugreifen und sie weiterverwerten. Es kann darum auch besser vergleichen, ob die SDA gute Arbeit leistet.»

22. Januar 2010

Gründungsfieber

Die Berner Oberländer Gossweiler Media AG exportiert ihr bereits bei der «Jungfrau Zeitung» praktiziertes Konzept «Mikrozeitung» in die Innerschweiz. Zu diesem Zweck hat sie mit der im Dezember 2009 gegründeten ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung AG, in deren Verwaltungsrat auch «Jungfrau»-Verleger Urs Gossweiler sitzt, eine Lizenzvereinbarung geschlossen (s. Medienmitteilung), die Gossweiler Media jährliche Lizenzgebühren von 250'000 Franken einbringen wird.

Wie Urs Gossweiler in einem Interview mit Radio BeO bekannt gab, soll die «Obwalden und Nidwalden Zeitung» erstmals am 23. April dieses Jahres erscheinen und 15 neue Vollzeitstellen schaffen.

Zur Finanzierung des Projekts fehlt nun einzig noch die klitzekleine Summe von 3 Mio. Franken, die über eine bis zum 31. März 2010 laufende Kapitalerhöhung beschafft werden soll. Aus der Medienmitteilung:

    «Das Beteiligungsangebot richtet sich in erster Linie an die Ob- und Nidwaldner Bevölkerung, die an einer lokal lebendigen Medienlandschaft interessiert sind und bereit sind, dafür auch zu investieren [...]».

Dem Zeichnungsprospekt zur Kapitalerhöhung (PDF; 14,5MB) sind detailliertere Angaben zu Konzept und Businessplan der geplanten innerschweizer «Mikrozeitung» zu entnehmen.

Wir wünschen gutes Gelingen.

Interview von Radio BeO mit Urs Gossweiler:

***

Bereits am 4. Februar 2010 soll laut Medienmitteilung eine andere Neugründung, die «SportWoche» aus dem Sportverlag Europa, erstmals erscheinen. Ein Interview mit Chefredaktor Marcel Siegenthaler gibt's auf «persoenlich.com».

19. Januar 2010

2009: Schwarzes Jahr für die Schweizer Presse

Die an der Inseratestatistik der AG für Werbemedienforschung (Wemf) beteiligten Schweizer Pressetitel mussten im vergangenen Jahr einen Rückgang der Inserateeinnahmen von 20,4% auf nunmehr 1'585,7 Mio. Franken hinnehmen, wie die Wemf in einer Medienmitteilung (PDF, 667KB) bekannt gibt.

Vom Einbruch am stärksten betroffen war mit -30,1% die Kategorie der Finanz- und Wirtschaftspresse, dicht gefolgt von den Sonntagszeitungen (-29,1%).

Nur wenig besser erging es der weitaus grössten Kategorie, den Tageszeitungen (-21,6%), die - wenn ich richtig rechne - 2009 auf dem Inseratemarkt rund 250 Mio. Franken weniger umsetzten als im Jahr zuvor.

14. Januar 2010

Hahnenkampf

Nach Güggel Hanspeter (s. dazu hier) hackt nun auch Hahn Roger munter drauflos. Einige Zitate aus einem «persoenlich.com»-Interview mit Schawinski:

  • «Mich bedrückt, dass ein Mann wie Lebrument immer mehr durchdreht.»

  • «Hingegen ist es immer noch im Dunkeln, wie Lebrument zur Macht über das "Bündner Medienhaus" gekommen ist.»

  • «Ich habe Wichtigeres mit meiner Lebenszeit vor, als mich laufend mit diesem Lebrument zu beschäftigen.»

  • «Lebrument liefert mit seiner jüngsten Aktion weitere Fakten, dass er vor gar nichts zurückschreckt, selbst nicht vor Drohungen und Erpressungen gegen staatliche Institutionen.»

  • «Das Bundesverwaltungsgericht hat mit keinem Wort erwähnt, dass Lebrument zu viele Zeitungen besitzt. Da lügt er faustdick, um auf dieser Basis sein Drohszenario aufzubauen. Es geht nur um die Untersuchungen der Marktmacht und des Missbrauchs.»

  • «Dabei ist Lebrument heute schon der grösste Medien-Subventionsempfänger der Schweiz. Und dann geht er hin und fabuliert als Präsident des Vereins Schweizer Presse vom freien Markt, und dass die Schweiz die beste Medienlandschaft der Welt habe. Das ist alles nur noch erbärmlich.»

  • «Ich habe mein ganzes Leben gegen Monopole gekämpft. Das Monopol von Lebrument ist wahrscheinlich das hässlichste von allen. Und es wird mit jedem Tag hässlicher.»

Mitunter schon fast leidenschaftliche Unterstützung wird Lebrument derweil an der Heimatfront zuteil. So findet es etwa BDP-Nationalrat Hansjörg Hassler laut einem Bericht der «Südostschweiz» (online nicht frei zugänglich) «daneben, wie mit den Verlagshäusern umgegangen werde». In einer Interpellation will er den Bundesrat deshalb auffordern, «die Kriterien für die Beurteilung der angeblich missbräuchlichen und marktbeherrschenden Stellung der Südostschweiz Medien klar zu definieren». (Mehr dazu beim «Klein Report»)

Die BDP Graubünden hat laut «Bündner Tagblatts» (online nicht frei zugänglich) gar mit «Bestürzung davon Kenntnis genommen», dass Lebrument «die Zukunft des Dreititelsystems und damit auch des ‹Bündner Tagblatts›» und der ‹La Quotidiana› in Frage» stellt. Und weiter:

    «So bedauerlich die Folgen einer Nichtkonzessionierung von Radio Grischa - eine Einstellung der ältesten Bündner Tage[s]zeitung und der einzigen rätoromanischen Tageszeitung - auch wären, für die BDP sind die Überlegungen des ‹Südostschweiz›-Verlegers nahvollziehbar. Von einem Missbrauch der Monopolstellung, wie er seitens der ‹konzessionslüsternen› Gruppe [Hervorhebung M.H.] um den Zürcher Medienunternehmer Roger Schawinski ins Feld geführt wird, könne doch keine Rede sein, seien doch die Redaktionen der drei Tagezeitungen nicht nur unabhängig, sondern pflegten auch eine wohltuende redaktionelle Konkurrenz [...]

    In Anbetracht der Tatsache, dass bei dem laufenden Konzessionsstreit die Vielfalt der Bündner Tageszeitungen auf dem Spiel steht, seien alle relevanten Kräfte aus Politik, Wirtschaft und Kultur in diesem Kanton gefordert, sich für deren Zukunft einzusetzen - von der Regierung über die eidgenössischen Parlamentarier querbeet durch die Parteien.»


13. Januar 2010

Ringier baut ab - und eine Zwischenbilanz der Stellenkürzungen in der Schweiz

    «Klartext [6/2009]: Wie viel Personal werden Sie mit der Einführung des Newsrooms abbauen?
    Walder: Es werden Leute ihren Job verlieren, das ist so. Das ist die offene und ehrliche Antwort.»
    (Das ganze «Klartext»-Interview mit Marc Walder gibt's hier.)

Seit gestern wissen wir es nun genau: 29 «Mitarbeitervollzeitstellen» sollen in Ringiers «Blick»-Gruppe in den kommenden Wochen wegsynergiert werden. Aus der Medienmitteilung:

    «Schlankere Arbeitsabläufe und Synergien führen zu einem Abbau von 29 Mitarbeitervollzeitstellen gegenüber dem aktuellen Mitarbeiterbestand. Der grösste Teil der Synergien im Newsroom entfällt auf Produktion, Layout, Bild und Korrektorat und nicht auf die schreibenden Ressorts.»

Der Berufsverband Impressum geht in einer Medienmitteilung davon aus, dass 40 bis 50 Personen vom Stellenabbau betroffen sein werden, «davon etwa die Hälfte Journalistinnen und Journalisten».


Medienabbauschlacht – eine Zwischenbilanz

Nachdem nun auch Ringier die Katze aus dem Sack gelassen hat, ist es höchste Zeit für eine weitere Zwischenbilanz der Schweizer Medienabbauschlacht. Seit Sommer 2008 wird hier nach bestem Wissen und Gewissen versucht, über den Stellenabbau in der Branche Buch zu führen.

Mehr als 700 Stellen (oft Vollzeitstellen, nicht Arbeitsplätze!) sind so inzwischen zusammengekommen oder besser bzw. schlechter: weggefallen – ein substanzieller Teil davon auf Redaktionen. Gar über 1000 Stellen sind es, wenn die Kürzungen bei der Publigroupe dazugerechnet werden. Das Protokoll:

Abbauschlacht_bis_100112.png

10. Januar 2010

Lebrument strikes back

Mit Urteil vom 3.12.2009 (PDF) hat das Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde von Roger Schawinski und Partnern gegen die Erteilung einer Radiokonzession an Hanspeter Lebruments Radio Grischa gutgeheissen. Das Gericht wies das Bakom an, eine Neubeurteilung der Konzessionsvergabe vorzunehmen und

    « – allenfalls mittels Konsultation der WEKO – zu prüfen [...], ob die Beschwerdegegnerin [i.e. die Südostschweiz Radio AG] die Meinungs- und Angebotsvielfalt (Art. 44 Abs. 1 Bst. gRTVG) gefährdet.» (Ebenfalls gutgeheissen wurden vergleichbare Beschwerden gegen die Konzessionsvergaben an das zur AZ Mediengruppe gehörende Radio Argovia sowie an Lokalfernsehsender Tele Ostschweiz der St. Galler Tagblatt Medien AG. )

Verleger Lebrument geriet darob mächtig in Rage. Bereits am 18.12.2009 liess er in einem Interview mit seiner «Südostschweiz» verlauten (online nicht frei zugänglich):

Weiter lesen ...

14. Dezember 2009

«Newsnetzisierung» der NZZ-Gruppe

Die NZZ-Gruppe zentralisiert ihre Online-Aktivitäten und schafft zu diesem Zweck einen neuen Unternehmensbereich, der direkt dem CEO unterstellt werden soll. Aus der Medienmitteilung:

    «Der neue Bereich umfasst Geschäftsentwicklung, Online-Redaktionen, Online-Rubriken und NZZ-Netz. Unter NZZ-Netz werden die Nachrichtenportale der Gruppe zusammengefasst. Kern bildet NZZ.ch, das zu diesem Zweck in den kommenden Monaten neu gestaltet wird. [...]

    Die regionalen Online-Redaktionen bleiben bestehen und sorgen für die Inhalte aus dem Verbreitungsgebiet der regionalen Titel. [...]

    Die Portale tragen weiterhin ihre jeweiligen Namen NZZ.ch, Tagblatt.ch, Luzernerzeitung.ch.»

(Nur ganz nebenbei: Segelt das Portal der Innerschweizer nicht unter der Flagge «Zisch.ch»? Und heisst der Online-Brand der «NZZ» nicht «NZZ Online»?)

I khumma nit druus. Soll der Prestige-Brand des Weltblatts nun wirklich mit den Marken der Regionaltitel vermengt werden?

Nichts gegen Synergien im Backoffice- und Verlagsbereich, und ich bin auch kein Marketeer und erst recht kein Branding-Spezialist. Aber wäre nicht genau das Gegenteil zu tun? Müssten «NZZ» und «NZZ Online» nicht konsequent im «Premium»-Segment - oder eben als Prestigemarke - positioniert werden? Und müsste deshalb nicht jegliche – auch perzipierte - Nähe zu lokalen und regionalen Titeln vermieden werden?

Müsste man am Ende vielleicht gar noch einen Schritt weitergehen und die «NZZ» (und ihren Online-Ableger, of course) aus der NZZ-Gruppe herauslösen, was bei einem Andauern der aktuellen Krise im Worst Case nicht zuletzt auch den Zugang zu Kapital von Stiftungen und Mäzenen vereinfachen könnte?

Und noch etwas: Wird die Online-Redaktion im Hause «NZZ» künftig wirklich direkt dem Leiter des neuen Bereichs und damit dem CEO unterstellt? Hat die altehrwürdige und von mir hoch geschätzte «NZZ»-Redaktion eigentlich nichts mehr zu berichten?

Man darf ja mal fragen, oder?

P.S.: Gibt's «News1» eigentlich noch?

7. Dezember 2009

Gratiszeitungsjournalisten - als Kanonenfutter ausgedient

«Cash daily» weg, «.ch» weg, «Le matin bleu» weg und nun auch «News» weg.

Aus der Tamedia-Medienmitteilung:

    «Die Pendlerzeitung News wird per heute Freitag eingestellt. Trotz der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Konzeptes sowie des Erfolgs bei den Leserinnen und Lesern konnte sich News im übersättigten Schweizer Pendlerzeitungsmarkt nicht durchsetzen. [...]

    In der Folge werden in der Redaktion 20 Stellen abgebaut. Davon sind 27 Mitarbeitende betroffen. Im Rahmen der Möglichkeiten soll nach neuen Stellen bei anderen Medien des Unternehmens gesucht werden. Für alle Betroffenen kommt der im Juni 2009 mit Mitarbeitendenvertretern sowie Gewerkschaften für Tages-Anzeiger und Druckzentrum ausgehandelte Sozialplan zur Anwendung.»

Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehn.

Anlass genug, um wieder einmal auf die Chronik der Medien-Abbauchlacht 2008 - …. hinzuweisen.

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