Vo Lozärn (ZH) gegä Wäggis (GR) zue, lieber «Tages-Anzeiger»?

«Tages-Anzeiger», 9. Juli 2014:
Tagi_Saentis_Luzern

Medienspiegel-Leser U.H. schreibt dazu:

«Was ist das für eine Redaktion, wo so was durch alle Kontrollen durchgeht? Früher wäre das, wenn die Redaktion geschlampt hat, im Korrektorat oder in der Druckerei bemerkt worden. Aber der Korrektor kommt wohl aus Mecklenburg-Vorpommern und der Drucker aus Pristina …»

Und «Tages-Anzeiger» Wanderreporter Thomas Widmer meint:

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Blocher, Somm und Bollmann übernehmen die «Basler Zeitung»

Tito Tettamantis Medenvielfalt Holding AG verkauft ihre Anteile an der «Basler Zeitung» an Christoph Blocher, Markus Somm und Rolf Bollmann, die nun zu je einem Drittel am Basler Blatt beteiligt sind. Aus der Medienmitteilung:

«Die drei neuen Eigentümer nehmen Einsitz im Verwaltungsrat. Rolf Bollmann übernimmt das Präsidium und wird als Delegierter des Verwaltungsrats amten, Markus Somm bleibt Chefredaktor und Verleger, Christoph Blocher wirkt als Mitglied im VR.»

Ziel sei es,

«langfristig eine Tageszeitung für die Region Basel und die ganze Schweiz zu garantieren, die unabhängig von den Zürcher Grossverlagen und unabhängig von staatlichen Subventionen Journalismus auf hohem Niveau bietet».

Zu seiner neuen Rolle als Chefredaktor und Miteigentümer sagt Markus Somm im Interview mit der eigenen Zeitung unter anderem:

«Als Eigentümer muss ich mich für das Überleben des Unternehmens doch viel mehr engagieren – was letztlich auch im Interesse des Arbeitnehmers ist. Was nützt ihm ein Chefredaktor, der Arbeitsplätze gefährdet, indem er nicht wirtschaftlich denkt? Ihre Frage zielt auf ein Modell, das Vergangenheit ist. Die berühmte Firewall zwischen Verlag und Redaktion kann man sich heute gar nicht mehr leisten. Die Unabhängigkeit der Redaktion kann nur noch gesichert werden, wenn auch die Redaktion wirtschaftlich denkt.»

von Martin Hitz | Bemerkungen (2)

«Vice» − Journalismus aus der Gefahrenzone

[Erstpublikation dieses Artikels: «Neue Zürcher Zeitung» vom 24. Juni 2014 (PDF). Nachfolgend der minim längere «Director's Cut».]

Was vor zwanzig Jahren als Underground-Magazin begann, ist inzwischen zu einem global tätigen Medienunternehmen geworden − mit ungewöhnlichen Inhalten und einem besonderen Geschäftsmodell.

«Schon einmal von Vice Media gehört?», fragte Medienmogul Rupert Murdoch im Herbst 2012 via Twitter und fügte an: «Wild, interessanter Versuch, Millennials zu erreichen, die keine etablierten Medien mehr lesen oder schauen. Globaler Erfolg.» Ein Jahr später erwarb seine 21st Century Fox für 70 Millionen Dollar einen Anteil von fünf Prozent an der hierzulande noch eher unbekannten Marke. Vice Holding Inc. war − zumindest auf dem Papier − über Nacht zu einem Milliardenunternehmen geworden. Und das Bestreben des 83-jährigen Murdoch, sich mit «Vice» ein jüngeres Publikum zu erschliessen, könnte erfolgreich sein. Aber der Reihe nach.
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Jetzt aber, «NZZ»!

Colette Gradwohl, Peer Teuwsen, Balz Bruppacher, Peter Sennhauser: Sie alle sollen in den nächsten Wochen und Monaten bei der «NZZ» Führungsverantwortung für verschiedenste − mitunter ziemlich abenteuerlich benannte − publizistische Produktbereiche übernehmen (Medienmitteilung).

Weiter ausgebaut werden überdies auch die Nachrichtenredaktion, das «Community-Management» und die Entwicklungsabteilung (Letztere durch «vier Front-End-Programmierer bzw. Interactive Designer»). Selbst der Bereich «Meinung & Debatte» soll unter der Leitung von Martin Senti (endlich) eine eigene «digitale Präsenz» erhalten.

An den Frontleuten und an einem Mangel an Ideen kann es nun eigentlich nicht mehr liegen. Letztere müssen jetzt nur auch noch umgesetzt werden.

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Auf nach Klagenfurt, Frau Ganzoni!

Medienspiegel-Kolumnistin Romana Ganzoni wird im kommenden Juli in Klagenfurt um den Ingeborg Bachmann-Preis wettlesen. Wir sind äs bitzeli stolz.

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Auch die «New York Times» kocht nur mit Wasser

Da dachten wir doch alle, die «New York Times» hätte das mit dem Digitalen voll im Griff, und nun lesen wir im ursprünglich nur für den internen Gebrauch bestimmten «Innovation»-Report (PDF) der Grey Lady:

[...] over the last year The [New York] Times has watched readership fall significantly. Not only is the audience on our website shrinking but our audience on our smartphone apps has dipped, an extremely worrying sign on a growing platform. [S. 3]

oder:

Stories [für die gedruckte Ausgabe] are typically filed late in the day. Our mobile apps are organized by print sections. Desks meticulously lay out their sections but spend little time thinking about social strategies. Traditional reporting skills are the top priority in hiring and promotion. The habits and traditions built over a century and a half of putting out the paper are a powerful, conservative force as we transition to digital — none more so than the gravitational pull of Page One. [S. 7]

Dies nur zwei Feststellungen aus dem 96-seitigen Bericht, für den acht, meist jüngere «New York Times»-Mitarbeiter − «some of the most forward-thinking minds from around the newsroom» − für rund sechs Monaten freigestellt wurden, um den Kolleginnen und Kollegen, vor allem aber auch der Redaktionsleitung und dem Management den Spiegel vorzuhalten:

We spent the first few months reporting. We went on a listening tour of the business side, we met with hundreds of employees from around the newsroom, we interviewed leaders at dozens of other news organizations and spent time with readers. We pored over internal analytics, studied competing web sites, and read more reports, presentations and articles about changes in digital media than we can count. In effect, we did a deep-dive reporting project on our own paper and industry. By the end, we had a strong sense of both the opportunities and internal roadblocks that need to be addressed to thrive in a rapidly changing digital media landscape. [S. 8]

Gerade älteren Online-Mitstreitern dürften viele der im «Innovation»-Report erwähnten «roadblocks» nicht ganz unbekannt vorkommen — oder wie Mark Potts es in der «American Journalism Review» formuliert:

For those of us battle-scarred on the front lines of the digital news wars, the Times report was rife with passages that could have described newsrooms we’ve worked in.

Nachfolgend ein paar Auszüge aus dem gut lesbaren Bericht (verbunden mit der Hoffnung, dass die längeren Zitate gerade noch als «Fair Use» durchgehen mögen):
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«20 Minuten»: Werbung vor Inhalt

Da denkt man sich nichts Böses und nimmt wieder einmal eine Ausgabe von «20 Minuten» zur Hand − und dann das:
20Min_Werbung_vor_Inhalt
Quelle: «20 Minuten», 19. Mai 2014 (zum Vergrössern Bild anklicken)

Ist das neu oder werden die Inhalte des Pendlerblatts schon länger von Werbung aufgefressen?

Update: Nur keine Hemmungen, sagt sich offenbar auch der «Blick am Abend»:

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Und noch einmal Verweildauer

«Newsosaur» Alan D. Mutter hat sich wieder einmal mit einem meiner Lieblingsthemen, der Verweildauer auf News-Websites, auseinandergesetzt und ist dabei zu ernüchternden Ergebnissen gekommen:

«The bad news for publishers is that the average visitor in March spent only 1.1 minutes per day at a digital newspaper venue, according to supplementary data supplied to Newsosaur by comScore. The data show that the engagement rate at [US] newspapers falls well under the time spent at competing digital destinations.

In comparison to the 1.1 minutes spent daily at newspaper sites, the average time spent on social media is 33 minutes per day and the average time spent at search sites is 3.6 minutes per day, said Andrew Lipsman, a vice president of comScore.»

Etwas besser als die Websites von Zeitungen schneidet die Kategorie der «General News»-Sites ab, die Anbieter wie Yahoo News, NBC News, BuzzFeed oder CNN umfasst:
Verweildauer-Newsosaur
Quelle: Newsosaur

Bereits vor einigen Monaten hat Frédéric Filloux auf «Monday Note» übrigens die folgende Tabelle mit Angaben zur Verweildauer pro Monat publiziert und ergänzend angefügt:

«All of the above [in diesem Fall: below] compares to 6hrs 42min spent on Facebook, 2hrs on YouTube or Yahoo sites.»

Verweildauer_MondayNote_Nielsen
Quelle: Nielsen via Monday Note

Vgl. dazu auch Vom Verweilen (auf Websites) – ExpertInnen bitte vortreten und dortselbst insbesondere die Anmerkungen von Esther Kamber.

Siehe dazu auch:
- Attention Minutes statt Pageviews
- Where does the paywall go?
- Die «Flüchtigkeit» der User oder: Reichweite ist nicht alles

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Tamedia will zum «Local»-Hero werden

Mit dem Verkauf der «Altlast» Publicitas (s. hier), dem Geschäft mit der Vermittlung von Inseraten für Zeitungen und Zeitschriften, ist die in Lausanne beheimatete PubliGroupe offenbar zu einer attraktiven Braut geworden. Tamedia jedenfalls hat am vergangenen Donnerstagabend eine «Voranmeldung für ein öffentliches Kaufangebot für die PubliGroupe SA» eingereicht (Medienmitteilung). Rund 350 Mio. Franken will das Zürcher Medienunternehmen für die abgespeckte Lausannerin bezahlen.

Abgesehen hat es Tamedia dabei vor allem auf die «Verzeichnis- und Informationsplattform» local.ch, die im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von knapp 200 Mio. Franken erzielte. Aus der Medienmitteilung:

«Im Mittelpunkt der geplanten Übernahme steht die Beteiligung an local.ch. Tamedia ist bereits mit 75 Prozent [25% hält die Schweizer Post] an der im Nutzermarkt führenden Verzeichnis- und Informationsplattform search.ch beteiligt. Mit der Beteiligung am Geschäft von local.ch, das PubliGroupe gemeinsam mit Swisscom betreibt, will Tamedia ihre Position im Schweizer Verzeichnismarkt weiter ausbauen und im wachsenden Online-Markt für kleine und mittlere Unternehmen noch attraktivere Angebote entwickeln.»

Und damit jetzt nicht jemand kommt und «Monopol!» schreit, heisst es in der Medienmitteilung weiter:

«Gemeinsam erreichen die beiden Schweizer Verzeichnis- und Informationsplattformen local.ch und search.ch, die in ihrem Segment im Wettbewerb mit internationalen Anbietern wie Google stehen, 4.8 Millionen Nutzer pro Monat.»

Wie Rainer Stadler in der «NZZ» richtig feststellt, argumentiert Tamedia hier genau gleich wie die SRG, die ihre starke Marktstellung jeweils ebenfalls mit dem Verweis auf die Konkurrenz durch internationale Player (Google, Facebook, deutsche TV-Veranstalter etc.) zu relativieren versucht.

Etwas heikel dürfte es mit den Beteiligungen der PubliGroupe an den Verlagen SNP Société Neuchâteloise de Presse S.A. (29%; «L’Express», «L’Impartial»), Südostschweiz Presse und Print AG (20%; «Südostschweiz») und FPH Freie Presse Holding AG (25%; «St. Galler Tagblatt», «Neue Luzerner Zeitung») werden. Tamedia betrachtet diese allerdings nicht als «strategisch» und ist zu «Gesprächen mit den jeweiligen Mehrheitseigentümern und bei einer angemessenen Bewertung zu einem Verkauf bereit».

PS: Allein die PubliGroupe-Immobilie am Zürcher Neumühlequai wird laut «Finanz und Wirtschaft» mit 80 bis 90 Mio. Franken bewertet.

Update, 25. April 2014: Die Swisscom will auch:
- Swisscom will Publigroupe-Filetstück («Handelszeitung»)

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Nachgeholt

Markus Somm wird Verleger der «Basler Zeitung»

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Ringier übernimmt «Le Temps»

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Ringier-Jahresabschluss

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Ladina Heimgartner wird Direktorin von Radiotelevisiun Svizra Rumantscha (RTR)

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«Tages-Anzeiger»: Paywall und Redesign

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Sonntagszeitung-Redesign

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