Lebenslüge Konvergenz?

Die Integration von Print- und Online-Aktivitäten «‹sucked the life blood› out of journalism’s future», meint Clark Gilbert, CEO von Deseret News in Salt Lake City und Ex-Kollege von «Über-Disruptor» Clay Christensen (s. «Disruption can make really smart people look very dumb»).

Nun hat Wolfgang Blau (@wblau), Director of Digital Strategy des «Guardian» und ehemaliger Chefredaktor der Online-Ausgabe der «Zeit», in einem Twitter-Interview nachgedoppelt:

Würde mich schon noch interessieren, was hiesige Strategen und Entscheidungsträger dazu zu sagen haben.

von Martin Hitz | Bemerkungen (1)

Zugespitzt

Ziemlich zugespitzt das, liebe «NZZ am Sonntag»:

NZZaS_Bangkok
(«NZZ am Sonntag», 12. Januar 2014, S. 3)

von Martin Hitz | Bemerkungen (1)

«NZZ» going global?

Nachdem das mit den Zürcher Landzeitungen nicht so ganz hingehauen hat (s. etwa hier oder hier), will die «NZZ» dem Vernehmen nach nun auf Internationalisierung machen:

Worauf sich Yours Truly zu untenstehendem Tweet hinreissen liess …

,… nur um von @luschair auf folgendes aufmerksam gemacht zu werden …

,… wo es unter anderem heisst:

«Wie aus NZZ-Kreisen zu hören ist, will die Mediengruppe weiter investieren: Die Geschäftsleitung hat dem Verwaltungsrat den Antrag gestellt, ins nahe Ausland zu expandieren. Geplant ist der Aufbau einer Onlineredaktion in Österreich. Sollte sich dieser Schritt finanziell auszahlen, will man dem Vernehmen nach auch in Deutschland tätig werden. Das Budget für dieses Jahr soll angepasst werden. Der Verwaltungsrat will Mitte Januar entscheiden.»

Ach ja, und die Wirtschaftsauskunftei Moneyhouse hat die NZZ-Mediengruppe gestern auch noch gleich übernommen (Medienmitteilung) − Reputationsrisiko hin oder her.

Und noch etwas: Auch die «NZZ am Sonntag» will nun offenbar auf diesem Internet mittun:

Alles wird gut.

(Obige Tweets sind im Rahmen der Dreikönigstagung 2014 des Verbands Schweizer Medien entstanden.)

Update, 8. Januar 2013: Referat von NZZ-CEO Veit Dengler

von Martin Hitz | Bemerkungen (2)

Buzz am Abend

Als «das Medienereignis des Jahres» wurde er angekündigt, nun ist er da, der − zumindest auf den ersten Blick − 1:1-Buzzfeed-Klon des «Blick am Abend», und zwar mit allem, was dazugehört: herkömmliche News (à la «Blick am Abend», wohlverstanden), mehr oder weniger lustige Listicles, Native Advertising, keine Bannerwerbung.

Eines muss man den Machern lassen: Sie haben gut, sehr gut hingeschaut − und beim Kopieren überhaupt keine Hemmungen gezeigt (das Konzept zur Website gibt’s übrigens hier). Und irgendwie passt es ja auch recht gut zur Marke «Blick am Abend». Ob allerdings im normalen Tagesgeschäft genügend Ressourcen und die erforderliche Kreativität vorhanden sind, um Listicles zu produzieren, die attraktiv genug sind, um von den Usern auch weiterverbreitet zu werden, wird erst noch zu beweisen sein.

Ringier dürfte es mit dem neuen Angebot aber ohnehin vor allem darum gehen, den Platz (auf den Smartphones) zu besetzen, den Hansi Voigt vermutlich für sein Projekt «Watson» vorgesehen hat, das im ersten Quartal 2014 an den Start gehen soll. Und auch wenn Voigt die Tatsache, nicht an einen Printtitel gebunden zu sein, immer wieder als USP von «Watson» hervorhebt, könnte sich gerade diese «Altlast» für blickamabend.ch als Vorteil erweisen, erreicht die gedruckte Ausgabe des Gratisblatts doch jeden Tag gegen 800’000 Leserinnen und Leser, die kostengünstig mit Werbung für die neue digitale Plattform eingedeckt werden können.

Siehe dazu auch:
Viel Buzz um «Watson»

von Martin Hitz | Bemerkungen (0)

«Buzzfeed» − Journalism is not dead, it just smells funny

[Erstpublikation dieses Artikels: «Neue Zürcher Zeitung» vom 3. Dezember 2013 (PDF). Nachfolgend der minim längere «Director's Cut». Titel via @sarsarsar und frei nach Frank Zappa.]

Die amerikanische Website «Buzzfeed» gilt derzeit als Trendsetter im digitalen Journalismus. Sie vereint erfolgreich lustige Tierbildchen mit seriösem Journalismus. Ein Erklärungsversuch.

Sie sind allgegenwärtig, im Tram, im Zug, an der Bushaltestelle: junge oder auch nicht mehr so junge Menschen, die gelangweilt an ihrem Smartphone herumfummeln, E-Mails abfragen, die neusten Facebook-Einträge überfliegen oder sich die Zeit auf dem kleinen Bildschirm anderswie vertreiben.

Auf genau diese Klientel haben es die Macher von «Buzzfeed» abgesehen. Sie wollen die «Mitglieder» des, wie sie es nennen, «Bored at work»- und «Waiting in line»-Netzwerks unterhalten und ihnen so ein paar Minuten Ablenkung vom drögen Alltag verschaffen. Und sie tun dies mit Erfolg. Was 2006 als Freizeit-Projekt begann, ist inzwischen zu einem der meistbesuchten Portale und zum viel be-, mitunter aber auch verachteten Shooting-Star der amerikanischen Medienbranche geworden.
Weiterlesen

von Martin Hitz | Bemerkungen (0)

Nachgeholt: Rochaden, ein Protest, ein (halboffenes) Archiv und ein Nachrichtenstrom

Diego Yanez – von SRF zum MAZ

Diego Yanez gibt seinen Posten als Chefredaktor des Schweizer Fernsehens ab und übernimmt per 1. März 2014 die Leitung der Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern.

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Peer Teuwsen wechselt von der «Zeit» (Schweiz) zur «Zeit» (Hamburg)

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Arthur Rutishauser wird Chefredaktor der «SonntagsZeitung»

Arthur Rutishauser übernimmt per 3. Dezember 2013 die Leitung der «SonntagsZeitung». Als seine StellvertreterInnen sind Ex-«Blick»-Interimschefredaktorin Andrea Bleicher und Ex-«Weltwoche»-Redaktor Andreas Kunz vorgesehen. Für einzelne Ressorts des Sonntagsblatts soll eine engere Zusammenarbeit mit dem «Tages-Anzeiger» geprüft werden.

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NZZ-Gruppe ohne Peter Hogenkamp

Seit heute muss die NZZ-Mediengruppe ohne ihren Digitalchef Peter Hogenkamp auskommen.

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Kleine Revolte beim «Tages-Anzeiger»

«Die bisherigen Erfahrungen mit der Konvergenz machen uns Sorgen. Sie wirken sich auf die Stimmung aus, die Arbeit und damit auf die Qualität des ‹Tages-Anzeigers›»,

schreiben 121 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tamedia-Flaggschiffs in einem Protest-Brief (PDF) an ihre Vorgesetzten.

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«NZZ»-Archiv bis 1780

Sämtliche Ausgaben der «Neuen Zürcher Zeitung» können nun zurück bis 1780 im Volltext durchsucht werden. Für Abonnenten ist das Angebot frei zugänglich.

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«NZZ Stream»

Unter der Bezeichnung «NZZ Stream» ist seit Kurzem eine «Quartz»-ähnliche, alternative Einstiegsseite für NZZ.ch verfügbar,

«die alle veröffentlichten Artikel chronologisch in Listenform abbildet, sich automatisch aktualisiert und nach Ressorts filterbar ist»,

wie es im Blog von NZZ Lab heisst.

Chame mache, m.E. allerdings nur als Ergänzung zum «regulären» Angebot, denn von einer Redaktion erwarte ich, dass sie mir sagt, was wichtig ist, und nicht, was als letzte Meldung hereingekommen ist. Und mit dem Vorbild «Quartz» lässt sich die «NZZ» auch nicht wirklich vergleichen: Ersteres ist klar auf Wirtschaftsthemen fokussiert, Letztere ist ein «General Interest»-Angebot, das ein breites Themenspektrum abdeckt.

von Martin Hitz | Bemerkungen (3)

Abt. «Weisch no?» − JFK ermordet

Wir sind wieder auf Sendung, und das gleich mit einem Supermega-Kracher:

Heute vor genau 50 Jahren wurde US-Präsident John F. Kennedy in Dallas, Texas, auf offener Strasse erschossen. Und die Medien überbieten sich mit Rückblicken − die «NZZ am Sonntag» bereits vor bald zwei Wochen etwa gleich mit +/-14 Seiten.

Unter dem Titel «Grandpa, grandpa, tell me about the JFK assassination again!» schreibt Reuters-Blogger Jack Shafer dazu:

«If you’re 54 years old or younger, which accounts for about 80 percent of the population, you’re too young to have any contemporaneous memories of the killing from 50 years ago. [...] For slightly older readers, the coverage isn’t designed to make you remember the murder and aftermath, it’s designed to remind you of the previous years the media reminded you of the episode.

Who are the designers? The editors and producers who control news media are mostly boomers older than 55, who like all the generations before them frequently confuse important things that happened when they were young for news.»

Und weiter:

«Children have a good excuse for wanting to be told old stories. They’re not very bright, they often don’t absorb the whole narrative the first time around, they learn by repetition and draw comfort from it — and if the story recounts how Bambi’s mother got whacked, they have every right to hope that in the retelling the dark story will be much brighter. Adults have no such infantile excuse. [...]

I’m not such a stick in the mud that I protest people keying on an anniversary to remember historical milestones, to lay wreaths, to dress in costumes and reenact battles or historical events, hold hands, or give speeches. I don’t even mind news accounts of such gatherings as long as they’re buried somewhere in the newspaper where I can’t find them.»

Shafers ganze Kolumne gibt’s hier.

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Viel Buzz um «Watson»

Nun ist es offiziell: Die Aargauer AZ Medien beteiligen sich an Hansi Voigts Online-Projekt «Watson». Aus der Medienmitteilung:

«AZ Medien beteiligen sich massgeblich an der Fixxpunkt AG. Das Start-up von Gründer Hansi Voigt lanciert im ersten Quartal 2014 das Mobile-Newsportal ‹watson›. Die Fixxpunkt AG arbeitet seit Mai 2013 an der Entwicklung eines neuen Gratis-Newsportal mit Namen ‹watson›. Die Lancierung des Portals ist auf das 1. Quartal 2014 geplant und richtet sich in erster Linie an eine urbane, mobile Nutzerschaft.»

Etwas mehr weiss Christof Moser in der ebenfalls aus dem Hause AZ Medien stammenden «Schweiz am Sonntag» zu berichten:

«Im AZ-Verwaltungsrat ist Anfang dieser Woche der entscheidende Vertrag unterzeichnet worden, der das Projekt, für das in den nächsten drei bis vier Jahren mit einem Finanzierungsbedarf von 20 Millionen Franken gerechnet wird, auf die Startrampe schiebt. Die AZ-Medien und Wanners private BT Holding beteiligen sich je zur Hälfte an Voigts FixxPunkt AG. Zehn Prozent der Aktien werden für die Gründer reserviert und fünf Prozent für die Mitarbeiter.»

Noch im Frühjahr hatte AZ-Verleger Peter Wanner einen Einstieg bei «Watson» von der Teilnahme weiterer Investoren abhängig gemacht. Nun sagt er gegenüber seinem Sonntagsblatt:

«Wir können das Projekt auch allein stemmen».

Das Projekt dürfte sich allerdings durch eine hohe «Burn Rate» auszeichnen, sollen gemäss «Schweiz am Sonntag» beim für das erste Quartal 2014 geplanten Launch doch gegen 50 Personen, davon über 40 Journalistinnen und Journalisten auf der Lohnliste von «Watson» stehen.

Zum publizistischen Konzept des Start-ups heisst es in der «Schweiz am Sonntag»:

«‹Wir wollen nicht einfach Inhalte zusammenklauen, sondern beim Publikum mit guten, eigenen Geschichten punkten›, sagt Voigt, der sein künftiges Portal inhaltlich zwischen Newsnet und ‹20 Minuten›-Online positionieren will. ‹Wir werden nicht langweilig sein, aber auch nicht dumm›. Was das konkret bedeutet, umschreibt Voigt so: ‹An einem Tag, an dem die ‹Tagesschau› zum wiederholten Mal über einen Gripen-Entscheid im Parlament berichten muss – was wichtig ist, aber keinen interessiert – wird das Topthema bei uns vielleicht US-Sängerin Miley Cyrus und ihre Sexkapaden sein – darüber reden alle, und auch darüber kann man intelligent berichten.‹»

Etwas Ähnliches hat offenbar auch Ringier vor, wie verschiedene Medien in der vergangenen Woche berichteten.

Kurt W. Zimmermann zu den Erfolgsaussichten:

Wir wünschen den beiden Projekten jedenfalls viel Erfolg − dem einen vielleicht etwas mehr als dem anderen.

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«Le Temps» steht zum Verkauf

Tamedia beherrscht den welschen Pressemarkt; 68 Prozent der kumulierten Auflagen von Titeln, die mindestens 0,5 Prozent der sprachregionalen Bevölkerung ab 15 Jahren erreichen, stehen laut Jahrbuch «Qualität der Medien» unter der Kontrolle der Zürcher oder werden von diesen zumindest mitkontrolliert (s. Grafiken hier).

So auch die Zeitung «Le Temps», das einzige Blatt, das es in der Romandie gemäss «Jahrbuch» in die Kategorie der «qualitätshohen» Titel schafft und an dem Tamedia und Ringier Beteiligungen von je 46,2 Prozent halten.

Von der einzigen Qualitätszeitung im welschen Presseportfolio will sich Tamedia nun aber gemeinsam mit Ringier trennen, wie es in einer Medienmitteilung heisst:

«Die Medienhäuser Ringier und Tamedia planen den Verkauf ihrer Beteiligungen an der Westschweizer Tageszeitung Le Temps. Mit einem starken Mehrheitsaktionär würden angesichts der strukturellen Herausforderungen der Medienbranche die besten Voraussetzungen für den Fortbestand und die Weiterentwicklung von Le Temps geschaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben Ringier und Tamedia entschieden, alle Möglichkeiten unvoreingenommen prüfen.»

Unter einer Voraussetzung könnte der französischsprachige Tamedia-Ast dem drohenden «Dumbing down» allerdings noch entrinnen:

«Sollte kein überzeugendes Angebot eingehen, werden sowohl Ringier als auch Tamedia Publications romandes den Kauf der Beteiligung des Anderen prüfen.»

Update:
- Eine Chance für die NZZ (Nick Lüthi, «Medienwoche»)
- Medienqualität − «Le Temps» und das Renditedenken (Rainer Stadler, «NZZ»)

von Martin Hitz | Bemerkungen (0)

Jahrbuch zur Qualität der Schweizer Medien (2013)

Mit der Ausgabe 2013 des Jahrbuchs «Qualität der Medien – Schweiz – Suisse – Svizzera» hält das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG) der Universität Zürich den eidgenössischen Medien auch dieses Jahr den Spiegel vor.

Und wiederum haben die Forscher kaum Positives zu vermelden: Insbesondere die Qualitätsmedien verfügen über immer weniger Geld und können ihre Einordnungsfunktion (deshalb?) immer weniger gut wahrnehmen; der Sockel «qualitätstiefer Informationsmedien» ist noch einmal breiter geworden, die Erosion «qualitätshoher Angebote» setzt sich fort. Keine spektakulären Entwicklungen gegenüber dem Vorjahr also, was angesichts der hohen Publikationsfrequenz des Jahrbuchs allerdings auch nicht wirklich überrascht (ob ein Zweijahresrhythmus nicht auch reichen würde?).

Aussagekräftiger ist da ein Vergleich mit der Situation zu Beginn des Jahrtausends, als die Gratismedien − on- und offline − ihren Siegeszug antraten und sich der Umbruch im Mediensektor aufgrund der zunehmenden Bedeutung des Internets zu beschleunigen begann.

Aber − spät kömmt es, doch es kömmt − for the record und als Service public ganz der Reihe nach:
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von Martin Hitz | Bemerkungen (0)