Medienschau

20. März 2010

Viel Common Sense von Wolfgang Blau und Alan Rusbridger

Im Rahmen der Konferenz «Journalism 2020» diskutierten «Zeit Online»-Chef Wolfgang Blau und «Guardian»-Chefredaktor Alan Rusbridger am vergangenen Donnerstag in Wien über «The Future of Journalism». derStandard.at hat die wichtigsten Aussagen in einem leider weder direkt verlink- noch legal einbettbaren Video festgehalten (zuoberst in der linken Spalte). 11:38, die sich lohnen.

Ralph Grosse-Bley wird definitiver «Blick»-Chefredaktor

Ringier teilt mit:

    «Ab sofort führt Ralph Grosse Bley die Redaktion des Blick als Chefredaktor. Seit dem 2. Juli 2009 war er interimistischer Chefredaktor. In den vergangenen rund neun Monaten hat sich Ralph Grosse-Bley als hervorragender Boulevard-Blattmacher bewiesen. Grosse-Bley war am erfolgreichen Relaunch des Blick im Oktober 2009 massgeblich beteiligt. Unter seiner Leitung fand der Blick mit konsequentem Boulevard und dem Wechsel zurück zum grossen Format zum Kern seiner Marke zurück.»

Grosse-Bley ─ yes, the one of Borer fame ─ tritt damit nun offiziell die Nachfolge des im Juli 2009 zurückgetretenen Bernhard Weissberg an (s. dazu hier).

Wie hatte Nachbar Norbert Neininger im Zusammenhang mit Weissbergs Abgang doch voraussehend geschrieben:

    «Jetzt bleibt dem Blick eigentlich nur ein Weg: Den der englischen Tabloids, welche täglich die nach unten offene Geschmacksgrenze erweitern. Das kann und will kein Schweizer machen und so werden wohl bald Söldner aus den Stammlanden des Boulevards bei uns einziehen.»

«Thurgauer Zeitung»: Peter Hartmeier folgt auf Ursula Fraefel

Ursula Fraefel gibt ihr Amt als Chefredaktorin der «Thurgauer Zeitung» per Ende März 2010 ab und übernimmt den Posten einer «Verantwortlichen für Kommunikation und Kampagnen» beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse. Fraefels Nachfolger bei der «Thurgauer Zeitung» wird Peter Hartmeier, der dem Blatt seit dem vergangenen Jahr bereits als Verleger vorsteht. (Medienmitteilung)

Interview mit Ursula Fraefel («Klein Report»)

13. März 2010

«Wir organisieren die Rangreihenfolge»

    «Das Netz quillt über mit Informationen – wir organisieren die Rangreihenfolge. Das ist die Leistung, die wir bringen.»
Der dies laut Heise Online sagte, ist Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer Public Affairs der Axel Springer AG. Mit «wir» meint Keese die deutschen Zeitungsverleger, und für deren Leistung, die «Organisation der Rangreihenfolge» eben, fordert der Springer-Mann eine Leistungsschutzabgabe auf beruflich genutzte Computer.

Nicht nur auf hiesigen News-Websites ist es um diese «Rangreihenfolge» jedoch nicht immer zum Besten bestellt. So schreibt etwa Thomas Knüwer auf seinem Blog Indiskretion Ehrensache:

    «Nun, dann schauen wir uns die Rangreihenfolge doch einmal an, in diesen Sekunden, da ich dies tippe. Da meint Welt Online, die wichtigste Meldung der Welt sei, dass die FDP Kritik an Guido Westerwelle ‹Diffamierung› nennt. Derzeit also, in diesen Sekunden, gibt es auf der Welt nichts Wichtigeres als PR einer Partei. Es muss ein ruhiger Tag sein. Daneben bekomme ich mitgeteilt, dass ein Aldi-Bruder laut ‹Forbes›-Liste nicht mehr so reich ist wie zuvor – eine Meldung von gestern. Oder ich darf mir das Auslaufen eines Kreuzfahrtschiffes anschauen – inszenierte Unternehmens-PR.»

Und:

    «[...] die Redaktionen der Republik haben ja kein Interesse daran, tatsächlich die Rangreihenfolge der Nachrichten abzubilden – es wäre für sie in Sachen Abrufzahlen kontraproduktiv. Nein, Online-Redaktionen gewichten die Meldungen besonders stark, die in einem bestimmten Moment besonders hohe Abrufzahlen erreichen. Somit erhalte ich nur dann einen ordentlichen Überblick über die Nachrichtenlage, wenn ich viel klicke oder besonders häufig auf der Seite zu Gast bin. Das ist für die Redaktion wünschenswert, für den Leser extrem ineffizient.»

Siehe dazu auch:
- «It's journalism caviar»
- Experten zu Newsnetz – uncut
- (Online-)Journalismus ist auch eine Dienstleistung

12. März 2010

Googles Rat an Zeitungsverleger: «Experimentieren, experimentieren, experimentieren»

An einem Workshop der Federal Trade Commission referierte Google-Chefökonom Hal Varian am vergangenen Dienstag zum Thema «Newspaper Economics, Online and Offline». Martin Langeveld hat Varians Präsentation für das Nieman Journalism Lab zusammengefasst und der Zusammenfassung ein Transkript des Vortrags angehängt. Nichts Weltbewegendes zwar, aber dennoch lesenswert, insbesondere wenn man sich in einem zweiten Browserfenster gleichzeitig Varians Slides (PDF) anzeigen lässt.

Hier nur ein Auszug zu einem meiner Lieblingsthemen, der Verweildauer, also der Zeit, die User auf News-Websites und mit gedruckten Zeitungen verbringen:

Weiter lesen ...

9. März 2010

Abt. «Dumme Fragen»

Heute mit «NZZ Campus» (März 2010, S. 3):

1. Frage an die Studentin Ishita Malaviya (21):

    «Was fühlst Du beim Surfen?»
3. Frage an die Studentin Ishita Malaviya (21):
    «Und wie fühlst Du Dich, wenn Du zur Uni gehst?»

6. März 2010

Abt. «Dümmliche Umfragen»

Heute mit tagesschau.sf.tv:

SF_Umfrage_Fruehling_Winter.png

5. März 2010

Reicht ein Schulterzucken?

von Fred David

War die Publikation der zwei Polizeifotos von Hannibal Ghadhafi journalistisch gerechtfertigt? Brachte das Foto einen notwendigen Informationsgewinn? Darf ein Polizeifoto nach Einstellung des Strafverfahrens publiziert werden, auch wenn gegen den Beschuldigten nichts mehr vorliegt? Sollte sich die Zeitung entschuldigen? Der Chefredaktor der «Tribune de Genève» antwortet in einem Interview mit «Le Temps» – und lässt alles offen.

Zur Erinnerung: Etwa ein Dutzend Genfer Polizisten hatten sich am 21. Juli 2008 gewaltsam Zugang zu Hannibals Hotelzimmer im Hotel Président Wilson verschafft und ihn offenbar mit gezogener Waffe abgeführt. Der Vorwurf: Er beziehungsweise seine Frau hätten zwei Dienstboten geschlagen und genötigt. Hannibal sass zwei Tage in einer Zelle mit einem andern Gefangenen und kam dann gegen eine Kaution von 500'000 Franken frei. Die zwei Hausangestellten zogen kurze Zeit später ihre Anzeige zurück. Das Strafverfahren wurde eingestellt.

Einige Zeit danach veröffentlichte die «Tribune» die zwei Polizeifotos Hannibals, was zu heftigen Protesten Libyens und einer Klage gegen einen «Tribune»-Journalisten wegen Verletzung des Persönlichkeitsschutzes führte. Das Verfahren ist hängig. Die Staatsanwaltschaft konnte den Lieferanten der Polizeifotos bis heute nicht eruieren. Die Weiterungen der Affäre sind bekannt: Geiselnahme in Libyen, Einreiseverbot für 180 hochrangige Libyer in die Schweiz, in Anspruchnahme der Solidarität aller Schengen-Staaten durch die Schweiz, Jihad-Androhung durch Ghadaffi – die grösste aussenpolitische Krise der Schweiz der letzten Jahrzehnte.

Dass der Chefredaktor den Fotolieferanten schützt, ist nachvollziehbar. Aber reicht angesichts der Dimension der Affäre ein Schulterzucken?

Update, 9. März 2010: Siehe dazu auch Rainer Stadlers «Hannibal und die Bilderflut».

2. März 2010

Martin Spieler wird Chefredaktor der «SonntagsZeitung»

Martin Spieler, derzeit noch Schriftleiter der «Handelszeitung» sowie Verwaltungsratsmitglied der Club zum Rennweg AG und der 3 Plus Group AG (TV-Sender 3+), tritt im Sommer 2010 die Nachfolge von Andreas Durisch als Chefredaktor der «SonntagsZeitung» an. Dies gab Tamedia heute in einer Medienmitteilung bekannt.

Siehe dazu auch:
Andreas Durisch verlässt die «SonntagsZeitung»


Update, 4. März 2010: Frage von «persoenlich.com» an den designierten «SoZ»-Chefredaktor:

    «Also kein Platz für Midrisk Journalismus?»
Antwort Martin Spieler:
    «Kritischer Journalismus geht immer Risiken ein. Aber wer eine zu hohe Fehlerquote bei seinen Geschichten aufweist, ungenau arbeitet und unfairen Journalismus betreibt, hat in meinem Team nichts zu suchen.»
Aha, kein Midrisk-Journalismus zwar, aber äs bitzeli Pfusch darf dann schon sein.

28. Februar 2010

Von Waschmaschinen und «NZZaS»-Redaktorinnen

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«Genau mein Stil», wird Fiona Hefti, «Stil»-Redaktorin der «NZZ am Sonntag», in einem in der «NZZ am Sonntag» erschienenen Inserat des Waschmaschinenherstellers Schulthess zitiert.

Trümlig, wirklich trümlig ......... könnte es einem da werden!

Ob Frau Hefti auch für die Marke OPI tätig ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Zu den Nagellacken des Kosmetikherstellers schreibt sie jedenfalls – dieses Mal im redaktionellen Teil der «NZZaS»:

    «Die raffiniertesten Farben aber sind jene Farbtöne dazwischen, zum Beispiel Dunkelgrau ‹You don't know Jacques› von OPI [...]. OPI gehört zu den wichtigsten Namen in Sachen Nagellack. Mit über 300 Farben hat der ehemalige Zahn-Produkte-Hersteller die wohl grösste Palette an Lacken.»
u.s.w.u.s.f.

The State of the Internet


(Via KoopTech)

26. Februar 2010

«Really, really good journalism is really hard»

Ben Hammersley, Chefredaktor von «Wired» (UK) zu Print, Online, news as a conversation («I violently, violently, massively disagree with that»), Paid Content etc. Knapp 19 Minuten gesunder Menschenverstand:


(Quelle: dctp.tv)

25. Februar 2010

Was ist da los?

Von Fred David

Habe ich ein altmodisches Verständnis von Journalismus? Offenbar - hoffnungslos veraltet.

Heute Nacht (Donnerstag, 25.2.) um 3.45 Uhr brannte in Kappelen ein Asylbewerberheim lichterloh. Es kam zu dramatischen Szenen, wie ich mich nicht erinnern kann, von so etwas in den letzten Jahren gelesen zu haben: 14 Schwerverletzte, 30 Verletzte insgesamt, schwere Knochenbrüche, Beckenbrüche nach Stürzen aus dem Fenster, «verängstigte Mütter halten schreiende Kinder auf dem Arm, ein Mann schlotternd barfuss in der Kälte, Rettungswagen in Minutentakt.»

Unsere sonst so kreglen Online-Dienste zitieren auch noch Stunden später als Quelle ihrer dürren Kurzmeldungen entweder sda («Tagesschau»), «die online-Ausgabe des Bieler Tagblatts» (Newsnetz) oder «einen Polizeireporter» («20minuten.ch»).

Die «Tagesschau» hat noch um 10.30 Uhr eine karge 12-Zeilen-sda-Meldung aufgeschaltet. Bei «NZZ Online» und Newsnetz verschwanden die Meldungen zwischendurch gar völlig.

Noch um 10.30 Uhr wird «auf die Medienkonferenz um 10 Uhr» verwiesen. Dort kann man sich wenigstens bequem hinsetzen.

Sechs Stunden nach einem solchen Ereignis? Nicht in Timbuktu, sondern im Kanton Bern, bequem im Zug, erster Klasse, vollklimatisert in 40 Minuten erreichbar.

22. Februar 2010

Forschungsbeiträge für die «Lage der Medien in der Schweiz»

Noch bis zum 28. Februar 2010 kann sich beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) bewerben, wer die «Lage der Medien in der Schweiz» erforschen möchte. (Medienmitteilung)

Folgende Fragestellungen gilt es dabei gemäss «Erläuterung» (PDF) zu bearbeiten:

  1. Beleuchtung der wirtschaftlichen Grundlagen von Medienunternehmen (Presse, Radio, Fernsehen und Internet);

  2. Auswirkungen der Medienkonzentration auf die Meinungsvielfalt (Presse, Radio, Fernsehen und Internet);

  3. Zukunftschancen verschiedener Medien (Gratiszeitungen, Abonnementszeitungen, Publikumszeitschriften, Mitgliederpresse, Internetzeitungen; öffentlichrechtliches Radio und Fernsehen, privatwirtschaftliches Radio und Fernsehen; Internetradio und –fernsehen, Blogs, webbasierte soziale Netzwerke);

  4. Auswirkungen des Internets auf Presse, Radio und Fernsehen.

Nur Mut!

18. Februar 2010

Gerhard Schwarz verlässt die «NZZ»

Gerhard Schwarz, langjähriger Wirtschaftschef und stellvertretender Chefredaktor der «NZZ», wird neuer Direktor des Think Tanks Avenir Suisse. Er wird sein neues Amt voraussichtlich im vierten Quartal 2010 antreten, wie die «NZZ» mitteilt.

Wenn das Aushängeschild der «NZZ» die alte Tante nach fast 30 Jahren verlässt, sagt das dann möglicherweise etwas über die aktuelle Stimmung an der Falkenstrasse aus?

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