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      <title>Medienspiegel.ch</title>
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      <description>Die Medien im Spiegel der Medien</description>
      <language>de</language>
      <copyright>Copyright 2010</copyright>
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         <title>7. Radiosymposium: Aufmerksamkeit um jeden Preis?</title>
         <description><![CDATA[Veranstaltungshinweis: <ul>«Aufmerksamkeit ist das A und O im heutigen Journalismus. Nur wer Aufmerksamkeit erregt, wird wahrgenommen. Das gilt für Personen, welche die Medienöffentlichkeit suchen – aber auch für die Medien selbst. Denn Aufmerksamkeit bringt Quote – und ohne Quote kein Überleben in der Medienkonkurrenz.

Der Kampf um die Aufmerksamkeit verändert den Journalismus. Er beeinflusst die Auswahl der Themen und prägt ihre Aufbereitung. Das wirkt sich auf die Meinungsbildung aus und auf das Funktionieren der Demokratie. Eine Entwicklung zum Guten oder Schlechten? 
Das 7. Radiosymposium von Schweizer Radio DRS macht den Kampf der Medien um Aufmerksamkeit und seine Folgen zum Thema – im Gespräch mit Wissenschaftlern, Medienpraktikern und Publikum.

Der Anlass ist öffentlich und kostenlos. Weitere Informationen zum Anlass und Anmeldung unter <a href="http://www.radiosymposium.drs.ch/">radiosymposium.drs.ch</a>. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt.»</ul>
]]>
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         <pubDate>Wed, 01 Sep 2010 16:58:56 +0000</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Gebt Somm eine Chance</title>
         <description>Natürlich ist es billig, wenn die Basler Linke jetzt aufheult, weil der rechtsbürgerliche Markus Somm nun die Redaktion der «Basler Zeitung» führt. Der einfache Reflex gegen den politisch missliebigen «Weltwoche»-Mann ist etwas gar durchsichtig nach der Devise, das ist keiner von uns, also ist er dieser Aufgabe nicht gewachsen. Somm ist eine faire Chance zuzugestehen, diese Redaktion zu führen und das Beste aus dem Blatt zu machen. 
          <![CDATA[<p>Zumal die «Basler Zeitung» bisher tatsächlich keine Erfolgsgeschichte ist, wie Verleger Martin Wagner zu Recht konstatierte. Und Somm ist intelligent genug, um zu wissen, dass er eine Regionalzeitung mit Meinungsführerschaft nicht im Stil einer Autorenzeitung wie die «Weltwoche» leiten kann.</p>

<p>Trotzdem ist Somm zu empfehlen, sich im Hinblick auf die kühlere Jahreszeit warm anzuziehen. Denn der Zürcher, jetzt selbst im Rampenlicht, wird sich stets die radikale Kritik gefallen lassen müssen, mit der er selbst zu urteilen beliebt. Nur knallhart austeilen und beim Einstecken auf Sensibelchen machen, das geht nicht – oder ist höchstens peinlich. Man denke an all die Deltenres, Köppels, Frank A. Meyers etc.</p>

<p>Somm hat sich das Image des Knüppelschwingers ehrlich verdient. Er schuf gewissermassen seinen Marktwert mit dem Eindreschen auf alles Linke und was er dafür hält. </p>

<p>So bezeichnet er einen Max Frisch als Inspirator der «sogenannt kritischen Intellektuellen». Überhaupt hat das Wort «Intellektuell» bei Somm fast immer einen Dégout: «Seit Jahrzehnten zweifeln die Schweizer Intellektuellen am Sinn der Schweiz. Regelmässig wird der Untergang angekündigt, wiederholt verdammen sie ein Land, das sie für egoistisch halten.» Oder wenn er sich darüber lustig macht, wie sehr die «Intellektuellen» Bundesrat Leuenberger verehrten, den Somm als «Dichter-Bundesrat» disqualifiziert. Ein «Dichter-Bundesrat»? Das ist bei Lichte betrachtet einer, der es nicht so ganz ernst meint und der vor allem Fiktion und Realität nicht auseinander halten kann. </p>

<p>Naturgemäss verfügt Somm als Historiker über ein Langzeit-Gedächtnis, etwa wenn er dem Berner SP-Nationalrat Peter Vollmer genüsslich unter die Nase reibt, dass dieser 1986(!) einen Parteitag der SED besucht hat - und fragt: «War er ein Spion?» Das ist, mit Verlaub, eine unredliche Masche.</p>

<p>Doch das war «Weltwoche»-Geplänkel. Jetzt hat für Somm ein anderer Lebensabschnitt begonnen. Als BaZ-Chef  könnte er sich ja erneut als ein so wendiges Bürschchen erweisen, wie damals, als er vom «Tages-Anzeiger» zur «Weltwoche» wechselte.</p>

<p><em>Rolf Hürzeler, vormals Medien- und Kulturredaktor bei «Facts» und Kulturchef beim Pendlerblatt «News», amtet seit dem 1. September 2008 als Chefredaktor des Magazins «Saldo».</em><br />
</p>]]></description>
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         <pubDate>Wed, 01 Sep 2010 15:11:09 +0000</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Chefwechsel in Basel und auf dem Boulevard</title>
         <description><![CDATA[Markus Somm, yes the one of «Weltwoche»-Fame, wird Chefredaktor der «Basler Zeitung» – und zwar sofort! Der bisherige Chefredaktor, Matthias Geering, verlässt das Unternehmen – und zwar sofort! 

Interessantes Detail: Die <a href="http://bazonline.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Markus-Somm-wird-BaZChefredaktor/story/31380338 ">entsprechenden</a> <a href="http://bazonline.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Mehr-Wahrnehmung-in-der-Schweiz/story/12726017 ">Berichte</a> sind auf «Baz online» nicht kommentierbar. Fürchtet man sich am Ende vor den Reaktionen der Leserschaft?

<center>*<sub>*</sub>*</center>

Schon etwas länger zurück liegt eine weitere Personalie. Per Ende August hat Hannes Britschgi die Leitung des «SonntagsBlicks» an Ex-«Bild»-Mann Karsten Witzmann abgegeben. (<a href="http://www.ringier.ch/index.cfm?id=12893&detail=true">Medienmitteilung</a>). Britschgi wird aber nicht wie Geering einfach abserviert. Vielmehr erhält er den Titel «Publizist für Ringier Schweiz» ... und eine Suite im Berner Hotel Bellevue, wie Rainer Stadler in der «NZZ» vom 21.8.2010 (online nicht frei zugänglich) berichtete.
 
<p />]]>
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                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medienschau</category>
        
        
         <pubDate>Mon, 30 Aug 2010 16:54:16 +0000</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Von Warenhausbotschafterinnen und «NZZaS»-Redaktorinnen</title>
         <description><![CDATA[Aus dem <a href="http://www.kleinreport.ch/meld.phtml?id=57298">«Klein Report»</a>: <ul>«<strong>Fiona Hefti wird Botschafterin von Jelmoli</strong>
[...] Den Kundinnen und Kunden von Jelmoli werde Fiona Hefti als Model und Moderatorin begegnen, heisst es in der Mitteilung der beiden vom Dienstag.»</ul> Nach <a href="http://www.nzz.ch/impressum_hefti_fiona_1.88020.html?independent=true">Stil-Redaktorin</a> beim Qualitätsblatt «NZZ am Sonntag» und Waschmaschinenexpertin bei Schulthess nun also auch noch Detailhandelsfachfrau – und das alles in Personalunion, wohlverstanden!

<strong>Siehe</strong> dazu auch:
- <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002587.html">Von Waschmaschinen und «NZZaS»-Redaktorinnen</a>

<strong>Update:</strong> Der <a href="http://infam.antville.org/stories/2015135/">infame patpatpat</a> meint seufzend: «O tempora, o mores!»
 
<p />]]>
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         <pubDate>Thu, 26 Aug 2010 10:41:23 +0000</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Facts &amp; Figures zum Medienwandel in der Schweiz</title>
         <description><![CDATA[Studierende des Forschungsseminars «Medienwandel - Gesellschaftswandel» der <a href="http://www.mediachange.ch/">Abteilung Medienwandel & Innovation</a> des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung (IPMZ) der Universität Zürich haben Statistiken zum Medienwandel in der Schweiz abgegrast und daraus den folgenden Videoclip produziert (mehr dazu <a href="http://mediachange.ch/news/26/">hier</a>):

<object width="384" height="231"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/UsMvG8Tz0Ac?fs=1&amp;hl=en_US&amp;rel=0"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/UsMvG8Tz0Ac?fs=1&amp;hl=en_US&amp;rel=0" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="384" height="231"></embed></object>
 
<p />]]>
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         <link>http://www.medienspiegel.ch/archives/002689.html</link>
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         <pubDate>Tue, 24 Aug 2010 20:34:51 +0000</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Zeichen und Wunder: Eine Qualitätsdebatte über die Medien in den Medien</title>
         <description><![CDATA[In der kurzen Zeitspanne seit dem das Jahrbuch Qualität der Medien – Schweiz Suisse Svizzera 2010 am Freitag, dem 13., das Licht der Welt erblickt hat, entfalten sich interessante Auseinandersetzungen über den Zustand der Informationsmedien in der Presse, im Radio, im Fernsehen, auf Newssites sowie in zahlreichen Blogs von Journalisten (natürlich auch <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002685.html">hier</a> und <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002684.html">hier</a> auf Medienspiegel.ch). Für das Vorhaben des Jahrbuchs, das Bewusstsein für die Qualität der Medien zu heben, gibt es nichts Besseres. ]]>
          <![CDATA[<p>Dies ist ein guter Lohn für die Arbeit, allein schon weil die Auseinandersetzung über die Qualität der Medien in den Medien praktisch nicht mehr stattfindet. Ich konnte die Debatte für «Die Zeit» vom Donnerstag (19.8.2010) kurz zusammenfassen. Hier nun ein etwas ergänztes Resümee. Was ist der zentrale Befund des ersten Jahrbuchs und wie hat die Auseinandersetzung darauf reagiert?</p>

<p><strong>Zur Qualität der Informationsmedien</strong></p>

<p>Das Jahrbuch (<a href="http://www.qualität-der-medien.ch/">www.qualität-der-medien.ch</a>) zeigt die Unterschiede der journalistischen Qualität in den Mediengattungen Print, Radio, TV und Online. Es verweist u.a. auf eine Zunahme der Personalisierung und der emotionalen Aufladung auf Kosten sachlicher Information, eine Stärkung des Episodischen zu Lasten der journalistischen Einordnung und auf die Reduktion der publizistischen Vielfalt.</p>

<p>Über Anpassungseffekte und Ressourcenmangel wird ein Professionalitätsverlust bei den Informationsmedien insgesamt dokumentiert. Der Ressourcenmangel ist eine Folge sinkender Werbe- und Abonnementseinnahmen, stagnierender Gebühreneinnahmen und der Abwanderung von Werbeetats zu Suchmaschinen und zum Social Web. Allein die Werbeinnahmen der Presse sind seit 1999 um 34% geschrumpft.</p>

<p>Gleichzeitig lässt sich ebenfalls ab 1999 der Siegeszug eines qualitätsschwachen Informationsjournalismus in Gratismedien off- und online beobachten, der von jüngeren Publika zwischen 15 und 34, die in der Gratiskultur sozialisiert worden sind, am meisten konsumiert wird. Und ausgerechnet die Newssites, die die Zukunft des Informationsjournalismus (aufgrund der Konvergenz von Radio, TV und Presse) bilden, haben Redaktionen mit einer sehr schlechten Ressourcenausstattung.</p>

<p>Die Folgen dieser Entwicklungen sind ein weiter steigender Vertrauensverlust in die Medien, ein gesellschaftspolitisch unerwünschter Statusverlust des Journalismusberufs, eine Entprofessionalisierung desselben, eine sinkende Zahlungsbereitschaft mitsamt sinkendem Kostenbewusstsein auf Seiten des Publikums und ein Rationalitätsverlust in der demokratischen Auseinandersetzung.</p>

<p><strong>Zur Auseinandersetzung</strong></p>

<p>Es lassen sich drei Ansätze der Auseinandersetzung dingfest machen. Kritiken, die den Diskurs überhaupt nicht befördern, werden hier nicht behandelt. Entweder weil sie ausgerechnet bei diesem Thema auf die Person zielt (Vonarburg im «Tages-Anzeiger», im «Bund» und im Newsnetz) oder weil sie einer Verschwörungstheorie huldigen (Engeler in der «Weltwoche», ein <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Rueckwaertsgewandt-und-methodisch-fragwuerdig/story/15364496">Privatmedienanwalt im Newsnetz</a>) oder – man wundert sich schon etwas, wie tief die Schamgrenzen sind – weil der durch das Newsnetz befragte <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Boulevard-ist-ein-ueberholter-Kampfbegriff/story/26069357">Experte (Karl Lüönd)</a> erklärtermassen keine Ahnung vom Jahrbuch hat.</p>

<p><strong>Erster Ansatz: Verfallsthese</strong></p>

<p>Während die aktuellen Unterschiede in der Medienqualität keinerlei ernsthaften Widerspruch fanden, stiess der Erosionsbefund über die Zeit ebenfalls auf Zustimmung, wenn auch mit differenzierenden Einwänden. Obwohl sich das Jahrbuch vor allem auf die jüngste Entwicklung seit der Jahrtausendwende bezieht, machten Rainer Stadler in der «NZZ», Luzi Bernet im «Echo der Zeit» und <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/meinungen/dossier/kolumnen--kommentare/Wie-gut-sind-unsere-Medien/story/23903696">Res Strehle im Tages-Anzeiger</a> den grossen Bogen und bezogen sich auf die Ära der Parteizeitungen (in der Schweiz bis in die 1970er Jahre), um diese mit der Gegenwart zu vergleichen. Das trifft das Jahrbuch nicht, ist aber spannend. Sie verweisen auf Schattenseiten dieser Ära (auch knappe Ressourcen und mangelnde Vielfalt, Genauigkeit und Fairness sowie weniger frech und flexibel und erst noch regierungshörig). </p>

<p>Auch wenn es keinen Sinn macht, diese Ära zu glorifizieren, muss doch festgestellt werden, dass es sich hier um ein falsches Cliché handelt: Wer sich von Frechheit, Obrigkeitsunbotmässigkeit, Vielfalt und Flexibilität im publizistischen Pulverdampf einen Begriff machen will, dem seien liberale Parteizeitungen in katholisch-konservativen Kantonen bzw. katholisch-konservative Organe in liberalen Kantonen bis in die 1970er Jahre empfohlen -  und dabei ist von der sozialdemokratischen Presse noch nicht einmal die Rede. </p>

<p>Heute sind wir weit entfernt von der Vehemenz dieser publizistischen Konflikte, die jedoch sehr viel weniger auf den Mann, dafür aber auf die Weltanschauung und auf Zustände zielten. Für die heutige Debatte weiterführend – und darauf hat zu Recht Peter Studer verwiesen – wäre der Vergleich des real existierenden Informationsjournalismus mit der Ära einer neuen Forumsethik, die sich ab den 1970er Jahren in vielen Forumszeitungen durchsetzte, das Sterben der Parteizeitungen beförderte und bis in die 1990er Jahre einen hohen journalistischen Qualitätsanspruch verfolgte.</p>

<p><strong>Zweiter Ansatz: Enges Qualitätsverständnis</strong></p>

<p>Interessante Aussagen gab es ebenfalls von den drei Genannten hinsichtlich des Qualitätsverständnisses der Jahrbuchautoren, was die Vermischung von Information und Unterhaltung betrifft (Kultur des Infotainment mit Blick auf Publikumsbedürfnisse). Freilich gingen sie nicht soweit, wie etwa Jürg Bachmann, der Präsident des Verbandes der Schweizer Privatradios, der gleich den Einbezug von Leser- und Hörerzahlen in die Definition von publizistischer Qualität forderte. </p>

<p>In der Tat: Wir messen bloss Vielfalt, Relevanz, Aktualität und Professionalität, weisen aber selbstverständlich die Publikumszahlen und -flüsse aus, die jedoch primär durch das Gratisangebot und nicht durch unterschiedliche publizistische Qualität oder Unterhaltungswerte gesteuert sind. Freilich würden wir weit von uns weisen, dass guter Journalismus langweilig ist, aber wir behaupten, dass die beobachtbaren Anpassungen der Bezahlmedien an die Logiken der Gratismedien der falsche Weg für den qualitätsorientierten Informationsjournalismus darstellt. Dadurch wird er weiter verlieren.</p>

<p><strong>Der dritte Ansatz: Publizistische Qualität spielt keine Rolle mehr</strong><br />
 <br />
Der dritte Ansatz verlässt die Qualitätsdebatte in Form von Einwänden spezielleren Typs gänzlich. Sie beziehen sich nicht auf den Inhalt des Jahrbuches, sondern verteidigen simpel die Gratismedien. <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/nachrichten/kolumne-peter-rothenbuehler/">Peter Rothenbühler</a>, der Doyen des Schweizer People-Journalismus, war in der «SonntagsZeitung» ganz im Sinn des Jahrbuch-Befundes, wonach das Emotionale in der Medienarena im Vormarsch ist, mit einem Kraftausdruck zu vernehmen («Stuss»). Dem widerspricht vehement Kurt W. Zimmermann in der «Weltwoche», der die Resultate des Jahrbuches vollauf bestätigt, diese aber als Fortschritt feiert. Rothenbüher hat aber doch noch ein Argument, nämlich, dass die Gratiszeitungen die «TV-verblödete Jugend» zum Lesen bringen würde. Allerdings widersprechen die Nutzungszahlen dieser Aussage, denn die Jugend driftet vom TV weg. </p>

<p>In eine ähnliche Kerbe hieb <a href="http://www.videoportal.sf.tv/video?id=f50dc975-155b-4e52-a610-b2fd3fc3e994">Hanspeter Lebrument</a>, der Präsident des Verlegerverbandes, in der «Tagesschau», der den Gratiszeitungen gleich die Hebung des Lesevermögens der ganzen Nation zumutet. Rothenbühler wie Lebrument verlassen jedoch das publizistische Qualitätsverständnis zu Gunsten anderer Kriterien und kümmern sich überhaupt nicht mehr um die Inhalte. </p>

<p>Dasselbe gilt für die Position von Hansi Voigt («20 Minuten»), der ebenfalls die Qualitätsfrage umkurvt, indem er keck den Gratiszeitungen und den Newssites eine demokratische Potenz «von unten» zuschreibt. Damit belehnt er (für die Gratiszeitungen durchaus zu unrecht), eine alte Debatte, die dem Netz aller Netze eine höhere demokratische Dignität verleiht, weil es interaktive Kommunikation erlaubt. Richtig. Allerdings müssten nun die Newssites noch mit gutem Informationsjournalismus gefüllt werden.</p>

<p>PS: Interessant sind auch die Ausführungen von <a href="http://www.tachles.ch/Nachricht.aktuell-nachricht.0.html?&tx_ttnews[issue_id]=585&tx_ttnews[tt_news]=7746&tx_ttnews[backPid]=60&cHash=3bf5d826e5">Hans Stutz im «Tachles»</a>, der die Erosion der Medienqualität mit dem Verhältnis zu Minderheiten bzw. Ausgrenzungen in Bezug setzt. In der Tat sind es denn auch die qualitätsschwachen Medien die die klickratentreibenden und Postings animierenden identitätspolitischen Auseinandersetzungen pushen. </p>

<p>Seine Begründung für das Faktum, dass das Jahrbuch keine medienpolitischen Vorschläge macht (Interessen der Donatoren) ist jedoch falsch. Die Jahrbuchautoren wollten dies nicht tun, damit die Berichterstattung über das Resultat der Analyse nicht durch medienpolitische Forderungen überdeckt wird. </p>

<p><strong>Siehe dazu</strong> auch:<br />
- <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002685.html">Jahrbuch «Qualität der Medien»: Diskussionsbeitrag von Mitherausgeber Kurt Imhof</a><br />
- <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002684.html">Jahrbuch 2010 zur Qualität der Schweizer Medien</a></p>

<p><em>Kurt Imhof leitet den «fög – <a href="http://www.foeg.uzh.ch/">Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft</a>» des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung und des Instituts für Soziologie der Universität Zürich. Er ist Mitherausgeber des Jahrbuchs «Qualität der Medien - Schweiz Suisse Svizzera».</em><br />
</p>]]></description>
         <link>http://www.medienspiegel.ch/archives/002688.html</link>
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                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Mediensatz</category>
        
        
         <pubDate>Sat, 21 Aug 2010 13:50:35 +0000</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Lousy pennies, indeed!</title>
         <description><![CDATA[<ul>«Most publishers <em>know</em>  this, but few actually disclose their average revenue per [online] user. Media Norge [Schibsted's Norwegian publisher; «Aftenposten»] is a stand-out in that regard. Giving us a rare insight, it <a href="http://paidcontent.co.uk/image/big/media-norges-online-challenge/">acknowledges</a> average income per monthly unique visitor of two Norwegian krona (that's $0.32 or £0.21) is <strong>now less than it was back in 2006</strong>.»</ul> Mehr auf <a href="http://paidcontent.co.uk/article/419-how-income-from-news-readers-stagnates-despite-growth/">«paidContent»</a> (via <a href="http://twitter.com/MrsBunz/statuses/21657315208">@MrsBunz</a>).

<strong>Update,</strong> 25. August 2010: Siehe dazu auch:
- <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002508.html">(NZZ-)Online-User bringen nur Peanuts ein</a>
 
<p />]]>
          </description>
         <link>http://www.medienspiegel.ch/archives/002687.html</link>
         <guid>http://www.medienspiegel.ch/archives/002687.html</guid>
                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Sparschwein</category>
        
        
         <pubDate>Fri, 20 Aug 2010 15:56:01 +0000</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Eine «Zwangsgebühr» für Schweizer Medienunternehmen?</title>
         <description><![CDATA[Unter dem fordernden Titel <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/verlage_haben_anrecht_auf_besseren_schutz_1.7232236.html">«Verlage haben Anrecht auf besseren Schutz»</a> wirft sich Norbert Neininger, Verleger der «Schaffhauser Nachrichten» und Mitglied des Präsidiums des Schweizer Verlegerverbands, in der Medienbeilage der «NZZ» für ein Leistungsschutzrecht (für Verlage?) ins Zeug: <ul>«Da das derzeitige Urheberrecht die neusten Entwicklungen nicht umfasst, muss ein sogenanntes Leistungsschutzrecht eingeführt werden, das sicherstellt, dass die Medienunternehmen ein exklusives Recht an ihren Inhalten auch im Internet haben und weder Artikel noch Auszüge daraus ungefragt (und entschädigungslos) verwendet werden dürfen.» [ungefragt zitiert]</ul> Das ist alles noch etwas gar diffus.
<br />]]>
          <![CDATA[<ul><li>Welche Leistungen sollen denn genau geschützt werden?</li> 

<p><li>Wer soll künftig Leistungsschutzrechtsgebühren entrichten müssen? Und wie? In Form einer Abgabe auf (gewerblich genutzte?) Empfangsgeräte?</li> </p>

<p><li>Wer soll die Gebühren einkassieren? Pro Literis, die Suisa oder gar eine neue Organisation?</li></p>

<p><li>Wie (nach welchem Schlüssel) sollen die Gebühren verteilt werden? Pageviews? Visits? Verweildauer?</li> </p>

<p><li>Und: Wo fängt im Internet ein Medienunternehmen eigentlich an? Wo hört es auf? Kann z.B. ein Blog wie dieser (ja, immer noch maskulin!) hier auch als Medienunternehmen gelten? (@Bobby California: Ist ja nur ein Beispiel. Bitte deshalb für einmal vom Blogger-Bashen absehen. ;-)).</li></p>

<p><li>...</li></ul> (Etwas detailliertere Angaben zum von den <em>deutschen</em> Verlegern geforderten Leistungsschutzrecht gibt es übrigens in diesem <a href="http://carta.info/31685/burda-vorstand-leistungsschutzrecht-ist-letztlich-gesetzlich-eingefuehrter-paid-content/">Interview</a> mit Burda-Vorstandsmitglied Robert Schweizer.)</p>

<p>Zum Ruf der Schweizer Verleger nach einem Leistungsschutzrecht hatte «NZZ»-Medienredaktor Rainer Stadler bereits im Oktober 2009 <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/richter_koennen_es_nicht_richten_1.3799568.html">geschrieben</a>: <ul>«Würde ein Leistungsschutzrecht die Not der Presseverlage lindern? Wohl kaum. Vielmehr wäre es der Anfang von mehr Bürokratie. Denn der Aufwand, auf Basis eines solchen Rechts Geld einzutreiben und zu verteilen, wäre gross. Zudem geriete das Gesetz in einem derart dynamischen Milieu wie dem Internet schon beim Inkrafttreten zum alten Zopf.»</ul></p>

<p>Gut möglich, dass ich jetzt einen Denkfehler begehe, aber wenn die Verlage, wie Neiniger in seinem Artikel behauptet, online nun ohnehin weltweit auf «Paid Content» setzen, braucht es dann überhaupt noch ein Leistungsschutzrecht? Sind die Inhalte dann nicht passwortgeschützt und damit von unerwünschter  Indexierung/Aggregierung automatisch ausgeschlossen? (Und dann wäre da ja auch noch das kleine Dateichen namens <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Robots_Exclusion_Standard">robots.txt</a>.)</p>

<p>Bis Genaueres bekannt ist, halte ich es jedenfalls mit Stefan Niggemeier, der unter dem Titel <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/verlegerkampf-fuer-eine-pc-presse-gebuehr/">«Verlegerkampf für eine PC-Presse-Gebühr»</a> u.a. schreibt: <ul>«Was für eine geniale Idee: Die Zeitungsverleger stellen ihre Produkte freiwillig kostenlos ins Netz, weil sie nicht glauben, dass die Leser bereit sind, dafür Geld zu zahlen, kassieren sie aber über den Umweg eines Leistungsschutzrechtes dann trotzdem dafür ab.»</ul></p>

<p>Und zum Schluss noch dies: <ul>«Penetrantes Quengeln hilft. Die Evolution macht es an allen Ecken und Enden vor. Das fette Kuckuckskind, bereits deutlich größer als seine Ernährer, sperrt seinen Schnabel auf ohne Unterlass, und die Zieheltern wider Willen schaffen unablässig Nahrung heran. Weil das auch beim Menschen klappt, haben Marketingstrategen schon lange die Quengelware konzipiert. […] Quengeln bleibt für manche Artgenossen eine lebenslange Strategie zur Durchsetzung ihrer Wünsche. </p>

<p>Sehr erfolgreich quengelten zuletzt die Zeitschriften- und Zeitungsverleger. So gelang es ihnen, bei vielen Regierungspolitikern und Journalisten den Eindruck zu hinterlassen, im Internet gehe es für die Umsorger des Qualitätsjournalismus nicht mit rechten Dingen zu.»<br />
<font size=-"2">(Timo Rieg: <a href="http://www.journalist.de/aktuelles/meldungen/leistungsschutzrecht.html">«Leistungsschutzrecht: Google an den Geldbeutel gehen»</a>, «Journalist», 7/2010)</font></ul></p>

<p><strong>Siehe</strong> auch:<br />
- <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002474.html">Handeln statt klagen</a><br />
- <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002411.html">«Erklärungen» und «Manifeste» hüben und drüben</a><br />
 <br />
<p /></p>]]></description>
         <link>http://www.medienspiegel.ch/archives/002686.html</link>
         <guid>http://www.medienspiegel.ch/archives/002686.html</guid>
                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Sparschwein</category>
        
        
         <pubDate>Wed, 18 Aug 2010 10:25:15 +0000</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Jahrbuch «Qualität der Medien»: Diskussionsbeitrag von Mitherausgeber Kurt Imhof</title>
         <description><![CDATA[<em>(Der folgende Beitrag wurde  ursprünglich als Kommentar zum Eintrag <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002684.html">«Jahrbuch 2010 zur Qualität der Schweizer Medien»</a> verfasst. Zwecks Förderung der Debatte wird er hier noch einmal publiziert.)</em>

<em>Von Kurt Imhof</em>

Die Schweiz hat eine grossartige publizistische Tradition in drei grossen Sprachregionen mit einer Geschichte hervorragender Zeitungen die mit ihrer journalistischen Qualität auch einst den Standard für ein gutes öffentliches Radio, später das öffentliche Fernsehen bildeten. Diese Tradition ausgezeichneten Journalismus ist in einer tiefen Krise.
]]>
          <![CDATA[<p>Mangelnde Ressourcen durch sinkende Werbe- und Abonnementseinnahmen, stagnierende Gebühreneinnahmen, Abwanderung der Werbeetats zu Suchmaschinen und zum Sozial Web. All dies bedeutet Abbau von Ressorts und Redaktionen. Die Einnahmen in der Gattung Presse (-34% seit 99), im Onlinebereich und beim privaten Radio und TV lassen die Ausstattung von Redaktionen mit ausreichenden Ressourcen nicht (mehr) zu. Die Einnahmen im privaten und öffentlichen Fernsehen sind heute auf dem Niveau von 99 eingefroren.</p>

<p>Gleichzeitig lässt sich ab 99 ein Siegeszug eines deutlich qualitätsschwächeren Informationsjournalismus in Gratismedien Off- und Online beobachten, der ausgerechnet von jüngeren Publika, die in der Gratiskultur sozialisiert worden sind, am meisten konsumiert wird. Und das ist kein beliebiges Publikum. Erstmals in der Moderne werden von den bildungsstarken wie den bildungstiefen Altersgruppen zwischen 15 und 34 dieselben schlechten Informationsmedien konsumiert. Und ausgerechnet die Newssites, die die Zukunft des Informationsjournalismus (aufgrund der Konvergenz von Radio, TV und Presse) haben Redaktionen mit einer sehr schlechten Ressourcenausstattung.</p>

<p>Inhaltlich bedeutet dies eine Zunahme der Personalisierung, der emotionalen Aufladung auf Kosten sachlicher Information, eine Stärkung des Episodischen auf Kosten der journalistischen Einordnung und über Adaption und Ressourcenmangel ein Professionalitätsverlust bei den Informationsmedien insgesamt.</p>

<p>Sozial bedeutet dies ein geradezu exponentiell steigender Vertrauensverlust in die Medien, ein gesellschaftspolitisch fataler Statusverlust des Journalismus, eine Entprofessionalisierung des Berufs, ein wachsendes Unbehagen auf Seiten der Journalisten in den qualitätsorientierten Medien, sinkende Zahlungsbereitschaft mitsamt einem sinkenden Kostenbewusstsein auf Seiten des Publikums und ein Rationalitätsverlust in der demokratischen Auseinandersetzung.</p>

<p>Das alles ist sehr misslich, denn die Qualität der öffentlichen Kommunikation bedingt die Qualität der Demokratie. Die medienvermittelte öffentliche Kommunikation ist – unbesehen von der Finanzierung und egal in welcher Verbreitungsform – der wichtigste Service public überhaupt. Wenn den Demokraten die Demokratie lieb ist, dann dürfen sie sich keinen billigen Journalismus leisten.</p>

<p>Also zur Frage: Was tun? (Diskussionsbeitrag):</p>

<p>An dieser Kluft zwischen der Bedeutung der Medien und der Krise des Informationsjournalismus setzt das Jahrbuch an. Es will dazu beitragen, dass das Qualitätsbewusstsein auf Seiten der Medienmacher und des Publikums erhöht wird. Dem Publikum muss klar werden, dass es ressourcenschwachen und daher schlechten Informationsjournalismus dreifach zahlt – finanziell über die Werbekosten, kulturell über mangelhafte Wissensvermittlung und politisch über die sinkende Rationalität der Auseinandersetzungen. Es muss evident werden, dass guter Journalismus kostet. Mit anderen Worten: Der Wettbewerb um Anzeigen und Aufmerksamkeit gilt es durch einen publizistischen Qualitätswettbewerb zu ersetzen. Wenn überhaupt, dann kann dies nur durch eine Qualitätsdebatte gelingen, die auf der Basis gemessener Qualitätsstandards klare Unterschiede zwischen Informationsmedien in der Zeit und über die Zeit zeigt. Nur dies verhindert, dass wir nicht bloss wehklagend ersaufen.</p>

<p>Allerdings: Das wird nicht reichen.</p>

<p>Es braucht a) Medienkompetenz als institutionalisiertes Fach in den Berufsschulen, Berufsmittelschulen und Gymnasien und zwar nicht in der Form des bildungspolitischen Gutmenschentums, das den Versuch unternimmt, die Jugendlichen politisch korrekt durch Pornoseiten und Gewaltdarstellungen surfen zu lassen, sondern als Bildung über die Unterschiede der Informationsmedien anhand von Berichterstattungsfolgen, die die Jugendlichen interessieren.</p>

<p>Es braucht b) die Elimination der Gratiskultur auf Holz und Online, sonst lässt sich guter Journalismus aufgrund der Konditionierungseffekte beim Publikum nicht finanzieren.</p>

<p>Es braucht c) die Zusammenarbeit öffentlicher und privater Redaktionen im Onlinesektor mit einem Qualitätsanspruch, der dem dreisprachigen Journalismus der Schweiz auch wieder über die Schweiz hinaus Reputation verschafft.</p>

<p>Es braucht d) die ergänzende qualitätsorientierte Förderung von Informationsmedien über zivilgesellschaftliche und staatliche Mittel.</p>

<p><em>Kurt Imhof leitet den «fög – <a href="http://www.foeg.uzh.ch/">Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft</a>» des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung und des Instituts für Soziologie der Universität Zürich. Er ist Mitherausgeber des Jahrbuchs «Qualität der Medien - Schweiz Suisse Svizzera».</em></p>]]></description>
         <link>http://www.medienspiegel.ch/archives/002685.html</link>
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                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medienschau</category>
        
        
         <pubDate>Sun, 15 Aug 2010 20:17:38 +0000</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Jahrbuch 2010 zur Qualität der Schweizer Medien</title>
         <description><![CDATA[Heute Freitag ist die erste Ausgabe des Jahrbuchs «Qualität der Medien - Schweiz Suisse Svizzera», herausgegeben vom Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich, der Öffentlichkeit vorgestellt worden – mit einem «insgesamt ernüchternden Befund», wie es in der <a href="http://jahrbuch.foeg.uzh.ch/Broschren/Medienmitteilungen_2010_08_13/Deutsch.pdf">Medienmitteilung</a> (PDF) heisst: <ul>«Im einstigen &lsaquo;Presseland Schweiz&rsaquo; verlieren die in publizistischer Hinsicht zentralen Abonnementszeitungen bezüglich Auflagen, Nutzung und Einnahmen deutlich an Terrain und die redaktionellen Ressourcen schwinden. Gleichzeitig hat die Gratiskultur mit den Onlinemedien und den Pendlerzeitungen auf Seiten der Konsumenten das Kostenbewusstsein für professionellen Journalismus zerstört. Dies unterminiert die Qualität der Informationsmedien, befördert den Konzentrationsprozess, schwächt das Berufsprestige und erhöht die Unzufriedenheit unter den Journalisten.»</ul> Ganz im Sinne der «Gratiskultur» ist die <a href="http://jahrbuch.foeg.uzh.ch/Seiten/default.aspx">Studie online frei zugänglich</a>. Mein bisheriger Lieblingssatz (fett hervorgehoben): <ul>«Die Kaufpresse steckt in einer grundsätzlichen Finanzierungskrise und die Nutzung von Gratiszeitungen und Onlinemedien wird im Vergleich zu Presse, Radio und Fernsehen weiter zunehmen, da vor allem die jüngeren Alterskohorten zwischen 15 und 35 in einer qualitätsschwachen Gratiskultur sozialisiert wurden. <strong>Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass in Zukunft die Bedeutung gerade derjenigen Typen und Gattungen weiter zunehmen wird, die bereits heute schon weniger zur Qualität beitragen</strong> [Hervorhebung M.H.].»</ul> Um die Lektüre des Jahrbuchs wird man als «Watchblogger» wohl nicht herumkommen.

<strong>Update,</strong> 14. August 2010: Im Zusammenhang mit dem düsteren Befund des Jahrbuchs habe ich mich soeben wieder an Clay Shirkys Essay <a href="http://www.shirky.com/weblog/2009/03/newspapers-and-thinking-the-unthinkable/">«Newspapers and Thinking the Unthinkable»</a> erinnert, wo es u.a. heisst: <ul>«Round and round this goes, with the people committed to saving newspapers demanding to know &lsaquo;If the old model is broken, what will work in its place?&rsaquo; To which the answer is: Nothing. Nothing will work. There is no general model for newspapers to replace the one the internet just broke. [...]

<strong>That is what real revolutions are like. The old stuff gets broken faster than the new stuff is put in its place</strong> [Hervorhebung M.H.]. [...] Agreements on all sides that core institutions must be protected are rendered meaningless by the very people doing the agreeing. (Luther and the Church both insisted, for years, that whatever else happened, no one was talking about a schism.) Ancient social bargains, once disrupted, can neither be mended nor quickly replaced, since any such bargain takes decades to solidify.

And so it is today. When someone demands to know how we are going to replace newspapers, they are really demanding to be told that we are not living through a revolution. They are demanding to be told that old systems won't break before new systems are in place. They are demanding to be told that ancient social bargains aren't in peril, that core institutions will be spared, that new methods of spreading information will improve previous practice rather than upending it. They are demanding to be lied to. [...]

Society doesn't need newspapers. What we need is journalism. For a century, the imperatives to strengthen journalism and to strengthen newspapers have been so tightly wound as to be indistinguishable. That's been a fine accident to have, but when that accident stops, as it is stopping before our eyes, we're going to need lots of other ways to strengthen journalism instead.

When we shift our attention from &lsaquo;save newspapers&rsaquo; to &lsaquo;save society&rsaquo;, the imperative changes from &lsaquo;preserve the current institutions&rsaquo; to &lsaquo;do whatever works.&rsaquo; And what works today isn’t the same as what used to work.»</ul>

<strong>Update:</strong> Die Debatte geht <strong><a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002685.html">hier</a></strong> weiter.
 
<p />]]>
          </description>
         <link>http://www.medienspiegel.ch/archives/002684.html</link>
         <guid>http://www.medienspiegel.ch/archives/002684.html</guid>
                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medienschau</category>
        
        
         <pubDate>Fri, 13 Aug 2010 17:41:04 +0000</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Data-Journalism</title>
         <description><![CDATA[Jonathan Stray auf <a href="http://www.niemanlab.org/2010/08/how-the-guardian-is-pioneering-data-journalism-with-free-tools/">«Nieman Journalism Lab»</a>: <ul>«The Guardian takes data journalism seriously. They obtain, format, and publish journalistically interesting data sets on their <a href="http://www.guardian.co.uk/news/datablog">Data Blog</a>, they track transparency initiatives in their searchable <a href="http://www.guardian.co.uk/world-government-data">index of world government data</a>, and they do original research on data they’ve obtained, such as their amazing <a href="http://www.guardian.co.uk/news/datablog/2010/jul/27/wikileaks-afghanistan-data-datajournalism">in-depth analysis</a> of 90,000 leaked Afghanistan war documents. And they do most of this with simple, free tools.

Data Blog editor Simon Rogers gave me an action-packed interview in The Guardian’s London newsroom, starting with story walkthroughs and ending with a philosophical discussion about the changing role of data in journalism. It's a must-watch if you’re wondering what the digitization of the world's facts means for a newsroom.»</ul> Das (etwas überlange) Video-Interview (inkl. Transcript mit Links) gibt's <a href="http://www.niemanlab.org/2010/08/how-the-guardian-is-pioneering-data-journalism-with-free-tools/">hier</a>.
 
<p />]]>
          </description>
         <link>http://www.medienspiegel.ch/archives/002682.html</link>
         <guid>http://www.medienspiegel.ch/archives/002682.html</guid>
                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medienschau</category>
        
        
         <pubDate>Thu, 12 Aug 2010 17:55:32 +0000</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Mehr Journi-Jobs?</title>
         <description><![CDATA[<ul>«In terms of jobs, <a href="http://www.businessinsider.com/the-evolution-of-the-journalism-job-market-2010-8">journalistic occupations are outperforming the overall economy</a>, according to Michael Mandel, former chief economist at BusinessWeek and founder of Visible Economy LLC. [...] Drawing from numbers based on the Current Population Survey, a monthly survey of roughly 60,000 households conducted by the Bureau of Labor Statistics and the Census Bureau, Mandel found the overall number of employed journalists increased by 19% from 2007-2010»,</ul> schreibt Mark Briggs auf <a href="http://www.journalism20.com/blog/2010/08/09/jobs-in-journalism-growing/">«Journalism 2.0»</a>.

Die  neuen Jobs entstehen indes nicht im traditionellen Medienbereich: <ul>«Over a comparable time period, Mandel notes, employment in newspaper publishing has fallen 26%; periodical employment is down 16%; and radio and television broadcasting is down 11%. Journalists are getting jobs. Just not in the traditional industries or at the companies you would expect. [...]

A shift in journalistic employment to nontraditional companies such as Yahoo and AOL, plus an increase in self-employed journalists has created surprising growth. [...]

And those traditional news companies that are hiring? They aren’t looking for the same old thing any longer.»</ul> Den ganzen Beitrag gibt's auf <a href="http://www.journalism20.com/blog/2010/08/09/jobs-in-journalism-growing/">«Journalism 2.0»</a>.
 
<p />]]>
          </description>
         <link>http://www.medienspiegel.ch/archives/002683.html</link>
         <guid>http://www.medienspiegel.ch/archives/002683.html</guid>
                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Sparschwein</category>
        
        
         <pubDate>Mon, 09 Aug 2010 18:34:19 +0000</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Zurück in die Zukunft</title>
         <description>Öfters schon war an dieser Stelle von Medien-Fachleuten, Professoren und Forschern die Rede, die sich in Weltuntergangsstimmung üben, was die Printmedien betrifft. Umgekehrt hypen sie das Internet zur Universalinformationsmaschine empor, die alles andere und Antiquierte auf dem Mediensektor vergessen lasse. Vor allem für die Jungen natürlich.
          <![CDATA[<p>Im neuesten «Spiegel» findet sich unter dem Titel <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,709492,00.html">«Null Blog»</a> nun die perfekte Antithese zu diesem halbwissenschaftlichen Getue, das eine ganze Journalistengeneration paralysiert. Der «Spiegel» trägt die Erkenntisse diverser voneinander unabhängiger Studien zusammen und kommt zum Schluss: <ul>«Das ganze hochgelobte Mitmach-Web, auch Web 2.0 genannt, ist den Netzbürgern der Zukunft öffenbar völlig egal.»</ul> Die «Digital Natives» gebe es in dieser Form gar nicht, und eine «kleine Industrie von Autoren, Beratern und findigen Therapeuten» lebe von der falschen, aber ewig gleichen Botschaft, dass die Jugend eine «Netzgeneration» sei. Interessant: Die «Netzgeneration» hat vor allem Mühe, sich im Internet zurechtzufinden, wenn es um relevante Informationen geht bzw. versteht es überhaupt nicht, diese dort zu beschaffen.</p>

<p>Das ist die eine Botschaft, die altgediente Journalisten froh macht. Die zweite ist die, dass die These von den zusammenbrechenden Online-Besuchen auf Plattformen, die «paid content» eingeführt haben, auch nicht stimmt. Walter Niederberger hat kürzlich im «Tages-Anzeiger» ausführlich berichtet, dass in den USA die Akzeptanz für Bezahl-Inhalte wächst und dass sich die Zeit der kostenlosen Online-Zeitungskultur dem Ende nähere. Auch Meldungen über den totalen Misserfolg der Londoner «Times» seien Enten.</p>

<p>Ein vielleicht etwas voreiliges, aber hoffnungsfrohes Fazit: Auch junge Menschen, die sich einigermassen zielgerichtet und vor allem auch effizient informieren wollen, werden weiterhin auf journalistisch sauber aufbereitete Informationen (und wohl auch auf Analysen und Kommentare) angewiesen sein. Wenn sie dann auch noch etwas dafür bezahlen (egal, ob die Ausgabe auf papiernem oder elektronischem Träger erfolgt), ist ein grosser Teil des heutigen Geschäftsmodells der Verlage gesichert. Freilich braucht es Anpassungen, aber dagegen wehrt sich heute ernsthaft ja niemand mehr. Und neue Ideen gibt es schon zuhauf.</p>

<p>Für die Journalisten heisst dies, dass ihr Beruf wohl nicht zu verschwinden droht. Das Gefasel von den Inhalten, die nichts mehr Wert sein werden und künftig statt von Fachleuten einfach «von allen» kommen, ist und war ja nicht nur eine Kriegserklärung an einen ganzen Berufsstand, sondern auch eine gigantische Geringschätzung professioneller Medienarbeit. Bezeichnenderweise kamen diese Prognosen nicht aus der Branche selbst, sondern von Zukunftsforschern, die ein bisschen viel von Däniken gelesen haben. Doch wenn es mit den Medien jetzt «zurück in die Zukunft» geht, wäre mancher Journalist wohl gerne dabei.</p>

<p><em>Andrea Masüger ist CEO der Südostschweiz Medien.</em><br />
</p>]]></description>
         <link>http://www.medienspiegel.ch/archives/002681.html</link>
         <guid>http://www.medienspiegel.ch/archives/002681.html</guid>
                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Mediensatz</category>
        
        
         <pubDate>Thu, 05 Aug 2010 17:55:03 +0000</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>«News-Imagineering» oder: Wenn es nichts zu sagen gibt</title>
         <description><![CDATA[ 
<table style='font:11px arial; color:#333; background-color:#f5f5f5' cellpadding='0' cellspacing='0' width='360' height='353'><tbody><tr style='background-color:#e5e5e5' valign='middle'><td style='padding:2px 1px 0px 5px;'><a target='_blank' style='color:#333; text-decoration:none; font-weight:bold;' href='http://www.thedailyshow.com'>The Daily Show With Jon Stewart</a></td><td style='padding:2px 5px 0px 5px; text-align:right; font-weight:bold;'>Mon - Thurs 11p / 10c</td></tr><tr style='height:14px;' valign='middle'><td style='padding:2px 1px 0px 5px;' colspan='2'<a target='_blank' style='color:#333; text-decoration:none; font-weight:bold;' href='http://www.thedailyshow.com/watch/mon-august-2-2010/wedding-of-the-decade-of-the-century-of-the-millennium'>Wedding of the Decade of the Century of the Millennium<a></td></tr><tr style='height:14px; background-color:#353535' valign='middle'><td colspan='2' style='padding:2px 5px 0px 5px; width:360px; overflow:hidden; text-align:right'><a target='_blank' style='color:#96deff; text-decoration:none; font-weight:bold;' href='http://www.thedailyshow.com/'>www.thedailyshow.com</a></td></tr><tr valign='middle'><td style='padding:0px;' colspan='2'><embed style='display:block' src='http://media.mtvnservices.com/mgid:cms:item:comedycentral.com:342881' width='360' height='301' type='application/x-shockwave-flash' wmode='window' allowFullscreen='true' flashvars='autoPlay=false' allowscriptaccess='always' allownetworking='all' bgcolor='#000000'></embed></td></tr><tr style='height:18px;' valign='middle'><td style='padding:0px;' colspan='2'><table style='margin:0px; text-align:center' cellpadding='0' cellspacing='0' width='100%' height='100%'><tr valign='middle'><td style='padding:3px; width:33%;'><a target='_blank' style='font:10px arial; color:#333; text-decoration:none;' href='http://www.thedailyshow.com/full-episodes/'>Daily Show Full Episodes</a></td><td style='padding:3px; width:33%;'><a target='_blank' style='font:10px arial; color:#333; text-decoration:none;' href='http://www.indecisionforever.com/'>Political Humor</a></td><td style='padding:3px; width:33%;'><a target='_blank' style='font:10px arial; color:#333; text-decoration:none;' href='http://www.thedailyshow.com/videos/tag/Tea+Party'>Tea Party</a></td></tr></table></td></tr></tbody></table>
 
<p />]]>
          </description>
         <link>http://www.medienspiegel.ch/archives/002679.html</link>
         <guid>http://www.medienspiegel.ch/archives/002679.html</guid>
                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medienschau</category>
        
        
         <pubDate>Wed, 04 Aug 2010 18:52:48 +0000</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Nieder mit den sauren Gurken!</title>
         <description><![CDATA[<font size="-2"><em>(Achtung, Achtung! Dies ist ein verkappter Aufruf zum 1. August. Er soll Abonnentinnen und Abonnenten ermutigen, von den Verlagen wegen erwiesener partieller Leistungsverweigerung ein angemessenes Sommerruhegeld zurückzuverlangen.)</em></font>

<em>von Fred David</em>

In der Vorkühlschrankzeit nannte man den Hochsommer die Sauregurkenzeit, weil nur wenig auf dem Markt zu haben war, und was es gab, war meist stocksauer. Erst recht die Kunden. In der goldenen Ära Berlins als Zeitungsstadt, in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, standen «saure Gurken» in der nachrichtenarmen Zeit für Meldungen, die man sonst das Jahr über wegen Banalitätenverdacht nicht zu drucken wagte.]]>
          <![CDATA[<p>Neunzig Jahre später. Der Kühlschrank ist mittlerweile erfunden. Aber die Zeitungen erlauben sich in grösster Selbstverständlichkeit das Aufspannen redaktionseigener Hängematten und tun so, als wären saure Gurken noch immer Volksnahrungsmittel. Die Blätter kommen oft so ausgemergelt karg und fahl daher, krankhaft abgemagert, als wären die Redaktionen soeben an Auszehrung dahingerafft worden. </p>

<p>Schon klar. Man muss mit den lieben Kindern die Schulferien nutzen, das Personal wird in den Pressehäusern plötzlich knapp. Aber als ob heute jedermann von drei Wochen Sommerwetter abhängig wäre, schlagartig alle zur genau gleichen Zeit. Als würden Familien nicht auch sonst zu jeder Jahreszeit clanweise und easy in wärmere Gefilde jetten, nur schon, weil Ferien dort billiger sind als in der teuren Heimat. Nein! Die Zeitungen tun immer noch so, als wäre der Kühlschrank nicht erfunden. Gurkentruppen! «Was erlauben Strunz!», möchte man in dankbarer Erinnerung an einen gewesenen italienischen Trainer des FC Bayern München brüllen: «Flasche leer!»</p>

<p>Klar doch, auch die Anzeigen gehen in diesen dürren Wochen der medialen Wüstenei so schlagartig zurück, dass man glaubt, die Leute läsen überhaupt keine Zeitungen mehr, es lohne sich nicht für die paar Zurückgebliebenen Anzeigen zu schalten und ein ordentliches Blatt zu machen. </p>

<p>Den Sommervogel schiesst die «NZZ» ab. Während Wochen lässt sie ihr meistgelesenes Kernstück, die Doppelseite «Meinung & Debatte» versteppt zurück, ein paar Leserbriefchen gügseln hervor, daneben ein schon leicht moussierender Text, schwankend zwischen Glosse und Sommerloch-Humor, wochenlang, ausser samstags, keine Politik- oder Wirtschaftskommentare, weil die Welt eben angehalten wird, wenn die Damen und Herren alle zur gleichen Zeit an irgendwelchen Stränden broncieren müssen, die Eiswürfe im Martiniglas dazu leise klirren lassend. </p>

<p>Auch andere Blätter schalten drei Gänge zurück, Schritttempo. Die Inhalte schmelzen zu dünnen Rinnsalen dahin. Das nicht existierende Sommerloch wird als patente Sparmassnahme missbraucht. Einzig der Abopreis trotzt des Sommers gleissender Hitz'.</p>

<p>Hallooo! Das Sommerloch ist schon lange abgeschafft, der Kühlschrank steht in jedem Haushalt doppelt und dreifach. Und sogar der Computer, man glaubt es nicht, ist schon erfunden. Man kann damit Zeitungen durchblättern, auch die «NZZ», für 0,99 US-Dollar pro Tag (z.B. über <a href="pressdisplay.com">pressdisplay.com</a>), egal ob man auf Santorini chillt, in Honduras den Bananenpflückern zuschaut oder am Nordkap fröstelt. Internetcafés gibt's fast überall, und wer lässt denn schon zwei Tage lang seine Mailbox unberührt? </p>

<p>An Zeitungen scheinen die veränderten Lebensgewohnheiten spurlos vorbeigerauscht zu sein. Sie erlauben sich noch immer den Sommerschlaf und wollen auch die Leser dazu animieren. Dabei haben die, im Liegestuhl, entnervt vom ewigen Sandburgenbauen mit den lieben Kleinen, gerade jetzt Zeit und Musse, sich üppiger Lektüre hinzugeben. Nein! Die Anzeigendisponenten dekretieren wie schon vor hundert Jahren: Sommer ist's, die Leute schnarchen unter Sonnenschirmen. Kein Mensch liest im Hochsommer Zeitung! </p>

<p>Klar: Wer lässt sich denn heute noch sein Blatt ins Ausland nachsenden? Das kostet ein Mehrfaches. Aber in Zeiten von Patchwork-Familys ist die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass immer jemand zu Hause bleibt, der am Morgen gefälligst eine ordentliche Zeitung zum Kaffee haben will, Sommerferien hin oder her.</p>

<p>Auch die Aktualitäten machen keine Ferien mehr: Loveparade in Duisburg. Kalifornien kann seine Staatbediensteten nicht mehr bezahlen. Dollar unter Druck. Berlusconi peitscht einen Haushalt mit Revolutionspotential durchs aufgebrachte Parlament. Die UBS jubelt über einen Vier-Milliarden-Semsterreingewinn, wo immer der herbeispekuliert wird. Sensationelle Enthüllungen zum Krieg in Afghanistan. Und auch noch die erfolgreiche Kampagne «Free Kachelmann!». Selbst die Schweiz schläft nicht, die EU-Debatte glimmt plötzlich wieder auf, es scheint kein Sommersonnenwend-Feuerchen zu bleiben. Aus den Spalten grunzt derweil nur müdes Gähnen.</p>

<p>Wenn der Print selbst Slowmotion-Entwicklungen wie das Verblassen der Sauergurkenzeit und die definitive Zubetonierung des Sommerlochs verpasst, kann man nur noch in Ermattung dahin sinken: Good night and good luck, guter alter Print!</p>

<p>Good morning, iPad!</p>

<p><em>Fred David ist seit 40 Jahren Journalist (u.a. «Spiegel»-Redaktor, Auslandkorrespondent der «Weltwoche», Chefredaktor von «Cash»). Er lebt heute als freier Autor in St. Gallen. Was er hier schreibt, ist seine persönliche Meinung.</em></p>]]></description>
         <link>http://www.medienspiegel.ch/archives/002677.html</link>
         <guid>http://www.medienspiegel.ch/archives/002677.html</guid>
                  <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medienschau</category>
        
        
         <pubDate>Sun, 01 Aug 2010 09:38:47 +0000</pubDate>
      </item>
      
   </channel>
</rss>
