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	<title>Medienspiegel.ch</title>
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	<description>DIE MEDIEN IM SPIEGEL DER MEDIEN</description>
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		<title>Spekulation: 4 Mio. Franken für Bezahlangebote von «NZZ Online»</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Feb 2012 14:55:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Hitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sparschwein]]></category>

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		<description><![CDATA[Knapp ein Jahr nach Einführung der «metered paywall» (s. dazu hier) kann die New York Times Co. für ihre digitalen Angebote immerhin bereits rund 390&#8217;000 zahlende Abonnenten vorweisen (Medienmitteilung), was gemäss Ken Doctor 1,1% «of the Times&#8217; 33 million U.S. &#8230; <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/003365.html">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Knapp ein Jahr nach Einführung der «metered paywall» (s. dazu <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002824.html">hier</a>) kann die New York Times Co. für ihre digitalen Angebote immerhin bereits rund 390&#8217;000 zahlende Abonnenten vorweisen (<a href="http://phx.corporate-ir.net/phoenix.zhtml?c=105317&#038;p=irol-newsArticle&#038;ID=1655886">Medienmitteilung</a>), was gemäss <a href="http://newsonomics.com/at-almost-400000-digital-subscribers-inside-the-new-york-times-pay-strategy-year-2/">Ken Doctor</a> 1,1% «of the Times&#8217; 33 million U.S. unique visitors» entspricht.</p>
<p>Geht man, wie Doctor es tut, davon aus, dass ein Online-Abonnent der «New York Times» monatlich rund 17 US Dollar einbringt, entspricht dies für die digitalen Bezahlangebote der «Times» einem Jahresumsatz von 86 Mio. US Dollar.</p>
<p>In der Annahme, dass «NZZ Online, der Online-Ableger eines anderen Weltblatts (mit allenfalls etwas geringerer globaler Strahlkraft), mit den für das 1. Quartal 2012 <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002973.html">angekündigten</a> kostenpflichtigen Angeboten ähnlich erfolgreich sein wird, haben wir folgende, möglicherweise etwas kühne «Back of the envelope»-Berechnung angestellt:<br />
<a href="http://www.medienspiegel.ch/wp-content/uploads/NYTimes_NZZOnline_metered_revenues.jpg" rel="lightbox[3365]" title="NYTimes_NZZOnline_metered_revenues"><img src="http://www.medienspiegel.ch/wp-content/uploads/NYTimes_NZZOnline_metered_revenues.jpg" alt="" title="NYTimes_NZZOnline_metered_revenues" width="395" height="170" class="alignnone size-full wp-image-3375" /></a><br />
<font size="-2">*nur US-User; **alle User<br />
Berechnungen für «NYTimes.com»: Ken Doctor; Berechnungen für «NZZ Online»: Medienspiegel.ch</font></p>
<p>Angesichts der Hochpreisinsel Schweiz und in Anbetracht der «Premium-Strategie» der «NZZ» ist im Fall von «NZZ Online» wohl eher von einer monatlichen Gebühr in der Gegend von Fr. 30.- auszugehen, was einen jährlichen Zusatz(?)-Umsatz von immerhin rund Fr. 4&#8217;000&#8217;000.- ergeben würde. </p>
<p>Mehr als 70% der Printabonnenten der «New York Times» sollen sich mittlerweile übrigens für den für Sie kostenlosen Zugang zu den digitalen Angeboten ihres Leibblattes registriert haben (Targeting, Targeting, Targeting!).</p>
<p>Diese und weitere Zahlen zu den Geschäften von «NYTimes.com» können auf Ken Doctors <a href="http://newsonomics.com/at-almost-400000-digital-subscribers-inside-the-new-york-times-pay-strategy-year-2/">«Newsonomics»</a> nachgelesen werden.<!-- PHP 5.x --></p>
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		<title>«So einfach ist das»</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 16:07:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Weber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mediensatz]]></category>

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		<description><![CDATA[Da hat der Altmeister seinen Gegnern eine schöne Steilvorlage geliefert. «Das neue Handbuch des Journalismus und des Online-Journalismus» erdreistet sich Wolf Schneider die Neuauflage seines Standardwerks zu nennen (Rowohlt 2012). Welch ein Affront für dünnhäutige Netzaktivisten! «Die beiden älteren Herren &#8230; <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/003350.html">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da hat der Altmeister seinen Gegnern eine schöne Steilvorlage geliefert. <a href="http://www.rowohlt.de/buch/2940075">«Das neue Handbuch des Journalismus und des Online-Journalismus»</a> erdreistet sich Wolf Schneider die Neuauflage seines Standardwerks zu nennen (Rowohlt 2012). Welch ein Affront für dünnhäutige Netzaktivisten! <a href="http://www.blog-cj.de/blog/2012/01/29/schneiderraue-wenn-blinde-uber-farbe-schreiben/">«Die beiden älteren Herren aus der Muppetshow»</a>, gehört noch zu den freundlicheren Bezeichnungen, die die Empörten für Schneider und seinen Ko-Autor Paul-Josef Raue finden.<br />
<span id="more-3350"></span><br />
Was haben die beiden älteren Herren falsch gemacht? Dass sie in einem Buch von über 450 Seiten nur gerade gut 20 Seiten dem Online-Journalismus widmen, mag irritieren. Aber ihre Begründung erscheint mir stichhaltig: «Den Online-Journalismus dagegen behandeln wir als blosse Spielart des klassischen Handwerks – nur dadurch unterschieden, dass auf dem Bildschirm noch ungeduldiger gelesen wird als in der Zeitung; die letzte Zeile eines Textes erreichen die wenigsten.» Das heisst ja nur, dass ein guter Journalist online noch besser sein muss, wenn er seine Leser bei der Stange halten will.</p>
<p>In der täglichen Praxis ist es noch nicht so weit. Der Ungeduld der Online-Leser entspricht zu oft die Atemlosigkeit der Online-Journalisten. Dem Tempodiktat unterworfen, passieren ihnen mehr Fehler als den Kollegen vom Print, die eine oft komfortable Deadline und ein Korrektorat haben. Aber einen grundsätzlichen Qualitätsunterschied gibt es nicht, und den haben Schneider/Raue auch nicht behauptet.</p>
<p>Der eingangs zitierte Christian Jakubetz ist, wie er in seinem Verriss schreibt, ebenfalls Ko-Autor eines Lehrbuchs. <a href="http://www.book2look.com/CommentsLists.aspx?id=cgsLIlErZ5">«Universalcode. Journalismus im digitalen Zeitalter»</a> heisst es und preist sich als «der neue Standard der Journalismus-Lehre» an. Ich habe (online) flüchtig darin gelesen und bin gleich im Vorwort von Heribert Prantl auf zwei Sätze gestossen, die von Wolf Schneider stammen könnten: «Es gibt guten und es gibt schlechten Journalismus, in allen Medien. So einfach ist das.» Was hingegen Jakubetz selber über das «crossmediale Arbeiten als Quintessenz des modernen Journalismus» schreibt, kann man getrost überblättern. Natürlich wäre es schön, alles zu können: Schreiben, fotografieren, Video und Audio. Und natürlich kann das keiner, aber Optionen zu haben «ist das, was crossmediales Arbeiten ausmacht». Und natürlich führen die crossmedialen Optionen zu einem neuen Verständnis des Journalismus, der heute «Prozessjournalismus» heisst, weil er nicht länger ein «Produktionsprozess» ist, sondern ein fortlaufender «Kommunikationsprozess».</p>
<p>Uff, da flüchtet man doch sofort zu Wolf Schneider, der im Unterschied zu seinen Kritikern so schreibt, dass man ihn gern liest. Wer sein «Handbuch» nicht kaufen mag, kann im <a href="http://www.folio.ch/">«Folio»</a> seine monatliche Kolumne lesen, «Frisches Deutsch in 12 Lektionen» – empfehlenswert für Journalisten und Online-Journalisten.</p>
<p><i>Daniel Weber ist Chefredaktor des «NZZ Folio».</i><!-- PHP 5.x --></p>
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		<title>Kein Avenir für l&#8217;idée suisse?</title>
		<link>http://www.medienspiegel.ch/archives/003333.html</link>
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		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 10:09:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Hitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sparschwein]]></category>

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		<description><![CDATA[«Die SRG, die sich bei fast drei Viertel ihrer Einnahmen auf die Zwangsgebühren verlassen kann, muss ihr Angebot [auf dem Internet] einschränken und darf es keinesfalls auf Kosten der Verleger weiter ausbauen. Denn es gibt kaum einen Bereich der Wirtschaft, &#8230; <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/003333.html">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>«Die SRG, die sich bei fast drei Viertel ihrer Einnahmen auf die Zwangsgebühren verlassen kann, muss ihr Angebot [auf dem Internet] einschränken und darf es keinesfalls auf Kosten der Verleger weiter ausbauen. Denn es gibt kaum einen Bereich der Wirtschaft, in dem es so wichtig ist, dass Private – natürlich im Rahmen einer staatlichen Ordnung – Produktion und Verbreitung übernehmen, wie bei den Medien»,</p></blockquote>
<p>meint Avenir-Suisse-Mitarbeiter Markus Schär unter dem Titel <a href="http://www.avenir-suisse.ch/14154/srg-und-verleger-kampfen-um-das-netz/">«SRG und Verleger kämpfen um das Netz»</a> und wiederholt damit mehr oder weniger, was sein Chef Gerhard «G.S.» Schwarz <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002940.html">hier</a> geschrieben und Pia Horlacher <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002961.html">hier</a> pariert hat.</p>
<p>Interessanter sind da die Zahlen und Grafiken, die Schär für das Plakat <a href="http://www.avenir-suisse.ch/wp-content/uploads/2012/01/as_aktuell_d_Plakat_120130.png" target="_blank">«Kampf ums Netz»</a> zusammengetragen hat – u.a. etwa zur Entwicklung des Umsatzmixes bei einigen Schweizer Verlagshäusern zwischen 2000 und 2010:<br />
<a href="http://www.medienspiegel.ch/wp-content/uploads/Umsatzmix1.jpg" rel="lightbox[3333]" title="Umsatzmix"><img src="http://www.medienspiegel.ch/wp-content/uploads/Umsatzmix1.jpg" alt="" title="Umsatzmix" width="532" height="357" class="alignnone size-full wp-image-3346" /></a><br />
<font size="-2">Quelle: Avenir Suisse (Zusammenstellung: Medienspiegel.ch)</font></p>
<p>Das Plakat kann bei Avenir Suisse, dem «unabhängigen Think-Tank» (Eigendeklaration), bestellt und/oder auf der Website des <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=99914">gemäss Presserat</a> «von den mächtigsten Wirtschaftsunternehmen der Schweiz» getragenen Interessenverbands <a href="http://www.avenir-suisse.ch/wp-content/uploads/2012/01/as_aktuell_d_Plakat_120130.png" target="_blank">eingesehen</a> werden.<br />
<!-- PHP 5.x --></p>
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		<title>Anonyme Stimmen</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 18:51:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanspeter Spörri</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mediensatz]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Journalismus kommt es vor, dass die Konkurrenz schneller ist. «NZZ»-Inlandchef René Zeller hat in seinem Blog genau das geschrieben, was ich hier hätte ausführen wollen: Er beschreibt eine Unsitte, die immer mehr um sich greift: das Zitieren von anonymen &#8230; <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/003328.html">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Journalismus kommt es vor, dass die Konkurrenz schneller ist. «NZZ»-Inlandchef René Zeller hat in seinem <a href="http://bundesplatz.blog.nzz.ch/2012/01/15/anonyme-komplizen/">Blog</a> genau das geschrieben, was ich hier hätte ausführen wollen: Er beschreibt eine Unsitte, die immer mehr um sich greift: das Zitieren von anonymen Quellen.<br />
<span id="more-3328"></span><br />
Es mag Geschichten geben, bei denen der Quellenschutz höher zu gewichten ist als die Quellentransparenz. Das ist wohl dann der Fall, wenn es um Handfestes geht, um Strafbares, um mafiöse Verstrickungen, kriminelle Machenschaften – oder jedenfalls um Fakten, die überprüfbar werden, wenn sie an die Öffentlichkeit gelangen. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch in der Causa Hildebrand der Fall.</p>
<p>Aber meistens geht es nur um Politik, wenn uns irgendjemand etwas ins Ohr flüstert und wir die Quelle dann als «Stimme aus dem Umfeld von &#8230;» bezeichnen. Ein Projekt soll torpediert, politische Gegner sollen abgeschossen werden. Wir bilden uns in der Regel etwas ein auf unsere journalistische Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit, geben im Kollegenkreis gern den investigativen Journalisten, lassen uns für einen Scoop auch mal auszeichnen. Aber eigentlich hat uns nur jemand etwas gesteckt. Und wir geben das dann weiter, ungeprüft, oder scheingeprüft mit einer zweiten anonymen Quelle. Die wichtigste Information fehlt in unserer Geschichte: der Name des Informanten oder der Informantin. Dadurch schützen wir nicht nur diese Person, sondern auch uns selbst. Niemand erfährt, wie schluderig wir mit Quellen umgehen, wie leicht wir uns einspannen lassen für Kampagnen.</p>
<p>Das Anonyme prägt gegenwärtig die mediale Stimmung: Ich meine da nicht einmal in erster Linie die anonymen Quellen oder die anonymen Geldgeber der Redaktionen. Auch in die Sprache haben sich anonyme Wertungen eingeschlichen, die sich als Tatsachen tarnen: </p>
<ul>«Wird Eveline Widmer-Schlumpf es durch einen Winkelzug schaffen, nicht aus dem Bundesrat abgewählt zu werden, oder endet sie als Verwaltungsrats-Präsidentin eines mittelgrossen Elektrizitätswerks in der Surselva?»,</ul>
<p> fragte der «Tages-Anzeiger» am 3. Januar letzten Jahres auf der Frontseite. Und selbstverständlich liess er sich am Ende des Jahres dazu verführen, die Trophäe, den Beweis des eigenen Scharfsinns, vorzuführen:
<ul>«Widmer-Schlumpf verbleibt im Bundesrat. Indem sie sich zur Atomausstiegs-Befürworterin wandelte, gewann sie in der Fukushima-Turbulenz den benötigten Trumpf. – An der flinken Wende zeigt sich eine Manövrierfähigkeit hiesiger Machtträger, mit der in Zukunft vermehrt zu rechnen sein wird: In der beschleunigten Politikwelt garantiert nicht Prinzipientreue, sondern weltanschauliche Biegsamkeit das Überleben.»</ul>
<p> Die Sätze hat ein Kollege formuliert, den ich sehr schätze, auch wegen seiner präzisen Sprache. Wäre ich dabei gewesen, hätte ich aber versucht, ihm die «weltanschauliche Biegsamkeit» auszureden. So, wie ich ihn vor Jahresfrist bereits hätte bitten wollen, auf den «Winkelzug» zu verzichten.</p>
<p>Besonders schlimm sind diese Unterstellungen ja nicht. Im Journalismus sind sie alltäglich geworden. Und vielleicht hat er ja recht und die Bündner Bundesrätin hat ihre Meinung zur Atomenergie wirklich nur geändert, um ihre Wahlchancen zu erhöhen. Aber er weiss es genau so wenig, wie ich das Gegenteil beweisen könnte. Er vermutet es nur.</p>
<p>Ich meine: wer so etwas öffentlich vermuten oder behaupten will, soll es in einem Kommentar tun. Und er soll es ausführlich begründen. «Ich habe nichts gegen Ihre Meinung. Sie dürfen sie haben. Aber Sie müssen sie so begründen, dass ich weiss, weshalb Sie sie haben.» Das hat mir vor vielen Jahren mein damaliger Chef gesagt. Ich finde heute noch, dass er recht hat. Für meinen Geschmack wird im Journalismus, wie er gegenwärtig praktiziert wird, zuviel drauf los gemeint. Aus meiner Sicht ist das eine Form sprachlicher Verluderung. Sie ist mitschuldig an der Stimmung im Land: wir meinen uns gegenseitig kaputt. Journalisten und Politiker unterstützten sich dabei nach Kräften.</p>
<p>Ich meine übrigens nicht, dass man nicht der Ansicht sein dürfe, Bundesrätin Widmer-Schlumpf sei biegsam. Aber man sollte wissen, was biegsam für ein Wort ist. Es ist ein abwertendes Adjektiv. Wer es einsetzt, sollte wissen, dass er zu einem journalistischen Winkelzug greift, eine Meinung als Tatsache tarnt, sich dadurch als biegsamer Journalist erweist und sich in den Dienst einer Meinung stellt, die er vielleicht nicht einmal selbst hat.</p>
<p><em>Hanspeter Spörri ist freier Moderator und Journalist in Teufen (Appenzell Ausserrhoden). Er arbeitete ab 1976 als Lokal-, Kultur- und Auslandredaktor verschiedener Zeitungen und eines Lokalradios. Von 2001 bis 2006 war er Chefredaktor des «Bund».</em><!-- PHP 5.x --></p>
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		<title>Beugehaft für Journalisten?</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 14:00:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Hitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[«Der Fall Nef wird um ein Kapitel reicher: Das Zürcher Obergericht will den Journalisten Karl Wild per Beugehaft zur Aussage zwingen &#8211; ein rechtliches Unikum, das einer alten Zürcher Strafprozessordnung zu verdanken ist, die nur noch für Verfahren gilt, die &#8230; <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/003320.html">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>«Der Fall Nef wird um ein Kapitel reicher: Das Zürcher Obergericht will den Journalisten Karl Wild per Beugehaft zur Aussage zwingen &#8211; ein rechtliches Unikum, das einer alten Zürcher Strafprozessordnung zu verdanken ist, die nur noch für Verfahren gilt, die vor Januar 2011 eingeleitet wurden.»</p></blockquote>
<p>Weiter geht&#8217;s im Artikel von Peter Studer auf <a href="http://www.investigativ.ch/aktuell/detail/beugehaft-fuer-journalisten.html">«investigativ.ch»</a>.<!-- PHP 5.x --></p>
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		<title>Oops!</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 10:56:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Hitz</dc:creator>
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		<title>«Kim Dotcoms Rolls Royce beschlagnahmt»</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Jan 2012 20:20:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Hitz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hauptschlagzeile auf «Blick.ch»? Top-Story auf einer der Newsnet-Websites? Nein, Aufmacher bei «NZZ Online»: Kurt Imhof, übernehmen Sie!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hauptschlagzeile auf «Blick.ch»? Top-Story auf einer der Newsnet-Websites? Nein, Aufmacher bei «NZZ Online»:</p>
<p><a href="http://www.medienspiegel.ch/wp-content/uploads/Kim_Dotcom.jpg" rel="lightbox[3293]" title="Kim_Dotcom"><img src="http://www.medienspiegel.ch/wp-content/uploads/Kim_Dotcom.jpg" alt="" title="Kim_Dotcom" width="506" height="425" class="alignnone size-full wp-image-3294" /></a></p>
<p>Kurt Imhof, übernehmen Sie!<!-- PHP 5.x --></p>
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		<title>John Stewart on SOPA</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Jan 2012 18:55:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Hitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sparschwein]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="background-color:#000000;width:520px;"><embed src="http://media.mtvnservices.com/mgid:cms:item:comedycentral.com:406251" width="512" height="288" type="application/x-shockwave-flash" allowFullScreen="true" allowScriptAccess="always" base="." flashVars=""></embed></div>
<p><!-- PHP 5.x --></p>
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		<item>
		<title>Versuch einer Nachlese zur «Hildebrand-Affäre»</title>
		<link>http://www.medienspiegel.ch/archives/003279.html</link>
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		<pubDate>Wed, 18 Jan 2012 14:39:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Studer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mediensatz]]></category>

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		<description><![CDATA[Ist denn nicht schon alles, wirklich alles gesagt zur «Hildbrand Affäre»? Nein, offenbar nicht. Es kommen immer noch neue Facetten der Interpretation zum Vorschein, was angesichts der Ungewöhnlichkeit und Rasanz der Vorgänge nicht erstaunt. Hier eine subjektive Nachlese: 1. Peter &#8230; <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/003279.html">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ist denn nicht schon alles, wirklich alles gesagt zur «Hildbrand Affäre»? Nein, offenbar nicht. Es kommen immer noch neue Facetten der Interpretation zum Vorschein, was angesichts der Ungewöhnlichkeit und Rasanz der Vorgänge nicht erstaunt. Hier eine subjektive Nachlese:<br />
<span id="more-3279"></span><br />
1. <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Die-Politiker-sind-suechtig-nach-Moral/story/26984522">Peter von Matt</a>, Germanistikprofessor und einer der klügsten Köpfe der Schweiz, gab im «Tages-Anzeiger» vom 14. Januar 2012 zu bedenken, man hätte Hildebrand  nicht zurücktreten lassen dürfen. Er sei «unersetzliches Kapital» dieses Landes: «Man löst nicht die Feuerwehr auf, wenn es überall im Dorf nach Brand riecht.» Dass sich ein Notenbankchef «moralisch korrekt» verhalte, sei in der Abwägung nur ein Interesse unter anderen. Was hatte Hildebrand in jenen Tagen sonst noch zu tun, Wichtigeres vielleicht? Blochers Partei betreibe eine systematische Boulevardisierung der Politik; das werde von einigen Medien boulevardisierend begleitet. Beide reduzierten die Komplexität der Dinge auf eine scheinhafte Einfachheit. Moralisiert werde, um Empörung zu erzeugen.</p>
<p>Als Jurist halte ich das Bild von der «aufgelösten Feuerwehr» nicht für überzeugend. Es ist wohl richtig, dass Nationalbankier Hildebrand nicht gegen klares Recht verstossen hat. Damit sind einige frühere Pauschalvorwürfe bereits erledigt. Aber neben dem gesetzten Recht gibt es noch die «Corporate Governance», das «Soft Law», den nicht voll ausgeschriebenen Verhaltenskodex, an den sich ein Nationalbankier halten muss. Dazu gehört, dass weder er noch seine Frau in unmittelbarer zeitlicher Nähe von Währungsentscheiden mit Währungen geschäften. Meist ist auch das «Soft Law» irgendwo an allgemeinen Rechtsregeln angehängt. So etwa sollen die beauftragten Geschäftsführer einer Aktiengesellschaft (wie die Nationalbank eine ist) die «Interessen der Gesellschaft in guten Treuen wahren» (Art. 717 OR). Zu diesen Interessen gehört die Wahrung der Reputation des Schweizers im Kreise der anderen Notenbanker.</p>
<p>2. <a href="www.nzz.ch/nachrichten/startseite/die_schweiz_ist_blind_in_die_falle_getappt_1.14288829.html">Ruedi Noser</a>, IT-Unternehmer und freisinniger Nationalrat, ruft zugunsten von Hildebrand einen Personalführungsgrundsatz an: Ein Fehlverhalten sei zunächst anzumahnen, bevor die höhere Instanz zur Entlassung schreite («NZZ» vom 12. Januarn 2012). In der Tat habe die Familie Hildebrand am 15. August 400&#8217;000 Franken in Dollars gewechselt. Am folgenden Tag habe Hildebrand den Fehler erkannt und gemeldet. Der Leiter Recht und Dienste der Nationalbank habe darauf gepocht, dass das nicht mehr passieren dürfe, was – so Noser – auf einen «scharfen Verweis» hinauslaufe. </p>
<p>Im Hin und Her verspäteter Ehrenerklärungen, Abwiegelungen und widersprüchlicher E-Mails ist dieser Argumentationsstrang verlorengegangen. Denn in der ersten unprovozierten Erklärung der Nationalbank vom 23. Dezember 2011 hatte sich die Pressestelle noch gegen «Gerüchte aus unbekannter Quelle» über unzulässige Vermögensvorteile von Philipp Hildebrand verwahrt. Man habe alles «vertieft geprüft», und die Gerüchte hätten sich als «haltlos» erwiesen. Das wurde von den meisten Medien nachgebetet, ohne die alles andere als «vertiefte Überprüfung» zu hinterfragen. Ab 1. Januar 2012 kamen dann die Treffen zwischen Alt-Bundesrat Blocher und Bundespräsidentin Calmy-Rey an die Oberfläche. Blocher sei im Besitz von gestohlenen Dokumenten der Bank Sarasin gewesen – was der SVP-Vizepräsident zunächst abgeleugnet hatte. Plötzlich war die SVP hauptverdächtigt, am Stuhle des bei ihr ungeliebten Hildberand zu sägen. Irgendwann war die am Anfang mögliche Argumentation Nosers nicht mehr nutzbar. Hildebrands wiederholte und zumindest ungenaue Ehrenbehauptung – er erinnerte sich an gewisse E-Mails nicht mehr &#8211; hat dazu beigetragen.</p>
<p>Christian Wanner, Präsident der kantonalen Finanzdirektorenkonferenz, in der «Südostschweiz am Sonntag» (15. Januar 2012): «Ob Hildebrands Rücktritt nötig war, ist eine Frage; ob er richtig war, eine andere. Ich meine, sein Rücktritt war richtig». </p>
<p>3. Mich hat noch eine medienethische Besonderheit nachdenklich gestimmt. Auf die zu Beginn löchrige und polemisch überhöhte Beweiskette angesprochen («Gauner Hildebrand»), hatte «Weltwoche»-Hauptartikler Urs Paul Engeler in der <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Ich-habe-natuerlich-Plausibilitaetstests-gemacht/story/18143284">«Basler Zeitung»</a> am 7. Januar Kollegenfragen zu journalistischen Grundregeln beantwortet – Grundregeln wie etwa: </p>
<ul>
<li>Journalisten veröffentlichen nur Informationen, deren Quellen ihnen bekannt sind.</li>
<li>Für eine anonyme Aussage ist eine zweite, von der ersten unabhängige Aussage zu beschaffen (nach einem Skandal um US-Präsident Nixon 1972 als «Watergate-Regel» bekannt [s. dazu auch <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002422.html">hier</a>]; der Chefredaktor der «Washington Post» hatte sie als Garant einer verantwortbaren Berichterstattung verordnet. Der «Post» blieben so Fehler erspart).</li>
</ul>
<p>Zu diesen bewährten medienethischen Grundsätzen fiel Engeler ein: Das Gespräch mit dem Hauptzeugen sei abgesagt worden; er habe sich halt mit dessen Anwalt, dem Thurgauer SVP-Politiker Lei, begnügt. &#8211; «Wenn sich jeder Artikel auf zwei Quellen abstützen würde, würden Tageszeitungen höchstens im Wochenrhythmus erscheinen oder gar nicht». </p>
<p>Es schockiert mich, dass bewährte Grundsätze derart leichtfertig über Bord geworfen werden. Ein «Weltwoche»-Kollege von Engeler hatte in einem Tweet kommentiert: <a href="https://twitter.com/#!/andikunz/status/155246093481943040">«Hauptsache, es explodierte»</a>. Eben. </p>
<p><em>Peter Studer war Chefredaktor von «Tages-Anzeiger» und Schweizer Fernsehen SF. Danach leitete er bis 2007 den Schweizer Presserat. Er publiziert über Medienrecht und Medienethik.</em><!-- PHP 5.x --></p>
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		<title>Empörungsbewirtschaftung und Stimmungsdemokratie am Beispiel der «Blocher-Hildebrand-Affäre»</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 09:39:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kurt Imhof</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienschau]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Kurt Imhof Von der Schweiz für kurze Zeit glücklich entflohen, erreichen mich im milden Klima einer einsamen Insel via das Netz aller Netze die erhitzten Nachrichtentsunamis ebendieser Schweiz. Dabei werden die Dynamiken einer durch politische Lagerbildung geprägten, medialisierten Stimmungsdemokratie &#8230; <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/003273.html">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Kurt Imhof</em></p>
<p>Von der Schweiz für kurze Zeit glücklich entflohen, erreichen mich im milden Klima einer einsamen Insel via das Netz aller Netze die erhitzten Nachrichtentsunamis ebendieser Schweiz. Dabei werden die Dynamiken einer durch politische Lagerbildung geprägten, medialisierten Stimmungsdemokratie in der aktuellen «Blocher-Hildebrand-Affäre» sichtbarer, als wenn man zu Hause die von hüben und drüben anbrandenden Skandalisierungswellen primär im onlinetypischen Live-Tempus verfolgt. Als Fazit lässt sich festhalten, dass Stimmungen alles sind, Argumente hingegen wenig zählen.<br />
<span id="more-3273"></span><br />
Am einfachsten lässt sich dies an den User-Kommentaren auf den Online-Newssites erkennen, deren erdrückende Mehrheit entweder <em>für</em> oder <em>gegen</em> Hildebrand bzw. vor allem <em>für</em> oder <em>gegen</em> Blocher empört Stellung nehmen und deren Verfasser sich oft wechselseitig in den Orkus wünschen. Wenn Sachverhalte überhaupt erwähnt werden, dann diejenigen, die die eigene Empörung unterstützen, und wenn Sachverhalte schwierig zu deuten sind, wie etwa die Einweisung des Informatikers R.T. in eine Klinik, dann wird dies entweder als Folge der Nötigung durch SVP-Komplottierende interpretiert oder im Analogieschluss zur einstigen Psychiatrisierung Oppositioneller in der Sowjetunion durch eine dunkle Schweizer Staatsmacht gedeutet. Daneben zeigen sich in den Postings zur «Blocher-Hildebrand-Affäre» Schweigespiralen innerhalb einer geposteten Blocher-Hate- und -Fankultur: Je nach Vorgabe des zugrundeliegenden Berichts verstärkt sich in den Postingkolonnen die eine oder die andere Gruppe.</p>
<p>Die in den vergangenen Tagen rasch zu Hunderten von Postings anschwellenden Kolonnen bilden auch in dieser Affäre wichtige Feedbackschleifen im Online-Journalismus. Durch die neue journalistische Gattung der Synthese von User-Kommentaren und durch die Ad-hoc-Umfragen der Online-Redaktionen («Muss Hildebrand zurücktretet oder nicht?») werden diese Feedbackschleifen bewirtschaftet, was wiederum zu Online-Beiträgen führt, die ─ mitunter völlig abgelöst von der Nachrichtenlage ─ der Hate- oder der Fankultur diejenigen Affekte liefern, die dem «Kommentarwesen» noch einmal Schub verleihen. Im Masse der Erhitzung passen sich dann die journalistischen Beiträge und die Postings einander an. Die Empörungsenergie in diesen Feedbackschleifen und das erforderliche Produktionstempo fördern die Einseitigkeit und die emotionale Aufladung der Beiträge.</p>
<p>Die Wenigen, die am nächsten Tag zur Zeitung greifen (oder diese herunterladen), können erkennen, dass der simple Faktor «Reflexionszeit» für alles ─ auch für den Journalismus ─ nicht mit Gold aufzuwiegen ist. Auch wenn es durchaus nicht immer gelingt, erfolgt hier zeitverzögert eine Urteilsbildung aus Sachverhaltsdarstellungen und normativen Schlüssen, die den Fall so aufbereiten, dass man vernünftig darüber streiten kann. Zum Glück findet sich dieser zeitversetzte Zeitungsjournalismus dann teilweise auch auf den Online-Newsplattformen wieder, zumindest bis er durch den rotierenden Feedbackschleifenjournalismus wieder verdrängt wird.</p>
<p>Freilich unterschlägt diese Skizze der wechselhaften Stimmungsfluten auf den Online-Plattformen ─ getrieben durch Journalisten, politische Akteure, PR-Akteure, Klickraten und User-Kommentare ─ zwei wichtige Elemente:</p>
<p>Erstens: Während der Online-Journalismus die Empörungsbewirtschaftung ─ egal welcher Provenienz ─ ebenso belohnt wie produziert, finden sich im Printjournalismus Medientitel, die auf neue Weise wieder politisch eingebettet sind («BaZ» / «Weltwoche»). Vor allem der Kampfjournalismus der «Weltwoche» schafft dabei eine radikale Reduktion von Komplexität, indem konsequent personalisierte Feinde als charakterlich defizitäre Verschwörer, Versager oder Gauner beschrieben werden. Positive Resonanz erhalten nur diejenigen, die die Welt ebenso strikt aufteilen, negative Resonanz all jene, die dies nicht tun. Diese Aufteilung basiert auf einem einfachen Spannungskreuz: unten (das Volk) versus oben (die Elite, die «classe politique») sowie zugehörig versus fremd. Wie die Fremden gehören auch die Eliten nicht zum Volk, das per se das Gute verkörpert. Dieser Digitalität muss die Fahrlässigkeit im Umgang mit Fakten und (trüben) Quellen gehorchen (sonst lässt sich die radikale Reduktion von Komplexität in unserer aus Grau- und Zwischentönen bestehenden Welt nicht durchziehen). </p>
<p>Was in diesem Journalismus gewachsen ist, erhält im atemlosen Stakkato des Online-Journalismus und in der gesamten Medienarena beispiellose Resonanz und treibt die Stimmungsdemokratie auf den Online-Plattformen erst richtig an. Der Lagerjournalismus produziert auf beiden Seiten Lager. Dies spiegelt sich in den Postings: Vor allen Sachverhalten und deren Entwicklung sind hüben und drüben die Affekte (nicht die begründete Meinung) in Stellung und das Böse ist bestimmt.</p>
<p>Zweitens: Natürlich ist diese beunruhigende Reduktion des Politischen auf Affekte ohne die gewachsene Polarisierung der Schweiz seit den 1990er Jahren nicht zu erklären. Diese Polarisierung verdanken wir freilich wiederum nicht nur den Zeitläufen, sondern die Zeitläufe sind bereits durch das Beziehungsspiel eines aufmerksamkeitserheischenden Medienpopulismus und einem dadurch begünstigten politischen Populismus mitbestimmt. Am meisten Resonanz erreicht nicht derjenige mit den besten Argumenten, sondern der, der sich am lautesten empört. Die Energie dieser Empörung ist wiederum abhängig von der Simplifizierung der Welt in Gute und Böse. Resonanz erhält deshalb, wer am stärksten auf die Person spielt, und nicht wer die Strukturen in Frage stellt, denn Strukturen entziehen sich den aufmerksamkeitsoptimierenden moralisch-emotionalen Bewertungen.</p>
<p>In der «Blocher-Hildebrand-Affäre», die uns noch lange empören dürfte, zeigt sich eine medialisierte Stimmungsdemokratie in der derjenige, der so richtig zuschlägt, auch auf der anderen Seite das produziert, was ihn selbst treibt: Feindbilder. Diese beugen immer alle Fakten, lassen der Unschuldsvermutung keine Chance und sind ebenso blind gegenüber Grautönen wie gegenüber Strukturen und Kontexten. Und sie sind so immun gegen Argumente, dass sie fast gar keine mehr brauchen.</p>
<p><em>Kurt Imhof leitet den «fög – <a href="http://www.foeg.uzh.ch/">Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft</a>» des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung und des Instituts für Soziologie der Universität Zürich. Er ist Mitherausgeber des Jahrbuchs <a href="http://jahrbuch.foeg.uzh.ch/Seiten/default.aspx"><br />
«Qualität der Medien &#8211; Schweiz Suisse Svizzera».</a></em><!-- PHP 5.x --></p>
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