Rettungspläne für das öffentliche Gut Information

Im Sommer 2017 sind weitreichende Rettungspläne für die Zeitungslandschaft Schweiz angekündigt worden. Der eine, praxisnah, stammt vom Medienkonzern Tamedia, dem grössten der Schweiz. Der andere, vorerst theoretisch, vom Zürcher Publizistikprofessor Otfried Jarren.

Tamedia will seine zwölf Zeitungen als Titel mit je eigener Redaktion und Chefredaktion behalten und ohne Entlassungen durchkommen (Medienmitteilung). Die Produktion von «überlokalen» Texten, also der ganze sogenannte Mantel der Blätter, wird jedoch – allenfalls gegen Bezahlung – an zwei sprachregionale Zentralredaktionen ausgelagert. Nur chefredaktionelle Kommentare verbleiben unter der Hoheit der einzelnen Chefredaktoren. Das reduziert die inhaltliche Vielfalt der gedruckten Blätter enorm.

Das Echo aus der Medienbeobachter-Szene ist unterschiedlich ausgefallen. Die einen loben den Schritt angesichts sinkender Inserate-und Abonnementeinnahmen als unausweichlich. Erste gute Erfahrungen lägen ja bereits vor, etwa aus der partnerschaftlichen Übernahme der Auslandskorrespondenz von «Tages-Anzeiger» und «Bund» von den Kollegen der Münchner «Süddeutschen Zeitung». Das Verfahren werde jetzt einfach auf den ganzen Mantelteil erweitert. Keine Entlassungen; aber – ungesagt – auch kein Ersatz bei Abgängen und kaum noch Honorarbudgets in den textgefütterten Redaktionen.

Die Gratulanten mögen die schematische Textfarb-Einbusse bedauern, erhoffen aber eine stärkere politische Schlagkraft der stark vereinheitlichten Inlandsberichtmasse. Für Farbtupfer könnten immer noch die fleissig kommentierenden Chefredaktoren sorgen (mit Judith Wittwer beim «Tages-Anzeiger» wieder einmal eine Frau).

Warten wir mal ab.

Wettbewerb gebe es ja immer noch, jedenfalls zwischen den einzelnen Medienhäusern – neben Tamedia namentlich «NZZ», «Aargauer Zeitung», «Blick»-Gruppe, Somedia, «Basler Zeitung».

Mit einer Alternative wartete – ebenfalls im Sommer 2017 – Professor Otfried Jarren auf, Präsident der vom Bund eingesetzten Eidgenössischen Medienkommission. Die klassischen Zeitungsmodelle würden wohl verschwinden. Aber auch die wegen der Internetflut und der Social-Media-Schwemme unübersichtlich gewordene Informationsmasse, den einzelnen Usern anheimgegeben, bedürfe der Bündelung und Durchleuchtung, zumal auch die SRG von ihren Gegnern unter immer stärkeren Druck gerate. Jetzt müssten digitale journalistische Plattformen geschaffen werden, die von verschiedenen Anbietern genutzt werden, aus Sorge um das öffentliche Gut Information. Für eine gewisse Qualitätskontrolle kämen Genossenschafts- und Stiftungsmodelle in Frage.

Das «Modell Jarren» – erst in Umrissen erkennbar – würde dem Service-Public-Gedanken wohl in hohem Masse Rechnung tragen. Aber es bedürfte einer Anschubfinanzierung. Vom sparfokussierten Staat? Von den privaten Medienhäusern wäre jedenfalls nicht viel zu erhoffen. Diese werden zuallererst ihre eigenen Pläne – wie etwa jene von Tamedia – umsetzten wollen.

Peter Studer war Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» und des Schweizer Fernsehens SF sowie Präsident des Schweizer Presserats.

von Peter Studer | Kategorie: Mediensatz

2 Bemerkungen zu «Rettungspläne für das öffentliche Gut Information»

  1. herr studer. können sie mir erklären, was sie unter „öffentlich/öffentliches gut“ verstehen unter der bedingung einer netzwerkstruktur? vllcht argumentiert in der tradition von jürgen habermas? (aufstieg und fall… sie wissen schon ;-) odr niklas luhmann. #medienlǝsɥɔǝʍ oder anders als die beiden. was meinen sie damit?

    und: die deals mit sda etc? sind die echt so geheim?

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