Courage Changes Everything

Mit etwas Dialektik kann ich der Porsche-Werbung auf der Frontseite meiner «NZZ» sogar Gutes abgewinnen. Sie erinnert mich daran, dass Zeitungen käuflich sind: Erstens durch mich: Ich kann sie kaufen oder auch nicht. Zweitens durch Inserenten: Sie können Inserate platzieren oder auch nicht und werden manchmal mit einer positiven Erwähnung im redaktionellen Teil zufriedengestellt.

Die «NZZ» leistet also einen Beitrag zur Transparenz: Seht her, so viel kostet unsere Frontseite! Wieviel genau, weiss ich natürlich nicht. Aber sicher so viel, dass Porsche einige Panamera verkaufen muss, um den Betrag wieder hereinzuholen.

Aus Sicht der «NZZ» ist das grundsätzlich positiv. Einige Jahreslöhne von Redaktionsmitgliedern sind immerhin auf einen Schlag finanziert.

Ob das Inserat aber die gewünschte Wirkung erzielt? «Mut ändert alles» ist eine etwas banale Behauptung für die Frontseite einer Qualitätszeitung, ein allzu fader Satz als Ersatz für einen Leitartikel. Im Zusammenhang mit dem beworbenen Auto ist er zudem falsch. Porsche, das sind eigentlich kernige Sportwagen. Nun ist der Panamera aber eine Limousine, «die schnellste Limousine der Welt» zwar, wie auf der zweiten Seite der «NZZ» verkündet wird. Aber eine Limousine, ein Auto für wohlhabende Herren mit Anhang, die gerne jünger wären.

Ich mag eigentlich nicht nur die «NZZ», sondern auch Autos von Porsche (durfte ein paar Mal mitfahren). Aber beide sind momentan auf problematischen Wegen – aus meiner bescheidenen Sicht. Porsche ist berühmt für Autos, die auch als Occasionen Freude machen – spartanisch, aber zur Not alltagstauglich –, bewegt sich mit dem Panamera aber gefährlich weit weg von seinem Image.

Und etwas Spartanisches zeichnete immer auch die «NZZ» aus. Im besten Fall ist sie gründlich, nüchtern, klar, differenziert, hart. Wer «NZZ» liest, rechnet mit direktem Steuer, harter Federung, guter Bodenlage, verzichtet dafür gerne auf weiche Unterhaltung und anbiederndes Lifestyle-Geschwätz, auf den Komfort ständiger Selbstbestätigung, den Massenblätter ihrem Publikum anbieten.

Und was ist die «NZZ» im schlechtesten Fall? Eine Limousine, in der Liberalismus zu einer Ideologie verkommt und deren Chauffeure einem sagen was man zu denken hat. Orientierungslose Wutbürger werden so dort abgeholt, wo sie am Verzweifeln sind: im prekären Luxus.

Hanspeter Spörri ist freier Moderator und Journalist in Teufen (Appenzell Ausserrhoden). Er arbeitete ab 1976 als Lokal-, Kultur- und Auslandredaktor verschiedener Zeitungen und eines Lokalradios. Von 2001 bis 2006 war er Chefredaktor des «Bund».

von Hanspeter Spörri | Kategorie: Mediensatz

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