«Schleier tragen gegen Geld»

Der Titel dieses Eintrags ist gestohlen, «NZZ»-Medienredaktor Rainer Stadler hat ihn erfunden − und zwar für die «NZZ» vom 17. November 2009: Er, der Titel, hat indes nichts an Aktualität eingebüsst. «Schleier tragen gegen Geld» tat am vergangenen Samstag nämlich auch Stadlers − so nehmen wir an − Leibblatt, und zwar mit einer Anzeige für ein neues Porsche-Modell.

«NZZ»-Frontseite vom 8. Oktober 2016:
NZZ_verschleiert

Es folgte am Tag darauf eine Porsche-Prospektbeilage in der «NZZ am Sonntag», und auch das «Stil»-Magazin des Sonntagsblatts liess sich nicht lumpen und trat sein ganzes Cover ebenfalls an einen Werbekunden (Stilhaus) ab.

Von «verkaufter Seele» war darauf verschiedenenorts die Rede − zu hochgegriffen bzw. zu komplex für mich. Wie ist es aber um den Stolz der «NZZ»-Redaktion bestellt − Stolz im Sinne von

«Gefühl einer großen Zufriedenheit mit sich selbst oder anderen, einer Hochachtung seiner selbst – sei es der eigenen Person, sei es in ihrem Zusammenhang mit einem hoch geachteten bzw. verehrten ‹Ganzen›» (Wikipedia)?

Gibt’s das überhaupt noch an der Falkenstrasse? Es ist ja noch nicht allzu lange her, dass bei der «NZZ» das Primat der Publizistik hochgehalten wurde. Inzwischen schreibt Chefredaktor Guyer zwar missionarisch gegen die Gesichtsverhüllung von Musliminnen an, die Verschleierung des eigenen Qualitätsblatts scheint ihn und seine Mannen jedoch nicht zu kümmern.

Wie könnte sich das alles eigentlich noch steigern lassen (Native Advertising machen wir ja nicht)? Und wie wirken sich solche Tabubrüche wohl auf junge Journalistinnen und Journalisten aus?

Siehe dazu auch:

von Martin Hitz | Kategorie: Sparschwein

2 Bemerkungen zu ««Schleier tragen gegen Geld»»

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