Seid umschlungen Schweizer (Privat-)Medien

Die SRG will (noch mehr) mit den Schweizer Privatmedien kooperieren. In einem Gastartikel − nicht im «Blick» (too fishy) und nicht im «Tages-Anzeiger» (no surprise), sondern in der «NZZ» (weshalb eigentlich?) − unterbreitet Generaldirektor Roger de Weck den Schweizer Verlegern deshalb ein Angebot zur Zusammenarbeit oder genauer: «elf konkrete Vorschläge» bzw. «Kooperationsmodelle im Journalismus und in der Technologie».

So sollen die privaten Medienhäuser unter anderem etwa auf aktuelle Videobeiträge der öffentlich-rechtlichen Anstalt zugreifen können und diese auch in eigenen Playern abspielen dürfen, wobei ein Teil der mit den Bewegtbildern erzielten Werbeeinnahmen an die SRG ginge. Inhalte von Privatsendern sollen zudem auch im Web-Player der SRG verbreitet werden und so von dessen Reichweite profitieren. Ferner will die SRG die Privaten in einigen Sportarten an den von ihr erworbenen Übertragungsrechten partizipieren lassen, Regionalradios unter Quellenangabe und «gegen ein sehr erschwingliches Entgelt» ihre Nachrichtenbulletins zur Verfügung stellen, zusammen mit der privaten Konkurrenz auf Youtube einen mehrsprachigen «Swiss Channel» betreiben oder ihre Ausbildungsangebote «systematisch für Kollegen privater Medien» öffnen. Im Übrigen sei − last but not least − auch die Technologie-Tochtergesellschaft SwissTXT für Kooperationen mit dem privaten Sektor offen.

Ringier ist über die angekündigte Werbeplatzvermarktungsallianz ja bereits eingebunden, nun will die SRG also auch noch die anderen privaten Medienhäuser umgarnen, dürften böse Zungen behaupten. Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbands Schweizer Tamedien, ist jedenfalls not amused, wie er in der − zufälligerweise von Tamedia herausgegebenen − «Sonntagszeitung» zu verstehen gab.

Die Schweizer Medien können nur durch vernünftige Zusammenarbeit gegen die globalen Digital-Giganten bestehen, meinen hingegen SRG-Generaldirektor Roger de Weck und mit ihm etwa auch die Eidgenössische Medienkommission (PDF).

Und «NZZ»-Medienredaktor Rainer Stadler kommentiert unter dem Titel «Die SRG zeigt sich als sanfter Riese»:

«Der liberal Denkende runzelt allerdings die Stirn. Die SRG plant bereits eine Werbeallianz mit Ringier und Swisscom; nun will sie mit ihren Kooperationsangeboten noch stärker im Maschinenraum des Schweizer Mediensystems mitmischen. Wenn sie – wie vorgeschlagen – Videos mit Privaten teilt, Übertragungsrechte an Sportveranstaltungen gemeinsam auswertet, die technische Infrastruktur für Online-Publizistik zur Verfügung stellt, wenn sie ihre Kanäle für die Produktionen der Privaten öffnet und einen gesamtschweizerischen Youtube-Kanal für alle betreibt, dann dringt der nationale Rundfunk zusehends in alle Bereiche der Privatwirtschaft ein. In der Folge liefe bald nichts mehr, wenn die SRG stillstünde oder wenn sie – aus welchen Gründen auch immer – auf den roten Knopf drücken würde.»

S. dazu auch:
Wie geht’s eigentlich der Media Schweiz AG?
Die Schweizer Verleger am Tropf des Staates
VSP: Immer für einen Kuhhandel gut?

Update:
Mit dem Rücken zur Wand in den Vorwärtsgang (Nick Lüthi, «Medienwoche»)
Gefährliche Lockrufe an die krisengeschwächten Verleger (Ronnie Grob, «Medienwoche»)

Update, 12. Januar 2016:
Private Medien reagieren zurückhaltend (Rainer Stadler, «NZZ»)

Update, 12. Januar 2016:
«Hinterhalt hat bei der SRG System», sagt Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbands Schweizer Tamedien, in seinem Referat an der Dreikönigstagung.

Update, 14. Januar 2016:
SRG ist «systematisch hinterhältig» (Claudia Blumer, «Tages-Anzeiger»)

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

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