Wieso sich mein «NZZ»-Abo in Luft aufgelöst hat

Als ehemals treuer «NZZ»-Leser traue ich der Ruhe nach dem Sturm bei der «Neuen Zürcher Zeitung» nicht. Mein Vetrauen in die «alte Tante» ist nachhaltig gestört. Es wieder herzustellen, dürfte sich lohnen.

Rückblende: Kurz vor Weihnachten sorgten die Enthüllungen des Journalisten und Medienspiegel-Kolumnisten Christof Moser für hektisches Treiben an der Falkenstrasse: «BaZ»-Chefredaktor Markus Somm solle an Stelle von Markus Spillmann als «NZZ»-Chefredaktor eingewechselt werden. Ein kurzer, aber effektiver Redaktionsaufstand und drei geschlagene Monate später verkündet die «NZZ»: Habemus Falcones. Ein Dreierteam soll’s richten: Der EU-skeptische Transatlantiker Eric Gujer, die profilierte liberale Stimme Felix E. Müller sowie Anita Zielina, eine hierzulande noch wenig bekannte Fachfrau aus Digitalien.

Endlich wagte sich auch NZZ-CEO Veit Dengler aus der Deckung (etwa hier in der Samstagsrundschau). Er blieb allerdings äusserst vage, zumindest was seine Rolle in der Affäre Somm anbelangt. Demnach liegt und lag die ganze CR-Suche im Verantwortungsbereich des Verwaltungsrates. Dennoch stellen sich mir zwei nach wie vor ungeklärte Fragen:

  1. Weshalb intervenierte der für das operative Geschäft verantwortliche CEO selbst dann noch nicht, als dem Blocher-Biografen, Blocher-Haushistoriker (General Guisan, Marignano) und Chefredaktor von Blochers Gnaden, Markus Somm, bereits ein Vorvertrag unterbreitet wurde? Hätte die Verpflichtung Somms doch unweigerlich zu sofortigen und massiven Abonnementsverlusten geführt (mittelfristig wohl etwa ein Drittel bis die Hälfte.) Weshalb also nahm CEO Dengler eine dermassen offensichtliche Gefährdung der wirtschaftlichen Grundlage seines Medienkonzerns in Kauf?
  2. Warum überhaupt wurde der bisherige Chefredaktor (ohne äusseren Anlass) und entgegen der über 200-jährigen Tradition in einer staatsstreichartigen Hauruckaktion aus Amt und Würden gejagt, bevor auch nur eine halbwegs seriöse und breitflächige Evaluation eines möglichen Nachfolgers stattgefunden hatte? Jeder, der den Medienplatz Schweiz auch nur mit halb offenen Augen verfolgt, hätte wissen können/müssen, wie zuverlässig und absolut linientreu der rechtsnationale «BaZ»-Chef das Programm seines direkten politischen Vorgesetzten umsetzt. Anschauungsmaterial, wie man ein ehemals renommiertes Blatt frontal gegen die Wand fährt, gibt es hier (auch als DVD).

    Zur Erinnerung: Der Entscheid wurde, nach allem was man bis heute weiss, einstimmig gefällt.

Auf diese und ein paar weitere Fragen haben wir «NZZ»-Leser bis heute leider keine befriedigenden Antworten erhalten. Nur eine schonungslose Offenlegung aller Motive und Absichten, die den Verwaltungsrat zu diesem Entscheid bewogen haben, wird aber das Vertrauen in die Marke NZZ langfristig wieder herstellen können. Ohne gröbere Personalrochaden dürfte es kaum gehen.

Möge das NZZ-Aktionariat nächste Woche mehr Klarheit einfordern.

Ugugu würde seine nassen Schuhe nur zu gerne wieder mit der gedruckten «NZZ» stopfen.

von Ugugu | Kategorie: Mediensatz

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