Hauptsache, es macht Spass: «News, die wirklich unterhalten»

Seit einiger Zeit jasst Twitter mir immer wieder mal «promotional Tweets» des «Blick am Abend» in die Timeline, so etwa auch diesen:
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Klar doch, was sollen News denn anderes tun als unterhalten!

Dazu − nur leicht off topic − etwas aus den «Hauptbefunden» (PDF) der aktuellen Ausgabe des Jahrbuchs «Qualität der Medien – Schweiz – Suisse – Svizzera»:

«Die Zahlen zeigen, dass die Regulierung des Mediensystems über relative Preise durch den Konsum von Gratismedien ausgehebelt worden ist. Märkte werden normalerweise auf der Basis relativer Preise reguliert, die einen Bezug zur Angebotsqualität haben. Tendiert der Preis jedoch gegen Null, wird dieser grundlegendste Regulationstypus eliminiert, Qualität verliert an Wert und gleichzeitig wird das Preis- und Wertbewusstsein für Informationsjournalismus zerstört.

Für eine Demokratie, die nur als Rechtsgemeinschaft informierter Bürgerinnen und Bürger Bestand haben kann, wird diese Entwicklung dann zu einem grundsätzlichen Problem, wenn durch die Flutung des Marktes mit qualitätsniedrigen Gratisangeboten on- und offline ein vielfältiger, professioneller Informationsjournalismus für Entscheidungen, die alle etwas angehen, nicht mehr gedeihen kann.»

Und wenn wir schon dabei sind, vielleicht noch dies − auch äs bitzeli für Christian «Geht es wirklich abwärts?» Lüscher:

«Die Nutzung von qualitätsniedrigen Gratismedien on- und offline ist inzwischen zum gesellschaftlichen Courant normal geworden. Insbesondere bei den jungen Altersgruppen bis 34 Jahre ist der Konsum dieses Medientyps mittlerweile über alle Einkommens- und Bildungsschichten weit verbreitet. Der Medientyp Gratiszeitung ist inzwischen nicht nur zu dem Angebot geworden, das am meisten Nutzer erreicht, sondern neben den Abonnementszeitungen die Bevölkerungsschichtung gemäss Einkommen und Bildung am repräsentativsten abdeckt. Gratiszeitungen sind damit hinsichtlich Schichtungsmerkmalen und Reichweite neben dem öffentlichen Rundfunk zum wichtigsten Integrationsmedium in der Schweiz avanciert. Die mediale Koorientierung in der Schweiz wird heute somit vorab über qualitätsniedrige Gratismedien hergestellt. Dieser Erfolg von gratisgetriebener Reichweite hat die sprachregionalen Medienarenen in der Schweiz in kürzester Zeit verwandelt. Während bis zur Jahrtausendwende Titel mit Qualitätsanspruch, wie die Abonnementszeitungen und die Nachrichtensendungen des öffentlichen Rundfunks, bei Weitem dominierten und das qualitätsniedrige Segment eine klar umrissene Boulevardnische einnahm, hat sich nun die Situation umgekehrt.»

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

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