Abt. Neue Berufsbilder – heute: Der Brand-Journalist

Brand-Melder dürften mittlerweile zur Standardeinrichtung moderner Newsrooms gehören. Und in ebendiesen sitzen in der Regel auch Vetreter der Lokalressorts, die für einen flotten Brand immer zu haben sind (beim TV sind zudem Sprengungen besonders beliebt). So erstaunt es nicht, dass sich inzwischen auch das Berufsbild des Brand-Journalisten herausgebildet hat:

«Die Zürcher Full-Service-Agentur Kuble hat mit Jürg Vollmer neu einen Brand Journalisten im Team»,

heisst es dazu etwa auf «persoenlich.com». Aber halt! Da geht es gar nicht um Feuersbrünste?

«Die Zürcher Full-Service-Agentur Kuble hat mit Jürg Vollmer neu einen Brand Journalisten im Team. Vollmer verfügt über langjährige journalistische Erfahrung bei Printmedien, Radio und TV sowie Online-Medien. Als Brand Journalist werde er Geschichten mit journalistischem Anspruch schreiben, die unterhalten und erklären, beschreibt Vollmer seine neue Aufgabe in der Mitteilung.

Mit dem Engagement des 52-Jährigen will Kuble ihr Profil als Full-Service-Agentur mit dem Fokus auf Content weiter schärfen. Der Brand Journalist Vollmer greift Nachrichten, Trends und Entwicklungen auf – mit dem Ziel, für eine Marke nicht nur die Konsumenten zu erreichen, sondern diese in der Branche als Meinungsführer etablieren.»

Wann ist ein Journalist eigentlich noch ein Journalist?

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

11 Bemerkungen zu «Abt. Neue Berufsbilder – heute: Der Brand-Journalist»

  1. Wer behauptet denn, diese Praktik habe den Anspruch Journalismus zu sein. Es handelt sich hier m.E. um eine – durchaus legitime – Kukukseieri oder Camouflage unter Rückgriff auf journalistische Mittel im Partikularinteresse einer Organisation. Ich gehe mal davon aus, dass sich Jürg Vollmer durchaus bewusst ist, hier nicht in der Berufsrolle eines Journalisten zu handeln. Falls doch, sehe ich Schizophreniepotenzial und im Journalismus drohenden Glaubwürdigkeitsverlust.

  2. Lieber Vinzenz,

    Das Schizophrenie-Potenzial hält sich in medizinisch und gesellschaftlich vertretbaren Grenzen ;-)

    Über den Glaubwürdigkeitsverlust der Mainstream-Medien kann man hingegen diskutieren.

  3. die bezeichnung „brand journalist“ finde ich nicht nur irreführend, sondern sogar ziemlich bescheuert. werbetexter bleibt werbetexter, selbst wenn er ab und an journalistisch anmutende texte verfasst.

    tsss…

  4. Ein gutes Beispiel für Brand-Journalism ist übrigens http://www.grandtour.freitag.ch/de/ – diese Reportagen werden auch im Tagesanzeiger-Magazin publiziert.

    • Frank Hofmann:

      Wohl das ideale Medium für „Geschichten“, die mit „Ich“ beginnen: Kolumnen, Selbsterfahrungen (Max kauft ein Auto / Michèle wird Mami) und andere Selbstbespiegelungen mit pseudophilosophischem Anspruch.

  5. na ja, lieber jürg, das ist eigentlich nichts weiter als ein reiseblog, das sich von ein paar firmen hat sponsern lassen. was das mit journalismus zu tun hat, ist mir schleierhaft.
    und wenn eine agentur einen jurni zwecks verfassen journalistischer texte anstellt, dann ist das was ganz anderes. und es bleibt wie gesagt einfach werbetext.

  6. Carl Hansen:

    Marketing-Geschwurbel mit falscher Rechtschreibung und missratener Grammatik.

  7. Pingback: Links oben: Schöner streiten im Internet | UNIVERSALCODE

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