Wenn die Zensurschere locker hockt

Am vergangenen Samstag lud die blocher(medien)kritische Basler Bürgerbewegung «Rettet Basel» ins Theater Basel zu einer Art Bestandesaufnahme. Einige lokale Medien berichteten darüber, so auch die «Basler Zeitung». Und dies sogar erstaunlich sachlich und nüchtern (bis auf die hysterisch-polemische Bildlegende). Nur eine Sache schien aus dem Ruder zu laufen:

Also machte ich die Probe aufs Exempel und verfasste mehrere Kommentare, die sich positiv über den Anlass und eher kritisch über die «BaZ» äusserten. Alle in unterschiedlicher Tonalität, aber immer schön innerhalb der Grenzen des Anstands (soweit ich das beurteilen kann).

Genau ein Kommentar wurde − geschlagene drei Stunden später − freigeschaltet.

Zusätzlich verfasste ich testeshalber zwei hochnotpeinliche, die «BaZ» lobhudelnde und das vorgegebene Thema ziemlich verpeilende Kommentare.

Beide wurden auf der Stelle freigeschaltet.

Nun kann das natürlich alles Zufall sein, etwa weil der zuständige «BaZ»-Redaktor Oberzensor gerade etwas grummelig drauf war. Oder aber das Ganze läuft auf eine doch eher plumpe (wenn auch effektive) Manipulierung der öffentlichen Meinung hinaus.

Ganz nach der Formel: handzahm berichten und die Verunglimpfungen von der Kommentatorenarmee erledigen lassen.

Zwar befinden sich viele «BaZ»-Kommentare ziemlich genau auf der intellektuellen Flughöhe des Blattes, ein etwas entspannterer Umgang mit anderen Meinungen dürfte jedoch selbst eingefleischten «BaZ»-Lesern zuzumuten sein.

Ugugu hat seine angestammte Tätigkeit als Journischredder zunehmend auf Twitter verlagert.

von Ugugu | Kategorie: Mediensatz

6 Bemerkungen zu «Wenn die Zensurschere locker hockt»

  1. Frank Hofmann:

    Was wollen Sie mit Ihrem Beitrag sagen? Ausser dass es ums übliche BaZ-Bashing geht. Warum untersuchen Sie die Praxis der Kommentarfreischaltungen bei andern Medien nicht? Wollen Sie wirklich behaupten, dass z.B. beim TA nicht zensiert wird? Sie hätten auch erwähnen können, dass zum genannten Artikel sehr wohl etliche BaZ-kritische Kommentare veröffentlicht wurden. Es kratzt Sie wohl, dass gerade IHRE Kommentare nicht vollständig freigeschaltet wurden. Grundsätzlich ist es ohnehin lächerlich, einen Anspruch auf Veröffentlichung von Leserkommentaren zu erheben.

  2. Ugugu:

    @FrankHofmann Grundsätzlich habe ich kein Problem, wenn Newssites ein Minimum an Netiquette einforden und rassistischen Kram einigermassen grosszügig aussortieren. Was sich die BaZ hier leistet geht jedoch weit darüber hinaus.

  3. Thomas Läubli:

    Klar werden auch beim TA die Kommentare gefiltert. Und zwar genau so, wie es der rechtsbürgerlichen Tamedia-Doktrin entspricht. Ich habe diesbezüglich meine Erfahrungen gemacht. Ich denke, das wird bei 20Minuten etwa dasselbe sein.

    Ferner habe ich mich schon gefragt, ob die Leserkommentare im gedruckten TA, die neuerdings auch dem Online-Medium entnommen werden, nicht der hauseigenen Regel widersprechen, wonach „anonyme Zuschriften im Papierkorb entsorgt werden“. Schliesslich werden sicher die Hälfte aller Online-Kommentare unter Pseudonymen verfasst. Ist das tatsächlich der Fall, müssen wir annehmen, dass Tamedia den Diskurs auch in der Print-Ausgabe des TA durch gezielte Auswahl von Leserkommentaren manipuliert.

  4. Daniel Meier:

    Die BAZ veöffentlicht Kommentare sehr selektiv. Am Morgen kommen diese durch und am Nachmittag (Schichtwechsel) wird kein einziger Kommentar vom selbigen Absender mehr veröffentlicht.
    Sehr auffallend ist auch, dass gewisse Personen das stetige Recht auf Veröffentlichung haben. So werden Kommentare von A. Heubi, O. Burkardsmaier, M. Helmers. R. Singer. scheinbar IMMER veröffentlicht. Bis zu 20 Kommentare in einem Artikel der selben Person!! Auch deutsche Kommentierende kommen sehr oft zum Zug. Scheint die BAZ aber nicht zu stören. Wäre ich Abonnent, würde ich aus oben gennanten Gründen sofort kündigen!

  5. Hanspeter Moesch:

    Dass Kommentare in on-line Medien, die rassistisch oder persönlich oder religiös verletzend sind, gekürzt oder nicht publiziert werden entsprechend den allg. Geschäftsbedingungen eines Medienblatts, das ist richtig. Doch gewisse Medien gehen sehr viel weiter mit Zensur. So die Tamedia-Gruppe mit ihrem 20-Minuten Blatt und dem Tagesanzeiger. Kommentare, die im Inhalt gesinnungsmässig nicht genehm (vorallem, wenn Kommentare fundiert, belegt und dazu noch gut geschrieben viele „thumbs up“ von den Lesenden erhalten) werden konsequent rausgeworfen. 20-Minuten ist keine Zeitung, sondern einfach ein bedrucktes Blatt für die Zielgruppe „secondos“ mit niederschwelligem Bildungsniveau. Ist dort ein Kommentar zu „intelektuell“, fliegt er gleich raus: „Bitte erschrecken sie mit ihrem fundierten Wissen und sprachlich gut geschriebenen Kommentar nicht unsere bildungsschwachen Leser“ (so wohl denken diese 20-Minuten Redaktoren). Kommentare im Tagesanzeiger, die sich zum Artikel kritisch äussern aber dennoch viele „thumbs up“ erhalten von den Lesern rufen in der Tagi-Redaktion Alarm: „Raus mit ihm bevor sein Gedankengut sich unter den Lesenden verbreitet“. Mit einem Gast-Kommentar im Tagi ist der Redaktion die IP-Adresse bekannt. Alle Kommentare solch eines unerwünschten Kommentators landen nun wie ein Spam gleich im Papierkorb: Zu unbequem, zu ansteckend, zu gegenläufig ist sein Gedankgut für die Tamedia-Redaktion. Erhält ein Artikel in der Tamedia Presse zu viele kritische Kommentare, unterbinden Tamedia Redaktoren die Möglichkeit zu weiteren Kommentaren. Solch ein Artikel wird nun ummodeliert in eine Twitter Meldung: So verschwinden die geschriebenen Kommentare in der on-line Version; sie sind nicht mehr sichtbar. Artikel zu heiklen Themen (z.B. Israel) enthalten von Anfang an keine Möglichkeit zu Kommentaren. Was die Tamedia Presse sich so ausgedacht als Möglichkeit der Meinungs-Zensur ist subtil und natürlich unausgesprochen, doch der Rotstift der Tamedia-Redaktion, der ist dick. Ganz anders ist es bei der NZZ: Die bürgerlich-liberale Presse respektiert auch gänzlich andere Meinungen sofern und nur so lange Anstand und Respekt gewahrt sind. Die Zensur in der NZZ erfolgt durch Gegenargumente der Leser selbst, die korrigieren, auf Ungereimtes hinweisen oder einfach mit einem neuen Kommentar die Diskussion erweitern. Tamedia mit ihrem 20-Minuten Boulvard Blatt und dem Tagi für Hunz und Kunz ist da meilenweit entfernt.

  6. Hanspeter Moesch:

    „Die Welt“ publizierte einen Artikel mit der Überschrift:
    >Verteidigungsbündnis: NATO-Chef sieht Deutschland als „Führungsnation<.

    Dazu schrieb ich meinen Kommentar:
    "In Anbetracht der Geschichte zeigt Herr Stoltenberg als Administrator der NATO wenig Spitzengefühl mit seiner Aussage zu Deutschland in der Rolle als "Führungsnation". Der sprachliche Unterschied von einst und jetzt liegt in ein paar Silben. Was er dabei übergeht: Die Bürger und Bürgerinnen von Deutschland wollen nichts mehr als weiterhin den Frieden!"

    Mein Kommentar wurde publiziert, doch gleich danach erhielt ich eine Antwort:
    "Den Frieden, den Sie hier ansprechen, wollen wir nicht um jeden Preis"!

    Mit dem "wir" in der Antwort ahnte ich auch gleich die Quelle, die mich ansprach: Solch eine Antwort kommt nur aus einer NATO Quelle.
    Mit meinem Kommentar war ich als Unbequemer nun wohl im Visier der transatlantischen Obrigkeit, denn Kommentare werden von Medien nicht nur zensuriert, sie werden auch observiert: Vom BND und anderen.

    Nichtsdestotrotz, schrieb ich weitere Kommentare in "Die Welt". Ich wählte meine Worte bewusst, gezielt, hielt mich aber immer an die Netiquette.
    Doch was immer ich publizieren wollte, missfiel dem Rotstift der "Die Welt".
    Meine Kommentare wurden von Moderatoren mehrheitlich als unerwünscht entfernt.

    Waren es meine kritisch-unbequemen Texte, die zwar nie polemisch, aber im Inhalt nicht im Einklang mit dem "transatlantischen Mainstream" aus Verlogenheit und Meinungsmache?
    Artikel von Schreiberlingen aus Redaktionsstuben der Mainstream Medien zu Themen wie die Ukraine, Syrien und der Flüchtlingspolitik von Frau Merkel dienen dort immer häufiger der Meinungsmache, was Lesende denken sollen.

    Oder reagierte "Die Welt" Zensur auf meinen Namen, der voll ausgeschrieben sich wie ein Denkmal liest?
    Danebst bin ich aus der Schweiz, einem Land, das zwar in Europa liegt, aber nicht EU Land ist?
    Ich weiss es nicht; ich kann den Hintergrund der "Die Welt" Zensur nur erahnen.

    Mein letzter Kommentar in "Die Welt" war zum Thema:
    "Europa will nichts hören von den netten Deutschen" schrieb ich so:
    "Was aus meiner Sicht eine wachsende Mehrheit der deutschen Bevölkerung schmerzt: Sie erkennen nicht mehr die Frau, die sie als Kanzlerin gewählt.
    Unbeirrt gegen allen Widerstand verfolgt Frau Merkel in der Flüchtlingspolitik weiterhin ihren Plan getreu ihrem Wort: "Wir schaffen das".
    Deutschland damals bei der Wende mit der Wiedervereinigung von Ost in West hat "das" geschafft: Diese Wende aber war gewollt durch das deutsche Volk!
    Was jetzt abläuft mit der Zuwanderung, das hat das deutsche Volk so nicht gewollt."

    Auch dieser Kommentar wurde subito entfernt.

    Nun war mir klar: Meine Kommentare werden von den "Die Welt" Moderatoren gar nicht gesichtet. Es reicht mein Name oder meine IP-Adresse für den Papierkorb. Technisch ist das kein Problem.

    Solch ein Zensurverhalten entgegen dem, was Meinungsfreiheit ist für mich eine Auszeichnung: Kritische Stimmen im Stammtischgespräch sind bei "Die Welt" unerwünscht.
    Für diese Auszeichnung möchte ich mich bei "Die Welt" bedanken.

    Seit der Flüchtlingsmisere querbeet durch Deutschland ist bei der FAZ die Kommentarfunktion zu Themen wie "Migranten und Frau Merkel" konsequent deaktiviert. Auch die FAZ Redaktion will keine offene Lesermeinung.

    In der Mainstream Presse als Sprachrohr der NATO und im Konsens transatlantischer Interessen gilt in Deutschland noch eine Meinung:
    Die von Frau Merkel und jene der ihr zugewandten Medien.

    Schade um das Deutschland, das ich mag, genauso wie die Deutschen selbst.

    Zum Glück für die Deutschen gibt es in der Schweiz auch eine Medienlandschaft, die noch frei von Zensur, so wie die im deutschsprachigen Raum hoch angesehende NZZ.
    In der NZZ schreiben Deutsche nun ihre Kommentare unzensiert.

    Wir in der Schweiz schätzen Meinungsfreiheit und Debatten ohne Themen-Tabu – und auch wenn von Lesenden aus Deutschland!

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