Auch Christoph Mörgeli soll NZZ-Aktien kaufen dürfen

Christoph Mörgeli darf zwar Anteilscheine der Tamedia AG erwerben, der Eintritt ins Aktionariat der AG für die Neue Zürcher Zeitung ist ihm und Seinesgleichen vorerst aber noch verwehrt, dürfen gemäss Statuten doch nur

«Mitglieder der FDP.Die Liberalen oder weitere natürliche Personen, die sich zur freisinnig-demokratischen Grundhaltung bekennen, ohne Mitglied einer anderen Partei zu sein»

ins Aktienregister eingetragen werden.

Geht es nach den «Freunden der NZZ», soll sich das jedoch in absehbarer Zeit ändern. Im neusten Newsletter des Geheimbunds heisst es nämlich:

«Antrag: […] Des weiteren soll die Vinkulierung den heutigen Gegebenheiten insofern angepasst werden, als Aktionäre zur Eintragung qualifizieren, wenn sie (unabhängig von einer Parteizugehörigkeit) [Hervorhebung: M.H.] eine liberale und unternehmerische Gesinnung bestätigen.»

So es denn sein muss, wollen die «Freunde» diesen und anderen Forderungen auch an einer ausserordentlichen Generalversammlung zum Durchbruch verhelfen:

«Da der Verwaltungsrat und insbesondere der Verwaltungsratspräsident kein Gehör für unsere Anliegen zeigte, hat ein Aktionär (mit der Unterstützung von über 10% der stimmberechtigten Aktien) fristgerecht per Ende Februar zwei Geschäfte für die Generalversammlung 2013 zur Traktandierung eingereicht […]. Der Verwaltungsrat hat sich jedoch zu unserem Erstaunen geweigert, diese Punkte auf die Traktandenliste zu nehmen. Wir behalten uns deshalb die Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung vor, werden aber zunächst unmittelbar nach der Generalversammlung das Gespräch mit dem dann neugewählten Präsidenten des Verwaltungsrates suchen.»

Wie sagte Tamedia-CEO Christoph Tonini doch jüngst in einem Interview:

«Alle Aktionäre sind eingeladen, sich an der Aktionärsversammlung zu Wort zu melden, wenn sie das möchten – das gilt natürlich auch für Christoph Mörgeli.»

Ob es bei der AG für die Neue Zürcher Zeitung wohl bald auch so freundlich zu- und hergehen wird?

(Zu den weiteren Forderungen der «Freunde der NZZ» s. auch den Bericht der «Schweiz am Sonntag»: Putschversuch bei der NZZ)

Update: Neben Avenir-Suisse-Geschäftsführer Gerhard Schwarz wollten die «Freunde» auch den «versierten Immobilienfachmann» Urs Ledermann für den Verwaltungsrat der AG für die neue Zürcher Zeitung portieren («Trotz gegenteiligem Versprechen von VR-Präsident Franz Steinegger wurden diese beiden Persönlichkeiten jedoch nicht einmal kontaktiert.»). Dazu ganz nebenbei ein Zitat aus der aktuellen Ausgabe der amerkanischen Studie «The State of the News Media»:

«In a symbolic indicator of decline, newspapers are abandoning the grand headquarters buildings that used to help anchor downtowns in favor of smaller, less expensive offices. Those that stay are starting to rent excess space to other businesses.»

Siehe dazu auch:
Der Kampf um den NZZ-Verwaltungsrat ist eröffnet
Ist «BaZ»-Verleger Wagner auch ein «Freund der NZZ»?
Philippe Gaydoul in den NZZ-Verwaltungsrat?
Neue Verwaltungsräte für die NZZ-Gruppe?
«Freunde» der «NZZ»?

Und nur slightly off topic:
Rettet Zürich?

von Martin Hitz | Kategorie: Sparschwein

2 Bemerkungen zu «Auch Christoph Mörgeli soll NZZ-Aktien kaufen dürfen»

  1. Thomas Läubli:

    Es braucht überhaupt keine Aktionäre, keinen Verwaltungsrat und andere Leute, die meinen, sie dürften überall mitreden, nur weil sie mehr Geld haben als andere. Und schon gar nicht sollte man auf dem Buckel der Kunden irgendwelche Gewinne ausschütten, wofür niemand eine Leistung erbracht hat. Investitionen sind keine körperliche Arbeit. Nach der Minder-Initiative ist es dringend erforderlich auch noch mit diesen letzten Resten von Privilegien eines selbsternannten Adels aufzuräumen. Jedes Unternehmen sollte wieder die Bedürfnisse der Kunden ins Zentrum rücken und nicht irgendwelche Parteifunktionäre mit Profilierungsneurosen engagieren, die dem Produkt ihren Stempel aufsetzen wollen. Meistens machen sie es dadurch nur kaputt, wie die Geschichte des Niedergangs des Qualitätsjournalismus zeigt.

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