Aus dem Zettelkasten des Journalisten

«Die journalistische Vielfalt lebt. Noch nie hatten so viele Menschen einen so direkten Zugang zu so viel Information», schreibt Tamedia-Verleger Pietro Supino in seinem «Zettelkasten des Verlegers» für «Das Magazin». Wer Quantität nicht von Qualität unterscheidet, denkt bei bedrucktem Papier womöglich primär an Banknoten. Eine A- bis Z-Replik mit Links für den direkten Informationszugang.


Apokalypse

Wird gerne herbeigeschrieben, um in der medialen Erregungsgesellschaft die Auflagen- und Klickzahlen zu erhöhen. Dient der -> Rendite, nicht zuletzt, weil Skandalisierungen günstig sind in der Herstellung und auch von ausgedünnten Redaktionen betrieben werden können. Darunter leidet die journalistische Einordnung. In der Selbstreflexion der Medienbranche ist die Apokalypse das Gegenprogramm zur Schönfärberei von Verlegern, die sich dem von Journalisten, Medienwissenschaftern, Politikern und Publikum geforderten Diskurs über die -> Qualität der Medien störrisch verweigern (-> Demokratie).

Bewegtbild

Das, was der Feind (-> SRG) hat und Schweizer Verleger selber nicht bezahlen wollen können (-> Rendite) − von umjubelten oder billigst produzierten Ausnahmen abgesehen. Weshalb der Feind (-> SRG) den Schweizer Verlegern im Tausch gegen Online-Werbemöglichkeiten das Einbinden von Bewegtbildern auf ihren Nachrichtenportalen erlauben wollte. Doch der Bundesrat hat mit dem Online-Werbeverbot für die SRG das Tausch- zu einem Einweggeschäft für die Verleger gemacht. Wofür sich die Verleger mit der Forderung nach rigiden Textumfangbeschränkungen auf den SRG-Portalen bedanken, um ihr eigenes Geschäft gegen den journalistischen Wettbewerb abzuschotten (-> Paywall).

Buffet, Warren

Amerikanischer Investor, der seine Karriere als Zeitungsjunge startete und kürzlich neben seiner Heimatzeitung «Omaha World-Herald» 27 weitere US-Regionalzeitungen kaufte. «Ich glaube, dass Zeitungen, die umfassende und verlässliche Informationen für eine enge Gemeinschaft liefern und eine vernünftige Internetstrategie haben, noch lange -> Zeit rentabel sein werden», schrieb Buffet Anfang März in seinem alljährlichen Brief an die Anleger. Sein Bekenntnis zum Lokaljournalismus macht Buffet zum Hoffnungsträger für Verleger wie Pietro Supino, dem in seinem Zettelkasten allerdings die wichtigste Information abhanden gekommen ist: jene nämlich, dass Buffet nichts von Sparmassnahmen bei seinen Zeitungen hält. «Lückenhafte Berichterstattung wird mit ziemlicher Gewissheit zu einer lückenhaften Leserschaft führen», schreibt Buffett, der damit einen fundamental anderen Ansatz verfolgt als Tamedia, die 2011 den Gewinn um 60 Prozent auf 178,8 Millionen Franken steigerte, 2012 152 Millionen Gewinn erwirtschaftete (-> Realität) und 2013 in den Redaktionen linear 15 Prozent sparen will (-> Rendite).

Chronistenpflicht

Das, was kostenpflichtige Zeitungen vernachlässigen sollen, um gegenüber bereits gut informierten Lesern ihren Kaufpreis (-> Paywall) rechtfertigen zu können. Stichwort, unter dem Supino schrieb: «Komplexere Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Kultur sind für Nachrichtenportale oder für Radio und TV weniger interessant, dürfen im -> öffentlichen Raum aber nicht verloren gehen» − ohne allerdings nur ein einziges Wort darüber zu verlieren, wie seine Medien (-> Rendite) dazu beitragen sollen (-> Demokratie; -> Verantwortung).

Data Mining

Das, was Google, der andere Feind (-> Leistungsschutz) der Schweizer Verleger, erfolgreich betreibt: dank umfangreichen Datensätzen auf Nutzer abgestimmte Werbung verkaufen können. Das, worüber die Zeitschrift GDI-Impuls in ihrer aktuellen Ausgabe zum Thema «Big Data − Rohstoff oder Müll?» schreibt: «Die letzte Schlacht des Controllings, um in den Zeiten des Kontrollverlustes die alte Logik des Industriezeitalters in die vernetzte Welt zu retten.» Das, was jetzt auch die Schweizer Verleger, initiiert von Tamedia, NZZ-Gruppe und Ringier, mit ihrem Premium Publisher Network betreiben wollen. Apropos Controlling und Kontrollverlust in Verlagen: Dazu erschien kürzlich ein interessantes Interview.

Datenjournalismus

«-> Guter Journalismus beschränkt sich längst nicht mehr nur auf Texte, Radio- oder Fernsehbeiträge. Eine faktenreiche und anschauliche Grafik sagt mitunter schneller mehr», steht ganz richtig in Supinos Zettelkasten. Leider aber auch: «Wir stehen noch ganz am Anfang dieser Entwicklung» (-> Rendite). Wer nicht warten möchte, bis herausragende Infografiken auch billig zu haben sind, kann bei den Kollegen der «New York Times» vorbeischauen. Oder sich hier bewerben. Übrigens: Das Datenjournalismus-Team des «Guardian», das immer wieder mit faktenreichen Infografiken aufwartet, besteht aus einem Grafiker und zwei Researchern, wovon einer Teilzeit angestellt ist. Man muss nur können wollen.

Demokratie

Das, wofür sich Verleger zuständig fühlen (-> Kontrollfunktion), falls sie nicht gerade zu sehr mit der Optimierung der -> Rendite beschäftigt sind. «Wenn es darum geht, Subventionen einzuheimsen, werden die Verleger nicht müde, den unverzichtbaren Beitrag ihrer Medien für die Demokratie und die politische Meinungsbildung zu betonen. Aber wehe, es kommt jemand und prüft diese angeblichen Leistungen. Dann gilt plötzlich nur noch der kommerzielle Erfolg als einziger Qualitätsmassstab», schrieb Nick Lüthi dazu in der «Medienwoche». Und Soziologe Kurt Imhof warnt im «Jahrbuch Qualität der Medien» wiederholt, ebenso wiederholt bekämpft oder − noch schlimmer − ignoriert von Tamedia (-> Verantwortung): «Wenn den Demokraten die Demokratie lieb ist, dann dürfen sie sich keinen billigen Journalismus leisten» (-> Apokalypse).

Digitalisierung

-> Fortschritt, der bereits die Musikindustrie zusammenbrechen liess und in der verstockten Verlagsbranche trotzdem als reine Effizienzsteigerungs- und Sparmöglichkeit missverstanden wird (-> Rendite). Stichwort, bei dem Supino etwas ungelenk («Das digitale Zeitalter begann 2002. Damals war erstmals mehr Information digital als analog gespeichert») beim Online-Lexikon Wikipedia («Es wird angenommen, dass es der Menschheit im Jahr 2002 zum ersten Mal möglich war, mehr Information digital als analog zu speichern») abgeschrieben hat (-> Leistungsschutz).

Fortschritt

Stichwort, unter dem Tamedia-Verleger Pietro Supino in seinem Zettelkasten so etwas wie Selbstkritik gefunden hat, die als Antwort auf vielbeachtete Kritik an seinem Konzern verstanden werden kann: «Die Stärken traditioneller Verlage – ihre klaren und bewährten Strukturen und Abläufe – [können] Erneuerungen behindern. Sie können Schwerfälligkeit zur Folge haben. Medienunternehmen müssen innovativer werden, neuen Projekten eine Chance geben und damit auch das Risiko eines Scheiterns in Kauf nehmen. […] Obwohl sich auch in der Medienbranche positive Entwicklungen aufzeigen lassen, ist es in den letzten Jahren nicht gelungen, mit der Dynamik anderer Branchen mitzuhalten.» − Was leider auch daran liegt, dass in der Online-Entwicklungsabteilung von Tamedia kein einziges journalistisches Projekt in der Pipeline steckt, weil damit aus der Sicht des Verlags nicht genug -> Rendite erzielt werden kann (-> Realität).

Fragmentierung

-> Apokalypse für die -> Demokratie, weil sich der -> öffentliche Raum in selbstreferenzielle Bubbles auflöst, wofür selbst Pietro Supino nichts kann (-> Realität).

Gratiskultur

Hat Ex-Tamedia-CEO Martin Kall 2002 mit dem Kauf von «20 Minuten» zum einträglichsten Geschäftsmodell (-> Rendite) für Tamedia gemacht, weshalb es etwas heuchlerisch wirkt, wenn Supino schreibt: «[Die Gratiskultur] ist für die Medienbranche heute bekanntermassen ein grosses Problem» (-> Paywall).

Guter Journalismus

«Guter Journalismus ist nicht ideologisch», schreibt Supino, und zitiert den 1995 verstorbenen deutschen «Tagesthemen»-Moderator Hanns Joachim Friedrichs («Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er Distanz zum Gegenstand seiner Betrachtung hält; dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er immer dabei ist, aber nie dazugehört»). Was erklärt, warum er kürzlich die «Annabelle» politisch kastrierte. Etwas betrüblich ist, dass Supinos Einschätzung, dass «Journalisten grösstenteils Hervorragendes leisten», obwohl «auf den Redaktionen die Ressourcen stets knapp sind» (-> Rendite), selbst seine eigenen Leserinnen und Leser nicht teilen. Und auch nicht die Leserschaft seiner Angestellten, die ihm argumentativ zur Seite stehen, um den Diskurs über die -> Qualität der Medien möglichst abzuwürgen. (-> Realität).

Interaktivität

Fehlte beim Aufsatz von Pietro Supino gänzlich. Nicht einmal eine Mailadresse des Verfassers fand sich am Ende des Textes, geschweige denn ein Link zu einem Facebook- oder Twitter-Account. Um es neudeutsch zu sagen: fail!

Kontrollfunktion

Medien «kontrollieren die Mächtigen», schreibt Verleger Supino. Und weiter: «Sie sorgen auch dafür, dass Dinge gar nicht erst schieflaufen. Regierungsmitglieder benehmen sich besser, wenn sie wissen, dass ein Journalist sie beobachtet». Aber warum sollte bei Politikern funktionieren, was im Medienjournalismus bei den mächtigen Verlegern nicht funktioniert? (-> Realität). Tatsache ist, dass die Kontrollfunktion der Journalisten dem Kostencontrolling der Verlage geopfert wird (-> Rendite). So werden laut einer Untersuchung im «Jahrbuch 2011 Qualität der Medien» zum Beispiel 40 Prozent der Wirtschaftsberichterstattung durch PR-Aktivitäten ausgelöst. Und 56 Prozent der Firmenberichte übernehmen unkritisch die Deutungsperspektive von Unternehmens-PR. Dramatisch auch die Situation im Wissenschaftsjournalismus, wie Beate Kittl, SDA-Journalistin und Mitglied des Vorstands der Schweizer Wissenschaftsjournalisten, kürzlich in einer Rede darlegte: «Einer stets kleineren Zahl von Wissenschaftsredaktoren und schlecht bezahlten Freien steht ein wachsendes Heer gut entlöhnter Wissenschafts-Kommunikatoren gegenüber. […] Die Wissenschaftsseite der auflagenstärksten Zeitung der Schweiz [«20 Minuten»] wird nicht von eigenen Redaktoren verfasst, sondern vom dreiköpfigen Team einer Agentur, die nach eigenen Angaben auch ‹Aufträge von Hochschulen, Instituten und Institutionen aus Wissenschaft und Forschung› annimmt. Finanziert wird das Ganze von zwei Stiftungen, die notabene beide der Förderung der Wissenschaft dienen, nicht des Journalismus.» Gar nicht erst zu reden von der wichtigsten Kontrollaufgabe der Medien, jener gegenüber der Justiz. Weiss Verleger Supino, dass die teilweise ausgelagerte Gerichtsberichterstattung seines Verlags dazu führt, dass freien Gerichtsberichterstattern pro Gerichtsfall 100 Franken bezahlt werden, egal ob die Verhandlung eine oder vier Stunden dauert? (-> Realität; -> Guter Journalismus).

Leistungsschutz

Forderung der Verleger, die auch als «Google-Steuer» bezeichnet wird, weil sie sich gezielt gegen News-Aggregatoren wie «Google News» richtet, die aus den frei zugänglichen Online-Nachrichten der Verlage die ersten paar hundert Zeichen zitieren und mit einem Link zur Nachrichtenquelle versehen, was den Verlagen angeblich Werbegelder entzieht, obwohl es ihnen Leser zuführt. Ist in Deutschland bereits zu einem höchst umstrittenen Gesetz geworden, was Supino als Vorbild preist, tatsächlich jedoch das Resultat von gezieltem Lobbying bei überforderten Politikern ist, die mit der geschaffenen Rechtsunsicherheit primär Juristenfutter generiert haben und Online-Innovationen abwürgen. Steht auch symbolisch für den Glaubwürdigkeitsverlust des Journalismus, weil die Medien in der Debatte um das Leistungsschutzrecht (-> Leistungsschutz) mit PR-Aktionen einseitig ihre Geschäftsinteressen wahren statt ausgewogene Aufklärung zu betreiben (-> Guter Journalismus; -> Demokratie; -> Kontrollfunktion). Wie sagte doch Ex-«20 Minuten»-Online-Chef Hansi Voigt: «Der Ruf der Verleger nach einer Google-Steuer ist aber unglaubwürdig. Man kann nicht dauernd Markt und Wettbewerb bejubeln, und wenn man den Wettbewerb hat, nach dem Staat rufen, weil die -> Rendite sinkt.»

Medienlandschaft

Wird umgepflügt und mit Monokulturen bepflanzt (-> Pressekonzentration), zum Beispiel im Zürcher Unterland, wo Tamedia zuerst mit grossem Tamtam Regionalredaktionen gründete, um diese sofort wieder zu schliessen, als das Konkurrenzprodukt «Zürcher Unterländer» in ihrem Besitz war. Alternativen zu den Grossverlagen Tamedia, Ringier, NZZ-Gruppe und AZ Medien sind harmlos oder versanden in der Bedeutungslosigkeit. Selbst die rechtsbürgerliche Medienvielfalt Holding AG, die in Basel für journalistischen Wettbewerb sorgen wollte, ist inzwischen nicht viel mehr als ein faktischer Tamedia-Ableger.

Öffentlicher Raum

Von -> Fragmentierung oder -> Pressekonzentration betroffene Grundlage der -> Demokratie, die mit dem -> Leistungsschutzrecht zum wirtschaftlichen Risiko für engagierte Bürger (-> Kontrollfunktion) werden kann, weil der einseitige Fokus der Medienkonzerne auf -> Rendite die verfassungsmässig geschützte Aufgabe des Journalismus pervertiert (-> Apokalypse).

Paywall

Bezahlschranke im Internet, mit der die Verleger ihre -> Rendite vor der von ihnen selbst geschaffenen -> Gratiskultur retten wollen. Hat die «NZZ» bereits in einer durchlässigen Variante implementiert, soll bei Tamedia im Dezember 2013 eingeführt werden. Wird nach gesundem Menschenverstand höchstens bei Informationen klappen, die nicht sowieso weiterhin gratis verfügbar sind (-> Pressekonzentration), nach Ansicht vieler Experten jedoch gar nicht funktionieren, nicht zuletzt, weil sich besonders junge Leser längst nicht mehr an Medienmarken orientieren, sondern an verlinkten Inhalten ihrer Freunde in den Social Media (-> Fortschritt). Oder weil die Verleger die -> Qualität ihrer Inhalte systematisch vernachlässigt haben (-> Guter Journalismus). Reichweite für Werbung oder gute Inhalte für Leser − das ist die digitale Frage.

Presseförderung

Als indirektes Instrument bei den Verlegern beliebt, weil sie damit bei den Posttarifen sparen (-> Rendite), als direkte staatliche Fördermassnahme bekämpft, weil darunter angeblich die -> Kontrollfunktion der Medien in der -> Demokratie leiden würde. Stellt man sich allerdings der -> Realität, so sprechen sich selbst renommierte Medienökonomen für eine staatliche Presseförderung aus, weil «es unter den Bedingungen einer kapitalistischen Informationsgesellschaft nicht mehr in ausreichendem Mass möglich [ist], Medien über den Markt zu refinanzieren» und sich die Gesellschaft deshalb fragen müsse, «was künftig wichtiger ist: die Qualität des Marktes oder die Qualität der -> Demokratie». Der Bundesrat hat das Thema auf die lange Bank geschoben, auch weil die Verleger tüchtig lobbyieren.

Pressekonzentration

Zunehmende Monopolisierung in der -> Medienlandschaft, die dazu führt, dass Tamedia heute 41 Prozent des Schweizer Medienmarkts kontrolliert; gemessen am Lesermarkt sind es sogar 52 Prozent. In der Theorie sollte der Markt zu mehr -> Qualität und tieferen Preisen führen, in der Praxis zeigen Studien, dass der Markt zu Monopolbildungen und damit zu tieferer Qualität und höheren Preisen neigt (Josef Trappel, «Weissbuch zur Presseförderung in Österreich», 1998, online nicht verfügbar). Besonders bemerkenswert ist, dass ausgerechnet die marktbeherrschende Tamedia mit der Diskursverweigerung zu den Studien der «Qualität der Medien»-Jahrbücher den Beweis liefert, dass die Sorge der Medienwissenschaftler über die Medienkonzentration keineswegs weltfremd ist. (-> Kontrollfunktion; -> Öffentlicher Raum; -> Verantwortung)

Presserat

Als zahnlos verschriene, vom Verlagshaus Ringier offensiv nicht mehr anerkannte Beschwerdeinstanz, die als Selbstregulierungsinstrument der Medienbranche funktionieren sollte (-> Qualitätssicherung), tatsächlich aber weitgehend der Folklore dient, weil angebliches Medienversagen zunehmend unter Androhung von Klagen über Medienanwälte abgewickelt wird.

Qualität

Das, was viele Verleger bieten, aber nur wenige bezahlen wollen (-> Realität, -> Guter Journalismus) − was im Fall von Tamedia-Verleger Supino einst zum schönen Kommentartitel führte: «Ein Verleger sieht rosa» (-> Realität).

Qualitätssicherung

Weitgehend ein Mythos, der nicht zuletzt in folgendem Satz von Verleger Supino zum Ausdruck kommt: «Natürlich ist auch die angemessene Ausstattung von Redaktionen mit Ressourcen eine Frage der Qualitätssicherung.» (-> Rendite; -> Realität; -> Verantwortung). Eine gute Übersicht, welche -> Rahmenbedingungen zur Qualitätssicherung nötig sind, findet sich hier (PDF). Wie weit her es mit der Qualitätssicherung im Schweizer Journalismus ist, zeigt sich am Beispiel des Fachbuchs «Medienqualität durchsetzen», dem von Seiten der Verleger jede finanzielle Unterstützung für die Projektkosten verweigert wurde. Was Lektor Karl Lüönd folgendermassen kommentierte: «Das ist bezeichnend für die real herrschenden Verhältnisse im Schweizer Verlagswesen − gross ausrufen über Qualität, aber sogar bei Kleckerbeiträgen geizen.»

Rahmenbedingungen

Stichwort, bei dem Supino vor allem an den -> Leistungsschutz, die indirekte -> Presseförderung und eine «Befreiung von der Mehrwertsteuerpflicht» für Zeitungen und Zeitschriften denkt, «wie das in vielen europäischen Ländern der Fall ist» (-> Rendite; -> Realität; -> Verantwortung).

Realität

«Anspruch und Wirklichkeit sind bekanntlich nicht immer deckungsgleich», schreibt Pietro Supino unter diesem Stichwort, womit er ziemlich exakt zusammenfasst, was in seinem Zettelkasten unter -> Demokratie, -> Fortschritt, -> -> Guter Journalismus, -> Kontrollfunktion, -> Medienlandschaft, -> Qualität und -> Qualitätssicherung an Schönfärbereien zu finden ist.

Recherche

«Recherchieren gehört seit jeher zu den Königsdisziplinen auf den Redaktionen», schreibt Verleger Supino, was nicht ganz erklärt, aus welchen anderen Gründen als Marketing die «SonntagsZeitung» seines Verlags 2012 zusammen mit «Le Matin Dimanche» ein Recherchedesk gegründet hat, auch wenn gegen eine Zusammenarbeit von Redaktionen über die Sprachgrenze hinweg gar nichts einzuwenden ist. Aufhorchen lassen muss schon eher, dass Mitarbeiter des Recherchedesks sagen: «In idealen Redaktionen braucht es kein Recherchedesk. Dort hat jeder Journalist die Gelegenheit, vertieft zu recherchieren, wenn er eine spannende Geschichte riecht» − was leider mit der -> Realität und den -> Rahmenbedingungen kollidiert. Aber, um zur Abwechslung mal an das Gute zu glauben: Danke, Herr Supino, für das Bekenntnis zum Recherchejournalismus! Auch wenn Sie ihn offenbar weniger aus -> Verantwortung für die -> Demokratie und die -> Kontrollfunktion der Medien propagieren, sondern eher aus Interesse an der -> Rendite, wenn Sie schreiben: «Investigativer Journalismus ist der wichtigste Schlüssel zum zukünftigen Erfolg bezahlter Medien» (-> Paywall).

Rendite

Unternehmerische Messgrösse, der Tamedia als grösster Verlag der Schweiz (-> Verantwortung) alles unterordnet, angeblich um Investitionen in die journalistische -> Qualität tätigen zu können (-> Fortschritt) und um die -> Unabhängigkeit der Medientitel zu garantieren. Tatsächlich jedoch der ausser Kontrolle (-> Apokalypse) geratene, durch das Controlling kontrollierte Anspruch auf konzernweit durchschnittlich 20 Prozent und in Teilbereichen bis zu 35 Prozent Umsatzrendite («20 Minuten»), dem sowohl -> Qualität wie auch Personal geopfert werden, was ehemalige Kadermitarbeiter zu Fundamentalkritik trieb, die in Sätzen für die Ewigkeit gipfelten: «Leider wird das erwirtschaftete Geld nicht in bessere Inhalte oder neue Medienmodelle gesteckt, sondern eher für eine Art Dot-com-Bingo ausgegeben.» Was Supino in seinem Zettelkasten «gesunde Rentabilität» nennt, ist in Tat und Wahrheit (-> Kontrollfunktion) die hochgepeitschte Rentabilitätsfixierung (-> Realität) des weitherum rentabelsten Verlags in Grössenordnungen, von denen sich andere Branchen verabschieden mussten. Zum Vergleich: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wurde für sein Renditeziel von 25 Prozent als «gefährlichster Banker der Welt» bezeichnet. Inzwischen hat die Deutsche Bank ihre Renditeziele auf 17 Prozent gesenkt.

SDA

Nach der Schliessung der AP seit Ende März 2010 die einzig verbliebene Schweizer Nachrichtenagentur, an der Tamedia, die NZZ-Gruppe, die SRG und der Verband Schweizer Medien beteiligt sind. Erhält finanzielle Unterstützung vom Bund, von der Supino gerne mehr hätte. Der SDA-Verwaltungsrat, in dem Supino sitzt, hat aus finanziellen Überlegungen das Ende der AP begrüsst, auch wenn kaum ein anderes Land neben Nordkorea und einigen unbedeutenden Kleinststaaten über nur eine einzige Nachrichtenagentur verfügt (-> Demokratie; -> Kontrollfunktion; -> Pressekonzentration).

Sorgfalt

Letztlich unbezahlbare journalistische Tugend -> Qualität; -> Verantwortung), die von Journalisten zu schnell den -> Rahmenbedingungen geopfert wird − eine Tatsache, der die Verleger wegen mangelnder -> Qualitätssicherung und dem Fokus auf die -> Rendite allerdings auch zu wenig entgegensetzen.

SRG

Neben Google der zweite grosse Feind der Schweizer Verleger, den sie aus Angst vor dem Rückgang ihrer -> Rendite einerseits in die Schranken weisen (-> Paywall), andererseits möglichst für sich nutzen wollen (-> Bewegtbild).

Unabhängigkeit

Wichtigstes Argument der Verleger gegen eine direkte -> Presseförderung. Soll dank ausreichender -> Rendite auch gegen den Einfluss von PR-Industrie und Werbekunden helfen, was allerdings mit der -> Realität wenig zu tun hat, wie zum Beispiel hier, hier, hier, hier, hier oder hier nachzulesen ist.

Verantwortung

Schöner als Marc Lamunière, der Gründer des Westschweizer Verlags Edipresse, der inzwischen von Tamedia aufgekauft wurde (-> Pressekonzentration), hat die leider längst vergessene verlegerische -> Verantwortung niemand auf den Punkt gebracht (PDF): «Die Zeitung ist nicht nur ein Produkt, ein Verleger ist mehr als ein Unternehmer […] Zeitungen gehören nicht nur ihrem Besitzer, sondern auch der Gesellschaft.» (-> Demokratie; -> Öffentlicher Raum)

Vielfalt

Ist wegen der -> Pressekonzentration − vor allem aber durch den Zusammenschluss der Online-Redaktionen der Tamedia-Titel zum «Newsnet» − unter Druck geraten (-> Medienlandschaft).

Zeit

Die teuerste aller Voraussetzungen für -> Recherche, die sich in -> Qualität und -> Sorgfalt niederschlägt (-> Guter Journalismus), aber im Widerspruch zu hohen Erwartungen an die -> Rendite steht. Zeitbedarf bei der Herstellung des eben durchgelesenen Zettelkastens: 18 Stunden, die vom ehrenamtlich tätigen Auftraggeber verdankenswerterweise mit einer Bündner Nusstorte vergütet werden (-> Apokalypse).
[Anmerkung des «Auftraggebers»: Zeitbedarf für die Verlinkungen in diesem Zettelkasten: 4 Stunden]

Christof Moser ist Bundeshauskorrespondent und Medienkritiker der Zeitung «Der Sonntag» und Redaktionsleitungsmitglied der unabhängigen Informationsplattform «Infosperber».

von Christof Moser | Kategorie: Mediensatz

37 Bemerkungen zu «Aus dem Zettelkasten des Journalisten»

  1. Kurt Imhof:

    Die Wüste lebt! Hochachtung und Dank für Autor und Auftraggeber!

  2. Fred David:

    Früher nannte man sowas „Chropfleerete“. Klang unappetitlich, war aber heilsam.

    Viele Punkte werden einem da um die Ohren gehauen, wozu man sich trotz Ohrenschmerzen, zustimmend äussern möchte.

    Lassen wir es bei einem einzigen Punkt.: …“weil es unter den Bedingungen einer kapitalistischen Informationsgesellschaft nicht mehr in ausreichendem Mass möglich [ist], Medien über den Markt zu refinanzieren» .

    Völlig ideologiefrei: So ist es! Aber was ist die Alternative ausser staatlicher Förderung und dem „Verkauf von Schirmständern“, den der CEO des grössten Schweizer Medienhauses unlängst ironisch, aber dennoch ernstgemeint als Finanzierungsvariante in die Diskussion einführte. Soll heissen: Wir nehmen alles, womit sich noch Geld verdienen lässt.

    Es wird Zeit, sich darüber verschärft Gedanken zu machen: Wie kann ordentlicher Journalismus in Zukunft überhaupt noch finanziert werden.

    Ich wiederhole mich und tue das mit entsprechender Penetranz: nur über – unabhängige – Stiftungskonstruktionen, ohne irgendwelche entfernten Erben im VR, die mit dem Unternehmenszweck überhaupt nichts mehr zu tun haben.

    Das gilt zumindest für meinungsrelevante Medien, ohne die eine Demokratie stirbt.

  3. Fred David:

    …und übrigens verlangt die Marktdominanz der Tamedia gerade jene Transparenz, von der VR-Präsident Supino spricht.

    Gian Trepp warf kürzlich in seinem Blog die berechtigte Frage auf, wem eigentlich die „Tages-Anzeiger“-Gruppe gehört, und er wies u.a. auf zwei von zwei deutschen Familien beherrschten Liechtensteiner Stiftungen hin, über die man so gut wie nichts weiss (Ellermann Lawena Stiftung, Ellermann Rappenstein Stiftung; siehe im Link Jahr 2007)
    http://history.fuw.ch/de/maerkte_news/swx_mitteilungen/offenlegung_von_beteiligungen.html?objects.search_emittent=345
    Mehrere Familienstämme besitzen zusammen 76,1 %. Sie sind in eine Gruppe von 7 Aktionären eingebunden, von denen im Einzelnen nicht bekannt ist, welche Anteile sie halten.

    Je marktdominanter ein Medienunternehmen ist, umso mehr hat die Oeffentlichkeit ein Interesse zu wissen, wer warum was im Haus zu sagen hat – mit breiter Wirkung nach aussen. Ein Medienunternehmen ist eben keine Raviolifabrik.

  4. Mutter Dolorosa:

    Interessant. Wir sollten einen Solidaritätsfonds „Nothilfe Tamedia“ gründen. Weil die offenbar notleidende Redaktion PR-Menschen als feste freie Mitarbeiter beschäftigen muss. Beispiel hier:
    http://www.sonntagonline.ch/ressort/politik/aktuell/

  5. Ein gesundes Vorurteil erspart die Recherche:
    Im Journalismus hat man immer weniger Zeit. Trotzdem sollte es reichen, um etwas zu recherchieren und Fakten zu checken. Doch leider gilt auch in diesem Zettelkasten, dass offenbar ein gesundes Vorurteil die Recherche erspart. Allerdings werden falsche Aussagen nicht richtiger, wenn man sie einfach ständig wiederholt.
    Zur sda:
    Zu den „unbedeutenden Kleinstaaten“ gehören zum Beispiel (bleiben wir mal in Westeuropa) Österreich, Holland, Belgien, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Portugal. Überall dort gibt es nur eine nationale Nachrichtenagentur, obwohl die Märkte weniger komplex sind als der mehrsprachige Schweizer Medienmarkt. Nicht viel anders ist die Situation im vielleicht etwas weniger unbedeutenden und weniger kleinen Frankreich. Auch dort exisitiert nur afp als Vollagentur für die Medien.

    Die sda erhält keine finanzielle Unterstützung vom Bund, sondern verkauf dem Bund ihre Dienstleistung. Sie pflegt zur Bundeskanzlei eine klassische Kundenbeziehung, wie zu den Medienkunden der Agentur. Auch AP Schweiz verkaufte seinen Dienst an die Eidgenossenschaft.
    Ob in Zukunft die Erstellung von drei Sprachdiensten zum gleichen Preis in unterschiedlich grossen Märkten (Deutschschweiz, Romandie, italienischsprachige Schweiz) und die Sicherstellung des kontinuierelichen Informatinosaustausches zwischen den Sprachregionen als Teil der indirekten Presseförderung (wieso nur die Postzustellung verbilligen und nicht die Erstellung von Inhalten, die alle nutzen?) gesehen werden soll, ist völlig offen und liegt nicht in der Hand der sda.

  6. Christof Moser:

    Sie haben recht, lieber @Bernhard Meissen: das mit den «unbedeutenden Kleinstaaten» ist eine (unzulässige) Zuspitzung. Was die Entschädigung durch die Eidgenossenschaft angeht, bezieht sich der Zettelkasteneintrag auf die Aussage von Herrn Supino, die wie folgt lautete: «Für gewisse Leistungen wird die SDA vom Bund entschädigt. Es wäre denkbar, dass der Bund die SDA zusätzlich finanziell unterstützt.» Alles in allem bleibt bedauerlich, dass die Schweiz im Bereich Nachrichtenagentur von einem Monopol betroffen ist.

    • Sie haben recht Christof Moser. Natürlich wäre es besser, wenn es in der Schweiz zwei oder drei oder noch mehr Agenturen gäbe. Allerdings lässt sich mit Nachrichten nicht wirklich Geld verdienen, erst recht nicht in einem kleinen und mehrsprachigen Land. Dass es heute „nur“ noch die sda gibt, ist aber nicht Schuld der sda, sondern der Redaktionen, die zwar nach Agenturvielfalt riefen, aber nur eine Agentur abonnieren und bezahlen wollten. Die grossen Titel der Tamedia taten dies nicht, andere wie die AZ Medien aber durchaus. Ohne Solidarität der Kunden zu den Agenturen konnte letztlich nur die überleben, die den Schweizer Medien gehört. Wie in den anderen erwähnten Ländern eben auch.
      Bernard Maissen / nicht Bernhard Meissen (auch Genauigkeit ist eine journalistische Tugend)

      • Christof Moser:

        Um es neudeutsch zu sagen: Word, lieber @Herr Maissen. Und pardon für das E, aber wenn ich am Sonntag Abend Kommentare beantworte, mache ich nicht Journalismus, sondern Community-Pflege.

  7. ras.:

    Wahrscheinlich liegt es an dem mit Bündner Nusstorten honorierenden Medienspiegel (#Ausbeutung), dass sich Christof Moser keine Sorgfalt leisten kann. Den Presserat einfach schnell als Folklore bezeichnen – na ja, eine minimale Reflexion dazu wäre angebracht. Christof Moser findet es wohl super, wenn nur die von ihm so geliebten Reichen es sich leisten können, Einspruch gegen Medieninformationen zu erheben – per Rechtsanwalt. Für Klagen braucht man nämlich ein bisschen Kleingeld. Falls er mal als Journalist verklagt werden sollte, wünsche ich ihm viel Erfolg. Und ich hoffe, er müsse es dann nicht aus dem eigenen Sack bezahlen. Sonst könnte er auf die Welt kommen.

  8. Lieber Rainer Stadler, ich kann Deinen Kommentar nicht verstehen. Wer ein paar Jahre Praxiserfahrung als recherchierender Journalist hat, kann Christof Mosers «Zettelkasten»-Eintrag zum Presserat bestätigen. Wenns hart auf hart geht, bekommt man früher oder später eingeschriebene Post von einem Anwalt, nicht vom Presserat. Persönlich habe ich nichts gegen den Presserat, im Gegenteil, ich finde seine Arbeit oft nützlich. Doch seine Urteile tun keinem Journalisten weh, da hat Christof schon recht. Heute ist es für gewisse Leute fast schon ein Hobby, den Presserat einzuschalten, wenn ihnen ein Artikel nicht gefällt. Oft geht es dann um ethische Fragen. Es ist wichtig, dass es dafür eine Instanz gibt. «Folklore» ist eine (weitere) Zuspitzung des Autors (wenn auch diesmal eine zulässige). So löblich es ist, dass sich ras. für die «Armen» ins Zeug liegt: die «Zweiklassengesellschaft» (wenn man so will) ist schon heute eine Tatsache: Die wohlhabenden Kläger gehen mit ihrem Anwalt gegen missliebige Medien los, die anderen decken den Presserat mit Arbeit ein. Ich sehe keine Anhaltspunkte dafür, dass Moser das «super» findet. Es ist einfach eine Tatsache. «Aus dem eigenen Sack bezahlen» muss aber ein Journi wohl kaum jemals eine Klage. Das wäre ein seltsamer Chefredaktor / Verleger, der seinen Angestellten solches zumuten würde.

  9. Mara Meier:

    Guter Journalismus sei nicht ideologisch, sagt Herr Supino. Dann war Meienberg, den alle flächendeckend für sich entdeckt haben, also ein Stümper? Willkommen in der Schattenwelt der Damen Objektivität und Neutralität. Ich spreche vom Orkus. Gibt es 2013 Menschen, die an das Ideologiefreie, Objektive und Neutrale glauben – jenseits des Spaghettikochens und Holzspaltens? Leopold von Ranke würde Herrn Supino glatt für einen Jünger halten, denn unideologische Journalisten wüssten demnach, „wie es eigentlich gewesen“ ist.

    Es gelte Distanz zum Gegenstand zu halten, sagt Friedrichs. Schreibende sollten wohl nicht nur auf Distanz gehen bezüglich ihres Gegenstandes, sondern auf Distanz zu sich selbst und auf Distanz zu ihrer Distanziertheit. Letzteres kann nämlich auch blasierte Attitüde sein. Skepsis ist angesagt oder der altmodische Zweifel. Wer will, kann beides in die vielbesungene (selbst)ironische Distanz giessen, ist unterhaltsamer und erst noch lebensfreundlicher. Deshalb vehement und ebenfalls ex negativo: Guter Journalismus ist nicht humorfrei.

    Es gelte Distanz zum Gegenstand zu halten, auch zu einer guten Sache, sagt Friedrichs. Was eine gute Sache ist, wäre freilich noch zu klären, obwohl das heute gerade jüngere Schreiber ganz genau zu wissen meinen, geradezu ein Ärgernis epidemischen Ausmasses: der #Moralismus, der für Ideologiefreiheit gehalten wird, denn mit Ideologien haben die Jüngeren eigentlich nichts mehr am Hut, das ist vorbei, vor allem wenn man ja so eindeutig auf der Seite des Guten, Schönen, Wahren steht – und der Work-Life-Balance, nicht wahr.

    Please! Man liest einen Brecht nicht, weil er nicht ideologisch ist, sondern deshalb oder trotzdem. Weil er gut ist. Qualität hat nicht nur in der Literatur mit einer radikalen Haltung zu tun. Mit Unerschrockenheit. Analytischer und narrativer Kraft. Dringlichkeit. Innerer Freiheit oder totaler Getriebenheit für einen Gegenstand.

    • Mara Meier:

      NZZ. Heute. Was gibt es zu lesen von Manfred Koch, dessen exzellentes Büchlein über die Faulheit ich empfehle (Faulheit. Eine schwierige Disziplin. 2012)? Nichts anderes, als dass Brecht-Biograph Jan Knopf (Bertolt Brecht. Lebenskunst in finsteren Zeiten. 2012) schreibe, keine „Ideologie“, keine „Weltanschauung“ habe sein (Brechts) „eingreifendes Denken“ getrübt; es sei ihm einzig darum gegangen, „die Wirklichkeit zur Sprache zu bringen“. – Ja, dann.

  10. Christof Moser:

    Du hast was falsch verstanden, lieber ras.: ich achte und schätze den Presserat, ich beschreibe nur die -> Realität.

  11. Fred David:

    I love Mara.

    • Kurt Imhof:

      Me to. We have a problem!

      • Hanspeter Spörri:

        And me too! Kein Problem. Allerdings ein Fragezeichen: Mara schreibt: denn unideologische Journalisten wüssten demnach, “wie es eigentlich gewesen” ist…
        Mir hallt noch Roger Köppels «Schreiben, was ist» im Ohr, das er von Christoph Blocher übernommen hat, der diesen Auftrag an die Journalisten seinerseits bei Rudolf Augstein abschaute. Auch ideologische, nicht nur unideologische Journalisten glauben zu wissen, „wie es eigentlich ist“ und sehen sich auf der Seite des Guten und Wahren. Eigentlich logisch, da es sich ja um eine Epidemie handelt.

        • Mara Meier:

          Ich antworte normalerweise erst ab einem Dutzend Liebesbekundungen und auch nur, wenn der Sinn für Epitheta Ornantia ein bisschen ausgeprägter ist als hier. Oder alternativ ab einer Kiste Sforzato und dem neuen Nagellack von Opi. Aber gut. Ostern steht vor der Tür, und man ist kein Unmensch.

          Zu Ihrem Fragezeichen, Hanspeter, dieser Beitrag von Christine Fivian:

          http://ladyc-unterwegs.blogspot.ch/2012/11/offener-brief-roger-koppel.html

          Allen ein kalorisch verdächtiges Wochenende!

  12. Christof Moser:

    Hier übrigens Neuigkeiten von Tamedia, via @Medienwoche resp. RTS: Tamedia will ein Sparpaket über 34 Millionen Franken schnüren, betroffen ist vor allem die Westschweiz, es ist die Rede 100 Journalisten-Stellen, die abgebaut werden sollen: http://www.rts.ch/info/economie/4770020-le-groupe-de-presse-tamedia-veut-economiser-34-millions-de-francs.html

  13. Fred David:

    Wozu braucht ein Medienunternehmen eine Rendite von 20%? Zur Befriedigung einer Hand voll von Erben, die sich dem Unternehmenszweck immer weiter entfremden?

    Wozu braucht ein Unternehmen überhaupt eine Rendite von 20%? Das ist ökonomisch irrwitzig, und in diesem Fall mit unübersehbaren Folgen auf die Publizistik.

    Wozu soll ich als Kunde/Abonnent oder als Inserent eine Rendite von 20% finanzieren? Das können nur noch Unternehmen mit einer quasi-monopolistischen Entwicklung durchsetzen – es sei denn, sie seien eine Bank, aber selbst für diese wird es schwierig.

    Solche Fragen müssten Tamedia-Medien thematisieren, weil sie durchaus von allgemeinem Interesse sind.

    Sie werden es nicht tun. Und genau an solchen Beispielen zeigt sich die Problematik der Entwicklung.

    • Christof Moser:

      Update: Tamedia spricht seit dieser Woche öffentlich von 15% Rendite.

      • Fred David:

        Das hängt von der Definition ab: Das Ebit gibt den Gewinn vor Zinsen und Steuern an, das Ebitda den Gewinn vor Zinsen, Steuern und den – häufig beträchtlichen – Abschreibungen. Je nachdem, wie hoch man in der Debatte den Gewinn erscheinen lassen will, wird das Ebit oder das Ebitda genannt. Ueblich ist das zweite, und das sind 19,3 %. Das
        Ebit beträgt 13,6%.

  14. Skepdicker:

    Hier noch ein paar Vergleichswerte: Die Axel Springer AG erreichte 2012 eine EBITDA-Marge von 19%, The Economist Group eine EBIT-Marge (d.h. exklusive Abschreibungen) von 18.6%. Das nicht-kommerzielle Prestige-Projekt des Freisinns, die NZZ, erzielte 2011 eine EBITDA-Rendite von 16.3%.

    Ob ein Medienunternehmen eine EBITDA-Rendite von 20% „braucht“, lässt sich nicht a priori sagen. Erstens ist es Sache der Eigentümer, welche Rendite ihr Unternehmen anstreben soll (siehe Art. 26 BV). Zweitens müssen mit dem erwirtschafteten EBITDA zuerst noch Steuern, Fremdkapitalkosten, schöne Büros, Newsrooms, repräsentative Immobilien, Sitzungsräumlichkeiten, tolle Apple-Maschinen, Druckmaschinen, Fahrzeuge, Steamer für die Kantine etc. bezahlt werden.

    • Fred David:

      @)Skepdicker: Alles richtig. Aber ein meinungsbildendes Medienunternehmen ist eben keine Raviolifabrik. Eine Raviolifabrik kann z.B. den Gewinn wesentlich erhöhen, wenn sie mehr Wassersauce in die Dosen füllt. Vielleicht merken’s die Kunden nicht.

      Und abgesehen davon kann man durchaus grundsätzlich eine Debatte führen, wo Kapitalismus aufhört und wo Feudalismus anfängt. Ein durchaus aktuelles Thema, auf verschiedensten Ebenen. Das setzt allerdings ein hohes Mass an Unabhängigkeit voraus, und auch an unideologischer Denke.

      • Skepdicker:

        Klar, das ist immer diskutabel. Nur erwarte ich gerade von Qualitätsjournalisten, dass sie Unabhängigkeit und unideologische Denke nicht leichtfertig bei sich selbst diagnostizieren. Von Qualitätsjournalisten erwarte ich, dass sie zuerst auf der positiven Ebene ihre Hausaufgaben machen, bevor sie auf die normative Ebene wechseln.

        Im konkreten Fall wäre meines Erachtens folgende Reihenfolge angebracht gewesen: Erstens: Recherchieren, was EBITDA, EBIT etc. genau sind und berechnen(!), welche Rendite die Tamedia-Besitzer erzielen. Zweitens: Unter Berücksichtigung der Renditen anderer Anlagemöglichkeiten, der eingegangenen Risiken und der Perspektive der Branche eruieren, ob die Rendite eher hoch ist. Drittens (und nur falls die Rendite eher hoch ist): Im Wissen, dass man als Journalist und Mensch mit gewissen politischen Ansichten niemals unabhängig sein kann, in den Empörungsmodus wechseln und den Tamedia-Besitzern Gier, fehlendes staatspolitisches Verantwortungsbewusstsein etc. vorwerfen. Je nach politischer Ausrichtung kann man dann noch Brücken zum Neoliberalismus bzw. Neofeudalismus schlagen, ein Leistungsschutzrecht und/oder Subventionen fordern, den generellen Sittenverfall im Spätkapitalismus skandalisieren und für Erbschaftssteuern plädieren.

        Der dritte Schritt ist durchaus legitim. Lässt der Qualitätsjournalist jedoch die ersten beiden Schritte aus, handelt es sich bei seiner „Arbeit“ um das, was er immer nur bei den Kollegen von der Falkenstrasse (Pfui!) Förrlibuckstrasse (doppel-mega-pfui!) sieht: faktenfreien Gesinnungsjournalismus.

  15. Fred David:

    @)Herr Oberlehrer Anonymus: Ich sehe meine Funktion nicht darin, jemanden zu belehren. Ich äussere lediglich meine Meinung und versuche diese, mit meinen zugegeben überschaubaren Fähigkeiten, zu begründen, die aber doch ausreichen, die Unterschiede zwischen Ebit und Ebitda präzis darzustellen.
    Von der BWL-Theorie lieber etwas näher an die Praxis: Bei deutlich sinkenden Anzeigenerlösen und noch deutlich sinkenderen Auflagen, ohne dass die Einnahmen aus dem digitalen Bereich dies auszugleichen vermöchten, finde ich einen Gewinnausweis um die 20% nicht nur erstaunlich, sondern obszön. Die damit verbundene Gewinnzuweisung an die Aktionäre gleichfalls.
    Denn jede(r), wirklich jede(r) in dieser Branche auf mittlerer und unterer Ebene hat über Jahre ein Stakkato an drastischen Sparrunden hinter sich, Entlassungsschüben etc.etc. Soll heissen: Diese Gewinnausweise sind nur mit sehr tiefen Schnitten in die Substanz möglich.
    Der CEO des grössten Schweizer Medienhauses illustrierte das unlängst überdeutlich: Notfalls verkaufe er als Verleger halt auch Schirmständer, wenn der Markt es hergäbe bez. verlange.

    Darüber würde ich hier lieber diskutieren als über Analystenweisheiten.

    Als Joe Ackermann noch Chef der Deutschen Bank war, sagte er, er brauche unbedingt eine Eigenkapitalrendite von 25 %, sonst gelte er als Loser und Uebernahmekandidat in der Branche. Später hat er diesen angeblichen „Gruppenzwang“ dann deutlich reduziert. Inzwischen aber scheint der „Gruppenzwang“ auf andere Branchen übergegriffen zu haben.

    Das muss man nicht unbedingt bejubeln.

  16. Oberlehrer Skepdicker:

    Lieber Herr David, ich bin auch kein BWL-Experte. Deshalb würde ich gerne von Qualitätsjournalisten darüber informiert werden, ob der von Tamedia angestrebte Gewinn tatsächlich obszön hoch ist.

    Nochmals ganz praktisch: In der Praxis müssen aus dem EBIT noch Steuern und Zinsen bezahlt werden. Erzielt ein Unternehmen eine EBIT-Rendite von 0%, dann bedeutet dies in der Praxis meist, dass das Unternehmen Verluste schreibt. Sie bezeichnen die Gewinnzuweisung an die Eigentümer bei einer EBIT-Marge von 15% als obszön hoch, ohne berechnet zu haben, wie hoch die tatsächliche Rendite für die Eigentümer ausfällt. Sie scheren sich auch nicht darum, dass der Gewinn (nach Steuern und Zinsen) nicht dem an die Eigentümer ausbezahlten Gewinn entspricht.

    Natürlich, der Qualitätsjournalist darf, soll und muss(?) gelegentlich an der Empörungsschraube drehen. Die Empörungsschreibe sollte aber nach(!) Analyse der Faktenlage erfolgen, nicht Pawlow’schen Reflexen folgen und nicht zu viel Raum einnehmen. Das gilt auch und gerade für Journalisten der „guten Seite“, die sich selbst als unbefleckt von Sonderinteressen, Lobby-Denken und Ideologie ansehen.

    • Fred David:

      Ich schere mich nicht um Pawlow, aber doch um Zinsen und Steuern, wie jeder Leidgeprüfte. Ausserdem ist die Gewinnausschüttung bekannt. Sie lässt sich pro Kopf der Erben und pro Kopf der Mitarbeiter präzis ausrechnen (s. weiter oben). Das Resultat ist etwas seltsam, und darf ohne Skrupel hinterfragt werden.

      Wir landen wieder beim gleichen Punkt: Es geht nicht um eine Raviolifabrik, auch nicht um eine Bank, es geht um grosse Medienunternehmen mit regional quasi-monopolistischen Strukturen in einer direkten Demokratie. Da gelten andere Spielregeln.

      Wenn zum Beispiel wieder von Medienförderung die Rede ist und die Politik sich gefälligst subito darum bemühen solle, den notleidenden Medienunternehmen unter die Arme zu greifen, dann wird man diese Zahlen sehr, sehr genau anschauen müssen, und zwar von unabhängigen Experten.

      Für solche Feststellungen braucht man keinen Waffenschein.

      Wir sind uns im Übrigen mal wieder in mehr Punkten als es scheint, ziemlich einig.

      • Oberlehrer Skepdicker:

        Ja, die Dividendenausschüttung ist bekannt. Grund für die Empörung sind offensichtlich folgende Zahlen:

        Betriebsertrag = 1’052,4 Mio. CHF
        (diese Zahl dient als Nenner bei der Berechnung der Margen…)

        EBITDA = 203,4 Mio. CHF bzw. 19,3%
        (diese Zahl wird von vielen Qualitätsjournalisten fälschlicherweise als „der Gewinn“ bzw. „die Rendite“ bezeichnet und als Beweis für die Gier der Tamedia-Eigner angeführt; darin sind jedoch weder Steuern, Zinsen noch Abschreibungen[!] enthalten…)

        EBIT = 143 Mio. CHF bzw. 13,6%
        (in dieser Zahl sind nun Abschreibungen enthalten, nicht jedoch Steuern und Zinsen…)

        Ergebnis = 152 Mio. CHF bzw. 14,4%
        (diese Zahl stellt nun den „tatsächlichen“ Gewinn bzw. die „tatsächliche“ Rendite dar; das Ergebnis ist im Falle der Tamedia höher als der EBIT, weil der Finanzertrag 2012 netto höher ausfiel als die Steuerbelastung von CHF 39,5 Mrd…)

        Dividendenauszahlung = 47,7 Mio. CHF bzw. 4,5%
        (dies ist der Betrag, der an die Tamedia-Aktionäre fliesst…)

        Welche Zahl ist denn nun konkret obszön oder seltsam – und warum? Diese Frage ist nicht als Provokation gedacht, ich möchte Sie verstehen.

  17. hb:

    Eine Umsatzrendite von 14,4 Prozent würde ich als hoch bezeichnen, vor dem Hintergrund, dass sie in einem Unternehmen erreicht wird, in dem gespart werden MUSS.
    Aber hier mal ein kleiner (sehr) Quervergleich:
    Die viel gelobte Nestlé erreichte im Jahr 2012 eine Umsatzrendite von 10,9 Prozent. Bei Unternehmen im Detailhandel, wie Migros und Coop liegen die Umsatzrenditen oft unter fünf Prozent.

    Im oben diskutierten Zusammenhang erscheint mir allerdings die Eigenkapitalrendite eine geeignetere Kennzahl – auch Joe Ackermann hatte sie als Ziel für die DB verwendet und 25 Prozent erreichen wollen.
    Formel: Gewinn/Eigenkapital
    Die Eigenkapitalrendite kann Antworten auf folgende Fragen liefern: Könnten die Eigentümerfamilien ähnliche gute Investments wie Tamedia finden? Sollten sie besser Tamedia verkaufen und ein anderes Unternehmen übernehmen? Oder ist Tamedia so attraktiv, dass sie am besten ihr Geld (Eigenkapital) in Tamedia belassen?

    Wieder der Nestlé-Vergleich: Eigenkapitalrendite 16,4 Prozent.
    Tamedia: 11,6

    Beurteilung: Wenn das Jahr 2012 als einzige Referenz herangezogen wird, dann würden die Tamedia-Eigentümer „eigentlich“ ihr Kapital besser in Nestlé „investieren“ bzw. Nestlé übernehmen – letzteres ist der korrekte Vergleich, auch wenn die Eigentümer von Tamedia nicht genug Geld für die Übernahme von Nestlé haben.

    Übrigens: Axel Springer hat eine Eigenkapitalrendite von 12,2 Prozent.

    Hier aber noch eine andere Einordnung: Die Deutsche Bank hat neu als Ziel eine durchschnittliche Eigenkapitalrendite von 12 Prozent – die gierigen Banker scheinen also nicht mehr so gierig wie auch schon, zumindest nicht gieriger als die Verleger und Nestler.

    Im Vergleich zum derzeitigen Zinsniveau sind die Eigenkapitalrenditen übrigens alle wahnsinnig hoch: Schweizer Staatspapiere mit 10-jähriger Laufzeit bringen eine Rendite von 0,6 Prozent, sind also keine Alternative für die Tamedia-Eigentümer;-)

    Wie hoch muss eine Rendite sein, dass sie als obszön bezeichnet werden kann? Mathematisch kenn ich leider keine Formel dafür;-)
    Ich denke, es gibt hier keine objektive Grenze, höchstens eine, die im Gesellschaftskonsens definiert werden kann. In anderen Zusammenhängen sind solche Grenzen definiert: In der Schweiz werden bei Konsumkrediten etwa Zinssätze über 15 Prozent als Wucher bezeichnet:
    Zinswucher wird im Bundesgesetz über den Konsumkredit (SR 221.214.1) bezogen auf Konsumkredite oder Leasingverträge gesondert geregelt. In der zugehörigen Verordnung (SR 221.214.11) hat der Bundesrat den maximalen Jahreszins auf 15% festgesetzt.

    Das wäre möglicherweise auch eine Grenze für die die Eigenkapitalrendite. In dem Sinn wäre Nestlé bereits über der Wuchergrenze.

    Die Eigenkapitalrenditen der Firmen werden in den nächsten Jahren übrigens tendenziell steigen, weil sie ihre teuren Kredite der früheren Jahre derzeit durch günstigere Kredite ablösen können. Das ist jetzt aber nur eine Sideline…

    Ich persönlich würde eine Eigenkapitalrendite von 11,6 Prozent nicht als obszön bezeichnen. Aber ein Grund zum jammern sind 11,6 Prozent sicher nicht. Auch kein Grund, Kosten sparen zu MÜSSEN. Ich finde, mit 11,6 Prozent kann man als Eigentümer im derzeitigen Zinsumfeld sehr zufrieden sein.

  18. hb:

    Falls sich hier Finanzer rumtreiben sollten:
    Ja, ich habe vereinfacht, aber nur so sehr, dass ich gerade noch halbwegs gut schlafen kann. Beispielsweise: leverage (fk/ek) von nesn, axel und tamedia bei allen ungefähr gleich hoch, (darum) vernachlässigt. Beim Übernahmevergleich müsste berücksichtigt werden, dass nesn über Buch notiert. hab ich nicht, wollte nicht auch noch davon anfangen. etc. etc..

    Für alle nicht Finanzer:
    Ja, ich hab vereinfacht.

    Für alle Klugscheisser:
    höhöhö ;-)

  19. Fred David:

    @) Danke hb für die ebenso entspannte wie erhellende Auslegeordnung.

    Zur Abrundung noch diesen Hinweis vom neuen NZZ-Präsidenten Jornod (s. auch Meldungsspalte nebenan), betreffend Rendite von Unternehmen: «Seinerzeit hatten wir bei Galenica im Logistikgeschäft über 15 Prozent Marge, heute arbeiten wir mit 6 Prozent und einer Ebit-Marge von 1,5 Prozent. Damals dachten wir, es sei absolut unmöglich, mit einer kleineren Marge zu leben. Aber es war möglich.» [Anmerkung M.H.: Tamedia strebt eine durchschnittliche Ebit-Marge von 15 Prozent an.]“ –

    Weder 12 noch 15% sind in Stein gemeisselt…

    Jedenfalls sollten sich Journalisten mit diesen Kalkulationen intensiv befassen. Es geht um ihre Existenz und die Sicherung der Publizistik.

    hb weist darauf hin, dass die Tamedia-Erben (über 70% der Aktien) weit lukrativere Anlagemöglichkeiten fänden als das Mediengeschäft, insbesondere in der Zukunft, wenn die Zitrone mit Sparrunden einmal ausgepresst ist. Das wird bald der Fall sein.

    Es spricht daher Vieles dafür, den meinungsbildenden, für die direkte Demokratie relevanten Medienbereich von den übrigen Konzernaktivitäten abzuspalten, und im publizistischen Kernbereich andere – unabhängigere -Finanzierungsmodelle zu lancieren. Die gibt es. Das gilt auch für andere Medienhäuser.

  20. Pingback: Kritik der reinen Unvernunft | Notizen aus der Provinz

Bemerkung anbringen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *