Rettet Zürich?

Neulich, Christoph Blocher bei Schawinski im Fernsehen. Auf die Frage nach den geschäftlichen Verquickungen seiner «BaZ» mit dem Tamedia-Verlag antwortet Blocher sinngemäss (ab Min. 22:30): Hauptsache, die «Basler Zeitung» bleibt eine eigenständige und unabhängige Tageszeitung. Alles andere, etwa wo die Zeitung gedruckt werde, wer sie verteile usw. spiele doch überhaupt keine Rolle.

Interessant. Unternehmer Blocher hätte die «Basler Zeitung» im grenznahen Ausland deutlich günstiger drucken lassen können. Die anderen Deals mit Tamedia (Newsnet, «SonntagsZeitung» etc.) wären davon kaum tangiert gewesen. Der Punkt aber ist: Es geht Blocher in dieser Sache nicht um Geld, sondern um Macht und Einfluss. Den grössten Schweizer Medienkonzern an seiner Seite zu wissen, ist in dieser Hinsicht alles andere als ein Nachteil. Grosskunden stösst niemand gerne vor den Kopf.

Blochers Medienexperimente zielen stets aufs urbane Publikum. Wer seiner Partei die Gefolgschaft verweigert, kriegt ein Kampfblatt nach Hause geliefert. Im Versuchslabor Basel laufen die Leser in Massen davon. Auf den Trümmern der «Basler Zeitung» spriessen allerdings erst langsam zarte Pflänzchen. Ob daraus ein würdiger Nachfolger entsteht, ist ungewiss. Bei der «Weltwoche» hat es auch nicht geklappt. Blochers Medienstrategie ist im Resultat eine Strategie der verbrannten Erde.

Man muss inzwischen schon sehr tief in der Geschichte graben, um einen Schweizer Politiker zu finden, der so viele Mietmäuler in seinem Solde stehen hatte. Die konservativen Revolutionäre Tettamanti und Blocher haben mit ihrer Medienvielfalt Holding AG denn auch bereits ihre Nachfolge geregelt: Wie eine Sphinx soll die Holding darüber wachen, dass das Ankerbild Schweiz auch in Zukunft mit nationalkonservativem Gedankengut durchtränkt ist.

Ob und wie das Duo Blocher/Bollmann (Ex-Tamedia) seinen Einfluss bei Tamedia schrittweise ausbaut, dürfte Teil einer Soap-Opera sein, die Medienjournis noch eine Weile beschäftigen wird. Berühungsängste zu blochergesponsertem Journalismus wurden jedenfalls erstaunlich schnell abgebaut. Regelmässig erscheinen «BaZ»-Artikel auch auf «Tagesanzeiger.ch». Ob Print oder Online spiele doch ein Unterschied, mag der wendige Medienmanager da einwenden. Ob der durchschnittliche «Tagi»-Leser diese antike Sichtweise teilt, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Das monströse Lügengebilde rund um den Kauf der «Basler Zeitung» hat gezeigt, dass eine Zivilgesellschaft gar nicht früh genug auf der Matte stehen kann, um eine von Partei- und Partikularinteressen möglichst unabhängige Presse einzufordern. Insofern kann man den bislang erstaunlich coolen Zürchern nur zuflüstern: What about Rettet Zürich?

Ugugu ist u.a. als Corporate Raider und Blattmacher in der Journischredderei tätig.

von Ugugu | Kategorie: Mediensatz

10 Bemerkungen zu «Rettet Zürich?»

  1. Fred David:

    Erst vor wenigen Tagen war auf newsnetz ein Interview mit Blocher, zu einem Thema, das keineswegs zwingend nach einer Blocherschen Interpretation verlangte. Heute (14.3.13) ist schon wieder eins auf Newsnetz , diesmal als Ex-Justizminister, mit wenig Erkenntnisgewinn. Natürlich fällt sowas auf. Und natürlich fragt man sich, welche PR-Agentur das pusht und was man sich bei Tamedia dabei denkt.

    Auch ein Herr Freysinger aus dem schönen Wallis findet bei Tamedia über die „normale“ Berichterstattung hinaus überaus offenherzige Kanäle, lange schon vor den Staatsratswahlen. Im Fall Freysinger weiss man immerhin, dass der Zürcher PR-Berater Klaus Stoehlker, mit Zweitwohnsitz in Saas-Fee und prima im Zürcher Medienkuchen vernetzt, den Herrn Freysinger schon seit langem unbedingt zum Bundesrat machen wollte. Der Sitz im Walliser Staatsrat ist dafür die vorletzte Stufe.

    Dass Herr Freysinger als „Islamexperte“ in rechtsradikalen Kreisen Deutschlands Vorträge hält, weiss der Tamedia-Konsument hingegen wohl kaum, auch wenn es im „Tages-Anzeiger“ schon mal erwähnt wurde.

    Natürlich stellt man sich in diesem Umfeld zunehmend solche Fragen wie @Ugugu.

  2. Frank Hofmann:

    Wüsste nicht, was bei der Weltwoche „nicht geklappt“ hätte. Da spielt wohl Neid hinein. Wer einfache Arithmetik beherrscht, wird zugeben müssen, dass die Zeitschrift profitabel ist. Etwas, das Facts, Cash & Co. nicht geschafft haben, trotz Grossverlagen im Rücken. Frage: Wer würde das Tagi-Magi kaufen, wäre es nicht beigelegt? Wohl nur Leute mit Lust auf News aus den Haushalten von Roten und Küng. Auflage im Bereich der WoZ vermutlich. Zudem wird die WeWo immer besser, vielfältiger, jedenfalls nie langweilig. Und zum Glück nicht linksmainstreamig. Sorry für die Störung, Monsieur Ugugu. Ich geh ja schon.

    • Ugugu:

      @Frank Hofmann: Die „Weltwoche“ existiert nicht mehr. Das ganze ist ein Etikettenschwindel.

      • Frank Hofmann:

        Beim Stichwort „Etikettenschwindel“ denkt man an Bern, die Zentralschweiz, die Ostschweiz, die Suisse romande, Zürich Land … Komisch, dass die kein Interviewverbot für Blocher & Co durchgesetzt haben. Aber das kommt sicher noch. Ist ja ganz einfach.

  3. Fred David:

    @) Frank Hofmann: Die Wewo verliert – wie die meisten Printmedien – kontinuierlich: in den letzten zehn Jahren minus 101 000 Leser. Auch die Anzeigenerlöse sind deutlich rückläufig. Beides liegt durchaus im Trend. In der NZZ schrieb Medienexperte Rainer Stadler zur Entwicklung 2012: „Die «Weltwoche» hat ihre Gewinne, die sie vor zehn Jahren aus dem publizistischen Konzeptwechsel zog, wieder verspielt.“ Wirklich kein Grund zur Schadenfreude. Aber ebensowenig zur Legendenbildung. „Einfache Arithmetik“ macht da nichts besser. Im Gegenteil.

    • Frank Hofmann:

      @Fred David: Habe nicht bestritten, dass Auflage/Leser tiefer sind, wie bei fast allen Printmedien. Aber Facts z.B. hatte die Kosten nicht im Griff, obwohl eigene Druckerei und Gratiswerbung im Tagi.
      Das macht die WeWo besser: 16 Redaktoren à 150’000 (immer inkl. SL) = 2,4 Mio; 10 Stellen Produktion à 120’000 = 1,2 Mio.; 10 Stellen ID à 120’000 = 1,2 Mio. Ergibt Lohnkosten inkl. SL von ca. 5 Mio.
      Einnahmen: 70’000 Abos à 200 (effektiv 225) = 14 Mio. Inserate 50 Ausg. à 60’000 = 3 Mio. Total Einnahmen ca. 17 Mio.
      Verbleiben für red. MA, Kolumnisten, Fremdbeiträge, Fotografen, Miete, allg. Betriebskosten, Werbung, Druck, Vertrieb, Kapitalkosten: 12 Mio. (240’000 pro Ausgabe).
      Werbeeinnahmen = Annahme Durchschnittswert. Die aktuelle Ausgabe enthält 10 ganze Inserateseiten + mehrseitiger Einhefter. Die Seitenpreise sind mit 10’000 tief angesetzt. Dazu kommt das WW Magazin (ca. 3 Ausgaben/Jahr, voll mit Werbung).
      Für mich als Aussenstehenden ist die Zeitschrift klar rentabel.

  4. @ugugu: wie kommst du darauf? geradesogut wäre das gegenteil denkbar, dass sich köppel noch so gerne in dem allg. tetamantibashing sonnt.

  5. Ugugu:

    @bugsierer: Dafür reagiert er aber eine Spur zu unentspannt, wenn mal wieder jemand Häuptling B. als Garant im Hintergrund ins Spiel bringt.

  6. Pingback: Was BaZ-Fundis im Netz finden | Journalistenschredder

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