Abwehrschlachten

Die Schweizer Verleger befinden sich, sagt ihr Präsident Hanspeter Lebrument, im Krieg. Im Krieg gegen die SRG und ihr gebührenfinanziertes Online-Angebot. Gleichzeitig kämpfen sie immer noch an jener anderen Front, derjenigen gegen Google, wo sie mit dem Schlachtruf «Leistungsschutzrecht» fechten.

Die Situation und das Kriegsvokabular sind schon einmal da gewesen. Zum Beispiel damals, als die Konkurrenten aus dem hohen Norden mit «Metropol» (kurzlebig) und «20 Minuten» (eine unerwartete Erfolgsstory) durch den Schweizer Pressewald wirbelten.

Dank gütiger Mithilfe branchenfremder Investoren, ausländischer Druckereien und neuer Vertriebskanäle kamen die Projekte Ende der 90er-Jahre zustande. Die Abwehrfront der Verleger, wenn es denn eine gab, war brüchiger als ein Petit Beurre jenseits des Verfalldatums.

Anders in Deutschland. Dort liessen Springer, DuMont Schauberg und ihre Verlegerkollegen die Muskeln und die vollen Kriegskassen spielen. Sie verdrängten die Gratiskonkurrenz mit Macht vom Markt. «Deutschlands Verleger sind sich eigentlich nie einig – ausser bei der Abwehr der Gratiszeitungen», sagte damals der Chefredaktor der «Frankfurter Rundschau».

Heute, anderthalb Jahrzehnte später, fragt man sich: Hat’s was gebracht? Die «Frankfurter Rundschau» hat Insolvenz angemeldet, DuMont Schauberg sieht keine Perspektiven mehr für das Blatt. Die «Financial Times Deutschland» ist bereits einen entscheidenden Schritt weiter und hat den Betrieb ganz eingestellt.

Beides sind nur akute Phänomene der grossen Pressekrise. Die Auflagenkurven in Deutschland zeigen genauso steil nach unten wie in der Schweiz. Noch steiler bergab geht es mit den Inserateeinnahmen. Beides frisst den Verlegern die Substanz weg, in Deutschland nicht weniger als in der Schweiz.

Im Nachhinein war der Wirbelsturm der Gratiszeitungen ein laues Lüftchen im Vergleich zum Gratis-Online-Orkan, der seit ein paar Jahren durch die Presselandschaft fegt.

Lassen sich aus den Abwehrschlachten von damals Lehren ziehen für die von heute? Sicher: Kriegsrhetorik und Taktik würde ich als Verleger getrost dem Verband überlassen. Die Strategie, wie es weitergehen soll und woher künftig die Einnahmen kommen sollen, würde ich hingegen hübsch für mich ganz allein austüfteln und ausprobieren.

Edgar Schuler ist Redaktor am «Tages-Anzeiger». Was er hier schreibt, ist seine persönliche Meinung.

von Edgar Schuler | Kategorie: Mediensatz

1 Bemerkung zu «Abwehrschlachten»

  1. na ja, im “allein austüfteln” waren die hiesigen verleger und journalisten bisher noch nicht besonders stark.

    und die pressekrise von heute hat sehr viel bedeutendere dimensionen als die gratiszeitungdebatte von vor 15 jahren. siehe diese kluge analyse:
    http://netzwertig.com/2013/01/24/leistungsschutzrecht-eine-kampf-ohne-gegner/

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