«Stocks» nur noch digital

Erst erschien das beim Platzen der Dotcom-Bubble lancierte Anlegermagazin «Stocks» wöchentlich, ab Mitte 2003 dann zweiwöchentlich und seit dem vergangenen Sommer noch zwölf Mal im Jahr. Nun wirft Axel Springer Schweiz das Handtuch und stellt das Erscheinen der Papierausgabe von «Stocks» per Ende Januar ganz ein, wie die sda (via «Handelszeitung») berichtet. Die Inhalte des Magazins sollen künftig nur noch auf der gemeinsam mit «Handelszeitung» und «Bilanz» betriebenen Finanzplattform «finanzen.ch» erscheinen.

Begründet wird das Aus mit den schrumpfenden Werbebudgets der Banken:

«Der Werbemarkt habe sich in den letzten Monaten dramatisch verändert, sagte Thomas Garms, Geschäftsführer der Axel-Springer-Wirtschaftsmedien, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Banken würden spürbar bei der Werbung sparen. Für ‹Stocks›, das in erster Linie von Werbung aus dieser Branche lebe, sei dies fatal.»

Rund zehn Personen sollen die Kündigung erhalten.

von Martin Hitz | Kategorie: Sparschwein

5 Bemerkungen zu ««Stocks» nur noch digital»

  1. Fred David:

    Die Verlagsleitung räumt in ihrem Communiqué ein, bei Stocks finanziell praktisch zu hundert Prozent von einer einzigen Branche abhängig zu sein – nämlich von jener, über die Stocks hauptsächlich schreibt. Das fördert den unabhängigen, scharfen Blick des journalistischen Personals enorm, nicht?

    Was sagt uns das über den redaktionellen Inhalt ? Und über den Informations- und Nutzwert solcher Titel, z.B. gerade in Zeiten von Banken- und Euro-Krise?

    Ein Fussballmagazin lässt sich ja auch nicht von Profi-Fussballclubs finanzieren.

    Sorry, wenn ich da etwas penetrant nachhake, aber das ist nun so ein Fall: Ein Finanztitel, (egal ob Print oder Online), der noch ernst genommen werden will, lässt sich nur noch über eine möglichst unabhängige, gut ausgestattete Stiftung finanzieren, die durch ihre Erträge ausserhalb der Medienbranche einen erheblichen Teil der Redaktionskosten übernimmt.

    Das könnte die vereinigte Finanzindustrie ja im eigenen Interesse ruhig in die Wege leiten – aber sich dann vollständig zurückziehen, was rechtlich durchaus wasserdicht gemacht werden kann, um direkten Zugriff abzublocken.

    Je mehr Stifter es sind, umso geringer ist die Gefahr, dass einer dominiert, weil die andern eifersüchtig darüber wachen werden, dass keiner sich hintenrum Zugriff auf den redaktionellen Inhalt verschafft.

    Es sind ja gerade die Banken, die mehr Fach- und Sachkenntnis im Finanz- und Wirtschaftsjournalismus fordern. Das könnten sie damit kriegen. Kritisch und ziemlich unabhängig – und damit medial effizient.

    Alle hätten mehr davon. Alle!

  2. Alter Kaffee:

    “Die Verlagsleitung räumt in ihrem Communiqué ein, bei Stocks finanziell praktisch zu hundert Prozent von einer einzigen Branche abhängig zu sein – nämlich von jener, über die Stocks hauptsächlich schreibt.”

    Unglaublich, das wäre ja, wie wenn die NZZ über die Nachhaltigkeit der Kaffeeproduktion schreiben würde – aber nur unter der Bedingung, dass Nestlé dem NZZ-Journi die Reise zur Kaffeeplantage finanziert….

    http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/laesst-sich-die-abhaengigkeit-der-kaffeebauern-von-marktschwankungen-senken-1.17939263

  3. Kafitante:

    Tss, nun seien Sie mal nicht so kleinlich, Herr Kollege. Die Firma NesPRESSo hat hier lediglich Herrn Davids Stiftungsmodell vorgeführt.

  4. Fred David:

    @) Kafitante: Nicht so ganz. Aber wie auch immer – Journalisten müssen sich verschärft Gedanken machen, wie ordentlicher Journalismus noch finanziert werden kann, und das möglichst auch noch, in, sagen wir, zehn Jahren. Die sind schnell mal um.

    Ich nenne Ihnen mal ein Beispiel, was alles über Nacht passieren kann: Die Zeitung “Finanz und Wirtschaft” (heute Tamedia) gehörte in ihrer gar nicht so weit zurückliegenden Vergangenheit zwölf Jahre lang im Geheimen (ausser dem Chefredaktor wusste es niemand) persönlich einem Generaldirektor der UBS, der damit spezifische Börsengeschäfte für sich und seine Bank medial “begleitete”. In der Verwaltungsrat setze man als einzigen VR einen bezahlten Strohmann. Als die Geschäfte erfolgreich abgewickelt waren, verkaufte der Chef-Banker die Zeitung seinem überaus willigen Chefredaktor, der als Dankeschön den Kaufpreis selber bestimmen durfte, und der war natürlich läppisch.

    Die Zeitung verlor darüber nie auch nur ein Wort, bis heute nicht. Das ist Korruption auf höchster Eben. Noch korrupter kann man als Journalist nicht sein.

  5. peter.berger:

    Stocks gibt noch digital? Fakt ist, es werden 9 Personen entlassen. Das entspricht fast exakt dem letztgedruckten Impressum. Fazit: die Redaktion wird aufgelöst. Somit wird auch Stocks aufgelöst. Da nützt auch alles Verlags-Schöngerede nichts.

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