Gratis-«SoZ» für die «BaZ»

Die vor einem knappen Jahr lancierte siebte Ausgabe der «Basler Zeitung» wird am Sonntag, 24. Februar 2013, zum letzten Mal erscheinen. Ab dem 3. März 2013 sollen die «BaZ»-Abonnenten dafür dann jeweils die «SonntagZeitung» aus dem Hause Tamedia zugestellt erhalten – gratis und franko, notabene. Dies gaben die beteiligten Verlage am vergangenen Freitag bekannt (Medienmitteilung).

So kann man natürlich auch Auflage bolzen. Das Gratisangebot ermöglicht es der serbelnden «SonntagsZeitung» nämlich, die Auflage auf einen Schlag von 175’000 auf 250’000 Exemplare zu erhöhen.

Zugleich begibt sich die «BaZ» damit in eine noch stärkere Abhängigkeit von Tamedia, liegt dem Basler Blatt samstags doch bereits das «Magazin» der Zürcher bei, und auch im Online-Bereich übernimmt «bazonline.ch» den überwiegenden Teil der Inhalte von der zu Tamedia gehörenden Newsnet-Redaktion. Selbst der Druck der «BaZ» könnte demnächst zu den Zürchern übergehen. Auf Nick Lüthis Feststellung «Der Druckauftrag der BaZ ist so gut wie bei Tamedia und die Druckerei in Basel kann abgewickelt oder veräussert werden» gab der scheidende Tamedia-CEO Martin Kall der «Medienwoche» jedenfalls zur Antwort:

«Da müssen wir zuerst einmal sehen, was die Eigentümer mit der Druckerei machen wollen. Wir hoffen natürlich, dass wir der leistungsfähige Partner sind. Das war immer unsere Stärke in der Zusammenarbeit mit den Baslern, deshalb hat sich diese Zusammenarbeit unter verschiedensten Eigentümern über Jahre gehalten. Das hat uns wahrscheinlich unterschieden von allen anderen, die immer nur das Ziel hatten, alles besitzen zu wollen.»

Der Einschätzung von Rainer Stadler in der «NZZ» kann man sich also nur anschliessen:

«Das Geschäft [i.e. die Gratis-«SoZ» für die «BaZ»] verdeutlicht, auf welche Weise die in der Schweiz an die Decke stossende Tamedia in der Schweiz weiter wachsen will – durch Kooperationen, welche die formale Unabhängigkeit der Partner bewahren. Wobei evident ist, dass Tamedia die führende Rolle spielt. Christoph Blocher hatte sich in Basel engagiert, um dort eine von den Zürcher Verlagen unabhängige Zeitung zu bewahren. Diese Autonomie schrumpft allerdings zusehends. Bleibt am Schluss mehr übrig als eine Schein-Unabhängigkeit?»

von Martin Hitz | Kategorie: Sparschwein

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