Nachgeholt

Médias Suisses kündigt Gesamtarbeitsbertrag

Médias Suisses, der Verband der Westschweizer Zeitungs- und Zeitschriftenverleger, hat den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) auf Ende 2013 gekündigt. Aus der Medienmitteilung (PDF):

«Confrontés en 2012 à un nouveau recul conséquent des recettes publicitaires – représentant en moyenne 65% à 70% des rentrées financières d’un titre de presse – qui s’ajoute à une érosion structurelle de la vente au numéro, les éditeurs romands ont pris la difficile décision de résilier la Convention collective de travail conclue avec Impressum, l’organisation des journalistes.»

Médias Suisses zeigt sich jedoch bereit, mit der Journalistenorganisation Impressum einen neuen GAV auszuhandeln (s. dazu auch die Mitteilung von Impressum).

Die Deutschschweizer und Tessiner PrintjournalistInnen sind bereits seit 2004 ohne GAV (s. dazu GAV: Fertig Eierkuchen!).

Stellenabbau bei «Le Temps»

Noch Mitte November hatte es geheissen, die Westschweizer Zeitung «Le Temps» müsse aus wirtschaftlichen Gründen 18 Mitarbeitende entlassen. Nun sind es offenbar ein paar weniger, wie Impressum nach Abschluss der Sozialplanverhandlungen verlauten liess:

«Die Zahl der betroffenen Personen konnte durch die Verhandlungen wesentlich verringert werden, dies dank der grossen Solidarität unter den Mitgliedern der Redaktion und des Personals und dank ihrer Mobilisierung. Die Unterstützung für die gekündigten Personen kann angesichts der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens als korrekt bezeichnet werden.»

Weitere Paywalls

Ringier-CEO Marc Walder in einem Interview mit der «SonntagsZeitung»:

«Wir werden beim ‹Blick› die Paywall spätestens im Herbst 2013 einführen. [...] rund 80 Prozent der Inhalte sind dann immer noch gratis. Für die übrigen, exklusiveren Inhalte muss man zahlen. [...] Wir rechnen damit, dass in einer Anfangsphase rund zwei Prozent der Nutzer für die zusätzlichen Inhalte zahlen. Das ist wenig. Aber ein eminent wichtiger Schritt weg von der ‹Alles ist gratis›-Kultur.»

Und unter dem Titel «Unser Journalismus ist nicht gratis zu haben» schreibt Christian Dorer, Chefredaktor der «Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz» (formerly also known as «Mittelland Zeitung»):

«Wir wollen im Netz Geld verdienen. Deshalb planen wir, 2013 online kostenpflichtig zu machen.»

«Ostschweiz am Sonntag»

Mit der «Ostschweiz am Sonntag» wird am 3. März 2013 das achte Deutschschweizer Sonntagsblatt an den Start gehen. 12 neue Stellen sollen laut «St. Galler Tagblatt»-Chefredaktor Philipp Landmark dafür geschaffen werden. Als Blattmacher wird Christian Ortner, vormals Chefredaktor der «Vorarlberger Nachrichten», fungieren. Herausgeben wird die neue Sonntagszeitung von den zur NZZ-Gruppe gehörenden Tagblatt Medien (u.a. «St. Galler Tagblatt»).

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

4 Bemerkungen zu «Nachgeholt»

  1. Fred David:

    Man kann es mit einer Paywall ja mal versuchen. Warum denn nicht? Haben andere auch schon getan. Ist ja keine Glaubensfrage. Eher eine Verlegenheitslösung. Lösung? Auf jeden Fall sollte man nicht alle Hoffnungen an diesem schwachen Anker festmachen, angesichts der Stürme, die noch zu erwarte sind.

    Wenn man wirklich Journalismus im Sinn hat, und nicht einfach Event und Halligalli, muss man tiefer graben, um auf festeren Grund zu kommen.

    Ordentlicher Journalismus ist auf längere Sicht nur noch über finanziell sehr gut ausgestatte Stiftungen möglich.

    The Guardian mal näher ansehen. Der gehört einer Stiftung. Wäre sonst schon längst untergegangen. Macht trotz beachtlicher Auflage, anerkannt guter journalistischer Leistung und wegweisender Online-Aktivitäten erhebliche Verluste.

    Das kann sich nur eine Stiftung leisten, die ihr Geld so gut angelegt hat, dass sie ihren einzigen Zweck – die journalistische Unabhängigkeit des Guardian – finanziell verkraften kann. Bis jetzt wenigstens. Ihre Gewinn, die sie anderswo erzielt, muss die Stiftung qua Statuten in ordentlichen Journalismus stecken.

    Journalistische Unabhängigkeit ist ein auf “normalem” Weg kaum noch finanzierbares Gut, das in die Kategorie “Rare Row Material” fällt. Ist aber trotzdem kein Fall für Xtrata & Co. AG. Sondern für mutige Journalisten und Verleger (und deren finanziell partizipierenden Familien).

  2. Fred David:

    …und hier noch der Link zu The Guardian Scott Stiftung http://www.gmgplc.co.uk/the-scott-trust/

    Auch das “Spiegel”-Modell lohnt einen schärferen Blick:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Spiegel-Mitarbeiter_KG

    Es gibt schon mehr Möglichkeiten, als nur jammern….

  3. Fred David > Auch eine Stiftung kann nicht zaubern. Trotz der grosszügigen Unterstützung durch den Scott Trust rechnet der CEO der Guardian Media Group damit, dass seine Firma in drei bis fünf Jahren pleite sein könnte. Vielleicht ist es doch nicht so eine gute Idee, alle Inhalte im Internet zu verschenken.

  4. Fred David:

    @) Andreas Gossweiler: Viele Medienunternehmen können in drei bis fünf Jahre Pleite sein, übrigens auch in der Schweiz, auch solche, von denen man es heute nicht für möglich hält. Das hängt nicht zwangsläufig von der Unternehmensstruktur ab.

    Es geht hier aber nicht in erster Linie um Medien an sich, sondern um einigermassen unabhängigen, ordentlichen Journalismus und wie er noch zu finanzieren ist.

    Eine AG muss Dividenden an Aktionäre ausschütten, egal, ob sie einer Familie gehört oder börsenkotiert ist. Eine Stiftung hingegen muss Gewinne, die sie in ganz anderen Branchen verdient, voll ins Medienunternehmen zurückführen. Das ist der entscheidende Unterschied.

    Es gibt sehr erfolgreiche Stiftungen, die im Laufe der Jahre hunderte von Millionen zweckgebunden ausschütten.

    Wesentlich aber ist: Eine Stiftung hat keinen direkten Einfluss auf Inhalte, wenn sie richtig strukturiert ist. Und: Sie ist nicht erpressbar. Da ist der Scott Trust beispielhaft. Er hat immerhin schon Jahrzehnte mit Krieg und Krisen hinter sich.

    Ob der Trust finanzielle ausreichend ausgestattet ist, wird sich zeigen. Jedenfalls müssen beide Modell betriebswirtschaftlich vernünftig funktionieren.

    Man sollte nicht schon vor der Auslegeordnung beschliessen, dass das alles gar nicht ginge.

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