Leistungsschutzrecht oder: Save our Zeitungen (SoZ)

Aus einem Interview der heutigen «SontagsZeitung» («SoZ») mit Ringier-CEO Marc Walder:

Die Fragen (oben fett) stellte u.a. «SonntagsZeitung»-Chefredaktor Martin Spieler, der sich im «Editorial» derselben Ausgabe ebenfalls als vehementer Verfechter eines Leistungsschutzrechts outet – so etwa mit den nachfolgenden Aussagen:

«Freiheit ist ein wertvolles Gut. Auch die Freiheit im Internet. [...] Eine andere Freiheit bekommt Freiheit im Netz allerdings, wenn Konzerne wie Google diese für sich in Anspruch nehmen, um damit auf Kosten anderer Milliardenzu verdienen. Freiheit darf nicht bedeuten, dass sich jeder einfach stiehlt, was andere mit Geist, Kreativität und Fleiss erarbeiten. [...]

Wer ein verstärktes Leistungsschutzrecht für Presseerzeugnisse ablehnt, nimmt in Kauf, dass es immer weniger Zeitungen gibt. [...]

Indem Suchdienste wie Google sich bei journalistischen Texten einfach bedienen und ohne Gegenleistung gewerblich nutzen, missbrauchen sie die Freiheit und schwächen die Medien als bellende, zuweilen gehasste, aber dringend nötige Wachhunde der Demokratie.»

«Zerscht dänke, dännn rede», pflegte meine Mutter jeweils zu sagen. Und damit beenden wir in diesem Blog die Berichterstattung zum Leistungsschutzrecht. Ist mir schlicht und einfach zu blöd.

Update:
- Stefan Plöchinger: Wieso wir klüger debattieren müssen («Plöchinger»)

Update, 4. Dezember 2012:
- Rainer Stadler: Hassobjekt Google («NZZ»)
- Stefan Niggemeier: Journalismus
- Thomas Stadler: Beim Urheberrecht endet offenbar die redaktionelle Unabhängigkeit («Internet-Law»)
- Nick Lüthi: Verlegers Wunderwelt («Medienwoche»)

Update, 5. Dezember 2012:
- Für die (meisten) Schweizer Verleger kommt das Leistungsschutzrecht einer «Rückkehr zur Vernunft» gleich («persoenlich.com»)
- Für Frank Rieger ist der Streit ums Leistungsschutzrecht hingegen «Eine unheilige Scheindebatte» («FAZ»)

Update, 6. Dezember 2012: Immerhin ein Präsidiumsmitglied des Verlegerverbands spricht sich gegen ein Leistungsschutzrecht aus:
- Urs Gossweiler: Wo liegt das Problem? («Medienwoche»)

Update, 10. Dezember 2012:
- Verband Schweizer Medien aka Verlegerverband: Verbesserter Rechtsschutz für Medienunternehmen (PDF)
- Martin Spieler / Reza Rafi: Verleger wollen Google vor Gericht zerren («SonntagsZeitung»)

Update, 16. Januar 2013:
- Urs F. Meyer, Geschäftsführer des Verbands Schweizer Medien: Trittbrettfahrer im Visier der Verleger («NZZ»)

Siehe dazu auch:
- No comment
- Eine «Zwangsgebühr» für Schweizer Medienunternehmen?
- «Erklärungen» und «Manifeste» hüben und drüben
- Google erzittern lassen
- Die Schweizer Verleger wollen Google bodigen

von Martin Hitz | Kategorie: Sparschwein

10 Bemerkungen zu «Leistungsschutzrecht oder: Save our Zeitungen (SoZ)»

  1. ich bitte sie, herr hitz, da müssen sie jetzt an die säcke. oder? mich würde z.b. interessieren was davon zu halten ist, dass sich so ein interessenverband grad direkt an den bundesrat wenden kann. machen die so nicht all die vielen lobbyisten im parlament arbeitslos?

  2. Andreas Stricker:

    “Die Zahl der Leser sinkt, obwohl die Zeitungen besser werden” – letzteres wird von der SoZ frei drauflos als Axiom hingestellt. Es widerspiegelt allerdings nicht meinen subjektiven Eindruck – jedenfalls nicht was die inhaltliche Qualität anbelangt.

  3. Save (in der Bedeutung von «retten») schreibt sich mit v, nicht mit f. Abgesehen davon (eleganter Schlenker, nicht?) finde ich es schade, dass der Blogchef sich der Diskussion entzieht. Die Diskussion ums Leistungsschutzrecht ist wichtig, und ich verstehe nach wie vor nicht, warum ein Datenkrake wie Google auf reflexartige Sympathien vieler Leute zählen kann, und warum den Medienverlagen von der gleichen Seite reflexartiger Hohn entgegenbrandet. Mit dem immer wiedergekäuten Argument, man könne sich ja von Google aussperren lassen, ist es ja wohl nicht getan. Und dieses Blog heisst Medienspiegel, nicht Googlespiegel.

  4. Martin Hitz:

    @agossweiler Peinlich. Du hast natürlich recht, was “save” angeht. Habe mir erlaubt, es zu korrigieren. Danke.

  5. Andreas Stricker:

    @Andreas Gossweiler: “Datenkrake” ist feminin, deshalb heisst es “eine Datenkrake”. Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass wir uns auch in den Kommentaren auf den Inhalt und nicht auf die Rechtschreibung konzentrieren sollten.

    Doch ich bin auch der Meinung, dass es schade wäre, wenn der Blogbetreiber sich nun einfach so aus dieser wichtigen Diskussion davonschleicht. ;-)

    Reflexartige Sympathien sind immer schlecht. Meine Sympathien liegen durchaus nicht immer bei Google; in der Diskussion um “Google Maps und Datenschutz” zum Beispiel klar nicht, in dieser Diskussion ums geforderte “Leistungsschutzrecht” hingegen doch eher schon – vor allem deswegen, weil die Verlegerseite meines Erachtens immer noch nicht glaubhaft dargelegt, weshalb sie von den Klicks, die sie von Google gratis erhalten, eigentlich nicht profitieren sollen. Aber man kann das Mantra ja einfach mal so lange wiederholen in der Hoffnung, dass irgendwann die Subventionen fliessen werden. Doch wenn dann gewisse Verleger auch noch von “Moderner Art des Diebstahls” sprechen, ist für mich ab so viel Unsachlichkeit und medialer Unprofessionalität auch klar, wo meine Sympathien eher nicht liegen.
    http://www.20min.ch/finance/news/story/Verleger-wollen-Geld-von-Google-15629411 (gestern irgendwann gelesen und soeben wiedergefunden mit Google News)

    Den “Gratis-Tipp für Google” aus Balthasar Glättlis Artikel (oben dankenswerterweise verlinkt von Philipp Meier) halte ich im Übrigen für prüfenswert und würde diesen auch gerne an unseren Gesetzgeber weitergeleitet sehen. Das wäre doch vielleicht eine Möglichkeit, diese Diskussion pragmatisch und auf einen Schlag zu beenden.

  6. google, facebook & co. sind v.a. deshalb problematisch, weil sie der privatisierung des www (massiv) vorschub leisten. lokal gesehen tun dies jedoch auch die verleger. wenn der staat in dieser sache aktiv werden soll, dann zur wahrung eines (kommerz)freien internets. vielleicht liesse sich das mit einer anderen diskussion verknüpfen; dem service public in zeiten des www (wobei man zweifeln darf, ob dieses feld bei srf gut aufgehoben ist…;))

    ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht der letzte medienspiegelbeitrag zum lsr war. resp., es ist zu befürchten, dass es noch viele wellen schlagen wird…..; und z.b. zu (unheiligen?) allianzen zwischen den verlegern und den presseförderern (andreas gross, kurt imhof, cedric wermuth & co. – siehe auch: http://milieukoenig.posterous.com/nun-begleitet-auch-noch-cedricwermuth-kurtimh) führen könnte.

  7. Journi-Nachwuchs:

    Eigentlich finde ich eine Diskussion über das Leistungsschutzrecht auch überflüssig und wundere mich, warum die Fakten diese immer noch nicht ersticken konnten:

    - Google verdient immer mehr Geld, Verleger verdienen immer weniger Geld, wollen aber auch mehr Geld verdienen: Ihre Schlussfolgerung: Google muss teilen. Statt der Staat kann also Google als Presseförderer agieren.

    - Google “stiehlt” die Inhalte aber nicht, ganz einfach können die Newsseiten von der Google(news-)suche ausgeschlossen werden. Allerdings möchten die Verleger sowohl reichweiten- als auch einnahmen-mässig profitieren. (Dass sie heute bereits reichweitenmässig profitieren steht übrigens im Widerspruch zu ihren Aussagen, dass Google ihnen schade). Die Verleger wollen also ja, dass Google ihre Inhalte nutzt, es ist in ihrem Interesse. Gleichzeitig wollen sie aber, dass Google dafür bezahlt. Kurz: De Föifer ond s Weggli.

    - Die Schwäche des Leistungsschutzrechtes: Die Verleger können Google nicht dazu zwingen, ihre Inhalte kaufen zu wollen – Google kann ganz einfach darauf verzichten. Sprich: Der Effekt ist derselbe wie mit einem einfachen Meta-Tag. Dafür braucht man eigentlich nicht einmal eine Lobby.

    Daher stellt sich mir wirklich die Frage, was ein Leistungsschutzrecht bezwecken soll… Und eine Diskussion wäre ja nur sinnvoll, wenn irgendwie neue Aspekte dazu kommen würden. Ein neuer Aspekt könnte nur sein, dass Google sich darauf einlassen würde, zu zahlen. Aber warum sollte Google das tun? Google ist auf das News-Feature kaum angewiesen. Die anderen Fakten aber werden sich nicht ändern: Der Spielraum für eine Diskussion scheint mir denkbar klein. In meinen Augen wird sich auch mit Leistungsschutzrecht nichts ändern. (Wie in zahllosen Beiträgen im Netz bereits zu lesen ist). Ausser: Die Verleger stellen sich selbst als unglaubwürdig (Google will nur Geld, wir aber denken ja nur ans Gemeinwohl und nicht an den Profit, wie das LSR doch zeigt), inkompetent (Meta-Tags??) oder wahlweise auch arrogant (Das Volk verkaufen wir locker für dumm) und machtgierig (Google hat zuviel Macht, dafür gehen wir jetzt direkt zum Bundesrat *muahaha*) dar. Na, wenn das mal nicht hausgemachte Presseförderung ist…

  8. Vielleicht sollte das Leistungsschutzrecht analog zu EnergyTV einfach auch «wie ein Banküberfall» geplant werden.

    Wir kaufen uns einige Knarren, ballern wild um uns, dann kommt der Zaster schon?

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