Jahrbuch zur Qualität der Schweizer Medien (2012)

Bereits zum dritten Mal hat der Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich die Schweizer Informationsmedien einer umfassenden Analyse unterzogen und die Ergebnisse für das Beobachtungsjahr 2011 im soeben erschienenen «Jahrbuch 2012: Qualität der Medien – Schweiz – Suisse – Svizzera» festgehalten.

Empört auf das «Jahrbuch» reagiert haben inzwischen bereits die eidgenössischen Zeitungsverleger. Wesentlich nüchterner kommen die Rezensionen in der «NZZ» und im «St.Galler Tagblatt» daher. Eine Beurteilung des «Jahrbuchs» durch die Medien von «Tamediastan» (nicht meine Erfindung!) steht − mit Ausnahme dieser aufgemotzten Agenturmeldung − derzeit noch aus.

Für ihre Qualitätsbeurteilung verwenden die Forscher des fög − frei nach Rainer Stadler − keinen relativistischen, sondern einen normativen Qualitätsbegriff. Und genau darin liegt vermutlich einer der Gründe für die doch recht verbreitete Ablehnung und Anfeindung des «Jahrbuchs» nicht nur durch Verbandsvertreter, Verleger und Chefredaktoren, sondern auch durch «gewöhnliche» Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von News-Websites, Boulevardzeitungen und Gratisblättern, tun doch gerade Letztere das, was von ihnen erwartet wird − und sie tun dies meist sogar recht gut − und dennoch werden ihre Produkte vom «Jahrbuch» als «qualitätsniedrig» eingestuft.

Gratiszeitungen zum Beispiel mögen handwerklich zwar gut gemacht sein, den Bedürfnissen des Publikums entsprechen und die (monetären) Erwartungen ihrer Verleger erfüllen. Aber tragen sie auch zu «wohlinformierten Bürgern» und damit zu einer funktionierenden Demokratie bei?

Genau darum geht es nämlich der rund 60 Köpfe zählenden Forschertruppe rund um Mark Eisenegger, Patrik Ettinger, Kurt Imhof, Esther Kamber und Mario Schranz. Sie interessieren sich für die Frage, ob der Informationsjournalismus seine für das Funktionieren der Demokratie unverzichtbaren Aufgaben noch zu erfüllen vermag.

Anlässlich der überrschend gut besuchten Medienkonferenz zur Publikation des «Jahrbuchs 2012» präsentierte fög-Co-Leiter Mark Eisenegger am vergangenen Freitag dazu u.a. dieses Slide:

Quelle: Präsentation Medienkonferenz

Und Peter Studer schreibt im Vorwort zur aktuellen Ausgabe des «Jahrbuchs»:

«Imhof und seine Forschergruppe stellen ihr Projekt in die jahrhundertealte Tradition der Aufklärung. Der aufgeklärte Informationskonsument hat die Unmündigkeit verlassen und bildet sich die Urteile, die ihm die demokratische Teilhabe ermöglichen. Es ist über die Jahre hinweg ungefähr die Hälfte der Schweizer Bürgerinnen und Bürger, die sich hier aktiv beteiligt. Erhält die Aktivbürgerschaft, was sie braucht? Ist sie aufgeklärt, genügen die Strukturen und Inhalte der Information?»

Ziel des «Jahrbuchs» ist es denn auch,

«das Qualitätsbewusstsein gegenüber den Medien auf Seiten des Publikums wie auf Seiten der Medienmacher zu stärken. Eine Demokratie ist ohne einen guten und unabhängigen Informationsjournalismus nicht möglich, denn die Konsumenten dieses Journalismus sind gleichzeitig die Bürgerinnen und Bürger dieser Demokratie, die ohne medienvermittelte Öffentlichkeit nicht funktioniert. In letzter Instanz bemisst sich die Qualität einer Demokratie an den Chancen, die die sanfte Gewalt des besseren Arguments in öffentlichen Auseinandersetzungen erhält.»

Und nun zu den Hauptbefunden des «Jahrbuchs», die in etwa dem entsprechen dürften, was auch der mehr oder weniger aufmerksame Zeitgenosse zu beobachten glaubt:

Relevanzgewinne und Einordnungsverluste

Aufgrund des ausserordentlich ereignisreichen Krisen- und Umbruchsjahres 2011 (arabischer Frühling, Fukushima, Eurokrise, eidgenössische Wahlen) liess sich in den hiesigen Informationsmedien gegenüber dem Vorjahr zwar eine deutliche Zunahme relevanter Themen (Hardnews) und eine Abnahme der mehr oder weniger belanglosen Softnews (Alltagsgeschichten bzw. «human interest» und Sport) beobachten. Der Aktualitätsdruck hatte indes eine deutliche Reduktion der einordnenden Berichterstattung (Hintergründe, Orientierungshilfe, Basiswissen) zur Folge − und das nicht nur bei den «qualitätsniedrigen» Gratis- und Boulevardblättern, sondern insbesondere auch bei den Abonnementszeitungen: «Die Kernkompetenz der Abonnementszeitungen, Kontextwissen zu vermitteln, stiess 2011 an Ressourcengrenzen», heisst es im «Jahrbuch» u.a. dazu:

Quelle: Präsentation Medienkonferenz

Am besten schneiden gemäss der Qualitätsdefinition des «Jahrbuchs» in der Deutschschweiz übrigens die Radio-DRS-Sendungen «Echo der Zeit» und «Rendez-vous» sowie die «NZZ», die «NZZ am Sonntag» und die «Neue Luzerner Zeitung» ab. Unterklassig sind − immer gemäss «Jahrbuch» − die Nachrichten von Radio Argovia, «20minuten.ch», «20 Minuten», «Aktuell» von Tele M1, «Züri News» von Tele Züri, «Blick», «Sonntagsblick» und «Blick.ch». (Zu beachten ist, dass dieses Ranking auf der Auswertung von Frontseiten- und Aufmacherbeiträgen beruht.)

Zunehmende Boulevardisierung und wachsende Bedeutung «qualitätsniedriger» Medien

Gemäss «Jahrbuch» ist in der Schweiz generell

«eine Zunahme qualitätsschwacher Gratismedien on- und offline zu konstatieren; die Gratiszeitungen wurden in kurzer Zeit zu den grössten Zeitungen der deutsch- und französischsprachigen Schweiz. Dadurch wurde der Boulevardjournalismus zum Mainstream.»

So sei die Schweizer Bevölkerung 2011 denn auch «mit niedrigerer publizistischer Qualität» als noch vor 10 Jahren versorgt worden:

«Die Bevölkerung wird weniger durch qualitativ bessere Titel erreicht. Es ergibt sich das Bild einer Qualitätspyramide mit einer erodierenden Spitze, einem bröckelnden mittleren Segment und einer wesentlich breiter gewordenen Basis qualitätsniedriger Medien. […] Mit Blick auf die 46 inhaltlich untersuchten Medien haben in der Deutschschweiz und stärker noch in der Suisse romande qualitätsniedrige Titel in den letzten Jahren an Verbreitung gewonnen. […] Das Medienwesen ist zunehmend dreigeteilt in qualitätsschwache ‹Unterschichtenmedien›, die auch von jungen Erwachsenen konsumiert werden, regionale Abonnementszeitungen mit Finanzierungsproblemen sowie Elitemedien.»

Fortschreitende Medienkonzentration und eingeschränkter Wettbewerb

Der Qualität wenig förderlich ist für die Autoren des «Jahrbuchs» auch die zunehmende Medienkonzentration in der Schweiz, ganz besonders die wachsende Dominanz der Tamedia AG, die ihren Marktanteil im Presseebereich zwischen 2005 und 2011 gesamtschweizerisch von 15% auf 41% erhöhen konnte (Deutschschweiz: 37%; Romandie: 68%!).

Quelle: «Qualität der Medien – Hauptbefunde» (PDF)

«Der Konzentrationsprozess ist ein Effekt der Ertragsrückgänge (Werbung und Verkauf) vor allem bei der Abonnementspresse. […] Hinsichtlich der Werbung sind neben den konjunkturellen Einbrüchen die Abflüsse vorab zu den branchenfremden Grossunternehmen (u. a. Bluewin, Google, Facebook) zu beklagen und intern zu den Gratiszeitungen, die die Einnahmeverluste der Bezahlmedien verschärfen: Von den 46 untersuchten Pressetiteln schöpfen die drei Gratistitel 20 Minuten, 20 minutes und – allerdings mit einigem Abstand – Blick am Abend 2011 31% des Bruttoerlöses der Werbung ab. Die 43 kostenpflichtigen Titel der Abonnements- und Boulevardpresse müssen sich den Rest des Kuchens teilen. Auch wenn anzunehmen ist, dass die Brutto-Netto-Schere, d. h. die im Einzelnen nicht zu eruierenden Preisnachlässe, die Werbekunden gewährt werden, diesen Abfluss der Mittel aus der Kaufpresse etwas geringer ausfallen lässt, als die Bruttozahlen anzeigen, manifestiert sich darin eine Branche, die sich auf der Suche nach renditeträchtigen neuen Geschäftsmodellen im digitalen Umbruch ökonomisch und hinsichtlich publizistischer Qualität selbst kannibalisiert.»

Und jetzt kommt’s:

«Klassisch ist dabei das Geschäftsmodell, Grössenvorteile und Synergien zu erzielen, um auf der Seite der Werbeeinnahmen grosse Verbundsysteme zu schaffen und auf der Seite der Produktion Verbilligung durch Mehrfachverwertung und kostengünstigen Journalismus mit möglichst hohen Verbreitungszahlen zu erzielen. Bei diesem Skalenmodell ist Tamedia AG führend und hat dadurch den Konzentrationsprozess in der Schweiz erheblich verstärkt. In dem Masse des Erfolgs dieses Modells schwinden naturgemäss die Chancen anderer Medienhäuser, vergleichbare Skaleneffekte zu realisieren. Verbundsynergien führen zu einer Reduktion der Vielfalt der öffentlichen Kommunikation, da über die verschiedenen Medienkanäle mehr gleiche Inhalte verbreitet werden. Dadurch werden die Chancen einer pluralistischen Meinungs- und Willensbildung verringert.»

Problematische Entwicklung der Erlöse

Seit dem Jahr 2000 ist dem Pressebereich in der Schweiz rund ein Drittel der Werbeerträge weggebrochen (2000: 3 Mia. Franken; 2011: 2 Mia. Franken). Einzig die Gratiszeitungen können im Langzeitvergleich noch steigende Werbeeinhahmen verzeichnen.

Den Rückgang der Werbeeinnahmen im Print-Bereich vermögen indes auch die Online-Medien nicht auszugleichen. Zwar ist das gesamte Online-Werbeaufkommen zwischen 2005 und 2011 von 107 Mio. Franken auf 521 Mio. Franken (Brutto) angestiegen, nur rund ein Drittel davon entfiel jedoch auf die hiesigen Online-Informationsmedien:

«Die Newssites […] profitieren jedoch nur von der Displaywerbung, auf die lediglich rund 30% der Werbeeinnahmen entfallen. Das restliche Werbevolumen kommt den Rubrikenmärkten und den Suchmaschinen zugute. Hier verlagern sich die Anteile am Gesamtmarkt Online allerdings zugunsten der Suchmaschinen und zuungunsten des Rubrikenmarkts. Ging 2005 noch rund 50% des Volumens des gesamten Onlinewerbemarktes an den Rubrikenmarkt, ist es 2011 noch rund ein Drittel. Umgekehrt steigern sich die Suchmaschinen von 18% im Jahr 2005 auf 30% des Volumens im Jahr 2011.»

Als etwas stabiler erwiesen sich die Werberträge des Radio- und TV-Bereichs:

«Allerdings schöpfen die ausländischen Privatveranstalter vom Fernsehwerbemarkt nicht weniger als 37% der Bruttowerbeeinnahmen ab, ohne dass sie zusätzliche journalistische Leistungen erbringen.»

***

Es gäbe noch von zahlreichen weiteren Befunden des 482 Seiten zählenden «Jahrbuchs» zu berichten, etwa von der geringen Eigenleistung und der hohen Paraphrasierungsquote von News-Websites – ein Befund, der allerdings auf einer «Wochenstichprobe vom 19. bis zum 25. September 2011» beruht (was auch die 0% von «NZZ Online» erklären könnte), …

Quelle: «Qualität der Medien – Hauptbefunde» (PDF)

… von der geringeren Relevanz der Berichterstattung von News-Websites im Vergleich zur Berichterstattung ihrer Printmütter (Ausnahmen: «20minuten.ch», «Lematin.ch») …

Quelle: «Qualität der Medien – Hauptbefunde» (PDF)

… … oder von den weiteren Vertiefungsstudien zur «Medienberichterstattung vor den Eidgenössischen Wahlen 2011», zur «Kriminalitätsberichterstattung in der Schweizer Presse» und zur «Medienkritik in der Schweiz», wo übrigens u.a. auch von Medienblogs die Rede ist:

«Medienblogs sind indes – das zeigen die Befunde erster Studien – keinesfalls ein modernes Wundermittel der öffentlichen Medienbeobachtung. Aufgrund ihrer schwachen Institutionalisierung vermögen sie der Medienkritik kaum eine wirksame, auf Dauer gestellte öffentliche Plattform zu geben.»

Wie wahr, wie wahr!

Vorwort und Präambel (PDF) sowie Hauptbefunde (PDF) des «Jahrbuchs 2012» sind online zugänglich. Für den Rest möge man sich den Wälzer kaufen.

Und übrigens: Nicht nur den (zumeist älteren) Herren des Verlegerverbands, sondern auch jüngeren Medienschaffenden sei fürs nächste Mal empfohlen, vor dem empörten Aufschrei einen Blick ins «Jahrbuch» zu werfen. Man braucht ja nicht mit allem einverstanden zu sein. Aber das Nachdenken übers eigene Gewerbe hat sicher noch niemandem geschadet.

Siehe auch:
– Rainer Stadler: Gegen journalistischen Firlefanz («NZZ»)
– Rolf App: Urteil: Mangelhaft («St.Galler Tagblatt»)
– Christian Mensch: Eine Zeitung hat ihr Thema gefunden («Der Sonntag»)

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

15 Bemerkungen zu «Jahrbuch zur Qualität der Schweizer Medien (2012)»

  1. Bobby California, November 2009: «Dennoch sehe ich in der Realität wenig bis gar keine Anhaltspunkte für Rainer Stadlers Behauptung, die Blogs würden „die klassische Medienkritik weiterführen“.»

    Kurt Imhof, Oktober 2012: «Medienblogs sind indes – das zeigen die Befunde erster Studien – keinesfalls ein modernes Wundermittel der öffentlichen Medienbeobachtung.»

    Martin Hitz, Oktober 2012: «Wie wahr, wie wahr!»

  2. Martin Hitz:

    Und jetzt?

  3. Pingback: blogthek - Qualitätsniedrige Medien

  4. Ah ja richtig – ich hab noch etwas vergessen anzufügen:

    Andreas Gossweiler, Oktober 2012: «Dass ich das noch erleben darf!»

  5. Kurt Stalder:

    Falls es dereinst mal ein «Jahrbuch zur Qualität der digitalen Medien» gibt, wissen wir ja nun, was qualitätsniedrige Kommentare sind.

  6. ras.:

    @Andreas Gossweiler. Das war nun eine etwas verkürzte Wiedergabe meines Standpunkts.

  7. Danke für die feine Zusammenfassung. Selber lesen mag ich den Wälzer nämlich grad nicht. Blogs sind vielleicht kein Wundermittel der Medienbeobachtung, hat auch nie jemand behauptet, aber doch immerhin ein Wundermittel der Medienbeobachtungswissenschaftsbeobachtung.

  8. Ich gebe es platt zu: Ich hadere mit mit Berufsstand der Journalistinnen und Journalisten. Es ist zuviel Ängstlichkeit im Gebälk. Die Medienbranche ist in einem Umstrukturierungsprozess in dem viel verloren geht, was den Beruf aus- und attraktiv -macht und die Mitglieder der Profession enthalten sich der Debatte. Die arrivierten Journalistinnen und Journalisten, die Ressentiments gegen das Jahrbuch haben, weil sie zwischen dem klassischen Berufsverständnis und unklaren neuen Orientierungshorizonten mäandrieren (und darauf hoffen, dass ihnen nichts passiert), bilden für den Nachwuchs kein glitzerndes Vorbild. Denn dass der Nachwuchs – der, wenn er in den qualitätsniedrigen Medien tätig ist – dem Jahrbuch wenig Sympathien entgegen bringt, ist verständlich. Dass die Altvorderen sich bloss noch kümmern, ist etwas peinlich. Deshalb aus Gründen der Animation politisch höchst unkorrekt: Ermannt Euch!

  9. Journi-Nachwuchs:

    Eigentlich doch schade: Gerade in der Umbruchsphase des Journalismus müssten die Betroffenen doch froh sein um ein Stück Orientierung. Das Jahrbuch stellt meiner Meinung nach eine gute Grundlage für die Diskussion der Medienqualität dar – was sollen Medien leisten, welche Qualitätskriterien sollen gelten, werden diese erfüllt?

    Ist es doch gerade die Qualität, die als Argument für den Print und gegen Online gilt, und ist es eben auch gerade die Qualität, die durch schrumpfende Finanzen bedroht ist. Gerade durch die Förderung des Qualitätsbewusstseins in der Öffentlichkeit könnte man meiner Meinung nach den (klassischen) Medien nur helfen: Steigt das Bewusstsein für Qualität, ist eine Zunahme der Zahlungsbereitschaft ebenfalls zu erwarten. Aber dafür müsste die Diskussion geführt werden. Aber hier gilt lieber: Shoot the messenger.

  10. Fred David:

    @) Journi-Nachwuchs: Ich würde für ihren Beitrag herzhaft den Like-Button drücken, wenn’s den hier nur gäbe.

  11. @Journi-Nachwuchs: Das tut gut, so was zu lesen. Wenn die alteingesessenen Job-Holder Journalisten keinen Mumm für eine eigenständig zu führende Qualitätsdebatte mehr haben, löst sich die Profession auf. Eine Profession kann nur sein, wenn es ein Berufsverständnis gibt. Wie wohltuend also, hier zu lesen, dass ein sich als Journi-Nachwuchs bezeichnender Journalist ernsthaft mit der Irritation durch Wissenschaft auseinenanderzusetzen scheint. Weiter so! Neue Journalisten braucht das Land.

  12. Fred David:

    @) Vinzenz Wyss: Ich bin sicher: Die Zeit wird über die Schweiger hinweggehen, schneller als diesen lieb ist. Wer sich für die eigenen Interessen nicht wehrt bez. nicht mehr dazu in der Lage ist, geht unter. Das ist ein Naturgesetz.

  13. Nicht nur die Nullresonanz-Politik der grossen Schweizer Medienkonzerne sticht ins Auge – allen voran aus dem Hause Tamedia -, sondern auch die abgestimmte Kommunikationspolitik: Das neue Jahrbuch Qualität der Medien wird in informellen Gesprächen mit Journalisten etwas gar häufig als „langweilig“ etikettiert. Derart viel Zufall gibt es nicht, weder im realen noch im medialen Leben. Dabei kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Jahrbuch-Befunde die Medienzunft wirklich langweilen. Dafür ist das Mediengewerbe viel zu stark auf den Zuspruch und den Entzug von Reputation geeicht. Ein Jahrbuch, das sehr viel sagt zur Reputationsdynamik des eigenen Metiers dürfte sehr wohl interessieren. Zwar ist es richtig: Nicht alle Befunde im neuen Jahrbuch sind neu. Das war allerdings auch nicht zu erwarten, denn die Qualität konnte sich aufgrund der massgeblich qualitätsverursachenden Dynamiken auch nicht grundlegend verändern: Weder hat etwa der qualitätsnivellierende Effekt der Gratismedien online und offline an Bedeutung verloren noch hat die Medienkonzentration nachgelassen. Im Gegenteil: Die Konzentrationsdynamik hat mittlerweile auch den Online-Sektor und mit 20 minuti den Tessin erreicht. Langeweile? Wohl eher bewusste Diskursverweigerung, die man nicht zuletzt aufgrund der bereits weit fortgeschrittenen Medienkonzentration heute sehr viel einfacher von oben verordnen und durchsetzen kann. Noch ein Nachsatz zum Thema „Langeweile“. Dem neuen Jahrbuch kann wiederum detailliert entnommen werden, über welche Themen die verschiedenen Mediengattungen und –typen im 2011 berichtet haben. Das Thema Wahlen beispielsweise hat es im letzten Jahr nicht mal in die Top-20 der Gratiszeitungen geschafft. Mich persönlich elektrisieren solche Befunde!

  14. Pingback: Jahrbuch Medienqualität 2012 « EJO – European Journalism Observatory

  15. Pingback: Qualitätsniedrige Medien | digithek blog

Bemerkung anbringen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *