Der News-Monopolist wird übermütig

Von Balz Bruppacher

Im jüngsten Newsletter der Schweizerischen Depeschenagentur (sda) befasst sich Chefredaktor Bernard Maissen im Editorial mit dem Auftrag des Parlaments an den Bundesrat, ein Konzept zur Presseförderung auszuarbeiten. Unverblümt bietet er die sda als Subventionsempfängerin an. «Wenn der Staat, ohne die inhaltliche Unabhängigkeit der sda zu tangieren, die Service-Public-Leistungen der nationalen Nachrichtenagentur abgelten würde, könnten alle profitieren», schreibt der sda-Chef. Und weiter: «Die Agentur würde wirtschaftlich unabhängiger von konjunkturellen Schwankungen, und sie könnte weiter in die Qualität investieren.»

Ob so viel Unverfrorenheit reibt man sich die Augen. Die gleiche sda, die hier die Hand zum 50-Millionen-Honigtopf der indirekten Presseförderung ausstreckt, hat vor zweieinhalb Jahren mehrere Millionen Franken locker gemacht, um sich via Lizenzabkommen die Konkurrenz in der Deutschschweiz vom Hals zu schaffen. Die Umstände des damaligen Deals werden zurzeit von der Wettbewerbskommission untersucht.

Der Blick ins Aktionariat der Schweizerischen Depeschenagentur AG lässt das Schielen auf die Bundesmillionen noch absurder erscheinen. Die sda gehört nämlich zu 28,3% der Tamedia. Weitere bedeutende Aktionäre sind die NZZ-Gruppe und die SRG mit Beteiligungen von 11,4% beziehungsweise 10%. Wüsste man nicht um die Integrität dieser Häuser, könnte der Verdacht aufkommen, dass sich da jemand beim Staat für den Aufwand zur Schaffung eines Monopols schadlos halten möchte.

Die Schweizerische Eidgenossenschaft ist übrigens schon jetzt ein gut zahlender Kunde der sda. Letztes Jahr entschädigte der Bund die Leistungen der Nachrichtenagentur mit 3,1 Millionen Franken, wie der Staatsrechnung 2011 zu entnehmen ist. Das entspricht knapp 9% des Jahresumsatzes der sda. Ein Hebel für staatliche Finanzhilfen an die sda ist seit Juni 2010 zudem in der Verordnung zum Sprachengesetz verankert.

Das Service-Public-Argument für staatliche Unterstützung im Falle der Nachrichtenagenturen wurde schon früher vorgebracht. Allerdings nicht im Sinne einer Fünfer-und-Weggli-Politik, wie sie dem sda-Chef vorschwebt. Der Schaffhauser SP-Nationalrat Hans-Jürg Fehr regte vielmehr Anfang 2010 an, die sda in ein öffentlich-rechtliches Unternehmen mit staatlicher Konzession umzuwandeln. Der Bundesrat lehnte dies aus ordnungspolitischen Gründen ab, ebenso wie eine direkte Subventionierung der sda aus öffentlichen Geldern. Letzteres wäre mit dem Risiko verbunden, «dass die einzige schweizerische Nachrichtenagentur in eine bedenkliche staatliche Abhängigkeit geriete», schrieb der Bundesrat vor Jahresfrist in seinem Bericht «Pressevielfalt sichern». Die Monopolsituation bezeichnete er schon früher als «nicht optimal».

Derweil hat die sda auch ohne direkte Subventionen genügend finanziellen Spielraum für Ausbauprojekte. Sie lancierte kürzlich einen englischsprachigen Dienst. Also nicht in einer Landessprache mit Aussichten auf Zuwendungen gestützt auf das Sprachengesetz.

Balz Bruppacher war als Chefredaktor des Anfang 2010 eingestellten Schweizer AP-Dienstes tätig.

von Balz Bruppacher | Kategorie: Medienschau

13 Bemerkungen zu «Der News-Monopolist wird übermütig»

  1. Büschi Hans-Ulrich:

    Balz Bruppacher hat recht. Wenn überhaupt, so müssen allfällig zur Verfügung stehende öffentliche Mittel dereinst die Gründung einer Konkurrenz-Nachrichtenagentur erleichtern bzw. überhaupt erst ermöglichen. Das Monopol der sda ist auf die Dauer sowohl aus staats- als auch aus medienpolitischen Gründen unhaltbar.

  2. Oswald Sigg:

    Der Bund sollte seinen Vertrag mit der SDA von Grund auf überprüfen und zwar ohne das Ergebnis der WEKO-Untersuchung zur Frage abzuwarten, ob die SDA ihre marktbeherrschende Stellung in unzulässiger Weise gefestigt hatte. Es geht doch nicht an, dass der Bund den News-Monopolanbieter für Leistungen entschädigt, die andere Nutzer heute über Internet bzw. Gratismedien kostenlos erhalten. Und für die Übersetzungen ins Italienische im Auftrag des Bundes hat die SDA immer noch eine naheliegende Konkurrenz: der bundeseigene Sprach- und Übersetzungsdienst.

  3. christoph j. walther:

    Der Titel hier heisst “Der News-Monopolist wird übermütig”, doch “Der News-Monopolist ist überflüssig” ist genau so zutreffend: Im Internet-Zeitalter sind nationale Nachrichtenagenturen längst überflüssig geworden – das Thema haben wir hier ja schon Ende Februar diskutiert (http://www.medienspiegel.ch/archives/003586.html ).

    Wird in diesem Zusammenhang mit der Vielfalt in den Medien argumentiert, ist der Erhalt von Nachrichtenagenturen genau kontraproduktiv: Sie sind der wohl wichtigste Grund für den Einheitsbrei in den Medien. Wie ungemein vielfältiger könnte die Berichterstattung in den Medien sein, wenn sich nicht alle Redaktionen an der Vortrommlerfunktion der Agenturen orientierten. Stellt man die Möglichkeiten des Internet zusammen mit den Ressourcen der Onlineredaktionen in den Medienhäusern (die heute schon weitgehend wie Nachrichtenagenturen funktionieren) in Rechnung, ist nicht zu verstehen, weshalb auch künftig wesentliche Teile der Redaktionsbudgets an Nachrichtenagenturen gehen sollten. Und auch staats- oder medienpolitische Gründe für den Erhalt von Nachrichtenagenturen werden sich nicht finden lassen: Informationen fliessen heute zahlreicher, schneller und vielfältiger denn je – und den Kalten Krieg, als Nachrichtenagenturen wichtige Instrumente im Kampf der Ideologien waren, haben wir längst hinter uns gelassen. Es ist höchste Zeit, die Arbeit von Redaktionen entsprechend neu auszurichten, was nur einem interessanterem Journalismus zu Gute kommen kann.

  4. Pingback: Die Schweizerische Depeschenagentur erhält schon heute zu viele Subventionen, sie braucht nicht noch mehr Steuergelder | ars libertatis

  5. Ein Satz im sda-Newsletter hat die Kritiker der Nachrichtenagentur wieder einmal auf den Plan gerufen. Es äussern sich prominent der Chefredaktor der geschlossenen AP Schweiz, die von den USA und Frankfurt aus gesteuert wurde, ein ehemaliger Chefredaktor der sda und eine ehemaliger Leiter Entwicklung der sda. Das Wirken der beiden letzteren bei der Agentur war aus verschiedenen Gründen nicht besonders segens- und erfolgreich. Oswald Sigg hat seit zwanzig Jahren, Christoph Walter seit bald zehn Jahren keinen Fuss mehr in die Agentur gesetzt. Ich erlaube mir deshalb als aktueller Chefredaktor eine etwas längere Replik auf die Kritik:

    @Balz Bruppacher: Eine wissenschaftlich präzise Definition von Service Public gibt es nicht. Einigermassen unbestritten, und zum Beispiel auch von der SRG SSR verwendet, ist, dass eine Leistung, die im Interesse der Allgemeinheit erbracht wird und die der Markt nicht selber trägt, eine Service-Public-Leistung darstellt. Die sda liefert in den drei Landessprachen Deutsch, Französisch und Italienisch einen gleichwertigen Nachrichtendienst zum gleichen Preis, obwohl die Märkte im Tessin und in der Romandie nicht genug hergeben, um einen derartig ausgebauten Dienst zu finanzieren. Die sda erbringt für die Medien und damit indirekt auch für die Allgemeinheit einen Service Public. Dass dieser zu einem Teil über Bundesgelder abgegolten werden könnte, ist sicher eine Überlegung wert. Sollen sich die Verleger nur die Postzustellung verbilligen lassen, oder wäre es nicht sinnvoll, allen Medien die qualitativ guten journalistischen Leistungen der Nachrichtenagentur etwas günstiger zur Verfügung zu stellen? Kann indirekte Medienförderung statt nur über die Post nicht auch über die sda erfolgen, die ja gleichzeitig auch immer wieder gute junge JournalistInnen ausbildet?
    Diese Überlegungen als Unverfrorenheit zu bezeichnen, ist reichlich unverfroren. Die Möglichkeit, eine Nachrichtenagentur, die in drei Landessprachen produziert, finanziell zu unterstützen, sieht das Sprachverständigungsgesetz, bzw. die entsprechenden Verordnungen nämlich längst vor.
    AP Schweiz hat sich immer nur auf den attraktiven Deutschschweizer Markt konzentriert. Mit dieser Rosinenpickerei lebte AP Schweiz so lange gut, bis die AP sich aus Deutschland zurückzog und ihre Lizenz an Leute übertrug, welche das Geschäftsmodell sauber durchgerechnet und betriebswirtschaftlich analysiert haben. Diese stellten sich rasch die Frage, ob man nicht besser einen Partner in der Schweiz sucht. Dass da die sda zum Zuge kam, war naheliegend. Irgendwelche Verschwörungstheorien sind völlig fehl am Platz. Die sda hat eine Lizenz für einen weiteren internationalen Dienst gekauft und der Preis war für Käufer und Verkäufer korrekt. Auch wenn es aus journalistischer Sicht bedauerlich sein mag, dass es in der Schweiz seit 2010 nicht mehr zwei Nachrichtenagenturen gibt, ist es wirtschaftlich völlig logisch. Zwei Nachrichtenagenturen bringen den Medien nur dann etwas, wenn die einzelnen Titel auch beide Agenturen abonnieren. Das war aber immer seltener der Fall. Immer mehr Redaktionen hatten nur eine Agentur abonniert, die Vielfalt war ein blosser Schein. Dass die Schweizer Verleger sich dann für die eigene Agentur entschieden haben und nicht für eine, bei der sie überhaupt nicht mitreden konnten, ist ebenfalls logisch. Die Schweiz ist damit für einmal auch kein Sonderfall. In vergleichbaren Märkten wie Österreich, Belgien, Holland, Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland, aber auch zum Beispiel in Tschechien gibt es nur eine nationale private Nachrichtenagentur.
    Der Hinweis auf die Eidgenossenschaft ist völlig korrekt. Seit je ist die sda, als nationale Nachrichtenagentur, ein Informationslieferant für die Bundeskanzlei. Das war im Übrigen auch AP Schweiz. Auch sie verkaufte ihren Dienst an die Eidgenossenschaft und erzielte dafür rund 11 Prozent ihres Umsatzes, im Verhältnis also deutlich mehr als die sda, und das ohne Service Public.

    @Hans-Ulrich Büschi: Die sda und auch AP Schweiz erhielten nie Subventionen von der Eidgenossenschaft. Sie verkauften ihre Dienstleistung und standen, bzw. stehen immer noch, in einer guten Kundenbeziehung mit der Bundeskanzlei. Was hier eine zweite Agentur soll, wenn der Markt schon für eine fast zu klein ist, erschliesst sich mir nicht.

    @Oswald Sigg: Besitzt die sda nun ein Monopol oder nicht? Wenn es die Leistungen überall sonst auch gibt, besteht ja keine Gefahr, dass die Agentur ein Monopol innehat. Alle beklagen das scheinbare Monopol der sda und behaupten gleichzeitig, es gebe die gleichen Informationen überall und erst noch umsonst. Der Wettbewerb ist heute tatsächlich härter als früher, als die Agenturen noch ein technisches Monopol hatten. Nur sie verfügten über die technischen Möglichkeiten, alle Kunden gleichzeitig mit den gleichen Informationen zu beliefern. Heute muss sich die Agentur zuerst dem journalistischen Wettbewerb stellen. Die sda macht das erfolgreich in drei Landessprachen. Sie gehört in Europa zu den effizientesten und produktivsten Nachrichtenagenturen, deren Preis trotz dreisprachiger Produktion den Vergleich mit anderen nationalen Nachrichtenagenturen keinesfalls zu scheuen braucht. Wie Oswald Sigg aus seiner Zeit als Vizekanzler weiss, werden die Verträge mit der sda regelmässig überprüft – und für die italienischen Übersetzungen erhält die sda schon lange kein Geld mehr. Ein entsprechender Vertrag wurde von der Bundeskanzlei während der Amtszeit von Oswald Sigg gekündigt.

    @Christoph J.Walther: Die sda ist keinesfalls im „kalten Krieg“ stecken geblieben. Sie liefert unabhängige, faktenorientierte Informationen, zeitgemäss aufbereitet und für alle Mediengattungen. Sie sichtet, gewichtet und ordnet ein. Als langjähriger Mitarbeiter der Agentur sollte Christoph Walther wissen, dass Nachrichtenagenturen immer ein Mittel sind, um Geld zu sparen. Sie erbringen zentral kostengünstiger Leistungen, die sonst dezentral mehrmals erbracht werden müssten. Und da sie allen Medien gehört und nicht gewinnorientiert aber kostendeckend arbeiten muss, ist auch die Unabhängigkeit grösser als wenn ein Medienhaus das für alle machen würde. Gerade weil alle Informationen heute leicht erhältlich sind und die Kommunikationsabteilungen in Verwaltung und Wirtschaft massiv ausgebaut worden sind, ist die Agentur, die wertfrei Informationen gegencheckt und journalistisch aufbereitet, von grosser Bedeutung. Die Redaktionen, seien sie für Online, Print oder elektronische Medien tätig, können sich auf Geschichten konzentrieren, die exklusiv sind. Der Nachrichtenteppich kommt zuverlässig von der Agentur. Auch Online-Redaktionen stützen sich gerne auf die Dienste der Nachrichtenagenturen, die 365 Tage, rund um die Uhr die Newslage in der ganzen Welt für sie verfolgen. Wenn selbst in Ländern, wo die Medienvielfalt nicht so gross ist wie in der Schweiz, die nationalen Nachrichtenagenturen weiter existieren, kommt der Abgesang auf diese Institutionen etwas früh. In Neuseeland hat im Übrigen die australische Nachrichtenagentur sofort nach der Schliessung der neuseeländischen Agentur deren Funktion übernommen….und nicht die verschiedenen Medienredaktionen.

  6. Hardy Jäggi:

    Eigentlich ist es bedenklich, dass der Medienspiegel dem ehemaligen AP-Chefredaktor eine Plattform für seine Frust-Attaken gegen die sda bietet. Die Kommentare von Oswald Sigg und Christoph J. Walther klingen für mich ebenfalls sehr nach „Frust abladen“.

    Bernard Maissen zeigt in seiner Replik sehr gut auf, was effektiv Sache ist.
    Klar ist:
    – die Schweiz ist zu klein für zwei vollwertige Nachrichtenagenturen
    – die Märkte in der Westschweiz und im Tessin sind schon für eine Agentur ein Verlustgeschäft
    – eine indirekte Medienförderung über die sda ist mehr als nur bedenkens- und diskussionswürdig

  7. Matthias Hagemann:

    Ich bin VR-Mitglied der sda und kann mich Bernard Maissen und Hardy Jäggi nur anschliessen.

    Leider gibt es in der Schweiz immer irgendeine Bühne, die für persönlich motivierte Abrechnungen zur Verfügung steht. Keine andere Branche muss mit einer derartigen Heckenschusskultur leben, wie dies die Medienbranche tut. Was speziell störend ist, ist, dass es die Betreffenden in casu eigentlich alle besser wissen müssten – und dies sicherlich auch tun. Aber eben, Hauptsache, man hat sich wieder einmal ausgelebt.

    Das Dumme ist bloss, dass dergleichen durchaus Wirkung haben kann. Politik und auch Behörden nehmen diese Kritik aus den eigenen Reihen durchaus wahr, und zwar als Bild einer insgesamt dissonanten Branche, die nicht weiss, was sie will. Das ist wohl auch einer der Gründe, weshalb die Schweizer Verleger beim politischen Lobbying vergleichsweise wenig erreichen.

    Die Ökonomie sagt es glasklar: Die Alternative in der Schweiz ist nicht, zwei nationale Agenturen zu haben. Die Alternative ist bloss, gar keine mehr zu haben – wenn man zur sda nicht Sorge trägt. Dies versuchen die grossen privaten Medienunternehmen, die kleinen privaten Medienunternehmen und auch die SRG, für einmal (fast) alle zusammen. Eine erfreuliche Singularität.

    Wer das als Journalist nicht zur Kenntnis nimmt und statt dessen lieber Profilierungsversuche tätigt, sägt am Ast, auf dem er sitzt. Ein bedauerlicherweise beliebter Sport bei manchen Schweizer Medienschaffenden.

  8. Balz Bruppacher:

    Was mich an der Argumentation von Bernard Maissen stört, ist folgendes: Hier gibt sich ein Monopolist nicht mit der Monopolrente zufrieden, sondern ruft zusätzlich nach Staatsgeldern. Wenn schon wäre das Staatsmonopol im Sinne des Vorstosses Fehr http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20103042 der ehrlichere Weg.
    Der springende Punkt ist aber ein anderer. Bernard Maissen, Hardy Jäggi und Matthias Hagemann behaupten, die Schweiz sei zu klein für Konkurrenz auf dem Markt der Nachrichtenagenturen. Sie berufen sich auf „glasklare“ Ökonomie und auf die wirtschaftliche Logik. Historisch lässt sich das nicht beweisen. Der Schweizer AP-Dienst war bis zuletzt kein Zuschussbetrieb. Er war weder finanziell noch redaktionell „von den USA und Frankfurt aus gesteuert.“ Und er hat sich entgegen der Darstellung von Bernard Maissen nicht bloss auf den attraktiven Deutschschweizer Markt konzentriert, sondern seit der Gründung im Jahre 1981 stets zweisprachig auf Deutsch und Französisch berichterstattet. Und zwar weder als Rosinenpicker noch als Vollkonkurrenz zur sda.
    Zur Wirtschaftlichkeit ein paar Grössenordnungen: Wenn die durch eine Indiskretion durchgesickerten Angaben über den Kaufpreis zutreffen, den die sda den deutschen Private-Equity-Managern für die AP-Lizenz und für die Einstellung des Schweizer AP-Dienstes zahlte, hätte dieser Dienst mit dem gleichen Geld während vier Jahren weiterbetrieben werden können. Interessant wäre es auch zu wissen, wann und mit welchem Resultat das Geschäftsmodell der sda letztmals „sauber durchgerechnet und betriebswirtschaftlich analysiert“ wurde.
    Dass die Schweizer Verleger und die SRG der sda die Stange halten, ist gut nachvollziehbar. Zumal es ja „ihr“ Unternehmen ist. Dass man dazu für teures Geld die Konkurrenz ausschalten muss, leuchtet mir hingegen nach wie vor nicht ein. Weder ökonomisch noch publizistisch. Die publizistische Vielfalt hat auf jeden Fall gelitten. Sie war auch dann nicht blosser Schein, als nicht mehr alle grösseren Medien die Dienste beider Agenturen abonniert hatten. Das weiss auch Bernard Maissen, der seine Leute stets dazu angehalten hat, das journalistische Angebot der Konkurrenz genau zu beobachten. Mehr als einmal wurde mir von sda-Kollegen in den letzten Jahrzehnten versichert, wie gut und „befruchtend“ das Konkurrenzverhältnis sei.
    Balz Bruppacher
    PS: Dem Medienspiegel bin ich dankbar, dass er kontroversen Meinungen eine Plattform bietet. Wo es um Frust-Attacken und um Profilierungsversuche geht, mögen andere beurteilen.

  9. Oswald Sigg:

    Bernard Maissen hat recht: Der Bund bezahlt heute der SDA kein Geld mehr für die Italienisch-Übersetzungen. Doch die Monpolagentur SDA wird nach wie vor durch namhafte Bundesbeiträge teilweise öffentlich finanziert. Da stellt sich die Frage, ob diese Unterstützung auch von öffentlichem Interesse ist. Die Antwort ist nachzulesen im Jahrbuch 2011 Qualität der Medien Schweiz Suisse Svizzera http://jahrbuch.foeg.uzh.ch/jahrbuch_2011/VI_vertiefungsstudien/Seiten/VI3MonopolDepeschenagentursda.aspx.

  10. Büschi Hans-Ulrich:

    @Bernard Maissen: Wenn schon eine Replik, dann bitte in der Sache korrekt: Ich habe nie behauptet, die sda bzw. die AP hätten Subventionen erhalten. Nachzulesen in meinem Kommentar vom 27.07.12. Die Replik des gegenwärtigen Chefredaktors zeichnet sich auch sonst durch Einseitigkeit, mangelnde sachliche Korrektheit und eine gewisse Überheblichkeit aus. Schliesslich: Keine Geiss kann die Tatsache wegschlecken, dass das publizistische Angebot seit dem Verschwinden der AP schmäler geworden ist.

  11. Was mich an der Argumentation von Balz Bruppacher stört, ist folgendes: AP Schweiz war nur „rentabel“, weil für die internationalen News von AP nichts verrechnet wurde und es keine Vollkostenrechnung gab. Das änderte sich, als sich in New York eine neue Sicht auf den europäischen Markt durchsetzte. Die Lizenznehmer für D, A und CH müssen für den internationalen Feed bezahlen und stellen die Vollkostenrechnung an. Deshalb entschied sich DAPD für eine Zusammenarbeit mit der sda. Der Entscheid zur Einstellung von AP Deutsschschweiz fiel damit in den USA und Deutschland und nicht bei der sda. Der AP-Dienst in der Romandie, der nach wie vor existiert (also doch kein sda-Monopol), war AP France und nicht AP Schweiz, die gar keine Rechtsform hatte, angegliedert. Auch diese Lizenz hat AP International kürzlich an DAPD verkauft, die schon für den deutschsprachigigen Raum zum Zuge kamen.

  12. Balz Bruppacher:

    Bernard Maissen irrt: Der Westschweizer AP-Dienst war sehr wohl Teil des Schweizer AP-Dienstes. Und zwar von Beginn weg bis im Dezember 2009. Der Schweizer AP-Dienst hatte auch eine eigene Rechtspersönlichkeit, als Schweizer Zweigniederlassung der AP GmbH in Frankfurt a.M. Beim Verkauf der AP GmbH an die Eigentümer der damaligen deutschen Agentur ddp (heute: dapd) stellten die Käufer die Bedingung, dass die Angestellten des Westschweizer Dienstes aus der AP GmbH ausgegliedert werden. Dies erfolgte in eine neu gegründete AP Germany GmbH mit Sitz in Hamburg. Bei der kürzlich erfolgten Übernahme von AP France durch die französische dapd-Tochterfirma Sipa wurden die Angestellten des Westschweizer AP-Dienstes in eine neue GmbH mit Sitz in Deutschland überführt. Zum Schliessungsentscheid: Für einen Vertrag braucht es immer zwei. Die sda war also sehr wohl an der Schliessung von AP Schweiz beteiligt. Richtig ist hingegen, dass auch das AP-Mutterhaus in den USA seinen Beitrag leistete, indem es den ddp-Eigentümern im Kaufvertrag für die AP GmbH eine Option für die Weitergabe der Lizenz in der Schweiz einräumte. Und die gesamte Schweizer Belegschaft im Glauben liess, die neuen Eigentümer würden das Schweizer Geschäft weiterführen.

  13. Pingback: Wie die sda ihren Konkurrenten an die Wand drückte | Medienspiegel.ch

Bemerkung anbringen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *