Es läuft eine Untersuchung gegen uns

Von Balz Bruppacher

Dem «Tages-Anzeiger» war die Nachricht keine Zeile wert. Die Wettbewerbskommission (Weko) gab am 23. Februar bekannt, dass sie eine Untersuchung gegen die Schweizerische Depeschenagentur (sda) eröffnet hat. Es geht um den Verdacht von unzulässigen Verhaltensweisen bei der Preispolitik der Nachrichtenagentur. Auslöser des Verfahrens ist ein Ereignis, das mehr als zwei Jahre zurückliegt: die Einstellung der Geschäftstätigkeit des einzigen Konkurrenten der sda in der Deutschschweiz, des ehemaligen Schweizer Diensts der weltweit tätigen US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Auf den ersten Blick sind das Fakten, die niemanden vom Stuhl reissen.

Verständlich also, könnte man meinen, dass die Medien die Nachricht, wenn überhaupt, als Kurznachricht vermeldeten. Und zwar oft in Form einer Meldung der sda. Genau hier hätten aus journalistischer Sicht aber einige weitergehende Überlegungen einsetzen sollen. Denn bei den da und dort abgedruckten sda-Meldungen handelte es sich um Berichte in eigener Sache und nicht wie üblich um neutrale Nachrichten. Praktisch zeitgleich mit der Veröffentlichung des Weko-Communiqués wurde von der sda denn auch in einer um 7.32 Uhr verbreiteten Meldung die Stellungnahme der eigenen Geschäftsleitung mitgeliefert:

«Die Geschäftsleitung der sda sichert der Weko die volle Unterstützung zu. Sie hat bereits im Rahmen der Vorabklärung sämtliche geforderten Angaben fristgerecht geliefert und volle Transparenz gewährt.»

Also etwa nach dem Motto: Es läuft eine Untersuchung gegen uns; ist aber halb so schlimm, da wir den Behörden eh schon die Bücher geöffnet haben.

Das mässige Interesse an der Weko-Untersuchung gegen das wichtigste Nachrichtenmedium der Schweiz hat möglicherweise aber noch einen weiteren Grund: Die sda ist eine Aktiengesellschaft im Besitz der Schweizer Medien. Und Medienunternehmen sind bekanntlich bezüglich der Vorgänge im eigenen Haus nicht informationsfreudiger und transparenter als eine Bank oder eine Schraubenfabrik. Wichtigste Aktionäre der sda sind laut dem Geschäftsbericht 2010 (PDF) die Unternehmen Tamedia/Edipresse mit zusammen 29,1 Prozent des Aktienkapitals, die NZZ-Gruppe mit 11,5 Prozent und die SRG mit 10 Prozent. Zusammen halten diese drei führenden Medienkonzerne also gut die Hälfte des Aktienkapitals der sda.

Aus medienpolitischer Sicht definitiv interessant wird die Mitteilung der Weko, wenn man sich erinnert, dass diese sda-Grossaktionäre vor zwei Jahren ihrem Unternehmen eine Monopolstellung in der Deutschschweiz verschafft haben. Und zwar durch einen Kooperationsvertrag mit den Eigentümern der damaligen deutschen Nachrichtenagentur ddp. Die ddp-Eigentümer, zwei Finanzinvestoren aus Bayern, hatten im Dezember 2009 den deutschsprachigen AP-Dienst (Deutschland und Schweiz) von der amerikanischen AP-Mutterfirma gekauft. Sieben Wochen später verkauften sie die Lizenz für den AP-Dienst für die Schweiz in einem klassischen Private-Equity-Deal an die sda weiter. Gleichzeitig verpflichteten sich die ddp-Eigentümer, die Aktivitäten von AP-Schweiz auf den frühestmöglichen Zeitpunkt einzustellen. Das wurde am 28. Januar 2010, einen Tag nach der Unterzeichnung des Deals mit der sda, vollzogen, indem der Schweizer AP-Belegschaft gekündigt wurde.

Die Art und Weise, wie sich die sda die Monopolstellung in der Deutschschweiz verschafft hatte und wie ddp mit dem Schweizer Personal umging, wirbelte seinerzeit einigen Staub auf. So gelangte durch Indiskretionen eine Absichtserklärung der beiden Vertragspartner an die Öffentlichkeit, aus der hervorging, dass die sda bereit war, für die AP-Lizenz und das Monopol in mehreren Schritten insgesamt rund 12 Millionen Franken zu bezahlen. Dies bei einem Jahresumsatz von knapp 37 Millionen Franken. Bei der Kündigung der Belegschaft setzte sich ddp über die gesetzliche Konsultationspflicht hinweg. Das Personal und auch die Schweizer Medien wurden nach der Übernahme des AP-Dienstes im Glauben gelassen, ddp plane in der Schweiz einen Ausbau ihrer Aktivitäten. Mit diesem Argument suchte ddp noch kurz vor der Schliessung des Schweizer Dienstes per Inserat ein neues Redaktionsmitglied.

Das Medieninteresse an der Monopolsituation auf dem Agenturmarkt ist inzwischen eingeschlafen. Es blieb beim Bedauern auf den Redaktionen, nur noch eine statt wie in den vorangegangenen über 50 Jahren zwei Quellen für die wichtigsten News aus der Schweiz zu haben. Ungeklärt blieb, wer von den sda-Grossaktionären aus welchen Motiven dem Deal zur Beseitigung der Konkurrenz zugestimmt hatte. Vor allem im Falle der SRG muss man sich fragen, ob sie als öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt nicht zur Aufrechterhaltung der Medienvielfalt beitragen sollte, statt die Monopolbildung zu fördern.

Keine breite Debatte gab es bisher auch über die Folgen des Monopols auf die Qualität und Aktualität der sda-Berichterstattung. Finanzielle Früchte scheint die Monopolstellung insofern zu tragen, als sich die sda die Lancierung eines englischsprachigen Dienstes (PDF) leisten kann, wie die Agentur seit Kurzem auf ihrer Website ankündigt.

Auch wenn das Verfahren der Weko das Monopol nicht rückgängig machen kann, gibt es also durchaus Fragen, die über den Kreis der Direktbetroffenen hinaus von Interesse sind.

PS: Auch dies ist ein Bericht in eigener Sache. Und zwar insofern, als der Schreibende der letzte Chefredaktor des Schweizer AP-Dienstes war und die Ereignisse vor zwei Jahren hautnah miterlebte.

von Balz Bruppacher | Kategorie: Medienschau

24 Bemerkungen zu «Es läuft eine Untersuchung gegen uns»

  1. christoph j. walther:

    Im Internet-Zeitalter sind nationale Nachrichtenagenturen längst überflüssig geworden. Das haben vor knapp einem Jahr etwa die Verleger in Neuseeland gemerkt und Ende August nach 131 Jahren ihre Agentur NZPA geschlossen. Die Schlaumeiereien der SDA-Chefetage sind als Rückzugsgefecht in einem sich konsolidierenden Markt zu sehen. Und auch der regelmässig wieder auftauchende Ruf nach einer staatlichen Förderung von Nachrichtenagenturen in der Schweiz ist völlig verfehlt, zumal es keinen nachweisbareren Service Public gibt, der nicht auch sonst erbracht werden könnte. Denn die Online-Redaktionen in den Verlagen übernehmen längst die gleichen Funktionen und könnten ohne weiteres innerhalb der Medienhäuser entsprechend positioniert werden.

    Da es in der helvetischen Medienbranche offensichtlich an Führung fehlt, ist zu fürchten, dass Verleger den Klotz SDA noch lange am Bein werden mitschleifen wollen. Anstatt Strukturen und Abläufe in den Redaktionen und der Branche anzupassen, scheinen sie an alten Traditionen zu hängen und versäumen so Zeit und verschwenden Geld, das sie anderswo besser einsetzen könnten. Etwa bei Autoren, die neue Stories aufgreifen und andere weiterentwickeln – klassischer Journalismus also, mit dem im Markt ein Alleinstellungsmerkmal erreicht werden kann.

  2. Thomas Läubli:

    Wer Begriffe wie «Schlaumeiereien» und «Stories» sowie «konsolidierende Märkte» und «Geld verschwenden» verwendet, offenbart schnell, wessen Geistes Kind er ist. Klassischer Journalismus soll immer noch Information bieten und nicht irgendeinem ökonomischen Druck unterworfen sein. Ob nationale Nachrichtenagenturen überflüssig seien, weiss ich nicht, aber ökonomistische Polemiken sind immer unfrankiert an den Absender zurückzuschicken.

  3. Büschi Hans-.Ulrich:

    Als junger Werkstudent arbeitete ich anfangs der 60er Jahre als Volontär bei der SDA. Damals tauchte erstmals eine ernst zu nehmende Konkurrenzagentur am helvetischen Medienhorizont auf: die UPI mit dem damals noch nicht dem Boulevard verfallenen Peter Uebersax als Chef (die ebenfalls noch existierende „Mittelpresse“ bzw. SPK war keine echte Mitbewerberin auf dem damaligen dürftigen Newsmarkt). Mensch, tat das dem „Klotz“ (O-Ton Walther) gut.

    Es ist unumstrittene Tatsache, dass Konkurrenz belebt. Allein schon aus diesem Grund ist das hinterlistige Ausmerzen der AP zu bedauern. Die Online-Medien bzw. -Redaktionen vermögen diesen Verlust nie und nimmer zu kompensieren: Online-Journalismus gehorcht nicht denselben Spielregeln wie seriöser Nachrichtenjournalistmus – mit Betonung auf „seriös“. In diesem Sinn pflichte ich Thomas Läubli vollumfänglich bei.

    Was sich die SDA-Chefetage und mit ihr auch der VR und die wichtigen Teilhaber, allen voran die SRG, vor zwei Jahren geleistet haben, verdient auf jeden Fall unter die kritische Lupe der Weko genommen zu werden. Egal wie das Verdikt dereinst ausfallen wird: Die SDA-Besitzer sind mit verantwortlich für die Auspowerung der schweizerischen Nachrichtenszene.

  4. Fred David:

    @) Christoph J.Walther:“….verschwenden Geld, das sie anderswo besser einsetzen könnten. Etwa bei Autoren, die neue Stories aufgreifen und andere weiterentwickeln – klassischer Journalismus also, mit dem im Markt ein Alleinstellungsmerkmal erreicht werden kann“ – 200% Zustimmung.

    Allerdings glaube ich nicht, dass Online-Redaktionen in der Lage sind – auch langfristig nicht – eine sda zu ersetzen: zu sprunghaft, zu punktuell, zu sehr von Clickrates befangen, da stimme ich Hans-Ulrich Büschi zu.

    Die sda könnte sich vollständig aufs Inland beschränken, Regionen nur noch schwerpunktmässig, Wirtschaft ausschliesslich Schweiz (auch hier nur noch Schwerpunkte), kein Sport , kein Klatsch, keine Gerichtsfälle etc. Für die Bundes- bez. Kantonsverwaltungen kann man einen Communiqué-Dienst mit Suchfunktion anhängen, ohne redaktionelle Bearbeitung. Die einzelnen Redaktionen müssten dann selber die Bearbeitung übernehmen, statt einfach 1:1 nachdrucken wie heute.

    Regionalzeitungen könnten gegen Honorar ihre interessantesten Regionalstories auf dem Dienst in einer speziellen Rubrik online setzen.

    Auch Kultur könnte man vollständig ausgliedern und daraus einen eigenständigen Dienst machen, der die spezifischen Interessengruppen sehr viel direkter erreicht; gekoppelt mit einem Schweiz-weiten Veranstaltungskalender online (warum gibts‘ den noch nicht?), ev. auch gekoppelt mit Ticketing. Könnte ein interessantes Geschäftsmodell sein, das sich selber trägt.

    Das gesamte Ausland kann von zwei, drei internationalen Agenturen übernommen werden mit denen man vertraglich verbunden ist, so können auch leicht Gegechecks gemacht werden.

    Kurz: eine radikale Schlankheitskur.

  5. Fred David:

    …der oben genannte Communiqué-Dienst für die Verwaltungen müsste für diese natürlich kostenpflichtig sein – für die radikal entschlackte sda eine sichere und bedeutende Einnahmequelle.

  6. eine gute idee wiedermal von fred david. warum wird er eigentlich nicht als consulter angeheuert? – henusode, was ich sagen will: kein anderer schurni-kommentator hat in den letzten jahren in diesem blog so viele kluge inputs zur medienwirtschaft im medienwandel gegeben wie ausgerechnet der älteste von allen. das gibt mir ein wenig zu denken.

    geradezu widerlich finde ich ferner – als zahlender medienkonsument – die abgehobenen, realitätsfernen und selbstverliebten trollcomments von pseudonymen höselern wie läubli und konsorten (oder früher bobbycalifornia). jungs, wenn ihr hier schon gross austeilt, tut es mit offenem visier oder lasst euern frust in einer andern ecke des internetz aus.

  7. Fred David:

    @) Bugsierer: Gar so alt bin ich nun auch wieder nicht…aber danke für den Zuspruch.

    Was mir noch einfällt: Die sda könnte sich, bis auf das beschriebene Core Business, mehr Richtung Doku entwickeln. Beispiel : Es sind unglaublich viele Studien, Statistiken, Sachbücher etc. zu x-beliebigen Themen greifbar, allerdings in einem endlosen, unübersichtlichen Info-Meer. sda könnte das systematisieren, ordnen u.U. auch bewerten und kommentieren, und vorallem: mit einer cleveren Suchfunktion versehen.

    Solche Dienste brauchen Redaktionen (aber auch Verwaltungen, Parlamente, Regierungsinsitutionen, Unternehmen etc.) immer mehr. Dazu ist ein kleiner Stab hoch qualifizierter Spezialisten nötig, mehr wissenschaftlich ausgebildete Dokumentalisten als Journalisten, die z.B. auch die Quellen prüfen und einschätzen können. So etwas kann sich keine Redaktion allein leisten.
    Die journalistische Auswahl bez. Ver- und Bewertung müssen dann die Redaktionen selber besorgen.

    Auch hier müsste man sich wieder auf Themenbereiche beschränken, die mit Aktualitätsbezug relevant sind. Beispiel: direkter Informationsaustausch im Steuerbereich; was gibt es dazu an Studien, Erfahrungsberichten, Facts & Figures, die nicht zwangsläufig aus der Info-Mühle von Banken stammen müssen…

    Man könnte sich auch einen Uebersetzungsdienst vorstellen, der punktuell via sda abrufbar ist. Lauter Dinge, mit denen man Geld verdienen kann, um den übrigen Aufwand zu finanzieren. Das würde der sda nützen – und ihren Kunden: win-win.

    Die umfassende reine Newsvermittlung hat keine Zukunft, es sei denn für ein paar wenige ganz grosse Anbieter.

  8. Thomas Läubli:

    Geradezu widerlich finde ich die selbstverliebten Troll-Comments von bugsierer, der aus einem Nicht-Pseudonym ein Pseudonym macht, weil er selber ein Pseudo ist. Aber auch aus den Statements von Fred David wird man nie richtig schlau. Zum einen sind sie meistens zu lange (und daher für den durchschnittlichen Internetnutzer völlig unbrauchbar), zum anderen kommen bei ihm keine Problemlösungen zum Ausdruck, sondern eine ideologische Manager-Attitüde von oben herab, die uns sagen will, was wichtig ist und was nicht. Das ist auch diese Attitüde, die den Qualitätszeitungen am meisten geschadet hat und die mit einem Brett vor dem Kopf am Leser vorbei entscheidet.

  9. Martin Hitz:

    Herr Läubli, wettern Sie eigentlich gegen alles und jeden?

  10. Thomas Läubli:

    Ich habe von Ihnen ja ein E-Mail erhalten, ich solle nicht so empfindlich sein. Ich nehme Sie beim Wort. Wenn Sie oder Herr Balsiger das Gefühl haben, ich dürfe mich gegen die Anwürfe gegen meine Person nicht wehren, dann habe nicht ich ein Problem, sondern Sie. Dass ich gegen alle und jeden wettere, ist nur Ihre politisch korrekte Verdrehung davon, dass alle Pseudonyme hier gegen mich wettern. Da ich einstecken kann, habe ich bislang auf rechtliche Massnahmen verzichtet. Wären Sie konsequent, würden Sie jene Aktivisten in den Senkel stellen oder deren Nicknamen den Zugang zu dieser Plattform verwehren. Wer eine genügend subtile Wahrnehmung besitzt, merkt auch, dass ich nur austeile, wenn ich persönlich angegriffen werde. Ich mache auch kein Geheimnis daraus, dass ich die heutigen Funktionäre in den Medien verachte. Das liegt daran, dass heute Juristen und Ökonomen in Ämtern sitzen, für die ihnen der Sachverstand eigentlich fehlt. Einem Künstler und Geisteswissenschaftler die Gegenwehr gegen den grassierenden Dilettantismus auszureden oder als «geistigen Amoklauf» zu taxieren, gemahnt an totalitäre Systeme. Ich werde den Grossen Bruder niemals lieben. Ich werde niemals Sympathien entwickeln zu Leuten, die mich offen verachten.

  11. christoph j. walther:

    @Büschi Hans-.Ulrich: „Die Online-Medien bzw. -Redaktionen vermögen diesen Verlust nie und nimmer zu kompensieren: Online-Journalismus gehorcht nicht denselben Spielregeln wie seriöser Nachrichtenjournalistmus.“ — Einverstanden, was die oft zu beobachtende heutige Ausrichtung des Online-Journalismus betrifft. Doch das heisst ja nicht, dass Online-Journalismus nicht auch „seriös“ sein kann. Entscheidend ist die Tatsache, dass mit den Online-Redaktionen in den Medienhäusern Einheiten entstanden sind, die ohne Deadline arbeiten. Damit sind Arbeitsweisen verbunden, die denen von Nachrichtenagenturen entsprechen. Es ist eine Frage des Managements, diese Redaktionen die im jeweiligen Medienhaus benötige Selektion und Aufarbeitung des Newsangebots so vornehmen zu lassen, wie dies Nachrichtenagenturen herkömmlich machen – nur dass eine solche in-House Lösung wesentlich günstiger wäre als die Millionenbeträge, die die Grossverlage jährlich an ihre Nachrichtenagentur überweisen.

  12. Fred David:

    Trotzallem möchte ich den sda-Faden noch etwas weiter spinnen: Mit einem konsequenten Umgbau Richtung Doku (neben der stark konzentrierten traditionellen Newsvermittlung) sowie den erwähnten Zusatzdiensten könnte auch die im Raum hängende Frage nach einer direkten staatlichen Hilfe für Printmedien gelöst werden – via sda.

    Der Staat ist behilflich bei der Anschubfinanzierung des Umbaus der sda und zieht sich dann zurück. Später muss die sda kommerziell auf eigenen Beinen stehen. Er schafft damit eine wesentliche Grundlage für die qualitative iinhaltliche Verbesserung der Medien.

    Der Anschub könnte so aussehen: Bund und Kantone machen Ringier ein attraktives Angebot, dessen Mediendatenbank smd zu kaufen. Diese wird der neuen sda als zusätzlicher Dienst eingegliedert. Das ist eine à- fonds-perdu- -Leistung des Staates.

    Ringier könnte daran interessiert sein, weil die Finanzierung des smd sehr aufwändig ist und weil immer mehr online-Medien dokumentiert werden müssen, was einen zusätzlichen grossen Aufwand bedeutet.

    Der Staat könnte daran interessiert sein, weil staatliche Institutionen von der Neufokussierung der sda unmittelbar proftieren, ohne dass der Staat inhaltlich einen Zugriff bekäme.

    Die Medien hätten eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Grundinformationsbasis, die weit über die reine Newsvermittlung hinausreichen würde.

    Die sda hätte eine solide geschäftliche Grundlage mit stark erweitertem Kundenkreis.

    Und vor allem: Die sda behielte ihre neutrale und unabhängige Position.

    Eigentlich sehe ich da nur Gewinner.

  13. christoph j. walther:

    Wer Printmedien fördern will, schafft Nachrichtenagenturen ab und fördert sie nicht mit staatlichen Mitteln. So werden die Budgets von Printredaktionen von teueren Doppelspurigkeiten entlastet (s.o.).

    Und zum Aspekt der Mediendatenbanken: Zwar startete in den 1980er Jahren die SDA als erstes Medienunternehmen in der Schweiz ein elektronisches Archiv, konnte aber die Verlage nicht zum Mitmachen gewinnen und es entstanden eigene Verlagslösungen darunter die SMD. Dies zeigt, dass Verlage immer schon eigene Lösungen vorgezogen haben, wo diese möglich waren und sind. Heute betrifft das auch die Aufgaben, wofür herkömmlicherweise Nachrichtenagenturen nötig waren.

  14. Mario Schranz:

    @christoph j. walther: Eine Bemerkung zur angeblichen Überflüssigkeit von Agenturmeldungen im Online-Zeitalter. Die Analyse des Jahrbuchs „Qualität der Medien – Schweiz Suisse Svizzera“ (Ausgabe 2011) zeigt, dass verstärkt Online Newssites Agenturmeldungen verwenden (oder leicht redaktionell bearbeiten) um Content zu generieren. Der unter Aktualitätsdruck stehende Online ist also viel stärker von Agenturmeldungen abhängig als die ressourcenmässig besser ausgestatteten Presseredaktionen. Angesichts dieser Tatsache kann man doch sehr skeptisch sein, dass gerade Online-Redaktionen in Zukunft den Job der Agenturen übernehmen können. Die Resultate sind hier nachzulesen:

    http://jahrbuch.foeg.uzh.ch/jahrbuch_2011/hauptbefunde/online/Seiten/default.aspx

  15. Fred David:

    @) Mario Schranz: Das sehe ich ähnlich. Ein Land wie die Schweiz, braucht eine dreisprachige Newsagentur, die nicht einem einzigen Unternehmen gehören darf und die gewisse öfffentliche Interessen beachten muss, was On line Newssites nur begrenzt müssen. Aber die sda muss sich fokussieren und fundamental neu ausrichten, sonst kommt sie unter die Räder. Ein Zusammenschluss mit den online-Aktivitäten der SRG wäre in meinen Augen keineswegs ausgeschlossen, auch schon wegen der Trägerschaft: der öffentlich-rechtliche Charakter macht schon einen Sinn. Das ist keineswegs altmodisch, im Gegenteil. Da hätte ich auch keine Befürchtungen wegen eines Monopols.

  16. christoph j. walther:

    @Mario Schranz: Das Jahrbuch gibt den IST-Zustand wieder, den ich auch nicht anders einschätze (s.o.). Meine Argumente zielen auf eine strategische Neuausrichtung, die jetzt zunehmend dringend wird (wie erwähnt haben Verleger in Neuseeland dies bereits erkannt und gehandelt).

    @Fred David: Welche „gewisse öfffentliche Interessen“ muss denn eine Newsagentur beachten? Ich sehe da keine journalistischen Aufgaben, die nicht auch entsprechend ausgerichtete Online-Redaktionen wahrnehmen können. Also: Schafft Nachrichtenagenturen ab und lasst tausend Online-Redaktionen blühen: So entsteht die Vielfalt, die heute oft fehlt und die gegenseitige Anregungen und Ansporn gibt.

  17. Fred David:

    @)Christoph: „gewisse öffentliche Interessen“ sind u.a. Veröffentlichungen von Gemeinden, Kantonen, Bund, Verbänden etc., Basisinformationen, um die sich keine rein kommerzielle Online-Redaktion kümmert, Pflichtstoff, wenn man so will, der in einer direkten Demokratie nun mal unerlässlich ist, oder auch Veranstaltungen von regionaler Bedeutung, Kantonsparlamente etc. Das liesse sich aber, wie oben skizziert, mit relativ geringem Aufwand systematisieren.

  18. christoph j. walther:

    @Fred David: Ich gehe davon aus, dass die erwähnten Basisinformationen heute Online veröffentlicht werden und von allen daran Interessierten abgerufen, kommentiert und weiter verbreitet werden können. Das Prinzip der Nachrichtenagenturen ist es, hier einen künstlichen Filter einzubauen, der früher allein aufgrund der markant geringeren Übertragungeschwindigkeiten (Telex) nötig war, heute aber völlig unnötig, ja kontraproduktiv (aus demokratischer Sicht) ist. Denn Einheitlichkeit führt zu Stagnation, während Netze mit vielfältigen Wechselbeziehungen Gesellschaften vorwärts bringen.

  19. FredDavid:

    @)Christof: Sie haben eine Idealvorstellung vom web, aber das ist eine andere Diskussion. Das web regelt ebensowenig wie der „freie Markt“ alles von sich aus selbsttätig.

    Unsere beiden Standpunkte unterscheiden sich im Wesentlichen in einem Punkt: a) Sie wollen gar keine Nachrichtenagentur mehr, weil diese die Medien zu viel kostet, das Geld könnten man sinnvoller einsetzen, b) ich will zumindest eine nationale Agentur, aber mit stark verändertem Fokus.

    Machen wir hier doch mal eine Abstimmung: a) oder b)? Könnte ja sein, dass dieses Thema doch noch den einen oder andern Journalisten interessiert.

  20. Balz Bruppacher:

    Zur Rolle der Nachrichtenagenturen im digitalen Zeitlater:

    http://vimeo.com/34842969

  21. Fred David:

    @) Balz Bruppacher: Danke für den Input. Zwei Passagen fielen mir auf:

    Eine Agentur müsse die Qualitäts- und Quellensicherheit garantieren und Rechercheansätze und Ideen liefern, woraus andere Medien dann einzigartige Stoffe entwickeln müssten/sollten.

    Mit dieser Definition kann ich etwas anfangen, mit dem 1:1-Abdruck von Agenturmeldungen bez. raschem Umschreiben und copy & paste auf Online-Bedürfnisse hingegen nicht.

    Zweite Passage: „Die Zahl der digitalen Quellen, auch der trüben Quellen, wird stark zunehmen und die Bedeutung von glaubwürdigem und verlässlichem Journalismus dadurch auch.“

    Quellensicherheit ist etwas Fundamentales. Das können längst nicht alle professionellen Online-Sites (auch nicht die grossen) bieten. Das kann hingegen eine unabhängige Agentur, mit transparenter und breit abgestützter Eigentümerstruktur, die nicht alle paar Jahre ändert und in deren Zuverlässigkeitskodex man Einblick hat.

  22. christoph j. walther:

    Das von Balz Bruppacher verlinkte Video ist gut! Es belegt schon fast erschreckend überdeutlich die Überflüssigkeit von Nachrichtenagenturen im 21. Jahrhundert und das aus dem Munde des Chefs der grossen dpa! Da wird einleitend bestätigt, dass „die Nachrichtenagenturen die digitale Welt waren, bevor das Internet entstanden ist“. Eben: Das was Nachrichtenagenturen bis zum Aufkommen des Internet machten, können heute alle. Da ist den Nachrichtenagenturen ganz einfach das Geschäftsmodell ab Handen gekommen. Und: Das Web und die Social Media sind „ein sehr wertvolles Korrektiv“. Eben: Auch die Kontrollfunktion findet heute im Netz statt und das breiter, tiefer und schneller. Damit kann die die erwähnte „Qualitäts- und Quellensicherheit“ wahrgenommen werden, auch betreffend die steigende „Zahl der digitalen Quellen, auch der trüben Quellen“. Wenn dann als Daseinsargument noch das Liefern von „Rechercheansätze und Ideen“ übrig bleibt, steht dies in keinem Verhältnis zu den enormen Kosten, die Nachrichtenagenturen ihren Kunden für ihre Dienste verrechnen. Zumal, und besonders im Fall der hier zur Diskussion stehenden Nachrichtenagentur, die Recherche (wenn es über das Einholen simpler Stellungnahmen geht) nicht zu deren Kernkompetenzen gehört.

  23. Pingback: Wie die sda ihren Konkurrenten an die Wand drückte | Medienspiegel.ch

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