Bevormundete Bundesrätin

Die Kommunikation zwischen Politik und Journalismus ist PR-gestört. Das zeigt sich am besten am Beispiel Bundesrat. Jeden Mittwoch, wenn ein Bundesratsmitglied vor den versammelten Bundeshausjournalisten im Konferenzraum des Bundesmedienzentrums die Bundesratsmeinung vertreten hat, steht es danach auch noch kurz für TV-Statements und individuelle Fragen zur Verfügung. Konkret heisst das: für die SRG. In allen drei Landessprachen, wenn’s geht in vier, und das für Radio und TV.

Und weil sich im Laufe der Jahre herausgestellt hat, dass es vor den Kameras der SRG meist recht gemütlich zugeht, schieben PR-Verantwortliche die Bundesräte diskret, aber doch mit Nachdruck, nach Ende der Medienkonferenz schnellstmöglich vor die im Vorzimmer akkurat aufgereihten SRG-Kameras.

Und das bedeutet dann: eine Frage hier, eine Frage da, Kamera-Wechsel, Journalisten-Wechsel, Mikrofon-Wechsel, deutsch, französisch, italienisch, einstudierte Statements, wieder deutsch, französisch, italienisch ─ und das ewig lang. Das wäre ja alles kein Problem, die Sprachenvielfalt ist hoch geschätzt, und die TV-Kollegen sind es auch. Das Problem ist: Schickt man sich dann als schreibender Journalist gegen Ende des gut zwanzigminütigen Rituals zwischen Bundesrat und SRG-Senderketten an, auch noch eine Frage zu platzieren, stellen sich einem PR-Verantwortliche diskret, aber doch entschieden in den Weg und hüsteln: «Was wollten Sie?»

Um die Schilderung des darauffolgenden Dialogs abzukürzen: Die Antwort lautet meistens «Nein», «leider keine Zeit», «Sie hätten ihre Frage an der Konferenz stellen können», «dazu sagen wir nichts», «rufen Sie die Kommunikationsstelle an».

Eine PR-Verantwortliche fiel einst sogar einer Bundesrätin ins Wort, die zu einer Antwort auf eine bereits gestellte Frage angesetzt hatte, und raunzte den Journalisten an: «Der Bundesratssprecher hat entschieden, dass schreibenden Journalisten nach Medienkonferenzen keine Auskunft mehr gegeben wird». Das stellte sich später dann zwar als bedauerlicher Irrtum heraus. Die Antwort der Bundesrätin blieb trotzdem aus.

An dieser PR-gestörten Kommunikation sind wir Journalisten natürlich nicht ganz unschuldig. Nicht selten sind in der Vergangenheit Statements von Bundesräten am Rande von Medienkonferenzen oder Veranstaltungen aus dem Zusammenhang gerissen und zu hübschen Schlagzeilen verarbeitet worden. Und dass gerade Journalisten von Sonntagszeitungen nicht gerne Fragen im Plenum stellen, weil sie im Primeurfieber nicht die ganze Journaille mit Fragen und Antworten zu laufenden Recherchen bedienen wollen, ist auch mehr dem ökonomischen Wettbewerb als dem guten Journalismus geschuldet. Dennoch müsste man ja mal miteinander reden können. Es könnte ja sein, dass man sich auch mal was zu sagen hat.

Das Gegenteil passiert: Es werden PR-Mauern hochgezogen. Wie kürzlich wieder, es ist noch gar nicht lange her, am Rande der Aufzeichnung einer wöchentlichen Polit-Talkshow bei einem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. Thema: Geldgeschäfte des Nationalbankpräsidenten. Zu Gast war die Bundesrätin mit der resoluten PR-Verantwortlichen. Die Bundesrätin, frisch gepudert, wartet auf den Beginn der Aufzeichnung. «Frau Bundesrätin, dürfte ich Ihnen kurz ein, zwei Fragen stellen?» Die PR-Verantwortliche: «Was wollten Sie?»

Noch bevor die Bundesrätin auch nur einen Pieps von sich geben konnte, schob sich die PR-Verantwortliche vor die Bundesrätin, um mit Nachdruck festzuhalten, dass die Chefin von Journalisten nicht direkt angesprochen werden dürfe, weil sie nicht Nein sagen könne, wenn sie um die Beantwortung einer Frage gebeten werde. Und dafür, dass die Bundesrätin Nein sage, sagte die PR-Verantwortliche, sei sie zuständig. Ihr Zuständigkeitsempfinden ging dann gar soweit, dass sie zu einer anwesenden TV-Redaktorin sagte, sie müsse kurz auf die Toilette, ob die Redaktorin nicht darauf achten könne, dass kein Journalist die Bundesrätin anspreche. Ein Hauch von Nordkorea umwehte die Szenerie, als die Redaktorin zur Antwort gab: «Ja, das mach ich». Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Natürlich, an dieser PR-gestörten Kommunikation sind wir Journalisten nicht ganz unschuldig. Es wären nämlich keine angenehmen Fragen gewesen an die Bundesrätin, wollte man doch zum Beispiel wissen, wie es dazu komme, dass sie als ehemaliges Mitglied des Bankrats, der für die Reglementierung der Geldgeschäfte des Nationalbankpräsidenten zuständig war und ist, jetzt wortreich das lasche Reglement für die Geldgeschäfte des Nationalbankpräsidenten geissle. Die Bundesrätin hätte darauf sogar gute Antworten geben können, z.B. dass sich die Zeiten geändert hätten, dass heute nicht mehr opportun sei, was noch vor ein paar Jahren opportun geschienen hätte, dass es heute eben strengere Regeln brauche. Magistrale Worte, ganz ohne in die Defensive zu geraten. Aber: «Nein», «Dazu sagen wir nichts», «Lassen Sie uns mal Kaffee trinken gehen».

Nach der Aufzeichnung der Polit-Talkshow gab es weitere Versuche, mit der Bundesrätin ins Gespräch zu kommen. Sie schien nicht abgeneigt zu sein, auf die Fragen des Journalisten einzugehen. Aber jedesmal schob sich die PR-Verantwortliche dazwischen. Es war ein Trauerspiel. Eine gewählte Politikerin, der Bevölkerung verpflichtet, und ein Journalist, der Öffentlichkeit verpflichtet, können kein Wort miteinander wechseln, weil eine PR-Verantwortliche ohne jede demokratisch legitimierte Rolle und nur der Imagepflege verpflichtet, sie erfolgreich daran hindert. Eine bevormundete Bundesrätin, PR-gesteuert, mundtot. Ob es ihr hilft? Der besseren Verständigung zwischen Politik und Gesellschaft ist es jedenfalls nicht dienlich.

Kann diese PR-gestörte Kommunikation zwischen gewählten Politikern und fragenden Journalisten ein dauerhafter Zustand sein in einem funktionierenden, direkt-demokratischen Land? Wollen wir das?

So die PR-Verantwortliche es will, wird man der Bundesrätin leider auch diese Frage nie stellen können.

Christof Moser ist Bundeshauskorrespondent und Medienkritiker der Zeitung «Der Sonntag» und Redaktionsleitungsmitglied der unabhängigen Informationsplattform «Infosperber».

von Christof Moser | Kategorie: Mediensatz

37 Bemerkungen zu «Bevormundete Bundesrätin»

  1. Iwan Städler:

    Lieber Christof
    Dagegen hilft nur eines: Jedesmal offenlegen, nicht nur im Medienspiegel.
    Gruss, Iwan

  2. sehr ernüchternder insight. danke. (ig dänke mer mi sach).

  3. Christof Moser:

    Lieber Iwan

    Das ist durchaus in die damalige Berichterstattung eingeflossen:

    http://www.sonntagonline.ch/ressort/aktuell/2067/

    Lieber Gruss

  4. christoph j. walther:

    Mit solchen Situationen ist journalistisch umzugehen und sie transparent zu machen: „Bundesrätin xy wies am Donnerstag Nachmittag Fragen von ab betreffend z zurück.“ Geschieht die abweisende Reaktion der PR-Fachkraft im Beisein der Bundesrätin, kann davon ausgegangen werden, dieses Vorgehen decke sich mit deren Absicht, ansonsten diese ein Führungsproblem hat. (Natürlich eignet sich ein solches Offenlegen nur für eklatante Fälle, wie sie hier geschildert worden sind und nicht für Fragen, auf die aufgrund nachvollziehbarer Umstände nicht sofort hat eingegangen werden könnnen.) — Das beschriebene Vorgehen der PR-Verantwortlichen ist ja nur möglich, weil deren demokratiefeindliches Verhalten eben nicht öffentlich dokumentiert wird. Wäre dies anders, würden sich auch bald die PR-Leute anders verhalten.

  5. Joël Widmer:

    Will man einem Bundesrat nach den unzähligen Statements für die elektronischen Medien als Print-Journalist nach der Mittwochs-Medienkonferenz beim Hinausgehen eine Frage stellen und steigt mit ihm und seiner PR-Verantwortlichen in den Lift, wird man als freundlich fragender Journalist schon mal angeschnauzt: „Schleichen Sie uns nicht nach, Herr Widmer!“ In solchen Momenten wird es aber zum Glück auch dem Bundesrat etwas unwohl.

  6. Dieser Personen zentrierte Journalismus findet dank Einsatz solcher PR-Firewalls hoffentlich nun bald ein Ende. Was doch gewollt ist bei dieser Art der Berichterstattung ist der bundesrätliche Faux-pas. Dieser gibt die fette Schlagzeile.
    Man könnte der verlautbarten Bundesratsmeinung statt Skandälchen und Herabsetzungen faktenbasierte und über die Zeit laufende Geschichten gegenüberstellen. Man könnte einfach soliden und qualitativen Journalismus betreiben. Wenn wir schlussendlich noch sechs gut gemachte Qualitätszeitungen haben, ist das doch besser als dieser hysterische Celebrity-Journalismus der vergangen Jahre, der von einem Blatt vom anderen abgeschrieben wird.

  7. Daniel Foppa:

    Na dann betreiben Sie mal faktenbasierten Journalismus, wenn Sie dank des „PR-Firewalls“ (ein entlarvend zutreffendes Wort) an keine verwertbaren Aussagen eines Bundesrats mehr kommen. Bisweilen braucht man zusätzlich zur Recherche die Stellungnahme des zuständigen Departementsvorstehers. Die PR-Armada des Bundes missachtet jedoch zunehmend den gesetzlich vorgeschriebenen Auftrag, die Öffentlichkeit transparent zu informieren. Hier geht es nicht um Journalistengejammer, sondern um eine staatspolitisch bedenkliche Entwicklung.

  8. Markus Schär:

    Es ist noch nicht lange her, dass in der Redaktion eines (zumindest im Selbstverständnis) massgeblichen Blattes Panik ausbrach. Ein Redaktor in der Zentrale hatte wenig ahnend in einem mässig politischen Gefäss eine bekannte Bundespolitikerin porträtiert, und dies wenige Wochen vor einer umstrittenen Majorzwahl. Die Bundeshaus-Redaktion lief deshalb Sturm: Der Konkurrent und die Konkurrentin müssten ebenfalls im gleichen Rahmen porträtiert werden (was nicht einmal SRG-Medien mit ihrer Pflicht zur Ausgewogenheit machen). Denn vor allem bei der Konkurrentin, die zum Führungspersonal ihrer Partei gehört, handle es sich um eine wichtige Informantin.

    Die Klage über die PR-gestörte Kommunikation zwischen Politik und Journalismus mag ja berechtigt und dringend nötig sein, lieber Christof. Aber die Schuld an diesem untragbaren Zustand tragen zu mindestens gleichen Teilen wie die Politiker die Journalisten. Seit zwanzig Jahren lassen sich vor allem die Sonntagszeitungen um des Primeurs willen als Sprachrohre einspannen, also korrumpieren. Dies seit geraumer Zeit auch von (ausgewählten) Bundesräten – inzwischen sind die Bundesrats-Interviews zur Commodity geworden, also zum Massengut ohne Wert. Ich habe schon ewig keines mehr gelesen und nichts verpasst. Solche Verlautbarungen dienen nur noch für Positionsbezüge in Bundesbern, mich als Bürger gehen sie nichts an. EU-Botschafter Michael Reiterer pflegte sich darüber zu mokieren, dass die Bundesräte nur noch über die Sonntagszeitungen miteinander kommunizierten.

    Ein Kollege bewies ein Vierteljahrhundert lang, wie man in Bundesbern „faktenbasierten Journalismus“ betreibt: indem man Integrität und Distanz wahrt. Er deckte in dieser Zeit – halt ohne Bundesratszitate, wenn er keine bekam – mehr Skandale auf als alle Kollegen zusammen. Jetzt will er angeblich aufhören: Stellt UPE unter Artenschutz!

  9. Fred David:

    @) Christof: Mit „Quötli hier Quötli da“ kann ich ehrlich gesagt auch nichts anfangen. Ich weiss schon, womit das auch zu tun hat. Da kommandiert der wachehabende „Blattmacher“ (das sind jene Redaktionsfeldweibel, die den Innendienst beherrschen, jedoch kaum je den vollklimatisierten Newsraum verlassen, es sein denn, auf ein Cüppli): „Zu der und der Story brauchen wir aber noch dringend ein knackiges Zitat, exklusiv, capito?“ Und dann muss der gebeutelte Bundeshausredaktor halt spurten, besonders wenn er für eine Sonntagszeitung arbeitet. Es geht um seinen Ruf. Ich weiss, ich weiss, der Job ist hart.

    Es sind dann aber selten jene Stories, die mich als Leser interessieren. Beispiel: Heute erzählt mir das Kürzel C.W. meines Leibblatts mit den 3 Buchstaben (die beiden hinteren stehen am Ende des Alphabets), im Bundesamt für Migration gehe es noch immer drunter und drüber: Braindrain beim Führunsgpersonal. Das ist an sich interessant in einer Zeit, wo es wieder normal scheint, dass hierzulande völlig selbstverständlich über „Ausschaffungslager mit Stacheldraht“ öffentlich diskutiert wird – und niemand fragt: Hallo, was läuft denn hier für ein Film? Davon steht nix im Text. Geschenkt. Am Ende des Artikels ist hingegen beiläufig vom Leiter der Abt. Migrationspolitik die Rede, der nach 33 Jahren in Pension geht.

    Dieser Mann weiss mehr über Migrationsthemen als sämtliche Bundesräte, Staatssekretäre und Generaldirektoren zusammen.

    Dieser Mann – und kaum eine gestresste Bundesrätin im Lift – muss eine journalistische Fundgrube sein. Werde ich je etwas über ihn lesen, ich meine jetzt nicht irgendein 0815-Interviüli? Da würde keine Superexklusiventhülle draus werden – nur womöglich eine hintergründig gut geschriebene Story, die ich lesen und dafür sogar Geld zahlen würde. Nur mal so als Beispiel.

    Dafür können mir sämtliche Bundesratsquotes von mindestens drei Sonntagen gestohlen bleiben.

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  11. Martin Hitz:

    Der Stadler Rainer hat vor gut zwei Monaten übrigens auch etwas zu diesem Thema gemacht: Zweite Reihe für die Tagespresse

  12. christoph j. walther:

    Das Thema und die Diskussion ist gut: Denn es ist absehbar (oder mindestens denkbar), dass künftig (und nicht nur im Bundeshaus) anstatt der MKs nebst den Communiquées auch Video-Statements der Protagonisten verteilt werden (später dann nur noch die Videos…). Die sind natürlich aus PR-Sicht voll optimiert und bedienen den News-Zyklus der Medien. Inhaltlich kommt das gleiche raus wie heute, aber es können auf beiden Seiten Ressourcen geschont werden. (Damit wird auch der wirtschaftlichen Situation der News-Medien entsprochen.) Wer im Erklär- und Hintergrund-Zyklus arbeitet, wird – ganz klassisch — solche Verlautbarungen zur Kenntnis und als Ausgangspunkt für eigene Recherchen nehmen.

  13. Christof Moser:

    @Fred David: Von Quötli hier, Quötli da hat niemand geredet. Gewählte Politiker (dazu gehören Bundesräte) müssen öffentlich Rechenschaft über ihr Tun und Lassen abgeben – ohne PR-Filter. Darum gehts. Wie @Daniel Foppa sagt: Wir reden hier von einer staatspolitisch bedenklichen Entwicklung. @Markus Schär: Dass die ökonomisch gestreamten Journalisten für diese Entwicklung eine Mitverantwortung tragen, kommt glaube ich im Text ausreichend zur Sprache.

  14. Fred David:

    @) Christof, doch, doch von „Quötli hier, Quötli da“ habe ich geredet. An den von dir geschilderten Situationen kann ich nicht erkennen, wie Bundesräte da „Rechenschaft über ihr Tun und Lassen“ (ein wahrlich grosses Wort) abgeben sollen. Würde ich an deren Stelle so auch nicht tun.

    Wie wärs denn, sie in Medienkonferenzen schärfer in die Zange zu nehmen, nachzuhaken? Und wenn der PR-Verantwortliche abblocken will, und das will er garantiert, muss halt der nächste Frager , die nächste Fragerin an der gleichen Stelle nachbohren. Und noch und nochmal. Etwas mehr koordiniertes Teamwork in solchen Situationen könnte für alle nützlich sein. Und dann guckt der PR-Mensch üblicherweise streng auf die Uhr und sagt: „Noch zwei Fragen, der Bundesrat hat einen weiteren Termin, ich bitte Sie um Verständnis.“ Dann hat man eben dann kein Verständnis und sagt: So viel Zeit muss aber sein, das Thema ist wichtig usw.

    Es gibt ja auch einen Verein der Bundeshausjournalisten. Der sollte sich die Hausregeln von PR-Menschen nicht zu bereitwillig vorschreiben lassen.

    Die Journalisten können bei besonderen Themen ja auch mal den Spiess umdrehen. Sie lassen sich nicht einladen, sondern sie laden selber ein, und zwar mit etwas Nachdruck – wenn ein Gast nicht kommt: der andere kommt dann schon. Wer nicht kommt, ist selber schuld.

    Es liegt auch an den Journalisten, langweilige Medienkonferenzen ergiebiger und weniger fromm zu machen. Wenn ich den ehemaligen Regierungssprecher Oswald Sigg richtig im Ohr habe, sagte der nach seinem Rücktritt sinngemäss, er wundere sich manchmal über die Bravheit vieler Journalisten in Bern: Sie drucken, was wir ihnen geben (Anwesende, wie immer, ausgenommen).

    In besonders hartnäckigen Fällen könnte man ja auch mal einen Frontaufmacher schreiben: Herr Bundesrat X, warum weichen Sie dieser Frage aus? Wir haben Sie auf verschiedenen Wegen um eine Antwort gebeten. Warum bloss weichen Sie aus? – Für unangenehme Dinge dieser Art gibts ja auch Chefredaktoren. Die werden für sowas besser bezahlt, und nicht , um auf Empfängen jeder Art grossartig Smalltalk zu machen.

    Etwas mehr Pfeffer kann nicht schaden. Ich habe übrigens gute Erfahrungen mit Hintergrundgesprächen gemacht, wo zwar keine knackigen News und Quotes rauskommen, wo man aber zwischen den Zeilen oft mehr mitbekommt als aus jedem Communiqué. Es ist ein Abwägen, wie weit man sich drauf einlässt. Zu viel Nähe ist im Journalismus nie gut. Nie.

  15. Thomas Läubli:

    Ich finde es völlig legitim, wenn Politiker, Sportler oder Kulturschaffende Medien, denen sie nicht mehr vertrauen können, abspeisen. Wenn bei jedem Artikel in einer Zeitung die Worte verdreht werden, um mich blosszustellen, dann gehe ich eben dieser Journaille aus dem Weg. Das ist meine Freiheit und mein gutes Recht. Vertrauen ist ein Spiel, das auf Gegenseitigkeit beruht – das gilt für Verträge, Geschäfte, Aussenpolitik und Erziehung ebenso wie für Interviews.

  16. Skepdicker:

    @ Thomas Läubli: Natürlich dürfen Nationalräte, Sportler oder Kulturschaffende ihnen nicht genehme Medien abspeisen, Fragen ignorieren oder gar Zeitungen als Toilettenartikel benutzen. Das (berechtigte) Lamento der hier versammelten Journalisten bezieht sich jedoch auf den Bundesrat. Hier liegt der Fall anders: Die Exekutive ist in einer Demokratie der Öffentlichkeit Rechenschaft über die staatlichen Belange schuldig. Wenn durch die Instrumentalisierung der Hofberichterstattungskanäle und die Arbeit der PR-Menschen kritische Berichterstattung massiv erschwert wird, ist dies ein reales Problem.
    Die Journalisten sollten von der WoZ bis zur „Weltwoche“ in dieser Frage zusammenspannen. Selbst wenn man die Meinung eines Kollegen nicht teilt: Ein Journalist sollte sich stets mit anderen Journalisten, die von den Staatsdienern geschnitten werden, solidarisieren. Werden bei Pressekonferenzen kritische Journalisten konsequent „übersehen“, könnten die Medien im Gegenzug „vergessen“, den offiziellen Verlautbarungen in ihrem Medium Platz einzuräumen.

  17. B. Kant:

    Thomas Läubli setzt – wie gewohnt – den Tiefpunkt im Kommentarstrang, während David, Schär und Skepdicker – wie gewohnt – die Highlights sind.

    @ Läubli:
    1. Niemand, aber wirklich gar niemand, möchte Sie zu irgend etwas interviewen. Sie brauchen also nicht in der Ich-Form zu reden.
    2. Sie sollen nicht ständig von sich auf andere schliessen, das führt eben zu jenem verzerrten Weltbild, wie Sie eins haben.
    3. Ihre Sichtweise ist dumm, da total undifferenziert. Siehe Ihr Satz: «bei JEDEM Artikel in einer Zeitung».

    Und 4. «Die Journaille» ???
    Exakt dieselbe Ausdrucksweise benutzte Propagandaminister Goebbels. «Als Dr. Goebbels seine Gegner von der Asphaltpresse treffen wollte, da schleuderte er ihnen die vernichtende Bezeichnung ‚Journaille‘ entgegen». (siehe «Vokabular des Nationalsozialismus», S. 327)

    Hitler nannte in «Mein Kampf» Kurt Elsner eine «Zeitungsjournaille».

    Sie befinden sich mit Ihrem Hass auf Journalisten also in ehrenwerter Gesellschaft. Denn mit sachlicher Kritik oder auch nur schon humorvoller Polemik haben Ihre Hasstiraden gegen «die Journaille», Herr Läubli, längst nichts mehr zu tun.

  18. Martin Hitz:

    Nur damit wir uns wieder dem ursprünglichen Thema zuwenden können: „Bekannt gemacht wurde der Ausdruck [Journaille] von Karl Kraus […]“, sagt Wikipedia.

  19. B. Kant:

    Es ist mir durchaus bekannt, dass Karl Kraus diesen Begriff verwendet hat, Herr Hitz.

    Aber Sie gehen doch sicher mit mir einig, dass der Ausdruck mittlerweile, ich meine so nach Hitler, Goebbels, dem Nationalsozialismus und so, ein Geschmäckle bekommen hat. Oder? Zumal er auch gerne weiterhin von Rechtsextremen verwendet wird, wie man erfahren kann, wenn man sich mal zu Recherchezwecken auf Neonazi-Seite rumtreibt. «Die Journaille» ist in diesen Kreisen ein Codewort für «jüdische Lügenpresse».

    Und wie bereits erwähnt ist dem Begriff «Journaille» ein eigenes Kapitel im lexikon-artigen Buch «Vokabular des Nationalsozialismus» gewidmet. Ist das nicht Grund genug, das Wort mal vorerst auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen?

    So wie der Ausdruck «Jedem das Seine». Der stammt zwar von Cicero, aber nachdem dieser Slogan über den Eingang vom KZ Buchenwald platziert wurde, hat er eine andere Konnotation bekommen.

    Wer solche Begriffe heute noch benutzt, ist entweder ungebildet, unsensibel oder ein dummes Astloch.

    Und ich finde es auch nicht zu dulden, dass Journalisten, die Bundesräte legitime Fragen stellen wollen, als «Journaille» bezeichnet werden, die «in jedem Artikel die Worte verdrehen».

  20. Martin Hitz:

    Liebe Frau Kant,

    mit meiner Bemerkung wollte ich eigentlich nur den drohenden Schlagabtausch abwenden. Im Übrigen bin ich zeitgeschichtlich zu wenig bewandert, um zum Begriff „Journaille“ eine Meinung abzugeben.

  21. Thomas Läubli:

    [i]Thomas Läubli setzt – wie gewohnt – den Tiefpunkt im Kommentarstrang, während David, Schär und Skepdicker – wie gewohnt – die Highlights sind.[/i]
    Es ist immer wieder interessant, wie man jemandes Meinung als „tief“ und „ungebildet“ brandmarken kann und dennoch ellenlange Kommentare dazu schreibt. Dazu will ich eigentlich nur noch ergänzen, dass ich im Tages-Anzeiger kürzlich wieder einen Artikel von Jean-Martin Büttner lesen konnte, der eine(n) PolitikerIn – ich entsinne mich nicht mehr, wer es war – mit psychologisierenden Attributen eindeckte und so krampfhaft versuchte, die betreffende Person mit Fehlern und Neurosen einzudecken. Ich glaube nicht, dass es die Aufgabe der Journalisten ist, interviewte Personen als Charakterschwein hinzustellen. Darum nochmals: Ich verstehe, wenn Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens solchen Schreiberlingen aus dem Weg gehen…

  22. Ich teile die Kritik von Christof Moser weitgehend. Vor allem, dass an jeder MK im Dunstkreis des Bundeshauses (nicht nur bei Bundesrats-MKs) zuerst die (leider häufig unkritischen) SRG-Journalisten drankommen und zwar ausführlich und in jeder Sprache und für die Printjournalisten bleibt dann kaum mehr Zeit.

    Allerdings muss ich Fred David schon auch recht geben. Ich staune des Öfteren, wie brav und ruhig die Printjournalisen während MKs dasitzen. Haben Sie wirklich keine kritischen Fragen? Sind alle nur auf ihr „Exklusiv“-Quote aus? Kein Wunder kommen 5 von 6 Artikeln PR- und verwaltungslastig raus. Es ist halt auch schwierig, kritische Fragen zu stellen, wenn man 5 Min. vor MK-Beginn reinschneit und sich dann das erste Mal so richtig mit dem Thema befasst, obwohl entsprechende Unterlagen und Hintergrundinfos da wären. Das mag einerseits mit ökonomischem Druck zu tun haben, andererseits aber auch mit mangelnden Berufsverständnis der Journalisten.

    Man muss sich nur mal deutsche Pressekonferenzen anschauen, um zu sehen, wie es anders ginge. Dort wird auch nicht einfach akzeptiert, wenn ein Amtsträger zu einer wichtigen Frage nichts sagen will. Und wenn einer abgeklemmt wird, hakt ein anderer nach. Da halten die Journalisten teilweise wirklich zu wenig zusammen.

    Spätestens hier kommt aber auch die Sonntagspresse ins Spiel, lieber Christof (wie du ja selber antönst). Denn in eurer Jagd nach so genannter „Exklusivität“ versteht ihr Sonntagsjournalisten andere Journalisten primär als Konkurrenten. Dass eine gute Story sich auch einfach dadurch auszeichenen könnte, dass gut recherchiert wurde – oder ein anderer Blickpunkt, eine aussergewöhnliche Quelle, ein vernachlässigtes Thema gewählt wurde – kommt leider häufig zu kurz. Viel lieber hat man „exklusive“ Häppchen, aus denen man eine skandalträchtige Schlagzeile machen kann. Das ist weniger eine Kritik an dir persönlich, als eine an die vorherrschende Redaktionslogik der meisten Sonntags- und leider zunehmend auch vieler Tageszeitungen.

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  24. Fred David:

    @) Jan Flückiger, ich denke , Sie haben Recht: Die „Blattmacher“ (das müssten eigentlich die Chefredaktoren oder deren Stellvertreter sein, wenn die nicht gerade auf einer ihrer Dutzenden und Dutzenden von Sitzungen den Hintern breitsitzen) haben in den Redaktionen eine zu grosse Macht.

    Wie die Welt später im Blatt oder online auszusehen hat, entscheiden die „Blattmacher“ (die auch Newsroomchefs, Deskchefs oder Chefproduzenten heissen, Hauptsache Chef) von ihren ergonomisch bequem geformten Drehsesseln aus und zunehmend in diktatorischer Autonomie.

    Sie sitzen auf dem Hintern, aber auch auf dem Zentralwissen der Abläufe und Inhalte, ein Ueberblick, der den mit tausend andern Dingen beschäftigten Chefredaktoren häufig fehlt, was ihre Position schwächt. Die „Blattmacher“ sind meistens emsige Menschen, und sie machen sich durch ihren Fleiss unentbehrlich.

    Mit den Neswrooms hat sich ihr Einfluss und damit die synthetische Form des Journalismus noch verschärft, und im Ergebnis wirkt halt vieles „uniform“.

    PR-Menschen (auch in Bern) kennen diese Mechanismen und nutzen sie aus.

    Vielleicht sollten Redaktionen – insbesondere von Sonntagszeitungen – mehr über die interne Organisation nachdenken, und bei Bedarf, auch mal dagegen rebellieren: damit die Individualität der Journalisten wieder stärker spürbar, deren individueller Biss, ihre Originalität, ihr Sachverstand, ihr eigener Stil und gelegentlich sogar ihre eigene Meinung erkennbar wird. Von den vom Drehstuhl aus „organisierten“ Geschichten“ hat man nämlich als Leser irgendwie genug.

    Ich entschuldige mich vorab bei allen fleissigen „Blattmachern“ dieses Landes. Aber ich mein’s wirklich Ernst. Sie dürfen sich ja auch gern hier mit aller Macht zur Wehr setzen.

  25. B. Kant:

    @ Thomas Läubli: Ihr Vokabular in Bezug auf Journalisten ist allerunterste Schublade. In welcher Gosse verkehren Sie eigentlich, wo Sie solche Ausdrücke und Sichtweisen auflesen?

    Die Neonazi-Portale Altermedia und Thiazi bezeichnen Journalisten auch durchs Band als «Schreiberlinge». Goebbels hat es ihnen vorgemacht. Der Präsident der Reichsschrifttumkammer nannte Medien «Journaille» (von Canaille) und die Journalisten nur Schreiberlinge.

    «Was kümmern uns die armseligen Schreiberlinge in den Warschauer Redaktionsstuben! Sie sind ja nur die Werkzeuge der Pariser und Londoner Politik. Dort sitzt die Zentrale der Reichsfeindschaft.» Rede Joseph Goebbels vom 20. Mai 1939

    «Das Gesetz der Freiheit der Meinung aber darf auch in neutralen Staaten nicht dazu mißbraucht werden, kriegführende Großmächte bewußt und systematisch zu insultieren; denn es könnte eines Tages der Augenblick eintreten, in dem das den Großmächten zu dumm wird und sie zu entsprechenden Gegenmaßnahmen schreiten. Wir jedenfalls haben keine Lust, uns auf die Dauer von armseligen Schreiberlingen, die nicht wissen, was sie tun, anpöbeln zu lassen.» Rede Joseph Goebbels vom 28. Februar 1940

    Journalisten, die Politikern legitime Fragen stellen, als Schreiberlinge und Journaille zu bezeichnen ist keine Meinung, sondern einfach nur unsäglich primitiv.

  26. heresy:

    @B. Kant:

    Godwins law!

  27. Godwin II:

    „Godwin’s law (englisch für „Godwins Gesetz“) ist ein Begriff aus der Internetkultur, der von dem Rechtsanwalt und Sachbuchautor Mike Godwin 1990 geprägt wurde. Es besagt, dass im Verlaufe langer Diskussionen, beispielsweise in Usenet-Newsgroups, irgendwann jemand einen Nazi-Vergleich einbringt. Ähnlich wie Murphys Gesetz enthält es eine sarkastische oder auch ironische Dimension.“ (Quelle: Wikipedia)

  28. Jeeves:

    „PR-Verantwortliche“
    Achwas. Heißt das nicht mehr Reklamefuzzi? resp. ReklamefuzziIn.
    Oder ist die Schweiz da so ganz anders? Glaub ich nicht.

  29. Jeeves:

    A propos „Journaille“ (K.K. hat’s übrigens von Gustav Freytag).
    Vielleicht ist dann – wg. Nazis – „Johurnaille“ besser?

  30. Godwin III:

    „Der Ausdruck Journaille ist ein (französierend gebildetes) deutsches Wort für verantwortungslose, sensationshungrige, unlautere, im Einzelfall auch demagogische Medien. Das Wort wird mit gleicher Bedeutung auch für die in dieser Art und Weise tätigen Journalisten verwendet.

    Es handelt sich um eine Wortneubildung vom Anfang des 20. Jahrhunderts in Anlehnung an das Wort Kanaille. Es bedeutet so viel wie Presse-Gesindel, Presse-Pack. Bekannt gemacht wurde der Ausdruck von Karl Kraus (1874-1936), der die Erfindung Alfred von Berger (1853-1912) zuschrieb.

    Kanaille [kaˈnaljə] (frz.; auch Canaille) ist ein Schimpfwort und bedeutet so viel wie gemeiner Kerl oder Schurke. Es wurde im 17. Jahrhundert aus dem Französischen (canaille) ins Deutsche übernommen. Es stammt vom lateinischen caniculus, einer Verkleinerungsform zu canis (Hund) ab.“ (Quelle: Wikipedia)

    Nicht erheiternd, aber wohl korrekt.

  31. B. Kant:

    @ heresy, Goodwin 2-3:
    Ohje, ein paar Klugscheisser, die glauben, es gäbe noch Leute, die Godwin’s Gesetz nicht kennen und es für nötig halten, Wiki zu zitieren. Ja, und jetzt? Soll Euer grosses Idol Thomas Läubli deshalb einfach weiterhin seine Unflätigkeiten verbreiten können, in der gleichen Wortwahl wie auf Naziportalen, ohne dass ihm jemand Einhalt gebieten darf?

    Und haben Sie auch noch etwas Substanzielles zu sagen? Der Wiki-Aritkel über die Journaille wurde nämlich schon vorgestern verlinkt. Aber vielleicht sollten Sie Ihre Informationen auch noch aus zusätzlichen Quellen beziehen. Beispielsweise aus Büchern zum Thema «Sprache des Nationalsozialismus».
    Und wie ich bereits gestern gesagt habe, erachte ich den Ausdruck, nach dem er vom Nationalsozialismus instrumentalisiert wurde und von Neonazis verwendet wird, nicht für angemessen. Aber Sie gehören wahrscheinlich auch zu den Leuten, die noch sagen «Jedem das Seine».

  32. dass hier wiedermal viele schurnis ihren zynismus an sich selbst auslassen und am thema vorbeikalauern und dabei auch noch mit aufgeblasenen spntanpseudonymen auftreten, lässt mich an eurer branche einmal mehr ernsthaft zweifeln.

  33. Christof Moser hat hier einen wertvollen Stoff aufgearbeitet, bis zur Hälfte ist der Thread so, wie ihn sich viele Bloggerinnen und Blogger wünschen: komplementär, kritisch, aber immer fair. Dann franst er zunehmend aus, schade.

    Ich wünsche Ihnen, lieber Martin Hitz, etwas mehr Mut: Löschen Sie Kommentare, die nichts zum Thema beitragen oder schlicht despektierlich sind. Das machte Ihren medienspiegel, der von vielen Leuten geschätzt wird, noch besser.

  34. Martin Hitz:

    Wenn das mit dem Löschen so einfach wäre, lieber Herr Balsiger (und ich meine nicht technisch)!

  35. Thomas Läubli:

    Ich lasse mich weder von SVP-Anhängern (B. Kant) noch von Libertären (Skepdicker) belehren, was despektierlich sein soll. Da der Gebrauch von Wörtern wie „Gutmensch“ salonfähig geworden ist, muss ich mich auch nicht in Diskussionen verwickeln lassen, ob Karl Kraus ein verkappter Nazi ist und welche Begriffe man nicht mehr gebrauchen darf, weil Richard Wagner sie nie verwendet hat, Emile Zola aber schon. Das ist hier nur ein Trick, um die Aufmerksamkeit von den Unflätigkeiten und Unsitten gewisser Journalisten, die mit dem Weltwochen-Stil fast überall Einzug gehalten haben, auf eine unwesentliche Ebene abzulenken.

  36. Ninon:

    Thomas Läubli nervt. Sobald ein Kommentar von ihm kommt, weiss man, dass der spannende und lehrreiche Teil der Diskussion vorbei ist. Man kann nur beten, dass er nicht gleich als erstes kommentiert.
    Dass er immer herumgoebbelt ist mir übrigens nicht erst seit heute aufgefallen, als ich Kants Anmerkungen las, die ich voll unterschreibe.
    Läubli bezeichnet Kant, der/die just seine Nazi-Sprache anprangerte als SVP-AnhängerIn. Libertär sein (also selbstbestimmt und herrschaftsfrei) ist für Läubli eine Beleidigung, die er herzhaft Skepdicker entgegen schleudert. Und Christof Moser soll jetzt plötzlich unflätig und unsittlich im Weltwoche-Stil schreiben, weshalb ihm die Bundesräte zurecht die Antworten auf seine Fragen verweigerten.

    Immerhin bestätigt Läubli mit seinen geistigen Amokläufen, dass Kritik an den Regierenden im Staat von der Leserschaft kaum erwünscht ist.

    Denn die Leserschaft steht hinter ihrer Regierung. Und Journalisten, die Bundesräten kritische Fragen stellen wollen, gelten als unflätig. Die Journaille mit ihren Schreiberlingen haben gefälligst Hofberichterstattung zu schreiben. Das gefällt den Regierenden und wenn es den Regierenden gefällt sind auch die Läublis dieser Welt glücklich.

  37. Thomas Läubli:

    Es spielt keine Rolle, welche psychologischen Zuschreibungen Sie mir jetzt wieder anhängen. Nicht ich nerve, sondern diejenigen, die vom Inhalt ablenken – also auch Sie. Genau das, was mir vorgeworfen wird, machen Sie und Konsorten die ganze Zeit: ellenlange Kommentare darüber, was ich angeblich für eine seltsame Person sei. Schon der Begriff «geistiger Amoklauf» gibt Zeugnis einer antiliberalen Geisteshaltung, die eigentlich noch am ehesten zu den Pathologisierungen Andersdenkender in faschistischen Regimes passt. Solches sagt m.E. mehr über den Diskussionsstil im Internet generell aus. Das ist mithin ein Grund, warum ich von den Neuen Medien wenig halte. Auch Kommentarforen von Online-Zeitungen sind letztlich bloss Arenen des Narzissmus, um Macht über andere auszuüben und fertigzumachen – von wegen zwangloser Zwang des besseren Arguments. Dieser Stil ist leider auch bei gewissen Journalisten salonfähig geworden, nicht mehr nur im «Blick» oder der «Weltwoche».

    Ferner habe ich SVP-Anhänger und Libertäre nicht deshalb kritisiert, weil sie ihre Ansichten vertreten, sondern weil es mit ihrer Ansicht selbstwidersprüchlich ist, mich für meine Wortwahl zu kritisieren. SVPler legen nunmal keinen Wert auf Anstand, und Skeptiker, die die Herrschaftsfreiheit anprangern, dürften an anderen keine Kritik äussern, da sie damit Herrschaft über andere ausüben würden. Ich habe fertig.

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