«Kim Dotcoms Rolls Royce beschlagnahmt»

Hauptschlagzeile auf «Blick.ch»? Top-Story auf einer der Newsnet-Websites? Nein, Aufmacher bei «NZZ Online»:

Kurt Imhof, übernehmen Sie!

von Martin Hitz

1 Bemerkung zu ««Kim Dotcoms Rolls Royce beschlagnahmt»»

  1. Gerne @Martin Hitz: That’s the race to the bottom – auch wenn NZZ Online noch am besten abschneidet.
    Zur Charakterisierung des CH-Online-Journalismus dienen die folgenden 5 Punkte aus dem Jahrbuch Qualität der Medien – Schweiz Suisse Svizzera 2011, S. 306:

    1. Konvergenz der Onlinetypen
    Zwar sind auch in der Gattung Online, wie schon in der Gattung Presse, die Vertreter des Typs Abonnement durch eine höhere Qualität der Berichterstattung gekennzeichnet, doch gleicht sich der Typ Abonnement-Online den anderen beiden Onlinetypen (Boulevard- und Gratis-Online) an. So schneidet hinsichtlich des Umfangs der Berichterstattung sowie der Hardnewsorientierung im Politik- und im Wirtschaftsressort der Typ Abonnement-Online im Vergleich am besten ab, doch von der auf den Frontseiten aller Onlinetypen zu beobachtenden Zunahme der Sport- und Human-Interest-Berichterstattung zu Lasten der Politikberichterstattung sind vor allem die Newssites der regionalen Abonnementspresse betroffen.

    2. Geringer Anteil einordnender Berichterstattung.
    Die Onlineberichterstattung ist unter dem Aktualitätsdruck und angesichts der Tendenz zur Übernahme von (Agentur-)Meldungen stark episodisch und weist entsprechend wenig Hintergrundberichterstattung auf. Auch hier leiden besonders die Onlineangebote der Abonnementszeitungen im Vergleich zu ihren Printausgaben, auch wenn NZZ Online mit 25% thematischer Berichterstattung in den untersuchten Ressorts die Spitzenposition unter den Onlinemedien einnimmt (was indes gegenüber der Printausgabe eine Halbierung der einordnenden Berichterstattung bedeutet). Auch mit Blick auf die Frontseiten zeigen sich zwischen den Onlinetiteln erhebliche Unterschiede: Während NZZ Online und tages-anzeiger.ch mit jeweils 13% thematischer Berichterstattung noch eine einordnende Leistung erbringen, hat die Berichterstattung in 20minutes.ch und 24heures.ch einen fast ausschliesslich episodischen Charakter (98% bzw. 97%). Auffallend ist hier, dass sich 20minuten.ch mit einem Anteil von 11% thematischer Berichterstattung in der Nähe von NZZ Online und tagesanzeiger.ch positionieren kann.

    3. Boulevardisierung der Berichterstattung.
    Die Boulevardisierung zeigt sich im Ausbau der Softnewsressorts auf Kosten der Hardnewsressorts, in der Füllung der Ressorts Politik und News mit Softnews und in einer im Gattungsvergleich ausgeprägten Personalisierung und Privatisierung der Berichterstattung, die auch die Politikberichterstattung durchdringt. Zudem führt der Aktualitätsdruck zu einem ausgesprochen episodischen Journalismus und die habitualisierte Klickratenmentalität verleitet zu einem moralisch-emotionalen Berichterstattungsstil gerade auch in den Beiträgen mit journalistischer Eigenleistung. Journalistische Eigenleistung ist in vielen der untersuchten Onlinetitel gleichbedeutend mit der Emotionalisierung und Zuspitzung eingehender Meldungen zur Erzeugung von Aufmerksamkeit.

    4. Aktualitätsdruck und Agenturmeldungen
    Um dem Aktualitätsdruck zu entsprechen, werden auf den Online-Newssites im Verhältnis viel mehr Agenturmeldungen vermittelt als in den Tageszeitungen. Unterschiede gibt es bei der Übernahmepraxis von Artikeln aus der Presse. Tagesanzeiger.ch greift, ebenso wie die Typen Gratis-Online und Boulevard-Online, stärker auf die Printausgaben zurück und versieht diese wie auch die überdurchschnittlich häufig redaktionell bearbeiteten Agenturmeldungen (42% der Berichterstattung) mit emotionalisierenden Titeln. «Redaktionelle Eigenleistung» meint hier also eine Zuspitzung über die Titelgebung. Vorreiter dieser Art der crossmedialen Bewirtschaftung von Themen ist der Blick: Auf Blick.ch findet sich der höchste Anteil «redaktioneller Eigenleistungen» im beschriebenen Sinn.

    5. Entwicklung zwischen 2009 und 2010
    In diesem Zeitraum bestätigen sich sowohl die Boulevardisierung wie auch die Konvergenztendenz der Onlinemedien. Während hinsichtlich der Vielfalt und der Einordnung die Werte auf tiefem Niveau vergleichbar bleiben, hat die Relevanz der Berichterstattung aufgrund der gestiegenen Personalisierung abgenommen. Nur die Professionalität nimmt gemessen am Anteil des kognitiv-normativen Berichterstattungsstils und der journalistischen Eigenleistungen zu. Allerdings ist dieser letztgenannte Indikator angesichts des Umstandes, dass sich in den Onlinemedien journalistische Leistung häufig in der Klickraten sichernden Emotionalisierung von Beiträgen erschöpft (siehe Punkt 4), differenziert zu interpretieren.

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