Empörungsbewirtschaftung und Stimmungsdemokratie am Beispiel der «Blocher-Hildebrand-Affäre»

Von Kurt Imhof

Von der Schweiz für kurze Zeit glücklich entflohen, erreichen mich im milden Klima einer einsamen Insel via das Netz aller Netze die erhitzten Nachrichtentsunamis ebendieser Schweiz. Dabei werden die Dynamiken einer durch politische Lagerbildung geprägten, medialisierten Stimmungsdemokratie in der aktuellen «Blocher-Hildebrand-Affäre» sichtbarer, als wenn man zu Hause die von hüben und drüben anbrandenden Skandalisierungswellen primär im onlinetypischen Live-Tempus verfolgt. Als Fazit lässt sich festhalten, dass Stimmungen alles sind, Argumente hingegen wenig zählen.

Am einfachsten lässt sich dies an den User-Kommentaren auf den Online-Newssites erkennen, deren erdrückende Mehrheit entweder für oder gegen Hildebrand bzw. vor allem für oder gegen Blocher empört Stellung nehmen und deren Verfasser sich oft wechselseitig in den Orkus wünschen. Wenn Sachverhalte überhaupt erwähnt werden, dann diejenigen, die die eigene Empörung unterstützen, und wenn Sachverhalte schwierig zu deuten sind, wie etwa die Einweisung des Informatikers R.T. in eine Klinik, dann wird dies entweder als Folge der Nötigung durch SVP-Komplottierende interpretiert oder im Analogieschluss zur einstigen Psychiatrisierung Oppositioneller in der Sowjetunion durch eine dunkle Schweizer Staatsmacht gedeutet. Daneben zeigen sich in den Postings zur «Blocher-Hildebrand-Affäre» Schweigespiralen innerhalb einer geposteten Blocher-Hate- und -Fankultur: Je nach Vorgabe des zugrundeliegenden Berichts verstärkt sich in den Postingkolonnen die eine oder die andere Gruppe.

Die in den vergangenen Tagen rasch zu Hunderten von Postings anschwellenden Kolonnen bilden auch in dieser Affäre wichtige Feedbackschleifen im Online-Journalismus. Durch die neue journalistische Gattung der Synthese von User-Kommentaren und durch die Ad-hoc-Umfragen der Online-Redaktionen («Muss Hildebrand zurücktretet oder nicht?») werden diese Feedbackschleifen bewirtschaftet, was wiederum zu Online-Beiträgen führt, die ─ mitunter völlig abgelöst von der Nachrichtenlage ─ der Hate- oder der Fankultur diejenigen Affekte liefern, die dem «Kommentarwesen» noch einmal Schub verleihen. Im Masse der Erhitzung passen sich dann die journalistischen Beiträge und die Postings einander an. Die Empörungsenergie in diesen Feedbackschleifen und das erforderliche Produktionstempo fördern die Einseitigkeit und die emotionale Aufladung der Beiträge.

Die Wenigen, die am nächsten Tag zur Zeitung greifen (oder diese herunterladen), können erkennen, dass der simple Faktor «Reflexionszeit» für alles ─ auch für den Journalismus ─ nicht mit Gold aufzuwiegen ist. Auch wenn es durchaus nicht immer gelingt, erfolgt hier zeitverzögert eine Urteilsbildung aus Sachverhaltsdarstellungen und normativen Schlüssen, die den Fall so aufbereiten, dass man vernünftig darüber streiten kann. Zum Glück findet sich dieser zeitversetzte Zeitungsjournalismus dann teilweise auch auf den Online-Newsplattformen wieder, zumindest bis er durch den rotierenden Feedbackschleifenjournalismus wieder verdrängt wird.

Freilich unterschlägt diese Skizze der wechselhaften Stimmungsfluten auf den Online-Plattformen ─ getrieben durch Journalisten, politische Akteure, PR-Akteure, Klickraten und User-Kommentare ─ zwei wichtige Elemente:

Erstens: Während der Online-Journalismus die Empörungsbewirtschaftung ─ egal welcher Provenienz ─ ebenso belohnt wie produziert, finden sich im Printjournalismus Medientitel, die auf neue Weise wieder politisch eingebettet sind («BaZ» / «Weltwoche»). Vor allem der Kampfjournalismus der «Weltwoche» schafft dabei eine radikale Reduktion von Komplexität, indem konsequent personalisierte Feinde als charakterlich defizitäre Verschwörer, Versager oder Gauner beschrieben werden. Positive Resonanz erhalten nur diejenigen, die die Welt ebenso strikt aufteilen, negative Resonanz all jene, die dies nicht tun. Diese Aufteilung basiert auf einem einfachen Spannungskreuz: unten (das Volk) versus oben (die Elite, die «classe politique») sowie zugehörig versus fremd. Wie die Fremden gehören auch die Eliten nicht zum Volk, das per se das Gute verkörpert. Dieser Digitalität muss die Fahrlässigkeit im Umgang mit Fakten und (trüben) Quellen gehorchen (sonst lässt sich die radikale Reduktion von Komplexität in unserer aus Grau- und Zwischentönen bestehenden Welt nicht durchziehen).

Was in diesem Journalismus gewachsen ist, erhält im atemlosen Stakkato des Online-Journalismus und in der gesamten Medienarena beispiellose Resonanz und treibt die Stimmungsdemokratie auf den Online-Plattformen erst richtig an. Der Lagerjournalismus produziert auf beiden Seiten Lager. Dies spiegelt sich in den Postings: Vor allen Sachverhalten und deren Entwicklung sind hüben und drüben die Affekte (nicht die begründete Meinung) in Stellung und das Böse ist bestimmt.

Zweitens: Natürlich ist diese beunruhigende Reduktion des Politischen auf Affekte ohne die gewachsene Polarisierung der Schweiz seit den 1990er Jahren nicht zu erklären. Diese Polarisierung verdanken wir freilich wiederum nicht nur den Zeitläufen, sondern die Zeitläufe sind bereits durch das Beziehungsspiel eines aufmerksamkeitserheischenden Medienpopulismus und einem dadurch begünstigten politischen Populismus mitbestimmt. Am meisten Resonanz erreicht nicht derjenige mit den besten Argumenten, sondern der, der sich am lautesten empört. Die Energie dieser Empörung ist wiederum abhängig von der Simplifizierung der Welt in Gute und Böse. Resonanz erhält deshalb, wer am stärksten auf die Person spielt, und nicht wer die Strukturen in Frage stellt, denn Strukturen entziehen sich den aufmerksamkeitsoptimierenden moralisch-emotionalen Bewertungen.

In der «Blocher-Hildebrand-Affäre», die uns noch lange empören dürfte, zeigt sich eine medialisierte Stimmungsdemokratie in der derjenige, der so richtig zuschlägt, auch auf der anderen Seite das produziert, was ihn selbst treibt: Feindbilder. Diese beugen immer alle Fakten, lassen der Unschuldsvermutung keine Chance und sind ebenso blind gegenüber Grautönen wie gegenüber Strukturen und Kontexten. Und sie sind so immun gegen Argumente, dass sie fast gar keine mehr brauchen.

Kurt Imhof leitet den «fög – Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft» des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung und des Instituts für Soziologie der Universität Zürich. Er ist Mitherausgeber des Jahrbuchs
«Qualität der Medien – Schweiz Suisse Svizzera».

von Kurt Imhof | Kategorie: Medienschau

57 Bemerkungen zu «Empörungsbewirtschaftung und Stimmungsdemokratie am Beispiel der «Blocher-Hildebrand-Affäre»»

  1. Markus Schär:

    Prof. Imhof sollte einfach die elementaren Facts zur Kenntnis nehmen: Am Samstag, 7. Januar, als Medien und Publikum grösstmehrheitlich pro-Hildebrand und anti-Blocher waren, zwang der Bankrat mittels Androhung des geschlossenen Rücktritts zum Abgang.

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  4. Markus Schär:

    Mein erster Kommentar war unübersehbar etwas überhastet; ich hatte, zugegeben, nicht den ganzen Text in Ruhe durchgelesen. Das habe ich inzwischen nachgeholt – und ich halte an meiner Meinung fest. Der Text ist zwar eine interessante publizistische bis sozialpsychologische Ferndiagnose, aber völlig neben dem Thema. Denn es geht gerade nicht um ein Beispiel von Stimmungsdemokratie (obwohl zahlreiche Kollegen Hildebrands Fall dazu machen wollten und wollen – darum meine genervte Spontanreaktion). Das zeigt der Vergleich mit Deutschland, der durchaus eine politologische oder publizistische Dissertation hergäbe. Die deutschen Journalisten werfen Wulff, der weniger Dreck am Stecken hat, unisono jede Lappalie vor; dennoch kann er sich bisher halten. Die Schweizer Medien nahmen dagegen Hildebrand fast unisono seine Propaganda-Meisterleistung und seine unappetitlichen Machenschaften ab und gingen auf seine Kritiker los, die sich nicht eben um taktisch kluges Vorgehen bemühten. Der PR-Stunt wäre fast gelungen: In der Stimmungsdemokratie hat Hildebrand wohl heute noch eine Mehrheit. Aber glücklicherweise entscheiden nicht die Medien und nicht das Volk darüber, ob der wichtigste Mann der Schweiz, dessen nur auf seiner Glaubwürdigkeit beruhende Arbeit unser aller Leben tagtäglich beeinflusst, über die Integrität für sein Amt verfügt. Der Bankrat als allein zuständige Aufsichtsbehörde musste, unbeeinflusst vom ganzen Getöse, mit dem äussersten Mittel sagen: So nicht.

  5. Thomas Läubli:

    @Markus Schär: Die Medien waren überhaupt nicht Anti-Blocher und Pro-Hildebrand. Sie sind ja nachgerade mit Verve auf den Zug der Anschuldigungen aus dem rechtskonservativen Filz aufgesprungen. Welche rosa Brille haben denn Sie aufgesetzt?

  6. @Markus Schär: Die Vorwürfe in den Fällen Wulff (Hauskredit zu günstigen Zinsen) und Hildebrand (Währungsspekulationen eines Notenbankchefs auf dem Privatkonto) unterscheiden sich doch deutlich, darum ist auch der eine bisher nicht zurückgetreten und der andere schon.

    @Kurt Imhof: Jaja, in den Zeitungen findet der Leser Reflexionen und Einordnung, und im Internet nur Empörung, Empörung, Empörung. Vielleicht hat es ihnen noch niemand erzählt, aber es gibt viele einordnende und tiefergehende Texte online, man muss nur finden wollen. Vielleicht sollten Sie ihren Internetkonsum mal etwas ausweiten und nicht nur immer Boulevardportale wie 20min.ch, tagesanzeiger.ch oder blick.ch lesen (und selbst dort finden sich immer mal wieder sehr gute, hintergründige Texte). Die Blocher-Karte (ein untrügliches Zeichen für Boulevardisierung) zuerst gezogen hat übrigens der Chefredaktor der „NZZ am Sonntag“, am 1. Januar.

  7. @Markus Schaer. Sie sind noch im Kampfmodus und ich versuchte vielleicht zu früh zumindest auf eine Bockleiter zu steigen, um das pulverdampfgeschwaengerte Schlachtfeld von oben zu betrachten. Und dabei fallen eben die Feindbildschreibe und die Affektladungen auf. Deren Ursache, Entwicklung und Dynamik ist wichtiger, als die gefällten und taumelnden Protagonisten.
    @Ronnie Grob. Stimmt, Sie haben recht. Deshalb habe ich auch einen Beitrag im Internet platziert, und schreibe keine Leserbriefe (Ihr diesbezüglicher Text in der Medienwoche fand ich erhellend und witzig). Jedoch: Netzjournalismus versus Rest bringt uns definitiv nicht weiter. Das sollten wir beenden. Außerdem: Die Marschmusik zur Schlacht spielte der Onlinejournalismus – wie Sie zusammen mit Nick Luehti heute auch in der Medienwoche betonen. Vor diesem Hintergrund sollten Sie doch auf meine Argumentation eingehen koennen.

  8. @Kurt Imhof: Ich glaube wie Sie auch, dass Empörungsbewirtschaftung nichts mit Journalismus zu tun hat. Aber das kommt bei nicht wenigen Lesern an, offline wie online, da kann man nichts machen. Firmen, die ihre Profite maximieren wollen, werden das tun, was am meisten Werbegelder bringt, da müssen wir uns nichts vormachen.

    Wichtig ist, gerade für kritische Konsumenten, genau hinzusehen, wo die guten Texte / Videos / Audios sind und diese zu fördern (durch lesen / klicken / zuschauen / zuhören oder auch durch finanzielle Zuwendungen wie zum Beispiel Flattr). Was hingegen schlecht, profan oder nur aufmerksamsheischend ist, sollte man ignorieren / nicht klicken / nicht verlinken. Im Web kann die Verteilung von Aufmerksamkeit durch Verlinkungen hervorragend gesteuert werden, Blogs, Twitter, Facebook und viele andere Dienste beweisen es täglich. Es gibt nur ein Problem: Es verlinken noch immer zu wenige Leute / Websites / Unternehmen selbst aktiv. Mich würde es freuen, wenn auch Sie, Herr Imhof, mit dem Setzen von Links beginnen würden. Es ist der Anfang, um aktiv etwas gegen das Problem zu unternehmen.

  9. Thomas Läubli:

    @Ronnie Grob: Wie kann man denn bitte die neue journalistische Gattung der User-Kommentare (die zumeist auch noch aus Internetjunkies wie Sozialhilfebezüger, Hausfrauen oder Politiker, die sich in der Ratsdebatte gerade langweilen, zusammengesetzt ist) ignorieren? Zumal ja diese auch noch die Themensetzung der Journalisten qua Tyrannei der Mehrheit beeinflussen? Und diese wiederum die Vox Rindvieh bedienen? Es ist dank den Neuen Medien (Gratis und Online) schwieriger geworden, das Wesentliche zu finden, wie Sie selber anmerken. Die Aufgabe des Journalisten war es bislang, dieses Wesentliche rauszufiltern und nicht Verwirrung zu stiften.

    Wer den heutigen TA durchgeblättert hat, wird auf einigen Seiten Polemiken gegen Herrn Hildebrand von der obligaten Mörgeli-Schelte über «Content for People» auf der Bellevue-Seite bis zur Glosse von Guido Kalberer entdecken. Das ist nur noch überflüssiger Blödeljournalismus. Die Pressefreiheit in der Schweiz ist am abdanken, und der Presserat und die Medienkritiker schlafen.

  10. Hr. Läubli: Genau, diese Randgruppe der Sozialhilfebezüger, Hausfrauen und gelangweilter Politiker ist für die Mehrzahl der User-Kommentare verantwortlich, sie beeinflussen damit die Berichterstattung für die dumpfe Masse (zu der sie ja selbst gehören) etc…..

    Vielleicht hätte ich ‚sie‘ gross schreiben müssen – Scherz beiseite, mich würde interessieren, wie Sie, selber fleissiger Kommentierer übrigens, diese bizarren Behauptungen belegen würden. Was natürlich unmöglich ist. Womit Sie uns aufs Schönste vorführen, was Sie bei anderen User-Kommentaren kritisieren. Oder etwa nicht?

  11. Ja, @Thomas Läubli, erklären Sie doch mal. Sind Sie jetzt mehr Hausfrau oder mehr Sozialhilfebezüger? Oder mehr allgemein „Vox Rindvieh“? Mich würde es freuen, wenn Sie wie Bobby California selig ein Blog eröffnen – der Schritt von der Kommentarspalte zum Publizist wirkt manchmal Wunder!

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  13. Thomas Läubli:

    Es ist interessant, dass niemand auf die Fragen, die ich und Herr Imhof aufgeworfen haben, antworten will. Stattdessen wird auf den Mann gespielt, was die Begriffe «Empörungsbewirtschaftung» und «Stimmungsdemokratie» geradezu bestätigt.

  14. Skepdicker:

    So falsch liegt Prof. Imhof mit seiner Online-These meines Erachtens nicht. Die primitivsten und totalitärsten Texte von eigentlich intelligenten Menschen findet man regelmässig im Netz.

    Eine prominente Politologin bedauert in einem Online-Text beispielsweise, dass „sie“ (Plural; wer ist damit gemeint?) damals politisch Andersdenkende („menschenverachtende Monetaristen“) nicht „verkloppt“ hätten.
    Die politisch Andersdenkenden versieht sie dabei mit Attributen wie „pickelgesichtig“, „dreckig“, „schäbig“ oder „das unendlich schöne Menschengeschlecht unendlich beschämend“ bzw. tituliert dies als „Nicht-Denker“, „Nicht-Männer“, „Weicheier „, „Kastraten“, „Hohlköpfe“, „mickrige Kleingeister“, „neopatriarchale Masturbationsakrobaten“, „Mitesser“ und „unfertige Menschen“.
    Illustriert wird der Text seltsamerweise mit dem Chefredaktor des nationalkonservativen Dalit-Blattes. Der hat zwar nichts mit Monetarismus zu tun, ist kein Ökonom und wird im Text nicht erwähnt – aber er passte wohl zum Affekt.
    Es ist nicht davon auszugehen, dass eine Print-Redaktion dieses hasserfüllte Elaborat hätte durchgehen lassen.

    (Randbemerkung 1: Nach der Schwanzlutscherin- und der Plankton-Affäre scheint mir die Diagnose Tourette-Syndrom bei dieser Frau nicht mehr abwegig zu sein.

    Randbemerkung 2: Dass die doch eher links angesiedelte Politologin in ihrer Haddockiade die klassisch Liberalen als „die Guten“ den Monetaristen als „den Bösen“ gegenüberstellt, ist seltsam. Klassisch Liberale sind Anhänger des Nachtwächterstaats bzw. Smiths „unsichtbarer Hand“ und sollten demzufolge in ihren Augen noch böser sein als die schon relativ bösen Neoliberalen.)

    Ein weiteres Beispiel für durchgeknallte Sicherungen im Web ist ein eigentlich hervorragend-eigensinniger Wirtschaftsjournalist, der seit dem Aufkeimen der Hildebrand-Affäre nur noch ein Thema kennt: das Dalit-Blatt. Als Stellvertreter der wahrheitsliebenden und anständigen Republik fordert er die Einstellung der Rechtsabweichler-Zeitung. Zwar nicht mit Sowjet-Methoden, aber die Stossrichtung ist klar: Freiheit ist immer die Freiheit der Gleichdenkenden. Was legitime Kritik an den Herrschenden und was miese Hetzkampagnen sind, bestimmt der Schreibende. Le comité de salut public, c’est moi!

    Zwischen den Zeilen quillt zwar auch in Print-Artikeln oftmals der Hass auf das Dalit-Blatt hervor, aber man wahrt dabei einigermassen die Contenance (siehe Daniel Binswanger, Peer Teuwsen, Felix E. Müller).

    Zur Hildebrand-Affäre an sich: Die Sache war eigentlich relativ simpel und die vielen Artikel nicht wert. Ein bisher hervorragender Zentralbank-Präsident bzw. dessen Frau kauft kurz vor einer geldpolitischen Intervention Devisen und Aktien. Das ist in jedem zivilisierten Staat inakzeptabel. Daran ändern auch brillante Medienauftritte, Weltläufigkeit, gutes Aussehen, Sympathie der Journalisten-Groupies, ein laienhaftes Reglement, FIFO-Methode, ein auf fehlenden Dokumenten beruhender PwC-Bericht, Beweggründe der Transaktionen und sogar ein hervorragender Leistungsausweis nichts. So ist denn auch für (fast) alle Fachleute klar, dass sich Hildebrand unhaltbar gemacht hat.
    Egomane B. hat jedoch zu viele Charles-Bronson-Filme gesehen und zu wenig Machiavelli gelesen, um die Sache kurz und schmerzlos über die Bühne gehen zu lassen. Er hätte die Kontodaten einfach dem undogmatischen Grünen-Politiker Geri Müller übergeben sollen. Dieser hätte wiederum mit dem Bundesrat sprechen können. Falls der Bundes- bzw. Bankrat nicht adäquat reagiert hätte, hätte man die Dokumente diskret der WoZ stecken sollen, um medialen Druck aufzubauen. Somit wäre der millionenschwere Nationalbanker, Devisenzocker und ehemalige Hedgefonds-Manager von der „richtigen“ Seite attackiert worden. Denn erst die Involvierung von B. und seinem Hofblatt führte zum medialen Amoklauf. Dazu muss angemerkt werden, dass es ein genialer Zug von Hildebrands PR-Leuten war, B. ins Spiel zu bringen. Bei B. verlieren selbst die intelligentesten und gelassensten Menschen oftmals ihren Kompass und solidarisieren sich reflexartig mit der Gegenposition.

  15. Skepdicker:

    Als Nachtrag hier noch ein interessantes Zitat von Prof. Urs Birchler (dem Ehemann der Bankrätin und „NZZaS“-Kolumnistin Prof. Monika Bütler):
    „Beispiel 1: In seiner Rücktrittsrede begann Philipp Hildebrand mit einem Dank an alle — ausser an den Bankrat. Es dauerte aber ewig, bis jemand den Reim darauf machte. Beispiel 2: Ebenfalls in der Rücktrittsrede findet sich die Behauptung, die Nationalbank könne den Dollarkurs nicht beeinflussen — kein einziger Journalist hat zurückgefragt, wie dann die Nationalbank den Eurokurs fixieren könne.“

    Lobend erwähnt er übrigens die Artikel von Ralph Pöhner in der aktuellen „Zeit“ und von René Rhinow in der „Handelszeitung“ vom 12. Januar.

  16. Markus Schär:

    Danke, Skepdicker (ginge es auch mal ohne Pseudonym?), für die wie üblich gescheiten Anmerkungen und besonders für das Zitat von Bankrätinnen-Gatte Urs Birchler.

    Bisher hat es allerdings nichts genützt: Mein verehrter Professor Peter von Matt, dem ich – im Gegensatz zu anderen Professoren – sonst jedes Wort abnehme, auch wenn es nicht meiner Meinung entspricht, weil er es immer gut und gescheit sagt, darf sich heute im TA eine Seite lang über boulevardisierte Politik auslassen. Und niemand sagt: In der boulevardisierten Politik hat PH, wie ich oben feststellte, heute noch eine Mehrheit – gemäss Newsnet-Umfrage hätten ihm 73 Prozent verziehen. Aber das unaufgeregteste, als einziges befugte Gremium, der Bankrat, sagte schon vor einer Woche unisono: Die Machenschaften von PH und vor allem auch seine Moral disqualifizieren ihn für sein Amt.

    Doch die Kollegen weigern sich, etwas zu lernen. Auf der Seite daneben wettert der TA-Kommentator:

    „Das (der Komplott-Vorwurf gegen die SVP) mutet ebenso absurd an wie die Andeutungen der ‚Weltwoche‘, wie sie Kolumnist Kurt W. Zimmermann suggeriert hat: dass nämlich Kashya Hildebrand kunstinteressierte Hedgefonds-Manager flächendeckend mit Insiderinformationen beliefert habe.“

    Die Unterstellung ist ungeheuerlich (also hat sich KWZ wohl etwas überlegt), aber nicht absurd:

    1. Es ist offen ersichtlich, dass der Eurokurs schon vor der Einführung der Untergrenze stieg, und dies, weil die Hedgefonds von London bis New York auf einen Schlag ihre Frankenpositionen abbauten. Einen solch unglaublichen Zufall, stellt KWZ fest, gibt es in der Finanzindustrie nicht.

    2. Kashya Hildebrand beweist mit jedem öffentlich geäusserten Wort, dass ihr der Verstand und das Verantwortungsbewusstsein einer Notenbankpräsidenten-Frau abgehen.

    Also müsste es immer noch heissen: Vor der Meinung kommen die Fakten – vor dem Kommentieren kommt das Recherchieren.

  17. Markus Schär:

    Ich muss das wohl noch etwas ausdeutschen, weil die Selbstverständlichkeit einfach nicht mehr selbstverständlich ist (ich weiss: ich töne wie Fred David – aber wo er Recht hat, hat er Recht):

    Der Abschnitt in der KWZ-Kolumne musste jeden Leser elektrisieren. Und jeden Journalisten ohnehin. Wer die Mittel und die Möglichkeiten hat (ich habe sie leider nicht), müsste den Fragen nachgehen: Was lief an den Devisenmärkten vor der Einführung der Untergrenze? Wie kamen die Hedgefonds dazu, ihre Frankenpositionen und ihre Euro-Short-Positionen auf einen Schlag abzubauen? Wen kennen PH und KH bei Hedgefonds von ihren früheren Tätigkeiten her? Mit wem pflegen sie weiterhin Umgang? Was machten diese Hedgefonds? Und wie könnte die Information durchgesickert sein? (KWZ behauptete gar nicht, KH habe „kunstinteressierte Hedgefonds-Manager flächendeckend mit Insiderinformationen beliefert“ – bitte wenigstens korrekt zitieren. Eine einzige unvorsichtige Bemerkung der unvorsichtigen, unverantwortlichen und gemäss PH vom Dollar besessenen Notenbankpräsidenten-Gattin hätte genügt.)

    Stattdessen tut der TA-Kommentator die gut begründete Unterstellung nicht nur fakten-, sondern auch argumentefrei als absurd ab. Diese Haltung bezeichnet KWZ als Rechercheverweigerung. Und als unglaublich.

  18. Thomas Läubli:

    @Markus Schär: Die Affäre Hildebrand ist hier nicht primär das Thema. Ich bitte Sie, zu den von Kurt Imhof thematisierten Fragen zurückzukehren. Lobhudeleien auf Texte, worin Begriffe wie «Schwanzlutscher» und «Nachtwächterstaat» hübsch nebeneinander untergebracht sind, mögen zur gegenseitigen Versicherung angebracht sein, taugen aber letztlich nicht zur Analyse. Eine gute Analyse liefert heute – wenngleich ich den rhetorischen Stil nicht mag – der Chefredaktor der NZZ auf Seite 1.

  19. Die Verweigerung der Bockleiter

    Genau besehen will auch hier (noch?) niemand ueber Strukturen und Verhältnisse unserer Mediengesellschaft debattieren, die eben das produzieren, was mein Kommentar darzulegen suchte: die Reduktion des Politischen auf Affekte, das Suhlen in Moralsuempfen, die wechselseitige Anprangerung von Personen und die selektive Verwendung von Fakten.

    Nun sind aber Medien- und Meinungskulturen das Produkt von Handlungen im Aggregat, also massenhaft gleichfoermiger Handlungen und diese sind gepraegt durch (und prägen wiederum) Strukturen oder simpler Verhaeltnisse. Wenn wir über diese Verhaeltnisse nicht mehr debattieren koennen, bleiben wir ihnen ausgesetzt, weil sie unreflektiert durch uns hindurch wirken und unser Handeln bestimmen. Das ist so simpel, dass mir wahrscheinlich alle zustimmen – selbst diejenigen, die gewohnt sind, das Soziale bloß noch handlungstheoretisch zu betrachten.

    Die Dominanz dieser Handlungsperspektive, die auf Motivstrukturen bzw. Praeferenzen von Personen fixiert ist und eine natuerliche Affinitaet zu moralischen Fragen (Sympathie / Antipathie; Freund- und Feindbilder) hat, blendet aus, dass unser Handeln nicht nur von anderen Personen sozialisiert wird, sondern von Organisation, Institutionen, Handlungssystemen und historisch spezifischen Arrangements dieser sozialen Einheiten. Das Erklimmen einer Bockleiter, um auf das Schlachtfeld des Blocher-Hildebrand Skandals zu blicken, um Ursachen dieses unreflektierten Suhlens in Moralsuempfen als kollektives Syndrom zu kritisieren, kommt nicht ohne diese Verhältnisse aus. Deshalb – und unabhängig ob wir uns nun eher auf der einen oder anderen Seite wähnen: Wollen wir ein Arrangement der Handlungsysteme Medien und Politik, das den Affekten die Reflexion opfert? Wollen wir journalistische Organisationstrukturen, die als Empoerungsbewirtschaftungsmaschinen funktionieren? Wollen wir eine resultierende Aufmersamkeitsoekologie, die demjenigen, der am ruecksichtslosesten auf die Person spielt am meisten Anschlusskommunikation widmet? Und wollen wir eine Gesellschaft, die das Suhlen in Moralsuempfen soweit treibt, dass das private Geheimnis seinen institutionellen Schutz verliert?
    Wer die Bockleiter verweigert kann sich diesen Fragen nicht stellen.
    (Man möge mir die Umlautprobleme dieses Textes verzeihen, der vermaledeite iPad …)

  20. Pingback: Hildebrand-Kommentare für jeden Geschmack | SILVER TRAIN

  21. Marc Böhler:

    Lieber Kurt Imhof, es freut mich, dass ein Teil von Öffentlichkeit Ihre Aufmerksamkeit gewonnen hat, den Sie bisher ignorierten. Wann wird die Erkenntnis gedeihen, dass der radikale Strukturwandel der Öffentlichkeit der vergangenen 15 Jahre es nicht mehr erlaubt, von dieser Öffentlichkeit dieselben gesellschaftlichen Funktionen zu erwarten, die sie vor der Vernetzung und Digitalisierung erfüllte?

    Angeblich anerkennen Sie die Kommentare in den Online-Angeboten von klassischen Medienunternehmen als Teil der Öffentlichkeit. Der Stammtisch ist heute Teil der Öffentlichkeit. Der nächste Schritt wäre, auch «Social Networks» zu nutzen und diesen Bereich, bei welchem sich «öffentlich» und «privat» vollständig vermischen, ebenfalls zu analysieren.

    Die Demokratisierung der massenmedialen Distributionstechnik – jede und jeder trägt heute mit dem Smartphone in gewissem Sinne eine Druckerei im Hosensack – hat dazu geführt, dass neben den kommerziellen und öffentlichen klassischen Medienbetrieben auch die Bevölkerung direkt die Öffentlichkeit konstituiert. Daher ist der Begriff «Demokratisierung» legitim und es ist nur logisch, dass das Arrangement der Handlungssysteme Medien und Politik, stärker von Affekten anstelle von Reflexion geleitet wird, wenn das Volk direkt mitmischt.

    Dank der neuen Medien hat der Souverän ein neues Kommunikations- und Sinnesorgan erhalten, welches die Transparenz erhöht. Zudem stehen Kategorien wie «Öffentlich» und «Privat» grundsätzlich zur Disposition. Hier sollte sich die Soziologie Gedanken machen. Wie sieht ein stabiles Gesellschaftsmodell der Postmoderne aus, bei welchem es die Kategorie «Privat» vielleicht gar nicht mehr gibt?

    Damit die Öffentlichkeit denjenigen Erwartungen entsprechen würde, die sich unter anderem Kurt Imhof und andere wünschen, müsste entweder das Internet abgestellt werden oder es bräuchte eine massive Expansion der Bildung um das Reflexionsvermögen bei den Individuen zu stärken. Im Sinne der individuellen Freiheit wäre wohl nur Letzteres erwünscht.

  22. Markus Schär:

    Lieber Prof. Imhof

    An den Umlauten liegt es nicht. (Ich zeige Ihnen aber gerne, wie das mit den Umlauten auf dem iPad oder auch mit der deutschen Grammatik geht.)

    Ich mag mich immer noch nicht auf Ihr Niveau hinauflassen – ein paar Gründe, was aus meiner bodennahen Sicht, meinetwegen mitten aus dem Kampf, gegen Ihre Ferndiagnose von der Bockleiter spricht:

    Die Bockleiter nützt nichts, wenn sie am falschen Ort steht. Nochmals: Hildebrands Fall (und es ist eben ein Fall Hildebrand, kein Fall Blocher / Hildebrand) eignet sich schlicht nicht für Ihren Lieblingsdiskurs über die Stimmungsdemokratie und Ihre Lieblingspolemik gegen die „Empörungsspiralen“ der Online-Medien. Wenn Bundesrat und Bankrat die Informationen von Blocher korrekt abgeklärt hätten, wäre Hildebrand noch im letzten Jahr zurückgetreten, ohne dass die Medien und das Volk vom Anlass und vom Vorgehen zuvor (und wohl auch danach) etwas mitbekommen hätten. Und der Bankrat fällte seinen Entscheid – notabene von Ernst Stocker über Gerold Bührer bis Daniel Lampart einstimmig – am 7. Januar, als nicht die Hildebrands, sondern ihre Kritiker im Kreuzfeuer der Medien standen. Es gab in dieser Geschichte genau ein relevantes Element der Empörungsbewirtschaftung: die unnötig überzogene Attacke, mit der die „Weltwoche“ den Bankrat zwang, den Fall Hildebrand trotz dessen Vertuschen und Vermauscheln endlich zu klären (und noch in diesem Fall empörten sich Medien und Öffentlichkeit über die Kritiker statt über den Kritisierten). Alles andere war Lärm, völlig wirkungslos.

    Die Bockleiter nützt nichts, wenn der Auf-die-Bockleiter-Steigende die falsche Brille auf hat oder gar blind ist. Die Analyse der Stimmungsdemokratie könnte sich durchaus lohnen – aber Sie dürften dafür nicht so selektiv hinschauen. Die empörten User-Kommentare mögen für den Forscher attraktiv sein, für die Meinungsbildung waren sie völlig irrelevant. Und den Beleg für Ihre zentrale These bleiben Sie schlicht schuldig: „Im Masse der Erhitzung passen sich die journalistischen Beiträge und die Postings einander an.“ Ich habe die Affäre auch auf Newsnet und blick.ch verfolgt (aber nicht meine Zeit mit der Lektüre der Kommentare verschwendet), und ich kann mich an kein einziges Beispiel von „Feedbackschleifenjournalismus“ erinnern, in dem die Kommentatoren die Journalisten beeinflusst hätten. Aufgrund Ihrer Fixierung auf die Kommentar-Schlachtfelder blenden Sie anderseits völlig aus, was gerade in diesem Fall auf dem Internet – auf Facebook oder via Twitter und auf Medienblogs – an hoch differenzierten Debatten über den Skandal und die Medien lief. So stellten sich Chefredaktoren mit ihren Kommentaren schon vor der Print-Publikation der Diskussion, leider ohne ihre Meinung vom Feedback beeinflussen zu lassen. Und weil Sie sich nur in Ihren eigenen Diskursschlaufen drehen, nahmen sie auch die Fragen nicht wahr, die ein Medienwissenschafter nach meiner Meinung weit dringender beantworten müsste. Zum Beispiel: Wie kommt es, dass die Schweizer Medien mit wenigen Ausnahmen die Recherche verweigern und die Propaganda von Spin-Doctors nachbeten?

    Die Bockleiter nützt nichts, wenn sich der Beobachter gleichwohl ins Getümmel stürzt. Sie betrachten die Schlachten der Empörten – entgegen Ihren Beteuerungen – nicht als Neutraler, sondern nehmen schon mit Ihrer Wortwahl klar Partei. So, wenn Sie der „Weltwoche“ (und allein ihr) „Kampfjournalismus“ vorwerfen, der eine „radikale Reduktion von Komplexität“ schaffe und zu Feindbildern führe. Beim Stil lässt sich der Kampfjournalismus kaum bestreiten, aber die „Weltwoche“ griff (leider) zu diesem Mittel, weil sie offensichtlich glaubte, sich sonst gegen den Sängerchor der Vertuscher und Vermauschler nicht Gehör verschaffen zu können. Den Sachverhalt stellte sie zwar nicht fehlerfrei, aber hoch komplex dar – die Kritiker antworteten mit simpelstem Kampfjournalismus. Und was die Feindbilder angeht: Die Protagonisten wurden in den Medien grösstmehrheitlich differenziert dargestellt. Blocher bescheinigten auch Kritiker, zumindest bis vor zwei Wochen, ein korrektes Vorgehen. Und Hildebrand geniesst selbst bei jenen, die seine Machenschaften inakzeptabel finden, weiterhin Ansehen für seine Leistungen. Das gilt besonders für den Bankrat – also für jene elf Schweizerinnen und Schweizer, die unbeeinflusst vom ganzen Getöse der angeblich empörungsbewirtschafteten Stimmungsdemokratie ihren Entscheid im Interesse des Landes trafen.

  23. Fredy:

    Staune ob so engagierter Voten, HIER findet der Kampfjournalismus ja mittlerweile statt. Manches hört sich an wie das letzte Gefecht, bevor gleich das Kreuzfahrtschiff untergeht. Geht es auch ein wenig gelassener, Herren?

  24. spannend, diese diskussion hier. möchte aber zwecks überblick, wer hier was sagt, empfehlen, dass die werten diskutanten doch bitte einen link setzen auf irgendeine website wo man sehen kann, wer sie sind. wenn ihr hier schon alle so leidenschaftlich über transparenz redet, wäre das mal ein anfang, herren.

  25. Ich kann nur staunen über das „Fachwissen“, das hier teilweise zutage tritt – auch noch ungefragt, weil es im Artikel von Kurt Imhof gar nicht darum geht.

    Natürlich kann der SNB-Präsident nicht nur den Dollarkurs nicht entscheidend beeinflussen, wie den Euro-Kurs auch nicht – im Verlgieich unter den Weltwährungen. Aber er kann versuchen, den Schweizer Franken im expliziten Vergleich mit einer bestimmten Fremdwährung in einem Band zu halten. Und das ist ein kleiner aber wesentlicher Unterschied.

    Dann finde ich die Hinweise auf den besonnenen Bankrat geradezu rührend, der Hildebrand zur Raison gebracht haben soll. Dieser Bankrat war immerhin für eine höchst lasche Behandlung der Vorwürfe in den ersten Phasen der Affäre verantwortlich – wie ich für ein Reglement, das solche Devisenspekulationen nicht ausgeschlossen hat.

    Es ist wirklich höchste Zeit, dass man sich auf Bockleitern stellt. Von dort herab ist Herrn Imhof ein bemerkenswerter Satz eingefallen: Verzögerung bringt Zeit bringt Distanz bringt Sachlichkeit. Das hat was. Auch beim Kommentieren.

  26. Markus Schär:

    @Bugsierer: Eigentlich fühle ich mich nicht angesprochen (vom Beitrag davor, dem man ein Muggeseggeli mehr Gehalt gewünscht hätte, auch uneigentlich nicht). Aber weil du mit deinem Tweet zu diesem Beitrag den „Schurnis“ vorwirfst, sie hätten die Basics nicht verstanden, habe ich mir doch ein paar Gedanken gemacht.

    Ich sehe nicht, was eine persönliche Website für die Transparenz bringen soll. Bei einem Arbeitgeber gibt es eine von mir, aber was ich hier mache, hat nichts mit diesem Arbeitgeber zu tun – mal davon abgesehen, dass ich überall für dieselbe Grundhaltung stehe. Dank Google ist die Seite innert Sekunden zu finden, samt viel mehr Information und Desinformation zu mir, als du je wissen wolltest. Wie ich mich selber sehe, verraten meine Profile auf Facebook und Twitter. Und wie mich die anderen sehen wollen, können sie allein aufgrund meiner Beiträge hier selber entscheiden. Mir genügt dies jedenfalls, um mir ein Bild von den Diskutierenden zu machen, ob mit richtigem Namen oder Pseudonym. (Ich würde aber in einzelnen Fällen doch gerne wissen, wer hinter dem Pseudonym steckt.)

    Und den Überblick in dieser – relativ kultivierten – Debatte gewinnt ohnehin nicht, wer den Teilnehmern nachklickt, sondern nur, wer die einzelnen, meist mustergültig aufeinander bezogenen Beiträge nachliest. Wenden wir uns also wieder diesem Hauptstrang zu.

  27. Was mich unterdessen ebenfalls etwas bockleitrig macht: Warum konnte man noch in keiner Sonntags-/Tageszeitung den Namen der PR-Agentur lesen, welche (laut Rudolf Strahm in der letzten „Arena“) von einer Schweizer Grossbank den Auftrag fasste, eine Schmierenkampa gegen Hildebrand in Gang zu setzen? (Oder habe ich da etwas verpasst?)

  28. ROI

    Schwierige Debatte aber es gibt auch hier ein Return on Investment: Von @Markus Schaer bekomme ich eine Einfuehrung in die Umlautschreibe auf iPad und erst noch einen Grammatikkurs – ich freue mich darauf! Zumal beides sicherlich sehr bodennah erfolgt. Mit Ihrer bodennahen Bankratsfixierung kann ich mit Bezug auf unser Thema nicht viel anfangen. Ohne Zweifel handelt es sich beim Bankrat jedoch um einen der überforderten Akteure in dieser Affaere. Bei Skandalen dieses Types sind allerdings die betroffenen Akteure immer ueberfordert. Skandale haben ihre eigene Dynamik, sie lassen sich nicht kontrollieren. Das ist interessant fuer Kommunikationskurse bringt uns aber hier nicht weiter. Auch Ihre Beschreibung der Medienleistungen irritiert. Auf der einen Seite beten die Medien – Ihrem Posting gemaess – Spin-Doctors nach, auf der anderen Seite sind sie hochdifferenziert. Daran schließen Sie dann auch Ihre Gegenthese bezueglich des Feedbackschleifenjournalismus. Die ist wichtig, allerdings müssten Sie sich dann mit den Postings tatsächlich befassen.

    @Skepdicker (auf den ich hinsichtlich der handlungstheoretischen Verkuerzung der meisten aktuellen Betrachtungsweisen gebaut habe) verweist auf Bizarres im Netz und damit indirekt natürlich auch auf das, was @Ronnie Grob „Demokratisierung“ nennt, d.h. die Oeffentlichkeitswerdung des Stammtisches und die zwanglose Veroeffentlichung individueller Affekte. Ersteres ist so alt wie der Boulevard, und populistische Akteure bedienten sich schon immer des Stammtischduktus. Das Problem ist die massive Expansion des Boulevards in der Medienarena und damit die Verbesserung der Opportunitaetsstrukturen fuer den politischen Populismus. Letzteres war in der Tat zuvor auf Versammlungsoeffentlichkeiten beschränkt und ist nun Teil des Feedbackschleifenjournalismus. Ronnie Grob baut gegen beide Effekte auf Verlinkungen zwecks Qualitaetsselektion und @Marc Boehler plädiert fuer Bildungsmassnahmen. Den Qualitaetseffekt des Web 1.0-Modus der Verlinkungsoekonomie habe ich nie gesehen und im Web 2.0-Modus der „walled gardens“ der SM verliert die Verlinkungsoekonomie ohnehin an Bedeutung. Bildungsmassnahmen sind hingegen wichtig. Allerdings neigen wir ohnehin dazu das Bildungssystem aufgrund von Dysfunktionalitaeten anderer Teilsysteme zu ueberlasten. Gegen die Flutung der gesellschaftsweit relevanten Mediengattungen mit Human Interest und gegen die Dominanz der indiskreten Geschwaetzigkeit in den egozentrierten Netzwerken der SM koennen wir nicht bloss das Bildungssystem in Stellung bringen. Wir brauchen, wie @Thomas Laeubli zu Recht beharrt, einen Journalismus mit Einordnungsleistung fuer alle Bildungsschichten. Und das ist ohne Qualitaetsstandards und einer darauf basierenden Medienpolitik nicht zu haben.

    Schließlich und wichtig ist die von @Marc Boehler eingeforderte Reflexion auf das Verhaeltnis von Oeffentlichkeit und Privatheit. Dieser Dualismus loest sich allerdings nicht auf – an diesem Versuch sind schon alle Totalitarismen gescheitert – aber er verwandelt sich zu Ungunsten des privaten Geheimnisses in der moralisch-emotionalen Aufladung der Berichterstattung und im Narzismuswettbewerb der SM und zu Gunsten antiliberaler Kontroll- und Moralregimes. Das führt wohl zu unserem Thema zurück, muss aber fuer sich debattiert werden.

  29. Bärlocher:

    Ugugu:

    Es würde zu Burson-Marsteller oder Farner passen.

    Ich verachte jedes Wesen zutiefst, das für eine dieser oder ähnliche Firmen arbeitet. Diese Firmen sind die echten Saboteure des Gemeinwohls und der Demokratie. Weil sie verdeckt und mit viel Geld arbeiten, nur egoistisch motiviert und unfassbar sind und doch überall ihre dreckigen Finger drin haben.

    Das hat nichts direkt mit der Hildebrand-Geschichte zu tun. Es ist nur positiv für die Unabhängigkeit der Schweiz, dass dieser zwielichtige Typ mit Doppelagenda nun weg ist. Aber ich frage mich auch, weshalb alle die lahmen „Journalisten“ nun nicht weiter recherchieren. Wer untersucht die Verbindungen von Hildebrand zum Fed, zu den amerikanischen Geheimdiensten, zur EZB? Möglicherweise hat Hildebrand mit diesen zum Schaden der Schweiz und zum Nutzen einer globalen Elite zusammengearbeitet. Ich erinnere an die absurden Devisenkäufe der SNB. Wo Rauch ist, ist auch ein Feuer. Hildebrand hat den Heiligenschein verloren, er gehört rigoros durchleuchtet! Man fordert Transparenz. Wieso ausgerechnet nicht bei Hildebrand? Nur einer, der Übung darin hat, kann die ganze Welt anlügen, ohne dabei eine Miene zu verziehen. Was ist nun mit der Offenlegung von Hildebrands privaten Transaktionen seit 2003? Davon hört man seit dem Rücktritt nichts mehr, als ob das nicht mehr relevant wäre und durch den Rücktritt alle Schuld gesühnt. Wer im Bankrat und Direktorium hat auch noch seine eigenen Interessen über die Interessen des Schweizer Volks gestellt? Wie viele der gewöhnlichen SNB-Mitarbeiter haben alle die Jahre munter Insidergeschäfte getätigt? Weshalb gelten für sie keine Einschränkungen? Im Vorfeld der meisten SNB-Entscheide wissen Dutzende von SNB-Beratern davon. Dieser Stall gehört ausgemistet und scharf reglementiert!
    Wieso geht dieser Sache kein Journalist nach? DAS wäre ECHTER Journalismus. Journalismus alter Schule mit umfangreichen Recherchen im Feld, wie es sich gehört. Onlinejournalismus hingegen besteht nur aus seichten Boulevardnews, Verwurstungen und der Abtipperei von Pressemitteilungen. 13 Milliarden Franken Gewinn im 2011? Das muss stimmen, es stand so in der Pressemitteilung der SNB.

  30. @markus schär: danke für das feedback. – ich habe nicht von einer persönlichen, sondern von irgendeiner website gesprochen, auf der man sehen kann, wer der diskutant ist. da ist ein twitter account völlig ok, wenn er denn eine taugliche bio oder einen weiterführenden link (z.b. zu einem linkedin profil) führt. du linkst auch nicht auf deinen twitter account. warum? woher soll ich beim googeln wissen, dass der hier schreibende markus schär auch der drüben bei twitter ist?

  31. Cumrad Fuhrner:

    @Bärlocher:
    Mit Ihrem BM-Verdacht könnten Sie richtig liegen. Wer die Namen der «Consultants» dieser Firma kennt und danach googelt, findet sie relativ häufig. Lustigerweise oft auf Newssites oder schampar unabhängigen Adressen wie energiedebatte.ch. Natürlich ohne Arbeitgeber-Angabe, und wenns brenzlig wird, beruft man sich auf die Ich-als-Privatperson-Masche von Guttenberg und anderen. Ich muss sagen, je länger ich das Geschäftsgebaren von BM beobachte, desto abstossender wird es. DAS wäre eine Geschichte für einen hungrigen jungen Journalisten. Infiltrieren à la Wallraff, mit den umgerüsteten Primarlehrern und Kunstgeschichtsstudentinnen (ich lüge nicht) in der Binz Kaffee trinken, über «Strategien» plaudern und die Ohren offen halten …
    Gescheiterte Menschen, die ein zweites Kind und einen Audi bekommen haben und jetzt einfach mal Gas und die Miete ja auch nicht von allein und so. Und das Tragische: Sie wissen nicht, was sie tun, verwechseln «PR» mit Lobby-Sauereien und träumen von ihrem Roman, der zusammen mit einer Packung Tempos stets unter ihrem Bett liegt …

  32. @Kurt Imhof. Zu: „Den Qualitaetseffekt des Web 1.0-Modus der Verlinkungsoekonomie habe ich nie gesehen und im Web 2.0-Modus der ‚walled gardens‘ der SM verliert die Verlinkungsoekonomie ohnehin an Bedeutung.“

    Ach ja? Also ich klicke in Sozialen Medien sehr häufig auf Links, sei es auf Twitter, auf Facebook, in Blogs, in Kommentaren. Ich setze auch sehr häufig welche, wenn ich es mir recht überlege, mache ich das sogar zu einem guten Teil. Es mag sein, dass andere sich wohl fühlen in „walled gardens“ und ein eher geringes Bedürfnis haben, diese Wände zu übersteigen und die wunderbare Freiheit des Netzes auszukunden. Trotzdem ist doch auch bei Facebook, wo sich viele nicht oder halb netzaffine Bürger rumtreiben, zu beobachten, wie viele Inhalte geteilt werden. Und was sind geteilte Inhalte anderes als ein Link (auf einen anderen Inhalt)? Ich will auch gerne daran erinnern, dass es die Auswertung der Verlinkungen war, die den Erfolg der heute wichtigsten Suchmaschine, Google, begründeten. Ohne Links wäre Google nicht, ohne Links wäre das Internet nicht. Aber dass Sie Bildung wichtiger finden, verstehe ich gut. Das ist ja auch ihr Business.

  33. Fred David:

    Zwei Sätze, die mir (neben vielen andern) besonders auffielen:

    Kurt Imhof im Interview mit dem Nachbarportal „medienwoche“ (zum eben erschienen vollständigen Bericht „Qualität der Medien“: “ Die Schweiz wird (im Untersuchungsjahr) 2010 publizistisch über Sport zusammengehalten.“

    Ein krachender Satz, nicht nur für Schweizer Medien, sondern für die Schweiz überhaupt, wenn man mal ein bisschen weiterdenkt, was er aussagt. Ich fürchte, der Satz fasst die publizistische ebenso wie die gesellschaftliche Realität präzis zusammen.

    Und Markus Schärs Kommentar hier zum Fall Nationalbank:

    „Wie kommt es, dass die Schweizer Medien mit wenigen Ausnahmen die Recherche verweigern und die Propaganda von Spin-Doctors nachbeten?“

    Möcht ich auch wissen. Gern auch, wer diese Spin-Doctors sind, wer sie bezahlt, welchen Interessen sie dienen; sie haben leibhaftige Namen und ein Gesicht. Und noch eines möcht ich wissen: Warum lassen sich Journalisten solche unbequemen Wahrheiten um die Ohren hauen, ohne sich zu rühren? Sie können sich ja wehren, falls das alle so an den Haaren herbeigezogen ist. Wegschweigen hilft jedenfalls nicht. Das ging früher mal, das ist vorbei.

    ps. Das lässt sich alles nicht mehr unter dem Stichwort „Journalisten-Bashing“ abteflonieren (= schlierenfreies Abgiessen von überflüssigem Fett aus der Teflonpfanne…). Dazu ist der wachsende Unmut im Publikum zu gross.

  34. Mara Meier:

    Thomas Läubli, zum Kaputtlachen, zum Trompeten und Heulen, was Sie, ausgerechnet Sie, Thomas Läubli, die Sie Tag und Nacht und kreuz und quer virtuelle Wanderungen unternehmen, Ihre teilweise arg unbedarften (und hinterlistig verunglimpfenden) Kommentare fallen zu lassen wie Kot, zu den Menschen hinter den User-Kommentaren bemerken. Es seien Internetjunkies wie Sozialhilfebezüger, Hausfrauen oder Politiker, die sich in der Ratsdebatte gerade langweilen.//Herrlich, Thomas Läubli. Einfach herrlich.//Dass mann sich derart ans eigene Bein pinkeln kann; ich wusste es bisher nicht.//Gratulation!

  35. Thomas Läubli:

    Es ist immer interessant, was meine Kommentare an Empörung und Verstimmtheit hervorrufen. Ich kann aus solchen Kommentaren viel Verbitterung herauslesen. Wenn es jedoch um Blocher geht, behandeln diesen und die SVP dieselben Leuten (z.B. Patrick Feuz) wie ein Heiligenbildchen. Deren Polemik und Stimmungsmache dient ja allein dem Wohl des Landes. Amen.

    Wenn wir aber schon offtopic sind, darf ich Ihnen noch ein kleines Schmankerl zum Besten geben:

    Journalist W: «Die Kunst ist tot.»
    Journalist X: «Die Philosophie ist tot.»
    Journalist Y: «Die Politik ist tot.»
    Journalist Z: «Das Expertenwissen ist tot.»
    Ich: «Der Journalismus ist tot.»

  36. Markus Schär:

    Eigentlich wollte ich mich nicht mehr an dieser Debatte beteiligen, zumal sich der Urheber hartnäckig weigert, meinen grundsätzlichen Einwand zu verstehen oder auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Ein TA-Artikel von heute, wie in South Carolina mit Lügen- und Schmierenkampagnen Wahlen entschieden werden, hat mir aber zu denken gegeben. (Darüber, ob die Demokratie wirklich die beste Staatsform ist – dieses Thema behandelte Manfred Rösch am letzten Samstag in der neuen FuW mit kaum überbietbarer Dichte und Klarheit.)

    Es lässt sich kaum bestreiten, dass wir in der Schweiz auf einem ähnlich glitschigen Weg sind – aber doch noch weit weg von South Carolina, gerade aufgrund der Selbstkorrektur in den Medien. Dies ist jedoch keine neue Entwicklung und keine Folge der neuen Medien, wie Kurt Imhof als Medienhistoriker wissen müsste. Im Thurgau beschimpften sich beispielsweise in der Regenerationszeit die Zeitungen auf eine Weise, die heute undenkbar ist. Im Streit um die Linienführung der Eisenbahn gründete Eduard Häberlin (der thurgauische Escher) eigens eine Zeitung, um seine Kontrahenten mit einer Kampagne zu überziehen. Und Bundespräsident Fridolin Anderwert erschoss sich am 25. Dezember 1880 auf der Terrasse des Bundeshauses aufgrund einer Schmutzkampagne vor allem im „Nebelspalter“. In seinem Abschiedsbrief schrieb er: „Sie wollen ein Opfer, sie sollen es haben.“

    Natürlich gab es im Fall Hildebrand Aspekte à la South Carolina. Aber (was Kurt Imhof eben nicht verstehen will) das ganze Getöse der Empörungsdemokratie beeinflusste nicht im Geringsten, wie das allein zuständige Gremium (wie überfordert auch immer – mir erschien es nicht so, weil es den Fall zügig und nüchtern behandelte) letztlich den richtigen Entscheid im Interesse des Landes traf. Und für Prof. Imhofs Betrachtungen von der Bockleiter fehlt immer noch die geringste empirische Grundlage, also beispielsweise ein einziges Beispiel von „Feedbackschleifenjournalismus“, in dem die Kommentatoren die Journalisten aufgeheizt hätten. Geht es also gar nicht um Betrachtungen von der Bockleiter des Medienkritikers, sondern um eine Heissluftballonfahrt in seinen eigenen Diskurssphären?

  37. @Markus Schaer. Auf der Heimreise kann ich nun leider nur kurz zu Ihren wichtigen Einwaenden Stellung nehmen. Diese sind ja auch durch eine Beunruhigung ueber die in der Demokratie entscheidende Qualitaet der öffentlichen Kommunikation gekennzeichnet. Freilich gibt es schon viel zu viele Akteure, die auch deswegen die Demokratie in Frage stellen.

    1. Zu Ihren Hinweisen auf Skandalisierungen in der Geschichte der Schweiz: Voellig richtig. Der Skandal kommt mit der Entstehung der buergerlichen Oeffentlichkeit, bereitet die Revolutionen an der Schwelle zur Moderne vor und dominiert die Umbrueche innerhalb der Moderne. Entsprechend korreliert die Skandaliserungsintensitaet mit Krisenperioden. Allerdings haben wir seit der Entbettung der Medien von Ihren Herkunftskontexten einen sprunghaften und massiven Anstieg der Skandalisierungen und eine Verlagerung des Skandals auf die moralisch-emotionale Verunglimpfung von Personen unter Vernachlaessigung von Strukturen, die allein schon aufgrund der weltanschaungsorientierten Auseinandersetzungen immer eine zentrale Rolle spielten. Beides laesst sich in der Skandalforschung gut zeigen. Heute wechseln wir die als moralisch defizitär erscheinenden Personen aus und lassen die Strukturen bestehen.

    2. Nein, keine Ballonfahrt ueber Schlachtfelder (solche Fahrten setzten sich auch militärisch nicht durch – viel zu leichte Ziele). Feedbackschleifen ueber Klickraten und Postings sind evident im Onlinejournalismus, und Beispiele lassen sich zu Hauf finden. Allein schon alle Synthesebeitraege von Postings gehören dazu sowie alle diejenigen, die innerhalb des Hypes keinerlei neue Fakten bringen, sondern Informationen bloß mit der einen oder anderen Schlagseite recyceln und auch noch rein fiktionale Elaborate wie etwa ein erfundenes Zwiegespraech zwischen Philipp und Kashya Hildebrand auf dem Newsnetz (6.1.2012) beisteuern.

  38. Pingback: Angriff der Info-Zombies « cuirhomme

  39. B. Kant:

    In der Schweizer Mediendatenbank SMD findet das Wort «Empörungsbewirtschaftung» zum ersten Mal am 7. Juni 2002 Eingang, in der NZZ, und zwar von unserem Superexperten Kurt Imhof himself. Seither tingelt er mit diesem Wort durch alle Medien zu jedem nur erdenklichen Thema. Denn die superpraktische Phrase passt ja irgendwie zu allem, zu dem sich der Superexperte äussert. Und weil es so eingängig ist, wird es von Politikern jeder Couleur, von den Medien und vom Publikum aufgenommen, denn die Empörung bewirtschaften ja immer nur andere. Und wer empört ist, ist eigentlich ein armes Opfer all jener, die diese Empörung eben bewirtschaften.

    Aber was sagt das Wort «Empörungsbewirtschaftung» letztlich, wenn man mal genau hinschaut?
    Journalisten wühlen im Schlamm, sie legen Dinge offen, die Politiker, Manager und Prominente gerne zugedeckt hielten. Sie tun also das, was sie seit jeher tun. Banal. Allzu banal. Was natürlich nicht geht. Also muss der Superexperte die Phrasendreschmaschine anwerfen.

    Und weil die Phrasen so eingängig sind, bekommt er dafür auch Applaus. Bloss, was sind das für Leute, die ihm applaudieren?

    Zum Beispiel: Thomas Läubli, der Online-Kommentatoren als «Internetjunkies wie Sozialhilfebezüger, Hausfrauen oder Politiker, die sich in der Ratsdebatte gerade langweilen» bezeichnet, als Vox Rindvieh, der also von sich selber auf andere schliesst.

    Man google mal „Thomas Läubli“ AND „SVP“. Bei mir gibt es ungefähr 24’000 Ergebnisse an und ein kurzer Blick über die Seiten zeigt, dass es sich dabei ausschliesslich um Kommentare von ihm in allen erdenklichen Blogs und Online-Zeitungen handelt (also nicht um eigene Artikel). Auch wenn viele Kommentare doppelt gezählt sein mögen, so würde ich mir doch langsam Sorgen machen um die Qualität meines Lebens, wenn ich Herr Läubli wäre.

  40. Mara Meier:

    Der „Superexperte“ Imhof, wie Sie, Herr Kant, den Soziologen und Publizistikwissenschafter vom Dienst nennen, gehört zum Medienzirkus. Sie würden ganz schön ins Kissen heulen und schnuddern, gäbe es ihn nicht. Das vorweg. Dann: Ich habe schon dümmere Kreationen gelesen, als eben: Empörungsbewirtschaftung. Eingängig: ja. Als Phrase geeignet: von mir aus. Aber, Herr Kant, das war der Kategorische Imperativ auch, wenn Sie mir eine kleine Dümpelei erlauben. Der angemahnte Begriff könnte ja durchaus dazu führen, über die eigene Empörungsbewirtschaftungsbereitschaft zu reflektieren, über die eigene Lust, „traurig und wütend“ zu sein und die Gefühle, über die man heute ja zum Glück nicht mehr schweigen muss (Lass es ‚raus, Mann!) in normiertem, mit Fremdwörtern und analytischem Zauber geschmücktem Betroffenheits-Geschwafel mit anderen zu multiplizieren – nicht immer (oder: nie) im Dienste der Klärung und Einordnung, sondern eher als Zusammengehörigkeitsgefühlsbewirtschaftung. Wenn die Medienleute zusammen in die Kissen heulen und schnuddern, weil Herr Imhof wieder einmal komplett daneben war, entsteht auch so ein wunderbarer Moment des Einander-Zunickens über alle Gräben und Besitzverhältnisse. Sitzen wir doch alle im gleichen Boot, gell? Die von der Uni müssen gar nicht meinen. Die Praktiker, das sind wir. Das, was wir verschlafen haben, verludern liessen oder nicht können, wollen wir ganz alleine aufdecken und bewirtschaften, im Fall.//Wo bleibt eigentlich die Käslischachtel-Medaille für den Superexperten?//Sie schreiben weiter, die Journalisten wühlen im Schlamm. Das mag sein. Aber wenn Sie meinen, Journalisten wühlen nur im Schlamm, um „Dinge offenzulegen, die Politiker, Manager und Prominente gerne zugedeckt hielten“, ist das nur die eine Seite der Käslischachtelmedaille, Herr Kant. Journalisten wühlen zuweilen im Schlamm und werfen Dreck und wirbeln Staub auf, weil sie Empörung generieren, bewirtschaften und die reale Situation massiv verschlimmern, sie auf die Streckbank legen, aufbauschen, allenfalls verzerren oder anreichern, einen „Skandal“ künstlich am Leben erhalten, um im Gespräch zu bleiben, aufzufallen, sich anzubiedern, zu profilieren, gelesen zu werden.//Und: Läubli ist jenseits.

  41. Thomas Läubli:

    @B. Kant: Thomas Läubli, der Online-Kommentatoren als «Internetjunkies wie Sozialhilfebezüger, Hausfrauen oder Politiker, die sich in der Ratsdebatte gerade langweilen» bezeichnet, als Vox Rindvieh, der also von sich selber auf andere schliesst.
    Aber, Herr Kant, haben Sie denn keinen Humor? Ich habe mir als Eulenspiegelei angewöhnt, die Scharfmacher-Rhetorik der SVP sowie deren beliebte Schlagwörter zu kopieren. Ich mache dann die Erfahrung, dass die Anhänger der «Political Incorrectness» jeweils beleidigt reagieren. Ihre Wortwahl ist ja schliesslich auch nicht zimperlich:
    Jene Grünen und Linken, die so plump-primitiv auf den Grünliberalen rumbashen, erinnern mich an eine verbittere Ehefrau, deren Mann sie für eine schönere, jüngere, klügere verlassen hat.
    Beim Googlen von „B. Kant“ AND SVP findet man noch ganz andere aufschlussreiche Kommentare, die auf eine gewisse Empörung schliessen lassen. Google sei Dank! Amen.

    @Mara Meier: Gefühle, über die man heute ja zum Glück nicht mehr schweigen muss (Lass es ‘raus, Mann!) in normiertem, mit Fremdwörtern und analytischem Zauber geschmücktem Betroffenheits-Geschwafel mit anderen zu multiplizieren
    Meinen Sie mit dem mit Fremdwörtern gespickten Geschwafel vielleicht solches, das beim Googeln von „Mara Meier“ AND SVP rauskommt?
    Herr Peter Keller, einer der helleren Köpfe der nicht gerade superklugen SVP, bleibt hier weit unter seinen denkerischen Möglichkeiten. Vielen Dank auch!//Wenn freundliche Schreiben aus Bern eintreffen, dann ist das Gesülze. Bleiben sie aus: auch nicht recht. Terminierungen erscheinen präpotent. Ja, gopf: Was jetzt, Herr Keller?//Typische Abbildung des SVP-Stils: Es geht ums Maulen des Maulens Willen. Dekonstruktion, täubelen und stämpfeln als Stil-Prinzip. Immerhin parallel dazu ein süffisantes Lächeln. Diese Multitasking-Leistung muss anerkannt werden.

  42. B. Kant:

    @ Thomas Läubli: Doch, doch, Herr Läubli, ich habe durchaus Humor, ich finde Sie nämlich zum Schreien komisch. Zum Beispiel weil Sie glauben es handle sich beim Traktandum einer SVP-Sitzung «b. Kant. Vorlagen» um mich.
    Und auch bei den Grünliberalen muss ich leider passen. Ich mag Leute, die mich bevormunden wollen, grundsätzlich nicht.

    Zurück zur Empörungsbewirtschaftung:
    Sind eigentlich jene, die die Empörungsbewirtschaftung kritisieren dieselben, die diesen Hochstapler Stéphane Hessel und sein Kitschbuch «Empört Euch!» lobpreisen?

    Es gibt ja nicht wenige Journalisten, die Hessel, diesen Paulo Coelho für den ewig pubertierenden Möchte-gern-Revoluzzer, auf ihrer Facebook-Seite empfehlen?

    @ Mara Meier:
    Ihr letzter Satz kann wohl jeder unterschreiben.
    Aber auch Ihr zweitletzter Satz hat es in sich, vor allem der zweite Teil.
    «um im Gespräch zu bleiben, aufzufallen, sich anzubiedern, zu profilieren, gelesen zu werden.»

    Es ist doch recht amüsant, wie viele empörte Leitartikel/Kommentare von Journalisten es zum Fall Hildebrand in den Zeitungen gegeben hat – und es ist tragisch wie wenig Recherche, Hintergrundinformation und Mehrwert sie geliefert haben.

    Andererseits bekommen die Schönschwätzer, die eloquent ein paar Schriften von Ökonomen, Philosophen, Soziologen zusammenfassen ja auch mehr Applaus als die Mudrackers.

    Es ist die Nachfrage, die das Angebot bestimmt.

  43. Fred David:

    @) B.Kant (ohne Pseudonym wären Sie noch bekannter): Ihr letzte Satz klingt fast bedrohlich, aber er stimmt. Und was die Muckrakers betrifft, auch das stimmt. Die waren in der Schweiz immer unbeliebt und unterbezahlt, weil sie stören, weil sie Risiken in die Redaktion schleppen, weil sie Arbeit machen, weil sie Zeit, gelegentlich auch Lehrgeld kosten und weil sie meistens mühsam sind. Die Bequemen haben es leichter. Drum gibt es so viele von ihnen.

    Es fehlt in Schweizer Redaktionen jede Kultur für solche Journalisten, die kein Seidenfoulard tragen und die auch an Orte gehen, wo man keinem schleimigen Spin-Doctor begegnet, wo es keine Pressemitteilung, keine Einladungen, keine „exklusiven“ Backgroundgespräche in elegantem Ambiente mit edlen Weinen und Spirituosen gibt. Es gibt schon Leute, die das könnten und wollten, weil sie wissen, dass man so an wirklich gute Stories kommen kann, die hinter jenen schön drapierten Kulissen spielen.

    Aber es fehlt in der Führung der Redaktionen und Newsrooms der Sinn dafür, dass man solche Leute pflegen, dass man ihnen den Rücken stärken muss, wenn’s mal ein bisschen zäh wird, dass sie mehr Geld kosten als Computer-Surfer und dass man nicht gleich den Schwanz einzieht, wenn mächtige Interessen sich grollend regen.

    Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Demnach sollte man als Medienkunde energischer und zielgerichtet „nachfragen“, so, dass es auch in den Newsrooms und in den Managementetagen der Medienhäuser verstanden wird.

    In einem Land, das keine institutionalisierte Opposition kennt, die aufpasst, müssen die Medien zumindest zum Teil diese Rolle übernehmen, aus eigenem Antrieb, mit eigenen Mitteln und mit eigener Meinung, nicht bloss gefüttert von interessierten Kreisen.

  44. Mara Meier:

    A, a, a, Herr Kant! „Es ist die Nachfrage, die das Angebot bestimmt.“ Freitagnachmittag: nachsitzen. – Wer hat die Nachfrage nach dem iPhone bestimmt, „die Nachfrage“ (abstraktes Ding, so eine Nachfrage) oder das erotische Dingelchen an sich?//Muss jetzt weg. Nachsitzen. D.h. für internetsüchtige, lohnarbeitslose Hausfrauen, die Vox Meister Propper der hieisgen Gestade: Stubenarrest. Und: Putzen ohne Mittel bis die Finger wund sind.

  45. B. Kant:

    @ David: Ihre Beschreibung des Salon-Journalisten hat mich ganz köstlich amüsiert. Nur einen winzigen Einwand habe ich. Die Salon-Journalisten der jüngeren Generation tragen keine Seidentüchlein mehr, sie schlurpfen ganz ungeschniegelt durch die Gänge ihres Medienhauses.

    Was nun den Medienkunden angeht, so ist es ein frommer Wunsch, zu hoffen, dass der die Nachfrage energischer angeht. Das Gros der Medienkunden liest Zeitung, um seine Weltsicht bestätigt zu bekommen, und nicht um informiert zu werden. Und sie lesen nicht nur ausschliesslich, was ihre Meinung bestätigt, sondern sie erklären andere Publikationen zum Dalit-Blatt (I like @ Skeptiker).

    Es ist übrigens empirisch belegt, dass man Inhalte, die der eigenen Meinung entsprechen, eher für glaubwürdig hält, als Inhalte, die der eigenen Weltsicht widersprechen. Der Mensch scheut die Kognitive Dissonanz.

    Und so empören sich die einen über das Verhalten der anderen, die sich empört haben über jene, die wiederum sich über diese empören, worauf der Soziologe sich über jene empört, die sich empören, was wiederum diese empört.

    Vive l’Empöreur!

  46. Markus Schär:

    @B.Kant Einfach immer wieder schade, dass es hier keinen Like-(oder „I love it“)-Button gibt. You made my day.

  47. Skepdicker:

    Handelt es sich bei essayistischen Mode-Begriffen wie «Empörungsbewirtschaftung», «Stimmungsdemokratie» und «Wutbürger» nicht letztlich um zeitgeistige Weasel words bzw. Essentially contested concepts?

    Wo liegt der Unterschied zwischen gutem «die Ängste der Menschen ernst nehmen» bzw. der Watchdog-Funktion der Vierten Gewalt und schlechter «Empörungsbewirtschaftung»? Wo ist zwischen «engagierter Zivilgesellschaft» und «Stimmungsdemokratie» die Grenze zu ziehen? Was unterscheidet denn den «kritischen Citoyen» vom belächelten «Wutbürger»? Entscheidet nicht die eigene Position zu einem konkreten Thema über die Klassifikation (und damit verbunden die Beurteilung der Medienreaktion)?

  48. Mara Meier:

    Viele Fragen, viele Anglizismen.

    Frage 1 (betr. Begriffe): rhetorisch. Und die Antwort: ja.

    Frage 2: Der Unterschied liegt in der analytischen Schärfe, mit der vorgegangen wird. Ausserdem: „Die Ängste der Menschen ernst nehmen“ – das ist purer Kitsch. Niemand nimmt die Ängste anderer Menschen so summarisch „ernst“. Die Analysandin kann froh sein, wenn der eigene Analytiker ihre Ängste „ernst“ nimmt. Und das bei CHF 200/50′.//Es sind der Gründe viele, weshalb gewisse Themen „ernst“ genommen, d.h. herausgehoben und bewirtschaftet werden (sowie z.T. künstlich beatmet), andere nicht oder nur kurz (vgl. Noam Chomsky).

    Frage 3: Zivilgesellschaft und Stimmungsdemokratie. Oben war es die analytisch Schärfe, jetzt geht es um Partizipation vs. Passivität.

    Frage 4 (Citoyen vs. Wutbürger): Das Milieu? Und wertend: das Niveau.

    Frage 5 (der eigene Standpunkt): ebenfalls rhetorisch. Antwort: natürlich.

  49. Schade. Die Auseinandersetzung verkürzt sich auf Begriffe, der Ursprungstext und einige gewichtige Ergänzungen spielen keine Rolle mehr (etwas, was ich neben erstaunlich vielen wechselseitigen Ressentiments immer wieder in solchen Online-Debatten beobachte).
    Dieser Verkürzung auf Begriffe, die wir dazu verwenden um Zustände zu beschreiben, wollte ich in meinem Ursprungsbeitrag schon vorgreifend vermeiden, indem ich a) auf den argumentativen Gehalt von journalistischen Beiträgen verwies und b) die Zustandsbeschreibung einer moralisch-emotionalen Vereinseitigung vor allem des Onlinejournalismus in diesem Hype begründete. Es ist ganz simpel: Argumente machen den Unterschied zwischen blosser Empörung und möglicherweise berechtigten Anliegen und Argumente entscheiden über die Plausibilität einer Beschreibung. Begriffsklaubereien und mangelnder Nachvollzug von Argumentationen rauben uns bloss Zeit.

  50. Mara Meier:

    Danke für die Auflösung (die Antwort lautet also: Argumente), Herr Imhof. Und: Entschuldigung, dass „wir“ den Ausgangstext so schmählich aus den Augen verloren haben, dass die letzten Beiträge I h r e Argumentation mangelhaft nachvollzogen, sie auf Begriffe reduziert haben.//So ein Höllending von Thread erlaubt es, Herr Imhof, von einem Ursprungstext, der das Unglück vorgreifend vermeiden wollte, auf Begriffe (d.h. auf den Hund) zu kommen, sie zu besprechen und dann durchaus wieder auf Konzepte oder Ihren Ursprungstext zurückzukommen. Wir sind hier online, Herr Imhof. Nichts für ungut!

  51. Thomas Läubli:

    Zum Beispiel weil Sie glauben es handle sich beim Traktandum einer SVP-Sitzung «b. Kant. Vorlagen» um mich.
    Das habe ich nirgends behauptet. Ich glaube auch nicht, dass alle Resultate unter „Thomas Läubli“ AND SVP aussagekräftig sind für oder gegen irgendetwas. Suchmaschinen sind nicht besonders intelligent.

    Herr Imhof hat schon recht. Die Beiträge der letzten Tage hier bestehen aus Ressentiments, weasel words, Eigenlob und Lobhudeleien der Classe Bloggiste. Wie es Bourdieu in «Die feinen Unterschiede» beschrieben hat, versucht sich ein Lager vom anderen zu distinguieren. Indem Experten als „Schönschwätzer“ betitelt werden, rückt man Blogger und andere Anglizismen ins noch schönere Licht und lenkt so letztlich vom Inhalt der Diskussion ab.

  52. Skepdicker:

    Danke für die Kritik, Herr Imhof.

    In Ihrem Ursprungstext finden sich drei Sätze zum Argumente-Argument:
    1. «Als Fazit lässt sich festhalten, dass Stimmungen alles sind, Argumente hingegen wenig zählen.»
    2. «Am meisten Resonanz erreicht nicht derjenige mit den besten Argumenten, sondern der, der sich am lautesten empört.»
    3. «Und sie sind so immun gegen Argumente, dass sie fast gar keine mehr brauchen.»

    Schade, dass Sie diese Behauptungen nicht mit empirischen Belegen untermauern. Obwohl meine Wahrnehmung ebenfalls nicht der Realität entsprechen muss, war und ist meine Perzeption der Ihrigen diametral entgegengesetzt: Ich bestreite nicht, dass die Debatte von beiden Seiten äussert aggressiv-emotional geführt wurde. Im Fussball würde man von internationaler Härte sprechen (man vergleiche mit der Causa Wulff). Und natürlich spielte dank der Beteiligung von B. und des Dalit-Blattes Pawlow eine grosse Rolle. Es wurde aber nachweislich von beiden Lagern mit validen Argumenten operiert.
    Wenn Sie die Umfragen zur Hildebrand-Affäre anschauen, müssen überdies auch Sie zugeben, dass die angebliche «Stimmungsdemokratie» sich verdächtig stark mit dem angeblich von der hetzenden Journaille Hingerichteten solidarisiert. Ohne diese These beweisen zu können, wage ich zu behaupten, dass nicht zuletzt die Wortwahl und Emotionalisierung des Dalit-Blattes zu einer Solidarisierung mit Hildebrand führte.
    Zudem muss festgehalten werden, dass der Disput zwischen dem Dalit-Blatt und dem sozial und akademisch erwünschten Teil der Presse zu einem neu-alten Phänomen geführt hat: Die Journalisten betreiben nicht mehr Copy-Paste- und Communiqué-Umformulier-Journalismus, sondern schauen sich gegenseitig genau auf die Finger. Es werden nun sogar die Quellen, Recherchemethoden und Finanzierungsmodalitäten der Konkurrenz thematisiert!
    Als Konsument begrüsse ich dies.

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