Warum Blocher gut war für die «BaZ»

Wenn Christoph Blocher sagt: «Das ist ja klar», dann ist für alle anderen meistens gar nichts klar. So am letzten Samstag, als Blocher sagte: «Natürlich habe ich Einfluss bei der ‹BaZ›, das ist ja klar.» Das, nachdem Blocher monatelang jede Verbindung zur «Basler Zeitung» verschleiert, vertuscht und abgestritten hatte, und zwar, wie erst Tage zuvor ans Licht kam, mit allerhand Tricks und einem weitherzig interpretierten Wahrheitsbegriff.

Die Reaktionen im politisch-journalistischen Komplex waren erwartbar empört. Die «NZZ» nannte das Versteckspiel «blamabel», der Tagi fürchtet Blocher als «Oligarchen», die Gewerkschaft Syndicom und der grüne Basler Regierungsrat Guy Morin sprachen von «Berlusconisierung».

Die Empörung ist erstens überzogen, zweitens scheinheilig und drittens an den falschen Adressaten gerichtet. Von berlusconischen Verhältnissen sind wir Lichtjahre entfernt. Der Industrielle Blocher hat einem kleinen Schweizer Regionalverlag unter die Arme gegriffen, der vor allem wegen seiner Drucksparte schwer defizitär ist. Aber Blocher dominiert nicht ganze Fernsehketten und ist auch kein Premierminister mit Zugriffsrecht auf ein Staats-TV.

Dass der Politiker Blocher sein Engagement verheimlichen wollte, ist verständlich angesichts der Kurzschluss-Kritik, der alles ausgesetzt ist, was der Mann anfasst. Medien seien Organisationen, «deren ideelle Grundlage auf dem Anspruch auf Transparenz basiert» schreibt verschwurbelt die «NZZ». Das hört sich in einer Sonntagspredigt wahnsinnig schön an. Nur: Wer weiss denn schon, welcher innere Zirkel zum Beispiel bei der «NZZ» das Sagen hat? Wer den neuen Verwaltungsratspräsidenten auf den Schild hob? Und wer den Entscheid von der erfahrungsgemäss verschlafenen Generalversammlung abnicken liess? Der hehre Ruf nach «Transparenz» in allen Lebenslagen ist entweder naiv oder – wenn er an andere gerichtet ist – meistens ziemlich verlogen.

Dennoch mag im ganzen «BaZ»-Epos nach dem Rückzug des Verlegers Hagemann ein Makel gewesen sein, dass laufend mit verdeckten Karten gespielt wurde. Ruckartige Wechsel waren die Folge, und dass von der wahren Gefahr für die Presse- und Meinungsvielfalt abgelenkt wurde. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass die dominierenden Schweizer Grossverlage sich das Basler Kuchenstück gern einverleiben würden.

Das allein wäre zwar keine Katastrophe. Die Grossverlage stellen materielle Grundlagen für die immer noch vielfältige Medienlandschaft sicher, sie sorgen für Effizienz bei Druck und Vertrieb und für Investitionen in die Medienzukunft. Aber auch mit den besten Absichten «publizistische Freiheiten» zu gewähren, sind die Grossverlage eben doch auch die Ursache für einen sauber ausgeholzten Pressewald, für mehr Stromlinienförmigkeit und weniger knorrigen Widerspruch.

Welcher Grossverleger hätte es gewagt, Markus Somm einen Chefredaktorenposten zu geben, einem Mann, der bekannt ist für seine brillante Schreibe und gefürchtet für seinen chaotischen Führungsstil? Das Resultat aber kann sich sehen lassen. Das sagen mir Freunde, die die «BaZ» wirklich täglich konsumieren: Die «BaZ» sei lesenswert, sicher lesenswerter als zuvor.

Dass Somm sein Blatt auf «stramm bürgerlichen Kurs getrimmt» habe, ist eine sehr verengte Sicht. Das zeigt sich schon beim Durchblättern von ein paar Nummern, wo man auf Autoren wie Rudolf Rechsteiner und Helmut Hubacher stösst. Und ausgerechnet in der von Blocher angeblich ideologisch usurpierten «BaZ» konnte der grüne Nationalrat Daniel Vischer gelassen aussprechen, was viele dachten und unterdessen vollzogen wurde: «Blocher und seine ganze Entourage sind aufgefordert, sich sofort von der ‹BaZ› zurückzuziehen.» Wo sonst in einer Schweizer Zeitung könnte ein Autor so offen den Geldgeber auffordern, das Weite zu suchen?

Edgar Schuler ist Redaktor am «Tages-Anzeiger». Was er hier schreibt, ist seine persönliche Meinung.

von Edgar Schuler | Kategorie: Mediensatz

28 Bemerkungen zu «Warum Blocher gut war für die «BaZ»»

  1. Zustimmung, vor allem zu „einem kleinen Schweizer Regionalverlag unter die Arme gegriffen, der vor allem wegen seiner Drucksparte schwer defizitär ist“ – das kommt der Wahrheit sehr nahe. Der Rest ist grosse Hysterie. Von Journalisten. Die eigentlich nicht hysterisch sein sollten.

  2. Wobei es auch Stimmen gibt, die behaupten, Herr Somm halte sich für die „Forumszeitung“ BaZ ein paar Feigenblätter. Die Strategie, oder besser gesagt, das System „Weltwoche“ schimmert jedenfalls deutlich durch. Auch halte ich es für nicht ganz unwahrscheinlich, dass die letzte Fischer-Kolumne durchgeflutscht ist, weil der Chefredaktor gerade unabkömmlich war. Immerhin entledigte sich Somm damit elegant der Aufgabe, persönlich zum ganzen Trauerspiel Stellung beziehen zu müssen.

    Dead newspaper walking. Spätestens seit gestern.

  3. Fred David:

    Da nehmen Leute aus einem bestimmten politischen Milieu, das man beim besten Willen nicht mit „liberal“ beschreiben kann, wiederholt viel Geld in die Hand, um völlig harm- und arglos eine Regionalzeitung zu retten und damit unserem Vaterland die Medienvielfalt zu erhalten, die sonst von bösen Mächten dauernd untergraben wird. Die letzten Weissen Ritter des Abendlandes, bedient vom üblichen Fussvolk, satteln ihre Rosse – zur Verteidigung eines defizitären Regionalblatts. Und es sei klar, ehrlich: es sei klar, so wird Tito Tettamanti aus der gestrigen Medienkonferenz zitiert, „dass es bei der ‚Basler Zeitung‘ keine Verbindung zu Christoph Blocher geben dürfe“. Selbiger Kreuzritter übernimmt vielmehr in veritabler Selbstlosigkeit auch noch die beträchtlichen Defizite der BaZ-Druckereien, ohne jede Bedingung, selbstverständlich. Weihnachten ist’s, die schöne Zeit der Märlitheater für unsere lieben Kleinen. Vorhang! Applaus! Bei Nichtgefallen können die bereits gelösten Karten leider nicht mehr an der Tageskasse zurückgegeben werden. Verkauft ist verkauft.

  4. ras.:

    Ist Pietro Supino ein Strohmann? ist Konrad Hummler ein Strohmann? Ist Norbert Neininger ein Strohmann? LIeber Edgar, geht’s auch noch ein bisschen simploider? In der Tat ist das Thema Interesseneinflüsse weitläufig, und alle Medienhäuser sollten das selbstkritisch sehen. Aber jeden Präsidenten eines Medienhauses zum Hampelmann zu erklären, das kommt nun wirklich einer doofen intellektuellen Verschwurbelung gleich. Bitte erst recherchieren, lieber Edgar. Ich habe in der BaZ-Frage nie zur Empörungsfraktion gehört. Ist alles tranparent nachlesbar in Internet oder in den Mediendatenbanken. Es wäre mir auch nie in den Sinn gekommen, Blocher mit der Sowjetunion zu vergleichen, wie jüngst im Hauptkommentar des Tages-Anzeigers. Das ist nun wirklich ein faktenfreies Bonmont für lounge lizards. Anstelle der derzeitigen geistlosen modischen Gesinnungsschnüffelei wäre es interessanter, darüber nachzudenken, was mit uns geschieht, wenn Journalisten uns durch Zeitgeist-Spässchen und spätpubertäre Dissidenz-Gelüste ohne Faktenbasis verblöden.

  5. Fred David:

    Gemach, Kollege@)ras, gemach. Wir sollten nicht alle, die nicht mehr ins Märlitheater gehen mögen als Simploide bezeichnen. Das ist in sich irgendwie unlogisch. Andersherum macht’s mehr Sinn.

  6. Kurt Hasler:

    Gibt es eigentlich auch „unpersönliche“ Meinungen? Wie würde die sich hier lesen?

  7. Martin:

    @ras.:

    Ist Pietro Supino ein Strohmann? ist Konrad Hummler ein Strohmann? Ist Norbert Neininger ein Strohmann? LIeber Edgar, geht’s auch noch ein bisschen simploider?

    Beantworten Sie doch diese Fragen als Ihrem Journalistenkollegen ein erfundenes Wort an den Kopf werfen!

    Wer, wenn nicht ein Medienjournalist, sollte recherchieren, wer die verschiedenen privaten Medienanbieter in der Schweiz finanziert und kontrolliert? Wieso sollten diese Fragen nur bei BaZ und Weltwoche interessieren?

  8. Vera Kasner:

    Mein Gott, Martin, Sie werden richtig albern. Kein Aktionär der NZZ darf mehr als 40 Aktien haben (1 Prozent). Das nennt man Vinkulierung. Die Aktionäre müssen Mitglied der FDP sein oder sich zum freisinnig-demokratischen Gedankengut bekennen, ohne Mitglied einer anderen Partei zu sein. Die Aktionäre treffen sich einmal jährlich zur Generalversammlung und speisen danach gemeinsam im Kongresshaus Zürich. Gehen Sie doch hin im kommenden Frühling, Martin. Mehr Transparenz ist schwer vorstellbar. Wäre Blocher mit seiner Tochter am Aktionärsessen der BAZ erschienen? Eben. Herr Schuler, Ihr Beitrag liest sich wie ein Bewerbungsschreiben für die „Basler Zeitung“. Viel Glück, vielleicht reicht es Ihnen ja.

  9. Ich weiss nicht, wer Ihre Freunde sind, die die BaZ als „lesenswerter als zuvor“ taxieren. Ich weiss auch nicht, wie sich bei gewissen Leuten die Meinung halten kann, Markus Somm sei ein brillianter Schreiber (ich meine damit wirklich seinen Stil und nicht seine politische Einstellung). Ich lese die Zeitung täglich und kann nun beim besten Willen die Meinung Ihrer Freunde nicht teilen. Die von Ihnen genannten Gastkolumnisten Vischer, Hubacher und Rechsteiner sind nicht mehr als Feigenblätter eines Sandkasten-Meinungspluralismus (der übrigens mit genau so vielen erzliberalen Gegenpolen schön austariert wird). Das eigentliche Gesicht der Zeitung zeigt sich aber im redaktionellen Teil, und da bläst der Wind nun ganz und gar eindeutig aus der rechts-rechtsbürgerlichen Ecke.

    Ich würde Ihnen raten, die Zeitung selber mal zu lesen anstatt sich auf das Urteil irgendwelcher Freunde zu verlassen.

  10. Jost:

    „Der hehre Ruf nach «Transparenz» in allen Lebenslagen ist entweder naiv oder – wenn er an andere gerichtet ist – meistens ziemlich verlogen.“

    Transparenz ist extrem wichtig und der Ruf danach keineswegs verlogen. Keine Ahnung wie sie auf solch absurde Statements kommen. Beim Staat, bei Firmen und ganz besonders bei Medienkonzernen sind Transparenz und klare Interessenverhältnisse absolut unabdingbar. Sonst machen sich Korruption, Mauscheleien und Filz breit.

  11. Fred David:

    @) ras: „Anstelle der derzeitigen geistlosen modischen Gesinnungsschnüffelei…“.

    Ich weiss nicht, ob folgende Formulierung noch zutrifft , aber so sieht für mich Gesinnungsschnüffelei in natura aus: „Um Aktionär der NZZ zu werden, muss eine Person Mitglied der FDP sein oder aber sich zur freisinnig-demokratischen Grundhaltung bekennen, ohne Mitglied einer anderen Partei zu sein“ http://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Z%C3%BCrcher_Zeitung.

    Jedenfalls galt diese zwingende Vorgabe viele Jahrzehnte lang und man fand das völlig normal.

    Wie auch immer: Mich stört das nicht. Es ist ein offenes Bekenntnis zum Gesinnungsjournalismus. Das darf eine Zeitung ohne weiteres, aber sie darf dann nicht erstaunt sein, nicht als unabhängig und nicht als besonders freiheitlich wahrgenommen zu werden.

    @) Vera Kasner: Diese Eigentümer-Struktur der NZZ ist – bis auf die obige Einschränkung – für ein Medium vorbildlich, selbst wenn dies einen beherzten Eingriff in das freie Spiel der Markt- und Eigentumskräfte bedeutet. Aber wie die Geschichte der NZZ beweist, kann ein solcher Eingriff in den Markt sehr sinnvoll sein.

    Warum machen das andere nicht auch so? Vinkulierte Aktien, die die Dominanz einer einzelnen Person, einer Familie oder eines Unternehmens ausschliessen: ideal für jedes Medienunternehmen! Denn dass Medien- und Meinungsmacht in einer Demokratie käuflich und vererbbar sind, muss man nicht als zwingend betrachten, zumindest nicht bei meinungsrelevanten Medien.

    Die meisten „amtierenden“ Medienfamilien sind in diese Rolle durch Erbgang gekommen, weil ein Vorfahr mal eine kleine Druckerei oder ein Anzeigenblättchen gekauft bez. gegründet hat. Die Nachfahren haben das dann weiterentwickelt – zusammen mit vielen, vielen, vielen fliessigen Mitarbeitenden.

    Man kann schon mal drüber nachdenken, ob diese Eigentumsstrukturen bei meinungsrelevanten Medien noch zeitgemäss sind. Erben allein ist zu wenig Legitimation. Es gibt viele – gut funktionierende – Modelle, etwa Stiftungen, oder auch der „Spiegel“, der zu 50% den Mitarbeitern gehört, oder eben die NZZ, die ihren Lesern gehört (sofern diese auch gesinnungsmässig den Ansprüchen genügen…), ohne dass da ein grosser Zampano im Hintergrund stehen muss, der die Fäden zieht.

    Im Fall BaZ ist das derzeit sicherlich wegen der hohen Verschuldung schwierig, aber nach einer erfolgreichen Konsolidierung sollten die arglos-harmlosen Wissen Ritter, die dort jetzt als Retter am Werken und Wirken sind, energisch auf diese Möglichkeiten aufmerksam gemacht werden, da sie ja, nach eigenen Angaben, vorallem den Schutz der Medien- und Meinungsvielfalt in diesem unserem Land im Auge haben.

  12. Bin mit Edgar Schuler vollkommen einig. Journalismus ist Dienst am Leser und auch mir scheint: der Basler Leser wird unter Somm besser bedient. Schon rein vom Layout her. Die BaZ ist wieder eine Zeitung für „Leser“ und nicht für Bildli-versessene Analfabeten.
    Dass „ras.“ aus seinem Layout mit viel Durschuss um die fette Autorenzeile heraus sein Kontra kläfft, gehört zur Logik des „Hofhundes“. Es zeigt sich erneut, dass die Tamedia mit „Edgar Schuler“ einen Publizisten mit Herzblut und Augenmass aus der Falkenstrasse abgeworben hat.
    Dass im Zwinger der liberalen Welpen da ein Knurren und Scharren sich nun vollzieht, ist nicht weiter verwunderlich.

  13. Wenger Brigitte:

    @Girardet: Ich war jahrzehntelang Leserin der BAZ und habe wohl die Entwicklung einges genauer erlebt als Sie. Bedient will ich nicht werden, noch weniger ein Bildli-Blatt konsumieren, wie Sie es – zwar leicht einfältig – formulieren, aber mit den Anal-fabeten (da war die frühere Schreibweise doch humaner :-) beweisen Sie wenigstens Situationskomik.
    Vielleicht bin ich – wie viele MigrantInnen – überangepasst, weil ich vor 37 Jahren von Zürich nach Basel immigriert bin? Jedenfalls ist in meinem Umfeld hier die Wut auf Blocher riesig und wir fühlen uns mehr als verarscht. Auch der sensible Herr aus Lugano wird sich unlängst wieder von uns trennen, das ist für mich so sicher wie das Amen in der Kriche.
    Last but not least noch eine Bitte: verschonen Sie das Hundereich mit Ihren Ergüssen, nur schon meinem Dalmatiner zuliebe. Wer hat denn schon „Durschuss“? Das ist einfach nur beleidigend.

  14. Fässler Albert:

    Kritisieren ja, zahlen nein
    Die Basler hätten sich ihre Empörung über Besitzer und Politkurs der BaZ sparen können. Schliesslich wusste man seit Jahren um die wirtschaftlichen Probleme dieser Zeitung und der ihr angegliederten Druckerei, aber eigenes Geld investieren und damit Arbeitsplätze sichern wollte dann doch niemand. Das Zahlen überlässt man lieber fremden Vögten. So gesehen ist jede Kritik und Protestmarsch einfach nur lächerlich.

  15. Fred David:

    @) Fässler Albert: Ja, und darum braucht es die Weissen Kreuzritter, die nichts anderes als ein gutes Werk im Dienst der Allgemeinheit und zum Wohl des Abendlandes im Sinn haben. Da ist kein Wort zu grossartig für dieses edle Tun. Denn sie wollen die Pressefreiheit mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen und selbstlos wollen sie für uns alle die Medienvielfalt retten. Geld verdienen wollen sie dabei auf keinen Fall, denn genau darum kaufen sie ja eine defizitäre Regionalzeitung, weil sie keine andern Investitionsziele mehr finden, die Armen. Vorhang! Applaus! Das Märlitheater ist aus.

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  17. Fred David:

    Sorry, noch eine Ergänzung, wenns‘ sonst niemand macht: Einer der Weissen Kreuzritter ist Daniel Model, ein reicher Verpackungsfabrikant aus dem Thurgau. Er lässt sich folgendermassen zitieren:“Herr Tettamanti hat mich gefragt und ich habe zugesagt“ (zur Uebernahme von 5% der BaZ-Aktien).“Tettamanti leistet einen wichtigen Beitrag zu einer unvoreingenommenen Debatte zu gesellschaftspolitischen Fragen der Gegenwart. “ Er wünsche sich „seriösen, anti-etatistischen Qualitätsjournalismus.“

    Wie das Umfeld dieser Freunde der völlig unvoreingenommenen Medienqualität aussieht, hat der „Beobachter“ recherchiert http://www.beobachter.ch/justiz-behoerde/buerger-verwaltung/artikel/der-staat-avalon_hier-herrscht-ein-anarchist/

  18. Fässler Albert:

    @ Fred David. Ich schlage die sofortige Einführung einer neuen Sportart vor. Leitspruch: Du zahlst, alle andern profitieren. Teilnahmeberechtigt sind Unternehmer, die Geld in die Hand nehmen und alle Risiken ihrer Investitionen alleine schultern. Sollten ihre Bemühungen am Ende des Geschäftsjahres in einem Gewinn münden, ist dieser per sofort und unaufgefordert an die Staatskasse abzuliefern. Schliesslich muss damit ja die stetig steigende Staatsquote finanziert werden.
    Die nationale Hetzjagd der Linken auf erfolgreiche Unternehmer ist beispiellos und kennt offensichtlich keine Grenzen mehr. Unsere Neidgesellschaft ist inzwischen berühmt-berüchtigt und zimmert sich das Grab buchstäblich selber.

  19. Fred David:

    @) Fässler Albert: Es geht hier nicht für oder gegen Unternehmer. Es geht hier um eine sehr, sehr spezifische Art von Polit-Unternehmertum.

  20. @Albert Fässler: »berühmt berüchtigt« ist diese inhaltslose Rede von einer »Neidgesellschaft«. Vermögende haben viele Möglichkeiten und Rechte, die ihnen niemand streitig macht. Aber sie haben auch Pflichten und müssen sich an Regeln halten. Die Forderung, dass eine regional verankerte Zeitung auf die Bedürfnisse ihrer LeserInnen Rücksicht nimmt, scheint mir nicht unverhältnismässig – ebenso wenig wie die Forderung, dass Besitzverhältnisse und Formen der Einflussnahme gerade auch von prominenten Politikern offen kommuniziert werden sollen.

  21. Fässler Albert:

    Als Aussenstehender und Nicht-Basler amüsiere ich mich köstlich über die ach so matchentscheidenden Diskussionen rund um die Aktivitäten der Familie Blocher. Aus den Kommentaren der Herren David und Wampfler schliesse ich, dass es als Vater verboten ist, sich mit seiner Tochter über den Kauf der Baz zu unterhalten und ihr allenfalls sogar Ratschläge zu erteilen. Das ist aus Sicht der stolzen Basler offenbar bereits ein Kapitalverbrechen – aber nur weil die Täter Blocher heissen und akute Gefahr besteht, dass die BaZ inskünftig einen Artikel der Bürgerlichen zuviel und einen der Linken zu wenig ins Blatt rücken könnte. Glücklicher Kanton, der keine grösseren Probleme hat.
    Sollte mein Herr Sohn den FC Basel kaufen oder die Novartis übernehmen wollen, werde ich ihm den Ratschlag geben, die Bevölkerung sofort mittels Flugblatt über seine Absichten aufzuklären. Oder ich verschaffe ihm eine Sprechstunde beim selbsternannten Medienpapst Roger Schawinski, der für ihn in seinem reichen Schatz an schulmeisterlichen Belehrungen sicher die richtige Kommunikationsstrategie findet.
    Dass dieses Mini-Versteckspiel um den BaZ-Besitzer angeblich zu 1000 Abo-Kündigungen führte, spricht nicht gerade für weltmännisches Denken am Rheinknie. Ich wünsche Euch allen nicht nur schöne Weihnachten, sondern etwas mehr Toleranz und Gelassenheit. Plus feine Basler Läckerli zum Kaffee. Die kämen dann allerdings aus dem Haus von Blochers Tochter Mirjiam.

  22. Wenn die Diskussion den Match also nicht entscheidet – warum kann man sie nicht erwähnen, wenn man danach gefragt wird? Und warum hat ein Milliardär das Recht, mit seinem Geld zu machen, was er will – aber Zeitungsabonnenten nicht das Recht, ihr Abo zu kündigen aus welchen Gründen auch immer?

  23. Fred David:

    @) Fässler Albert: Eine Quasi-Monopolzeitung ist eben keine Familienaffäre. Es geht nicht um ein wenig mehr „Bürgerlichkeit“ (what ever it means). Die BaZ war ausserdem nie links (what ever it means), und sicher nie einer Partei oder deren Haupteigentümer hörig. Es geht hier um rechtskonservative Parteipolitik im Biedermann-Look und mit andern Mitteln: nämlich Geld. Es ist wirklich so platt und durchschaubar.

    Die Art und Weise, wie Moritz Suter zum Hampelmann gemacht wurde, verrät das Muster, wie die arg- und harmlosen Weissen Ritter vorgehen: Sie machen Akteure zuerst finanziell abhängig (bei Suter via seine eiernde Fluggesellschaft) und dann packen sie zu. Bei Nichtgefallen schmeissen sie den Hampelmann weg. War bei der Wewo so (dort hängt einer der Hampelmänner noch artig in den Fäden) und wird womöglich bei andern irgendwann auch so sein. Da lohnt es sich schon, genau hinzuschauen.

    Der Blick geht Richtung Aargau, dorthin, wo die Habsburger herkamen. Die haben auch mal mit einer kleinen Burg angefangen.

  24. Fässler Albert:

    @ Philipp Wampfler. Natürlich entscheidet jeder selbst, ob er die BaZ abonnieren will oder nicht. So wie jeder selbst entscheiden kann, ob er seine Lebensmittel lieber im billigen Ausland oder in der teureren Schweiz einkauft. Wer weitsichtig(er) denkt weiss aber, dass er damit Arbeitsplätze in Gefahr bringt. Das dürfte bei der BaZ kaum anders ablaufen.
    @ Fred David. Man sollte grundsätzlich niemals Behauptungen aufstellen, die sich nicht beweisen lassen. Soviel zu Ihren Anmassungen und Vermutungen über die Besitzverhältnisse bei der „Weltwoche“. Aber Sie wissen ja offenbar mehr als der Rest der Schweiz. Machen Sie Ihr Wissen doch zum Wohle der Allgemeinheit umgehend öffentlich.

  25. @Fässler Albert: Mit verlaub, Ihrer kruden Logik kann ich nicht folgen: Seit Blocher via Tochter am Ruder ist, wurden im redaktionellen Bereich bereits massiv unliebsame Stimmen bzw. Stellen abgebaut.

    Chefredaktor Somm wischt seine Hände wie immer in Unschuld: Er habe nicht gewusst, wem die BaZ gehöre, es habe ihn auch nicht interessiert.

    1. Wer’s glaubt. 2. Was ist Somm schon wieder von Beruf?

    Was die Raider, die jetzt am Ruder sind, an Arbeitsplatzabbau auf die Reihe kriegen, man wird sehen. Geradezu zynisch mutet da ihre Aussage an, wer sein Abo künde gefährde Arbeitsplätze. Offensichtlich gibt es in Basel genügend Zeitungsleser mit einem Minimum an Reststolz: Gibt es überhaupt einen vernünftigen Grund, warum man sich von diesem Neoliberallala-Club weiterhin offen ins Gesicht lügen lassen soll? Last but not least: Mein Mitleid für Journalisten, die sich freiwillig für derartige Luft- und
    Propagandanummern einspannen lassen liegt im kaum messbaren Bereich.

  26. Martin:

    @Vera Kasner:

    Wer als Aktionär eines Unternehmens auftritt, ist bezüglich Kontrolle irrelevant – auch bei der NZZ. Relevant ist, wer ein Unternehmen kontrolliert, beispielsweise über die Finanzierung. Wie ist die NZZ finanziert? Gibt es Aktionärsbindungsverträge und sonstige Vereinbarungen im Hintergrund? Sind die Aktionäre überhaupt relevant, wenn es um die Kontrolle der NZZ geht?

    Apropos Transparenz bei der NZZ: Verwaltungsratspräsident ist bekanntlich Konrad Hummler, ein prominenter Vertreter der Offshore-Schweiz. Weniger Transparenz ist schwer vorstellbar.

    Wer Transparenz zur Kontrolle der Schweizer Medien sowie der damit verbundenen Rolle von Politikern und anderen Unternehmen fordert, muss sie konsequenterweise für alle Medien fordern und nicht nur für jene Medien, bei denen eine solche Forderung weitgehend risikolos ist.

  27. Thomas Läubli:

    Res Strehle fordert heute in seinem Kommentar zur Causa Hildebrand mehr Transparenz. Ich fordere, dass Tamedia endlich ihre Verbindungen zu Blocher offenlegt, auch wenn ich wie die Weltwoche dafür keine Beweise habe. Strehle kann ja auch faktenfreiem Journalismus Gutes abgewinnen. Dass Tamedia bezahlt wird mit dem Auftrag, Blocher im Gespräch zu halten, ist inzwischen offensichtlich.

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