Leere Reihen vor den Wahlen

Vor ein paar Jahren und Jahrzehnten strömten die Politikinteressierten regelmässig in Scharen zu den Politpodien aller Art, die vor Wahlen stattfanden. Jede kleinere oder grössere Regionalzeitung organisierte beispielsweise vor den National- und Ständeratswahlen Veranstaltungen, an denen die Spitzenkadidaten auftraten und vor vollen Aulas, Mehrzweckhallen und Festzelten dem Wahlkörper Red und Antwort standen.

Doch heute ist der Ofen aus. Man hört von breit beworbenen Veranstaltungen zu den Wahlen vom 23. Oktober, an die sich sechs oder zwölf Leute verirren, von Parteienpodien, die von der gemieteten Turnhalle in die Beiz nebenan verlegt werden, weil nur drei Zuhörer eintreffen, von Diskussionsrunden, die nur den engeren Mitarbeiterkreis der Kandidaten interessieren. Die Südostschweiz Medien tuckerten dieses Jahr mit einem Wahlmobil – einem umgebauten Linienbus – in ausgewählte Ortschaften im Kanton Graubünden, wo Politiker auf dem Dorfplatz mit der Bevölkerung diskutieren sollten. Das Experiment wurde eingestellt, weil die mitgeführten Bänke leer blieben. Sogar im urbanen südostschweizerischen Rapperswil am Zürisee war das Interesse nur leicht über null, obwohl Grössen wie Toni Brunner, Eugen David und Paul Rechsteiner im und vor dem Bus sassen. Und das Ganze ist beileibe kein Problem der Presse allein: Die Bundesplatz-Aktion des Schweizer Fernsehens soll auch eher harzig verlaufen, die diversen Wahlsendungen sollen sogar geradezu erbärmliche Einschaltquoten haben.

Was ist da los? Sind die Wählerinnen und Wähler über traditionelle Medien nicht mehr erreichbar? Informieren sie sich über Fecebook, Twitter und sonstige elektronische Errungenschaften? Setzt eine Anti-Politik-Bewegung ein? Geht es uns allen so gut, dass es vollkommen einerlei ist, wer in Bern die Debatten führt?

Oder sind die Medien gar selber schuld? Wer Kurt Imhofs neuestes Werk liest, sieht die gedruckte Presse mal wieder am Rand des Abgrunds. Die Qualität hat wieder nachgelassen, die Boulevardisierung ist weiter fortgeschritten. Es passieren so schlimme Dinge wie das unkorrekte Zitieren von Agenturmeldungen oder gar das Unterlassen der heiligen Quellenangabe SDA! Und natürlich: Dem PR-Journalismus werden weiterhin Tür und Tor geöffnet. Klar, die ganze Branche ist in derart seichte Gewässer geraten, dass sie nicht einmal mehr politische Face-to-face-Varanstaltungen glaubwürdig herüberbringen kann.

Und wie wär’s mit dem Umkehrschluss, Herr Imhof? Die Presse ist noch immer viel zu politlastig, viel zu sehr bedacht, allerhand Krimskrams vom Atomausstieg über die Krankenkassen bis zum Eurokurs aufzugreifen, auszuleuchten und kontradiktorisch abzuhandeln, sie berichtet seitenweise über Gähn-Debatten in Kantonsratssälen und verfasst Dossiers zur Überfischung der Weltmeere. Sie publiziert weltfremde Urteile des Presserats und nötigt ihren Journalisten und Chefredaktoren täglich ganze Meinungsseiten zum bundesbernischen und zum Weltgeschehen ab. Doch wen interessiert’s? Zumindest die Schweizer Wähler nicht.

Oder sollten sich die schweizerischen Pressekonsumentinnen und -konsumenten gar derart gut informiert und aufgeklärt fühlen, dass sie schlicht und einfach keinen Bedarf für weitere Wahlinformationen haben?

Fragen über Fragen.

Andrea Masüger ist CEO der Südostschweiz Medien.

von Andrea Masüger | Kategorie: Mediensatz

17 Bemerkungen zu «Leere Reihen vor den Wahlen»

  1. Ich glaube, es liegt daran, dass es dem Schweizer Wähler einfach zu gut geht, als dass er sich ernsthaft für Poltik interessiert. Das wird sich erst dann wieder ändern, wenn er echte, konkrete Veränderungen in seinem Alltag verspürt, die ihm nicht behagen.

    Solange er sich aber in einer Welt bewegt, die einigermassen heil ist, gibt es keine echten Gründe, an Anlässe zu gehen, die nicht selten von Schlaftabletten bestritten werden. Das Bedürfnis nach poltischer Kommunikation wird zudem vom Web ganz gut abgedeckt. Die Bürger diskutieren bereits in Foren, in Blogs, auf Twitter, auf Facebook – warum sollten sie zu einem von einer Zeitung oder vom Fernsehen organsierten Anlass gehen? Dass kaum Leute an solche Anlässe gehen, zeigt durchaus den Bedeutungsverlust dieser Medien.

    Das grosse Problem ist: Die heile Welt der Bürger ist schon lange nicht mehr so heil. Es ist, es wäre die Aufgabe der Medien, das den Bürgern klar zu machen. Ohne Pseudo-Skandale aufzuplustern. Ohne die Lage unnötig zuzuspitzen. Ohne aus Politikern irgendwelche VIP-Stars zu machen. Die Fakten wären aufregend genug (die Bilanzen vieler europäischer Staaten, die Überfischung der Weltmeere, etc.).

  2. Fred David:

    Vielleicht sollten wir die Demokratie auf Bundesebene, weil zu mühsam, einfach abschaffen und zum Führerprinzip zurückkehren , allerdings nicht in personalisierter, sondern in modernisierter Form. Zum Teil passiert das ja schon, von der Oeffentlichkeit weitgehend unbemerkt.

    Die Nationalbank regiert sich selbst. Was ein dreiköpfiges Präsidium unter Ausschluss jeglicher Oeffentlichkeit beschliesst, hat absolut existenzielle Bedeutung für die Schweiz. Es gibt keinerlei demokratische Kontrolle – und und es geht ja ganz gut so.

    Die UBSCSnestlénovartisetcetc AG regiert sich gleichfalls weitestgehend selbst und es ging – bisher – ja ganz flott. Diese Entwicklung – die Zweiteilung der Schweiz: hier die global agierende Schweiz AG, die den Nationalstaat nicht mehr braucht, im Gegenteil diesen als Belastung empfindet, dort die erdenschwere Schweizerische Eidgenossenschaft – wird weitergehen, und zwar in verschärfter Form.

    Die zwei Schweizen führen immer stärker ein Eigenleben und haben immer weniger Berührungspunkte zueinander.

    Insgesamt ist die Schweizerische Eidgenossenschaft dank ihrer föderalen, von unten gewachsenen Struktur auf Kantons-, vorallem aber auf Gemeindeebene ja ganz gut verwaltet und in sich sehr stabil. Hier ist die Demokratie noch weitgehend intakt und überschaubar, was sie auf Bundesebene schon lange nicht mehr ist. Und das ist auch der tiefere Grund für die Absenz der Bürger.

    Eine Wahlbeteiligung unter 50% seit Jahrzehnten ist nicht ein Zeichen der Zufriedenheit, sondern der Ueberforderung. Jedenfalls ist es auf Bundesebne keine wirklich noch funktionierende Demokratie mehr. Daran sind die Medien nur partiell schuld.

    Wahrscheinlich erleben wir derzeit eine Art Belgisierung der Schweiz, das Schwinden des Nationalstaats: Belgien kommt schon lange mit einer provisorischen Bundesregierung fürs Nötigste aus. Die zwei Landesteile Walonien und Flandern organisieren sich bis ins Kleinste selbst – und durchaus erfolgreich. Belgien zählt zu den 15 wirtschaftlich kompetitivsten Staaten der Welt.

    Früher mal war die Armee ein wesentliches und integrierendes Element des Nationalstaats. Heute interssiert, bis auf die Kosten, die Armee kaum noch jemanden. Das nur mals als Beispiel für eine fundamentale Veränderung innerhalb weniger Jahre.

    In diesem Umfeld haben es Medien schwer mit ihrem von @)Andrea Masüger beschriebenen Polit-Menü, das sie ihren erschöpften Lesern vorsetzen. Aber vielleicht sollten sie einfach tiefer graben. Das könnte die Leser dann schon interessieren: Was tatsächlich hinter den Kulissen passiert.

    Die Veränderungen, die wir erleben, haben tektonische Ausmasse mit Langfristwirkung. Unseren Medien kann man das aber nicht entnehmen. Und wenn, bezieht es sich praktisch immer nur aufs Ausland, bloss nicht auf die Alpenfestung selbst.

    Dass es den Schweizern insgesamt zu gut geht, um sich mit den Niederungen der grösseren Politik ernsthaft auseinanderzusetzen, glaube ich nicht. Auch Gutverdiener merken langsam, wie es eng wird. Sonst hätte eine Angstpartei wie die SVP nicht weit ins bisher als „bürgerlich“ bezeichnete Lager hinein ein unverändertes Wählerpotential von 30%+, auch und gerade in Wörld Cläss Züri, wo man das ja nicht zwingend erwarten müsste, und wo der allergrösste Teil unserer Medien produziert und kontrolliert wird.

    Tiefer graben. Man wird dann schon fündig.

  3. Martin:

    Vor Jahrzehnten? Vielleicht … vor ein paar Jahren? Meiner Erfahrung nach nicht mehr – man kann sich inzwischen problemlos über andere Kanäle informieren, viele Politiker sind heute beispielsweise direkt erreichbar und man muss nicht mehr darauf hoffen, an einem Podium eine Frage stellen zu können.

    Bei vielen Podien kommt dazu, dass sie langweilig sind. Die Medien glauben viel zu häufig, alle halbwegs relevanten Parteien berücksichtigen zu müssen, ersticken damit aber jede Spannung in der Diskussion. Die immer gleichen Fragen zerstören dann noch den restlichen Unterhaltswert …

  4. Fred David:

    @) Martin: Demokratie hat generell wenig Unterhaltungswert, es ist in unruhigen Zeiten ein besonders mühseliges Geschäft. Wenn sich mindestens die Hälfte der Bürger ausklinkt aus Parlamentswahlen – die von der Konstellation her eigentlich so spannend sind wie schon lange nicht mehr, weil wirklich Veränderungen möglich wären – ist das nicht eine Frage für Entertainment-Abteilungen.

    Sie haben schon Recht: Man könnte sich problemlos über x Kanäle informieren. Dass dies tatsächlich geschehe, ist aber eine nette und widerlegbare Illusion. Drum müssen sich die Medien in diesem Zusammenhang ausnahmsweise mal nicht bashen lassen.

  5. Martin:

    @Fred David: Meiner Erfahrung nach sind die Schweizer Bürger in Angelegenheiten, die sie betreffen, gut informiert. Und Demokratie muss selbstverständlich auch Unterhaltswert haben – wieso sonst sollte man sich einen Abend lang an einem Podium langweilen, bei dem der «Moderator» mit Stichworten vorbereitete Statements abruft und bestenfalls die immer gleichen Fragen stellt?

  6. Vielleicht ist der Grossraum Zürich die Regel bestätigende Ausnahme. Die beiden Wahlveranstaltungen, die der Tages-Anzeiger durchgeführt hat, waren restlos ausverkauft. Und mehrere Tausend Personen verfolgten die Live-Video-Übertragungen auf Tagesanzeiger.ch.

    Die erste Veranstaltung fand am 5.10. im Kaufleuten Zürich statt. Auf dem Podium sassen die Zürcher Ständeratskandidaten. Gestern (18.10) diskutierten im Theater Neumarkt die Präsidenten der wichtigsten Schweizer Parteien. Während die Veranstaltung im Kaufleuten gratis war, mussten die Zuschauer im Neumarkt 10 bis 15 Franken Eintritt bezahlen.

    Die Leser diskutierten und kommentierten die Live-Video-Übertragungen lebhaft – nicht nur auf Tagesanzeiger.ch, sondern auch auf Twitter und Facebook.

  7. Andrea Masüger stellt eine gute Frage etwas früh, wir sind daran die Wahlkommunikation auszuwerten. Zu seinen drei Thesen bezüglich des schwachen Interesses der Bürger vor Ort – Austausch in neuen Medien; seichte Medien; zu politlastige Medien – folgendes: Ersteres ist ohne Zweifel der Fall, erklärt aber die Absenz vor Ort nicht so richtig. Das zweite würde ich doch differenzierter sehen, das Jahrbuch zeigt grosse Qualitätsunterschiede und das dritte Argument überzeugt deshalb nicht, weil es das mangelnde Interesse erst recht nicht erklären kann. Mir erscheinen bis jetzt zwei Unterschiede zwischen dem noch laufenden Wahlkampf und denjenigen von 99, 03 und 07 wichtig:
    1. Trotz Rekordausgaben gelang es keiner Partei wirklich Themen zu setzen. Der Wahlkampf wurde durch die Angriffe auf das Bankgeheimnis, Fukushima, den hohen Franken bzw. die Probleme der Exportwirtschaft, die Verschuldungsproblematik, die Betrugsaffäre in der UBS, die drohende neue Wirtschaftskrise und auch noch Occupy Wallstreet immer wieder ‚gestört‘, die Parteien konnten nicht adäquat reagieren und versuchten ihre Kampagnen weiter zu fahren.
    2. Die Parteien reagierten weit nicht mehr so stark wie in den genannten Wahlen auf die SVP-Kampagne. Sie realisierten, dass sie dadurch nur die Resonanz für die SVP-Themen stärken. Das polarisierende Thema in diesem Wahlkampf fehlt.

  8. Zeus:

    Ein spontaner Gedanke: Was ist heute anders als vor acht Jahren? Richtig: Wir werden pausenlos informiert. Online-Medien, Abendzeitungen und Smartphones ermöglichen es dem Konsumenten auch, während des Tages ständig bei allen Grossereignissen auf dem Laufenden zu sein. Es muss nach der Morgenlektüre nicht mehr auf die Tagesschau gewartet werden.

    So also ist der Mensch bei allen grossen Ereignissen näher dabei als „früher“. Fukushima, Libyen, ja, sogar der verdammte Zottel: Jedes Medium berichtet über alles, wir können jede Minute praktisch live dabei sein. Die Welt rückt näher zusammen.

    Was das mit dem Politik-Interesse zu tun hat?

    Wir könnten ganz einfach übersättigt sein. Viel zu voll mit Information. Unsere kleinen Probleme erscheinen uns nichtig. Und: Wir müssen nicht mit einem Toni Brunner diskutieren gehen, wir haben vorher schon drei Interviews, drei Tweets und fünf Artikel über ihn gelesen.

    Oder liege ich komplett falsch?

  9. Thomas Läubli:

    Ich habe mich heute auch ertappt, wie ich nach der „Lektüre“ des TA, der aus Wahlkampfgründen noch irgendetwas zu Ausschaffungen in den Balkan bringen musste, gedacht habe, ob das nun auch noch sein müsse, als das Schweizer Fernsehen über den US-Wahlkampf berichtete.

    Ich glaube, die Leute haben genug von der Politik. Sie sind verdrossen, weil zu viel berichtet wird über Politik an der Oberfläche, wo es nichts mehr mit Echtheit zu tun hat. Die Leute merken, dass überall, wo es um Berlusconi, Blocher, Bundesratssitze etc. geht, die Verlogenheit der Politiker im Zentrum steht und nicht mehr die Sache selbst.

    Und hier haben die Medien klar eine Mitschuld. Es wird inflationär über Politik berichtet, aber in einer Weise, die nicht mehr das Politische thematisiert. Zugleich werden Ressorts wie Kunst, Naturwissenschaft und weltanschauliche Diskurse, Ressorts, die noch so etwas wie Authentizität und Identifikation ermöglichen, zunehmends wie Mauerblümchen behandelt oder – wie in den Gratismedien – gleich ganz totgeschwiegen.

    Das führt zu einer Entpolitisierung, die sich nicht zwangsläufig in Wahlbeteiligungen äussern muss, da man ja auch bloss an die Urne gehen kann, „um dem anderen eins auszuwischen“…

  10. Das Podium der Südostschweiz letzte Woche in Chur – ohne Wahlbus und Anmeldung – war ja sehr gut besucht. Mag das Desinteresse am Wahlmobil auch daran liegen, dass der (mediale) Wahlkampf zu früh begann?

    Mein Eindruck: Bevor die Bürgerinnen und Bürger nicht die Stimmzettel auf dem Tisch haben, beschäftigen die Parlamentswahlen nur mässig. In Graubünden zumindest flammte die Diskussion um die inexistente Ständeratswahl (zwei Kandidaten für zwei Sitze) erst auf, als es darum ging, die beiden leeren Linien auf dem Zettel auszufüllen. Möglicherweise also auch eine Frage des Timings?

  11. Fred David:

    In der Schweiz leben gut 8 Mio. Menschen, davon sind gut 5 Mio. abstimmberechtigt. Gehen weniger als die Hälfte an die Urne, was der Normalfall ist, sind das 2,5 Mio.. Wenn eine Partei 30% der Stimmen holt, sind das gerade mal 750 000 von 8 Millionen Einwohnern. Diese 750 000 bestimmen seit Jahren die Tonlage, also nicht mal ein Zehntel der Bevölkerung.

    Seit 1960 lag bei gerade noch 3 Urnengängen die Stimmbeteiligung knapp über 50% – in 41 Jahren. In den letzten zehn Jahren wurde über nicht weniger als 81 zum Teil hochkomplexe Bundesvorlagen abgestimmt. Nicht mitgezählt sind Gemeinde – und Kantonsvorlagen. Wenige hunderttausend Stimmbürger entscheiden jeweils , was geschieht. Insbesondere bei Jungen nimmt die Stimmbeteiligung dramatisch ab.

    Wer sich solche Entscheidungsbefugnis anmasst, der muss sich verdammt nochmal damit intensiv befassen. Sonst muss er wegen Entscheidungsunfähigkeit entmündigt werden.

    Man muss einmal aufhören, dauernd nach Entschuldigungen für den armen Stimmbürger zu suchen. In unserer Demokratie ist etwas im Kern faul. Das kann man nicht den Medien in die Schuhe schieben.

    Man kann ihnen allerdings vorwerfen, dass sie das kaum thematisieren.

  12. Fred David:

    …rechnen sollte man dann aber schon noch können, wenn man sich mit dem Stimmbürger anlegt:
    „Seit 1960 lag bei gerade noch 3 Urnengängen die Stimmbeteiligung knapp über 50% – in 41 Jahren….“. Natürlich in 51 Jahren! Macht’s aber auch nicht besser.

  13. Skepdicker:

    „Wenn eine Partei 30% der Stimmen holt, sind das gerade mal 750 000 von 8 Millionen Einwohnern.“

    Was viele bei diesem heissgeliebten Argument vergessen: Wenn eine Partei 20% der Stimmen holt, sind es gar nur 500’000 von 8 Millionen Einwohnern, die dieser Partei die Stimme gaben… ;-)

    Eine hohe Wahlbeteiligung ist übrigens nicht das, was sich die Switzerland’s-Next-Stauffenberg-Fraktion wünschen sollte: Die Dalit-Partei ist unter den Nichtwählern noch beliebter als unter den Wählern. Eine hohe Wahlbeteiligung spielte folglich den Unberührbaren in die Hände.

  14. Fred David:

    @) Skepdicker….ja natürlich: Und hinter 15% Wählerstimmen stehen gerade noch 375 000 von 8 Millionen undsoweiter. Was die grösste Partei, die A.E.N.ch, noch kürzer: Änch (Aufrechte Eidgenössische Nichtwähler.ch), nicht zu verwechseln mit Auns, wirklich will, weiss niemand, auch kein Meinungsforscher.

    Vielleicht haben Sie recht mit Ihrer Interpretation, vielleicht auch nicht. Wir werden es erst im unwahrscheinlichen Fall erfahren, falls die Beteiligung signifikant zunehmen sollte.

    Aber insgesamt ist es schon erlaubt, der demokratischsten Gesellschaft aller Zeiten und aller Welten mal ein wenig unzüchtig unter den knöchellangen, alles verhüllenden Rock zu gucken.

    Dass in 51 Jahren bei nur gerade 3 Wahlgängen mehr als ganz knapp die Hälfte von uns Superdemokraten zur Urne ging (inkl. Parlamentswahlen), ist für mich die grössere Ueberraschung. Und natürlich kann man da die Legitimationsfrage stellen.

    Vielleicht wär’s ja gut, wenn grössere Medien sich dieses Themas annähmen, aber nicht nur mit ein, zwei Experten-Artikeli und -Interviüli, sondern als länger tragendes Grossthema. Muss ja nicht in unserem exklusiven Zirkel hier bleiben.

    ps. Wenn Sie uns noch erläutern wollen, wer und was „Switzerland’s-Next-Stauffenberg-Fraktion“ ist, wäre ich Ihnen dankbar. Ich ahne es, aber ich möchte mich mit meiner spezifischen Interpretation nicht auf den dürren Ast wagen. Gern überlasse ich Ihnen den Vortritt.

  15. Fred David:

    …wenn wir gerade dabei sind: Die aktuelle Wahlbeteiligung lag bei 48,4% in einer nationalen Wahl mit an sich spannenden Veränderungsmöglichkeiten und Konstellationen.

    Die Beteiligung wird von den Medien generell als Erfolg gewertet – in einem innen und aussen äusserst bewegten Umfeld, das aber gestern im SF-Wahlmarathon völlig ausgeklammert blieb: von „störenden“ politischen Inhalten und Gegensätzen nahezu restlos befreit.

    Fällige Konklusion: Der schweigenden Mehrheit von 51,6% Abstinenzlern sind Politik und Demokratie schnuppe.

    Die Frage übrigens, warum die Wahlsendung völlig selbstverständlich aus dem TV-Studio in Zürich kam und nicht aus der Hauptstadt Bern, bleibt unbeantwortet – zeigt aber eine ziemlich markante Verschiebung schweizerischer Realitäten an.

    Was ein Medienblog nicht unterlassen sollte: der „Weltwoche“ zu gratulieren, dass sie jetzt mit ihrem Politik-Redaktor Peter Keller NW ihren eigenen Nationalrat in Bern sitzen hat und das Bild einer Parteizeitung rechtsaussen nun offiziell anerkannte Konturen erhält.

    Und schliesslich hätte ich einen Vorschlag für die Online-Medien: Einen Polit-Watch-Blog mit festem Platz auf der Plattform. Zu jedem Politiker ein ständig aktualisiertes Portrait mit Beruf, Mitgliedschaften, VR-Sitzen, sonstigen Hintergründen, Wahlverhalten, parlamentarischen Vorstössen, Links etc.

    Das alles journalistisch aufbereitet recherchiert und nicht einfach aus offiziellen Angaben abgeschrieben.

    Diese Transparenz können Printmedien nur noch partiell schaffen. Allein dafür liesse sich ein zusätzlicher 50%-Job rechtfertigen.

    Ist viel Arbeit, aber wenn das Ding mal steht, garantiert es hohe Clickquoten.

    Nur mal so als Idee.

  16. Das ist eine verdammt gute Idee!

  17. Fred David:

    @) Faulmurf: Danke, aber ich fürchte, es bleibt bei der Idee. Wäre was für die neue „Tageswoche“ in Basel , die heute (28.10.) erstmals erscheint. Brächte mit relativ wenig Aufwand schnell Aufmerksamkeit und Profil. Vielleicht sagt das denen mal jemand?

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