Jahrbuch 2011 zur Qualität der Schweizer Medien

Soeben mit der Online-Lektüre der Ausgabe 2011 von «Qualität der Medien Schweiz – Suisse – Svizzera» begonnen. Die Einleitung zur vom Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich herausgegebenen Studie ist schon einmal gut lesbar und recht leicht verständlich – selbst für Nicht-Soziologen, Nicht-Philosophen, Journalisten, Chefredaktoren und Verlagsmanager!

Mal schauen, wie’s weitergeht – z.B. mit …

… den Auszügen aus den «Hauptbefunden» zu

… oder mit den Zusammenfassungen der «Vertiefungsstudien» zur

Gerne erinnern wir uns in diesem Zusammenhang übrigens auch an die lebhafte Debatte zur letztjährigen Ausgabe des Jahrbuchs:

Update, 8. Oktober 2011: Erste Reaktionen:

In der Samstagsausgabe des «Tages-Anzeigers» bezeichnet Peter Wälty das «Jahrbuch» als «wissenschaftlichen Boulevard». Der Newsnetz-Chef ärgert sich dabei insbesondere – und berechtigterweise – über falsche, online inzwischen jedoch berichtigte, Berechnungen im Zusammenhang mit der Entwicklung der Reichweiten von News-Websites:

    «Die Fehler, die jedem Sachkundigen auffallen müssen, stellen die Glaubwürdigkeit der gesamten Studie infrage.»

Damit erübrigt sich für Wälty offenbar auch eine Auseinandersetzung mit den Grundthesen der Studie, die da u.a. sind: zunehmende Boulevardisierung, Personalisierung, Moralisierung, Emotionalisierung, Zuspitzung, episodische Berichterstattung etc. etc.

In einem Blog-Post reagiert «Südostschweiz»-Chefredaktor David Sieber auf die Kritik des «Jahrbuchs» am Umgang seines Blattes mit Agenturmeldungen:

    «Glücklicherweise hat sich rasch herausgestellt, dass unser ‹Vergehen› weit weniger schwer wiegt: Wir haben bloss jene sda-Texte, die von Agenturmitarbeitern unter voller Namensnennung verfasst wurden, nicht mit ‹sda›, sondern mit dem Autorennamen gekennzeichnet. Damit haben wir natürlich den Eindruck erweckt, wir würden über noch viel mehr Mitarbeiter verfügen, als das tatsächlich der Fall ist. Das geschah aber nicht absichtlich. Wir gingen schlicht davon aus, dass die Autorennennung reichen würde. Seit einiger Zeit schreiben wir nun getreulich ‹sda› hinter den Namen. Nicht wegen der professoralen Kritik, sondern weil uns die Nachrichtenagentur (endlich) darauf aufmerksam gemacht hat.

    Interessanterweise nennen ‹Blick› und ‹20 Minuten› die sda nie als Quelle, was im Jahrbuch moniert wird. Mir ist nicht bekannt, dass die sda dort interveniert hätte. Irgendwie dünkt mich die Kritik aber auch etwas läppisch. Schliesslich zahlen wir teures Geld für die Dienste der Monopolagentur. Da kann man sich schon auf den Standpunkt stellen, sie gehöre zur Redaktion mit dazu.»

Update, 8. Oktober 2011: Kurt Imhof zur Kritik des «Tages-Anzeigers» am Jahrbuch «Qualität der Medien»

Update, 12. Oktober 2011: Newsnetz-Chefredaktor Peter Wälty antwortet auf Kurt Imhofs Replik: «Kritik der Kritik». Und auch dazu gibt es bereits eine Stellungnahme der Herausgeber des Jahrbuchs.

Update, 15. Oktober 2011: Auch Hansi Voigt, Chefredaktor des ebenfalls zu Tamedia gehörenden «20 Minuten Online», hält nicht viel von Kurt Imhof und dessen Studie: «Falschaussage mit Qualitätsanspruch»

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

62 Bemerkungen zu «Jahrbuch 2011 zur Qualität der Schweizer Medien»

  1. Lukas Egli:

    Die Studie «Qualität der Medien Schweiz» wirft ungewollt die Frage nach der Qualität der Medienwissenschaft in der Schweiz auf. Peter Wälty vom Tages-Anzeiger/Newsnetz nennt es träf «Empörungswissenschaft» (http://www.tagesanzeiger.ch/digital/internet/Wissenschaftlicher-Boulevard/story/12991470).

    Pikante Anekdote am Rande: Das «Echo der Zeit» von Radio DRS (das in der Studie quasi als letzte Bastion des Qualitätsjournalismus gepriesen wird) telefonierte die Online-Redaktionen ab und wollte wissen, wie sie denn mit dem beunruhigenden Umstand umgehen, dass sie angeblich Leser verlieren. Immer weniger Leute benutzen das Internet – wäre eine schicke Schlagzeile gewesen! Oder wie heisst das noch mal beim Radio?.

    Als die Hintergrund-Redaktion des DRS bemerkte, dass dieser Befund auf einem groben Fehler seitens der Wissenschaftler beruhte (die alte Apfel-Birnen-Problematik), hatte man plötzlich kein Interesse mehr an dem Feature. Erstaunlich, nicht?

    Beisshemmungen gegenüber dem Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft, liebes Radio? Oder Verflechtungen, gar?

  2. pak:

    Spricht eigentlich für die Qualität der Online-Medien, wenn diese einer Studie innert so kurzer Zeit solch gravierende methodische Mängel nachweisen können. Ob sich das auch im Jahrbuch 2012 niederschlägt?

  3. Thomas Läubli:

    Es ist interessant, wie die Leute sofort auf die Medienwissenschaft einschiessen, wenn ihnen das Resultat nicht passt. Dann versucht man krampfhaft, aus den Fehlern, die man gerade entdeckt, eine Staatsaffäre zu machen, um die eigenen Fehler zu verdecken…

  4. Kleine Randbemerkung: Der Newsticker rechts oben auf http://www.blick.ch wird von SDA Online befüttert. Lustigerweise sind diese Meldungen gar nicht gekenntzeichnet – was die Agentur selbst in der Hand hätte. Somit werden sie als Blick.ch-Meldungen wahrgenommen.

  5. Christof Moser:

    Ich warte auf den Tag, an dem Peter Wälty und Co. auf eine inhaltliche Debatte über die Imhof-Kritik einsteigen und damit Bereitschaft signalisieren, dass auch das Führungspersonal in unserer Branche bestrebt ist, den Journalismus zu verbessern. Es ist doch absurd: Da schiesst man sich auf falsch angegebene Reichweiten ein (nach dem Motto: Wer hat den Längsten?), statt auf die grundsätzliche Kritik einzugehen: zunehmende Boulevardisierung, Personalisierung, Moralisierung, Emotionalisierung, Zuspitzung, episodische Berichterstattung. Ein Elend. Ich erinnere daran: Als Tamedia-Verleger Pietro Supino seinen „Alles-ist-super“-Aufsatz veröffentlichte, haben die Leser bei Newsnetz seitenweise härteste und durchaus fundierte Medienkritik geübt. Wie lange will unsere Branche ihre Kunden noch für dumm verkaufen?

  6. Thomas Läubli:

    Wie sich die Medienschaffenden selber entlarven: «Die Schweizer Online- und Gratismedien seien schlecht, findet eine Studie. Dasselbe gilt für diese wissenschaftliche Arbeit.» (Zitat aus dem verlinkten TA-Kommentar)

    Volltreffer! Peter Wälty gibt folglich zu, dass Online- und Gratismedien schlecht sind.

  7. Ich freue mich über diese Debatte – sie ist nötig, wie gerade der Beitrag von Peter Wälty auf tagesanzeiger.ch zeigt. Unsere Gegendarstellung ist verdankenswerterweise durch Martin Hitz oben gepostet worden.

  8. Lukas Egli:

    @ Christof: Ich weiss ja nicht, was genau du gegen Wälty und Co. hast, aber wahrscheinlich hat er einfach den Job, bei dem der Gap zwischen Print- und Online-Leserschaft am grössten ist – macht die Sache sicher nicht gerade einfach.

    Viel einfacher ist es natürlich, an irgendeinem Institut irgendwas zu dozieren, das keine Rücksicht auf die Umwälzungen in unserer Branche nehmen muss und dabei noch das eine oder andere durcheinander zu bringen. Ich bin ja kein Akademiker, aber geht es in Studien nicht darum, Dinge aufgrund gesicherter Daten vergleichbar zu machen?

    Die Online-Leserschaft wächst. Weltweit. Und das ist keine Nebensächlichkeit. Ebensowenig wie der Umstand, dass die Print-Titel langfristig verlieren. Das Problem: Pfeifenraucher-Journalismus mag online keiner lesen. Also muss man dem Mediennutzer der Zukunft wohl etwas anderes anbieten.

    Wer hier (moralisierend) gegen Zuspitzung, Personalisierung und Emotionalisierung polemisiert, dem empfehle ich dringend, wieder einmal eine Zeitung von, sagen wir: 1983 zur Hand zu nehmen, als die Parteipresse noch intakt war und Nachrichtenredaktoren zu Hunderten schweizweit quasi dieselben Depeschen verfassten und es nicht nur an der Falkenstrasse zum guten Ton gehörte, seine Leser zu langweilen (oder eben: nicht zu unterhalten, wie in der Qualitätsstudie moniert).

    Ich bin ich überzeugt, dass trotz Boulevardisierung und Personalisierung der Wahlkampf 2011 transparenter (und interessanter) ist als jener von 1983. Zahlen dafür habe ich leider keine (auch keine falschen).

  9. «Pfeifenraucher-Journalismus mag online keiner lesen.»
    Wahnsinn, diese immer neuen Metaphern. Was muss man denn dem Mediennutzer der Zukunft anbieten, Lukas Egli? Vielleicht Wodka-Redbull-Journalismus?

    «Wer gegen Zuspitzung, Personalisierung und Emotionalisierung polemisiert, dem empfehle ich dringend, wieder einmal eine Zeitung von, sagen wir: 1983 zur Hand zu nehmen, als es… zum guten Ton gehörte, seine Leser zu langweilen.»
    OK Herr Egli, dann red ich mal Klartext: 1983 war eines der letzten Jahre, als ich noch Zeitungsartikel ausschnitt und aufbewahrte, weil es sich lohnte, sie zu behalten, und ich habe diese Artikel bis heute aufbewahrt. Es kommt mir hingegen nicht im Traum in den Sinn, den ach-so-flotten Journalismus, den Sie, Herr Egli, und Ihre Kollegen produzieren, auch nur einen Tag lang aufzubewahren.

    Zur Erinnerung: Die Twitterin Gluexfee schlug vor, man solle Ihnen Schreibverbot geben. Und Gluexfee hatte Recht. Der Schreibverbot-Vorschlag bezog sich auf den folgenden Text: «Bin Laden trank Coca-Cola. Durfte er das?» O-Ton Egli: «Jeden Morgen hat der meistgesuchte Mann der Welt, pfff, eine eisgekühlte Dose Cola aufgemacht, bevor er sich an sein finsteres Tagwerk machte… Osama Bin Laden liebte nicht den Tod, er liebte Coca-Cola! Der internationale Terror ist – pfff – am Ende. Who’s bad?» (http://www.20min.ch/news/dossier/alkaida/story/29958353)

    Solchen, pardon, überflüssigen Schrott tausche ich noch so gerne gegen irgend eine beliebige Seite aus dem Tages-Anzeiger des Jahrgangs 1983.

  10. Lukas Egli:

    Schreibverbot, lieber Bobby California, habe mal gehabt. Bei der NZZ. Weil ich nicht so negativ über die Stadtküche geschrieben habe, wie es sich Ressortleiter Sigi Schär gewünscht hatte. Das war anno 2002. Soviel zum Thema Parteipresse und Jahreszahlen. Aber warum setzen Sie sich beim Presseverband (oder macht das der Bundesrat?) nicht für ein Berufsverbot ein, wenn Ihnen wie der «Gluexfee» (glatter Name, übrigens) daran liegt, Sie Verfechter der guten Presse?

    Zum Zitat: Zumindest etwas, was die Medienwissenschaftler herausgefunden haben, ist wahr: Ironie versteht keiner! Selbst Berufskollegen (?) nicht. Kein Wunder war dem guten alten Pfeifenraucher die Glosse ein Dorn im Auge. «Gluexfee» und Professor California, tun Sie was!

    Im Übrigen tut es mir leid, dass Sie keine Artikel aus dem Tagi der schönen 1980er Jahre mehr ausschneiden können. Ein tolles Hobby, habe ich eine Zeitlang auch gepflegt. Soll ich Ihnen mal meine «Folio»-, «du»- und «Brandeins»-Sammlung zeigen? Ich würde Ihnen sogar beim Runtertragen helfen.

    Wie klagt doch der Gebildete: O tempora, o mores! (Stimmts so, Meister?)

  11. Mr.:

    Ist Fred David in den Ferien?

  12. Christof Moser:

    @Lukas: Habe nichts gegen Peter Wälty. Kenne ihn auch nicht persönlich. Habe nur was gegen Kritikunfähigkeit und Kleinlichkeit (die bis auf einen Tippfehler, der übrig bleibt, dann auch noch widerlegt wird), wo es um das grosse Ganze gehen sollte.

  13. Thomas Läubli:

    1. Der Wahlkampf 2011 ist interessanter: Gewiss ist es hochinteressant, dass Herr Blocher den Herrn der Ringe mag und dieser Dünnschiss noch unter «Kultur» abgedruckt wird.

    2. Reden Sie nicht immer von Politik! Die Zeitung hat noch andere Ressorts, z.B. die Kultur, und, wenn man etwa diesen Bund von heute mit dem von vor 20 Jahren vergleicht, wird man sehen, wie tief die Journalisten heute gefallen sind.

    3. Ich weiss nicht, was das Geschwätz über „Umwälzungen in der Branche“ belegen soll. Will man etwa sagen, dass ein neues Medium (das Internet) zu mehr Oberflächlichkeit, mehr Entertainment und mehr Politpropaganda verpflichtet?

    4. Das Gerede von den Akademikern ist langsam abgedroschen. Der Unterschied vom Theoretiker zum Praktiker ist, dass ersterer eine gewisse Distanz zur Materie hat, die letzteren oft fehlt. Sehen Sie das mal als Pluspunkt statt als Streitpunkt!

    5. Lieber Pfeifenraucher als Pfeifen!

  14. Lukas Egli:

    @ Thomas Läubli
    1. Point for you.
    2. Okay, sprechen wir von Kultur: Warum immer auf den Gratis-Medien rumhacken? Erkundigen Sie sich mal nach den Honoraren, die im NZZ-Feuilleton bezahlt werden. Dann wissen Sie, warum keine Kulturjournalisten mehr nachwachsen.
    3. Sie sehen die Umwälzungen nicht? Wo leben Sie? Ich weiss leider nicht, zu was uns das Internet verpflichtet. (Oberflächlichkeit? Würde ich nicht sagen. Propaganda? Wie kommen Sie drauf? Entertainment? Zweifellos.) Es wird früher oder später unser aller Aufgabe sein, es herauszufinden.
    4. Wenn Distanz heisst, dass einer das Objekt seiner Untersuchung nicht kennen muss, dann…
    5. … pfeife ich auf sein Urteil.

  15. noch jemand ein glas edelzwicker?

  16. «O tempora, o mores! (Stimmts so, Meister?)»
    Nein, stimmt nicht, das ist völliger Quatsch, Egli. Es ist bedauerlich, dass sich die Kollegen, die für Gratismedien arbeiten, der Debatte verschliessen.

    Es geht überhaupt nicht um mores, sondern um wirtschaftliche Entwicklungen. Es geht um die Entscheidung der Verleger, ihre Qualitätszeitungen mit Gratismedien aus dem gleichen Haus zu konkurrenzieren. Aber wenn man darüber spricht, reagieren die Angestellten dieser Gratismedien furchtbar dünnhäutig, ob sie jetzt Peter Wälty heissen oder Michèle Binswanger oder Lukas Egli. Das verstehe ich, denn es gibt nicht allzuviele Argumente, mit denen man Kurt Imhofs Kritik widerlegen könnte. Mit nichtssagenden Sprüchen wie dem «Pfeifenraucher»-Vergleich meldet man sich jedoch aus der Debatte ab. Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber ist etwas Gutes, aber man sollte sich bei aller Loyalität nicht der Faktenlage verschliessen.

    «Kein Wunder war dem guten alten Pfeifenraucher die Glosse ein Dorn im Auge»: Auch das ist völliger Quatsch. Der TA druckte in den 80er Jahren unter anderem super-ironische, brilliante Beiträge von Isolde Schaad ab. Einige davon habe ich immer noch. Schaad besprach zB anno ’81 eine AKW-Messe, wie wenn es eine Kunstausstellung wäre: «Es gibt da reizvolle Sets von strahlensicheren Unterhöschen, Dessous und Handschuhe mit assortierten Schmuckkästchen mit den Filigranarbeiten international bekannter Nukleöre…»

    Ich weiss nicht, ob Isolde Schaad Pfeife rauchte. Aber die Qualität ihrer Texte lag weit über den pseudo-provokativen Mamablogs und den ironischen Häppchen, die man uns heute als Glossen verkaufen will.

  17. Lukas Egli:

    Ich will mich mitnichten der Debatte entziehen. Ich weiss nur nicht, was das Institut von Professor Imhof zur Untersuchung der Qualität der Medien befähigt, wenn es die (Markt-) Mechanismen nicht kennt (nicht kennen will? Ging es nur darum nachzuweisen, dass es die Öffentlich-rechtlichen dringend braucht?), welchen die Medien heute ausgesetzt sind. Auf mich wirkt es wie wenn einer die «Qualität» von Heftlis unter die Lupe nehmen soll, aber zu vornehm ist, ein Sexheftli in die Hand zu nehmen.

    Zur Sache: Die Fög-Studie zählt offenbar, wie viel ein Titel von der SDA übernimmt. Sorry, so what (zumal die Zählweise auch hier nicht exakt ist, wie David Sieber von der Südostschweiz dargelegt hat)? Okay, geht wohl um «Eigenleistung» (die bei den Online-Medien zweifellos zu mager ist). Wissen Sie, wie oft wir merken, dass Korrespondenten grosser Zeitungen denselben Quellen abschreiben, wie unsere Spanisch sprechende Redaktorin?

    Über die Gratis- und online-Kultur, welche die Qualitätstitel bedrängen, kann man noch lange lamentieren – sie sind eine Realität. Und Fakt ist, dass nur dank dieser bisweilen zweifelhaften Medienkinder überhaupt (Zeitungs-) Leser nachwachsen. Die Schwelle zu den Kaufzeitungen wird ja eher grösser. Die Abos werden teurer und teurer, die Inhalte dünner und dünner. Welcher 20Jährige gibt 500 Franken für ein Zeitungsabo aus? Zumal Witziges, Hintersinniges und Unterhaltsames fast vollständig fehlt?

    Seit dem Platzen der Dot-com-Bubbles wurden Beilagen und Sonderseiten noch und noch gestrichen – und wo heute wieder ausgebaut wird, verkauft (!) man uns Lesern PR. Um bei der NZZ zu bleiben: Auf wundersame Weise wurde aus der epochalen Beilage «Zeitbilder» das Magazin «Z – die schönen Seiten» (und eine ganze Zeile noch kommerziellerer Beilagen: http://www.nzzwerbung.ch/produkte/beilagen/nzzas).

    Isolde Schaad in Ehren – aber wo sollen Journalisten ihres Schlags denn noch herkommen?

  18. Bei Peter Wältys Beitrag stimmt tatsächlich nur der Tippfehler, der Beitrag ist lästig, weil er bloss Reputation zerstören will und dazu die Plattformen des Newsnetzes und auch noch des Tages-Anzeigers nutzen kann, statt die Auseinandersetzung zu suchen. Lukas Egli zeigt hier, dass er nicht nur in diesem Wind segelt. Auch wenn er dem fög die Absicht unterstellt insgeheim die SRG zu pushen (ich bin sicher, dass ihn die Lektüre des Jahrbuches eines besseren belehrt) und die Einsicht in Marktmechanismen abspricht (auch da könnte die Lektüre kleine Wunder wirken). Aber Markt ist nicht alles, es gibt Politik, Status (etwa von Medienmarken) und Einsichten beim Publikum, die die Marktkräfte beeinflussen – sonst hätten wir immer noch Sklavenmärkte. Ausserdem gibt es tolle Sexheftli.

    Um diesen Markt zu beeinflussen gibt es viel zu besprechen: Jenseits der zunehmenden Skandalisierung, Prominenzierung, Privatisierung etc. worin sich ja alle einig sind, verweist das Jahrbuch auf stark gesunkene Einordnungsleistungen quer durch die Gattungen, ebenso wie auf die Zunahme von Softnews. Man kann eben nicht mit massiv weniger Mitteln bessere Produkte machen. Es zeigt die ebenso beeindruckende wie bedrückende Wirkung von provokativen paid-madia Kampagnen auf die redaktionellen Inhalte, es zeigt, dass sehr viele Agenturmeldungen als Eigenleistungen verkauft werden, es zeigt dass die Unternehmensberichterstattung massiv PR-getrieben ist (bei einzelnen Branchen wie ausgerechnet bei der bubblegefährdeten Bauwirtschaft zu über der Hälfte der Berichte), es zeigt die Fehlerhäufigkeiten bei wichtigen Abonnementszeitungen, es zeigt, dass die Schweiz anno 2010 publizistisch in erster Linie über Sport zusammengehalten wird und es zeigt die gratisinduzierte Flucht aus den Bezahlmedien obwohl wir alle in Zukunft lernen müssen mehr für Journalismus auszugeben.

    Es zeigt aber auch die grossen Unterschiede der journalistischen Qualität in allen Gattungen bis auf die Titelebene hinunter und auch die journalistischen Leistungen bei den ganz kleinen Wochenzeitungen in der Südost- und Nordwestschweiz und es zeigt, dass der moralisch-emotionale Stil der Berichterstattung 2010 zu Gunsten eines sachverhaltsorientierten Journalismus gegenüber 2009 verloren hat (wobei Jahresunterschiede bei der Berichterstattungsqualität generell etwas mit Vorsicht zu geniessen sind).

    Kurz, es zeigt ein vielfältiges Bild des Informationsjournalismus in der Schweiz und das in der simplen Absicht bei den Medienmachern wie beim Publikum das Bewusstsein für den Wert journalistischer Leistungen, die Bedeutung von Informationsmedien und den Status dieses Berufsstandes zu erhöhen.
    Das Jahrbuch will mitsamt seiner Plattform auf http://www.foeg.uzh.ch gerade nicht die Medien und die Journalisten bashen, gebasht sind die schon genug. Und: Das Jahrbuch ist bloss ein zivilgesellschaftlich gefördertes Produkt in einer auch durch viele Organisationen der Medienkritik, auf vielen Blogs und in unzähligen Postings manifest gewordenen Besorgnis über die Qualität der Medien in der Demokratie.

    Es fehlt nicht an den Isolde Schaads der 1980er Jahre, es fehlt an den Opportunitätsstrukturen für die Isolde Schaads der Gegenwart.

  19. @Onliner: Zur kleinen Randbemerkung – sämtliche Meldungen, die die sda verlassen, sind als sda-Meldungen gekennzeichnet. Es liegt an den Kunden und nicht an der sda, diese Meldungen auch als sda-Meldungen zu kennzeichnen. Genau wie es an den Kunden liegt, mittels CMS die Darstellung zu definieren.

  20. Es ist schon sehr erstaunlich, auf welchem Niveau hier von Fachexperten gegenseitiges Belehren praktiziert wird.
    Ich habe mich heute hervorragend mit der Sonntags-Presse unterhalten und fühle mich sehr gut informiert.
    Vielleicht würde es die Diskussion beleben, wenn sich alle Beteiligten mit der Frage auseinandersetzen würden, wieweit der Zugang zu einem Medium überhaupt relevant ist in Bezug auf dessen Glaubwürdigkeit. Oder konkret: Ist die gratis im Kafi gelesene NZZ weniger glaubwürdig als meine zu Hause abonnierte NZZ?
    Gratis genutzt und gelesen, ob online oder gedruckt, kann doch nicht einfach oberflächlicher sein? Das ist doch völlig lächerlich,
    Empfehle zur Beruhigung der Lesenerven und der Fingerkuppen die Lektüre von Steve Jobs Vortrag aus dem Jahr 2005. Abgedruckt im Kultur-Teil von ‚Der Sonntag‘. Titel ‚bleibt hungrig, bleibt verrückt‘.

  21. Thomas Läubli:

    @Andy Lehmann:
    1. Steve Jobs gehört in den Wirtschaftsteil, nicht in den Kulturteil.

    2. Die Gratispresse ist nunmal schlechter. Da hilft Ihr Hinweis auf die Zugangsart rein gar nichts. Und wenn man bedenkt, dass die Printmedien nachziehen, nimmt eben die Entropie zu (vulgo: „Alles wird schlechter“). Darum wird alles oberflächlicher. Irgendwann kommt dann wieder das Schlagwort von den Synergien. Wie schlecht das herauskommt, weiss man jetzt von unserem Staatsfernsehen und -radio.

    3. Wie bereits erwähnt: Schauen Sie sich die Zeitungen von vor 20 Jahren an. Da herrschte noch bunte Vielfalt. Heute herrscht graue Einfalt. Die Journalisten sind unterbezahlt, sie sind zu wenige und die Fachjournalisten wurden aus den Tageszeitungen verbannt, auf dass Infotainment werde und der Konsument sich unterhalte…

  22. Wer die Texte des legendären Reporters Egon Erwin Kisch aus den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts liest, erschrickt. Sie zeichnen sich aus durch Personalisierung, Moralisierung, Emotionalisierung, Zuspitzung und man kann Kisch sogar eine gewisse episodische Erzählweise vorwerfen.

  23. «Fakt ist, dass nur dank dieser bisweilen zweifelhaften Medienkinder überhaupt (Zeitungs-) Leser nachwachsen…»
    Das ist kein Fakt, sondern eine Behauptung, die sich leicht widerlegen lässt. Fakt ist: Neue Zeitungsleser wuchsen auch früher nach, bevor es Gratiszeitungen gab. Sie wuchsen früher sogar viel besser nach, denn früher bezeichnete der Begriff Zeitung eine Qualitätszeitung. Heute müssen sich die Leserinnen und Leser zuerst mal klar werden, welches die Unterschiede zwischen bezahlten Zeitungen und Gratiszeitungen sind. Diese Unterscheidung überfordert offenbar viele Leser. Sonst würde man in den Zügen nicht so viele Leute sehen, die sich mit den Gratiszeitungen zufrieden geben, die ihr Hirn unterfordern und die fundierte politische Meinungsbildung verunmöglichen.

    «Die Abos werden teurer und teurer, die Inhalte dünner und dünner»: Sehr richtig, und warum wohl? Ich gebe Ihnen einen Tipp, Lukas Egli: Das hat auch mit dem Aufkommen der Gratisblätter zu tun. Nicht nur, aber auch.

    Andy Lehmann > Unter Gratismedien versteht man Medien, die von vornherein gratis unter die Leute gebracht werden – Bsp: 20Minuten oder Newsnetz – nicht die am Kiosk geklaute NZZ.

  24. mbinswanger:

    Man schaue sich die „Diskussion“ hier an: Lukas Egli versucht, sachliche Argumente zu bringen und wird persönlich angepöbelt und runtergemacht mit argumenten, die mir ziemlich fragwürdig erscheinen. Ist es das Ziel journalistischer Arbeit, ausgeschnitten und 20 Jahre aufbewahrt zu werden? Wer die emotionalisierung, das episodische, personaliserte Arbeitstechnik anprangert, soll sich mal die Texte von z.B Konstantik Seibt anschauen. Ich glaube, alle sind sich einige, dass er einer der brilliantesten Journalisten der Schweiz ist. Und wie schreibt er? Will sagen: Der Stil entscheidet nicht über Qualität. Es ist ein strukturelles Problem und ein Problem der Finanzierung. Wenn ich mir den Stil der Medienkritiker hier anschaue, dann wundere ich mich nicht, dass die Betroffenen sich „der Diskussion verweigern“.

  25. mbinswanger:

    Korrigendum: Ich meine natürlich Constantin Seibt. (q.e.d.)

  26. Michèle Binswanger > Es ging überhaupt nicht darum, über die spezifische Leistung eines bestimmten Journalisten zu diskutieren. Aber wer die Arbeit anderer als «Pfeifenraucher-Journalismus» runtermacht, muss sich eine Antwort im gleichen Tonfall gefallen lassen. Mir hats einfach den Deckel vom Chessi gelüpft, als ich Lukas Egli’s unsachliche und unfaire Tirade gelesen habe.

    «Ist es das Ziel journalistischer Arbeit, ausgeschnitten und 20 Jahre aufbewahrt zu werden?» Ja und Nein, Frau Binswanger. Um nochmals auf Lukas Eglis Tirade zurück zu kommen: Zeitunglesen ist für mich kein «Hobby», sondern existentielle Notwendigkeit. Natürlich habe ich nicht den Anspruch, möglichst viele Artikel zu archivieren, aber wenn man 100 Prozent der gelesenen Artikel unmittelbar nach der Lektüre entsorgen muss, weil nichts hängen bleibt, dann stimmt etwas nicht. Ich habe als Zeitungsleser den Anspruch, dass ab und zu etwas hängen bleibt, das über den Tag hinaus einen Wert hat. Früher war das so. Seit längerer Zeit ist es nicht mehr so.

    Im übrigen verstehe ich nicht, was Sie mit dem Hinweis auf Seibt sagen wollen. Klar schreibt Seibt brillant, seit er beim TA ist, aber was hat das mit der Emotionalisierung zu tun?

    «Wenn ich mir den Stil der Medienkritiker hier anschaue, dann wundere ich mich nicht, dass die Betroffenen sich „der Diskussion verweigern“»: Sie haben den von Ihnen zitierten Satz falsch verstanden und völlig verdreht. Was ich sagen wollte: Ich finde es schade, dass sich die Angestellten der Gratismedien der Diskussion über Sinn und Unsinn der Gratismedien immer wieder entziehen, indem sie
    – auf angeblichen Fehlern in wissenschaftlichen Arbeiten herumreiten und diese Fehler als Vorwand nehmen, um sich nicht mit dem Inhalt der wissenschaftlichen Arbeit auseinander zu setzen (so wie Wälty);
    – indem sie (wie Egli) angeblich langweilige, pfeifenrauchende Journalisten der 80er Jahre herbeifantasieren, um ihre Mitarbeit bei Gratismedien zu legitimieren.

    «Pfeifenraucher-Journalismus»: Ich bitte Sie, Frau Binswanger: Soll das ein «sachliches Argument» sein? Are you kidding?

    Vom Journalismus erwarte ich mehr als billige Sensatiönchen und Provokatiönchen. Dieser Anspruch ist nicht langweilig und altmodisch, wie das Lukas Egli suggerierte. Auch Michèle Binswangers Beitrag enthält leider keine Argumente, die die Diskussion weiter bringen können. «Der Stil entscheidet nicht über Qualität»: Was wollen Sie damit sagen? Wer hat behauptet, der Stil entscheide über die Qualität?

  27. Es ist nicht ganz einfach, sich zu einem konstruktiven Beitrag aufzuraffen, wenn man sieht, wie zementiert die Meinungen sind.

    Deshalb halte ich mich kurz und will nur diesen einen Link empfehlen, der schön illustriert, dass der beklagte Niedergang des traditionellen Mediensystems eine Lücke hinterlässt, die durch andere Mittel der öffentlichen Kommunikation – zumindest teilweise – geschlossen werden kann:

    http://erratasec.blogspot.com/2011/10/independent-reporting-of.html

    Selbst die als qualitativ hochwertig eingestufte Sonntagspresse, die mit eigenen Korrespondenten vor Ort ist, hat heute demgegenüber nur Zusammenfassungen von US-Medienberichten veröffentlicht, die ich so auch vom Büro-Schreibtisch aus hätte verfassen können. War das früher besser? Altgediente Journalisten-Kollegen, die ihre Vergangenheit realistisch betrachten, sagen mir: nein, im Gegenteil.

    Das grösste Problem all dieser Debatten scheint mir ihre Rückwärtsgewandheit, die den Blick auf die Zukunft verstellt. Tatsache ist: Wir erleben, wie Technologie die öffentliche Kommunikation radikal verändert. Das hat Konsequenzen. Viele davon sind negativ, andere positiv. Sollte man sich nicht auch um letztere Gedanken machen?

  28. @Thomas Läubli: der Jobs-Vortrag ist in der NZZaS im Wissen-Bund!
    @Bobby California: Dem Leser ist es egal, ob ein Medium gratis abgegeben wird oder nicht. Er liest einfach….. Der Leser entscheidet über die Qualität,nicht der Verlag, leider.

  29. Andy Lehmann > «Dem Leser ist es egal, ob ein Medium gratis abgegeben wird oder nicht»: Nein, keineswegs. Der Leser hat es natürlich lieber, wenn er das Medium gratis bekommt. Nur überlegen sich viele Leser leider nicht, was es für die Qualität bedeutet, wenn der Verlag die Redaktion des Gratismediums mit möglichst dünnen personellen Ressourcen dotiert, weil er auf die Abobeiträge der Leser verzichten muss. Als Verlagsmanager sind Ihnen diese Zusammenhänge sicher bekannt.

  30. Thomas Läubli:

    @Andy Lehmann:
    Der Leser entscheidet über die Qualität,nicht der Verlag, leider.
    Wie denn? Bei den Online-Zeitungen mittels Klicks? Via Abonnements-Zahlen? Ich befürchte, dass das heute das einzige Kriterium ist. Früher gabs auf der Redaktion des öfteren grünes Licht für einen Artikel über ein Thema, worüber es hiess: „Das will wahrscheinlich niemand lesen.“ Das ist Vielfalt, und diese wird nicht durch Klicks wiederspiegelt. Gerade das Online-Format könnte viel mehr Themen bedienen als das Print-Format, aber ausgerechnet hier wird auf Infotainment und Entertainment, sprich Oberflächliches, fokussiert.

    @Michèle Binswanger:
    Ich habe mittels Stichwort-Verzeichnis eine Übersicht über Ihre letzten Beiträge für TA online erhalten. Sie schreiben über Themen von Rubygate, Shawne Fielding, Parfümeure, Aufklärung im Kindergarten, Plakatkampagnen, Schweizer Kunst, String-Tangas, Rockstars, Hip-Hop bis zu TV-Kritiken – mit anderen Worten über Chrut und Rüebli. Tut mir leid, ich finde das unprofessionell…

  31. Onliner 2:

    So, und nun alle wieder an die Plätze zurück und Qualitätsjournalismus machen! Leute, echt, habt ihr nichts anderes zu tun?

  32. Thomas Läubli:

    Ja, bitte! Aber wo gibts nun diesen sagenumwobenen Qualitätsjournalismus?

  33. @Lukas Egli: Es ist zwar korrekt, die Online-Leserschaft wächst, aber sie wächst äußerst langsam. Bis auf weiteres bleiben die Online-Newssites Zuschussunternehmen ihrer Mutterhäuser und ob die neuen Paid-Informationsangebote im Internet sich jemals rechnen, bleibt angesichts der Gewöhnungseffekte durch die Gratisangebote äußerst fraglich. Auch die anderen Informationsvermittler, d.h. die Kaufpresse, Radio und Fernsehen, verlieren teilweise massiv an Reichweite und an Werbeeinnahmen. Kurzum: Das primäre Geschäftsmodell der Informationsmedien, mit Werbung redaktionelle Inhalte zu finanzieren, funktioniert immer weniger. Angesichts dieses Marktversagens der privatwirtschaftlich organisierten Medienorganisationen mutet es schon etwas seltsam an, der Wissenschaft mangelnde Kenntnisse der Marktmechanismen vorzuwerfen.

    Auch ist die kriminelle Energie beeindruckend, mit der sich die Mehrheit der Medienpraxis dagegen sträubt, sich auf die Befunde der empirischen Qualitätsforschung einzulassen. Wie froh ist man, wenn man dann (endlich!) einen Fehler findet, der einem dazu legitimiert, gleich die ganze Forschung in Frage zu stellen (z.B.: Binswanger auf Twitter: „Wie ernst kann man Medienkritiker nehmen, die bei ihrer wiss. Arbeit selber schlampen?“). Das ist nicht nur unprofessionell, es ist auch unklug. Denn ganz offensichtlich will das Publikum die dargebotene Qualität nicht, sonst würde es nicht in Heerscharen davon laufen und im besten Fall noch jene Medien konsumieren, die gratis herum liegen. Publizistische Qualität ist nicht einfach nur nice-to-have, sie ist ein Wertschöpfungsfaktor. Das neue Jahrbuch gibt eine Fülle von Anregungen, wie die Qualität zu verbessern wäre: Weniger Surfen an der Oberfläche der Ereignisse, mehr Hintergründe und Einordnung; weniger Bauchstalinismus, mehr gute Argumente; weniger Unterhaltung, mehr wirkliche Information; weniger Copy-Paste und PR, mehr Recherche und Eigenleistung; weniger Privates und Partikuläres, mehr allgemein Relevantes…

  34. Skepdicker:

    @ Dr. Eisenegger:
    Wenn Wissenschafter mit emotionalisierenden Begriffen wie „Bauchstalinismus“ um sich werfen, klar definierte Begriffe wie „Marktversagen“ im völlig falschen Kontext benutzen und Andersdenkenden „kriminelle Energie“ vorwerfen, dann wird es einem eher schwierig gemacht, die Forschung dieser Wissenschafter nicht kritisch zu betrachten.

  35. Fred David:

    …vielleicht wirkt die Kritik der Medienwissenschaftler ja doch, mal vom „Bauchstalinismus“ abgesehen: Diesen Text hier http://www.20min.ch/finance/news/story/-Denken-statt-publizieren—10710977 fand ich auf 20minuten online. Gratis. Für sowas würde ich glatt auch bezahlen, aber in Bezahl-Medien fand ich das nicht.

    Können Frauen das besser? Vielleicht müsste man die Frauenquote in Redaktionen erhöhen? Soweit ich weiss, sind „Blattmacher“ und „Deskchefs“, die Feldweibel der Redaktionen und heimlichen Herrscher der Kompanie, ausschliesslich Männer. Nur mal so als Ueberlegung.

    Was mir besonders daran gefiel: Da ging jemand raus ins wirkliche Leben und hat mit einem real existierenden Menschen, der etwas zu sagen hat, einfach mal geredet, ohne Riesentamtam und „weltexklusiv“ und „noch nie dagewesen“ und so. Einfach mal intelligent zur Diskussion gestellt und hinterfragt.

  36. Fred David:

    … und weils grad passt, hier noch ein Fundstück von perönlich.com: http://blog.persoenlich.com/?p=3046

    Guido Keel ist Geschäftsführer und Dozent am Institut für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW in Winterthur.

    Für Schnellleser ein paar Kernsätze:

    „Wenn Wissenschaftler Journalisten befragen, sagen diese normalerweise das, was sie gerne tun würden, und nicht das, was sie eigentlich tun. Mit diesem Problem kämpfen alle Journalismusforscher.“

    „In meiner Untersuchung komme ich zum Schluss, dass das journalistische Berufsfeld in der Schweiz trotz fundamentalem Medienwandel in den letzten zehn bzw. dreissig Jahren einigermassen stabil geblieben ist. Ein Befund, der sich auch in Umfragen im Ausland zeigt.“

    „Der Anteil der Frauen im Journalismus in der Schweiz ist – wie auch in anderen Bereichen der Berufswelt – seit 1980 kontinuierlich angestiegen, liegt aber immer noch hinter dem Frauenanteil in der Schweizer Berufswelt zurück.“

    „Die Akademisierung des Journalismusberufs hat in der Schweiz in den letzten zehn Jahren nur marginal stattgefunden.“

    „Die Löhne im Journalismus sind in den letzten zehn Jahren nominal stabil geblieben oder sogar ganz leicht gesunken, während die Löhne in der Schweiz zwischen 1998 und 2005 im Durchschnitt rund 15 Prozent angestiegen sind.“

    Hallooo, Redaktionen: Beim letzten Punkt würde ich hausintern mal etwas auf den Tisch hauen, angesichts der uns zumindest von den grossen Medienhäusern präsentierten Jahresbilanzen mit den schönen Gewinnzahlen…

  37. Christof Moser:

    @Fred: 20Minuten Online ist eben genau der Beweis, dass es keinen Sinn macht, in der Qualitätsdebatte die Mediengattungen Print und Online gegeneinander auszuspielen. 20min-Online macht oftmals einen hervorragenden Job. Dazu habe ich mal eine Kolumne geschrieben: http://www.sonntagonline.ch/ressort/medien/1739/

  38. Fred David:

    @) Christof: Naja, das oben genannte Beispiel ist nach meiner Beobachtung doch eher noch im Bereich von „Pro Specie Rara“. Und doch und doch…Die Kommentare zu dem Artikel zeigen, Anspruchvolleres wird schon auch gelesen, auch ohne Vufuzela-Getröte, online oder Print.

    Die Klickrates sind wahrscheinlich nicht berauschend, aber so können Medien auch Leser/User binden, die sonst kaum vorbeischauen. Die Mischung machts, und die ist nicht leicht zu komponieren. Wenn ich beispielsweise im „Spiegel“ eine einzige Story finde und danach sage: Wow, die sitzt! hat sich schon der teure Kauf gelohnt. Aber DIE Story muss dann drin sein. Sonst mache ich mal wieder ein paar Wochen Pause mit der Spiegel-Lektüre. Leser können ziemlich penetrante Wesen sein. Man muss sie sorgsam pflegen. Und immer wieder von Neuem. Mühseliges Geschäft.

  39. Fred David > «Pro specie rara» ist ein treffender Begriff. 20Min hat den Artikel von Swisscontent gekauft. Die Autorin Elisabeth Rizzi, die tatsächlich gute Artikel schreibt, ist Produktionsleiterin bei Swisscontent – nicht Onlinerin bei 20Min.

    Mark Eisenegger > «Auch ist die kriminelle Energie beeindruckend, mit der sich die Mehrheit der Medienpraxis dagegen sträubt, sich auf die Befunde der empirischen Qualitätsforschung einzulassen.»
    Mit diesem Befund bin ich einverstanden. Speziell die Onliner haben bisher mit allen Mitteln versucht, sich der Debatte zu entziehen. Mal heisst es, «habt ihr nichts anderes zu tun» (wie wenn das Nachdenken über unsere Arbeit nicht wichtig wäre). Mal gibt eine Mamabloggerin im Kommentarfeld unverständliche Sentenzen von sich (und kommt nicht zurück, um zu erklären, was sie uns eigentlich sagen wollte).

    Die gleiche Mamabloggerin ist sich aber nicht zu schade, in einem Tessiner Online-Gefäss Imhof abzukanzeln, in italienischer Sprache, ohne dass Imhof die Gelegenheit hätte, dort seinen Standpunkt bekannt zu geben («C’è questa forma nostalgica del „prima era tutto meglio“» – jaja, der Gegenseite veraltetes Denken zu unterstellen, ist bei Onlinern eine beliebte Masche; «Un passato in cui praticamente i giornali riportavano dispacci di agenzia» – kann frau wirklich so flott 150 Jahre Zeitungsgeschichte abtun? – «Online o giornale classico non cambia nulla» – immer wieder die gleiche Leier, «Il problema di fondo è di capire quanti soldi sono disposti a investire gli editori nel giornalismo» – eben!)

    Die beharrliche Weigerung der Gratismedien-Angestellten, auf die Kritik einzugehen, legt den Schluss nahe, dass es mit dem Selbstvertrauen dieses Teils unserer Branche nicht zum besten bestellt ist.

  40. Fred David:

    @) Bobby: Auch wenn der wirklich gute Beitrag von Elisabeth Rizzi eingekauft ist, sass doch immerhin jemand bei „20minuten“, der fand: Das müssen wir haben! Ist doch gut.

    Und sei’s vielleicht auch nur, um’s dem hartnäckigen Prof. Imhof zu zeigen…. Damit wär ja denn doch schon mal von der Medienwissenschaft unmittelbar praktische Wirkung erzielt.

  41. @Skepdicker: OK, ich gebe zu, die Wortwahl war etwas gar „moralisch-emotional“. Die farbige Sprache soll nicht von den Inhalten ablenken, deshalb bringe ich die Essenz nochmals neutraler.

    @Lukas Egli: Es ist zwar korrekt, die Online-Leserschaft (Gratis-Online) wächst, aber sie wächst langsam und das Wachstum verlangsamt sich. Bis auf weiteres bleiben die Online-Newssites in der Regel Zuschussunternehmen ihrer Mutterhäuser und solange sie gratis sind, wirken die Gewöhnungseffekte weiter.
    Auch die anderen Informationsvermittler, d.h. die Kaufpresse, Radio und Fernsehen, verlieren an Reichweite und die Werbeeinnahmen genügen nicht. Deshalb funktioniert das primäre Geschäftsmodell der Informationsmedien, mit Werbung redaktionelle Inhalte zu finanzieren, nicht mehr richtig. Gratis und der Abfluss der Werbeeinnahmen zu branchenfremden Akteuren sind die zentralen ökonomischen Ursachen für die mangelnden Einkünfte des Informationsjournalismus und damit der Beeinträchtigung der Qualität.

    Beeindruckend ist die Verve, mit der sich die Mehrheit der Medienschaffenden dagegen sträubt, sich auf die Befunde der empirischen Qualitätsforschung einzulassen. Man ist froh, wenn man (endlich!) einen Fehler findet, der einem dazu legitimiert, gleich die ganze Forschung in Frage zu stellen. Das ist unklug. Denn ganz offensichtlich will das Publikum die dargebotene Qualität nicht. Das neue Jahrbuch gibt eine Fülle von Anregungen, wie die Qualität zu verbessern wäre: Weniger Surfen an der Oberfläche der Ereignisse, mehr Hintergründe und Einordnung; weniger Emotionalisierung, mehr gute Argumente; weniger Unterhaltung, mehr wirkliche Information; weniger Copy-Paste und PR, mehr Recherche und Eigenleistung; weniger Privates und Partikuläres, mehr allgemein Relevantes.

    @Fred David / Christof Moser: Zum genannten Beispiel auf 20minuten.ch. Tatsächlich zeigt auch unsere Forschung, dass Gratis Online bezüglich Qualität etwas besser abschneidet als die gedruckten Gratiszeitungen. Mit 11% Einordnung befindet sich 20minuten.ch zudem mittlerweile fast auf Augenhöhe mit Tagesanzeiger.ch und NZZ Online. Allerdings sind diese Werte im Quervergleich etwa zu den Abonnementszeitungen tief. Online zeigt sich somit eine Konvergenz der verschiedenen Medientitel auf niedrigem Qualitätsniveau.

  42. Lukas Egli:

    Ich weiss zwar nicht, wo Grossmeister California seine Informationen her hat und wo er sitzt, weil er der Einzige ist, der hier zwar gerne auf andere zeigt, selbst aber nicht die Eier – pardon l’expression, Monsieur Hitz – hat, mit seinem richtigen Namen aufzutreten und sich mit seiner eigenen Arbeit zu exponieren.

    Aber ich weiss zufälligerweise, wo Elisabeth Rizzi sitzt, wenn sie Geschichten für 20 Minuten Online schreibt. Zufälligerweise habe ich den erwähnten Artikel produziert. Pro Specie Rara? Mag sein, Herr David. Könnte aber auch sein, dass klassische Zeitungsleser die wachsenden «Einordnungsleistungen» in der bunten Wundertüte bisweilen übersehen. Genau, es ist der Mix, wie bei der guten alten Zeitung – nur eben mit sehr viel weniger Strukturelementen. Ist nur für uns Ü35 anspruchsvoll ;)).

    Auch weiss ich nicht, woher Herr Eisenegger seine Zahlen hat. Aber die Zahlen, die mir zugänglich sind, sagen etwas anderes. «Weniger Surfen an der Oberfläche der Ereignisse, mehr Hintergründe und Einordnung; weniger Emotionalisierung, mehr gute Argumente; weniger Unterhaltung, mehr wirkliche Information; weniger Copy-Paste und PR, mehr Recherche und Eigenleistung; weniger Privates und Partikuläres, mehr allgemein Relevantes.» Go for it, Dr. Eisenegger. Die Branche wartet auf Sie! Zum Stichwort «empirische Qualitätsforschung» empfehle ich Ihnen dringend die Gedanken von Edgar Schuler im Beitrag nebenan.

    Sorry, aber hier treiben sich echt ein paar Schwafler rum, die gelegentlich den Beweis erbringen sollten, wo und wie (ob?) sie ihre Verantwortung in der Branche wahrnehmen. Was treiben eigentlich Sie so Seriöses, Thomas Läubli, dass Sie meinen, bei jedem Thread mitzureden und mit dem Finger auf einzelne Diskussionsteilnehmer zeigen zu müssen? Vielleicht sollte mal jemand ein Stichwort-Verzeichnis erstellen.

    Warum muss man sich eigentlich verteidigen, wenn man mit Imhofs Diagnose aus dem Elfenbeinturm nicht einfach nur einig geht? Verlangt journalistische Arbeit nicht nach kritischer Auseinandersetzung? Kann man angesichts dieses Jahrbuchs echt nur in Kopfnicken verfallen und mit Frisch raunen: «Es stimmt halt, was er gesagt hat»?

  43. Grossmeister Egli > Schauen wir uns die angeblich «wachsenden Einordnungsleistungen» doch mal konkret an:

    20Min 12.10.2011: «Disco-Unfälle: Pro Woche ein Toter»… «Xenia gibt Einblicke in die Welt der Banker» (O-Ton Xenia: «Ohne das Finanzsystem würde die Wirtschaft nicht funktionieren» – Wahnsinn, diese Einordnungsleistung! Elisabeth Rizzi, rette uns)… «Schluss mit Nervenkitzel: Todespfad wird saniert»… «Forster-Dreh: Spezialeinheit beschlagnahmt 85 Waffen» usw.

    Lukas Egli, Hand aufs Herz: Wenn man nur dieses Blatt liest, ist man einfach ungenügend informiert.

    Ich rechne es Ihnen, Lukas Egli, an, dass Sie als einziger Onliner die Eier (pardon Martin Hitz) haben und sich mit substanziellen Beiträgen an der Debatte hier beteiligen, auch wenn ich Ihren aggressiven Diskussionsstil fragwürdig finde. «Kann man angesichts dieses Jahrbuchs echt nur in Kopfnicken verfallen»: Nein, muss man nicht. Aber wenn man damit nicht einverstanden ist, sollte man sich die Mühe machen und Gegenargumente formulieren – und sich nicht der Debatte verweigern mit fadenscheinigen Argumenten, so wie das die meisten Onliner tun. Wenn Ihre Wortmeldungen weniger Verbalinjurien enthalten würden und dafür mehr sachliche Argumente, wäre die Debatte vielleicht ergiebiger.

  44. Thomas Läubli:

    Was treiben eigentlich Sie so Seriöses, Thomas Läubli, dass Sie meinen, bei jedem Thread mitzureden und mit dem Finger auf einzelne Diskussionsteilnehmer zeigen zu müssen?
    Ach, darf jetzt ein kritischer Leser, der sich in Geisteswissenschaften und Kultur auch von Berufs wegen gut auskennt, sich nicht kritisch äussern? Will hier die Classe Journalistique unter sich bleiben? Muss man sich trotz den hehren Versprechungen der „Schwarmintelligenz“ neuerdings legitimieren, um mitreden zu können?

    Warum muss man sich eigentlich verteidigen, wenn man mit Imhofs Diagnose aus dem Elfenbeinturm nicht einfach nur einig geht? Verlangt journalistische Arbeit nicht nach kritischer Auseinandersetzung? Kann man angesichts dieses Jahrbuchs echt nur in Kopfnicken verfallen und mit Frisch raunen: «Es stimmt halt, was er gesagt hat»?
    Das Stichwort „Elfenbeinturm“ fällt im öffentlichen Diskurs mittlerweile so oft, dass man sich auch fragen kann, ob nicht die Journalisten im Elfenbeinturm leben, dass sie sich gegen die von Herrn Imhof erhobenen statistischen Daten sträuben. Würde man nicht im Elfenbeinturm leben, hätte man in den Gratiszeitungen schon längst eine Leserbriefseite eingerichtet oder generell auch mal seine Leser nach der Zufriedenheit befragt statt aus irgendwelchen Klicks wie aus einem Kaffeesatz zu lesen versuchen.

  45. Es ist peinlich für Tamedia: Hansi Voigt von 20minuten.ch macht eine Woche nach Peter Wälty dieselben falschen Aussagen. Und dazu werden neben 20Minuten.ch wieder die Posaunen des Newsnetzes angeworfen und meine und wohl auch andere Postings nicht zugelassen. Das Jahrbuch trifft offensichtlich. Schade um die verpasste Auseinandersetzung und unangenehm sind die höchst asymmetrischen Resonanzmöglichkeiten.

  46. Auf der Plattform http://www.qualitaet-der-medien.ch/ ist eine Entgegnung zum Beitrag von Hansi Voigt „Falschaussage mit Qualitätsanspruch“ zu finden.

  47. Thomas Läubli:

    Ich habe 3mal versucht auf TA-Newsnetz, einen Kommentar zu Hansi Voigt zu hinterlassen (und nebenbei habe ich mit Soziologie nichts am Hut). Das zeigt, dass Herr Voigt eine Diskussion absichtlich unterdrückt.

  48. @Thomas Läubli:

    Auch der fög hat einschlägige Erfahrungen, was die Resonanzchancen auf Newsnetz und 20min.ch anbelangt. Die Quintessenz ist, dass auf Online-Newssites Diskussionen gezielt unterdrückt werden. „Führend“ darin ist das Newsnetz von Tamedia.

    Zu allen drei Beiträgen (2x Peter Wälty, 1x Hansi Voigt), die sich auf unseriöse Weise mit dem Jahrbuch Qualität der Medien des fög auseinandergesetzt haben, haben wir Stellungnahmen auf unserer Plattform (www.qualitaet-der-medien.ch) publiziert und versucht, auf den jeweiligen Newssites mit Postings zu reagieren. Etliche Postings wurden nicht publiziert und es wurde gezielt in den Text eingegriffen (Streichungen von Links):

    1.) Beitrag von Peter Wälty: „Wissenschaftlicher Boulevard“:
    Verschiedene Postings von Mitarbeitenden des fög wurden auf Newsnetz (Tagesanzeiger.ch, bernerzeitung.ch, derbund.ch, baz.ch) nicht zugelassen. Nur mein eigenes Posting wurde zugelassen. Immerhin wurde ein Link auf unsere Entgegnung angebracht.

    2.) Beitrag von Peter Wälty: „Kritik der Kritik“:
    Keines unserer Postings wurde auf Newsnetz zugelassen und unsere Stellungnahme auf http://www.qualitaet-der-medien.ch wurde nicht verlinkt. Im Beitrag von Wälty wurde zwar unsere Website angegeben, allerdings nicht in einem Kontext, der klar macht, dass es eine Replik des fög gibt.

    3.) Beitrag von Hansi Voigt: „Falschaussage mit Qualitätsanspruch“:
    Die Postings von Kurt Imhof und mir wurden auf Newsnetz nicht zugelassen. Immerhin wurde ein Posting des fög-Mitarbeiters Patrik Ettinger veröffentlicht. Dieses verweist auf die Richtigstellung auf unserer Plattform, der Link war aber deaktiviert. Erst auf nochmalige Intervention hin hat Newsnetz einen Link auf unsere Stellungnahme angebracht, allerdings zu einem Zeitpunkt, als der Beitrag von Herrn Voigt keinerlei Beachtung mehr erhielt.
    Auf 20minuten.ch sind Postings von Kurt Imhof und mir zum Beitrag von Hansi Voigt erschienen, diese wurden aber so bearbeitet, dass die Links auf unsere Websites http://www.qualitaet-der-medien.ch bzw. http://www.foeg.uzh.ch mit den darauf publizierten Repliken und Stellungnahmen gelöscht wurden. D.h. es wurde gezielt in unsere Kommentare eingegriffen.

  49. Möt Schandon:

    …drum ist es gut, dass es unabhängige Plattformen wie medienspiegel.ch gibt. Man erfährt Dinge, die sonst in irgendwelchen Fliegenfängern hängen bleiben. Die Arroganz der Mattadoren, die selbstherrlich befinden, was dem Publikum bekömmlich ist, wird sich nicht durchsetzen.

  50. Lukas Egli:

    @ Dr. Eisenegger: Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass Ihr Link selbst auf der unabhängigen Plattform medienspiegel.ch nicht aktiv ist. Warum das bei s’Hitzes so ist, sollten Sie den Gastgeber gelegentlich selber fragen – besser bevor Sie wirre Verschwörungstheorien verbreiten, was dem Ansehen Ihres Instituts definitiv nicht dienlich wäre und den Blogwart allenfalls erzürnen könnte. (Apropos „D.h. es wurde gezielt in unsere Kommentare eingegriffen“: Haben Sie schon einmal einen Leserbrief geschrieben?).

    In der Kommentarfunktion von 20 Minuten Online war es aus Sicherheitsgründen nie (NIE!) möglich, Links zu posten (alle HTML-Tags werden automatisch entfernt). Der Grund ist denkbar einfach: Stellen Sie sich vor, jemand würde von einer News-Seite auf eine Virus-verseuchte Website linken, oder auf eine Site mit verbotenem Inhalt. Hat auch mit Qualitätssicherung zu tun, wenn auch auf anderer Ebene. Abgesehen vom entfernten Link sind Ihre Kommentare auf 20 Minuten Online „unbeschädigt“ publiziert worden.

    Sie müssen entschuldigen, wenn ich ein bisschen darauf herumreite, aber mit der Expertise Ihres Instituts in Sachen Online-Medien scheint es wirklich nicht sehr weit her zu sein. Dass ausgerechnet Sie nun mangelnde „Ressonanzchancen“ beklagen, nachdem Sie freimütig 500 Seiten publizierten, ohne allfällige Knackpunkte mit den betroffenen Medien auf ihre Richtigkeit abzuchecken, finde ich offen gesagt, kurios. (Vielleicht sollten Medien endlich die Seite „Duplik und Triplik“ einführen.)

    @Läubli und @California (oder sollte ich schreiben: @AGossweiler?): Wer in diesem Stadium der Diskussion Print („Blatt“; „Gratiszeitungen“; „Leserbriefseite“) und Online noch nicht auseinanderhalten kann, dem fehlt entweder der Wille zum Verständnis oder er weiss wirklich nicht, wovon er spricht. Damit, dass die „Classe Journalistique“ (brrr) unter sich bleiben möchte, hat das nichts zu tun; aber tun Sie den anderen Diskussionsteilnehmern doch den Gefallen und versuchen Sie zu differenzieren. Die Debatte würde tatsächlich ergiebiger, wenn nicht ständig Äpfel mit Birnen verglichen würden.

    Wenn Sie schon einmal einen Blick ins Internet gewagt hätten, hätten Sie vielleicht festgestellt, dass (die weitgehend unabhängigen) Redaktion von 20 Minuten Print und 20 Minuten Online People- und Unterhaltungsthemen sehr unterschiedlich handhaben – online deutlich zuungunsten der Unterhaltung, übrigens.

  51. @Lukas Egli: Der Unterschied von medienspiegel.ch zu 20min.ch ist, dass hier der Link erscheint, auch wenn er deaktiviert ist, bei 20min.ch aber gleich gänzlich eliminiert wurde. Zudem wird das, was Sie als gegeben insinuieren, in der Onlinewelt keineswegs konsequent so angewendet. Ihre Argumentation mit Bezug zu Sicherheitsbestimmungen hinkt auch deshalb, weil am Ende unser Link ja dann doch noch, und zwar aktiviert, nach entsprechendem Insistieren publiziert wurde. Man kann Links ja schliesslich auch überprüfen, was auch geschehen ist, wenngleich auch zu spät. Abgesehen davon fände ich es interessanter, Ihre Meinung zum gesamten Erfahrungsbericht zu erfahren als in Bezug auf einzelne, selektiv ausgewählte Argumente.

    Zu Ihrem letzten Abschnitt ist eigentlich alles gesagt. Diese Diskussion fortzuführen bringt nichts. Aber vielleicht geben Sie uns einmal ein Feedback zu den Inhalten des Jahrbuchs. Falls Sie das Jahrbuch noch nicht gelesen haben, werde ich Ihnen gerne kostenlos eines zusenden.

  52. Thomas Läubli:

    @Lukas Egli: Ich sehe im Moment nicht, wo ich zwischen Print und Online hätte unterscheiden sollen und warum. Ich dachte, in Hinblick auf die Qualitätsdiskussion sollte das keine Rolle spielen. Das mit der „Classe Journalistique“ ist einfach eine spitze Bemerkung gegen jene, die meinen, sie könnten sich alles erlauben (z.B. Eliten-Bashing & Kulturverachtung), wenn man sie selber kritisiert, offenbaren sie jedoch ihre Kritikunfähigkeit, als ob man in ein Wespennest gestochen hätte. Sie haben ja oben so Andeutungen gemacht, als ob der gewöhnliche Leser sich über den Journalismus kein Urteil anmassen dürfe.

    Ob 20Minuten nun online oder gedruckt ist, bemerke ich keinen relevanten Unterschied. Z.B. konnte ich ausser in der NZZ nirgends etwas zu den Donaueschinger Musiktagen (DEM Ereignis des Jahres in der Neue-Musik-Szene) lesen. In den Gratismedien – egal welchen Mediums – wird die Kultur mittlerweile zugunsten reiner Unterhaltung überhaupt totgeschwiegen.

  53. Lukas Egli:

    @ Mark Eisenegger: Oh, Link publiziert – pardon, was war nun noch mal das Problem? Im Übrigen argumentiere ich nicht, sondern gebe Ihnen weiter, was mir die IT sagt. Aber bitte, erklären Sie den Profis, wie man das besser macht (auch die IT-Branche wartet auf Sie!). Ich verstehe nichts davon.

    @ Thomas Läubli: Sie sind kein «gewöhnlicher Leser» – Sie sind gar kein Leser! Zumindest nicht der Medien (man beachte den Plural), die Sie kritisieren. Sie wollen nicht unterscheiden – prima! Donaueschinger Musiktage? Boff. Dennoch: Ich wüsste zwischen Violine und Bratsche zu unterscheiden. Warum lesen Sie (wie ich) nicht einfach die NZZ?

    Bonne nuit!

  54. Thomas Läubli:

    @Lukas Egli: Abgesehen davon, dass die NZZ unter Markus Spillmann qualitativ auch immer schlechter wird, sorge ich mich – wie die Autoren der Studie – um den Niedergang und die Abwertung des Journalismus. Es geht um die Pressefreiheit, die missbraucht wird, und diese müsste Ihnen doch auch am Herzen liegen.

    Welche Medien ich angeschaut habe und welche nicht, weiss ich selber immer noch am besten. Zudem haben Sie meine Frage oben nicht beantwortet…

  55. Fred David:

    Passt nicht ganz hierher, hat aber doch sehr viel mit der hier immer wieder erwähnten Qualitätsdebatte zu tun, nämlich: Wie im Journalismus laufend Grenzen verschoben werden.

    Christian Müller spiesste dazu auf infosperber.ch ein „Zeit“-Interview mit Ringier/Schweiz-CEO Marc Walder auf: http://www.zeit.de/2011/41/Interview-Walder

    Müller schreibt:

    „Wenn das nur gut geht…

    In der letzten Ausgabe der «Zeit» steht ein grosses Interview mit Marc Walder zum Promi-Business-Monopoly nach Ringier-Konzept.

    Zum gleichzeitigen Betrieb von Printmedien, Internet-Aktivitäten, Eventagenturen, Promi-Promotion-Agentur und und und antwortet der CEO von Ringier Schweiz, Marc Walder, dem Interviewer der «Zeit» so:

    »Wir haben bisher keine Fälle, in denen wir in Versuchung geführt werden. Und am Ende muss ich entscheiden oder gar Michael Ringier. Wie kann ich es erklären? Ich war auch in meiner Zeit als Chefredakteur ständig damit konfrontiert, dass ich nicht im luftleeren Raum arbeite.

    Chefredakteure werden dauernd von Vorstandschefs, Fussballpräsidenten, Politikern oder Künstleragenturen angerufen, die ihre Interessen wahrnehmen wollten. Das muss jeder Chefredakteur aushalten.

    Das Konglomerat bei Ringier macht es noch ein bisschen komplexer, weil es immer noch das Gesamtinteresse des Konzerns gibt. In so einer Situation gibt es drei Chefredakteurs-Typen. Der erste opponiert aus Prinzip. Der zweite kuscht und schreibt nur, was der Vorstand in seinen Augen lesen will.

    Und der dritte Typ, den wünsche ich mir, der sieht eine journalistische Geschichte, sieht die Interessen des Hauses und ruft im Zweifelsfall an, bevor die Geschichte in Druck geht. Der Chefredakteur macht danach seine Geschichte.

    Ich rufe dann denjenigen an, um den sich die Geschichte dreht, und werde ihm im Notfall sagen müssen: «Wir haben zwar ein gemeinsames Geschäft, aber morgen wird leider etwas Unangenehmes in der Zeitung stehen.» Wenn Madonna also schlecht singt, dann schreibt das der Blick auch so.»

    Da müssen Marc Walder und Michael Ringier ja dauernd Entscheidungen fällen. Ob sie das wollen?

    Der alte Journalist in mir meint: Wenn das nur gutkommt…“

    Und mein alter Journalist brüllt mir zu: Ein sich selbst als „Entertainment-Konzern“ deklarierender Medienveranstalter kann nicht erwarten, auch noch als Publizist ernst genommen zu werden. Man kann nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen und glauben, das Gemauschele falle nicht auf.

    Madonna ist da sicher noch das kleinste Problem. Die ist keine Ringier-Kundin. Sie gibt auch keine Inserate auf. Mutmasslich jedenfalls

  56. Fred David:

    …und zur Qualitätsdebatte fiel mir grad noch dieser Stehsatz in die Tasten. Lesenswert. Mario Cortesi, 71jähriger Print-Oldie, lässt nur wenig gebremst seinen Zorn über schlaffe Journalisten durchschimmern: http://medienkritik-schweiz.ch/2010/12/%e2%80%9ejournalisten-sind-heute-wie-buroangestellte%e2%80%9c/

  57. Fred David:

    …und noch einen zum Thema Qualitätsjournalismus. Lief mir grad übern Weg. Man muss Selbst-Bashing ja nicht übertreiben, aber die TAZ-Selbstkritik ist frisch, unkompliziert und nachahmenswert:
    http://www.taz.de/Unsauberer-Journalismus-bei-der-taz/!81016/

  58. Thomas Läubli:

    Das Newsnetz unter Peter Wälty liefert immer wieder profunde Artikel wie zum Beispiel diesen hier von Michèle Binswanger und Philippe Zweifel:
    http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Hach-ich-fuehle-mich-wohl-bei-dieser-Transaktion/story/23080724

    Es ist bei dem Niveau ja schon fast ein Wunder, dass da nicht wie bei Katharina Blum vom Bumsen die Rede ist…

  59. Thomas Läubli:

    Der Blödel-Journalismus geht ungehemmt seinen Gang. Auf einer ganzen Seite im Tages-Anzeiger vom Dienstag, 24. Januar 2012, dürfen Journis unter «Ewige Krämpfe» ihre Wohlstandsneurosen abhandeln. So darf Jean-Martin Büttner seine Depressionen breittreten: das Aufstehen am Morgen als „ewiger Krampf“. Thomas Widmer ärgert sich über Cervelatpromis, die regelmässig in den Klatschspalten aufträten (die ganz bestimmt regelmässig auch im TA selber erscheinen). Manuela Kessler doziert über McClean- und Toitoi-WCs. Patrick Kühnis schreit «Jippi jippi ja ja jippi jippi jey!» An und für sich ist gegen solche infantilen und doofen Geschichten, die mit dem Duo Strehle/Eisenhut Einzug gehalten haben, nichts einzuwenden. Nur: „Qualitätszeitung“ darf sich der Tages-Anzeiger damit nicht mehr nennen.

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