Schreibst du noch oder kuratierst du schon?

Es gibt Wörter, denen möchte ich am liebsten den Hals umdrehen. Seit einiger Zeit gehört das Wort «kuratieren» dazu. Solange es sich in seinem angestammten Bezirk aufhielt, hat es mich nicht gestört. Ein Museum braucht einen Kurator, jemanden, der sich darum kümmert (sich kümmern, sorgen für, pflegen heisst «curare» im Lateinischen); die Besucher wollen schliesslich etwas zu sehen bekommen. Dass Ausstellungen zunehmend kuratiert statt gemacht wurden, kam mir dann schon etwas affig vor, aber der Kunstbetrieb macht sich rhetorisch ja gern ein bisschen wichtig. Und weil das Sich-wichtig-Machen nicht ein Privileg des Kunstbetriebs ist, treibt das Wort jetzt auch in unserer Branche sein Unwesen.

«Moderieren, Debattieren und Kuratieren sind elementare journalistische Aufgaben», heisst es in einem einschlägigen Blog. «Im Idealfall ist ein Artikel kein fertiges Endprodukt, sondern Ausgangspunkt einer konstruktiven Debatte mit Nutzerbeteiligung, die wieder in neue Beiträge mündet.»

Da wüsste ich ein paar noch wichtigere Aufgaben, zum Beispiel recherchieren, reflektieren und formulieren. Wer nur den vielgelobten Andy Carvin gelesen hat, der auf Twitter Abertausende von Tweets «kuratierte», hat von der arabischen Revolution nicht viel mehr begriffen, als dass es an allen Ecken und Enden knallte. Und dass ein Artikel kein «fertiges Endprodukt» sein soll (signalisiert der Pleonasmus die doppelte Verwerflichkeit des Fertigen?), mag Diskursfetischisten begeistern. Für mich als Leser ist es ein Albtraum. Wer kuratieren will, soll ins Museum. Journalisten sollen schreiben, und zwar so, dass mich ihre Geschichten packen. Denn das Problem ist ja nicht, dass zu wenig geschrieben, sondern dass zu wenig gelesen wird.

Im Wörterbuch der Brüder Grimm kommt «kuratieren» übrigens noch nicht vor. An seiner Stelle gibt es einen Eintrag zum «Kürassier». Der Ritter, der mit Brust- und Rückenpanzer gerüstet in die Schlacht zieht, ist als Bild für den Journalisten vielleicht eine Spur zu dramatisch. Aber wenn er ein Stück Wirklichkeit für mich erbeutet, ist mir das egal. Die andern sollen inzwischen ihre konstruktiven Debatten führen.

Daniel Weber ist Chefredaktor des «NZZ Folio».

von Daniel Weber | Kategorie: Mediensatz

35 Bemerkungen zu «Schreibst du noch oder kuratierst du schon?»

  1. Just an dem Tag, an dem der von mir hoch geschätzte Journi/Blogger Felix Salmon einen -kuratierten- Linkblog für Finanznachrichten gestartet hat (siehe: http://www.niemanlab.org/2011/09/felix-salmons-brain-drudged-meet-counterparties-a-personal-linkblog-with-reuters-branding/ ) …

    Klar: Wenn alle nur kuratieren würden, gäbe es bald nichts mehr zu verlinken. Trotzdem: Ich persönlich ziehe einen grossen Nutzen aus Diensten, die mir einen Überblick über das aktuelle Geschehen zu einem spezifischen Thema liefern. Der persönliche Touch – aka Kuratieren – ist für mich hierbei ein grossser Mehrwert.

  2. „Kuratieren“ mag nicht in jedem Fall der richtige Ausdruck sein, ein Bedürfnis der Medienkonsumenten nach einer Zusammenstellung von für ihn wichtigen Informationen gibt es aber durchaus – und dieses Bedürfnis wird im Zuge der wachsenden Unübersichtlichkeit von Informationen wohl eher zunehmen als abnehmen.

    Dass ein Artikel mit der Publikation abgeschlossen ist, das ist ein Irrtum, dem offenbar vor allem Printjournalisten gerne erliegen. Das war noch nie so und ist je länger je weniger so. Die Rezeption gehört zur Publikation dazu – auf mich jedenfalls wirkt es seltsam, wenn ein Urheber ignoriert, was nach der Publikation folgt.

  3. Fred david:

    @) Thom Nagy: Wer ist Felix Salmon? Nach seinem Blog ist er „a Reuters blogger. Any views expressed may or may not be his own, but in any case are very unlikely to be those of his employer.“

    Hm, was sagt mir das? Also auf zu Wikipedia:

    „Felix Salmon is a financial journalist, formerly of Portfolio Magazine and Euromoney, and a blogging editor for Reuters.]

    The American Statistical Association presented Salmon with the 2010 Excellence in Statistical Reporting Award „for his body of work, which exemplifies the highest standards of scientific reporting. His insightful use of statistics as a tool to understanding the world of business and economics, areas that are critical in today’s economy, sets a new standard in statistical investigative reporting.“[3]

    Salmon published an article in Wired Magazine 27 December 2010 explaining high frequency trading on Wall Street.“

    Klingt respektabel, aber ich weiss noch immer nicht, wer Felix Salmon wirklich ist, ich weiss nicht mal, wie alt er ist, wer hinter ihm steht. Vielleicht niemand. Vielleicht aber doch. Gerade das Finanzbusiness lehrt: Vorsicht, vorsicht!

    Ich unterstelle hier nichts, ich frage.

    Und das ist der Unterschied: Es gibt eine Menge spannender Blogs, aber bei den wenigsten weiss ich wirklich, wer genau dahintersteht. Was heisst denn das genau:“he is a Reuters blogger“? Ist er von Reuters angestellt? Wer ist letztlich verantwortlich, für das was er schreibt? Er ganz allein (so klingt es jedenfalls)? Ist das transparent genug?

    Bei einem NYT-Reporter weiss ich das, und bei einem Finanzjournalisten der NZZ oder der FT auch. Das ist noch keine Garantie für eine gewisse Kontrolle und Unabhängigkeit. Aber immerhin. Bei Felix Salmon weiss ich hingegen so gut wie nichts.

    Kuratieren hin oder her…

  4. Sich am Begriff zu stören ist das eine, nicht verstehen zu wollen, wofür er steht, das andere. Kuratieren steht mitnichten im Widerspruch zu Recherche, Reflexion und Formulierkunst, wie der Autor das insinuiert. Im Gegenteil: Kuratieren ist vielmehr eine Meta-Technik, zu deren Beherrschung oben genannte Methoden Voraussetzung sind. Ohne zu recherchieren, reflektieren und formulieren gibt es kein Kuratieren, das da bedeutet: Den überbordenden Informationsfluss kanalisieren, Quellen erschliessen und bewerten, das Wichtige vom Unwichtigen trennen – Journalismus halt. Wobei der journalistische Kurator immer auch Gefahr läuft, den Fluss nicht zu bändigen, sondern selbst zum Überfluss (und beim Publikum zum Überdruss) beizutragen, aber auch das ist nicht sonderlich neu. Wie bei so vielen Diskussionen der letzten Jahre reibt man sich hier an einem Begriff, der eigentlich nicht viel Neues beinhaltet, sondern nur altbewährte Tugenden ins digitale Zeitalter fortschreibt.

  5. @Fred David:

    Ganz ehrlich: Nachdem ich sein Schaffen jetzt schon eine Weile verfolge, vertraue ich den Aussagen eines Felix Salmon mindestens so sehr, wie denjenigen der von ihnen genannten Medien. Und zwar, weil er in seinen Texten immer wieder auf potentielle Interessenskonflikte hinweist, auch und gerade wenn sie ihn selber betreffen. Mir scheint, dass er nachhaltig begriffen hat, dass Glaubwürdigkeit in erster Linie durch Transparenz entsteht. Ein Verhalten, dass vielen „traditionellen“ Journalisten gut zu Gesicht stünde. Davon abgesehen ist er einer der wenigen Schreiberlinge, die verhältnismässig trockene Finanzthemen spannend vermitteln können.

    Als Gegenbeispiel sei hier das Wall Street Journal aufgeführt, dass in der breiten Bevölkerung nach wie vor einen exzellenten Ruf geniesst, obwohl es zum Beispiel in der Murdoch-Affäre nur noch ein Sprachrohr seines Herren war.

    Aber ich schweife ab: Grundsätzlich schliesse ich mich meinen beiden Vorrednern an. Sie formulieren treffend, was ich in meiner fahrigen ersten Antwort hätte sagen wollen/sollen.

  6. Fred David:

    @)Thom Nagy: Worauf ich hinaus will: „Kuratieren“ oder wie immer man das nennen will, macht für mich schon einen Sinn: sorgfältig ausgewählte und gecheckte links finde ich etwas ganz wichtiges. Das ist eine Dienstleistung, die ich vermisse und für die ich auch bezahlen würde, weil es mir die Arbeit enorm erleichtert.

    Im konkreten Fall eben: Wer ist Salmon? Wie zuverlässig ist er? Was weiss man über ihn, hat jemand mit ihm schon direkt Kontakt aufgenommen und ein paar Fragen zum Background recherchiert, ist der Blog „sauber“, stimmen die Angaben dazu auf Wikipedia etc.etc.

    Das möchte ich nicht alles selber machen müssen, aber ich würde einem Online-Medium wie newsnetz oder nzz.online etc. für die neue Dienstleistung eines „link-checks“, für gebündelte, geprüfte links zu einem bestimmten Thema, Background zu entsprechenden Blogs etc. etwas bezahlen – wenn sie es mir denn anböten.

    Kurz: Seriöse „Dschungelführer“ durch das web sind eine Geschäftsidee! (Klingt entschieden flotter als „Kurator“)

  7. @Fred David: Wie kann ich eigentlich Deinen Links trauen, die Du hier in letzter Zeit so häufig platzierst? Wenn ich nach Deinem Namen google, dann finde ich auf freddavid.com einen Modedesigner. Das sagt mir gar nichts.

    Die Antwort heisst: Erfahrung. Ich habe schon einige Kommentare von Dir hier und anderswo gelesen, deshalb weiss ich in etwa, was mich bei einem von Dir angebotenen Link erwartet. So wird es auch Dir bei mir gehen. Oder Thom Nagy bei Felix Salmon.

    Das Umgekehrte gilt übrigens auch: Bei Newsnetz glauben viele, die als seriös bekannten Inhalte von „Tages-Anzeiger“ und „Der Bund“ zu erhalten (was sogar teilweise stimmt). Warum? Erfahrung.

  8. Fred David:

    @) Ronnie Grob: Die Links, die du meinst, habe ich aus aktuellem Anlass aus allgemein bekannten Quellen platziert, weil sie zum Thema passten (auch wenn dir offensichtlich nicht alle gefallen haben).

    Link-sharing kann sehr effizient sein. Ich profitiere häufig von Link-Empfehlungen anderer. Aber oft kann ich die Quelle nicht einschätzen. Ein Dschungel Guide (DG = Didschi = neuer Beruf) könnte mich vor Schlammlöchern, Giftschlangen und lästigen Insekten verschonen und mich möglichst rasch von A nach B lotsen.

    Ich meine einfach: Das könnte man professionalisieren, insbesondere mit links und blogs, die nicht grad am Weg liegen, in andern Sprachen als Deutsch oder Englisch, die Welt ist gross, das web unendlich.

    Ich bin zum Beispiel sehr selten in französischen Quellen unterwegs, da entgeht mir Vieles. Oder chinesische Quellen usw. usw., von denen es viele in Englisch gibt, auf die ich aber als Soft-Surfer kaum je stosse, weil mir google vieles vorsortiert.

    Ich wäre ein dankbarer Kunde für kanalisierte, systematisierte, recherchierte, von mir aus halt auch : kuratierte links zu bestimmten Themen. Könnte enorm Zeit sparen helfen.

    Mehr wollte ich mit oben genanntem Beispiel eigentlich nicht sagen.

    ps. In Modedesign habe ich mich noch nicht versucht. Ich bin erst 42 Jahre im Journalismus zugange, und öfters halt noch holzmedial – bis 2030 ist das ja noch möglich, wie ich auf
    http://www.medienspiegel.ch/sparschwein/ erfahren habe.

  9. Zwei Punkte:

    Den Anspruch zu haben, eine Geschichte ‚zu Ende‘ zu schreiben, ist und war ja vermutlich schon immer etwas vermessen.

    Und zweitens könnte man sich fragen, ob das Auswählen von Agenturmeldungen und deren Abdrucken in einer Tageszeitung nicht auch als ‚Kuratieren‘ bezeichnet werden müsste.

  10. «Wer kuratieren will, soll ins Museum. Journalisten sollen schreiben.»
    Richtiger Befund, glänzend formuliert. Weil immer mehr «kuratiert» wird und immer weniger gelesen, passieren groteske Fehleinschätzungen. So verstieg sich einer meiner Vorredner sogar unlängst zur Idee, die Proteste um Stuttgart21 seien nur dank Twitter zustande gekommen. So verzerrt sieht die Realität aus, wenn man sich nur noch über Gratiskanäle im Internet «informiert».

    Spannend fand ich in diesem Zusammenhang einen Artikel im neuen Edito, der darauf hinweist, dass die vermeintliche Wahlfreiheit im Internet eine Illusion ist. Denn jeder Internet-User ist abhängig von einem speziellen, individuell zugeschnittenen Logarithmus, der ihm nur einen Ausschnitt der im Internet verfügbaren Texte präsentiert. Meine Google-Abfrage zeigt ein anderes Resultat als die Abfrage auf Fred Davids Computer, beispielsweise. Der «Überblick über das aktuelle Geschehen» ist also im Internet gar nicht möglich. Jede Tageszeitung bietet einen besseren Überblick – weil dahinter Menschen stecken, die sich etwas überlegt haben, und nicht ein «Kurator», der einem Algorithmus zum Opfer gefallen ist.

    Dass die «Kuratoren» uns Journalisten ständig irgendwelche Irrtümer und schlimmes Nicht-verstehen oder sogar noch schlimmeres Nicht-verstehen-wollen anhängen, mutet je länger, je komischer an. So ähnlich reden Anhänger von Sekten: Wir sind die einzigen, die verstehen, um was es geht, und auch du kannst die Erleuchtung erlangen, wenn du bei uns mitmachst.

    «Die Rezeption gehört zur Perzeption», das ist auch so ein beliebtes Dogma der Internet-Gläubigen. So kann man nur reden, wenn man nie auf einer Zeitungsredaktion gearbeitet hat. Wenn eine in einem Artikel vertretene These sofort umkippt, nur weil sich ein paar Leser zu Wort melden, dann hat der Autor halt schlecht gearbeitet. Selbstverständlich sind Reaktionen der Leser immer hoch willkommen, niemand schreibt gerne im luftleeren Raum. Aber der Vorwurf, Journalisten würden «ignorieren, was nach der Publikation folgt», zielt weit daneben.

    Ich bin übrigens mit Fred David sehr einverstanden, wenn er darauf hinweist, dass man den Hintergrund eines «Kurators» kennen muss. «Erfahrung» ist kein Ersatz dafür. Jeder Anhänger der Homöopathie wird dir bestätigen, dass er im Besitz der «Erfahrung» ist, dass die Kügelchen wirken. Das ist natürlich bei weitem kein Beweis.

  11. Skepdicker:

    «Denn jeder Internet-User ist abhängig von einem speziellen, individuell zugeschnittenen Logarithmus, der ihm nur einen Ausschnitt der im Internet verfügbaren Texte präsentiert.»

    Natürlicher Logarithmus oder Zehnerlogarithmus? ;-)

  12. Daniel Weber:

    @Thomas Mauch: Klar, wenn kuratieren einfach „eine Auswahl treffen“ heisst, kuratiert auch der Metzger die Kalbshaxen in seiner Auslage. Aber meine Abneigung gegen das aufgeplusterte Modewort geht im Zusammenhang mit Journalismus doch noch etwas tiefer. Aggregieren (auch so ein Wort) und kuratieren kann auch Google schon ganz leidlich – und deren Algorithmen werden immer cleverer. Aber es wird noch ein Weilchen länger dauern, bis Google gute Artikel schreibt. Darum sollten Journalisten das als ihre Hauptaufgabe erkennen. Mit dem Anspruch, etwas „zu Ende“ zu schreiben, hat das nichts zu tun (aber den habe ich auch nirgends erhoben).

  13. „Plagiieren“ fehlt in der Liste und steht „kuratieren“ ganz nahe. Beides hat gemein, dass man die eigentliche Leistung von anderen erbringen lässt.

  14. Manchmal ahnt man gar nicht, wie harmlose Worte wirken können. Zur Info: Ich bin die Autorin des „einschlägigen Blogs“, der oben verlinkt ist.

    Ich habe das Wort „kuratieren“ im Journalismmus nicht erfunden, das haben anglo-amerikanischen Journalisten getan, die sich mit der Zukunft des Journalismus beschäftigen. Aber ich mag den Begriff, finde ihn treffend und benutze ihn gerne. Eben weil er nicht neudeutsch oder denglisch ist, sondern eine Entsprechung in der ehrwürdigen analogen Museumslandschaft hat.

    Kuratieren ist eben nicht das Gleiche, was Journalisten immer schon getan haben. Es ersetzt auch keine Recherche, sondern ist per se Recherche. Es geht aber darüber hinaus. Ein floskelhaft benutztes „aus gut unterrichteten Kreisen“, oft nicht aus Informantenschutz, sondern mangels harter Informationen benutzt, ist kein Kuratieren. Erst wenn ich die Quellen verlinke, aus denen ich meine Informationen beziehe, ihre Vertrauenswürdigkeit und Positionen einordne, unter Umständen gegenteilige Positionen hinzuziehe und das Ganze übersichtlich präsentiere, wird daraus Kuratieren.

    Journalisten haben auch nicht immer schon NACH einer Veröffentlichung Reaktionen, Kritik und weiterführenden Informationen im Netz recherchiert, sortiert und dann wieder präsentiert. Und das immer wieder von Neuem, fortlaufend. Auch das ist Kuratieren (und außerdem Prozessjournalismus, wenn sich jemand auch an diesem Wort stoßen möchte).

    @guttengate:
    Plagiieren ist so ziemlich das Gegenteil von Kuratieren. Ihre Behauptung steht in einer gedanklichen Linie mit „Google klaut Inhalte, weil es sie verlinkt und mit Snippets versieht.“

    @Daniel Weber:
    Ich kenne niemanden, der propagiert, sich über Krisengebiete am besten nur noch per Twitter zu informieren. Sie etwa? Sie polarisieren, wo es nichts zu polarisieren gibt.

  15. Ich brauche zwei Leute, die auf zwei verschiedene Arten helfen, mir die die Welt ein Stück weiter zu erschliessen:

    Einmal die Leute, die draussen sind, Geschichten antreffen und mir weitererzählen. Gut erzählte Geschichten helfen, das Ganze besser zu verstehen. „Exemplarisches Lernen“ würde man das wohl nennen.

    Dann brauche ich Leute, die Geschichten sammeln und zugänglich machen. Sie wählen aus und damit gewichten und bewerten sie. Das hilft, weil ich vielleicht keine Zeit habe, mich mit der Datenmenge auseinanderzusetzen.

    Beiden Leuten muss ich vertrauen – ich mache das, indem ich ihre Arbeit über längere Zeit beobachte und versuche, mir ein Urteil zu bilden.

    In der Praxis führt das dazu, dass ich gerne Wochen- oder Monatsmagazine lese, weil ich dort gute Geschichten finde. Und sonst viel das Internet nutze.

    Google & Co. machen den Sammel- und Aufbereitungsjob halb gut, da verlass ich mich im Moment lieber zusätzlich auf Menschen. Auch um nicht in der oben erwähnten „Filter Bubble“ zu verenden.

    Dass in letzter Zeit das Wort „Kuratieren“ für die zweite von mir erwähnte Aufgabe aufgekommen ist, mag man unglücklich finden. Ich finde ihn seltsam. Zumindest müsste man aber berücksichtigen, dass der Ausdruck in der von uns diskutierten Verwendungsweise über den englischen Sprachraum zu uns gekommen ist.

    Schlägt man den Begriff im englischsprachigen Wikipedia auf, stösst man auf den Hinweis, dass in Australien und Neuseeland die Leute als „Curators“ bezeichnet werden, die den Cricketplatz vorbereiten. Ich finde es gut, gegen die Verluderung der Sprache anzukämpfen. Aber vielleicht ist es nicht so eng, wie wir es ab und an sehen.

  16. Markus Schär:

    Felix Salmon ist das beste Beispiel für diese Debatte: Einerseits gibt es auch dank ihm einen neuen Beruf, den Blogger, der auf einer Lohnliste steht (und dies bei einem der global renommiertesten Medienunternehmen), anderseits treibt er selber die Entwicklung in seinem Berufsfeld voran.

    Er war übrigens auch in der Schweiz schon leibhaftig zu erleben – das ist tatsächlich ein Erlebnis: Er hielt vor zwei Jahren am Zermatter Symposium von Avenir Suisse zur Finanzkrise ein ebenso originelles wie brillantes Referat, weitgehend frei.

    http://www.avenir-suisse.ch/328/tagungsbericht-des-14-zermatter-symposiums/

    Gestern machte Felix Salmon seine neusten Pläne publik:

    Today Reuters finance blogger Felix Salmon launched a new website, Counterparties.com. Taking its name from his daily morning aggregation post, Counterparties curates the most talked-about and best news articles from Mr. Salmon’s personal Google Reader and Twitter feeds, using content curation algorithms developed by a start-up called Percolate.com. The company, which emails its users news digests based on the news being talked about by people they follow, is still in invite-only “double-secret alpha” mode, but Mr. Salmon is something of a power user. He subscribes to 908 blogs (about half of which are active), and follows roughly the same number of Twitter users.

    Der zentrale Satz aus dem Artikel:

    Aggregation done right encourages people to read more–a pet topic of Mr. Salmon’s blog lately. He thinks journalists especially need to do more reading than writing.

    Den Hinweis verdanke ich übrigens Tyler Cowen: Er ist nicht nur einer der interessantesten Ökonomen, sondern hat auch einen unglaublichen Überblick über Literatur, Musik, Kulinarik und vieles mehr. Mit seinem Blog Marginal Revolution macht er als Kurator von eigenen und fremden Ideen seit fünf Jahren mein Leben reicher, getreu dem Motto des Blogs: Small steps toward a much better world.

  17. Fred David:

    @) Markus Schär: Prima, danke, genau so. Ich würde dich sofort als DG (=Dschungel Guide) engagieren. Bis ich mir als SM (Simple User) das Profil von Felix Salmon zurecht gelegt hätte, wäre der Kurs meiner paar UBS-Aktien bereits wieder um ein paar Franken gefallen; das kann ich mir nicht leisten.

    Auf den Guide/Curator muss ich mich verlassen können. Mit einem Klick muss er mir sagen können: Der Kerl kriegt ***** aus dem und dem Grund, ist soweit erkennbar sauber; kritisiert wird er hingegen von…; hier ist sein Background; besonders zu empfehlen ist der link zu Tyler Cowen, weiterführend ist dort folgender Artikel etc. etc. etc. Und dann nicht ein Endlos-Wust an Material, sondern eben kanalisiert, systematisiert die links.

    So fein gesponnen (und vertrauenswürdig) ist Google noch lange nicht. Es wäre wirklich eine ausbaubare Zusatz-Dienstleistung von publizistisch gepolten Online-Diensten (was by the way helfen könnte, die Schweizer Medien-Nabelschau zu öffnen).

    Solche Spezialisierung im Hintergrund würde auch den eigenen Medien nützen und deren Qualität ziemlich schlagartig steigern. Journalisten klagen doch dauernd und mit Grund: der Zeitdruck der Zeitdruck!… Mit dieser Arbeitsteilung käme man ohne Mehrkosten weiter.

    Nur mal so als Idee.

    ps. Übrigens, der mir bis anhin leider völlig unbekannte Felix Salmon wurde mir mit dem zitierten Satz sofort ein gutes Stück sympathischer: „He thinks journalists especially need to do more reading than writing“. Und ich würde noch hinzufügen:“… and listening to distinguished people“.

  18. Hanspeter Spörri:

    Spannende Debatte. Aber trotzdem bleibt bei mir ein schales Gefühl. Den letzten Satz («journalists need to do more reading than writing») und den wichtigen Zusatz («and listening…) würde ich gerne noch erweitert sehen: Wir sollten ob all dem digitalen Verlinken und Kuratieren nicht vergessen, dass es eine Wirklichkeit gibt, die schwierig zu erfassen ist: Orte, wo Dinge passieren, über die wir dann reden und schreiben. Wir sollten selber hingehen.

  19. Fred David:

    @) Ja, @)Hanspeter Spörri, fürs Rausgehen kann man sich ja noch so ein paar alte Deppen wie dich und mich halten. Wir sind zwar nicht ganz billig, dafür brauchen wir nur wenig Futter, schmutzen nicht, halten Deadlines kurioserweise für Deadlines, verlassen das klimatisiert Büro auch wenn’s regnet und streifen mit Vorliebe durch Gegenden, wo es weder Medienkonferenzen, Consultants noch Pressesprecher gibt, sozusagen die Clochards der Branche, wobei wir allerdings nur im Notfall unter Brücken schlafen. Unser Nachteil: Wir sind nicht handzahm und werden das auch nie mehr lernen. Soviel von der Gerontenfraktion. Jetzt kann sich ja auch mal der Kinderkreuzzug ins Zeug legen.

  20. Ich hätte noch eine Bitte an die Herren Kuratoren. Kuratiert doch, so lange und so viel ihr wollt. Und glaubt ans heilbringende Internet, wenn euch das zufrieden macht. Aber bitte verschont uns Journalisten mit euren gütigen Tipps, Ratschlägen und Belehrungen. Das nervt nur noch.

    Ich halte es mit Fred David: Ich gehe lieber raus und rede mit real existienden Menschen aus Fleisch und Blut. Das macht mich zufriedener, als den ganzen Tag lang auf einen Bildschirm zu glotzen. Es ist auch gesünder für Augen und Rücken. Die Kindersoldaten kümmern sich wenig um ihre Gesundheit. Aber wenn man älter wird, weiss man den Unterschied zwischen Lebensqualität und dem neusten Hype zu schätzen.

    PS @Skeptiker: Algorithmus. Sorry.

  21. Fred David:

    Den Gedanken möchte ich aber doch noch weiter spinnen: eine Rating Agentur für Blogs, Portale etc.

    Das könnte eine Geschäftsmodell sein, dass sich leicht mit herkömmlicher Publizistik verbinden lässt. Man sollte das in Angriff nehmen, bevor die Amis die Idee wegschnappen.

    Das wäre etwas, womit sich beispielsweise die NZZ digital profilieren könnte (Peter Hogenkamp von der NZZ, wie wärs?) Warum nicht versuchen, mit der FAZ in dieser Richtung gemeinsam sowas aufzubauen, um die Basis international zu verbreitern. Dazu könnte man später beispielsweise noch den „Guardian“ nehmen. Step by step, zunächst mit einer kleinen Firma.

    Nochmal zurück zum oben erwähnte Beispiel des Rising Stars am globalen Blogger Himmel, Felix Salmon: Das möchte man schon näher und längerfristig beobachtet haben. Die globale Finanzindustrie hat uns in den letzten Monaten gezeigt, was eine Harke ist. Da lohnt es sich wirklich, genauer darauf zu achten, was sich da tut. Wir erinnern uns: Es tauchten plötzlich irgendwoher irgendwelche Stories auf, die ganze Staaten erschütterten. Man wusste nie so recht, woher welche Information kam. Auch der Schweizer Franken geriet unter gewaltigen Spekulationsdruck. Schlagartig wurde es dann wieder ruhig, als wäre nichts gewesen.

    Ich bringe das jetzt ausdrücklich nicht in Zusammenhang mit Salmon, dafür gibt es keinerlei Anlass, aber es zeigt, welche enorme Bedeutung so ein Blog plötzlich bekommen kann.

    Eine – unabhängige – Rating Agentur für Blogs, Portale etc. wäre wirklich eine tolle Sache (natürlich nicht nur im Bereich Finanzindustrie, sondern für alle möglichen Sparten und Gebiete in allen Weltgegenden). Wer diese Agentur aufbaut, würde in relativ kurzer Zeit ein enormes Know how gewinnen – das web ist ja da und für alle zugänglich. Man darf nicht alles Google und Facebook überlassen, weil man glaubt, nur die könnten das.

    ps. Die NZZ müsste sich vorher aber aus der überaus intimen Nähe zur Schweizer Finanzindustrie lösen, um für so etwas glaubwürdig zu sein. Früher oder später rächt sich solche Nähe.

  22. Peter Hogenkamp:

    Muss nicht jedes Rating publizistischer Produkte immer subjektiv sein, Fred? Wenn wir Schulnoten verteilen würden für Blogs, wäre das nicht etwas komisch? Ich kann’s mir jedenfalls schlecht vorstellen. Was man allerdings machen könnte, wenn man sowieso zitiert und verlinkt, ist, die Erwähnungen zu zählen. Ich fände es zum Beispiel spannend, wenn jemand nach fünf Jahren «6 vor 9» (http://www.bildblog.de/ressort/6-vor-9/, siehe auch http://blog.ronniegrob.com/2011/08/02/5-jahre-6-vor-9/) mal auszählen würde, wen Ronnie wie oft verlinkt hat. Um das automatisiert und laufen machen zu können, hätte man es allerdings von Anfang an anders aufziehen müssen; nachträglich wäre das ein sehr grosser Aufwand. Obwohl das «Semantic Web» nun schon lange ausgerufen wurde und bisher immer noch nicht da ist, glaube ich, dass es noch kommen wird und uns hilft, viel intelligentere Suchanfragen als heute zu stellen. http://favstar.fm/, ein Dienst, der Twitter-Favoriten auswertet, ist ein Vorgeschmack, aber leider natürlich sehr beschränkt, da Tweets nun mal nicht die einzig wertvollsten Texte des Webs darstellen.

    Ansonsten habe ich in dieser Diskussion viel Neues erfahren, vielen Dank.

  23. Fred David:

    …übrigens, ein Beispiel, warum ich glaube, dass es Curators (mit C klingts annehmbar) braucht, hier: https://www.facebook.com/help/contact.php?show_form=data_requests

    Dieses überaus gut versteckte Formular fand ich nur zufällig dank eines Tips von 20minuten.ch. Es ermöglicht die Herausgabe (nicht Löschung!) persönlicher Daten, die facebook von mir ungefragt speichert. Ist ja nicht ganz unwichtig. Das Gesetz, das mir dieses Möglichkeit gibt, muss ich zudem noch selber raussuchen und eintragen. Die Herrschaften werden anmassend.

    Als SU (Simple User) brauche ich vertrauenwürdige, unabhängige Curators bez. Guides, die mich auf sowas „guiden“. Ich will mich nicht total dem web und zum Beispiel den oben erwähnten Algorithmen ausliefern, von denen ich keine Ahnung habe, nach welchen Kriterien die funktionieren und die mit mir machen, was die wollen.

  24. Was genau ist daran schlecht, seine Leser auch auf Lesenswertes hinzuweisen, das man nicht selber geschrieben hat? Journalisten sollen helfen, die Welt zu verstehen, Dinge einzuordnen. Das geht mitunter besser, indem man sachkundig auf Dritte verweist, anstatt selber zu paraphrasieren (was ja, wie wir alle wissen, oft genug geschieht).

    Disclosure/Eigenwerbung: Ich bin genau so ein journalistischer Kurator – http://www.weeklyfilet.com

  25. Lukas Egli:

    In was unterscheidet sich der Kurator eigentlich vom Blogger, der mit seinem Weblog doch eine Art Fahrtenbuch durchs Internet führt? Erinnert mich ein bisschen an die Umbenennung der guten alten Nati A in die eitle Axpo Super League

  26. Daniel Weber:

    Eben (via Twitter :-) gelesen: Computerprogramme gehen nicht bloss Kuratoren, sondern inzwischen auch Journalisten an den Kragen: http://nyti.ms/pqR1Kd
    Ob wirklich schon in fünf Jahren eine Maschine den Pulitzerpreis bekommt?

  27. Falls die Debatte bereits gelaufen ist, nutze ich hier noch die Gelegenheit das Urheberrecht auf das Wort «culatieren» anzumelden. Was ungefähr soviel bedeutet, wie Texte von wahnsinnig tollen Journikollegen, oder solchen, die der Karriere irgendwann förderlich sein dürften, möglichst penetrannt in möglichst vielen sozialen Netzwerken abzuwerfen.

  28. @Lukas Egli: In einem Blog kann die ganze Palette von Medien auftauchen, ein Kurator wählt gezielt Links aus.

    @Daniel Weber: Ja, vielleicht gewinnt mal eine Maschine einen Preis. Aber bis es soweit ist, kann man auch einfach nur feststellen, wie wir alle profitieren von Links, die andere setzen. Man kann das verlinken nennen, oder, wenn man denn unbedingt will, kuratieren. Für meinen Teil bestehe ich nicht auf wichtig klingende Ausdrücke, ich würde mir aber wünschen, dass Journalisten endlich einsehen, wie wichtig der Link ist im Web. Sascha Lobo schreibt: „Verlinkung ist digitales Leben, der Rest ist Konsum.“ (Die Quelle findet ihr ja sicher selbständig, oder?)

  29. Fred David:

    @) Peter, du schreibst: „Muss nicht jedes Rating publizistischer Produkte immer subjektiv sein? Wenn wir Schulnoten verteilen würden für Blogs, wäre das nicht etwas komisch?“

    Natürlich ist ein Rating auch oft subjektiv. Die NZZ ist auch subjektiv, und trotzdem lese ich sie. Wenn an Grossbanken und ganze Staaten „Schulnoten“ verteilt werden können – die keineswegs allein auf nüchternen, objektiven Kriterien beruhen (nicht mal das BIP ist ein objektiver Massstab) -, dann kann man das mit Blogs, Plattformen etc. erst recht machen.

    Literatur-, Kunst- oder Filmkritik ist letztlich auch nichts Objektives, obwohl eine Reihe objektiver Kriterien angewendet werden – und trotzdem helfen sie mir als user, aus einem unübersehbaren Meer von Angeboten auszuwählen.

    @) Ronnie Grob: Ja, gute Links sind auch für mich das halbe Leben im web! Ich wundere mich auch, warum Medien das nicht professioneller und systematischer pflegen. Ist eine anspruchsvolle Dienstleistung. Dafür fehlt Journalisten jeder Sinn. Deswegen brauchts Curators.

  30. Fred David:

    …dies hier mag jetzt ein extremes Beispiel sein, aber es ist schon hilfreich, Leute zu haben, die versuchen dahinter zu gucken, was da im web so kreucht und fleucht…http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Tapfere-Christine-Doppelleben-einer-Schweizer-Pfarrerin/story/11053969

  31. Markus Schär:

    Zugegeben, die Anmerkung passt nicht ganz hierher. Das Beispiel zeigt vor allem, weshalb es mit der Marktschreierei der Sonntagszeitungen kein gutes Ende nimmt. Aber eben auch, dass sich die Social Media, um die es hier geht, ebenfalls per Missbrauch veröden lassen – gerade die relevanten, weil diskursorientierten wie Twitter.

    Am Samstagabend um 18 Uhr setzt Patrik Müller einen Tweet ab: «UBS-Zockerskandal: #DerSonntag wird morgen Pflichtlektüre sein. Die Sache ist so brisant, dass wir sie erst um 23 Uhr rausgeben. @bloomberg»

    Der Leser bleibt zwar deshalb nicht gerade länger wach, liest aber am Sonntagmorgen – nach einem Tweet von Bugsierer (@patrik_mueller wo bitte ist da die vor 5 std. angesagte brisanz?) – immer noch einigermassen gespannt die publizistische Sensation. Und findet ein Interview mit Grübel, das als einzige, nicht wirklich überraschende News hergibt, dass der UBS-Chef nicht wenig, sondern gar keine Einsicht zeigt: «Ich habe die Verantwortung für alles, was in der Bank passiert», so Grübel. «Aber wenn Sie mich fragen, ob ich mich schuldig fühle, dann sage ich Nein.»

    Hoffentlich kündet Patrik Müller nächsten Samstag per Tweet den Weltuntergang an. Dann können wir ruhig schlafen.

  32. Fred David:

    ….passt wirklich nicht ganz hierher, aber trotzdem: …die Sonntagszeitungen eben. Letzten Sonntag durfte CS-Präsident Rohner in der „NZZ am Sonntag“ weitgehend unwidersprochen im restlos exklusiven Interview erklären, man werde in den USA aber ganz rigoros gegen „einzelne“ fehlbare Mitarbeiter vorgehen – dort geht es um den Vorwurf, die CS habe mindestens 3000 Millionen Dollar Schwarzgeld aktiv angeworben. In der Zürcher Zentrale hatte man davon, selbstredend, nicht die leiseste Ahnung, Rohner schon gar nicht, der ein paar Jahre lang oberster Justiziar des Konzerns gewesen war. Das ist ein verdienstzvoller Job, in dem man nun wirklich alle Hintertüren kennenlernt.

    CS-Rohners Kommunikartionsberater ist Andreas Durisch, ehemaliger Chefredaktor der „SonntagsZeitung“. Und UBS-Grübels Kommunikationschef Schweiz ist Peter Hartmeier, ehemaliger Chefredaktor des „Tagesanzeigers“.

    Es ist halt schon alles etwas sehr eng im Grosssraum Zürich.

    Aber als Leser möchte man mit so viel totaler Exklusivität, siehe oben, bitte nicht dauernd behelligt werden.

    Man nimmt es einfach nicht mehr ernst.

  33. Markus Schär:

    Damit Patrik Müller, der gerade Basel erobert, seine Tweet-Antwort auf Bugsierer hier nicht auch noch platzieren muss, nehme ich es ihm ab:

    @bugsierer: nun, dass sich Grübel weltweit zum erstenmal äußert, ist schon was, oder?

    Das ist wirklich was, nämlich das grosse Missverständnis, das auch Fred David anspricht: Wir mögen nicht mehr lesen, dass Oswald Grübel (oder Christoph Blocher oder Doris Leuthard oder Eveline Widmer-Schlumpf oder Wer-auch-immer-einen-Draht-erworben-hat) sich äussert. Wir könnten es wieder erwägen, falls jemand tatsächlich etwas sagen sollte, was wir nicht erwarteten oder was nicht ein Kommunikationsberater in durchschaubarer Absicht zu äussern empfahl.

  34. nun ja… wenn es ein tweet von mir bis hierher schafft, sag ich auch noch was:

    herr müller hat seine redaktion recht tifig auf twitter + co. eingefuchst, was man ihm zugute halten kann. aber auf twitterdiskurse geht er nicht wirklich ein. auf seine antwort (oben im kommtentar von markus schär) hab ich heute morgen reagiert:

    @patrik_mueller ich bitte sie, brisant war nur, dass er bis heute nix sagte. und das brisanteste heute ist seine ignoranz.

    seither nix mehr gehört von herr müller.

    das ist nun schon meine zweite erfahrung in diesem sinn. vor zwei monaten hatte ich in meinem blog den kulturbünden der sonntagszeitungen eins vor den bug geknallt:
    http://henusodeblog.blogspot.com/2011/07/sonntagspresse-kulturbunde-als-pr.html

    und diesen post via twitter verbreitet. – herr müller reagierte und twitterte zurück:

    @bugsierer Ihre Kritik an den Kulturbünden ist ernstznehmen. Wir werden es diskutieren! (plus link auf meinen post)

    dann kam noch eine direktnachricht via twitter:

    lassen Sie es uns per Mail organisieren patrik.mueller@sonntagonline.ch lg

    da dachte ich: das kann ja heiter werden.

    drei tage später wieder eine dm:

    sorry für Verspätung, hab grad viel um die Ohren… lg

    dann waren da noch zwei mails von mir an ihn, die ich hier allen an amüsanter schurnikritik interessierten afficionados vorenthalte, wofür ich um nachsicht bitte. jedenfalls hörte ich von herr müller nix mehr. da ich die oben erwähnte floskel à la „ihre kritik ist ernstzunehmen“ seit gut 35 jahren bestens kenne, liess ich es dann auch bleiben und ging wieder echolote eichen.

    heute abend twittert müller:

    Unlautere @sf_tagesschau: in der Hauptausgabe prahlt sie, dass Grübel sich nun „erstmals“ äußere. Das tat er aber bereits im „Sonntag“

    ich twittere zurück:

    @patrik_mueller und sie haben gestern geprahlt, sie würden eine heisse story bringen. dabei kam nur heisse luft. was ist nun unlauterer?

    darauf er:

    @bugsierer Diskurs gern und jederzeit, Reaktion auf Provokationen nein.

    tja… jetzt bin ich (der leser aka kunde) wieder der dumme.

    ein schelm wer denkt: die gleiche masche eigentlich – grübel nennt seinen zocker einen kriminellen, müller seinen kritiker einen provokateur.

    mein learning aus dieser episode: in den letzten monaten haben viele schweizer redaktionen twitterschulungen durchgeführt. das ist gut so, wenn auch etwas spät. viele schurnis wissen jetzt, wie man twitter bedient, aber erst wenige haben die kultur dahinter begriffen.

    aber das wird schon noch.

  35. Peter Hogenkamp:

    Eineinhalb Jahre später ist das Wort „kuratieren“ plötzlich überall angekommen, fällt mir auf, auch im „senior Management“.

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