Die SDA für alle

Das Phänomen kennt man schon seit längerem aus Deutschland: Die Zuschauerzahlen der einstigen Nachrichten-Flaggschiffe von ZDF und ARD nehmen dauernd ab. Nun wird auch die Schweiz davon eingeholt. Gemäss der neuesten «NZZ am Sonntag» wird die Hauptausgabe der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens täglich noch von 600’000 Mannen und Frauen betrachtet, noch vor wenigen Jahren waren es eine Million. Eine dramatische Entwicklung!

Nun könnte man natürlich hämisch analysieren, das allgemeine Wegzappen hänge mit der abnehmenden Qualität der Infosendungen zusammen, so, wie es der Artikel in der Sonntags-«NZZ» auch nahelegt. Mit Ausnahme der Sendung «10 vor 10», die auch 21 Jahre nach ihrer Gründung ihre schlüssige Form noch immer nicht gefunden hat (und wohl abgeschafft wird, bevor sie es tun kann), ist die Qualität der TV-Nachrichtenmagazine kaum schlechter geworden als früher, sie ist wohl eher gestiegen. Bei den Auflageverlusten der Zeitungen kommt auch niemand (und vor allem kein Printjournalist) auf die Idee, für diese Entwicklung die nachlassende redaktionelle Leistung verantwortlich zu machen. Hier wird immer vom veränderten Leseverhalten (Gratiszeitungen, Internet) gesprochen.

Die Gründe müssen woanders liegen. Fakt ist, dass das Publikumsinteresse für die traditionellen Nachrichtenwege nachzulassen scheint, sobald diese an eine mehr oder weniger fixe Ausgabezeit gebunden sind. Zeitungen stehen frühmorgens zur Verfügung, die «Tagesschau» um 19.30 Uhr. Online-Nachrichten hingegen werden von den Redaktionen zu bestimmten «touch-points» oder gar fliessend ins Netz gestellt. Der Konsument kann sie jederzeit nach Belieben abrufen, nach dem Zähneputzen, beim Warten auf den Bus oder in der Kaffeepause. Wenn es ihm Spass macht, kann er auch den ganzen Tag damit verbringen. Möglicherweise machen diese «Bequemlichkeiten» bei einer zunehmenden Zahl von Konsumenten eine regelmässige Nutzung zu einem bestimmten Zeitpunkt überflüssig.

Dass die Qualität der Information aber kaum steigt, sobald sie derart über den Tag hingezogen wird, fällt kaum auf. Man stelle sich einmal vor, vor 20 Jahren hätte jedermann den Dienst der Schweizerischen Depeschenagentur abonnieren können und wäre den ganzen lieben Tag lang an den unablässig tickenden SDA-Dienst angeschlossen gewesen. Kein Mensch hätte dieses Angebot nutzen mögen, weil viel zu gross und viel zu unübersichtlich. Wer sich heute bei Grossereignissen, von Fukushima bis zu königlichen Heiraten, übers iPhone informieren will, gerät aber sofort in den Dschungel von sich selbst aktualisierenden Newstickern und von endlosen, mit Falsch- Fehl- und Gerüchtemeldungen gespickten Nachrichrichtenspiralen. Nichts anderes als die gute, alte SDA, aber viel chaotischer und viel fehlerhafter. Wer wissen will, was Sache ist, muss halt noch immer abends den Fernseher einschalten oder morgens die Zeitung lesen.

Und da wären wir beim Punkt: Wenn die Konsumenten irgendwann merken, dass sie zwar enorm benachrichtigt, aber doch nicht richtig informiert sind (eine Abwandlung von Peter Studers Fazit zur gegenwärtigen Medienlage), steigt vielleicht wieder die Chance einer «Tagesschau», eines gut recherchierten Inland-Artikels im «Tages-Anzeiger» und eines gescheiten Gastkommentars in der «NZZ». So lange mag man aber nicht warten. Deshalb ist die SRG fieberhaft daran, ihr Online-Nachrichtenangebot kräftig auszuweiten …

Andrea Masüger ist CEO der Südostschweiz Medien.

von Andrea Masüger | Kategorie: Mediensatz

22 Bemerkungen zu «Die SDA für alle»

  1. Fred David:

    @) Kollege Masüger, Sie schreiben: „Bei den Auflageverlusten der Zeitungen kommt auch niemand (und vor allem kein Printjournalist) auf die Idee, für diese Entwicklung die nachlassende redaktionelle Leistung verantwortlich zu machen.“

    Ich bin mir, Selbstironie einkalkuliert, nicht sicher, ob niemand auf diese Idee kommt.

    Ich muss Sie jetzt einfach mal drauf ansprechen: Sie sind Managing Director der „Südostschweiz“-Medien, waren jahrelang erfolgreicher Chefredaktor derselben.

    Nun erzählt mir Ihr Chef, Haupteigentümer des Unternehmens und zugleich Präsident der Schweizer Zeitungsverleger, privatim Folgendes:

    „Ein grosser Teil des publizistischen Schaffens hat einen Publireportage-Charakter. Allerdings wird dafür nichts bezahlt. Im Kulturbereich, im Sport und in den Gesellschaftsrubriken fehlt vielfach das kritische redaktionelle Element. Es wird den beschriebenen Anlässen und Akteuren viel Liebes zu erkannt und wenig Kritisches vermerkt. Und das alles erst noch gratis.“

    Hier der dazugehörige Link:
    http://medienwoche.ch/2011/05/25/publireportage-%E2%80%93-wirklich-weg-damit/

    Nun gibt es nur zwei Möglichkeiten: Hanspeter Lebrument hat Unrecht mit seiner Feststellung, ein Grossteil der Schweizer Publizistik sei korrumpierter Gefälligkeitsjournalismus (das ist, knapp zusammengefasst, seine Aussage). Dann wundert es mich, dass kein Journalist, kein Medium sich davon betroffen fühlt. Ich jedenfalls habe mich auch als Lokalreporter in grauer Vorzeit nie als „Liebediener“ gesehen. Als unterbezahlt freilich schon.

    Oder aber, es gilt Variante 2: Er hat Recht. Dann hat der Schweizer Journalismus mehr als nur ein Imageproblem. Und dann wundert es mich gar nicht, dass seine Aussage von der Branche schweigend übergangen wird.

    Haben Sie mit Ihrem Chef darüber mal gesprochen? Schliesslich stellt er damit auch Ihre Arbeit in Frage.

  2. christoph j. walther:

    Auch wenn es schwerfällt, man wird sich daran gewöhnen müssen, dass im 21. Jahrhundert das Zeitalter der Massenmedien (im Wesentlichen ein Phänomen des 20. Jahrhunderts) zu Ende gehen wird. Nicht von einem Tag auf den anderen, aber stetig. Darum stimmen zwar die dargelegten Beobachtungen, nicht aber die Schlussfolgerungen. Ja, jede und jede hat einen Nachrichtenstrom zur Verfügung, der mit althergebrachten Nachrichenagenturen verglichen werden kann. Nur eben: Nicht alle den gleichen, sondern individuelle, die sich zwangsläufig voneinander unterscheiden werden — mitunter sogar sehr. Die Aufgabe des künftigen Journalismus wird es sein, dieses neue News-Ökosystem zu formen und zu unterstützen. Einerseits mit den klassischen Instrumenten zur Vertiefung und Einordnung, aber auch mit ganz neuen wie dem Einsatz sozialer Netzwerke. So wird das Leben bunter und vielfältiger, wenn nicht mehr alle Zeitgenossen auf die gleichen Themen aus dem gleichen Blickwinkel zwangsverpflichtet worden sind. — Freuen wir uns darauf!

  3. «So wird das Leben bunter und vielfältiger»: Andere Beobachter, die nicht kritiklos alles hochjubeln, was uns als neu und fortschrittlich verkauft wird, sind zu einem anderen Schluss gekommen. Sie warnen, dass die personalisierten Medien dazu führen, dass sich die Medienkonsumenten mehr und mehr nur noch für ihr eigenes Gärtli interessieren und nicht mehr wahrnehmen, was ausserhalb davon geschieht. Das sei eine Bedrohung für die Demokratie. Denn die «zwangsweise» verabreichten Themen haben ja auch den grossen Vorteil, dass man sich als Zeitungsleser ab und zu auch mit Themen befasst, auf die man nicht aus eigenem Antrieb gestossen wäre. **SO** wird das Leben vielfältiger. Nicht wenn man sich in sein personalisiertes Medien-Gärtli zurück zieht.

  4. christoph j. walther:

    @Bobby California Oder könnte eben genau das Gegenteil der Fall sein? Dass wer sich gezielt entlang seiner Interessen und Fähigkeiten informiert, dadurch auch besser in der Lage ist, einen Beitrag zur demokratischen Gestaltung auf diesem Gebiet zu liefern? Denn nicht nur die Medien an und für sich, auch die Art und Weise des politischen Dialogs und der gemeinschaftlichen Beschlussfassung und Umsetzung wird durch das Netz noch grundlegend verändert werden. — Und was die Begegnung mit unerwarteten Themen (vor allem in Amerika oft als serendipity bezeichnet) betrifft, so ist die im Netz mit Abstand grösser als anderswo. Aber das weiss nur, wer auch dort lebt.

  5. Christoph Walter > «Wer sich gezielt entlang seiner Interessen informiert, ist dadurch auch besser in der Lage, einen Beitrag zur demokratischen Gestaltung auf diesem Gebiet zu liefern»: Nein, eben nicht. Wir alle informieren uns ja ohnehin vorwiegend entlang unserer Interessen. Und in der Demokratie ist es auch nötig, dass man sich mit Themen befasst, die einem nicht unbedingt nahe liegen. Zum Beispiel Minarette. Ich bin kein Muslim und muss als Stimmberechtigter dennoch wissen, was ein Minarett ist und wer es warum bauen will.

    Deshalb ist es eben wichtig, dass die Medien eine gesellschaftliche Klammerfunktion wahrnehmen und den Leserinnen und Lesern auch Themen präsentieren, von denen sie vielleicht noch gar nicht wissen, dass sie sich dafür interessieren könnten. Wenn die Punks nur noch Meldungen über Punkthemen lesen, wenn die Alten nur noch Seniorenthemen aufschnappen, wenn die Frauen nur noch Frauenliteratur lesen… dann zerfällt die Gesellschaft in unendlich viele Splittergruppen. Eine Demokratie mit Bürgern, die Entscheide treffen aufgrund von fundierten Informationen, ist dann gar nicht mehr möglich.

    Serendipity kenne ich. Das ist, wenn ich bei einer Internet-Singleplattform Mitglied werde und dort nur lauter Frauen kennen lerne, die mir nicht gefallen, weil der Logarithmus diese Frauen für mich ausgewählt hat… Im Ernst: Dass man beim Rumsurfen im Internet etwas Lustiges findet, ist uns allen schon mal passiert. Aber das ist doch kein Ersatz für professionell produzierte Medien. Denn die Serendipity ist immer stark zufallsbedingt. Professionelle Medien entstehen hingegen nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern indem Leute, die sich auf einem bestimmten Gebiet gut auskennen, gezielt Informationen suchen und vermitteln. Serendipity ist kein Ersatz dafür.

  6. christoph j. walther:

    @Bobby California Serendipity (schade, dass es dafür auf Deutsch kein treffendes resp. gängiges Wort gibt) verstehe ich weit breiter, als es nur auf mehr oder weniger schlaue Algorithmen anzuwenden. Damit wird nach meinem Verständnis häufig der Umstand bezeichnet, dass man (auch beim Zeitunglesen) auf unerwartet Dinge stösst. Und dass dies im Netz genauso gut (wenn nicht eben besser) der Fall ist wie bei herkömmlichen Medien, habe ich bereits oben geschrieben.

    Davon allerdings nun das Wohl und Wehe der direkten Demokratie abhängig zu machen (wie im Post vom 15.06.11 12:32 erwähnt), erscheint mir nicht nachvollziehbar. Und dass Bürger ihre Entscheide aufgrund von fundierten Informationen treffen (15.06.11 18:25), ist ohnehin nur hehrer Mythos. Direkte Demokratie findet nicht nur an der Abstimmungsurne statt, sondern ganz wesentlich in den vorangehenden Informationsabläufen. Und da haben Medien immer schon eine weniger wichtige Rolle gespielt, als die Meinungen im jeweiligen Umfeld. (Und die erwähnte Minarett-Frage ist nun wirklich nicht geeignet, um das Funktionieren der Medien bei Abstimmungsfragen zu untermauern.)

    Wer sich aus welchem Grund auch immer (Serendipity kann am Anfang gestanden haben) sich für ein Thema interessiert und sich darüber kundig machen will, ist im Netz (elementarster Umgang mit Suchmaschinen vorausgesetzt) auf jeden Fall besser aufgehoben, als wer “abends den Fernseher einschaltet oder morgens die Zeitung liest” (wie der Erstautor schreibt). Und wer besser im Bild ist und seine Erkenntnisse nicht für sich behält, sondern mit andern teilt (nicht nur, aber auch über soziale Netze) nützt damit auch der Meinungsbildung in der direkten Demokratie. Und genau solche Abläufe sollte ein künftiger Journalismus fördern und unterstützen. Das könnte etwa nur heissen, beim jeweiligen Internet-Auftritt auf weiterführende (oder allermindestens auf die Original-Informationen) zu verlinken. Solcherlei scheinen die allermeisten Medienbetriebe immer noch zu fürchten wie der Teufel das Weihwasser.

  7. Thomas Läubli:

    1. Zitat von christoph j. walter: „Im 21. Jh. wird das Zeitalter der Massenmedien zu Ende gehen.» Ach, ist das Internet etwa kein Massenmedium?
    2. „Wer sich gezielt entlang seiner Interessen informiert, ist dadurch auch besser in der Lage, einen Beitrag zur demokratischen Gestaltung auf diesem Gebiet zu liefern.“ Ja, wenn denn das Internet darin dem Fernseher und der Zeitung überlegen wäre. Aber das, was hier unter „Serendipity“ beschworen wird, trifft im Internet genauso wenig ein wie bei einem anderen Massenmedium. Wie leicht kann man alles wegklicken! Viel schneller als beim Blättern in der Zeitung! Während man bei der klassischen Zeitung wenigstens noch mehrere Ressorts hat, bleibt man im Internet in dieser Plattform hängen oder klickt sich 5 Stunden lang durch Youtube-Videos. Inwiefern das der Demokratie zuträglich sein soll, ist mir schleierhaft…

  8. mp.ch:

    Ich teile Ihre Einschätzung, was „enorm benachrichtigt ohne richtg informiert zu sein“ betrifft. Harry Pross machte schon vor Jahren – noch vor Anbruch des Internetzeitalters – an einem medientheoretischen Seminar in der Roten Fabrik die Unterscheidung zwischen News/Nachricht und Information. Wobei Information für ihn Gewichtung, Einbettung, Analyse, Hintergündiges etc. zwingend beinhaltete. Und er warnte bereits damals davor, von News überschwemmt zu werden, ohne informiert zu sein.

  9. Fred David:

    @)mp.ch: Ja, der Unterschied von News und Information ist vielen Journalisten nicht bewusst.

    „We all are overnewsed but underinformed“.

    Der Satz stammt vom britischen Schriftsteller Aldous Huxley (1894-1963), als noch niemand eine Vorstellung von Internet haben konnte.

    Der Kerl entwarf schon vor 80 Jahren eine präzise Vison der „Schönen neuen Welt“(engl. Brave New World). So hiess sein 1932 erschienener Roman, der eine utopische Gesellschaft beschreibt, in der „Stabilität, Frieden und Freiheit“ gewährleistet scheinen.

    Zitiert aus Wiki:“Mittels physischer Manipulationen der Embryonen und Föten sowie der anschließenden mentalen Indoktrinierung der Kleinkinder werden die Menschen gemäß der jeweiligen gesellschaftlichen Kasten geprägt, denen sie angehören sollen und die von Alpha-Plus (für Führungspositionen) bis zu Epsilon-Minus (für einfachste Tätigkeiten) reichen.

    Allen Kasten gemeinsam ist die Konditionierung auf eine permanente Befriedigung durch Konsum, Sex und die Droge Soma, sodass den Mitgliedern dieser Gesellschaft das Bedürfnis zum kritischen Denken und Hinterfragen ihrer Weltordnung genommen wird.

    Die Regierung jener Welt bilden Kontrolleure, Alpha-Plus-Menschen, die von der Bevölkerung wie Idole verehrt werden.“

    Der Sciencefiction-Roman spielt im Jahr 2540. Vielleicht hat sich der Autor bloss im Jahr geirrt?

    Lesetipp für ein verregnetes Wochenende! Warnung: Man fühlt sich danach etwas unheimlich, weil einem Vieles irgendwie bekannt vorkommt.

  10. Fred David:

    …übrigens, wer kostenlos mal bei Huxley reinlesen will, kann das hier: http://mitglied.multimania.de/strangework/downloads/Aldous%20Huxley%20-%20Schoene%20Neue%20Welt.pdf
    Den lockeren Satz „overnewsed but underinformed“ nimmt man danach nicht mehr so flappsig…

  11. christoph j. walther:

    @Thomas Läubli: “Ach, ist das Internet etwa kein Massenmedium?” — Das Internet ist vorab eine Verteilplattform für Informationen aller Art, auch für Massenmedien klassischen Zuschnitts. Diese funktionieren nach den One-to-Many-Prinzip, was ja Gegenstand der Gatekeeper-Forschung war. Neu und wichtig ist, dass mit dem Internet die Many-to-Many-Kommunikation kostengünstig möglich wurde, wie dies etwa von Clay Shirky (ca. 2007) dargelegt wurde.

    @Fred David: Nur weil dank dem Internet jederman auf News und Informationen aller Art zugreifen kann, dies gleich als Beleg für die Wahrhaftigkeit des Romans Brave New World, der ja von Huxley später als Anklage und Satire bezeichnet wurde, zu nehmen, erscheint mir schon etwas weit gegriffen. — “overnewsed but underinformed“ erschien mir schon immer über-plakativ und deshalb nicht unproblematisch. Denn auch News können ja sehr wohl tiefgreifende Informationen enthalten, die für den einen von Bedeutung und für den andern nur unnötiger Lärm sind. Die hier angeschnittene Thematik, dass aktuelle Informationen zunehmend zeitsouverän und interessenorientiert konsumiert werden können, erfordet ein profundes Umdenken bei den Nachrichten-Profis, aber auch bei den Konsumenten. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Information Foraging-Theorie (http://en.wikipedia.org/wiki/Information_foraging). So gesehen, besteht — gleich wie beim Essen — angesicht des Überangebots die Gefahr der (mentalen) Fettleibigkeit. Dagegen hilft u.a. eine Ernährungsberatung — vielleicht braucht es so etwas auch für den Informationskonsum.

  12. Thomas Läubli:

    Schön, wie man sich hinter unverständlichen Anglizismen verstecken kann…

  13. Fred David:

    @) christoph j.walther:…ich denke, dass heute schon viele Leute am Ueberangebot leiden.

    Irgendwann wird „reduced to the max“ wieder trendy. Wer das richtig hinkriegt, macht das Rennen.

  14. Andrea Masüger:

    Zum ersten Eintrag auf meinen Beitrag: Lieber Herr David, noch ist es so, dass man in der Südostschweiz selber denken kann und meine Beiträge weder mit jenen des Verlegers noch irgendwelchen anderen Personen übereinstimmen müssen. Besten Dank für Ihr Verständnis.

  15. Fred David:

    @)Andrea Masüger: Ja, eigenständige Meinung setze ich voraus. Aber es ist keine Antwort auf meine Frage.

  16. Fred David:

    …wenn’s halt sein muss, gebe ich mir auch selber mal eine Antwort. Die NZZ hilft mir dabei.

    In der heutigen Ausgabe (Nr.142/S.3; nicht online verfügbar) bringt sie eine Uebersetzung ins Normaldeutsche von fünf komplexen Studien zur Lage der Schweizer Medien; Auftraggeber ist das Bundesamt für Kommunikation. Darüber wurde hier auf medienspiegel.ch schon diskutiert, aber kaum jemand ausser des hart geprüften Kollegen Stadler von der NZZ hat sie wirklich lesen müssen.

    Nun hat Stadler für eine bemerkenswert prägnante Zusammenfassung der Studien eine ganze Zeitungsseite freigeschaufelt. Lohnende Lektüre für Schnellleser.

    Darin finden sich knackige Sätze, die von Zeitungsverleger-Präsident Hanspeter Lebrument stammen könnten (s. weiter oben):

    „Inhaltsanalysen zeigen, dass die Tages- und Regionalzeitungen kaum noch Kritik- und Kontrollfunktionen wahrnehmen. Es wird selten kritisiert (…) Die Regionalberichterstattung ist geschrumpft. (…) Sie ist durch die Nähe und Vernetzung von verschiedenen Akteuern gekennzeichnet (…) Leistung und Kompetenz der Medienschaffenden werden in Frage gestellt (…) Da die Medienschaffenden immer weniger aktiv recherchieren, haben gut organisierte Gruppierungen einen offenen Zugang zu den Medien.“ usw. usw..

    Vor allem der letzte Satz scheint die oben zitierte Fundamentalaussage von Herrn Lebrument zu bestätigen, wonach ein grosser Teil der Schweizer Publizistik heute den Charakter von Publireportagen habe (Publireportagen = bezahlte Werbung in redaktioneller Form).

    Dass über die pointierte Aussage des Zeitungsverleger-Präsidenten in Journalistenorganisationen und auf Medienblogs jede Diskussion als überflüssig betrachtet wird, wundert mich, ehrlich gesagt noch immer.

    Denn für mich Simpel gehen solche Aussagen an die Substanz meines Selbstverständnisses als Journalist.

  17. Zitat:

    @Fred David: Eine Erklärung für Ihre Verwunderung: http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=95963

  18. Hanspeter Spörri:

    @Fred David – Die NZZ-Seite beschreibt treffend die Lage. Aber es gibt Ausnahmen. Immer wieder finde ich solche auch in der Südostschweiz – wenn ich zufällig mal eine Ausgabe in die Hand nehme. Das mag seltsam erscheinen. Aber ich glaube, man hat dort auf der Chefetage das journalistische Denken noch nicht verlernt – und der Chefredaktor ist vermutlich noch mehr Journalist als Manager.

  19. Fred David:

    @)Hanspeter Spörri: Einverstanden. Aber dann müssen Journalisten halt auch mal in eigener Sache die Auseinandersetzung mit dem Verlegerpräsidenten suchen (der nun mal auch noch Verleger und Eingentümer der „Südostschweiz“ ist), sich seinen Aussagen stellen, und nicht einfach alle Konflikte zuschweigen, wie das sonst in der Schweiz so gern praktiziert wird. Dafür gibt es übrigens auch Journalistenorganisationen, Presseräte etc.

    Wenn sich Journalisten so behandeln lassen, dann werden sie eben auch so behandelt.

    (Das Ganze bezieht sich keineswegs auf die „Südostschweiz“, sondern auf Schweizer Journalisten)

  20. Fred David:

    …und ich möchte dann schon auch darauf hinweisen, dass „Südostschweiz“-Chefredaktor David Sieber in letzter Zeit mehrfach aufgefallen ist als einer, der sich nicht zufrieden gibt, z.B. hier http://www.suedostschweiz.ch/community/blogs/ein-ehemaliger-bundesratssprecher-liest-uns-die-leviten

  21. Michael Schifferle:

    Generell: Die Aussage, die Zeit der Massenmedien neige sich dem Ende entgegen ist defätistisch. Die Massenmedien, seien es Printmedien, das Fernsehen oder Online-Portale – sie können noch immer das leisten, was wir von ihnen verlangen: Sachverhalte einordnen, die viel zitierte Gatekeeper-Funktion ausüben, „Mächtigen“ auf die Finger schauen. Dafür bedarf es aber einer gesunden journalistischen Einstellung. Der Wille, über Sachverhalte kritisch zu berichten, muss im Journalismus spürbar sein. Dies mag naiv klingen, doch scheint dieser gesunde Geist dem Journalismus abhandengekommen zu sein.

  22. Fred David:

    @) Michael Schifferle: „Der Wille, über Sachverhalte kritisch zu berichten, muss im Journalismus spürbar sein. Dies mag naiv klingen…,“ schreiben Sie.

    Das ist alles andere als naiv.

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