German Twitter-Angst

Der Spott, den sie auf sich ziehen sollten, war ihnen so gewiss, wie das Amen in der Kirche. Zurecht auch. Denn die Bedenken, die ein paar Journalisten der Bundespressekonferenz in Berlin äusserten, weil Regierungssprecher Steffen Seibert ausgewählte Informationen nun auch via Twitter verbreitet, lagen dermassen fernab der Realität, dass Kopfschütteln noch die gnädigste Reaktion gewesen wäre.

Anlass zu den «kritischen» Fragen gab ein Tweet, mit dem Seibert eine USA-Reise von Kanzlerin Merkel ankündigte, bevor er die gleiche Information auch auf anderen Regierungskanälen verbreitete. Mit einer Mischung aus Empörung und Ignoranz fragten die Journalisten daraufhin (Video am Ende dieses Beitrags), ob sie sich nun bei Twitter anmelden müssten, um auf dem Laufenden zu bleiben und ob der Account des Regierungssprechers nicht auch eine Fälschung sein könnte. Unter den anwesenden Medienschaffenden grassierte die German Twitter-Angst.

Dass sich Journalistinnen und Journalisten technologischen Neuerungen gegenüber verschliessen, ist kein neues Phänomen. Lange Zeit brauchten sie sich ja auch nicht um die Technik zu kümmern. Dafür gab es Spezialisten. Bei Radio und Fernsehen begleiteten ein Kameramann und ein Tontechniker den Reporter, in der Zeitung brachte die Setzerei den Text in eine lesbare Form. Die letztlich arrogante Haltung, wonach es irgendein Tscholi dann schon richten werde, herrscht mancherorts bis heute vor. Und es ist nicht nur einen Altersfrage. Es gibt auch junge Kollegen, die mit dem modernen Zeugs nichts zu tun haben wollen.

Umso erfreulicher ist es deshalb zu beobachten, wie sich in den letzten Monaten immer mehr Journalistinnen und Journalisten in der Schweiz mit Twitter anzufreunden begannen. Während viele einfach mal ein Profil erstellen und sich einen Reim zu machen versuchen auf die Gepflogenheiten im neuen Kommunikationsraum, gibt es immer wieder Naturtalente, die twittern, als hätten sie es schon immer getan. Wenn in der Schweiz nun vermehrt auch Behörden Twitter nutzen, dann treffen sie mit dem neuen Angebot auf Medienschaffende, die verstehen (oder zumindest verstehen wollen), worum es bei Twitter geht. Damit dürfte sich das Risiko in Grenzen halten, dass sich die German Twitter-Angst auf die Schweiz überträgt.

Nick Lüthi ist Journalist in Bern.

Das Unbehagen der Hauptstadtjournalisten mit dem twitternden Regierungssprecher – Das Video from Carta on Vimeo.

von Nick Lüthi | Kategorie: Mediensatz

33 Bemerkungen zu «German Twitter-Angst»

  1. ich habe den eindruck, dass die german-twitter-angst auch in der hiesigen medienszene auf breiter front anzutreffen ist. und nicht nur die, sondern eine allg. weit verbreitete unwissenheit über das netz und die neuen kanäle. als medienkonsument ist es für mich geradezu erschütternd, dass so viele medienleute sich erst jetzt mit diesen tools befassen, wo sie fast nicht mehr anders können.

  2. Thomas Läubli:

    Unwissenheit hin oder her – mit halbbatzigen Informationsträgern und untauglichen Hypes muss sich niemand beschäftigen. Journalisten sollten wieder lernen, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Alles andere ist ein Missbrauch und eine Abwertung der Pressefreiheit.

  3. @läubli: haben sie diese kanäle ausprobiert, bevor sie zu diesem krassen urteil kamen? vermutlich nicht. was ist denn das wesentliche für journalisten und warum gehören die neuen kanäle nicht dazu? und wo bitteschön liegt bei „alles andere“ der missbrauch von pressefreiheit? oder habe ich ihren ironiemodus einfach nicht kapiert?

  4. Thomas Läubli:

    Ich muss nichts ausprobieren, um zu erkennen, dass etwas billiger Schrott ist. Haikus mögen ja als Gedichtform eine Kunst für sich sein, seriöse Information aber auf einige Zeichen zu reduzieren, ist für einen vernünftigen Menschen höchstens ein müdes Lächeln wert. Ich weiss, dass die Internet-Fanatiker auf solche Vorwürfe allergisch reagieren – vermutlich weil ich mit meiner Einschätzung ins Zentrum ihres Selbstverständnisses treffe…

  5. @läubli: na ja, die neuen kanäle nicht selber ausprobieren und sie dennoch als billigen schrott bezeichnen halte ich für einen journalisten doch eher etwas schrullig (sie sind doch der herr läubli vom tagi, oder?). würden sie mit gleicher unwissenheit auch ein fussballspiel oder einen gerichtsprozess kommentieren/bewerten? vermutlich nicht.
    zu allem elend bezeichnen sie leute, die sich ernsthaft mit den neuen kanälen befassen, auch noch als unvernünftig, als fanatiker und als unflätige missbraucher der pressefreiheit – hallo?
    ich glaube nicht daran, dass journalisten mit einer solch undifferenzierten denke eine zukunft haben. als medienkonsument möchte ich auch nicht von solchen journalisten bedient werden.
    wie auch immer, im empfehle ihnen und allen anderen journalisten, die hier erstaunlicherweise NICHTS sagen, den sehr aufschlussreichen text des guardian chefredakteurs alan rusbridger:
    http://www.freitag.de/positionen/1113-gutenberg-f-r-alle

  6. Marie Jubin:

    Irgendwie ist das Video wech ..,

  7. «Haikus mögen ja als Gedichtform eine Kunst für sich sein, seriöse Information aber auf einige Zeichen zu reduzieren, ist für einen vernünftigen Menschen höchstens ein müdes Lächeln wert.»

    Schon ziemlich ignorant, solche Aussagen. Schon mal etwas von Links gehört? Was länger ist, wird verlinkt.

    Ich reagiere auf solche Laienurteile aber nicht allergisch, sondern ich lächle müde zurück. Und followe halt jenen Journalisten, die es begriffen haben, wie Matthias Daum, Patrik Tschudin, Michèle Binswanger, David Bauer oder Adi Kälin.

  8. Fred David:

    …nur um Missverständnissen vorzubeugen : Ich bin nicht „David“, sondern eruierbar „Fred David“.

  9. @Marie Jubin: Das mit dem Video sollte wieder klappen.

  10. Thomas Läubli:

    @bugsierer: Erstens weiss ich, was Twitter ist; ich habe selber nur keinen Kanal, auf dem ich „twittere“. Was ich gesehen habe, genügt zur Feststellung, es handele sich dabei um Schrott. Wer geht zudem all den Links nach. Ich kann ja selber googeln, wenn ich etwas nicht verstehe. Zweitens bin ich nicht Journalist, wie jeder unschwer am Vornamen erkennen kann. Da hat Ihnen offenbar das Internet bei der Recherche nichts geholfen. Vielleicht haben Sie sich da gerade im Multitasking geübt, dass Ihnen das entgangen ist.

  11. @thomasläubli
    nun, wenn sie nicht selber twittern, haben sie auch null ahnung und können nicht beurteilen, ob es schrott ist. wenn es einen konsens gibt in der social media szene, dann dieser: man kann diese tools nur verstehen und beurteilen, wenn man sie auch selber benutzt. es gibt unzählige twitterer, die es erst im zweiten oder dritten anlauf begriffen haben (ich auch, im zweiten).

    kurz und gut: ziemlich arrogant, was sie da behaupten. würden sie auch einen ferrari als schrott bezeichnen, ohne ihn gefahren zu haben?

    offensichtlich haben sie sich noch nie mit linkauswertungen bei twitter beschäftigt, sonst wüssten sie, was diese links bei twitter können und was nicht, und welche mediale kraft sie heute wirklich haben. es vergeht ja heute auch hier im deutschsprachigen raum kein tag mehr, an dem die mainstream medien twitter nicht erwähnen. oder gucken sie mal hier:
    http://faz-community.faz.net/blogs/netzkonom/archive/2011/04/21/ein-drittel-aller-tweets-in-deutschland-weisen-auf-klassische-medien.aspx

    was soll ich an ihrem vornamen erkennen? solange sie keinen link setzen, wo ich ihre identität prüfen kann, können sie irgendwer sein, selbst bobby california, haha… dass ich also ihre identität nicht verifizieren kann, liegt nicht am internet, sondern an ihnen.

  12. Thomas Läubli > So leid es mir tut: diesmal muss ich Bugsierer recht geben. Ich dachte auch, Twitter sei Schrott – bis ich ein Twitter-Konto eröffnet habe. Natürlich gibt es viel Schrott auf Twitter, so wie überall. Aber Twitterer, die nur Schrott absondern, braucht man ja nicht zu folgen. Es gibt genügend Twitterer, die immer wieder witzige und geistreiche Tweets schreiben. Nicht zuletzt ist Twitter auch für Journalisten sehr nützlich. In der kurzen Zeit, in der ich selber twittere, konnte ich schon drei Tweets für meine journalistische Arbeit verwenden. Fazit: Twitter ist eine flotte Sache!

  13. Thomas Läubli:

    @bugsierer: Dann hat jemand auch nur eine Ahnung von Musik, wenn er sie selber spielen kann? Ich sehe die Logik nicht ganz. Das, was sie «Tools» nennen, sollte ja gerade für User von Nutzen, die Twitter folgen (das sind die 79 Prozent in Ihrem Link), sein und nicht bloss für denjenigen, der selber twittert. Sonst hat das für mich, wie so vieles im Internet (z.B. Blogs als öffentliche Tagebücher), den Anruch einer Masturbations-Freak-Show.

    Von Links-Auswertungen halte ich nicht viel. Ich klicke noch oft auf Seiten, die ich gleich wieder verlasse bzw. stehenlasse & ein neues Fenster öffne. Zudem sind Kommentare und Klicks oft von Arbeitslosen, Rentnern oder Politiker, die sich im Rat langweilen, und die sind für nichts repräsentativ.

    Es liegt nicht an mir, mich von einem „Martin Läubli“ abzugrenzen, der beim TA arbeitet, wie jeder mit ein paar Klicks selber recherchieren kann. Dass Sie es hier mit einem „Thomas“ zu tun haben, ist selbstevident.

  14. @läubli
    selbstevident? höhö… köstlich.
    ach, das war ein martin, nicht ein thomas. das hätten sie ja schon weiter oben sagen können. aber dennoch: tschuldigung.

    ihr vergleich mit der musik hinkt. ist mir jetzt aber zu blöd, das zu begründen. kümmern sie sich doch einfach mal ein wenig selber um ihre webkompetenz, dann wird ihnen vielleicht ein licht aufgehen.

    @bobby
    so leid es mir tut, aber darauf, dass du erstens erstmals meiner meinung und zweitens etwas dazugelernt hast, trink ich jetzt extra einen edelzwicker mehr. vielleicht kriegst du die kurve ja doch noch. so in 5 jahren oder so…

  15. Thomas Läubli:

    In Bezug auf die Selbstevidenz hätte ich wenigstens gemeint, Sie würden selber nochmals nachschauen, ob da tatsächlich ein „Thomas Läubli“ beim TA schreibt, aber vielleicht verlange ich da punkto Webkompetenz zuviel…

    Was das „Followen“ hier betrifft, folge ich, um mich schlau zu machen immer noch jenen, die etwas zu sagen haben, und das sind nicht die Twitter-Fanatiker. Nicht eine neue Technik sollte im Vordergrund stehen, sondern, ob sie meinen Zwecken & Interessen dienlich ist, und da kann ich Twitter reichlich wenig abgewinnen. Ich suche nicht nach „witzig“ oder „geistreich“, sondern nach „gehaltvoll“. Unterhaltung krieg ich anderswo…

  16. ihr terminus „twitter-fanatiker“ entlarvt sie einmal mehr als eingefleischten bedenkenträger. und wie gesagt, solange sie twitter nicht selber ausprobiert haben, sind sie nicht im stande zu beurteilen, ob das ihnen was bringt, ob es schrott ist oder was auch immer. tun sie es trotzdem, ist das nur arrogant und einer seriösen diskussion über neue medien nicht förderlich.

  17. Thomas Läubli:

    Naja, ihre im ersten Posting erwähnte „Erschütterung“ erinnert mich an religiöse Fanatiker, die nicht wahrhaben können, dass man ihren Glauben nicht teilt. Nennen Sie es von mir aus „eingefleischte Bedenkenträger“, wenn das Ihre politisch korrekte Bezeichnung für „Kritiker“ ist.

    Psychologische Bemerkungen wie „arrogant“ haben bei mir keinen Mehrwert für die Diskussion. Genausogut könnte ich einen Dünkel des Twitterers gegenüber jenen, für die das nur eine technische Spielerei ohne geistigen Mehrwert ist, entdecken. Ich bleibe dabei, dass Twitter eine Modeerscheinung ohne grosse Relevanz ist, und die fixe Idee der Journalisten, es zu verwenden, gleicht jener Attitüde von 50-Jährigen, die Skatermütze und Kapuzenpulli anziehen und in der Disco zu Techno-Musik tanzen, nur damit sie beweisen können, dass sie mit den Jungen mithalten können.

    Zudem ist es interessant, dass sie meinen Musikvergleich ablehnen. Trauen Sie der Musik keine kognitive Relevanz zu oder geht es wirklich nur ums Spielen? So oder so weiss ich dann nicht, warum sie den Followern das Verständnis absprechen, wenn es doch im Artikel oben gerade darum geht, Leser als Follower von Journalisten zu gewinnen. Die von Ihnen oben erwähnten Journalisten, scheinen mir allerdings nichts zu twittern, was ihre Persönlichkeit als Journalist aufwerten und ihre journalistische Arbeit unterstützen würde. Inwiefern eine Mitteilung wie «Osternestli suchen» für einen Wissenschaftsjournalisten von Belang ist, steht in den Sternen…

  18. Ich „gumpe“ auch nicht gleich auf jeden neuen Internetzug auf. Twitter habe ich versucht und höllisch schrottig gefunden – im ersten Anlauf. Im zweiten bin ich es anders angegangen, und siehe da: Twitter kann eine wirklich spannende Sache sein. Von knallharten Politkommentaren bis hin zu poetischen Kurztexten gibt es alles. Man muss es nur finden. Und den Rest für sich aussieben.

    Ich kenne Journalisten, die die neuen Medien meiden und finde, sie machen trotzdem einen grossartigen Job. Genauso, wie ich Autoren kenne, die einen Bogen um „dieses Zeugs“ machen. Aber ich denke, dass sich das je länger je weniger durchziehen lässt. Das Problem sehe ich im Zeitaufwand: Das Teilhaben an all diesen neuen Mediengelegenheiten frisst manchmal einfach zu viel davon.

  19. Thomas Läubli:

    Meine Welt funktioniert gut ohne Twitter, Facebook und Blogs, und ich glaube, der Druck, dass sich dies je länger, je weniger durchziehen lässt, ist mit ein wenig gesundem Menschenverstand unerheblich – v.a. für Journalisten, und von denen war hier die Rede. Punkto Zeitaufwand muss man also konstatieren, dass Twitter etc. für private & künstlerische Zwecke interessant sein mag, Journalisten sich hingegen wieder auf ihre Kernkompetenz konzentrieren sollten: das Übermitteln von Informationen. Bemühende Betroffenheitskolumnen à la Simone Meier oder Bruno Bötschi will man nicht auch noch „followen“ müssen. Lieber liest man über Twitter wieder mal etwas über seine Bekannten; ob Journalist XYZ gerade in Belgien Weihnachten feiert, will niemand wirklich wissen. Hier überschätzen Journalisten schlicht, was den meisten von ihnen zuwenig eigen ist: Persönlichkeit. Je länger ich die Berichterstattungen in den Mainstream-Medien von BlickamAbend (hier mit ein paar ganz besonders peinlichen Figuren) bis zum Tages-Anzeiger verfolge, desto dezidierter komme ich zur Ansicht, dass noch mehr von solcher verflachender Zwangsunterhaltung für normale Leute früher oder später redundant wird.

  20. @thomasläubli
    auf ihren musikvergleich antworte ich gerne, ihre frage lautete:

    “Dann hat jemand auch nur eine Ahnung von Musik, wenn er sie selber spielen kann?”

    nein, das ist natürlich nicht so resp. es ist ähnlich wie in meinem twittervergleich: auch von musik bekommt man nur eine ahnung, wenn man sich damit beschäftigt. zum musikexperten wird man nicht über nacht, man muss viel hören, am besten live. wer sich mit freejazz nicht befasst hat, kann von mir aus sagen, dass ihm dieses genre nicht gefällt. aber er kann nicht sagen, das sei nur lärm und keine musik. das wäre dann eine rein ideologische aussage.

    bei den sozialen medien, insbesondere bei twitter und facebook, ist es etwas anders als bei der musik. bei der musik kann man als rezipient zum spezialisten werden, musikkritiker machen sogar einen beruf daraus. bei den sozialen medien geht das nicht, weil man sie selber benutzen muss, um sie zu verstehen, einen mehrwert daraus zu generieren und ihr potenzial zu beurteilen.

  21. Thomas Läubli:

    Der Rezipient kann „Experte“ oder „Spezialist“ werden, wenn er sich autodidaktisch bildet. Da ist kein Unterschied von der Musik zur Mathematik, Philosophie, Neurobiologie, Teilchenphysik oder was auch immer. Hingegen eine „Wissenschaft vom Twittern“ ist ein Unding wie eine „Wissenschaft vom Biertrinken“ oder eine „Wissenschaft vom Pfeifenrauchen“. Man muss weder Informatiker noch Computerfreak sein, um zu beurteilen, was Soziale Medien leisten, sondern schlicht und einfach ein Mediennutzer. Und man muss das Genre auch nicht studieren. Ich muss nicht Oboe spielen können, um beurteilen zu können, ob der Oboist gut spielt und ob etwas rüberkommt, was er damit ausdrücken will.

  22. ok, herr läubli, ich glaube, wir kommen uns da nicht näher. lassen wirs. trotzdem merci für den diskurs.

  23. Ursula Schüpbach:

    @Thomas Läubli

    Es muss aber auch niemand auf Twitter oder Facebook rumstöbern, wenn es ihm nicht behagt. Von was schreiben Sie eigentlich? Ich selbst besitze weder einen Twitter- noch einen Facebook-Account. Aber in manchen Ländern, wo Autokraten gestürzt werden sollen oder sollten, waren solche „Medien“ auch schon beinahe überlebenswichtig. Auch per Youtube wurde das Vorgehen von Regimes innert kurzer Zeit entlarvt. Also: Warum diese generelle Aggression von Ihnen gegen solche Gefässe? Nehme ja auch an, dass Sie bei den Printmedien eher das lesen, was Sie irgendwie anzieht.

  24. Thomas Läubli:

    @Frau Schüpbach: Ich verweise nochmals auf weiter oben, wo ich geschrieben habe, dass psychologische Bemerkungen keinen Mehrwert für die Diskussion haben.

    Die Bedeutung Sozialer Medien für die Aufstände in den arabischen Ländern wird überschätzt. Dazu haben sich bereits Experten in Artikeln geäussert. Wir haben hier immer noch Pressefreiheit, obwohl diese in der Schweiz bereits durch die Herrschaft der Geldsäcke (SVP, neureiche Snobs [z.B. Jungfreisinnige], CEOs, Verleger [z.B. Tamedia-Entertainment], Pseudo-Prominenz etc.) bedroht ist. Aber daran haben die Sozialen Medien mit ihrer Redundanz auch eine Mitschuld. Hier wird nicht über Überlebensstrategien nachgedacht, sondern der menschlichen Trägheit & Dummheit Rechnung getragen. Also nichts, was für einen Journalisten wert wäre, für seine Arbeit in Betrachtung gezogen zu werden. Solchen antiautoritären Stumpfsinn muss man nicht noch fördern.

    Und ja, wir sprechen darüber, warum Journalisten ihre kostbare Zeit auch noch für Facebook & Twitter investieren sollten, anstatt um seriöse Informationen & Recherchen besorgt zu sein. Und alleine die Tatsache, dass eine solche Frage von selbsternannten „Eliten“ überhaupt in Erwägung gezogen wird, zeigt, wie tief der professionelle Journalismus schon gesunken ist.

  25. Ursula Schüpbach:

    Thomas Läubli, teile Ihre Einschätzungen nicht ganz. Wenn Twitter & Co. Leuten in Diktaturen helfen, sich für Proteste zu organisieren, dann haben sie (Twitter und Co.) ihren Sinn bereits erfüllt. Regimes verfolgen ja gar Blogger, in China oder Iran. Und da interessiert mich dann das Verständnis von Schweizern wie Ihnen, die sich rigide als Experte für einen reinen Journalismus präsentieren, eher nicht.

  26. Frau Schüpbach, inwiefern die heutige Entertainment-Hysterie in der Zeitungsbranche ein Bollwerk gegen Diktaturen sein soll, müssten Sie mir schon erklären. Warum Sie zudem die Schweiz mit China oder Iran vergleichen, steht zudem in den Sternen. Damit wollen Sie nur Twitter mit einem faulen Trick legitimieren, und solche Manöver, die wie die SVP auf Teufel komm raus irgendeinen Schwachsinn in den Himmel loben, interessieren mich nicht. Hier sind Argumente gefragt. Da helfen rechtskonservative Anwürfe wie ihr Experten-Bashing herzlich wenig.

    Wir haben hier dank äusserst peinlichen Figuren wie Albert Stäheli, Markus Spillmann, Res Strehle, Markus Eisenhut, Pietro Supino, Klaus Stöhlker, Sascha Wigdorovits, Peter Wälti, Hansi Voigt, Markus Somm, Roger Köppel und vielen anderen, die ich aus Abscheu erst gar nicht benenne, einen Trend zur Verblödung hin. Dieser Trend ist mit Blick auf eine konservative bzw. ultraliberale Revolution durchaus gewollt; die Gratiszeitungen wurden extra auf diesen Zweck hin lanciert. Angesichts dieser Gefährdung der Demokratie werde ich nicht verstummen, bis sich die Berichterstattung wieder auf einem erträglichen Niveau eingefunden hat.

    Damit ich auch noch ein wenig für das Entertainment der Leser sorge, lasse ich mich herab, ein Soziales Medium zu verlinken, um zu zeigen, was ich von den Idioten in den Führungsetagen halte…

  27. Ursula Schüpbach:

    „Wir haben hier dank äusserst peinlichen Figuren …“ Dass Thomas Läubli selbst dazu gehören könnte, scheint dem angeblichen Superstar Thomas Läubli nicht klar zu sein.

  28. Thomas Läubli:

    Es sei Ihnen unbenommen, auf mir herumzuhacken – weil ich den heutigen Common-Sense kritisiere, bin ich mir solche Anwürfe gewohnt. Ich erinnere Sie nur daran, dass es letztlich um die Sache gehen soll. Wenn Sie nicht wahrhaben wollen, dass die Entertainment- oder Infotainment-Hysterie letztlich ein Eigentor für die Zeitungsbranche ist, dann halten Sie den Diskurs nicht mit belanglosen Bemerkungen auf.

    Heute berichtete Constantin Seibt über den Twitterer aus Pakistan, der angeblich als erster über Osama bin Laden berichtete. Dumm nur, dass der Twitterer das gar nicht wusste und folglich auch keine aktuelle Information darüber lieferte. Hier wird der Leser vom TA einmal mehr von Leuten, welche Soziale Medien überschätzen, für dumm verkauft. Weiter hinten im Wirtschaftsteil dann ein Bericht über ein Youtube-Video zu Keynes und Hayek. Als ob ein Artikel darüber einen Mehrwert hätte. Man sollte doch den Leser doch gemäss der reinen TA-Doktrin nicht darüber belehren, was er im Internet anzuschauen hat.

    Schwachsinn, wo man nur hinschaut! Und der Ombudsmann verrät uns in seiner letzten Kolumne, dass (a) der Verleger letztlich über die Inhalte der Zeitung entscheidet (!!!) und (b) der Konsument mit der Kaufzahl zum Ausdruck bringt, ob die Zeitung qualitativ überzeugt. Dann müsste ja der Frass von McDonalds hundertmal besser sein als das Menu in der Kronenhalle. Da kann man nur noch den Kopf schütteln…

  29. Ursula Schüpbach:

    Ihr elitäres Geschreibe interessiert mich nicht. In Syrien ist das Internet aktuell schier die einzige Möglichkeit, Brutalitäten nach „draussen“ zu bringen. Und Sie begnügen sich mit etwas wohlstandverwahrlostem, pseudointellektuellem und emotional eher kaputten Geschreibsel…

  30. Thomas Läubli:

    Wissen Sie was wohlstandsverwahrlost und pseudointellektuell ist? Ich hatte heute anstelle der NZZ am Sonntag eine SonntagsZeitung im Briefkasten. Darin waren anderthalb Seiten im Kulturbund der omnipräsenten Lady Gaga gewidmet. Weiter hinten gabs noch ein mageres Interview mit Philip Glass. Wenn Leute wie Martin Spieler nicht wissen, was in einem bestimmten Fachgebiet von übergeordnetem Interesse ist, dann nenne ich das Geistessozialismus. Dieser macht sich nicht nur im Kulturbund bemerkbar.

    Ferner ist Ihr ständiger Vergleich mit der arabischen Revolution daneben. Wir twittern hier in der Schweiz aus Spass und nicht aus existentiellen Gründen. Und die Berichterstattung hat hierzulande schon genug Spassfaktor. Irgendwann hat man genug von dieser zwangverordneten Unterhaltung und Zur-Schau-Stellung persönlicher Vorlieben der Chefredaktoren, Verleger und Journalisten.

  31. Ursula Schüpbach:

    Hab null Respekt vor Grossk(l)otzigkeit.

  32. Thomas Läubli:

    Und ich habe null Respekt vor Leuten, die mit rechtskonservativer Rhetorik um sich werfen – denen halte ich meinen Eulen-Spiegel vor. Antiintellektualismus, Antielitismus und der Dünkel gegenüber der Hochkultur sind ein Merkmal derer, die Individualität hassen. Sie merken nicht, dass sie damit jenen Machthabern in der arabischen Welt mehr gleichen als Ihnen lieb sein dürfte…

  33. Thomas Läubli:

    So sind die Neuen Medien:
    http://www.zueritipp.ch/story/home/leichtgedicht

    Da freut man sich unter all den Links auf tagesanzeiger.ch wieder einmal einen kulturellen Hinweis zu finden, auch wenn der Text dazu sehr mager ausfällt, und was sieht man? Der Eintrittspreis für die Veranstaltung ist angegeben; hingegen fehlen Zeit und Ort. Ist das symptomatisch für den Zeitgeist?

Bemerkung anbringen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *