«In 1000 Jahren höchstens einmal …»

In dieser Kolumne neigt man berechtigterweise zum Zuspitzen und Ironisieren. Angesichts der apokalyptischen Ereignisse in Japan fällt das schwer – eine Katastrophe in der Kastrophe in der Katastrophe.

Wie gehen die Medien damit um?

Nach meiner Wahrnehmung erfreulich gut bis sehr gut, mit viel Background, sogar sensibel und oft seltsam entschleunigt. Obwohl Schlag auf Schlag erfolgt, bleibt die Hektik ungewohnt gedämpft, kaum einer hyperventiliert, wie das sonst bei ähnlichen Ereignissen zu beobachten ist. Jedenfalls war dies bis Mittwoch dieser Woche so. Wahrscheinlich liegt es an der unfassbaren Dimension des Geschehens ebenso wie an der Sicherheitsdistanz zwischen Europa und Japan. Und auch daran, wie scheinbar emotionslos die Japaner das Unglaubliche «managen».

Symbolisch für diese schwer erklärbare Gefasstheit wirkt Regierungssprecher Edano. Mit völlig reglosem Gesicht – «73’000 zerstörte Häuser, über zehntausend Tote, 600’000 Evakuierte» – tritt er ein ums andere Mal vor die Medien, nicht ohne sich jeweils vor der Staatsflagge zu verneigen. Eine fast religiöse Geste. Im verstörenden Umfeld wirkt sie seltsam beruhigend.

Je mehr die Nuklearkatastrophe in den Vordergrund rückt, umso krasser widersprechen sich die Meldungen, und es wird geradezu physisch spürbar, wie Regierung und Technik die Kontrolle darüber verlieren, was sich tatsächlich im Innern der Blöcke 1-5 zusammenbraut. Das Restrisiko hat sich selbständig gemacht und bestimmt in eigener Regie weitgehend das Geschehen.

Irgendwann später wird man in aufwendigen Spielfilmen nachzeichnen, was sich in diesen dramatischen Stunden vor Ort zwischen drei verheerenden Wasserstoffexplosionen und um die überhitzten Brennkammern herum ereignet hat, bei Kontaminationswerten, wie man sie in einem Industrieland für unmöglich hielt – oder «höchsten einmal in 1000 Jahren». Wenn überhaupt.

Dazu passt die Meldung von «Newsnetz» ¬– das diesmal übrigens deutlich eifriger informiert als «NZZ Online» und gründlicher als «20 Minuten Online» ¬–, in Tschernobyl seien seinerzeit 700’000 Mann im Einsatz gewesen. 50’000 von Ihnen starben unmittelbar an den Folgen. Zwischendurch streitet man sich auf verschiedenen Kanälen, ob das in Japan nun mehr «Tschernobyl» oder mehr «Harrisburg» sei, aber es interessiert niemanden wirklich.

Während der «Tagi» am Dienstag, 12 Uhr, noch erklärt «Was getan wird, um den GAU zu vermeiden», sagte ein ETH-Professor auf SF bereits Stunden zuvor: «Das ist kein GAU. Wir sind jetzt über den Super-GAU hinaus, dort, wo es unkontrollierbar ist.»

Noch eineinhalb Tage zuvor gab der Chef des Eidgenössischen Nuklearinspektorats, Hans Wanner, auf SF zum Besten: «Die Gefährdung der (japanischen) Bevölkerung ist klein.» Der brave SF-Moderator fragt, ohne nachzuhaken: «Die Situation ist also nicht mehr gefährlich?» Wanner geht gar nicht mehr drauf ein. Solche Szenen sind schon fast wieder komisch, aber verzeihlich. Denn der Informationsstand wechselt dauernd. Insgesamt gehen die Medien damit aber recht souverän um.

Mal drehen die Nuklearwolken auf den Ozean zu, mal Richtung Tokio. Mal sind die Werte extrem hoch, mal unbedenklich niedrig. Mal ist ein Riss im Stahlmantel, mal ist es garantiert keiner.

Der Verdacht stellt sich ein, diesem Dauerwechsel zwischen Alarmmeldungen der höchsten Stufe und Entwarnung geschehe von seiten der Japaner bewusst, es sei ein Mittel ihrer Kommunikation in einer Lage, in der man eigentlich nicht mehr vernünftig kommunizieren kann.

Ein psychologisch geschicktes Beruhigungsmittel ist die etwas seltsame Ziviluniform,wie sie alle Offiziellen tragen. Sie signalisiert: Es ist fast wie Krieg und wir müssen alle zusammenhalten. Das alles dürfte Teil eines von langer Hand vorbereiteten und durchdachten Kommunikationskonzepts für den unwahrscheinlichen Fall der Apokalypse sein.

Als Medienkonsument im fortgeschrittenen Stadium – man muss sich Zeit für diese anspruchsvolle Funktion nehmen – ist man mittlerweile gewohnt, zwischen den verschiedensten Printmedien, Online-Diensten, TV- und Radiostationen hin und her zu wechseln. Erstaunlicherweise ergibt sich daraus dann doch ein ziemlich umfassendes, ja recht transparentes Bild – aller Widersprüche zum Trotz.

Die Vergleichbarkeit «à la minute» von Quellen und Informationen ist ein unschätzbarer Gewinn, und man nimmt erstaunt zur Kenntnis, tausende Kilometer entfernt mehr zu wissen als der übernächtigte Korrespondent vor Ort, der, behindert von buchstäblich katastrophalen Bedingungen, oft dazu verdammt ist, lediglich dramatisches Lokalkolorit zu liefern.

Viele Medien informieren durchaus aufwendig und sachkundig. Die unterschiedlichsten Experten, sowohl von der AKW-Industrie wie von kritischen NGO’s, kommen zu Wort, auch persönliche Schicksale, aber erfreulich subtil. Über die Online-Dienste laufen ununterbrochen «Newsticker», die ständig mit neuen Informationen gefüttert werden. Es ist Rohstoff, den der Medienkonsument selbst be- und verarbeiten muss.

Das ist neu: Jeder wird zu seinem eigenen Medienproduzenten. Sofern er denn will und das riesige Informationsangebot gezielt nutzt.

Fred David ist seit 40 Jahren Journalist (u.a. «Spiegel»-Redaktor, Auslandkorrespondent der «Weltwoche», Chefredaktor von «Cash»). Er lebt heute als freier Autor in St. Gallen.

von Fred David | Kategorie: Mediensatz

40 Bemerkungen zu ««In 1000 Jahren höchstens einmal …»»

  1. Fred David:

    Nachzutragen ist noch die signifikante Meldung, dass die Citigroup „mit weiterem Wirtschaftswachstum rechnet“. Die Schäden in Japan werden zu einem Wiederaufbau führen, der die lahmende Konjunktur in den USA ankurbeln helfe.

    Katastrophen als willkommene Kunjunkturmassnahme. Sozusagen ein unerwartetes Geschenk des Himmels.

    Ist das nun ökonomische Coolness? Dreistigkeit? Ignoranz? Oder Anzeichen eines degenerierten Systems, das endlich auch grossen Kriegen wieder einen vernünftigen Sinn gibt: Was zerstört, wird muss auch wieder aufgebaut werden, was wiederum einen riesigen Finanzbedarf auslöst und weltweit die Finanzindustrie sanieren wird? Und nebenbei meinen darbenden Bankaktien den nötigen Schwung beschert. So haben alle etwas davon. Ausser natürlich die unmittelbar Betroffenen.

    Gewünschtes bitte ankreuzen.

  2. Skepdicker:

    „Ist das nun ökonomische Coolness? Dreistigkeit? Ignoranz? Oder Anzeichen eines degenerierten Systems, das endlich auch grossen Kriegen wieder einen vernünftigen Sinn gibt?“

    Weder noch. Es ist simple Logik. Dass Journalisten in ihrem Modus der Empörungsbewirtschaftung oftmals den Unterschied zwischen deskriptiven und normativen Aussagen nicht erkennen (wollen oder können?), spricht nicht unbedingt für diesen Berufsstand.

  3. Fred David:

    Naja, ob normativ oder deskriptiv und ganz ohne Empörungsbewirtschaftung: Es drängen sich halt Fragen auf, mutmasslich nicht nur bei mir. Zum Beispiel, ob solche Mechanismen naturgegeben so laufen müssen wie sie laufen.

  4. Ninon:

    Ich teile Ihre Einschätzung in keinem einzigen Punkt und frage mich, ob Sie Medien auf einem anderen Planeten konsumiert haben.

    Selbst die so genannten Qualitätsmedien überschlagen sich mit Hysterie, selbst ernannte «Atomexperten» geben sich in Studios die Klinke in die Hand, Zeitungen kolportieren irgendwelches Hörensagen vom Korrespondenten in einem Tokioter Hotel, und alle zusammen überbieten sich gegenseitig im Ausmalen der «Super-Super-Gau-Atomkatastrophe».

    Am allerunerträglichsten war das Schweizer Fernsehen, dessen Beiträge vor Halbwahrheiten, Fehlinformationen, Panikmache und politischer Propaganda nur so strotzte.

    Die gescheitesten Informationen über Fukushima habe ich auf Wissenschaftsblogs gefunden, die übrigens meine Wahrnehmung über die katastrophale Medienberichterstattung samt und sonders teilen.

    Statt politische Inhalte emotional aufzuladen, wie dies bei hieisgen Medien geschieht und den ständigen +++ Breaking News +++, wären bei den Journalisten DRINGENDST einmal ein paar
    +++ Breaking Thoughts +++ angesagt.

    Wie bei nahezu jedem Thema, informiert man sich fängs besser in der speziellen Community (Wissenschaftsblogs, Juristenblogs, etc.), als durch Journalisten.

    Ihre Aussagen zur Citygroup sind die eines Vulgär-Keynesianers. Echte Liberale haben diesen menschenverachtenden Irrtum längst widerlegt.

  5. Skepdicker:

    Bei mir drängen sich auch Fragen auf. Zum Beispiel, ob professionelle Empörungsbewirtschafter aus mangelnder Intelligenz, Fahrlässigkeit oder Böswilligkeit (korrekte) deskriptive Aussagen der Citigroup als normative Aussagen darstellen. Oder zum Beispiel, ob ein geachteter Wirtschaftsjournalist tatsächlich nicht weiss, dass vulgär-keynesianische Massnahmen und/oder Katastrophen-Wiederaufbau zwar den Wohlstandsindikator BIP erhöhen können, jedoch realen Wohlstand zerstören.

    Aber ich frage ja nur…

  6. Fred David:

    @)Ninon: Hätte ich als unbedarfter Journalist einer Koryphäe der Kernforschung vor zwei Wochen gesagt, ich hielte es für möglich, dass das Hightech-Land Japan Wasserwerfer der Polizei einesetzen werde, falls eines seiner grössten AKWs der Welt ausser Kontrolle gerate, hätte er mich zuerst ausgelacht und dann aus dem Büro geschmissen.

    Genau das geschieht jetzt als allerletztes Aufgebot – in einem halbzerstören AKW. Das steht in keinem Szenario und in keinem AKW-Handbuch der Welt.

    So sieht das vernachlässigbare Restrisiko aus.

    Die Wissenschaft hat Grund, jetzt nicht allzu grossspurig daher zu kommen. Wenn einmal das Schlimmste vorüber ist, wird sich die Kernforschung sehr, sehr bohrende Fragen gefallen lassen müssen. Nicht nur in Japan.

  7. die medien geben sich und haben mühe, das disaster zur zufriedenheit aller abzubilden. das war nicht anders zu erwarten. sie sind ebensowenig auf sowas trainiert wie die fahrer der wasserwerfer, die es jetzt richten sollen. oder die anderen büezer vor ort.

    kleine medienbeobachtung am rande: japan ist das erste thema seit 9/11, das viele newsticker auch nach mitternacht noch weitertickern liess. in den letzten zwei monaten afrika-aufstand machten ausser zeit.de alle um 23 uhr dicht.

  8. Fred David:

    @) Ninon, Ihr Hinweis auf Community-Blogs liesse sich noch vertiefen (wo sind die Links?).

    Daraus könnte für die Online-Dienste von Medienunternehmen ja tatsächlich ein Geschäftsmodell werden, und auch für den user würde ein Gewinn herausschauen: wie ein „Flugzeugträger“ ausgewählten und auf Seriosität, Hintergrund etc. von der Redaktion überprüften Spezial-Jets (eben fachkundigen Community-Blogs) eine attraktive Plattform geben.

    Beide Seiten hätten etwas davon: Die Online-Dienste kriegten anzapfbares Knowhow und damit eine Qualitätsverbesserung, die Community-Blogs eine breite Oeffentlichkeit, die sie sonst nie erreichen. Und der besonders interessierte user würde mit wichtiger Zusatzinfo bedient.

    Diese Blogs müssten aber moderiert werden, sonst würden sie sich leicht in uferlosem Geplapper verlieren. Die Hürden für die aktive Teilnahme (d.h. fürs Kommentieren) müsste höher sein als üblich, Klarnamen wären Voraussetzung.

    Die Aufnahme von spezialisierten Blogs auf den Flugzeugträger könnte von der aktuellen Lage abhängen, die schnellen Aufklärungs-Jets müssten nicht permanent an Deck sein, sondern dann, wenn sie aus aktuellem Anlass gebraucht werden.

    Ein bescheidener Anfang wär schon mal eine ausgewählte und immer wieder überprüfte und aktualisierte Link-Sammlung. Wäre ein toller Service der Redaktion.

    An diesem Garn lässt sich nun wirklich weiter stricken.

  9. Hanspeter Spörri:

    @Ninon: Die «selbsternannten» Atomexperten sind ja einfach Leute, die sich beruflich mit dem Thema befassen, in diesem oder jenem Lager stehen. Immerhin exponieren sie sich persönlich, äussern Einschätzungen und Meinungen, die einem bei der eigenen Meinungsbildung helfen können. Das Problem ist aber für alle gleich: Es herrscht das Chaos. Primärinformationen stehen wenige zur Verfügung. Quellentransparenz gibt es nicht. Überprüfbar ist nichts. Sie selber sind übrigens auch keine transparente Quelle mit Ihrem schönen Decknamen.

  10. Ninon:

    @ David: «Die Wissenschaft hat Grund, jetzt nicht allzu grossspurig daher zu kommen.» Diese Aussage zeugt nicht von Klugheit. Wenn Wissenschaftler auf sachliche Fehler hinweisen, die Journalisten bei ihrer Berichterstattung machen, dann sollten diese hinhören, überprüfen und lernen, statt zu sagen, die machen ja selber Fehler. Sonst bleiben sie immer unwissend. Ganz allgemein sollten Journalisten zuhören, wenn intelligente Aussenstehende ihre Arbeit kritisieren.

    Aber offenbar interessieren sich viele Leute gar nicht dafür, herauszufinden, was nun tatsächlich geschehen ist oder noch geschieht. Wofür Fakten, wenn ja sowieso schon jeder weiss, was er meint.

    An Wissenschaftsblogs interessant finde ich, dass man 1. Fragen stellen kann, es wird sehr viel gefragt, weil Wissenschaftler neugierig sind und ihr Wissen erweitern wollen, 2. Man sofort Antworten erhält, 3. jede Aussage von anderen sofort kritisch hinterfragt wird und Fehler gleich blossgelegt werden, 4. relativ ideologiefrei diskutiert wird. Es geht nicht um rechts oder links, SVP oder Grüne, Weltwoche oder WOZ, sondern um intelligente Lösungen. Es ist übrigens auch keineswegs so, dass alle Wissenschaftler Pro-AKW sind. Manche sind’s, manche sind’s nicht. Manche wählen grün und sind gerade deswegen Pro-AKW. Die Gegner stellen die Befürworter aber nicht als moralisch minderwertige Wesen dar.

    Wissenschaftsblogs führen alle Wissenschaftszeitschriften wie Nature
    http://blogs.nature.com/news/thegreatbeyond/

    New Scientist
    http://www.newscientist.com/blogs/shortsharpscience/

    Dazu kommen populärwissenschaftliche Blogs, die zu jedem Thema Blogs führen.

    http://www.Scienceblogs.com

    http://www.wissenslogs.de

    scilogs.de
    http://www.scilogs.de/artikel/1066562

    @ Bugsierer: Sie haben bei Bobby California jetzt sicher ein Stein im Brett, wo Sie sich mal lobend über Journalisten äussern. (Kleines Scherzchen!) Die Art wie Journalismus in den letzten Tagen funktionierte, hat nichts mit der plötzlich einsetzenden Katastrophe zu tun, sondern ist systematisch. Der Büezer, der in Würde den Schutt wegräumt, musste nie zuvor so etwas machen. Der Journalismus aber funktioniert bei jeder Katastrophe genau gleich.
    Emotionalisierung und Skandalisierung kompensieren fehlendes Fachwissen und Sachlichkeit. Photos von Menschen, die mit dem Geigerzähler hantieren, giftgrün einzufärben, ist nur ein Beispiel von vielen.

    @ Spörri: Ich habe nie behauptet, dass ich Quelle sei. Ich bin auch nicht Partei. Und so weit mir bekannt ist, darf man auf dieser Plattform unter Pseudonym diskutieren.

  11. Fred David:

    @) Ninon: Ich kann wenig Skandalisierung in der Berichterstattung erkennen. Ueber Fehler kann man jederzeit diskutieren, und einen Absolutheitsanspruch sollte gerade in diesen Zusammenhängen niemand erheben, auch die Wissenschaft nicht.

    Ich fühlte mich noch über kaum eine Katastrophe so vielfältig und breit informiert, obwohl die Informationslage miserabel ist, was aber in diesem Fall nicht die Medien zu verantworten haben.

    Fakt ist doch: Der Skandal ist das Ereignis selbst.

  12. Ninon:

    @ David: Augenscheinlich versperrt Ihnen Ihre Bockigkeit zuweilen die Sicht auf die Dinge. Niemand hat gesagt, dass Wissenschaftler einen Absolutheitsanspruch haben. Ich habe gesagt, dass auf Wissenschaftsblogs Japan und das Thema Kernenergie sachlich und nahezu ideologiefrei diskutiert, und dort zudem viele Fehler, die Journalisten in ihrer Berichterstattung machen, korrigiert werden.

    Ich kenne eine Menge Leute, die sich informiert fühlen, aber es nicht sind, geschweige denn irgendetwas verstehen. Schön, dass dies bei Ihnen anders ist.

    Dennoch ist es eine unwissenschaftliche Sichtweise, Erdbeben und Tsunamis als Skandal zu bezeichnen.

  13. Fred David:

    @) Ninon: Der Skandal sind weder Erdbeben noch Tsunamis, sondern offensichtlich das AKW und dessen Restrisiko selbst:

    „In a column in „Israel Today“ Prof. Even writes that the problems in Fukushima are not just the results of the Tsunami but mainly due to the earthquake which destroyed the cooling pipelines. I.e., that such a disaster might happen also in places far from the see.“

    http://www.jpost.com/International/Article.aspx?id=212621&R=R4

  14. Fred David:

    …und so kommt eben doch langsam eins zum andern, aber das Zusammensuch wird einem als Leser in der Tat nicht leicht gemacht…

    http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/die-tsunami-katastrophe/FukushimaIngenieur-Wir-wussten-fast-gar-nichts/story/25860153?dossier_id=885

  15. Skepdicker:

    @ Fred David:
    Ein Mini-Skandal ist auch der moderne Journalismus, der Quellen nicht seriös prüft und ungeprüfte (bzw. unprüfbare) Hypothesen von Experten als Tatsachen darstellt.

    Prof. Uzi Even ist zwar „nur“ Chemiker (kein Atomphysiker oder -ingenieur) und seine Tätigkeit als junger Forscher im israelischen Atomreaktor Dimona liegt mindestens 40 Jahre zurück. Dennoch will ich ihm eine gewisse Kompetenz nicht absprechen.

    Aber: Jeder einigermassen intelligente und gebildete Journalist, der sich mit den Basics der Wissenschaftstheorie befasst hat, muss – euphemistisch ausgedrückt! – bei solchen Aussagen Skepsis walten lassen.

    Zunächst einmal urteilt Prof. Even aus einer Distanz von rund 9’000 Kilometern. Deshlab ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass er über mehr oder bessere Informationen verfügt als die „Schuljungen“ (Christoph Neidhart) von TEPCO oder die Experten nationaler und internationbaler Atombehörden.
    Zudem hat Prof. Even höchstwahrscheinlich die gleichen Informationsquellen wie wir alle: die Massenmedien. Und praktisch alle Experten, die in diesen Massenmedien zu Wort kommen, weisen explizit auf die Unsicherheit ihrer Aussagen hin.
    Die Aufgabe seriöser Journalisten wäre es nun eigentlich, die Rezipienten auf die Unsicherheit hinzuweisen. Es passiert das Gegenteil. Und noch schlimmer: In Ermangelung gesicherter Neuigkeiten werden Gerüchte wiedergekäut. Nicht nur beim Boulevard, auch bei den öffentlich-rechtlichen Medien.

    Schade ist, dass es sich dabei um einen exemplarischen Mechanismus handelt. Viele Journalisten, die Qualität gerne als Rent-Seeking-Argument aufführen, verlieren ihren Qualitätsanspruch plötzlich, wenn es handwerklich oder intellektuell anspruchsvoll wird.
    Die Differenzierung zwischen Wahlprognose und Wahlbarometer wollte den Medienkonsumenten in der Schweiz bis vor kurzem noch kaum ein Medium zumuten. Darunter leiden nicht die unprofessionellen Journalisten, sondern der unschuldige Claude Longchamp. Auch wenn sein Team sich strikt an wissenschaftliche Standards hält, wird er für seine vermeintlichen „Fehlprognosen“ von fehlinformierten Medienkonsumenten mit Hohn und Spott übergossen.

    Natürlich sollten Journalisten der Expertokratie nicht blind vertrauen. Sie sollten das pure Gegenteil tun. Professionelle Journalisten sollten Experten jedoch nur kritisieren, wenn sie – erstens – deren Argumente einigermassen verstanden haben und – zweitens – sachliche Einwände dagegen haben. Ressentiments, angeblicher „common sense“ und emotionale Ausbrüche sind keine sachlichen Einwände – und sollten folglich auch nicht die Basis eines Berufsstands sein, der sich als aufklärerisch und unverzichtbar für die Demokratie versteht.

    Kurt W. Zimmermann liegt völlig richtig: Informationsmenge minus politische Gesinnung gleich Wahrheitsgehalt. Ich würde noch ergänzen, dass Emotionen und Mutmassungen ebenfalls subtrahiert werden sollten.

  16. Fred David:

    @) Skepdicker: Nein, der logische Schluss geht anders.

    Nämlich so: Journalist macht via Internet Telefonnummer von Uzi Evan aufindig, ruft ihn an und fühlt ihm auf den Zahn. Info 1:1.

    Es ist ja nicht gesagt, dass er recht hat, und das soll man auch ruhig offen lassen. Aber es ist eine interessante Fachmeinung.

    So kommt ohne Klugscheisserln eins zum andern und fügt sich langsam zu einem Bild.

    …übrigens, nur der Vollständigkeit halber (wir sind hier ja ein Medienblog und machen auch ein bisschen Dienstleistung), der erwähnte Prof.Evan ist über die Nummer Israel Aeracode 2 /
    67 53 333 erreichbar. Er ist Knessetabgeordneter und leistete Militärdienst als Oberstleutnant im israelischen Kernforschungszentrum.

  17. Skepdicker:

    @ Fred David:
    Dem Journi, der Prof. Uzi Even (nicht „Evan“) interviewte, kann man in der Tat wenig vorwerfen. Auch wenn man sich natürlich fragen könnte, warum nicht ein Experte im engeren Sinne befragt wurde.

    Anders sieht es aber aus, wenn Journalisten mit hohen Qualitätsansprüchen eher unqualifizierte und reichlich hypothetische Fachmeinungen sowie Verlautbarungen von politisch klar ausgerichteten NGO als Tatsachen darstellen, welche einen behaupteten Skandal bestätigten.
    In einem anderen Kontext nennt man solche Methodik gerne wahlweise Empörungsbewirtschaftung, Emotionalisierung oder Skandalisierung.

    Deckt sich die Stossrichtung dieser anti-aufklärerischen Methodik hingegen mit den persönlichen Ansichten, werden professionelle Standards wie faktische Genauigkeit, Relevanz, Einordnung etc. anscheinend mit Klugscheisserei gleichgesetzt. Cum ira et studio.

  18. Hanspeter Spörri:

    @Ninon, Skepdicker: Es ist schon ok, unter Pseudonym zu diskutieren. Manchmal gibt es dafür gute Gründe. Ihre Beiträge sind dadurch allerdings schwieriger zu lesen und zu verstehen. Jedenfalls lässt sich von Ihren Informationsmengen so nicht ohne weiteres die politische Gesinnung abziehen.
    Von Jürg Tobler habe ich einst gelernt, dass zur publizierten Meinung auch deren Prämissen gehören. Es müsste also gelingen, sichtbar zu machen, mit welchem Hintergrund, welcher Haltung jemand öffentlich «meint» oder «zu wissen glaubt». Im journalistischen Alltag ist das nicht immer ganz einfach. Ein simples Bekenntnis zu einer Gesinnung erfüllt diesen Anspruch jedenfalls nicht. Links oder rechts sind schwammige Kampfbegriffe geworden (Die Bankenrettung mit Staatsgeld könnte man durchaus als linkes Unterfangen bezeichnen, die Liberalisierung der Drogengesetzgebung als rechtes oder liberales). In journalistischen Kommentaren schätze ich es aber, wenn ich erfahre, auf welchem Weg jemand zu seiner Ein- oder Ansicht gelangt ist. Emotionen muss man dabei nicht unbedingt subtrahieren. Sie sind interessant. Bei Ihnen, geschätzter Skepdicker, glaube ich ebenfalls so etwas wie Emotionen wahrzunehmen. Ich vermute, wir sind gar nicht immer so sachlich, wie wir meinen.

  19. Ninon:

    Wozu dann überhaupt Journalismus, wenn Journalisten sogar ihren USP aus der Hand geben?
    Sie schieben mangelnde Recherche auf die fehlende Informationspolitik der Regierung, was sie aber nicht hindert, haufenweise Gerüchte in die Welt zu setzen.
    Sie haben exakt Null Ahnung vom Thema, quatschen aber einfach munter drauf los – oder schlimmer noch – lassen Politiker quatschen, ohne zu bemerken, welchen Bullshit die erzählen. (Absolut göttlich, der Grüne Cem Özdemir, der dauernd von Gigabyte quasselt – und kein Journalist reagiert, weil sie eben so wenig Ahnung haben.)
    Und sie sind noch nicht mal befähigt, einigermassen kompetente, solide Experten vors Mikrophon zu zerren, die nicht einfach Meinung als Information verkaufen. Dabei würde teils schon einen Blick ins Google zeigen, dass diese Person einen zweifelhaften Ruf hat (siehe der abgehalfterte Ex-Mitarbeiter von Vattenfall, der durch alle Talkshows tingelt).
    Der Tagi zitiert eine Studie von der Schweizerischen Energie Stiftung unter dem Titel «Stromlücke? Das ist Angstmacherei», ohne zu erwähnen, wer diese Stiftung präsidiert. Nämlich der Grüne Politiker Geri Müller. Ja, genau jener Geri Müller, der sagte «es sei kein einleuchtendes Argument ersichtlich, mit welcher Begründung die Atombombe der Regionalmacht Iran abzusprechen wäre» und sich von seinen Gesprächspartnern in «Demokratie Iran» versichern liess, dass es «ihnen einzig um die friedliche Nutzung der Atomkraft gehe, der Besitz von Atombomben widerspräche hingegen dem Koran.»

    Wozu Journalismus, wenn ich alle Informationen selber zusammensuchen muss?

  20. Skepdicker:

    @ Hanspeter Spörri:
    Ich bin weder Journalist noch Publizist, sondern ein einfacher Bürger (Jungunternehmer in der IT-Branche und VWL-Student), der hier seine Meinung kundtut. Deshalb finde ich es legitim, dass ich meine Meinung hier anonym veröffentliche. Im Zeitalter von Google ziehe ich es vor, dass Kunden und potenzielle Arbeitgeber meine persönliche Meinung nicht im Netz finden.
    Politisch stehe ich der FDP nahe. Ausserdem befürworte ich AKW.

    Ich mag Fakten-Journalismus im Stile der NZZ oder Le Monde Diplomatique. Auch den alten „Bund“ mochte ich (nach der Tamedisierung verlängerte ich mein Abo nicht mehr).

    Somit habe ich als normaler Büger ein Minimum an Transparenz geschaffen. Ein Minimum an Transparenz, das durch Zwangsgebühren finanzierte Angehörige der Vierten Gewalt verweigern.
    Wo Sie politisch stehen, konnte ich auch nie ganz herausspüren. Irgendwo zwischen pragmatischer Sozialdemokratie (wie etwa Sieber, Strehle, Schawinski) und Linksaussen-Freisinn (de Weck, Kreis)?

    Zu den Emotionen: Emotionen sind meines Erachtens dosiert eingesetzt okay, sollten bei der Bilanzierung des Wahrheitsgehalts eines Artikel dennoch subtrahiert.
    Ein Beispiel dazu: Mich stört es nicht, wenn Ghadhafi als „Schlächter“ bezeichnet wird, der „gegen sein eigenes Volk kämpft“. Mir scheint aber, dass der Wahrheitsgehalt darunter leidet. Denn Libyen-Kenner weisen mit rational tönenden Argumenten darauf hin, dass die Sympathien für Ghadhafi in Tripolitanien wesentlich grösser sind als in der Cyrenaika. Niemand hat in Tripolitanien eine repräsentative Umfrage durchgeführt, was die dortige Bevölkerung von den Aufständen im Osten denkt.
    Wenn die Mehrheit der Medien stets simplifizierend von einem „Krieg Ghadhafis gegen sein Volk“ berichtet, werden meines Erachtens wichtige Aspekte ausgeblendet bzw. etwas als Tatsache verkauft, das keine Tatsache ist. Es liegt nicht im Bereich des Unmöglichen, dass die West-Libyer eher mit Skepsis in den mit der Monarchen-Flagge behängten Osten schauen.

    Sie konstatieren völlig richtig, dass auch bei mir Emotionen im Spiel sind. Das ist schlecht. Allerdings sind an mich auch tiefere Ansprüche zu stellen, weil das Schreiben nicht mein Beruf ist.
    Natürlich gelten in einem Blog gelockerte Standards. Von einer Profession, die von der Qualität ihrer Arbeit nicht weniger als die Existenz von Aufklärung und Demokratie abhängig macht (und deshalb staatliche Unterstützung fordert), erwarte ich aber auch in einem Blog das Einhalten gewisser Mideststandards.
    Dass meine Kritik aufgrund politischer (Vor-)Urteile oftmals einseitig ausfällt, bestreite ich nicht. Die selektive Wahrnehmung funktioniert halt leider so, dass man sachliche Fehler viel eher dort aufspürt, wo man mit dem Grundtenor des Textes nicht einverstanden ist.

  21. Fred David:

    Als Journalist habe ich nie verstanden, warum Kernenergie „ja/nein“ eine religiös-ideologisch aufgeladene Glaubensfrage ist, und warum ein Befürworter rechts und ein Gegner links sein müsste. Ich habe diese Ideologisierung nie mitgemacht, weil es mir zu blöd war.

    Man kann schlicht zum Schluss kommen, dass diese Technologie derart komplex ist, dass sie zwar viele Vorteile hat, wenn’s gut läuft, dass sie aber unendliche Nachteile haben kann, wenn’s schief läuft. Warum zum Teufel soll das eine links-ideologische Position sein?

    Darin liegt keinerlei Logik. @) Hanspeter Spörri wies auf ähnliche Widersprüche hin: Bei der Bankenrettung gab es soviel Staat und Vollkasko für ein einziges Privatunternehmen wie nie zuvor, mehr Staat geht gar nicht. Eigentlich hätte dies – nach gängigem Glaubensbekenntnis – eine Sache der Linken sein müssen, weil es dem Glaubensbekenntnis vom freien Markt nun sowas von diametral widerspricht.

    Da müsste doch jeder Original-Liberale aufheulen. Tun sie aber nicht.

    Bei der Kernenergie kann kann man gleichfalls zum Schluss kommen, sie sei eine Ausgeburt von Alt-Linken : Zentralisierung der Produktion und staatliche Eingriffe wie in keiner andern Branche bei Planung, Bau, Betrieb, und jede Menge staatlicher Garantien, dazu eine umfangreiche und teure Sonderbürokratie und -gesetzgebung, ein gewaltiger staatlich verordneter Sicherheitsaufwand, alles in allem in der Gesamtrechnung irrsinnig teuer. Und auch ein Teil der Wissenschaft ist abhängig von diesen Investitionen.

    Es ist kein Zufall, dass zentralistische Staaten wie Frankreich, Japan, früher auch die Sowjetunion sehr viel AKW-affiner sind/waren als föderalistisch strukturierte. Früher kam ausserdem noch der militärische Aspekt hinzu, was bei Staaten wie Indien, Pakistan, Israel, Nordkorea, Iran, auch Frankreich und Grossbritannien, bis heute und früher sogar in Südafrika eine Rolle spielt(e), und zwar eine sehr starke.

    Warum sollen heute AKWs rechts sein und Wind- und Wasserenergie etc. links, nachdem der militärische Aspekt der Kernenergie für die meisten Staaten obsolet ist? Das ist doch absurd!

    Der einzige Grund, der für dieses Rechts-links Schema heute noch sprechen könnte, ist in meinen Augen der riesige Investitions- und Finanzbedarf von AKWs über Jahrzehnte hinweg. Eine Staumauer ist irgendwann amortisiert und steht dann einfach bis annotubak dumm da, mit vergleichsweise geringen Unterhaltskosten. Davon kann sich keine Industrie ernähren und für Banken ist es ein Geschäft für Warmduscher.

    Kurzum: Wir sollten uns weder in der AKW-Frage noch im Journalismus in eine antiquierte Ideologiedebatte hineinhetzen lassen.

    Können wir uns auf diesen Mindeststandard einigen?

  22. Hanspeter Spörri:

    @David: Das wäre sicher ein brauchbarer Mindeststandard.
    @Skepdicker: Das Zustandekommen persönlicher Meinungen ist mir immer noch ein Rätsel. Ihre privaten Erläuterungen sind interessant. «Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein», sagte Marx ja mal. Für mich erklärt das aber nicht, weshalb es Menschen gibt, die linear-kausal zu denken versuchen, andere, die der Intuition den Vorrang geben. Mehr als persönliche Bekenntnisse zur eigenen Einstufung im politischen Spektrum interessiert mich beispielsweise Max Frischs Fragebogen: http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2009/05/25-fragen-von-max-frisch.php

  23. Ninon:

    @ David: «Wir sollten uns weder in der AKW-Frage noch im Journalismus in eine antiquierte Ideologiedebatte hineinhetzen lassen. Können wir uns auf diesen Mindeststandard einigen?»

    Das ist ein frommer Wunsch.

    Eine Debatte über Kernenergie kann nicht mehr ideologiefrei geführt werden, wenn die Grünen und die SP auf den Trümmern des Erdbebens und des Tsunamis ihr parteipolitisches Süppchen kochen, Ursula Wyss drei Stunden nach dem Erdbeben mit ihrer gellenden Stimme in alle Mikrophone diktiert, dass alle AKWs „innert kurzer Zeit“ abgestellt werden müssen. Und die Grünen einen Tag danach – die Toten sind noch nicht mal begraben – eine Volksinitiative zum Atomausstieg ankünden. Es ist Wahljahr.

    Aber wie Gerrit Schenk, der an der Universität Heidelberg das Verhalten unterschiedlicher Kulturen bei Naturkatastrophen untersucht, gegenüber dem Spiegel sagte: «Die politische Instrumentalisierung (von Naturkatastrophen) scheint eine relativ geringe Halbwertszeit zu haben. Die Leute sind ja nicht dumm.»

    Ich bin übrigens keineswegs PRO KKW, ich bin lediglich PRO Versorgungssicherheit und PRO Unabhängigkeit. Meinetwegen kann man auch noch ein paar Täler überschwemmen, aber ich will dann kein Gejammer hören, wenn seltene Pflanzen ertränkt und Bauern zwangsumgesiedelt werden müssen. Und mit Sonnenenergie und Wind lässt sich leider der Bedarf der SBB an Strom, der sich in den nächsten dreissig Jahren noch verdoppeln wird, weil wir ja das Netz ausbauen und auch schnellere Züge wollen, etc., etc., nicht gewährleisten. Ganz zu schweigen, dass bei höheren Strompreisen der Preis jedes einzelnen Produktes steigt. Sozial ist das nicht, ökologisch auch nicht.

    Spörri: Mir erschliesst sich nicht, was Sie mit diesem Fragebogen bezwecken. Sollen wir unter Pseudonymen Kommentierenden diesen ausfüllen?

  24. Fred David:

    @ Ninon: Man könnte ja mal eine Story machen, warum es die Oesterreicher auch ohne AKWs schaffen. Zwar beziehen die auch 15% ihres Stroms von ausländischen AKWs, aber vielleicht kriegt man die ja auch noch runter. Ist wirklich alles ausgeschöpft?

    Wie lässt sich der Energiemix optimieren? Was sind die Konsequenzen? Das müsste doch eigentlich die wichtigste Frage sein.

    Das möchte ich gern lesen, und zwar in einem grossen , von Medien selbst erarbeiteten Report. Von mir aus als Serie. Nur einfach ein paar Experten das Mikro hinhalten, reicht nicht. Und der „Newsticker“ genügt wohl auch nicht…

    Das AKW-Moratorium führte in der Schweiz dazu, dass bis dahin als unwirtschaftlich angesehene Speicherkraftwerke massiv ausgebaut wurden. Mit gutem Erfolg. Nur mal so als Beispiel

    Der Gump raus aus der vermufften Ideologiekiste braucht keineswegs ein frommer Wunsch zu bleiben.

    Die Medien sind viel mehr gefordert als sie glauben. Damit könnten sie ja abgeschliffenes Profil wieder schärfen. Könnte sich sogar irgendwann rechnen. Die Larifari-Epoche ist zu Ende.

  25. Fred David:

    …übrigens macht faz.net gerade einen Test: „Wer erklärt am Besten: Atomexperten im Test“. Der Hausexperte der ARD kommt bisher am Besten weg. Ein deutscher Journalist mit indischen Wurzeln. Samt Physikstudium.

    Kopierwürdiges Anti-Blabla.

    http://www.faz.net/s/Rub469C43057F8C437CACC2DE9ED41B7950/Doc~E689A2DDD4E1C483580CB2154C253ED6C~ATpl~Ecommon~SMed.html

  26. Skepdicker:

    @ Fred David, Hanspeter Spörri:
    In Ihrem heiligen Zorn schubladisieren Sie etwas gar vorschnell, ohne Ihre eigene Position transparent zu machen.
    Ich bin mittelfristig für einen Atomausstieg (siehe hervorragende Argumentation von Beat Kappeler in der gestrigen NZZaS). Auch bin ich dagegen, dass Banken, die Vermögen verwalten, mittels Kreditvergabe Geld schöpfen können. Hohe (nicht risikogewichtete!) Eigenkapitalquoten für Banken befürworte ich dezidiert. Somit gehe ich sehr weit über die Forderungen der TBTF-Kommission hinaus.
    Ich stimme Ihnen zu, dass es in Sachen AKW oder TBTF keine anerkannte reine liberale Lehre gibt.

    Aber es geht hier auch nicht um die AKW-Debatte, sondern um Journalismus: Ich bin gegen einen Journalismus, der deskriptive Aussagen als normative Aussagen darstellt. Auch dann, wenn die Aussage vom BöFei Citigroup stammt.
    Ich bin gegen einen Journalismus, der höchst unsichere Experten-Hypothesen als Tatsachen darstellt.
    Und ich bin gegen eine Journalismus, der wirtschaftliche Grundlagen aus Unwissenheit und/oder ideologischer Motivation so verzerrt darstellt, dass selbst ein durchschnittlicher KV-Stift den Denkfehler sieht (z.B. Darstellung eines Verlustvortrags, von Debitorenverlusten oder einer Steuerbefreiung der Rückzahlung des Agios als „Steuergeschenk“; die Verwechslung von Bestandes- und Flussgrössen bzw. Bilanz und Erfolgsrechnung).
    Und vor allem bin ich gegen einen Journalismus, der Qualitätsstandards nicht einhält, sich gleichzeitig jedoch als Vorkämpfer für Aufklärung und Demokratie aufspielt (und so Subventionen einstreichen will).

    Übrigens: Dass ARD-Experte Ranga Yogeshwar eine gute Figur machte, finden nicht alle. Seine einordnende, unaufgeregte Art wurde ihm von der Hysterie-Fraktion schwer übel genommen.

  27. Fred David:

    @) Skepdicker, claro, darf man per Rundumschlag so sehen. Aber das mit der „Hysteriefraktion“ würde ich doch – zum Thema passend – etwas herunterkühlen.

  28. Ninon:

    @ David: Ihr Wunsch in Gottes Ohr. Auch ich möchte all das lesen, allein mir fehlt die Hoffnung. In meinem (nicht repräsentativen) Bekanntenkreis auf Facebook sind ca. 95% aller Journalisten (Lokal-, Inland- und Politjournalisten bei Tages-Zeitungen und Radios) radikal gegen KKW. KKW-Befürworter oder auch nur Tolerierer wie ich werden in den halb-öffentlichen Kommentarsträngen als geisteskrank, irrsinnig, reif fürs Gäle Wägeli, Schraube locker, etc., etc. betitelt, die Betreiber hiesiger KKW gar als Dreckschweine. Und dafür gibt’s dann ganz viele «Thumbs up». Man muss schon sehr naiv sein, um von Journalisten, die sich von dermassen primitiven Ressentiments leiten lassen, eine kluge Berichterstattung zu erwarten.
    Selbstredend müssen Journalisten KKWs und die Betreiber kritisch hinterfragen, genau so kritisch müssen auch die Aussagen von Greenpeace und Co. bewertet werden.
    Diese ziehen ja jetzt ständig den Vergleich zu Österreich heran, wie Sie auch. Interessanterweise sieht Greenpeace Österreich die Energiepolitik ihres Landes viel kritischer.

    Ca. 30% des österreichischen Stroms wird importiert. Davon ca. 7% Atomstrom, Greenpeace Österreich schätzt sogar bis zu 20%, da beim importierten europäischen Strommix nicht deklariert wird, woraus er besteht.
    Ca. 20% des österreichischen Stroms kommt aus der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas. 50% kommt aus Wasserkraftwerken.

    In der Schweiz kommt 60% aus Wasserkraftwerken, 40 aus KKW, also praktisch ohne CO2-Ausstoss.

    Die SP wirbt für den Ausstieg aus der Atomenergie und gleichzeitig für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, wo die SBB schon heute der grösste Bezüger von Strom ist.

    Die Grünen wollen den sofortigen Ausstieg, aber die Naturschützer protestieren gegen die Errichtung von Windenergieanlagen und Wasserkraftwerke, weil sie die Landschaft grossflächig verschandeln resp. zerstören. In den Stauräumen entstehen zudem Faulgase, wie z.B. Schwefelwasserstoff und Methan, das viel klimaschädlicher ist als CO2.

    Das ganze ist also komplexer, als es die «Atomkraft? Nein, danke!»-Button-Träger zu fassen vermögen.

    Leider erhält man von hiesigen Journalisten wenig Orientierungshilfe.

  29. Es ist eine Krux mit der Information(spolitik). Wer informiert soll und muss in Krisensituationen die Wirkungen voraussehen von zuwenig oder zuviel Information. Und das womöglich noch aus dem Notstand heraus, selbst über völlig mangelhafte eigene Basisinformationen zu verfügen. Das ist das Problem der Behörden und der Regierungen. Das Problem der Medien ist ein ganz ähnliches. Was kritisiert man warum – und mit welchem aufgefrischten eigenen Hintergrund? Die Ereignisse haben bei uns allen Lücken aufgerissen – denn nur theoretisch Denkbares ist ganz praktisch geschehen oder im Begriff, zu geschehen. In der Tat könnte man mit dieser Nachrichtenlage auch sehr viel hysterischer verfahren. Und deswegen teile ich die Grundeinschätzung von Fred David. Für die geforderte Vertiefung und Versachlichung zu sorgen, ist die bleibende Aufgabe in den kommenden Monaten und Jahren – wenn es um die Rückschlüsse aus gesicherten Informationen geht.
    Vielen Dank für die interessanten Links in diesem Kommentarthread. Ich werde mir einige Quellen zur regelmässigen Lektüre werden lassen – und finde auch die Anregung interessant, Fachblogs zumindest periodisch zum ergänzenden Bestandteil von Medienportalen zu machen.

  30. Fred David:

    Man sollte den Medien schon zu gute halten: Es sind satanisch komplexe Zusammenhänge. Und nebenher auch noch Libyen „managen“. Das bewältigt man nicht eben mal mit inks (oder rechts!). Dasselbe kann auch die Politik für sich beanspruchen; sie ist ja etwas kleinlauter geworden, wie Journalisten auch.

    Ich denke, Redaktionen spüren die „Ausdünnung“ der letzten Jahre jetzt deutlich. Um so kreativer müssen sie sein, Knowhow heranzuholen und verständlich zu präsentieren. Aber sie dürfen sich nicht zu Mikrophonhaltern degradieren. Sie müssen wieder eine eigenständige, kraftvolle Rolle spielen.

    Sie werden mehr gebraucht als in den letzten Jahren. Und sie werden in den nächsten Jahren noch viel mehr gebraucht werden. Das ist vielen Journalisten noch nicht klar: It’s not a game anymore.

  31. Fred David:

    Auf newsnetz lese ich, dass Deutschland – von der Sonne deutlich weniger verwöhnt als die Schweiz – aus Sonneenergie bereits heute soviel Strom erzeugt, dass damit 10% des Schweizer stromverbrauchs gedeckt werden könnte. Offenbar geht es.

    http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Wasserkraft-ist-fast-ausgeschoepft-/story/31422568

    Warum erfahre ich sowas quasi nebenbei?

    Ein St.Galler Prof meint, in der Schweiz liege ein grosses Potential für Sonnenenergie brach. Gibt es inzwischen Techniken, die die hässlichen Sonnenenergieplatten unauffällig ersetzen können? Würde es sich lohnen, Forschungegelder hier umzuleiten? Wären gezielte Steuererleichterungen sinnvoll, statt einfach nur phantasielos immer nach generellen Steuersenkungen zu rufen? Natürlich hat auch diese Energieform ihre Haken, aber die will ich aufgelistet haben.

    Und ich will es nicht nur in Einzelhäppchen serviert kriegen, sondern in umfassenden Reports mit längerem Atem.

    So können Medien durchaus auch die Politik antreiben. Und nachhaken. Und nochmal.

    Die Nörgel-und-Angst-Debatte umdrehen: Wie kann der Energiemix optimiert werden usw.usw.usw.?

    Das nur mal so als Beispiel. Ich bin kein Sonnenenergiefetischist.

    Aber ich will es gefälligst wissen!

  32. Skepdicker:

    @ Fred David:
    Die NZZ-Sonderbeilage „Universum Cleantech“ vom 23. Febuar 2011 gibt einen exzellenten Überblick über die Vor- und Nachteile verschiedener Energieformen.

    Eine Übersichtstabelle (beruhend auf Angaben des Paul-Scherrer-Instituts) zeigt beispielsweise die Häken der Sonnenenergie:
    Der Treibhausgas-Ausstoss von Photovoltaik-Anlagen ist pro kWh fast um den Faktor 8 grösser als derjenige eines AKW. Bei den Stromkosten beträgt der Faktor pro kWh leider gar 12.
    Dazu kommt als Nachteil noch die altbekannte Bandenergie-Problematik. Neben massiven Investitionen ins Netz (aufgrund der Dezentralität der Stromproduktion) müsste man auch die Kapazität der Pumpspeicherkraftwerke erhöhen. Wenn sich die Photovoltaik in ganz Europa durchsetzt, müsste man Norwegen in einen riesigen Stromspeicher verandeln.

    Zu den Steuererleichterungen: Eine gezielte Subvention in Form der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) existiert ja bereits seit 2009. Zudem sind Investitionen in Photovoltaik-Anlagen in vielen Kantonen steuerlich abzugsfähig.

    All dies zeigt exemplarisch: Im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit, Klimaschutz und Unfallrisiko gibt es keine optimalen Lösungen. Irgendwo werden wir Abstriche machen müssen. Die diskretionären staatlichen Eingriffe zugunsten der Erneuerbaren zeigt, dass die Wirtschaftlichkeit (noch?) nicht gegeben ist. Auch wenn die Cleantech-Lobby stets das Gegenteil behauptet.

  33. da hier wiedermal eh alles totally off topic ist (und ich mich wiedermal frage, warum herr david nicht endlich ein eigenes blog aufmacht, damit ich seine klugen gedanken abonniern könnte), würde mich mal interessieren, warum bobby california hier schon seit tagen oder wochen nix mehr sagt. ist er enttarnt worden? muss man sich sorgen machen? oder macht er nur eine verlassene eisenbahnstrecke unsicher? und wenn ja, welche schurnirabatte nimmt er für seine verdiente auszeit als hard working medienmalocher in anspruch?

    ok, es gibt wichtigere fragen, derzeit.

  34. Fred David:

    @) Skepdicker: auch wenn wir hier jetzt den Medienspiegel-Orbit verlassen: Keine Energieform nimmt mehr Staat in Anspruch als die Kernenergie. Mehr Staat geht gar nicht.

    Da sollten liberale Grossdenker doch erst mal über ihre Lehrbücher. Dieser gigantische Widerspruch zwischen Theorie und Praxis lässt sich nicht einfach abschütteln.

    Die NZZ-Belage, die Sie erwähnen ,
    http://thelma-emobility.net/pdf/NZZ_Cleantech.pdf
    hat mir auch gefallen, besonders der Leitkommentar von Davide Scruzzi:

    „Wenn heute dominierende
    Faktoren wie der Klimawandel,
    die Energieproduktionskosten, die Gesundheits-
    und Ökosystemschäden, der
    Rohstoffverbrauch und Abfälle als
    wichtig angesehen werden, kann man
    laut dem Paul-Scherrer-Institut PSI dennoch klare Muster erkennen:
    Am besten schneiden viele der
    erneuerbaren Energien ab, am schlechtesten
    meistens die Kraftwerke auf fossiler
    Basis. Die Atomenergie liegt oft
    dazwischen.(…) Natürlich
    sei es beispielsweise nicht möglich,
    die Kernenergie allein mit einer unregelmässig
    auftretenden Produktionsform
    wie der Photovoltaik zu ersetzen ungeachtet des künftig besseren Kosten-
    Nutzen-Verhältnisses, das aus den
    Bilanzen hervorgehe, sagt Stefan
    Hirschberg vom PSI.“

    Kein Mensch will AKWs mit Sonnenschein ersetzen, aber das PSI sagt mir , Sonnenenergie habe das bessere Kosten-Nutzenverhältnis. Ist doch schon mal was.

    Es wird weltweit viel geforscht, mit sich zum Teil widersprechenden Ergebnissen. Genug spannender Stoff für spannende Stories. Die Recherchenreisen dürfen gern auch mal über Würenlingen hinaus führen. Die Welt ist gross.

    ps. Das Paul-Scherrer-Institut entstand 1988 aus dem Zusammenschluss des 1960 gegründeten EIR (Eidgenössisches Institut für Reaktorforschung) und dem 1968 gegründeten SIN (Schweizerisches Institut für Nuklearphysik). Alles staatlich bez. halbstaatlich.

  35. Ralf Schneider:

    Das ist ja wieder mal das Café zur lustigen Selbstreflexion. Hallo Medienspiegel, gibts nichts zu sagen zur unterwürfigen Atom-Berichterstattung der Schweizer Presse? Schon mal bei der Süddeutschen reingelesen, wo Christoph Neidhart die Schlampereien von Tepco kommentiert? Schon mal die Woz angeschaut, wo Susan Boos Bilanz zieht? Schon mal in der ZEIT das Inti mit Christa Wolf gelesen?
    Gääääääähn …
    Ach so, alles schon vorbei. Na dann.

  36. Fred David:

    @) Ralf Schneider: Ich gebe ihnen Recht, wir sind hier etwas vom Weg abgekommen. Die WOZ, die Sie erwähnen, hat eine Auflage von 16’000, die „Zeit“ Schweiz von 15’000. Ueberschaubare Gemeinden unter sich, es dringt wenig nach aussen.

    Christoph Neidhard ist sowohl Korrespondent der SZ wie des „Tages-Anzeigers“. Was alles von seinen Texten im „Tagi“ erschien, kann ich nicht sagen, ich hoffe, mehr oder weniger alles.

  37. Skepdicker:

    @ Fred David:
    Völlig einverstanden, was die Staatsabhängigkeit und das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Kernenergie betrifft.

    Die Sache ist aber nicht ganz so einfach, wie es die Cleantech-Lobby und ihre recht unkritischen journalistischen Verstärker darstellen. Um die untragbaren Risiken durch AKW zu eliminieren, werden wir viele hässliche Kröten schlucken müssen. (Deshalb ist es intellektuell unredlich, AKW-Befürworter als komplette Vollidioten darzustellen – was die meisten Journalisten unter vier Augen machen.)

    Neben der Opposition durch die bürgerliche AKW-Lobby wird es eine starke Opposition bestehend aus Öko-Fundis, Fischern, Landschaftsschützern und Sozialisten in allen Parteien geben. Letztere werden gewiss einen Weg finden, die Verzehnfachung des Strompreises als sozial ungerecht darzustellen – und nach irgendwelchen staatlichen Massnahmen zu rufen.

    Zurück zur Berichterstattung: Ich kenne keine Tageszeitung, die TEPCO nicht scharf kritisiert hat. „Unterwürfige Atom-Berichterstattung“ kann ich auch nirgends finden. Etwa 75% der Kommentare in Tageszeitungen raten explizit oder implizit zum Atomausstieg. Persönlich kenne ich keine Journalisten, welche Kernenergie befürworten.

    Wem die Berichterstattung eines Christoph Neidhart noch nicht emotional genug ist, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Ich sehe nicht, wie man noch schriller berichten könnte, ohne journalistische Standards zu verletzen.

  38. Patrik Tschudin:

    @Skepdicker
    Die „60 Gramm CO2 pro kWh Solarstrom“ des PSI stimmen natürlich nur, wenn die Zellen überhaupt nicht CO2-neutral hergestellt, transportert & recycliert werden. Das ist ein „worst case“ Szenario, das weder PSI noch NZZ als solches ausweisen. Die Herkunft der 60 Gramm zu rekonstruieren, brauchte etwas mehr Platz: http://infam.antville.org/stories/2052103/

  39. Skepdicker:

    @ Patrik Tschudin:
    Ich kann Ihren Argumenten zwar folgen, kann sie mangels Fachwissen aber nicht kritisch würdigen.
    Deshalb bleibe ich bei meinem „vorläufigen Wissen“ und lasse mich von Ihrer flotten Berechnung nicht umstimmen.
    Grund: Alle Studien, die ich im Internet finden konnte, weisen für die Photovoltaik in der Tat einen Ausstoss von 50 bis 100 Gramm CO2-Äquivalenten pro kWh aus. Auch verschiedene Studien, welche von der Schweizerischen Energie-Stiftung zitiert werden, kommen auf Werte in dieser Grössenordnung.

    Natürlich gibt es Methoden, mit denen beispielsweise Silizium mit weniger CO2-Emissionen gewonnen und transportiert werden könnte. Ausser bei der fossilen Energie ist das aber bei den meisten Energieformen der Fall. Man muss sich zudem bewusst sein, dass CO2-sparsame Methoden in der Regel wiederum die Wirtschaftlichkeit negativ beeinflussen. Dass die CO2-Vermeidungskosten bei der Photovoltaik vergleichswiese hoch sind, bestreitet auch die Cleantech-Lobby nicht.

    Damit will ich nicht behaupten, dass die Photovoltaik keine valable Option ist. Ich sage nur, dass sie (wie alle Energieformen) neben klaren Vorteilen auch klare Nachteile hat.

    Fazit: There’s no such thing as a free lunch. Durch das Leugnen von Opportunitätskosten wird die Diskussion nicht rationaler.

  40. Ninon:

    @ David: Beim staatlich regulierten Energiemarkt sind alle Energieformen von staatlichen Geldern abhängig. Von der staatlichen Forschung (EU-Forschungsprogramm über Schweizerischen Nationalfonds bis ETH, etc.) über den Aufbau und die Durchführung der Energieanlagen bis zum Schutz vor Regressansprüchen: Alles Staatskohle, nirgendwo Markt.
    Mit dem Wüstenstrom-Projekt Desertec wird ja derzeit das nächste steuerfinanzierte Grossprojekt vorbereitet.
    Ob AKWs auf dem freien Markt bestehen könnten, wird auf lange Sicht hinaus nur ein interessantes Gedankenspiel bleiben. Wären die Linken und Grünen geistig ein bisschen flexibler, könnte man sie von den Vorteilen des freien Marktes überzeugen, auf dem die Kernenergie in der heutigen Form wohl kaum überleben könnte. Genau so verhält es sich freilich mit der staatlichen Solar- und Windenergieförderung. Das Problem ist die Politisierung der Energiewirtschaft.

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