Guttenberg-Journalismus?

Copy-Paste oder nicht? Urteilen Sie selbst (Klick auf Bild öffnet PDF):

NZZ_Tagi_Guttenberg.jpg
(Es handelt sich um diesen «NZZ»– und diesen «Tagesanzeiger.ch»-Artikel.)

Siehe dazu auch:
Datenklau
Paid content anyone?

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

20 Bemerkungen zu «Guttenberg-Journalismus?»

  1. Mara:

    Da ist doch aus Versehen nur der vierte Abschnitt ein klein wenig nach oben gerutscht..

  2. Markus Schär:

    Zwar slightly off topic, aber das ist doch ein geeigneter Ort, um mal den bemerkenswerten Satz zu deponieren, den der Harvard-Professor und Bestseller-Autor Niall Ferguson im Vorwort seines neuen Buches „Civilization“ schreibt:

    „It would be wrong not to add an additional line of thanks to Google, now an incomparable resource for speeding up historical research, as well as Questia and Wikipedia, which also make the historian’s work easier.“

    (Die Widmung ist übrigens – und das ist wirklich off topic – für Ayaan, „who understands better than anyone I know what Western civilization really means – and what it still has to offer the world“: Ferguson verliess Frau und Familie für Ayaan Hirsi Ali; das war vor allem in Grossbritannien ein grosses Thema, aber hierzulande hat es niemand bemerkt.)

  3. Medien zitieren andere Medien. Das ist nichts Neues und durchaus statthaft, solange eine Quellenangabe auf den Urheber des Inhalts verweist. Letzteres ist im beanstandeten Artikel zwar der Fall (im Ausriss nicht ersichtlich), trotzdem aber ist das Vorgehen nicht in Ordnung. Ganze Passagen sind wörtlich übernommen worden, der Direktverweis auf den Originaltext bei der NZZ fehlt ebenfalls.
    Für diese Fehlleistung möchte ich mich im Namen von Tagesanzeiger.ch bei den Kollegen von der NZZ in aller Form entschuldigen. Der Artikel wird zudem vom Netz genommen.

  4. huch, ein chefredaktor entschuldigt sich höchstpersönlich für copy/paste. was für eine tolle premiere.

  5. Fred David:

    Ab sofort sind Begriffe wie „guttenberglen“, Kurzform „gutte“, in der milderen Variante: „Häsch güttelet?“ oder:“Chomm, das gütte mer eifach!“, bez: „Lueg do, euse Gütti“ urheberechtlich geschützt.

  6. hof.:

    Entschuldigt sich tagesanzeiger.ch auch bei der Süddeutschen? Hier die Geschichte zum Guttenberg-„Enthüller“ auf Tagi-Online: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Deutschlands-meistgehasster-Professor/story/11804147 Und hier das Original:
    http://www.sueddeutsche.de/politik/guttengerg-affaere-verhasster-enthueller-1.1067213

  7. Super Trouvaille, Bravo Martin Hitz! Behauptet jetzt immer noch jemand, Print sei «Schnarch-School» (O-Ton @mbinswanger) und Online-Journalismus sei viel cooler?

  8. Anke Bergmann:

    Das gleiche macht tagesanzeiger.ch uebrigens auch schon lange mit der New York Times. Man nehme einen Artikel oder eine Kolumne aus der NYT, uebersetze moeglichst wortwoertlich, und setze dann irgendwo ein, „wie die New York Times“ schreibt. So manche Paul Krugman Kolumne habe ich so schon fast 1:1 auf tagesanzeiger.ch gefunden, natuerlich geschmueckt mit der byline eines der prominenten Wirtschaftsautoren des online Erzeugnisses.

  9. hans fallada:

    die titelstory von spon am 1.3 hiess: “ copy, paste, delete“. der tagi-kiosk-aushang am 2.3 hiess: „copy, paste, delete“. ich würde mal sagen, der gesamte schweizer journalismus erlebt eine nachhaltige verluderung der journalistischen sitten.

  10. Fred David:

    Vielleicht sollte man angesichts des offenbar rasant steigenden Bedarfs den „Gutti des Tages“ küren (fast hätte ich „Gutti des Tagis“ geschrieben, aber es gibt ja auch noch ein paar andere)?

  11. Florent Heyworth:

    An hof.:

    Was die „Guttenberg-Enthüller“ (TA und Süddeutsche) Artikel angeht: hier handelt es sich nicht um Copy&Paste sondern bloss um die Verwendung von gemeinsame Quellen (korrekt zitierte Aussagen Andreas Fischer-Lescanos).

  12. Beobachter:

    Dass hier ziemlich viel Copy&Paste stattfand, steht ja ziemlich außer Frage: Aber immerhin wurde im Artikel mehrfach die Quelle genannt, von der die Informationen übernommen wurde. Die Überschrift „Guttenberg-Journalismus“ ist daher IMO verfehlt. Gerechtfertigt wäre sie nur, wenn der Tagesanzeiger – wie Guttenberg – eben *nicht* angegeben hätte, dass er hier eine andere Quelle zitiert. Das ist nämlich schon noch eine andere Kategorie….

  13. Guttenberglen macht Spass. Hier ist noch ein aktuelles «Gutti» aus dem Newsnetz:

    Spiegel Online 6. März 2011, Titel: «Auf dem Wasserweg über die Alpen»

    Newsnetz 9. März 2011, Titel: «Ein Wasserweg über die Schweizer Alpen»

    SpOn: «Als direkteste Verbindung zwischen der Bodenseeregion und dem Mittelmeer ist der Splügen für den internationalen Handel schon seit Langem von großer Bedeutung.»

    Newsnetz: «Für den internationalen Handel war der Pass schon lange wichtig.»

    SpOn: «Pietro Caminada schwebt ein durchgängiger Wasserweg von der Nordsee bis zum Mittelmeer vor – eine viele hundert Kilometer lange Wasserstraße, die von der Hafenstadt Genua über Alessandria, Mailand, Como, Chiavenna, den Splügenpass, den Bodensee bis nach Basel führt und von dort über den Rhein bis in die Nordsee.»

    Newsnetz: «Der Weg sollte von der Hafenstadt Genua über Alessandria, Mailand, Como, Chiavenna, den Splügenpass, den Bodensee und Basel bis in die Nordsee führen.»

    SpOn: «Um die Jahrhundertwende – er plante gerade eine Hochbahn für Rio – weckte der 270 Meter hohe (sic!) Aquädukt Arcos da Lapa aus dem 16. Jahrhundert (sic!) sein Interesse.»

    Newsnetz: «1892 kam er nach Rio de Janeiro. Und dort stiess er möglicherweise auf das Vorbild für seinen transalpinen Wasserweg: den 1750 erbauten Arcos da Lapa, einen 270 Meter langen und 18 Meter hohen Aquädukt.»

    SpOn: «Auch an Pietro Caminada erinnert sich bald kaum mehr jemand. Bis Kurt Wanner die Bildfläche betritt.»

    Newsnetz: «Die vergessen gegangene Idee machte erst wieder der Bündner Kurt Wanner bekannt.»

    SpOn: «Mehr als 100-mal wandert der Lehrer in den folgenden Jahrzehnten über den Splügen.»

    Newsnetz: «Und der Pass, über den er mehrmals (sic!) wanderte, liess ihn seither nicht mehr los.»

    Fazit: Das ist nicht ganz so dreistes «Copy-and-paste» wie Martin Hitz‘ Beispiel, aber dennoch sind die Newsnetz-Leute wirklich geile (Ab-)Schreiberlinge!

  14. Andreas Müller:

    Das geht ja noch, wenn ich sehe, wie unverschämt die Blick-Gruppe mittlerweile mit der Migros kooperiert. „Nanomania“ auf Blick.ch, im Blick, im Blick am Abend … ist vielleicht Coop die Betty-Bossy-Kohle ausgegangen?

  15. Don Pedro:

    @) Andreas Müller: Ringier Schweiz hat sich kürzlich ganz offizielle als „Entertainment company“ deklariert. Natürlich hat das seine Folgen. Journalisten werden zu Entertainern bez. Event-Managern. Wenn’s dem Publikum gefällt und wenn es sich letztlich rechnet, warum nicht? Journalismus ist das dann halt nicht mehr. Geht offenbar auch ohne.

  16. hof.:

    „Der Artikel wird zudem vom Netz genommen.“

    — Der Artikel ist noch immer im Netz.

  17. Mal was anderes: Hat jemand eigentlich geprüft, ob es wirklich DER Peter Wälty war, der kommentiert hat?

  18. @Ronnie: Nein, hab ich nicht :-(

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