Inszenierte «Wutwelle»

Gibt man ihm nur eine Plattform, dann kennt der Wutbürger kein Halten mehr; dann muss es raus. Damit es einmal gesagt ist. Und tritt der Wutbürger massenhaft in Erscheinung, dann rollt eine regelrechte «Wutwelle». So auch am vergangenen Sonntag.

Mehr als 19’000 Leserinnen und Leser des «Sonntagsblicks» machten ihrem Ärger über die Empfangsgebühren für Radio und Fernsehen Luft. Was die SRG an Programmen biete, sei die 462 Franken pro Jahr nicht wert. Als Anwältin der Empörten durfte sich SVP-Nationalrätin Natalie Rickli aufspielen, die im Ringier-Blatt unwidersprochen von «Gebührenterror» faseln durfte. Wetten, dass die Mehrheit der 19’000 Empörten und Schikanierten am Samstag vor der Glotze mitfieberte, als Didier Cuche die Streif runterbretterte? Und sich selbstverständlich keinerlei Gedanken über die Kosten einer TV-Sportproduktion machten.

Die inszenierte «Wutwelle» sagt mehr aus über den «Sonntagsblick» und sein Publikum als über Preis und Qualität von Schweizer Radio und Fernsehen. Denn wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Man kann zum Beisiel eine für die Gesamtbevölkerung repräsentative Stichprobe nach der Zufriedenheit mit Radio und Fernsehen in der Schweiz befragen. So geschehen Ende 2009. Letzte Woche hat das Bundesamt für Kommunikation, in dessen Auftrag die Uni Zürich die Befragung durchgeführt hatte, die Ergebnisse veröffentlicht.

Und siehe da. Wer schwingt obenaus? Die Radio und TV-Programme der SRG. In allen Altersgruppen und Bildungsschichten stossen die gebührenfinanzierten Sender auf grosse Zufriedenheit. 70 Prozent aller Befragten sind mit der gebotenen Qualität des öffentlichen Radios sehr oder ziemlich zufrieden, beim Schweizer Fernsehen sind die Werte nur unwesentlich tiefer. Das ist kein überraschendes Resultat und deshalb den meisten Medien keine Schlagzeile wert, obwohl die Aussagekraft einer wissenschaftlichen Studie einiges grösser ist, als eine nicht-repräsentative Spontanumfrage, wie sie der «Sonntagsblick» veranstaltete.

Das Thema der Radio- und Fernsehgebühren eignet sich immer wieder, um «Wutwellen» loszutreten. Stets an vorderster Front dabei: Die «Blick»-Gruppe von Ringier. Vor zwei Jahren lieferte die Kampagne «Bye, bye Billag» die Schlagzeilen. Eine Volksinitiative zur Festsetzung der Empfangsgebühren auf hundert Franken pro Jahr wurde vollmundig angekündigt. Von «riesiger Zustimmung» und einem «Grosserfolg» wusste das Ringier-Blättchen «Blick am Abend» zu berichten. Bis heute hat niemand ein solches Volksbegehren lanciert. Der «Grosserfolg» bestand lediglich aus ein paar Tausend Mitgliedern in einer Facebook-Gruppe; vermutlich dieselben, die sich nun beim «Sonntagsblick» über die Höhe der Gebühren beschwerten und die neue Petition «Gebührenmonster» signieren. Auch hier besorgen «Blick» & Co. die Hofberichterstattung.

Die SRG eignet sich nicht zuletzt deshalb ideal als Prügelknabe, weil sie praktisch unkommentiert auf sich einschlagen lässt. So wollten weder Generaldirektor de Weck, noch Radio- und Fernsehdirektor Matter zur jüngsten «Wutwelle» Stellung nehmen. Sie schickten Finanzchef Jorio vor, der mit seiner Buchhalterattitüde perfekt ins Zerrbild der Wutbürger von der geldverschlingenden SRG passt. Die SRG kann sich diese noble Zurückhaltung offenbar leisten. Sie weiss, dass sie die Politik auf ihrer Seite hat.

Nick Lüthi ist Journalist in Bern.

von Nick Lüthi | Kategorie: Mediensatz

31 Bemerkungen zu «Inszenierte «Wutwelle»»

  1. Martin:

    Inszenierte Wutwelle?

    Ich ärgere mich darüber, ab nächstem Jahr ohne Fernseher Zwangsgebühren bezahlen zu müssen. Und in meinem Umfeld gibt es viele, die sich genauso ärgern. Hinzu kommen all jene, die zwar fernsehen, aber nicht Staatsfernsehen.

    Wenn 70 Prozent sehr oder ziemlich zufrieden sind, dann wären sie doch sicherlich auch bereit, freiwillig Gebühren zu bezahlen, nicht? Sogar etwas mehr als heute … ach so, das dann doch nicht? Jedenfalls wüsste man dann, wie gross die Zufriedenheit wirklich ist. Das negative Ergebnis ist selbstverständlich absehbar, so dass man mit Umfragen versucht, die Zwangsgebühren für unser Staatsfernsehen zu rechtfertigen.

    Schade übrigens, dass sich offensichtlich auch Journalisten kaum noch leisten können, der SRG kritisch zu begegnen. Aus Interessensicht aber verständlich, klar.

  2. Mara:

    Das diejenigen die gerne Fernsehen möchten/Radio hören möchten, und dies auch tun, Gebühren zahlen sollen – dem sei unwidersprochen – und das sei vielleicht auch noch unabhängig vom Kanal aus so zu sehen. Warum allerdings dies zu Zwangsgebühren sich ausweiten soll, erklärt das noch in keiner Weise. Im Gegensatz zu einem Fernseher, der inzwischen auch zu vielem anderem als zum Fernsehen genutzt werden kann, ist der Computer eben nicht in erster Linie dazu da die Welt von Glanz und Glorie sich ins Wohnzimmer zu hohlen. Es sollte anders möglich sein die von der SRG selbstgewählte Ausbreitung übers Netz auch von denjenigen finanzieren zu lassen, die ihren Service auch wirklich nutzen. Gebühren sind nun mal Nutzungsgebühren und nicht Zwangsabgaben.

  3. Harald:

    ja, die Empörung und Wut des „einfachen Bürgers“ wird immer wieder gerne bedient. Doch wann wehrt sich endlich jemand gegen all die Verunglimpfungen und Verzerrungen („Staatsfernsehen“, „Hofberichterstattung“ etc.)? Politik und verantwortliche Medien sollten es besser wissen.

  4. Martin:

    @Harald: Inwiefern ist Staatsfernsehen eine Verunglimpfung oder Verzerrung?

  5. «Inwiefern ist Staatsfernsehen eine Verunglimpfung»: Weil es nicht zutrifft. Sie sind doch Rechtsanwalt. Also müssten Sie den Unterschied zwischen Staatsfernsehen und öffentlich-rechtlichem Fernsehen eigentlich kennen. Der Begriff «Staatsfernsehen» wird korrekterweise für Propagandasender wie in Nordkorea verwendet. Die SRG bietet hingegen viele solide, seriöse Sendungen. Wenn man diese Sendungen nicht mehr finanzieren könnte, gäbe es nur noch Schrottsendungen à la «Ich bin ein Superstar» und Blocher-TV. Wollen Sie das wirklich? Also hören Sie auf mit dem nervenden Gejammer. Wir werden von Banken, Versicherungen und allerlei fiesen Gestalten abgezockt, das ist Ihnen egal, dagegen wehren Sie sich nicht. Hingegen für die Gebühren erhalten Sie ein spannendes Fernsehprogramm, dafür könnten Sie ja auch mal dankbar sein, statt auf peinliche und geizgnäpperische Art herumzumotzen.

  6. Martin:

    Ich möchte gar kein Fernsehen und verzichte deshalb persönlich auf jeden Fernsehkonsum. Und entsprechend möchte ich nicht dafür bezahlen. Ich sehe übrigens keinen Unterschied zwischen öffentlich-rechtlich und staatlich. Aber das interessiert mich nicht. Mich interessiert auch nicht, wenn sich andere mit Fernsehen verblöden lassen, egal ob mit staatlichem oder privatem Fernsehen. Aber ich habe mich dagegen entschieden und ärgere mich deshalb, dass ich trotzdem Zwangsgebühren leisten soll.

  7. ras.:

    Es erstaunt doch immer wieder, wie das Fernsehen das Bedürfnis nach Abschottung weckt. In den Fernsehprogrammen findet man so viel Gutes und Schlechtes wie in der Presse, im Internet oder im Radio. Wer will, kann sich über alle Mediengattungen hinweg mit erstklassigem Material versorgen. Die Unterscheidung zwischen „öffentlich“ und „staatlich“ ist im übrigen durchaus wesentlich. Man wird die Schweizer Lokalblätter, welche Subventionen in Form von Transportzuschüssen erhalten, deswegen auch nicht gleich als Staatsblätter bezeichnen können. Im Fernsehen wiederum gibt es wesentliche Differenzen in organisatorischer und regulatorischer Hinsicht zwischen staatlichen und öffentlichen Medien. Wer differenziert, schafft kognitiven und sozialen Mehrwert, um es mal spröde akademisch zu formulieren. Je mehr Eiferer auf allen Kanälen herumflitzen, umso nötiger ist das.

  8. Christof:

    ras. triffts.

  9. Martin > Hier posaunen Sie: «Ich möchte gar kein Fernsehen und verzichte deshalb persönlich auf jeden Fernsehkonsum»: Und via Twitter erkundigen Sie sich heute nach «Al Jazeera ohne Flash». Ganz ohne TV können offenbar auch Sie nicht leben, gell. Anders ausgedrückt: Sie predigen Wasser und trinken Wein.

    PS: Al Jazeera wird jährlich mit 100 Millionen US-Dollar von der qatarischen Herrscherfamilie finanziert. Soviel zum Thema «Staatsfernsehen».

  10. Martin:

    @Bobby California: Sie stellen Zusammenhänge her, die ich nicht nachvollziehen kann. Und ja ja, Al Jazeera ist Staatsfernsehen. Wie eben die SRG auch.

    Ich bin für leben und leben lassen, aber nicht auf meine Kosten. Das genügt Fernseh-Junkies wie Ihnen und .ras offensichtlich nicht. Aber da können Sie noch so tief sinken, ich werde Ihre Fernsehsucht nie mit Freuden bezahlen. Und jetzt gilt für Sie: *PLONK*

  11. Ich schalte mein TV-Gerät ca. einmal pro Monat ein. Es ist ein bisschen heikel, mir «Fernsehsucht» zu unterstellen. Und es ist ein bisschen inkonsequent, im Medienspiegel Fernsehabstinenz zu behaupten und hinterrücks via Zattoo oder über andere Internetkanäle Fernsehsendungen zu geniessen.

  12. Fred David:

    Schüchterne Frage aus dem off: „Welchen Aussagewert hat bei MONOPOLmedien der „Marktanteil“?

    Schüchterne Antwort aus Demselben: „Mein Grossvater hätte gesagt: ‚Sisch för d’Füchs!“

    Läge er richtig?

    Schonende Rückantwort erbeten.

  13. Ninon:

    Journalisten, die mit dem Begriff «Wutbürger» um sich werfen, wirken auf mich nicht sehr intelligent. Ich wünschte mir deshalb, Sie hätten darauf verzichtet. Das Wort impliziert nämlich, dass die Triebfeder dieses Bürgers nichts als Wut sei. Das wertet seine menschliche Würde und sein Engagement ab. Schliesslich handelt er nicht aus blinder Wut heraus, sondern er steht wohlüberlegt für seine Rechte ein.

    Ich lebe seit mehr als 25 Jahren absolut radio-, fernseh- und zattoofrei, und doch läuten mich die Herren von der Billag regelmässig morgens um 7 Uhr aus dem Tiefschlaf und wollen meine Wohnung durchsuchen. Ob SRF Staatsfernsehen ist oder nicht, interessiert mich nicht. Es ist schlichtweg nicht rechtens 500 Franken Zwangsgebühr für etwas bezahlen zu müssen, das man nicht möchte und schon gar nicht in dieser minderwertigen Qualität.

    Dass Journalisten der SRF im Allgemeinen und den Zwangsgebühren im Besonderen gegenüber dermassen naiv und unkritisch sind, enttäuscht mich sehr.

  14. ?:

    Sehr ueberzeugend: Ninon nutzt etwas seit Jahrzehnten nicht, weiss aber, dass das Betreffende schlecht ist. Das ist wahrscheinlich so, wie wenn ein Klosterbruder ueber die Qualitaet von Bordellen spricht.

  15. auf journalisten, die ihren tv nur 1x im monat anwerfen, kann ich gut verzichten. wer als medienschaffender das wichtigste massenmedium konsequent ignoriert, hat in dieser branche nichts zu melden.

  16. Anonymous:

    @ ?: Sie halten sich gewiss für ein ganz schlauer, gell, und ein witziger noch obendrauf. Aber leider sind Sie nicht schlau genug und eher pubertär als witzig.
    Ich lebe ja nicht auf dem Mond, sondern in der Mitte unserer Gesellschaft. Da besucht man mal die alte Nachbarin und schaut mit ihr die Tages-Schau und bemerkt dabei, wie schlecht die Korrespondenten sind. Oder man ist im Ferienhaus mit Freunden, die Meteo schauen wollen und weil die alte Kiste eine halbe Stunde braucht, bis sie den Sender findet, schaltet man schon um 19.30 Uhr ein. Auch im Büro läuft der Fernseher öfters, und dass der Chauffeur im Auto Radio DRS 3 hört, kann ich ihm ja nicht verbieten.

  17. Ninon:

    Der Kommentar von Anonymous am 30.01.11 19:31 ist von mir, Ninon.

  18. ?:

    Ninon ist natuerlich gar nicht anonym, gell. Offenbar war das Witzlein treffend, dass gleich mit „Pubertaer“ gefuchtelt wird. Ich verstehe jetzt jedenfalls besser, was „absolut fernsehfrei“ heisst. So reden die Klosterbrueder jeweils auch, bevor sie ins Bordell steigen.

  19. Ninon:

    @ ?: Offenbar war das «pubertär» treffend, dass Sie gleich nochmals nachschlagen müssen, gell. Fernsehfrei bedeutet: In meiner Wohnung steht weder Fernseher noch Radio und ich habe auch kein Bedürfnis, Radio- und Fernsehsendungen im Internet zu konsumieren. Ist doch nicht so schwer zu verstehen, oder?

  20. krass pubertaer:

    Aber Sie wissen ganz anonym Bescheid ueber alles, was sie nicht konsumieren. Das ist doch erfreulich.

  21. Ninon:

    @ Krass pubertär: Welchen Teil von „in meiner Wohnung stand nie ein Radio- oder TV-Gerät“ verstehen Sie nicht?
    Versuchen Sie es mal mit erwachsen werden. Sie werden gleich viel souveräner und sexier wirken. Trust me!

  22. Ein Blogger behauptet, ich sei fernsehsüchtig – ein anderer glaubt zu wissen, dass ich zu wenig fernsehe. Kann man hier eigentlich zivilisiert debattieren ohne solche überflüssigen persönlichen Angriffe? Das Thema ist die inszenierte «Wutwelle» – nicht mein Fernsehkonsum.

    Bezüglich der «Wutwelle» ist mir schlagartig klar geworden, wer dahinter steckt, als ich das Blog auf der Internetseite von Hermann Lei sah. Hermann Lei ist Jurist und Thurgauer SVP-Kantonsrat.

    In seinem Blog ärgert sich Hermann Lei über das sogenannte «rote Staatsfernsehen». Gemeint ist SF. Das «rote Staatsfernsehen» ist die paranoide Steigerungsform des an sich schon nicht auf SF zutreffenden Begriffs «Staatsfernsehen». Dass SF «rot», also linkslastig sei, ist eine Fantasie von SVP-Köpfen, für die es nicht die geringsten Belege gibt. Hermann Lei schreibt in seinem Blog, Moritz Leuenberger habe «vorsorglich den Weck installiert, damit das rote Staatsfernsehen noch klarer auf Anti-SVP-Kurs getrimmt wird.» Auch das ist eine stinkfreche, tatsachenwidrige Behauptung.

    Ausgehend von seiner Fantasie des «roten Staatsfernsehens» empfiehlt Hermann Lei: «Sparen wir Weck weg!» (sic – der Name lautet natürlich de Weck). Und Hermann Lei rät: «Melden Sie sich bei der Billag ab. Sollte ein Billag-Kontrolleur bei Ihnen auftauchen, so sagen Sie ihm, Sie hätten keine Geräte mehr. Inskünftig haben Sie so jedes Jahr 500 Franken mehr in der Tasche – und die SRG weniger. So sparen wir den Weck weg. PS: Auf http://www.sf. tv kann man übrigens viele Sendungen des Schweizer Fernsehens gratis und in guter Qualität anschauen. So macht Sparen Spass!»

    Mit diesem «Spar»-Tipp bewegt sich der Jurist (!) Hermann Lei auf der gleichen Linie wie andere Billag-Gegner, die behaupten, keine TV-Sendungen zu schauen und die dann aber hinterrücks übers Internet Fernsehsendungen konsumieren (Belege für diese inkonsequente Haltung finden sich weiter oben in dieser Kommentarspalte – Respect to ? und krass pubertaer).

    Jetzt mal im Ernst: Dass Leute aus Geiz keine Billag-Gebühren zahlen wollen, kann ich verstehen, auch wenn ich Geiz überhaupt nicht geil finde. Doch wenn SVP-Leute mit völlig tatsachenwidrigen Behauptungen um sich werfen («rotes Staatsfernsehen», «der rote Medienminister hat De Weck installiert») – wenn also die SVP solche grausligen und falschen Behauptungen aufstellt, dann bin ich tief besorgt. Solche wutschäumenden Hetzkampagnen erinnern mich an den Polit-Stil, der in Deutschland in den 30er Jahren aufkam. Und das kann ich im Jahr 2011 in der Schweiz auf keinen Fall akzeptieren.

    Hier gehts nicht mehr um Geiz – hier plant eine rechtskonservative Partei in aller Öffentlichkeit den Takeover des Fernsehens. Wer bei «Bye Bye Billag» mitmacht, muss sich bewusst sein, mit wem er sich ins Bett legt.

  23. Fred David:

    Danke @)Bobby California, da erfährt man doch was auf medienspiegel.ch.

    Der schleichende Totalitarismus in manchen – und nicht wenigen – Hirnen nimmt schon heitere Formen an. Wenn jemand dauernd „Sparen! Sparen!“ ruft, kommt das bei einfacheren Gemütern immer gut an, nur merken sie nicht, dass an ihnen am meisten gespart wird. Und dann kommt das grosse Jammern und Wehklagen, wenn die Bahnpreise erhöht werden. Oder die Vignette oder eben wenn am SRF-Programm gespart wird.

    Drum tut es schon gut, wenn man Zusammenhänge und Hintergründe schärfer beleuchtet und sich nicht mit dem üblichen volchs- und obrigkeitskompatiblen Newsli-Gehampel zufrieden gibt.

    ps. Trotzdem bin ich natürlich dafür , dass keine TV-Gebühren zahlt, wer keinen Fernseher hat. Das ist legitimer , ja zwingender Ungehorsam. Von Aegypten kann man schon auch was lernen, so ein wenig für den Schweizer Hausgebrauch. Gelegentlich auch ein bisschen mehr.

  24. BC:

    Fred > Du sagst es: Der Kampf der SVP (und der Geiz-ist-Geil-Fans im Schlepptau) gegen die Billag ist nichts anderes als schleichender Totalitarismus.
    Wenn man TV auf dem Computer guckt, soll man aber auch Gebühren zahlen. TV gucken ist TV gucken, egal welches Gerät man fürs Gucken verwendet. Mit Ägypten hat das nichts zu tun.

  25. ?:

    Ich bin unschlau, unwitzig, pubertaer. Es tut mir furchtbar leid, dass sich Ninon mit solch unfaehigen Wesen wie mir herumschlagen muss.

  26. Fred David:

    …übrigens, das Wort, nachdem ich suchte und natürlich mal wieder nicht fand, ist dankenswerterweise Rainer Stadler von der NZZ eingefallen (im Kommentar am 3.2.11): Bei SRF macht er „ein journalistisches Eunuchentum“ aus, das sich beim Fernsehen ausbreite, aus schierer Angst parteipolitisch festgeschraubt zu werden.

    Derzeit ist es besonders gefährlich, ein linkes Etikettlein angeklebt zu bekommen. Und das kriegt jeder angepappt, dem die drei Buchstaben (ja, richtig: die!) nicht übertrieben häufig und beschwingt über die Lippen kommen.

    Ich drücke es etwas weniger elegant aus: journalistisches Larifari aus ständiger Angst, irgendwo anzuecken. Man könnte es pseudowissenschaftlich auch „vorauseilende Zeugungsunfähigkeit oder gewollt herbeigeführte Impotenz“ nennen. Diese führt eher früher als später zur Verödung des gemeinschaflichen Beisammenseins.

    Der Kollege Stadler brachte den wirklich schönen Begriff „journalistisches Eunuchentum“ im Zusammenhang mit der überraschenden Ernennung Roger Schawinskis heute zum neuen SRF-Talker. Bei ihm immerhin sieht er den freiwilligen Verzicht auf Zeugungsfähigkeit nicht als gegeben an, was doch recht erwartungsfroh stimmt.

    Sein Verwundern darüber, dass SRF einen 65-jährigen AHV-Renter ins Haus holen muss, wo sie dort doch selber 420 quasi-beamtete Jungrentner haben, beschrieb der Kollege Stadler natürlich nicht so drastisch. Bei der NZZ muss man halt wie einst beim „Neuen Deutschland“ hin und wieder zwischen den Zeilen lesen, um zu verstehen, was wirklich gemeint ist. Darin habe ich Uebung.

  27. ras.:

    Zuviel der Ehre, lieber Fred David. Ich versuchte nicht, leere Zwischenzeilen bedeutungsvoll aufzuladen. Ich wollte nur das sagen, was da steht. Aber das ist – philosophisch gesehen – natuerlich ein furchtbar schwieriges Geschaeft.

  28. Fred David:

    @)ras: Ehre wem Ehre gebührt. Auf und zwischen den Zeilen. Das mit den „journalistischen Eunuchen“ hät’s preicht.

  29. Ich finde Nick Lüthis Schlussbemerkungen noch interessant. Die Art, die Kritik mit KEINER Replik oder mit Buchhaltern totzuschweigen, irritiert mich. Kommt mir ein wenig so vor, dass man lieber keine Diskussion befeuert, die nur Unruhe und Gegenwind erzeugen könnte.

  30. Mathias:

    Es ist unglaublich wie oberflächlich hier die Diskussion einmal mehr läuft, wenns um gebührenfinanzierte Medieninhalte geht. Jedes Mal geht’s um die Gebühren. „Ich will nicht zahlen“ versus „ich zahle gerne“. Alternativen werden aber kaum diskutiert. Es wird auch kaum ein Wort darüber verloren, dass die sogenannten in freier Marktwirtschaft produzierten Tageszeitungen subventioniert werden (ausser von ras). Es wird kaum ein Wort darüber verloren, dass gefühlte 50% der sogenannten People-Nachrichten in „Blick“, „20min“ und „Tagi“ mit Inhalten gefüllt werden, die von SRG-Promis kommen, oder von Promis die von SRG-Sendungen massgeblich gefördert wurden. Radio- und TV-Macher gehören zu den populärsten Menschen in der Schweiz und ebenso ihr Privatleben. Klatschhefte wie SI, Glückpost, Tele und dergleichen existierten ja quasi nur, weil es SF oder DRS 3 gibt. Was ist weiter mit der Film- und Dokumentarfilmförderung. Welche CH Spielfilme könnten produziert werden, ohne SRG? Wie siehts mit der Förderung von Popkultur aus (mx3, Frischfilm, Virus) oder der Nischen-Berichterstattung von DRS 2. Ohne SRG wären all diese Inhalte nicht existent. Oder kümmert sich etwa Ringier oder Tamedia darum? Was ist mit der Werbeindustrite. Würde Migros gross angelegte Werbekampagnen produzieren für Tele Züri und 3+? Die Inhalte welche direkt und eben auch indirekt durch die SRG-Maschine produziert werden, sind gewaltig. Abgesehen davon, dass ganze Generationen durch den Medienapparat ruhig gestellt werden. Man stelle sich vor alle die Pensionäre, die ihre Nachbarn belästigen, weil sie keine Tagesschau schauen können. Und dafür ca 40 Franken pro Monat zu zahlen ist mehr als legitim. Zumal man sich vorstellen muss, dass die SRG damit ein dreisprachiges Programm finanziert. Ball flach halten oder Alternativen aufzeigen, die umsetzbar sind. Ansonsten ist all das Jammern sowieso nix wert, ausser vielleicht Balsam für die eigene Seele.

  31. Fred David:

    @) Mathias, gern, aber wo sind Ihre Alternativen?

    Eine Alternative wäre zum Beispiel, dass sich SRF mittelfristig auf Informationsvermittlung. inkl. Sport (aber selektiver), Kultur, Dokus, Talks fokussiert und die klassische Unterhaltung vollständig Privaten überlässt. Die Produktion von Spielfilmen könnte hingegen intensiviert und partnerschaftlich öffentlichrechtlich, privat und staatlich finanziert werden.

    Uebrigens, dass TV-Macher soo prominent (?) sind, liegt zu einem guten Teil an der Wechselwirkung von TV und Print. Blick, SI, 20minuten etc. pushen da ganz schön. Ist ja auch in Ordnung. Aber das muss man nicht über Gebühren finanzieren.

Bemerkung anbringen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *