Gebt Somm eine Chance

Natürlich ist es billig, wenn die Basler Linke jetzt aufheult, weil der rechtsbürgerliche Markus Somm nun die Redaktion der «Basler Zeitung» führt. Der einfache Reflex gegen den politisch missliebigen «Weltwoche»-Mann ist etwas gar durchsichtig nach der Devise, das ist keiner von uns, also ist er dieser Aufgabe nicht gewachsen. Somm ist eine faire Chance zuzugestehen, diese Redaktion zu führen und das Beste aus dem Blatt zu machen.

Zumal die «Basler Zeitung» bisher tatsächlich keine Erfolgsgeschichte ist, wie Verleger Martin Wagner zu Recht konstatierte. Und Somm ist intelligent genug, um zu wissen, dass er eine Regionalzeitung mit Meinungsführerschaft nicht im Stil einer Autorenzeitung wie die «Weltwoche» leiten kann.

Trotzdem ist Somm zu empfehlen, sich im Hinblick auf die kühlere Jahreszeit warm anzuziehen. Denn der Zürcher, jetzt selbst im Rampenlicht, wird sich stets die radikale Kritik gefallen lassen müssen, mit der er selbst zu urteilen beliebt. Nur knallhart austeilen und beim Einstecken auf Sensibelchen machen, das geht nicht – oder ist höchstens peinlich. Man denke an all die Deltenres, Köppels, Frank A. Meyers etc.

Somm hat sich das Image des Knüppelschwingers ehrlich verdient. Er schuf gewissermassen seinen Marktwert mit dem Eindreschen auf alles Linke und was er dafür hält.

So bezeichnet er einen Max Frisch als Inspirator der «sogenannt kritischen Intellektuellen». Überhaupt hat das Wort «Intellektuell» bei Somm fast immer einen Dégout: «Seit Jahrzehnten zweifeln die Schweizer Intellektuellen am Sinn der Schweiz. Regelmässig wird der Untergang angekündigt, wiederholt verdammen sie ein Land, das sie für egoistisch halten.» Oder wenn er sich darüber lustig macht, wie sehr die «Intellektuellen» Bundesrat Leuenberger verehrten, den Somm als «Dichter-Bundesrat» disqualifiziert. Ein «Dichter-Bundesrat»? Das ist bei Lichte betrachtet einer, der es nicht so ganz ernst meint und der vor allem Fiktion und Realität nicht auseinander halten kann.

Naturgemäss verfügt Somm als Historiker über ein Langzeit-Gedächtnis, etwa wenn er dem Berner SP-Nationalrat Peter Vollmer genüsslich unter die Nase reibt, dass dieser 1986(!) einen Parteitag der SED besucht hat – und fragt: «War er ein Spion?» Das ist, mit Verlaub, eine unredliche Masche.

Doch das war «Weltwoche»-Geplänkel. Jetzt hat für Somm ein anderer Lebensabschnitt begonnen. Als BaZ-Chef könnte er sich ja erneut als ein so wendiges Bürschchen erweisen, wie damals, als er vom «Tages-Anzeiger» zur «Weltwoche» wechselte.

Rolf Hürzeler, vormals Medien- und Kulturredaktor bei «Facts» und Kulturchef beim Pendlerblatt «News», amtet seit dem 1. September 2008 als Chefredaktor des Magazins «Saldo».

von Rolf Hürzeler | Kategorie: Mediensatz

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