In einem «Digital salute to online journalism» schreibt «Washington Post»-Kolumnist Gene Weingarten unter dem Titel «Gene Weingarten column mentions Lady Gaga.»:
- «Not very long ago, the typical American newsroom had three types of jobs: reporter, editor and photographer. But lately, as newspapers have been frantically converting themselves into high-tech, 24-hour online operations, things are more complicated. Every few days at The Washington Post, staffers get a notice like this: ‹Please welcome Dylan Feldman-Suarez, who will be joining the fact-integration team as a multiplatform idea triage specialist, reporting to the deputy director of word-flow management and video branding strategy. Dylan comes to us from the social media utilization division of Sikorsky Helicopters.› [...]
Everything is different today, and it’s much more confusing. For one thing, there are no real deadlines anymore, because stories are constantly being updated for the Web. All stories are due now, and most of the constipated people are gone, replaced by multiplatform idea triage specialists. In this hectic environment, mistakes are more likely to be made, meaning that a story might identify Uzbekistan as ‹a subspecies of goat.›»
Die ganze Kolumne gibt’s trotzdem auf «washingtonpost.com».
Etwas ernsthafter befasst sich «Post»-Ombudsmann Andrew Alexander mit der Materie («Post online strategy: Grow audience, and engagement»):
- «Often (not always), readers are coming for the offbeat or the unusual. They’re drawn by endearing animal videos or photo galleries of celebrities. And as my Sunday column [«Making the online customer king at The Post»] noted, The Post consciously uses this type of content to lure traffic – in part so that it can show potential advertisers that they would be reaching the largest possible audience. [...]
In The Post’s case, the intense pressure to boost online traffic and engagement has revealed, as my Sunday column noted, a newsroom divide between Web and print-oriented staffers. Some with an online focus believe that print veterans are too wedded to traditional journalistic standards and are too slow to embrace the more freewheeling Web. But print-oriented staffers fear that using gimmicks to attract online audience will cheapen The Post’s brand, thus damaging its journalistic reputation.»
Sound familiar?
By the way, hier ein interessanter Brief der SZ-Belegschaft, gefischt von http://www.turi2.de
Hier der Brief im Wortlaut:
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wie ihr vielleicht wisst, hat der Redaktionsausschuss in den vergangenen Tagen im Haus eine kleine Umfrage gemacht, was sich die Kolleginnen und Kollegen von einer neuen Chefredaktion wünschen. Nun haben die Verleger entschieden. Die Impressionisten-Sitzung soll voraussichtlich noch vor der Sommerpause stattfinden. Dem wollen wir nicht vorgreifen, wir sind ja stolz in der SZ auf unsere Gremiendemokratie. Hans-Werner-Kilz ist auch noch bis Jahresende Chefredakteur, die Abschiedsfeste sind nicht einmal geplant. Trotzdem hat der Redaktionsausschuss in der Großen Konferenz heute schon mal unsere Wunschliste präsentiert. Alle konnten wir nicht befragen, aber ziemlich viele – Redakteure, Reporter und Ressortleiter, und die Ergebnisse zeigen eine erstaunlich große Übereinstimmung. Dies alles ist nur für den internen Gebrauch bestimmt, ich bitte Euch/Sie es auch so zu behandeln. Es gab keine große Diskussion, aber das kann ja noch werden.
Für die neue Chefredaktion:
Wir wünschen uns eine Chefredaktion, die stolz ist auf die SZ, ja, man kann sagen, die die Zeitung liebt. Die die Unabhängigkeit der SZ wahrt. Die sich vor die Redaktion stellt, sie verteidigt und Stopp sagt, wenn die Sparkommissare die Qualität noch mehr gefährden. Wir wünschen uns Chefs, die den notwendigen Wandel nicht klagend ertragen, oder gar bremsen, sondern zupackend und entschlossen vorantreiben. Dies gilt beispielsweise für eine ja schon fest angedachte überarbeitete Wochenendausgabe. Wir wünschen uns auch, dass die Chefredaktion ein klares Konzept für das Miteinander von Print- und Online entwickelt, dass Online-Kollegen nicht länger Redakteure zweiter Klasse sind oder so behandelt werden.
Alle Mitarbeiter der SZ sollen das Gefühl haben, dass ihre Ideen willkommen sind und ernst genommen werden. Wichtig ist uns deshalb mehr Transparenz bei Entscheidungen, die die Zukunft der SZ betreffen. Das gilt sowohl für die Mitarbeit an redaktionellen Neuentwicklungen, aber auch für Informationen darüber, was sich personell im Haus in naher und fernerer Zukunft tut, wo also Veränderungs- und Karrierechancen entstehen.
Voraussetzung dafür ist ein besseres Kommunikationsklima im Haus, ein Stil des Umgangs miteinander, der Kreativität und Motivation fördert. Die Redaktion wünscht sich einen Umgangston, der motiviert, der stärker von gegenseitiger Achtung, Respekt und Wertschätzung geprägt ist. Das heißt nicht, Fehler zu verschweigen oder Kritik zu vermeiden, aber es kommt auch hier auf die Form an. Die Kolleginnen und Kollegen wünschen sich vor allem einen kooperativen Führungsstil, satt Einschüchterung, Demütigung und persönlich abwertender Kritik. Wir betonen dies so ausdrücklich, weil es praktisch alle gesagt haben. Vielleicht kann die neue Chefredaktion ja sogar mal darüber nachdenken, inwieweit man Führungskräften und einzelnen Ressorts mit ein wenig Coaching beim Führen und Zusammenarbeiten helfen kann.
Wir wünschen uns Chefs, die schlummernde oder eingeschlafene Talente wieder wecken, die großen Wert auf Nachwuchsförderung legen. Die, und das haben nicht nur Frauen gesagt, mehr Frauen ins Blatt holen und aufsteigen lassen.
Wir wünschen uns, dass wir eine Autorenzeitung bleiben, ja, wieder stärker werden, aber dass die Blattmacher ebenso geachtet werden, dass Bild und Graphik geschätzt, gepflegt und gestärkt werden. All das ist wichtig, wenn wir das Erscheinungsbild der Zeitung nach Jahren der Diskussion endlich verbessern wollen. Viele haben gesagt, sie wünschten sich eine Layout-Reform, keine radikale, aber eben doch eine stärkere Vereinheitlichung des ganzen Blattes.
Wir wünschen uns also eine Chefredaktion, die in kollegialer Weise fordert und fördert. Die dafür sorgt, dass der Blick auch in die Welt hinaus gerichtet bleibt, also das Innenpolitische – trotz eindeutigem Übergewicht in der neuen Chefredaktion – nicht das Außenpolitische verdrängt. Auch einem Trend zur Verflachung sollten wir nicht nachgeben.
Das ist viel, und einiges geht nur, wenn die Verleger mitspielen, das wissen wir. Den Dank an Sie, Herr Kilz, sparen wir uns noch auf. Sie haben die SZ gestärkt und stets glänzend nach außen vertreten. So schnell findet der Wechsel ja noch nicht statt. Sie haben in der vergangenen Woche gesagt, Sie wollten noch ein wenig Spaß mit uns haben. Dieses Vergnügen lassen wir Ihnen gern.
Christiane Schlötzer
Vorsitzende des Redaktionsausschusses