Köppel gegen den Rest … der Welt?

Roger Köppel hat Strafanzeige Klage gegen die «NZZ» eingereicht. Dies berichtet Kurt-Emil Merki in der heutigen Ausgabe der Zeitung «Sonntag» (Artikel online nicht frei zugänglich).

Corpus delicti ist offenbar der Artikel «Keine gläserne Informationswelt – Medien, Macht und Dunkelmänner» vom 16. Februar 2010, in dem sich «NZZ»-Medienredaktor Rainer Stadler im Zusammenhang mit der Übernahme der Basler Zeitung Medien durch Tito Tettamanti und Martin Wagner u.a. zu folgenden Aussagen «hinreissen» liess:

    «Der Verkauf der ‹Basler Zeitung› brachte auch die ‹Weltwoche› wieder in den Fokus von medienkritischen Beobachtern. Denn Ende 2006 wurden die Jean-Frey-Titel ans Medienhaus Axel Springer verkauft, während die ‹Weltwoche› herausgelöst und an Roger Köppel übertragen wurde. Die Hintergründe der Transaktion blieben im Dunkeln. Und damit gärt weiterhin die Frage: Wer wirkte als edler Gönner? [...] Die Frage, ob beispielsweise der ‹Weltwoche› -Verleger irgendwelche Direktiven erhält oder nicht, spielt letztlich keine Rolle für die Identifizierung des Produkts. Wer den Titel liest, weiss, was er in Händen hält. Er erkennt etwa, dass die ‹Weltwoche› vom rechtsliberalen zum nationalkonservativen Blatt sich verändert.»

Diese — von zahlreichen Medien immer wieder aufgeworfenen — Fragen haben Roger Köppel offenbar derart erzürnt, dass er die Anwälte gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber einlaufen liess. Köppel im «Sonntag»-Artikel dazu:

    «Der Artikel von Rainer Stadler insinuiert, ich würde als Verleger ‹Direktiven› erhalten, sei also nicht unabhängig, und die ‹Weltwoche› sei mir gleichsam ‹übertragen›, also von mir nicht gekauft worden, was meine Integrität als Unternehmer infrage stellt. Diese rufschädigenden Aussagen sind falsch und haben den Zweck, mich als Wettbewerber zu schwächen. Dagegen muss ich mich zur Wehr setzen.»

Der «Weltwoche»-Verleger und die «NZZ» werden sich laut «Sonntag» am kommenden Mittwoch vor dem Friedensrichter gegenüberstehen.

Trifft der «Sonntag»-Bericht zu, ist Köppel aber auch noch an weiteren Fronten aktiv:

    «So bezichtigte er seinen einstigen ‹Weltwoche›-Mitarbeiter Lukas Hässig vergangene Woche der Manipulation, nachdem dieser sich im ‹Magazin› des ‹Tages-Anzeigers› kritisch zur UBS geäussert hatte. Und in der aktuellen Nummer der ‹Weltwoche› greift Köppel den ‹Tages-Anzeiger›-Journalisten Arthur Rutishauser wegen verschiedener Artikel an, die dieser im ‹Sonntag› über die UBS verfasst hatte. [...] Und Köppel vergass in seinem Rundumschlag gegen alle möglichen Medien (nebst dem ‹Sonntag› etwa die ‹NZZ›, ‹Blick› und ‹20 Minuten›) sein eigenes Blatt: Die ‹Weltwoche› hatte geschrieben, dass die Unternehmensberatung McKinsey der UBS empfohlen hatte, in US-Hypothekenpapiere zu investieren. Was nachweislich falsch ist. Köppel: ‹Ich publizierte eine persönliche Entschuldigung im Editorial. Der Fall hatte zudem personalpolitische Konsequenzen.›»

von Martin Hitz

7 Bemerkungen zu «Köppel gegen den Rest … der Welt?»

  1. Martin:

    Köppel gibt sich als Befürworter der Meinungsfreiheit, aber offensichtlich nur im Bezug auf eigene Meinungen … per Strafrecht gegen die Meinungsfreiheit? Peinlich!

    Transparenz durch Köppel hätte die offenen Fragen klären können. Aber auch an Transparenz scheint Köppel nicht gelegen zu sein. So lese ich seine UBS-Artikel durchaus vor dem Hintergrund, dass seine Frau für die UBS tätig ist.

  2. Ubsla:

    Der von Köppel angegriffene Midrisk-Kollege “Ruti” hat umgehend im Tagi zurückgeschlagen:
    http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Welche-Mission-hat-Roger-Koeppel-im-Fall-UBS/story/16829014
    Schönes Hick-hack, beide liegen in Sachen UBS gerne mal daneben.

  3. @Martin: Es geht offenbar nicht um Straf-, sondern um Zivilrecht, nämlich um die Verletzung der Persönlichkeitsrechte und um eine Klage wegen unlauteren Wettbewerbs. Ich habe im Text deshalb “Strafanzeige durch “Klage” ersetzt. Ich bin aber kein Jurist!

  4. ich würde mal auf marketing tippen…

  5. Klagen wegen unlauteren Wettbewerbs gegen Medien sind beliebt, haben aber erfahrungsgemäss kaum Erfolgschancen. Der Friedensrichter wird Köppel eindringlich empfehlen, seine Klage fallen zu lassen. Falls er die Klage nicht zurückzieht, wird sie höchstwahrscheinlich von der nächsten Instanz umgehend pulverisiert. Deshalb liegt Ugugu vermutlich goldrichtig mit seiner Einschätzung.

  6. Fred David:

    Ich verstehe nicht ganz:

    “La crise n’existe pas”…Dieser unvergessliche Fronttitel der Wewo am Tag, als die UBS Staatshilfe beantragen musste, gilt für alle Lebenslagen.

    Damit sollte die Frage ein für alle mal geklärt sein, wer den allgemeinen Durchblick eidgenössisch patentiert für sich beanspruchen kann.

    Einfach ignorieren.

    Alles linke Verschwörung! Wie auch der angebliche Klimawandel und sowieso alles in dieser Richtung. Die NZZ ist längst auf dem linken Trip. Und die EU, unser Urfeind, versinkt im Neo-Kommunismus.

    Muss man solche Fakten denn immer und immer wieder neu auflisten?

    Die Klage wird das ein für allemal klären. In aller Unabhängigkeit.

  7. WAN:

    Der Weltverband der Zeitungsverleger schreibt zum Tag der Pressefreiheit am 3. Mai:

    “Ungeachtet der in nationalen und internationalen Konventionen verankerten Rechte sehen sich Journalisten weiterhin häufig in Gefahr, nur weil sie ihrer Arbeit nachgehen und die Wahrheit berichten möchten, in der tiefen Überzeugung, dass die Berichterstattung über das, was sie beobachten, die Grundlage einer stabilen Demokratie ist.

    Wir appellieren daher dringend an Sie (die Verleger), diese Themen aufzugreifen und mit Ihren Lesern zu verfolgen. Gehen Sie einfach auf http://www.worldpressfreedomday.org und laden Sie unsere kostenlosen, direkt publizierbaren Materialien herunter, die wir Ihnen in den kommenden Wochen zur Verfügung stellen werden.”

Bemerkung anbringen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Sie können folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>