Die Qualitätslüge

Es ist wirklich bemerkenswert. Die Abbauschlacht in den Medien ist in vollem Gange, und gleichzeitig werden die Verlagsmanager nicht müde zu beteuern, dass mit dem Abbau keineswegs ein Qualitätsverlust einhergehe. Sondern im Gegenteil eher das Gegenteil.

So tönt es von Vertretern der Blätter mit intellektuellem Anspruch: «Die publizistische Qualität erhalten», lautet der Titel eines Interviews, das die «Neue Zürcher Zeitung», die seit acht Jahren spart, vor rund zwei Wochen mit ihrem Verwaltungsratspräsidenten Conrad Meyer geführt hat.

So tönt es von Vertretern des niederschwelligen Boulevards: Marc Walder, Geschäftsführer von Ringier Schweiz, sagt ohne zu erröten, der Newsroom, in dem seit kurzem alle «Blick»-Redaktionen zusammengelegt sind, sei keine Sparmassnahme. (Das stimmt höchstens, wenn er damit den Neubau meint, ein millionenschweres Grabmal für den dahinsiechenden «Blick».)

So tönt es auch aus der Geschäftsführung des Hamburger Jahreszeiten Verlags («Merian», «Petra», «Für Sie» etc.), der dem Kostenfaktor «Redaktion» zu Leibe rückt, indem er sie entlässt. Bleiben dürfen Chefredaktoren, Ressortleiter, Text- und Bildchefs. Die können, laut einem im «Spiegel» vom 29. März 2010 zitierten Verlagssprecher, mit Hilfe von erstklassigen Freien «tiefer in die Themen einsteigen» und «all dies zu Heften mit redaktioneller Seele verdichten». Das ist die Qualitätslüge in ihrer unverblümtesten Form.

Anders als Staatsregierungen können Unternehmen es sich nicht leisten, Jahr für Jahr Schuldenberge anzuhäufen. Wer in die roten Zahlen gerät, muss sparen – aber wo? Die Medienmanager wären gut beraten, einen Blick in die mittelfristige Zukunft zu werfen: Das Werbegeschäft wird nie mehr florieren wie einst; Stellen- und Immobilieninserate, die gewaltige Summen in die Kassen der Verlage spülten, brechen ein und werden ganz aus den gedruckten Zeitungen verschwinden. Die Geschäftsmodelle werden sich neu orientieren und Wege finden müssen, die Leser bezahlen zu lassen, was früher die Werbung finanzierte. Aber warum sollten Leser mehr bezahlen, wenn ihnen immer weniger geboten wird? Jeder Korrespondent, jeder Fachredaktor, jeder Korrektor, der abgebaut wird, hinterlässt eine Lücke.

Guter Journalismus lässt sich nicht einfach danach bemessen, wie hoch die redaktionellen Kosten pro Zeitungsseite sind. Klar, man kann es immer billiger machen. Aber journalistische Qualität ist etwas anderes als maximale Produktivität pro Arbeitseinheit. Zu ihr gehört, dass sich ein Journalist auch mal ein paar Gedanken machen darf, bevor er losschreibt. Dann bliebe uns nämlich nicht nur in Sachen Hirsch- und Kachelmann manche Peinlichkeit erspart.

Vom ehemaligen «NZZ»-Verlagschef Fritz Huber, der 1994 in Pension ging, ist der Spruch überliefert: «Der ‹NZZ› würde es wunderbar gehen, wenn die Redaktion nicht wäre, die kostet ja nur.» Ich weiss nicht, wie ernst er das meinte. Wahrscheinlich weniger ernst, als heute manchenorts damit gemacht wird.

Daniel Weber ist Chefredaktor des «NZZ Folio».

von Daniel Weber | Kategorie: Mediensatz

19 Bemerkungen zu «Die Qualitätslüge»

  1. Martin:

    In den letzten sechs Wochen hatte ich die NZZ probehalber wieder einmal abonniert. Gestern bot mir der NZZ-Abodienst telefonisch eine Verlängerung um ein halbes Jahr an, für attraktive 150 Franken … ich lehnte dennoch ab.

    Wieso? Ich hatte die NZZ als Qualitätszeitung in Erinnerung, nun vermisste ich vieles davon, beispielsweise die Berichte aus Ostasien und die langen Reportagen am Wochenende. Ausserdem fehlt immer noch eine Onlineausgabe der NZZ jenseits des unsäglichen E-Papers, das per Smartphone nicht zugänglich ist.

    Das Skript des NZZ-Mitarbeiters am Telefon (wohl ein Student im Call Center) sah leider Qualitätsfragen gar nicht vor. Stattdessen versuchte er mich davon zu überzeugen, das neue Layout sei gar nicht so schlimm … stimmt, aber darum ging es mir ja gar nicht, so sehr ich das frühere Layout vermisse.

    Die NZZ wird nicht von heute auf morgen eingehen, aber eine langfristige Zukunft als Immobilien-Holding – sofern dann noch Immobilien übrig sind –, ist zu befürchten …

  2. Fred David:

    Irgendwie scheint das niemanden zu interessieren.

    Ich kann Schweizer Journalisten immer weniger verstehen. Was da abläuft, hat unmittelbar mit ihrer Existenz zu tun. Aber man sieht und hört kaum etwas.

    Sowohl Andrea Masügers „Mediensatz“ letzte Woche wie Daniel Webers Text hier oben, ebenso der nebenstehende Text von Daniele Muscionico, sind alarmierenden Wortmeldungen aus dem Innern von Schweizer Medienunternehmen.

    Aber die Branche schweigt tief in sich hinein.

    Hat man Schweizer Journalisten Tranquilizer heimlich in ihren Kaffeeautomaten geschüttet?

  3. Hanspeter Spörri:

    Es ist das Schweigen der Ratlosen. Es gibt zwar noch viele kluge, mutige JournalistInnen. Sie schreiben immer noch gute Texte. Aber es sind Einzelleistungen. Was fehlt, sind Redaktionen mit Drive, Rhythmus, Mumm. Mit Zeit für kontroverse Diskussionen. Redaktionen, deren Mitglieder sich gegenseitig anspornen, ergänzen, ermuntern, korrigieren, vor allzu spitzen Zuspitzungen und allzu einfachen Erklärungen bewahren.
    Ich bin übrigens selbst auch ziemlich ratlos, wenn man mich fragt, wie guter Journalismus künftig finanziert werden soll.

  4. PeterBl:

    Ratlosigkeit ja, aber auch Existenzangst. Eine solche Kombination lässt jeden Journalisten verstummen, dazu braucht man keine Tranquilizer. Überhaupt, was sollen die Journalisten tun? Streiken? Resolutionen verfassen? Auf die Strasse gehen?

    Perfekten Anschauungsunterricht für die geschilderte Entwicklung erhält man übrigens im Aargau, wo ein verzweifelt um seine Eigenständigkeit kämpfender Verleger eine Sparübung nach der anderen durchzieht. Die «Mittelland Zeitung» ist seit Jahren nicht nur inhaltlich, sondern auch umfangmässig auf Schrumpfkurs, und die Leser laufen dem Blatt davon, wie das deutliche Minus in der letzten WEMF-Erhebung zeigt.

  5. Mag mich an einen Verlagschef erinnern, der mich eingeladen hatte, doch gegen den unliebsamen Chefredaktor zu mobben — hä ja, der Chefredaktor hatte es eher mit der Qualität denn dem reinen Taschenrechner – Journalismus, so wie es sich der Verlagsmanager erhofft hätte… Erbost lehnte ich ab, natürlich. Und habe dennoch, wie vielleicht viele Journalisten, zu spät kapiert:

    Wir Medienmacher haben halt gar lange auf die Unabhängigkeit des Medienschaffens vom Verlagswesen gepocht – das rächt sich nun leider gleich doppelt:
    a) Qualität gehört nicht zu den „Erfolgskriterien“
    b) Journalistisches Denken im Nachhinein per Demo auf der Strasse, Streik etc. in Verlagsetagen tragen zu wollen, tja…

    Und: wir Medienschaffen haben es ebenfalls verpasst, auf unsere Konsumenten zuzugehen. Wer in der geneigten Zuschauer-, Zuhörer- oder Leserschaft weiss wirklich, wie’s in Redaktionen zu und her geht, welche Zwänge (auch ökonomischer Art) den Alltag dominieren?

    Also, hin zu unseren Kunden, raus aus der warmen Stube!

    Sicher kein Wundermittel – aber mehr als schweigend zuzusehen, wie Stelle für Stelle zur Streich-Bank getragen wird.

  6. Fred David:

    @) André, Peter Bl, Hanspeter Spörri:

    Auf der ganzen Linie einverstanden: keine Demo, keine Resolution, kein Manifest. Das nützt alles gar nix.

    Aber, was hier alle vorschlagen, ist sehr wichtig: das Bewusstsein in den Redaktionen zu schaffen, dass es jetzt wirklich um die Wurst geht, d.h. um Existenzielles – und dass konkrete, umsetzbare Ideen gefragt sind, und zwar von den Journalisten.

    Redaktionen müssen starke Partner der Verlagsebene sein, nicht deren ausführende Organe.

    Die iPad-Debatte ist für mich so ein Beispiel. Dort könnte wirklich eine Chance liegen, die riesige Produktions- und Vertriebskosten im Print innerhalb einer überschaubaren Frist radikal zu senken – zu Gunsten der Inhalte.

    Das kann durchaus eine konkrete Zielrichtung von Redaktionen sein, wo sie mit konkreten Ideen unbedingt versuchen müssen, „den Fuss in die Tür“ zu kriegen, sonst geht alles über ihre Köpfe hinweg. Wie schnell sowas aus den Händen flutscht, zeigen die – an sich sinnvollen – newsrooms, und was damit alles verbunden ist.

    Sehr gut ist auch der Vorschlag, den Konsumenten anschaulich zu machen, unter welchem ökonomischen Druck, verbunden mit verstärkter Einflussnahme auf die Inhalte, der Journalismus inzwischen steht und dass das gerade in der Schweiz sehr viel mit dem Funktionieren der direkten Demokratie zu tun hat.

    Das ist nicht mehr nur schöngeistiges Gerede: Es ist Realität. Dazu braucht es aber konkrete Beispiele. Da kann ein Blog sehr hilfreich sein. André hat’s ja schon mal angedeutet.

    Im übrigen sollte man auch ernsthaft darüber nachdenken, ob Tages- ev. auch Wochenzeitungen künftig über unabhängige Stiftungen finanzierbar sind. Dazu müsste man konkrete Modelle ausarbeiten , um zu zeigen, wie so etwas aussehen kann, und sich natürlich auch auf die Suche nach Stiftern machen.

    Anders sind ordentlich gemachte Tages- und Wochenzeitungen in wenigen Jahren möglicherweise gar nicht mehr zu finanzieren.

    Stifter zu finden ist in einem reichen Land mit der weltweit höchsten Dichte an Milliardären möglich. Hier müsste auch die Politik langsam wach werden. Nicht mit direkten Eingriffen natürlich, sondern mit Hilfestellung – denn es betrifft auch das Funktionieren der Demokratie.

  7. Fred David > Ich bin meistens 300-prozentig mit Deinen Beiträgen einverstanden, diesmal aber nicht:

    – Wenn sich Tageszeitungen nicht mehr mit Inseraten und Abos finanzieren lassen, gibt es nur eine Möglichkeit, um das Überleben, die Qualität und die Unabhängigkeit der Zeitungen sicherzustellen: die Billag muss künftig Zeitungsgebühren erheben, so wie sie das schon heute bei Radio und TV macht. Nach dem Grundsatz: Jeder, der zuhause einen Computer mit Internetanschluss hat, zahlt eine fixe Gebühr für die Nutzung von journalistischen Texten, die heute bekanntlich grösstenteils gratis genutzt werden (was bekanntlich ein Grund dafür ist, dass es den Zeitungen mies geht). Das Billag-Modell funktioniert bei Radio und TV sehr gut und wurde auch auf die privaten Radio- und TV-Anbieter ausgedehnt, also warum soll es nicht auch bei Printmedien funktionieren?

    – Bei den Tageszeitungen muss der Staat ein noch grösseres Interesse daran haben, dass es sie weiterhin gibt, als bei Radio und TV. Denn während die elektronischen Medien vorwiegend Unterhaltungsmedien sind, sind Tageszeitungen unverzichtbar für das Funktionieren der Demokratie. Wenn man sich darüber mal einig ist (und man kann diese These nicht mit logisch fundierten Argumenten widerlegen), also wenn sich diese Einsicht durchgesetzt hat, führt kein Weg daran vorbei, dass der Staat eine viel aktivere Rolle einnimmt bei der Sicherung der Zukunft der Zeitungen.

    – Sonst wird ja auch jeder Hafenkäse mit dem Argument der Sicherung von Arbeitsplätzen «verkauft», auch so sinnloses Zeug wie die Schweizer Armee. Und der Journalismus bietet nun mal besonders spannende Jobs und auch besonders bedrohte Jobs, also ist es besonders wichtig, dass der Staat die Jobs rettet.

    – Mäzene zu suchen wäre natürlich auch eine Möglichkeit. Doch es liegt auf der Hand, dass die Mäzene versucht sein werden, auf den Inhalt der Zeitungen Einfluss zu nehmen, nach dem Motto: Wer zahlt, befiehlt. Staatliche Gelder würden die Unabhängigkeit der Medien besser absichern. Die Idee mit den Mäzenen erinnert mich zu sehr an Tito Tettamanti, der klare Vorstellungen davon hat, was seine Medien schreiben sollen und was nicht.

    – Als Journalist habe ich keine Lust, mir zu überlegen, wie eine Zeitung auf dem Eipad aussehen könnte. Es gibt einfach zuviele Gründe, die gegen das Zeitunglesen auf dem Eipad sprechen. Wenns nicht anders geht, dann muss es halt sein, aber Begeisterung kommt bei mir keine auf.

    – Warum die Branche schweigt: Es ist eigentlich schlau, im Internet nichts zu schreiben, schon gar nicht mit dem «richtigen» Namen. Es gibt ja z.B. die Geschichte von dem PR-Praktikanten, der seine Praktikumsstelle verlor, weil er einen Blogger beleidigt hatte.

  8. Fred David:

    @) Ja, Bobby California,danke, genauso soll’s laufen: Einen Sack voller Ideen auf den Tisch. Das Abwägen kommt später.

    Wesentlich ist erst mal: Man muss es zum Thema machen, und zwar national, die Zeit drängt:

    1. Die Krise, in der die Medien stecken, ist nicht konjunkturell, sondern strukturell. Und sie ist ernst. @)Daniel Weber hat das oben deutlich angerissen.

    2. Tages- und Wochenzeitungen, Radio und TV, sind auch Wurstfabriken. Die Würste müssen dem Publikum und nicht den Metzgern schmecken, und die Würste müssen verkauft werden, bevor sie vergammeln. Aber: Zeitungen, Radio, TV, egal ob digital oder konventionell, sind eben nicht nur Wurstfabriken. Sie haben auch stark mit dem Funktionieren der Demokratie zu tun. Und sie müssen auch ein Korrektiv gegen eine überbordende Wirtschaft setzen können. Das können sie nicht, wenn sie sich immer tiefer in Abhängigkeiten begeben.

    Die Journalisten haben doch eine starken Hebel in der Hand: Sie können sich öffentlich wahrnehmbar artikulieren. Worauf denn noch warten? Die Diskussion soll offensiv geführt werden. Und zwar jetzt. Und breitflächig. Und mit möglichst vielen Ideen.

    Es geht ja nicht nur die Journalisten und die Medienhäuser an, sondern leztlich alle.

    Das Aussortieren guter und schlechter Ideen kommt dann noch früh genug.

  9. Hildebrandt:

    Es fällt mir schwer, ob dieser Diskussion nicht in Kulturpessimismus zu verfallen.

    @ Bobby C.: Wäre eine staatlich vertriebene Zeitung nicht einfach ein gedrucktes SF und also redundant? Oder wären das mehr wie die seit einiger Zeit subventionierten, bestürzend doofen Lokalradios?

    @ Fred David: Und wie rechtfertigt man politisch, dass darin Zeug veröffentlicht werden soll, das den dominierenden 20Minuten-Pöbel weder interessiert noch für ihn verständlich sein wird, aber trotzdem die Demokratie retten soll (eine Staatsform, um die er, der Pöbel, sich eh zunehmend foutiert, wenn es nicht um sein Recht geht, Häuschen zu bauen und Strassen zu verdrecken)?

    Das Problem ist doch auch die zunehmende geistige Verwüstung, und nicht nur die abnehmende Bereitschaft von Werbetreibenden, so etwas obskures wie eine demokratie-erhaltende Presse zu finanzieren.

  10. Hildebrandt > «Wäre eine staatlich vertriebene Zeitung nicht einfach ein gedrucktes SF und also redundant?» Keine Angst, lieber Hildebrandt, sie wäre nicht redundant. Denn die Zeitung und das Fernsehen funktionieren als Medien völlig unterschiedlich. Pro Minute Zeitunglesen kann ich viel mehr Informationen aufnehmen als beim Fernsehgucken. Das Zeitunglesen regt das Hirn an, das Fernsehen ist ein Unterhaltungsmedium und lässt das Hirn erschlaffen. Wenn Sie die Informationen, die SF vermittelt, auf Papier drucken würden, dann würden dabei Texte entstehen, die einer (gut gemachten) Pendlerzeitung gleichen. Von Redundanz keine Spur.

    «Oder wären das mehr wie die seit einiger Zeit subventionierten, bestürzend doofen Lokalradios?» Nochmals: Nein. Denn auch das Radio funktioniert als Medium anders als eine Tageszeitung. Radio ist heute vor allem ein Hintergrundgeplätscher, kein Medium für die vertiefte Information. Keine Zeitung kann so doof sein wie die Lokalradios.

    Wenn sich der «Pöbel», wie Sie sich ausdrücken, um die Demokratie foutiert, dann soll er sich foutieren, das ist sein gutes Recht und das können wir nicht ändern. Wir reden hier nur über die Medien-Versorgung für denjenigen Teil der Bevölkerung, die sich nicht um die Demokratie foutiert.

    Die Idee der staatlichen Finanzierung von Zeitungen stammt übrigens nicht von mir, sondern von Hansjürg Fehr, einem gewieften, unterschätzten Medienpolitiker.

  11. Fred David:

    @) Hildebrandt: Nix Kulturpessimismus. Den heben wir uns für später auf.

    Jetzt müssen zunächst mal Nägel mit Köpfen gemacht werden.

    Vorschlag: Es gibt eine sog. Schweizer Chefredaktorenkonferenz, die einmal im Jahr eine schöne Podiumsveranstaltung zum „Qualitätsjournalismus“ macht, gequirltes Blabla – und danach gehen die Damen und Herren wieder zu ihren Tagesgeschäft über.

    Diese Chefredaktorenkonferenz könnte beweisen, dass sie zu etwas Konkretem nütze ist.

    Beispiel: Die versammelte Chefredaktoren fassen in einer kurzfristig einzuberufenden Sonderkonferenz nur einen einzigen Beschluss: In einer Woche, sagen wir, Mitte Juni, arbeiten sämtliche Redaktionen, die dazu in der Lage sind und etwas dazu zu sagen haben , das Thema journalistisch und publizistisch in ihren Medien auf, ebenso attraktiv wie offensiv: „Medien in der Krise – und wie die Schweizer Medien ihr entkommen“ (das ist ein ungehobelter Arbeitstitel). Das Ziel: Eine schonungslose Bestandsaufnahme – und konkrete Lösungsvorschläge.

    Eine geballte Ladung also in einer einzigen Woche. Jedes Medium für sich, sehr konkret, sehr praxisorientiert, sehr auf die Schweiz zugeschnitten – und mit vielen Ideen, auch Arbeitsberichten aus dem Innern der Redaktionen. Ohne Beschönigungen, ohne pseudowissenschaftlichen Quast.

    Ein Team unter Leitung des Kommunikationsprofessors Stephan Russ-Mohl (Uni Lugano; Europäisches Journalismus Observatorium) sichtet dieses Material und fasst die wichtigsten Punkte und Vorschläge innerhalb von 4 Wochen in einer Schrift zusammen, die höchstens 20 Seiten umfassen darf. Sie wird sofort im web publiziert und alle beteiligten Redaktionen weisen in ihren Medien darauf hin.

    Dieses Papier dient als Diskussiongrundlage auf allen möglichen Ebenen.

    Und dann werden Nägel mit Köpfen gemacht – und selbstverständlich auch eingeschlagen.

    Punkt.

  12. Hildebrandt:

    Klasse Idee, aber wer überbringt sie den CR?

  13. Fred David:

    @)Hildebrandt:

    CRs lesen auch medienspiegel.ch.

    Zumindest, wenn niemand zuschaut.

    Und notfalls sollen die Redaktionen halt etwas nachhelfen.

  14. Daniel Weber:

    @Hildebrandt/Fred David:
    Ich bin Mitglied dieser Chefredaktorenkonferenz (die schon ein bisschen mehr hervorbringt als bloss „gequirltes Blabla“). Für Feuerwehrübungen ist dieses Gremium denkbar ungeeignet, aber ich bringe die Anregung gern an der nächsten Vorstandssitzung Mitte Mai ein.

  15. Fred David:

    @) Daniel Weber: Danke. Als Gegenleistung ersetze ich „gequirltes Blabla“ umgehend und zerknirscht durch „theoretische Erörterungen“.

    Aber so oder so: Eine Feuerwehrübung ist es nicht. Es ist ein relativ verzweifelter Versuch, das Thema aus dem Bereich der schönen Rede in die praktische Umsetzung zu transferieren.

    Vor allem aber: das Thema ins Bewusstsein nicht allein der Medienleute hinein zu bohren und dass es dabei nicht etwa um Dinge geht, die irgendwann vielleicht in zehn Jahren passieren werden.

    Die Medien haben für solche Schritte weniger Zeit als sie glauben.

  16. > Staatliche Gelder würden die Unabhängigkeit der Medien besser absichern…

    Naja, da muss ich den anderen Kollegen zustimmen: Subventionierung von einer Seite, die es eigentlich kritisch zu begleiten gilt, kann nicht die Lösung sein.
    Ähnlich gelagert, aber dann doch wieder ganz anders ist der Ansatz derer, die gerade eben als erstes Online-Medium aller Zeiten den Pulitzer-Preis bekommen haben: ProPublica. Ob solch ein „Mäzenatentum“ für investigativen Qualitätsjournalismus auch in Europa funktioniert?

  17. …und dazu vielleicht noch ein Link aus meinem gestrigen Tweet (@InnoVisions):

    Erster #Pulitzer-Preis für Online-Medium, zudem non-profit: #ProPublica. Die Zukunft des investigativen #Journalismus? >> http://j.mp/9ldLXu

  18. Fred David:

    …um noch ein allfälliges Missverständnis auszuräumen: Der oben erwähnte – und zerknirscht gestrichene – Begriff „gequirltes Blabla“ bezieht sich natürlich NICHT auf den „Mediensatz“ von Daniel Weber, ganz im Gegenteil, seinen Text finde ich sehr wichtig, gerade auch, weil er vom „NZZ Folio“ kommt. Es bezieht sich auf jene hochmögenden (doch, doch, das Wort passt) Podiumsdikussionen zum Thema „Qualitäts- und Recherchierjournalismus“, wo man redet und dann wieder geht. Bis zur nächsten Podiumsdiskuission, wo man redet und dann wieder geht usw..

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