Simon Canonica, Prediger im eigenen Haus?

Unter dem Titel «Grenzgänge mit Hirschmann & Co» befasst sich Tamedia-Jurist Simon Canonica im heutigen «Tages-Anzeiger» mit der Frage «Wie weit darf die Berichterstattung gehen?». Unter anderem schreibt der Medienanwalt:

    «Medien müssen, bevor sie ehrverletzende Verdächtigungen Dritter publizieren, erst einmal das öffentliche Informationsinteresse hinterfragen. Auch wenn dieser gummige Begriff nicht allzu streng ausgelegt wird, muss unter diesem Aspekt manche Story ‹gespült› oder anonymisiert werden. Was den konkreten Inhalt anbelangt, gilt: Das öffentliche Interesse daran muss das private Schutzinteresse überwiegen. Das ist, wenn die Überführung eines Untersuchungshäftlings gefilmt wird, nicht ohne Weiteres ersichtlich.»

Ob Canonica wohl nach dem Betrachten dieser Newsnetz-Bildergalerie zur Feder gegriffen hat? Sein Text ist auf «tagesanzeiger.ch» jedenfalls nirgends zu finden.

von Martin Hitz

3 Bemerkungen zu «Simon Canonica, Prediger im eigenen Haus?»

  1. Markus:

    Medienanwalt? Der gute Mann mag vor Jahren als Anwalt patentiert worden sein, ist aber seit fast genauso vielen Jahren angestellter Jurist bei Tamedia.

  2. Fred David:

    Ich finde schon, dass es ein Thema ist, worüber man diskutieren sollte.

    Allerdings darf man dabei auch berücksichtigen, dass man es mit Profis zu tun hat, die wissen, wie man Medien instrumentalisieren kann.

    Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft war der öffentliche Gang in die Grüne Minna, vor offenen Mikros und laufenden Kameras sowohl mit Kachelmann wie mit dessen Anwalt abgesprochen. Er sollte Gelegenheit haben, kurz mit den Medien zu sprechen. So konnte er der Menschheit mitteilen, dass er unschuldig sei.

    Aber immerhin gilt: Vorerst ist er weder angeklagt noch verurteilt, nur beschuldigt.

    Naja, und zum seltsamen Auftritt dieses Herrn Hirschmann s.jr. (sehr junior) in TeleZüri, in Begleitung seines kommunikativen Aufpassers, fiel mir nur ein: Wer sich selber blossstellen will, sollte von den Medien nicht daran gehindert werden, insbesondere dann, wenn der PR-Berater dauernd dabeisitzt.

    Mich würde schon interessieren, wie das jene sehen, die tagtäglich in den Redaktionen damit umgehen müssen. Man kann sich diesem Sog nicht entziehen, man will aber auch nicht jeden Mist mitmachen. Die Grenze zu ziehen , wird immer schwieriger.

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