«NZZ-Mediengruppe mit operativem Gewinn», titelt die «Neue Zürcher Zeitung», «NZZ-Gruppe rutscht in die roten Zahlen», schreibt hingegen «tagesanzeiger.ch» – und beide haben sie wohl recht.
In der etwas weniger verschwurbelte Zusammenfassung der Konkurrenz von der Werdstrasse heisst es:
- «Der Verlust betrug 3,1 Millionen Franken, verglichen mit einem Gewinn von 22,2 Millionen Franken im Vorjahr. Die Aktionäre sollen auf eine Dividende verzichten. Neben den rezessionsbedingten Einbussen bei den Werbeeinnahmen drückten Restrukturierungskosten und Wertberichtigungen bei Beteiligungen auf das Konzernergebnis. Das Betriebsergebnis (EBIT) blieb mit 3,7 Millionen Franken leicht positiv, lag aber um 86,2 Prozent unter dem Resultat von 2008. Der Umsatz sank um 8,1 Prozent auf 494,6 Millionen Franken.»
Von der Medien-, Finanz und anderen Krisen besonders gebeutelt wurde im vergangenen Jahr der «Geschäftsbereich NZZ» («Neue Zürcher Zeitung», «NZZ am Sonntag» und «NZZ Online»), dessen Umsatz um 35,1 Mio. Fr. auf 187,8 Mio. Fr einbrach.
Mit Olivier Burger und Susanne Bernasconi-Aeppli werden gleich zwei Mitglieder aus dem NZZ-Verwaltungsrat ausscheiden. Neu für den VR vorgeschlagen werden hingegen der vormalige Swisscom-CEO Jens Alder, die Unternehmerin und Nestlé-Verwaltungsrätin Carolina Müller-Möhl sowie Joachim Schoss, der die von ihm gegründete Internet-Plattform für Rubrikanzeigen, Scout24, vor gut zwei Jahren an den NZZ-Nachbar Ringier verkauft hat.
Bleibt zu hoffen, dass die neuen Verwaltungsräte die NZZ-Gruppe von der m.E. fatalen «Newsnetzisierung», also der (Online-)Vermischung des Prestige-Brands «NZZ» mit den zur Gruppe gehörenden Regionaltiteln oder – wie die «SonntagsZeitung» heute schreibt – vom «Abstieg in die Provinz», noch bewahren können (s. dazu auch hier).
Zum NZZ-VR-Geplänkel s. auch:
- Der Kampf um den NZZ-Verwaltungsrat ist eröffnet
- Ist «BaZ»-Verleger Wagner auch ein «Freund der NZZ»?
- Philippe Gaydoul in den NZZ-Verwaltungsrat?
- Neue Verwaltungsräte für die NZZ-Gruppe?
- «Freunde» der «NZZ»?
Mit Jens Alder und Joachim Schoss als neue NZZ-VR kann ich als NZZ-Leser etwas anfangen – und als solcher geht es mich schon etwas an, wer in diesem erlauchten Gremium sitzt. Die Biografien der Beiden machen für diese Berufung irgendwie Sinn.
Aber Frau Müller-Möhl? Da sehe ich weder eine Synergie noch eine nachvollziehbare Begründung. Frau mit grossem erebtem Vermögen genügt nicht. Da müsste schon noch etwas dazu, ausser dem VR-Sitz bei Nestlé, wo auch ziemlich unklar bleibt, warum sie dort sitzt. Sohn mit grossem ererbtem Vermögen genügte übrigens auch bei Herrn Bertarelli als VR der UBS auf Dauer nicht – es wurde richtigerweise rückgängig gemacht.