Was ist da los?

Von Fred David

Habe ich ein altmodisches Verständnis von Journalismus? Offenbar – hoffnungslos veraltet.

Heute Nacht (Donnerstag, 25.2.) um 3.45 Uhr brannte in Kappelen ein Asylbewerberheim lichterloh. Es kam zu dramatischen Szenen, wie ich mich nicht erinnern kann, von so etwas in den letzten Jahren gelesen zu haben: 14 Schwerverletzte, 30 Verletzte insgesamt, schwere Knochenbrüche, Beckenbrüche nach Stürzen aus dem Fenster, «verängstigte Mütter halten schreiende Kinder auf dem Arm, ein Mann schlotternd barfuss in der Kälte, Rettungswagen in Minutentakt.»

Unsere sonst so kreglen Online-Dienste zitieren auch noch Stunden später als Quelle ihrer dürren Kurzmeldungen entweder sda («Tagesschau»), «die online-Ausgabe des Bieler Tagblatts» (Newsnetz) oder «einen Polizeireporter» («20minuten.ch»).

Die «Tagesschau» hat noch um 10.30 Uhr eine karge 12-Zeilen-sda-Meldung aufgeschaltet. Bei «NZZ Online» und Newsnetz verschwanden die Meldungen zwischendurch gar völlig.

Noch um 10.30 Uhr wird «auf die Medienkonferenz um 10 Uhr» verwiesen. Dort kann man sich wenigstens bequem hinsetzen.

Sechs Stunden nach einem solchen Ereignis? Nicht in Timbuktu, sondern im Kanton Bern, bequem im Zug, erster Klasse, vollklimatisert in 40 Minuten erreichbar.

von Fred David | Kategorie: Medienschau

27 Bemerkungen zu «Was ist da los?»

  1. Martin:

    Was sollten denn Journalisten vor Ort berichten, was über die Meldungen der Sicherheitskräfte und der entsprechenden Agenturmeldungen hinausgeht?

  2. Ohne voreilige Schlüsse ziehen zu wollen: Laut «Bund» schwelt in Kappelen seit Monaten ein Konflikt (oder besser gesagt: ein Verantwortung umherschieben) zwischen bornierten Kappelern, Gemeinderat und Kanton um einschulungspflichtige Flüchtlingskinder.

    Dazu kurz die Wikipedia konsuliert (Politischer Wähleranteil: 51% SVP, 4,9% kleine Rechtsparteien). Das muss alles noch gar nichts heissen, aber es mieft zumindest schon mal ganz gewaltig. Ich würde sogar behaupten: Die Sache stinkt zum Himmel.

    Vielleicht sich doch eher unter die Dorfjugend im Bus und Zugabteil 2. Klasse im Dreieck Aarberg, Lyss, Kappelen und Umgebung mischen?

  3. @freddavid: nein, das ist nicht altmodisch. aber das weggucken ist neumodisch. muss man leider so sagen.

    und: lokale ausnahmezustände „mit migrationshintergrund“ sind schwer im kommen:
    http://bit.ly/cIGg5u

  4. Fred David:

    @) bugsierer, dieses flächendeckende Weggucken hat etwas Gespenstisches. Was zum Teufel ist da los?

    @) ugugu: Warum erfährt man aus kleinen Blogs wie diesem, samt Link, manchmal mehr als aus hochgerüsteten Supernewsrooms „mit Verteilung in alle Informationskanäle“ usw. usw.? Ihr Hinweis, sich mal als Reporter im Zugabteil zweiter Klasse im Dreieck Aarberg, Lyss, Kappelen unter den Jugendlichen umzuhören, dann würde man vielleicht eine ganze Menge erfahren, was in keinem Polizeicommuniqué steht, was aber womöglich Arbeit macht: sorry, das ist nun wirklich Steinzeitjournalismus….

    @)martin: Die NZZ zitierte kürzlich aus einem internen Untersuchungsbericht der SRG über den hauseigenen Journalismus: DRS 1 wird dort ziemlich offensiv vorgehalten, sich viel zu sehr auf offizielle Stellungnahmen und Regierungsinformationen abzustützen. Auf Deutsch: gouvernemental kreuzbrav. Das betrifft offenbar nicht nur DRS 1 – Warten nicht auf Godot, sondern aufs Mediencommuniqué, und die Quote, Originalton 30 Sekunden, ausgewogen je einen von links, einen von rechts.

    Ein Beispiel: Dass im Kanton Graubünden ein schwerer Alkoholiker jahrelang Polizeikommandant sein konnte und das auch noch im hochsensiblen Sicherheitsumfeld des WEF, ohne dass Journalisten auch nur einen Hauch davon mitbekommen haben wollen, was tun die die ganze Zeit? Chur ist doch nicht so gross) – bevor’s dann eine relativ summarische „Medienorientierung“ dazu gab – , das hat wohl sehr mit dem branchenüblich gewordenen „Warten auf Godot“ zu tun. Wenn der halt nicht kommt, hat der Leser eben Pech gehabt.

    Ich sehe das vor allem als Medienkonsument – und ich werde allmählich ziemlich sauer über sich häufende Zumutungen dieser Art.

  5. Als Medienkonsument ist mir längst klar, dass die Zeitung fast nur noch aus Agenturmeldungen und Medienmitteilungen von Firmen oder Behörden besteht.

  6. Und gleich noch einer zum heutigen Verständnis von Journalismus: Eine aktuelle Studie der Universität Fribourg versucht, den wirtschaftlichen Einflüssen auf den Journalismus auf die Spur zu kommen. Da muss man sich nicht weiter wundern, wenn brennende Asylbewerberheime keinen Journalisten hinter dem Ofen hervorlocken… Asylanten haben weder Geld noch einflussreiche Lobby. Ergo sind sie für den heutigen Journalisten wertlos.

  7. Fred David, Ugugu, Martin, Bugsierer, Matthias > Ruhig Blut. Es könnte ja sein, dass der Brand von einem Bewohner oder von einem technischen Defekt ausgelöst wurde. Die Polizei sagt, dass es keine Anzeichen auf einen Anschlag gibt. Es könnte sein, dass all die empfohlenen Erst- und Zweitklass-Zugfahrten für die Füchse wären und dass die jungen SVP-Fans im Zweitklassabteil nichts Erhellendes dazu sagen können. Abgesehen davon: Wenn die Blogger fordern, dass die Journis rausgehen, warum geht ihr denn nicht selber raus? Bugsierer wohnt ja in der Nähe. Aber gell, es ist einfacher, die Profis der Inkompetenz zu bezichtigen, als selber den A…. zu lupfen.

  8. Fred David:

    @) Bobby California, es geht mir nicht um die Ursache, sondern um das Ereignis an sich, ob es nun ein Hotel, ein Alters- oder Kinderheim ist, es war offenbar wirklich dramatisch, was da ablief, keine Routinegeschichte. Ich will das einfach wissen, gern auch im Zusammenhang, und nicht einfach nur irgendwann, wenn’s grad passt, eine „Medienorientierung“ vorgesetzt kriegen.

    Mir – und offenbar nicht nur mir, wie die oben erwähnte SRG-Aanlyse zeigt – fällt einfach auf, dass insbesondere auch die regionale Berichterstattung immer „öffiziöser“ und nach Högglimachen im Terminkalender abläuft. Und was da nicht reinpasst, fällt raus.

    In diesem Fall war’s offensichtlich Bequemlichkeit, um nicht zu sagen Faulheit. Dass 20minuten sieben Stunden nach dem Ereignis irgend einen Polizeireporter einer Regionalzeitung als einzige Quelle quoten muss, geht nun gar nicht. Das ist jetzt nur ein Beispiel. Es ist, wie gesagt, in Timbuktu.

    Als Medienkonsument genügt mir das einfach nicht. Ich bin bereit, ordentlich zu zahlen, aber dafür will ich Eigenständiges, Originäres kriegen. Im web surfen kann ich selber.

    Und der Ratschlag an Medienkonsumenten, sie sollten doch selber nachschauen, wenn sie eh schon in der Nähe eines Ereignisses wohnten, ist sicher nicht wirklich ernst gemeint…

  9. Fred David:

    …ich meinte natürlich: Es ist NICHT in Timbuktu…

  10. Fred David > Du hast recht, der Brand war tatsächlich dramatisch.
    On the other hand zögern heutige Medienschaffende nicht, gnadenlos Mücken zu Elefanten aufzublasen, wenn es um Immigranten geht. So textete David Vonplon letzthin im Newsnetz: «Glarus spürt bereits negative Auswirkungen» (der Aufhebung der Visumspflicht in Mazedonien)… und dann kommt der Hammer: «In zwei Fällen seien Personen aus dem Balkan mit einem biometrischen Pass eingereist, um hier zu arbeiten»… in ZWEI Fällen!
    Ach ja, der Titel vom Ganzen laute:
    «Einreisewelle aus dem Balkan schwappt in die Schweiz»

  11. Fred David > PS: Dochdoch, mein Ratschlag an MedienPRODUZENTEN a.k.a. Blogger, sie sollten selber nachschauen statt zu wäffeln, war durchaus ernst gemeint! Let me explain:
    – In der Schweiz begnügen sich Blogger bekanntlich damit, Journis der Unfähigkeit zu bezichtigen
    – In Deutschland gibt es Blogger, die SELBER RECHERCHIEREN und auf spektakuläre Scoops stossen, die dann auch von den Holzmedien aufgenommen werden!

    Mehr dazu in meinem Blog (Eintrag vom 23.2.)

  12. Fred David:

    @)Bobby California: Die gigantische Einreisewelle in Glarus ist mir auch aufgefallen: 2 (zwei) Haushalthilfen.

    Ich habe mich auch gefragt, wie so ein Mist zustandekommt. Man bedient gezielt ein spezielles Publikum, von dem man weiss, auf was es abfährt. Auf einen Brand im Asylbewerberheim jedenfalls nicht.

    Auch die Geschichte über den Newsweek-Artikel zum Innenleben der Schweiz am gleichen Tag auf newsnetz.ch zielte in die gleiche Richtung, dazu ein überaus dümmlich-arrogantes Interview mit dem Autor des Newsweek-Artikels.

    Newsweek.com wurde darauf mit 156 Kommentaren aus der Schweiz überschwemmt, wobei man sich fragte: Mein Gott, sind das wirklich wir? Was davon alles ferngesteuert ist, lässt sich nicht sagen, jedenfalls waren die Kommentare in erstaunlich gutem Englisch verfasst, sah nach professionellen Händen aus.

    Auf jeden Fall ist da ein verhägnisvoller Zug drin. Und wer als Medienunternehmen reichlich naiv glaubt, man könne sein Süppchen auf dieser Flamme kochen, wird sich noch wundern, wie schnell es überkocht, das Süppchen. Und dann fängt wieder das kollektive Jammern und Wehklagen an, dass uns niemand mehr mag.

    Drum glaube ich schon, dass das selektive mediale Weggucken von dem Brand in Kappelen heute – in den Blättern morgen wird es hoffentlich anders aussehen – seine Hintergründe hat. Redaktionen sollten genauer darauf achten, was da abgeht.

    Es ist kein Spiel mehr.

  13. @Bobby California: Zum strukturell rassistischen Völkerwanderungsgedöns mit absolut verqueeren Sprachbildern wie „Einreisewelle“, die jeden Arbeit suchenden Europäer gleich zur Naturkatastrophe erklärt, bin ich absolut deiner Meinung. Grundsätzlich hätte der Journalist die Story aufgrund der mageren Rechercheergebnisse sterben lassen müssen, nur fehlt es im offensichtlich auf reine Quantität ausgerichteten Newsnetz an solchen Qualitätsmechanismen. Am Morgen muss ein Aufreger des Tages auf die Website, gehauen oder gestochen.

    Etwas anders sehe ich das im Fall Kappelen. Gestern im „10 vor 10“ als Brand im „Asylantenheim“ bezeichnet. Was mich doch etwas sehr an die Asylantenpack-Diskurse der 80er-Jahre erinnert hat. Aber lassen wir die Sprachpolizeierei. Warum sollte sich ein Journalist immer gleich mit der erstbesten Erklärung zufrieden geben? Wenn in den letzten 20 Jahren nachweislich eine Vielzahl solcher Brände auf Brandstiftung zurückzuführen waren?

    Grundsätzlich habe ich überhaupt kein Probelm damit, wenn Journalisten unbequeme Fragen stellen. Vor allem wenn es sich bei den Opfern solcher Katastrophen um Randgruppen handelt. Hat es sich tatsächlich um einen technischen Deffekt gehandelt, wären mindestens zwei Anschlussfragen zu klären: Wie steht es um die technische Infrastruktur solcher Unterkünfte ganz allgemein, und wenn in der Vergangenheit solche Ereignisse zu ähnlichen Katastophen geführt haben, warum quetscht man dann trotzdem so viele Menschen inklusive Kind und Kegel in eine einzelne Unterkunft?

    Und die Schweizer Blogosphäre ist bei weitem nicht von so minderer Qualität, wie du das hier spamenderweise zu belegen versuchst. (Links aufs eigene Blog setzen gilt als eher verpönt, aber trotzdem willkommen in der Blogosphäre Watchblog-Blogwatcher Bobby.) Gerade in letzter Zeit bin ich über einige neue sehr spannende Blogs gestolpert. Dazu vermutlich mehr demnächst in meinem Blog.

  14. Ugugu > Klar sind Journalisten dazu da, um kritische Fragen zu stellen. Doch nicht immer, wenn man kritische Fragen stellt, kommt ein Skandal ans Tageslicht. Aber das wissen Hobbyblogger nicht. Die ewige Journalisten-Haue («geht endlich raus!») ist ermüdend. Deshalb sagte ich: Geht selber raus und macht es besser.

    Der Link zu meinem neuen Blog war vielleicht eine bloggerische Sünde, aber der Zweck heiligt die Mittel: Dank der Auslagerung des Blogger-Bashings muss sich der gute Martin Hitz nicht mehr mit Zensurforderungen herumschlagen. Und die Blogger sind nicht mehr beleidigt, sondern freuen sich, wenn ich sie in meinem Blog erwähne.

  15. Lars L:

    @Fred David: War die erwähnte Studie nicht vom BAKOM?

  16. @Lars L: Korrekt. Die „Analysen der Radio- und Fernsehprogramme der SRG SSR“ sind im Auftrag des Bakom entstanden und können hier eingesehen werden.

  17. Fred David:

    Ich will die Grotske, das atemlos professionelle, global vernetzte Journalistenhandwerks betreffend, noch ein wenig weitertreiben:

    Am Samstag (27. Februar) teilt mir 20minuten.ch (gestützt auf sda) Folgendes mit: Vor der Küste Chiles habe es um 3.37 Uhr Ortszeit ein Erdbeben der Stärke 8,5 gegeben, samt Tsunami-Warnung für die ganze Pazifikküste.

    Aber jetzt kommts erst: Noch um 9.15 Uhr ist die einzige Quelle für diese Information eine Hotelangestelte namens Anita Herrera, die bestätigte, momoll, in Santiago sei plötzlich das Licht ausgefallen und in ihrem Hotel seien ein paar Lampen kaputtgegangen, wie sie in einem Telefonat „mit CNN“ sagte. Die sda beschliesst ihre Verlautbarung via 20minuten online mit dem Satz: momoll, das Erdbeben habe das „Potenzial für einen zerstörerischen Tsunami“.

    Momoll. Global vernetzt, fibrieren die newsrooms und verteilen die Verlautbarungen der Hotelangestellten Anita Herrera in alle verfügbaren Newskanäle, was ausser den paar Lampen sonst noch umgefallen ist, an der Pazifkküste …

  18. Fred David:

    …und nicht vergessen: Wir warten gemeinsam auf die Medienorientierung mit druckfertig formuliertem Communiqué, samt Live-Schaltung zur Hotelangestellten Anita Herrera. Bitte bleiben Sie an Ihren Geräten. Wir sind live für Sie vorne mit dabei. Auf allen Newskanälen, in allen Nesrooms, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Wir bleiben dran.

  19. Fred David:

    …es ist Samstag morgen ,27. Februar, 10 Uhr: newsnetz des Tagi schläft immer noch, ist ja wirklich noch sehr früh am Morgen. Journalisten müssen viel schlafen, um fit zu sein für ihren harten Alltag. (Ich bin selber seit 40 Jahre einer, weshalb ich mir hier ein wenig mehr Spott als üblich erlaube).

    nzz online hat seit 9.56 Uhr die Spitzenmeldung im web, es habe sich eine 1 Meter 60 hohe Tsunamiwelle gebildet. Im ganzen Land sei der Strom ausgefallen. In die 16 Zeilen Meldung teilen sich drei zitierte Nachrichtenagenturen. Immerhin.

    Vielleicht macht mal jemand einen vorsichtigen Weckruf beim Tagi?

    Und die Frage hängt weiter im Raum: Was macht die Hotelangestellte Anita Herrera, unsere einzige Augenzeugin? Welches Schicksal erleiden ihre noch heilgebliebenen Lampen? Wann kann man mit einer Medienorientierung dazu rechnen?

  20. Fred David:

    …es ist Samstag morgen, 10.15: newsnetz vom Tagi hat sich beim Schnarchen gerade von der einen auf die andere Seite gedreht. Noch immer nicht auf Sendung.

    NZZ Online hat um 10.09 die zweite saubere Zusammenfassung, die Fakten werden allmählich konkret. Auch 20Minuten ist jetzt recht gut dabei, auch mit ein paar originären eigenen Sätzchen.

    Beim Tagi wundere ich mich schon ein wenig. Meines Wissens kommt in dem Verlag eine Sonntagszeitung heraus. Und heute ist Samstag, 10.30 Uhr. Hat der Hausmeister die Schlüssel zum newsroom mit nach Hause genommen? Oder sind die Putzfrauen noch zugange, die man nicht stören darf? So bleibt auch die Frage nach der Hotelangestellten Anita Herrera bis auf weiteres unbeantwortet.

  21. Fred David:

    …bei meinem kleinen neswroom-watch blieb der „Blick“ ausserhalb meines Radars. Fairerweise sei es ergänzt: Er hatte die erste Meldung um 8.16 Uhr, allerdings ungewohnt zurückhaltend versteckt rechts im newsticker, kaum sichtbar. Den Aufmacher bringt auch um 11 Uhr noch irgend ein „Nackter Wahnisnn“.

    newsnetz vom Tagi überrascht mich: An sechster Stelle ist die Erdbeben-Meldung auf Sendung. Mit der Uhrzeit von 9.09. Sorry, war gut getarnt.

    Das Schnarchen nehme ich hiermit teilweis zurück. Aber nur teilweise. Denn irgendwie sind news eben news, und die gehört dann doch gut sichtbar zuoberst augenfällig hin, wie bei NZZ online, die ja nun nicht gerade für reisserische news-Mache berüchtigt sind.

  22. Ugugu > «Die Schweizer Blogosphäre ist bei weitem nicht von so minderer Qualität… dazu vermutlich mehr demnächst in meinem Blog.»
    Dann schiess mal los, Ugugu! Solange Du mir nicht das Gegenteil beweisest, bleibe ich bei meinem Befund. Wann konnte denn jemals ein Schweizer Hobbyblogger einen Scoop landen, der von den traditionellen Medien aufgenommen wurde? Eben. In Deutschland kommt das immer mal wieder vor. Aber die Schweizer Blogger-Schnarchsäcke werden nie zu sowas oder sogar zu sowas fähig sein. Die Schweizer Blogger begnügen sich damit, den Journalisten ans Bein zu pinkeln.

  23. Fred David > Hier ist die Lösung für Dein Problem: Mit der Alert Map (Katastrophenkarte) bist Du immer top aktuell und in real time informiert über sämtliche Katastrophen auf der ganzen Welt, egal wie verschnarcht das Newsnetz ist. Fred, Hand aufs Herz, ist das nicht genial?! Ist das nicht fantastisch?! Laut der Alert Map ereignen sich gerade jetzt (Sonntagabend, 28. Februar) folgende Katastrophen, und zwar weltweit:
    – Komplexe Katastrophe (nicht näher definiert) in Frankreich
    – Tsunami in Chile
    – Erdbeben in Chile
    – Klimaveränderung in der Antarktis
    – Extremes Wetter in Spanien
    – Lawine in China, Autonome Provinz Xinjiang Uigur
    – Umweltverschmutzung in der Poebene, Italien (von Newsnetz vermeldet)
    – Extremes Wetter in Rheinland-Pfalz und anderen deutschen Bundesländern (von Newsnetz nicht vermeldet)
    – Feuer in Visakaphatnam, Indien
    – Überschwemmung in 16 Counties in Nord-Dakota, USA
    – usw. usw. usw.

    Fred David, bist Du jetzt zufrieden? Ich möchte es doch sehr hoffen!

  24. Fred David:

    @) Bobby California: Danke für die Alert Map. Ich bin aber nicht besonders heiss auf Katastrophen.

    Ich habe einfach mal am konkreten Beispiel unsere Online-Dienste live etwas getestet, weil ich zufällig Samstag früh im web hing.

    Ueber den kollektiven Schnarchfaktor war ich denn doch ziemlich erstaunt. Dass von den Vieren (Blick, 20Minuten, Newsnetz und nzz online) die NZZ am besten abschnitt, war für mich ebenso überraschend. Der Blick versteckte eine karge Agenturmeldung während Stunden nahezu unauffindbar in der Rubrik Newsticker und Newsnetzt platzierte sein dürres Textlein an sechster Stelle soweit unten, dass ich es glatt übersah.

    Um es mal ein wenig krass zu sagen: Professionalität habe ich mir etwas anders vorgestellt.

    Dass bei einem Ereigns dieses Ausmasses die sicher nette, aber völlig bedeutungslose Hotelangestellte Anita Herrera mit ihren zerbrochenen Lampen über Stunden die einzige Augenzeugin war, der ich in den vier Online-Diensten begenete, die einzige überhaupt, die vor Ort und erst noch aus zweiter Hand bestätigte, dass es ein Erdbeben gegeben hatte, lässt mich denn doch mit der Frage zurück, was in den berühmten Newsrooms , die mit Gott und der Welt Tag und Nacht global über alle erreichbaren Newskanäle in Verbindung stehen (jedenfalls wurde mir das bisher so erzählt) wirklich passiert.

    Eine Lehre daraus fürs Leben: Man sollte ein weltweites Verbot durchsetzen, solche Katastrophen Samstagnacht stattfinden zu lassen.

    Ein Recherchetip fiel dabei aber doch ab: CNN war auf die gloriose Idee gekommen, in einem x-belieigen Hotel in Santiago anzurufen, in der klugen Annahme, dort müsse es einen erreichbaren Nachportier geben. Das war dann eben die arme Anita Herrera, die allerdings sagte, von grösseren Schäden habe sie nichts mitbekommen, worauf besagter Schnarchfaktor durch unsere fibrierenden Newsrooms zog.

  25. Fred David:

    …wobei, um noch mal auf diesem Punkt herumzureiten, ich hier wiederum dem im Journalismus um sich greifenden Godot-Phänomen begegnete : Warten auf die offizielle „Medienorientierung“ und das amtliche Communiqué. Ist sicher und energiesparend.

  26. christof:

    lieber herr california, kannst du dich mal bei mir melden? kann auf deinem blog leider ohne google-konto keinen kommentar hinterlassen und finde auch sonst keinen kontakt zu dir. hier meine mail: qualifriend@hotmail.com. danke. christof moser

  27. Lieber Christof, vielen Dank für Deinen Hinweis! Ab sofort können alle Leserinnen und Leser auf meinem Blog Kommentare schreiben (auch solche, die kein Google-Konto haben). Ich habe soeben die Einstellungen geändert. Christof, probier’s doch nochmals, es sollte jetzt funktionieren.

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