SF auf Reisen

Auffallend viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schweizer Fernsehens waren in der zurückliegenden Woche auf SF1 im Service ihres Publics in wärmeren Gefielden unterwegs:

Für einen Beitrag zum «Medizinmekka Schweiz» (Video) nahm «Puls»-Moderatorin Nicole Westenfelder eine Reise nach Dubai auf sich:
Puls_Dubai.png
(Screenshot ab SF-Video)

Für «10 vor 10» mühten sich «Daniela Lager und ihr Team» drei Wochen lang auf und entlang dem Mekong ab:
10vor10_Mekong.jpg
(Bild: SF)

Und nicht zum ersten Mal stattete das Schweizer Fernsehen Ex-Kollegin Jana Caniga einen Besuch in der Karibik ab. Die Bürde hatte diesmal «Röbi Koller mit einem SF-Team» zu tragen (Video):
Koller_Caniga.png
(Screenshot ab SF-Video)

von Martin Hitz

27 Bemerkungen zu «SF auf Reisen»

  1. Fred David:

    Naja, immer noch besser als die alberne (und vermutlich ziemlich teure) Alpen-Soap über das “Leben im Reduit”.

    Ueber Tellerrand und Reduit rausgucken, schadet SF DRS nicht. Da seien den Mitarbeitern die schönen Reisli gegönnt, womit sie sich, nebenbei, den garstigen Winter zu Hause etwas verkürzen können.

    Vielleicht wagen sie sich dann auch mal ins Ausland, wenn sie nicht bequem als Touris reisen dürfen, sondern als zähe Reporter (sofern es die bei SF gibt) in unwegsamem Gelände.

    Sie müssen auch nicht immer nur SchweizerInnen und Schweizer Firmen im Ausland besuchen. Im Ausland wimmelt es doch nur so von interessanten Ausländern.

    Und vielleicht begegnen sie dabei sogar einigen Moslems, die keinen Sprengstoff in der Unterwäsche tragen. Davon gibt es nämlich etwa eine Milliarde. Und darüber könnte man den Zuhausegebliebenen doch auch dies und jenes Spannende erzählen, was den Horizont etwas weiter öffnen würde. Uebers verbunkerte Reduit hinaus.

  2. Markus Schär:

    Fred, kannst du bitte mal eine neue Platte auflegen, die alte eiert grausam. Die bisher beste Geschichte des Jahres spielt am Berner Bundesplatz (Goldtresor drunter!) und an der Zürcher Bahnhofstrasse (Goldtresore drunter!) und dreht sich nur um eines der brennendsten Probleme der Schweiz (pfui, Nabelschau!). Aber das Problem betrifft halt blöderweise die ganze Welt, und es geht immerhin um einen Mann, der die Handynummer von Bernanke hat, von Geithner in den höchsten Tönen gelobt wird und – bevor er beschloss, dem Land zu dienen – mit einem US-Hedge Fund viel Geld machte. Also: Beglinger über Hildebrand im (gelegentlich) guten alten Magazin (bei dem Peer Teuwsen der bessere Chefredaktor wäre).

    Fazit: Weltoffenheit ist doch keine Frage der Flugkilometer (auf unsere Kosten), sondern des Horizonts. (Ich habe gestern tatsächlich mal eine ganze, weil spannende Seite im NZZ-Samstagsfeuilleton gelesen. Daniel Defoe wusste dank enzyklopädischer Bildung alles – und als Journalist alles besser –, und er schrieb so kenntnisreich über ferne Länder, dass mehrere Inseln behaupten, jene von Robinson zu sein. Dabei kam er kaum aus London hinaus.)

  3. Fred David:

    @) Markus Schär,du neigst dazu, immer alle möglichen Themen wild durcheinander zu wirbeln. Das macht das Diskutieren etwas zäh. Hier ist das Thema ausnahmsweise mal das Schweizer Fernsehen und nicht der Goldtresor unterm Bundesplatz.

  4. Markus Schär:

    @Fred: Pardon, ich glaubte nur etwas kreativere, also interessantere, aber gleichwohl ziemlich präzise Variationen zu dem Thema zu spielen, das du hier durch sämtliche Threads durchziehst.

  5. Globetrottel:

    Ist ja im Moment ziemlich kalt, auch am Leutschenbach. Wer würde da nicht gerne in wärmere Gefilde abrauschen? Mit so viel Gebührengeld im Rücken. Die mitgebrachten Eindrücke der fliegenden Reporter sind mehr als mager, not to say banal.
    @ Fred & @ Markus: Was beharkt ihr euch denn da, Mostbröckli unter sich?

  6. @ Fred David: Damit wir uns nicht missverstehen: Mit diesem Eintrag wollte ich nicht in den Chor der SRG-Basher einstimmen. Ich bin ein absoluter Befürworter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Nur werde ich das Gefühl nicht los, dass gerade in der Abgeschlossenheit der Fernsehfabrik am Leutschenbach ab und an vergessen geht, dass man sich in einer doch ziemlich privilegierten Situation befindet und dass der Goodwill des Publikums deshalb nicht über Gebühr(!) strapaziert werden sollte.

  7. Ich kann mich dem Eindruck auch nicht verwehren, dass bei Auslandsreportagen des Schweizer Fernsehens immer ein Feriengefühl aufkommt. Ich glaube, dass das ein möglicher Ansatz sein kann, aber nicht der einzige sein sollte.

    Da ich das aktuelle Programm des SF nicht so gut überblicke – eine Frage in die Runde: Gibt es dort eine Sendung, die annähernd an das herankommt, was die ARD mit dem “Weltspiegel” jeden Sonntagabend um 19:20 Uhr liefert? Diese Sendung nämlich ist Journalismus der Spitzenklasse. Ein Unterschied zu den Screenshots oben fällt mir gleich auf. Die Journalisten des “Weltspiegels” sind nur sehr selten auf den gedrehten Fernsehbildern zu sehen.

  8. Bobby California:

    Typisch Ronnie Grob: Beurteilt eine Fernsehsendung, die er nicht gesehen hat, nach einem Screenshot. Die Journalisten, die auf dem Screenshot zu sehen sind, haben wenigstens etwas geleistet. Ronnie Grob hingegen mäkelt die ganze Zeit bloss rum. Ich glaube, dass das ein möglicher Ansatz sein kann, aber nicht der einzige sein sollte.

  9. @ Ronnie Grob: Nein, ein mit dem ARD-”Weltspiegel” vergleichbares Gefäss gibt es hierzulande nicht. Zumindest Hansruedi Schoch, (noch Interims-)Chedredaktor des Schweizer Fernsehens, findet aber, dass seinem Sender “ein Auslandmagazin sehr gut anstehen” würde.

  10. Lukas Egli:

    Ja, das täte dem Schweizer Fernsehen tatsächlich gut anstehen. Aber seit ich vor einigen Jahren einmal an einem Auswahlverfahren (mit zirka 360 anderen Bewerbern) für möchtegernangehende TV-Journalisten teilgenommen habe, das Hansueli Schoch geleitet hat und das sich spätestens in der Feedback-Runde wie eine billige Casting-Show anfühlte, lassen mich sämtliche Wortmeldungen des SF-Interims-CR schaudern (übrigens: von den sechs Personen, die damals in einem vierstufigen Verfahren auserkoren wurden (Er: «Herr Egli, ich habe bei Ihnen einfach nicht das Gefühl, dass Sie unbedingt vor die Kamera wollen!» Ich: «Äh, nein…»), arbeitet noch genau zirka eine Person beim SF). Kurz: Ich für meinen Teil würde Schoch nicht als Hoffnungsträger einstufen

  11. Fred David:

    “…ein Auslandmagazin würde SF DRS gut anstehen?” – Ja, aber bitte doch. Ich nehme an, die SF-Korrespondenten lecken sich die Finger danach, endlich mal mehr als bloss 1’30”- Newsberichte liefern zu dürfen.

    Ich meine, ist es wirklich unflätig zu fragen, warum erst jetzt, im Jahr 2010? Und auch noch ziemlich vage – “müsste”, “könnte”, “würde”, wie es Chefredaktor Schoch formuliert?

    Wir sind immerhin ein Land, in dem das Volk den Anspruch erhebt, über komplexe Zusammenhänge und Vorgänge letztinstanzlich zu entscheiden, von kompliziertesten Steuerabkommen mit dem Ausland bis zu existenziellen Fragen von Weltreligionen.

    Wenn man diesen Anspruch vor sich her trägt – und das ist ja auch gut so – muss man auch am Stammtisch im “Rössli” zu Trüllikon zur Kenntnis nehmen, was “da draussen” alles passiert, dass das sehr kompliziert ist, dass man sich damit beschäftigen muss, wenn man darüber persönlich urteilen will und dass es schon drauf ankommt, wie man letztlich als Frau und Herr Souverän entscheidet.

    So offen darf man mit “dem Volk” durchaus reden, wir gehören ja alle selbst dazu, ohne deswegen gleich als “Totengräber der direkten Demokratie” von der “Wewo” in den Orkus befördert zu werden.

    Und da verwundert es dann schon, dass SF DRS jetzt gerade mal darüber reflektiert, ein Auslandmagazin “würde” dem Sender gut anstehen, irgendwann. Momoll.

  12. Markus Schär:

    Warum braucht SF eigentlich ein Auslandmagazin? (Und warum stellt niemand Schoch diese Frage?) SF hat doch seit vierzig Jahren ein Auslandmagazin: Die „Rundschau“ (nomen est omen) gibt es genau dafür, Hans O. Staub, Erich Gysling oder Heiner Gautschy geniessen ihren Ruf als Legenden, weil sie den Eidgenossen die grosse, weite Welt erklärten. Ein paar Themen der letzten Ausgaben (und was soll ein Auslandmagazin anders machen?): Birkenfeld bricht Schweigen, Dubai unter Druck, Blutender Berlusconi, Verkehrschaos Moskau. Noch Wünsche?

    Noch mal Daniel Defoe, auch wenn das schöne Beispiel nicht allen einleuchtet: Er hockte um 1700 in London, galt als einer der bestinformierten Menschen seiner Zeit und schrieb über exotische Inseln kenntnisreicher als alle, die dagewesen waren. Dabei hatte er noch nicht mal Internet. Ich erfahre in der thurgauischen Provinz von Tyler Cowen täglich alles Spannende über die globale Ökonomie und viel Spannendes mehr, von „Big O“ alles Wissenswerte über die Opposition in Singapur (samt Bootlegs von den Stones über deutschen Freejazz bis Sophie Hunger) oder bei Anthony Watts alles Wichtige zur weltweiten Klimadebatte. Warum muss SF tonnenweise CO2 für Flugkilometer ausstossen, während es den Schweizern Climategate verschweigt?

  13. öhm… und frau vetsch, die heidi abel der nuller jahre, war in st. moritz, was ja auch fast ausland ist. leider hat sie nichts gesagt über das kokain, das dort in die kläranlage gespült wird. und im filmli über frau caniga erfuhr man auch nicht gerade viel über die situation der einheimischen dort und frau caniga wird jetzt sicher die restlichen bungalows auch noch verkaufen können. – alles in allem bleibt der schale eindruck, dass es hier eher um -tainment geht als um info. was ich für einen staatssender in dieser massierung und form für nicht opportun halte.

  14. Fred David:

    @) Markus: Du fragst, ob’ s noch Wünsche gibt?

    Ich denke schon. Man darf doch annehmen, dass der Chefredaktror SF seine Redaktionen kennt und ganz offensichtlich stellt er in der Ausland-Berichterstattung (die man, bei aller Defoe-Bewunderung, nicht von Weinfelden-Ost aus machen kann) gravierende Mängel fest, sonst würde sein Hinweis keinen Sinn ergeben.

    Es WäRE schön, wenn der Chefredaktor SF sich hier einmal in wenigen Sätzen erklären WüRDE, wie man seinen Satz denn verstehen darf, wonach seinem Sender “ein Auslandmagazin gut anstehen WüRDE”.

    Vielleicht weist ihn einer seiner Mitarbeiter mal diskret drauf hin, dass er hier auf medienspiegel.ch auf ein interessiertes Publikum für seine Vorstellungen stösst?

  15. Markus Schär:

    @Fred: selten so einverstanden…

  16. Fred David:

    @) Markus: Schön.

    Warten wir also geduldig auf den Chefredaktor.

  17. Oli:

    Ich weiss zwar auch nicht genau, was Schoch mit dem Satz, SF WÜRDE ein Auslandmagazin gut anstehen, meint. Ich denke aber es soll heissen: Würden wir gerne machen, haben aber kein Geld dafür.

  18. Fred David:

    @Oli: Auch ohne konkreten Budgetplan darf man als Chefredaktor reflektieren, wie man sich die Auslandberichterstattung beim semi-nationalen Fernsehprogramm vorstellt. Ist ja nicht ganz unwichtig.

    Wie gesagt: Hier ist viel Platz und ein interessiertes Publikum.

    Aber wir warten gern noch ein wenig.

  19. Oli:

    Selbstverständlich darf er das…

  20. Markus Schär:

    Sorry, mal etwas, was wirklich off topic ist. (Das wird in gewissen Blogs gleich vom Moderator festgelegt, könnte man hier auch einführen, zB für Kapitalismus-Debatten.) Immerhin geht es immer noch um SF.

    Eben erst via empörte Communiqués von der “Sonntag”-Geschichte erfahren, dass Ueli Haldimann bei René Schuhmacher mit seinem Medienimperium im Verwaltungsrat sitzt. Wie kürzlich hier festgestellt, schrieb ich einmal über Schuhmachers Interessenvermengung als Opfer-Anwalt und Opfer-Blätter-Verleger. Dafür verklagte er mich beim Presserat und bekam das Recht des Presserats. Das von Haldimann wusste ich nicht – man staunt immer wieder.

  21. Bobby California:

    Ab sofort auch im Newsnetz:
    «SF-Mitarbeiter fliehen an die Sonne»
    Von David Vonplon. Aktualisiert vor 6 Minuten 12 Kommentare
    Daniela Lager reitet Elefanten in Vietnam, Röbi Koller besucht die frühere SF-Kollegin in der Karibik: In den kalten Wintertagen zieht es auffallend viele Mitarbeiter in wärmere Weltregionen…

  22. hildebrandt:

    Wollte ich auch grad notieren. Hihi, jetzt können wir die Journis-klauen-beim-Blogger-Debatte wieder aufwärmen.

  23. Bobby California:

    Damit hätten unsere von ras. geadelten Blogger jetzt endlich etwas, worüber sie sich halbwegs zu recht echauffieren dürfen. Die Aufregung über die Existenz der SF-Auslandreportagen erscheint mir hingegen ziemlich künstlich und von Neid geprägt (die Bäumetöter dürfen in den Süden, während wir armen Blogger im der Kälte sitzen bleiben… und dann erzählen sie uns Daheimgebliebenen erst noch nichts über die Eingeborenen und die Tierwelt und die Pflanzenwelt der Karibik…).

  24. Anonym:

    Es sieht aus, als ob Neid die Einschaltquote erhöhe. Besonders bei der St. Moritz-Sause auf SF war es ja schön, dass man gleichzeitig doppelt neidisch sein konnte, auf Frau Vetsch und auf die kaviarspachtelnden Gestopften.

  25. Christof:

    also, die puls-sendung über den medizintourismus in die schweiz war hochinformativ und gut gemacht. die 10vor10-serie dagegen unsäglich, peinlich und dumm. wer sich davon selber überzeugen will, lese mal den blog von lager auf sf.tv. und caniga-koller, das war rentner-tv auf tiefstniveau.

  26. rob:

    Ich habe die ganze Mekong-Serie gesehen, mit wachsender Begeisterung. Ich fand, das war Fernsehen, wie es sein muss: überraschende und spannend erzählte Geschichten, starke Bilder und politische Hintergründe zu einer Region, über die bei uns wenig berichtet wird.

  27. Fred David:

    @) rob und christof:

    Das eine schliesst das andere nicht aus. Die schönen Reisli sollen ja auch sein und sie bringen durchaus was. Aber als Medium sich dem Ausland öffnen, die Entwicklungen aktiv und kontinuierlich wahrnehmen und attraktiv aufbereitet weitergeben, ist denn doch noch was anderes.

    Auch wenn die “Rundschau” sich um Auslandthemen kümmert, mal mehr und eher mal weniger: Ein semi-nationaler Sender ohne richtiges Auslandmagazin ist dann schon etwas arg dürftig – in Zeiten, wo’s wirklich auch für die Schweiz sehr drauf ankommt, was da draussen passiert.

    Eigentlich warten wir hier immer noch auf eine Antwort des SF-Chefredaktors. Wenn er schon so einen Stein ins Wasser schmeisst, musss er sich halt auch ein wenig um die Kreise kümmern, die das zieht.

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