- «Die vielleicht beste Geschichte über den Zustand des Journalismus – und ganz ohne Häme»,
lässt uns Mario Sixtus via Twitter wissen.
Und tatsächlich, ein sehr aufschlussreiches und äusserst bedrückendes Lesestück, dieser Artikel von Anita Blasberg und Götz Hamann aus der «Zeit» vom 26. November 2009:
In dem wirklich guten “Holz”-Stück, dem man anmerkt, dass die Journalisten ihre gut beheizten Büros zwecks Recherche verlassen haben, fiel mir eine Nebenbemerkung des Gruner & Jahr Chefs besonders auf.
Er stiess in London auf ein erfolgreiches, kleines Internet-Unternehmen, das nichts anderes macht als weltweit die Schaufenster grosser Modehäuser und Modeschauen zu fotografieren und die Ergebnisse dauernd aktualisiert und katalogisiert ins web zu stellen.
Die Industrie ist bereit, dafür teure Abos zu zahlen, weil sie so dauernd an den neusten Modetrends dran sind.
Die Verknüpfung mit herkömmlichen Medien liegt darin, dass z.B. Modeblätter über die entsprechenden Kontakte und das Knowhow verfügen, so etwas zu machen.
Damit sei in Zukunft Geld zu verdienen, meint der Gruner & Jahr Chef. Mit Journalismus nicht. Dieser wird – wenn er es nicht schon ist – hausintern zum geduldeten Subventionsobjekt.
Ich glaube, der Gruner & Jahr-Chef hat Recht. Solche Ideen muss man suchen, und zwar proaktiv, auch von Redaktionen aus. Mit dem Gewinn daraus liesse sich auch in Zukunft anspruchsvoller, teurer Journalismus finanzieren, egal ob print oder web.
Die rein kommerziellen Aktivitäten dürfen sich aber mit den journalistischen nicht überschneiden – das geht! -, sonst ruiniert man bewährte publizistische Marken (negative Beispiele wurden hier auf medienspiegel.ch schon öfters genannt).
Wenn sie gut gepflegt werden, stellen solche Marken irgendwann einen grossen ökonomischen Wert dar.
Und das interessiert auch die Verlagsmanager, die an teurem Journalismus aus nahe liegenden Gründen sonst immer weniger interessiert sind.
“Auf dem Spiel steht unsere Meinungsvielfalt” heissts da im Lead. Eine besonders kreative Lösung hat der deutsche Schurnalist Ralph Grosse-Bley gefunden: Er tut seine Meinung auf der Titelseite der grössten Schweizer Boulevardzeitung kund und behauptet nach dem Minarett-Verbot: “Wir ((sic!)) müssen uns nicht schämen!” Hatten sich die Deutschen etwa als Akt der freien Meinungsäusserung für uns Schweizer fremdschämen wollen?!