(NZZ-)Online-User bringen nur Peanuts ein

Das hätte eigentlich schon lange verbloggt werden sollen: Am «Medientalk», einer Veranstaltungsreihe von «NZZ campus» und des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich, diskutierten Prof. Gabriele Siegert und NZZ-CEO Albert P. Stäheli am 29. September 2009 über die «Rentabilität von Qualitätsmedien».

Von Stäheli war dabei unter anderem zu erfahren, dass ein Print-Leser der «NZZ» auf dem Werbemarkt rund 25 Mal mehr einbringt als ein Online-User:
– Jährl. Werbeumsatz pro Print-Leser: Fr. 175.-
– Jährl. Werbeumsatz pro Online-User: Fr. 6.50

So überrascht es nicht, dass laut Stäheli im Online-Bereich der «NZZ» 2008(?) den Ausgaben von 10 Mio. Franken Einnahmen von 7 Mio. Franken gegenüberstanden – ein Ergebnis, das sich im laufenden Jahr wohl kaum wesentlich verbessern lässt.

Und Stäheli weiter: Während sich die «NZZ» in den «besten Jahren» zu fast 80 Prozent über den Werbemarkt finanzierte, ist dieser Anteil in der Zwischenzeit auf unter 50 Prozent gefallen.

Kein Wunder also, dass der Abo-Preis auch im kommenden Jahr weiter erhöht werden soll.

von Martin Hitz | Kategorie: Sparschwein

12 Bemerkungen zu «(NZZ-)Online-User bringen nur Peanuts ein»

  1. Peter Steiner:

    Qualität kostet – und das sollte es uns alleweil wert sein.

  2. Fred David:

    Auch wenn die Zahlen nicht taufrisch sind, interessant sind sie schon.

    Man würde gerne auch den Aufwand pro Print-Leser und pro Online-User kennen.

    Dass die NZZ sich bereits jetzt zu weniger als 50% aus dem Werbemarkt finanziert, ist erstaunlich. D.h. der Trend muss Richtung höherem, und zwar deutlich höherem Abo-Preis gehen.

    Die sinkende Abhängigkeit vom Werbemarkt ist an sich erfreulich, aber die Folge davon ist: Sich anspruchsvolle Zeitungen zu leisten, wird allmählich elitär – die Info-Elite. Das ist an sich noch nicht schlimm. Es zeichnet sich jedoch eine markante Veränderung im Lesermarkt und zugleich in der Gesellschaft an.

    Wenn man das, sagen wir, auf die nächsten zehn Jahre hochrechnet, bedeutet dies, es wird ein grosser Gratismarkt übrigbleiben, die commodity der Branche, und auf der andern Seite teure Q-Medien. Dazwischen Liegendes wird es extrem schwer haben.

    Die Gesellschaft teilt sich wieder schärfer in Klassen – und zwar sich scharf abgrenzende Klassen – auf, was sich auch auf andern Gebieten abzeichnet.

    Diese rasante Veränderung der Gesellschaft wird noch kaum thematisiert. Das ist ein Pulverfass, das uns noch intensiv beschäftigen wird.

    Der Verteilungskampf wird härter, nicht nur in der Medienbranche. Die ist eher ein Symptom für diese umwälzende, rasch voranschreitende Entwicklung.

  3. mds:

    Schade, dass die NZZ dennoch weiterhin so abhängig von Werbekunden ist, dass sie viele Themen nicht (sinnvoll) abdeckt, beispielsweise die ganze Systemkrise oder speziell die Finanzplatz-Thematik.

  4. Guten Morgen,
    so gerne ich die Ausgaben der NZZ im Fernsehen schätze – hier zwei Gedanken:
    1) Aus der Meldung geht nicht hervor, wie viele User es für die Print- und die online-Ausgaben gibt.
    2) Eigene Erfahrungen nach knapp 10 Jahren mit eigenem Nachrichtenportal: Einnahmen pro Print-User: 0 Euro. Einnahmen pro Internetuser: Einige Cent. Weniger als 1 Euro.
    Aber die Menge macht es. Und wir sind überall erreichbar.

  5. Fred David:

    @) Thomas Berscheid: Mir ist nicht klar, wie man „von ein paar Cents“ leben kann. Die Masse? Auch 100 000 Cents sind nur 1000 Euro.
    Detailliertere Angaben wären hilfreich.

  6. Hört endlich auf zu jammern und schafft euch neue Geschäftsfelder. Schaut euch niuu an (das hätte es schon vor Jahren geben müssen), lest diesen Artikel http://www.indiskretionehrensache.de/2009/11/wie-verlage-im-internet-geld-verdienen/ und wandelt euch endlich. Ihr wisst ja: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

  7. @Thomas Berscheid: Mit ihrem gedruckten Produkt bringt es die „NZZ“ auf 306’000 Leser pro Ausgabe. Online werden nach meinen – leicht abenteuerlichen – Berechnungen 187’838 User pro Tag erreicht. Siehe dazu hier

  8. Wäre es nicht denkbar, dass die Werbekunden für Online-Werbung einfach weniger zahlen als für eine Anzeige in einer Zeitschrift? Ich jedenfalls meine nicht, dass man aus diesen Zahlen irgendwelche Schlüsse ziehen können sollte.

  9. Ali:

    Ja, das ist so, Patrick. Während für Internetwerbung die Anzahl der Klicks von Bedeutung ist und hier auch schockierend wenig gezahlt wird, wird in der Printwerbung auf Teufel komm raus Unsummen hingeblättert. Und das. obwohl man gar nicht weiß, ob die Werbung überhaupt wahrgenommen wird.

  10. Martin:

    Ich warte seit Jahren auf eine Onlineausgabe der NZZ, bislang leider vergeblich. Wieso verzichtet die NZZ auf diesen Markt – ich bin wohl nicht der einzige, der «seine» NZZ gerne in einem digitalen Format lesen möchte, auf dem iPhone, im Browser auf dem PC, …

    (Ich kenne «NZZ Global», doch ist eine 1:1-Umsetzung der gedruckten Ausgabe per E-Paper-Anwendung oder als PDF für mich zur digitalen Nutzung nicht attraktiv.)

  11. Balduin Meier:

    Man muss bei der Zahl der „online Benutzer“ auch bedenken:

    Manche Besucher kommen über einen Link und lesen _genau_ einen Artikel und verschwinden wieder. Dass ein solcher Benutzer nicht gleich viel einbringen kann wie einer, der täglich die komplette NZZ durchliest, sollte eigentlich klar sein. Ich würde annehmen, dass ein Grossteil der NZZ-Print-Leser die Zeitung mehr oder weniger komplett liest (Gibt’s hier Zahlen?).

    Wenn also ein Leser von vielen gedrucken Seiten gleich viel einbringt, wie 25 Leser von wenigen online-Seiten, dann find ich das nicht sooo überraschend oder abnormal. Der „Ertrag pro Aufmerksamkeitsminute“ ist gedruckt aber sicherlich nicht 25x so hoch wie online..

    (Ups, meine Zahlen und Annahmen sind ja schon fast so abenteuerlich wie bei Martin Hitz :-> )

  12. Limmatpost:

    Die NZZ hat offensichtlich einfach einen schlechten Online-Verlauf. Bei spiegel.de oder tagi.ch sehen die Zahlen ziemlich anders aus.

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