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3. November 2009

Sparschwein

Neue Verwaltungsräte für die NZZ-Gruppe?

Es gibt sie noch, die «Freunde der NZZ» (s. dazu auch hier). Und sie haben sich in der vergangenen Woche per Newsletter auch wieder zu Wort gemeldet, unter anderem mit der Neuigkeit, man sei bei der Suche nach potenziellen NZZ-Verwaltungsräten fündig geworden:

    «In den letzten Monaten haben wir intensiv nach passenden Kandidaten mit starkem unternehmerischen Background und hoher Fachkompetenz für den Verwaltungsrat der NZZ Gruppe gesucht. Wir haben erfreulicherweise zwei äusserst kompetente Persönlichkeiten in unserem Umfeld gefunden, die bereit sind, diese Verantwortung zu übernehmen. Es handelt sich dabei einerseits um einen äusserst erfolgreichen und erfahrenen Immobilien-Spezialisten, andererseits um eine starke Führungspersönlichkeit mit profunder Konsumgüter- bzw. Marketingerfahrung.»
Aha, ein Immobilien-Spezialist und eine Führungspersönlichkeit aus dem Konsumgüterbereich. Wie wär's mit einer Person mit etwas Medienerfahrung?

Doch halt! Immobilien-Spezialist und Medien? Könnte es sein, dass Adriano Agosti, einst Präsident des Verwaltungsrates der Jean Frey AG (damals noch mit «Weltwoche», «Bilanz», «Beobachter» etc.), gerne wieder Medienluft schnuppern würde?

Unter dem Titel «Value Creation through Active Ownership» heisst es auf der Website von Agostis Beteiligungsgesellschaft GoldenPeaks Capital jedenfalls :

    «We create value for our shareholders by means of our interaction with the companies in which we invest. Our approach is to identify not only valuation gaps but also the specific actions that will unlock the underlying value of the business.»
Und weiter:
    «If change is too slow, we try to accelerate developments from the inside and the outside.»
Und schliesslich:
    «We rely primarily on logical argument and persuasion to drive this change. As owners, we are prepared nonetheless to enforce our rights over company managers and directors.»

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Bemerkungen

Fred David:

Wir warten gespannt wie auf's Christkind vor der Bescherung.

Insbesondere der Satz "We are prepared to enforce our rights over company managers and directors," wirkt nach wie das Aroma eines gut gereiften Appenzellerkäses. Man behalt den Nachgeschmack noch lange im Mund, was für die Umgebung zugegebenrmassen nicht immer angenehm ist.

Ist Ihr Tip richtig, muss sich der NZZ-VR auf einiges gefasst machen.

mds:

Immobilien und Konsumgüter – das würde zur «neuen» NZZ eigentlich gut passen, wie man an der heutigen Nutzung von Teilen des NZZ-Gebäudes erkennt …

Fred David:

... übrigens wäre es interessant, über die oben erwähnten "Freunde der NZZ" mehr zu erfahren. Scheint ein kregles Clübli zu sein, das man ein wenig aus der Anonymität locken sollte. Man hat den Eindruck: Die haben etwas zu sagen.

Fred David:

....sorry, ich habe inzwischen oben auch den "hier"-Link gelesen (man muss eben schon alles lesen, bevor man losschwätzt, mea culpa).

Umso mehr interessiert mich: What's the hidden agenda?

Edwin van der Geest:

Liebe Medienspiegel-Leser

Wir bestätigen ich Ihnen gerne, dass Herr Agosti kein Kandidat ist. Lesen Sie doch bitte unseren letzten Newsletter auf der Website und die Inhalte unsere Website etwas genauer, dann wissen Sie, welche Kategorie von Unternehmerpersönlichkeiten wir vorschlagen. Wir wundern uns, wer und warum immer wieder versucht wird, uns in die Ecke der „Heuschrecken“ zu stellen.

Gehen Sie davon aus, dass wir sehr hochkarätige Persönlichkeiten mit langfristigem Horizont vorschlagen, die dem Wunschprofil der Aktionäre der NZZ entsprechen und der Gesellschaft echten unternehmerischen Mehrwert bringen können.

Apropos: Die NZZ verfügt über ein grosses Immobilenportfolio, das - sofern professionell bewirtschaftet - die Ertragslage der Gruppe stabilisieren kann und damit die Zyklizität des Anzeigengeschäfts ausgleichen kann. Und damit auch Arbeitsplätze stabilisiert sprich dazu beiträgt, die Qualität des Blatts langfristig aufrecht zu erhalten.

Herzliche Grüsse, Edwin van der Geest (für die IG Freunde der NZZ)

P.S. Fragen Sie uns doch jeweils direkt: kontakt@freunde-der-nzz.ch. Oder ist das nicht der Zweck dieser Website?

Fred David:

@) Edwin van der Geest: Schön, dass man so mal ins Gespräch kommt. Das ist ja doch der Sinn eines Blogs.

Tatsächlich habe ich Ihrer website mehr an Infos über die NZZ entnommen als der NZZ selber.

Eine Umsatzrendite von 5 % wäre, sagen wir für die CS, wahrscheinlich eine Katastrophe, für ein Zeitungsunternehmen unter den gegebenen Umständen aber wohl keineswegs. Auch die ausgewiesene Auflage und-Anzeigensituation signalisiert noch nicht gerade einen Absturz (bezieht sich alles auf 2008).

Der Aktienkurs allerdings schon: minus 38,5% gegenüber Vorjahr; auf Fr. 44 000 pro Stück. Das tut weh. Allerdings werden die Aktionäre bei einem Unternehmen wie der NZZ wohl kaum in erster Linie auf Rendite aus sein. Was ist Ihrere Mienung nach der wichtigste Grund für den Kurssturz?

Auf Ihre website schreiben Sie ausserdem, der NZZ-VR solle nicht länge eine Gemeinschaft für politisch und gesellschaftlich gern gesehene Persönlichkeiten sein.

Das ist knackig. Mir gefällt, wenn jemand die - in der Schweiz manchmal unheimliche - Ruhe und Selbtsgefälligkeit stört.

Nun ist man natürlich gespannt, wer von den bisherigen VRs nach Ihrer Meinung gehen müsste: Konrad Hummler? Franz Albers? Oliver Burger? Susanne Bernasconi Aeppli? Oder gar der Präsident Conrad Meyer?

Interessant wäre aber doch, noch etwas mehr über die "Freunde der NZZ" zu erfahren, das geht aus der website nicht hervor. Kann man diese Freunde näher beschreiben, vielleicht mit ein paar zusätzlichen Namen?

Besten Dank, lieber Herr van der Geest. Dann wäre das ja mal geklärt. Ich habe übrigens überhaupt nicht versucht, Sie "in die Ecke der 'Heuschrecken' zu stellen! Aber wie Sie bestimmt auch wissen, macht spekulieren ab und zu halt Spass.

Und übrigens: Die Namen der beiden VR-Kandidaten dürfen Sie an dieser Stelle selbstverständlich jederzeit nennen.

Jacques:

Solange hier noch im Dunkeln getappt wird... Wie kommt man auf Agosti? Der wäre niemals NZZ-like...! Wie wäre es mit dem erfolgreichen Immobilienspezialisten Urs Ledermann und dem konsumgüteraffinen Unternehmer Walter Bosch? Beide haben einen klaren Leistungsausweis und sind mit der lokalen Schweizer Realwirtschaft in Berührung – eine wichtige Voraussetzung für eine Tageszeitung, die sich auch angesichts der erstarkten Handelzeitung nicht alleine auf den High End Finanzmarkt abstützen will.

Fred David:

Ist ja doch interessant, dass man sich inzwischen öffentlich über die Zusammensetzung des NZZ-VR unterhalten kann. Das ist neu - und spricht für die NZZ, dass man sich da ein paar Sorgen macht, draussen bei den Lesern, und nicht allein bei den Aktionären.

Die NZZ wird sich natürlich bedanken, dass wir uns hier ihren Kopf zerbrechen, aber wir machen es trotzdem.

Warum muss im VR eines Medienunternehmens unbedingt ein Immobilienspezialist sitzen? Dieses Knowhow kann man sich doch sonstwie besorgen.

Wie wärs denn mit jemandem aus der FAZ-Spitze, ein verwandtes Blatt, das sich sehr gut macht und ein paar Schritte weiter zu sein scheint als die NZZ?

Oder der ehemalige Chefredaktor der Financial Times, Andrew Gowers, der den deutschsprachigen Markt sehr gut kennt und der heute unternehmerisch tätig ist. Er musste zwar vor einiger Zeit die FT verlassen, aber das hatte nichts mit seinem Knowhow oder seine Integrität zu tun.

Als Schwergewicht aus dem Medienbereich sitzt einzig Gruner & Jahr-Chef Kundrun im NZZ-VR. Aber ob der wirklich so viel Zeit und Lust hat, sich mit den Interna eines Schweizer Verlags zu befassen, wenn er sich zu Hause in Hamburg doch um hunderte von Titeln kümmern muss?

Jedenfalls stünde eine Oeffnung für einen weiteren markanten und branchenkundigen Ausländer, wenn möglich aus dem angelsächsischen Bereich, dem "Weltblatt von eigenen Gnaden" gut an.

Und der sympathische VR Franz Steinegger müsste dann halt mal bei Gelegenheit sagen, es ist jetzt genug, goodbye!

Fred David:

Sorry, es ist ja schwierig, bei den rasanten Personalwechseln dauernd auf dem Laufenden zu bleiben: Der oben erwähnte Bernd Kundrun war bis zum 6.Janur 2009 Vorstandsvorsitzender von Gruner&Jahr.

Anders als von mir behauptet, hat er heute also wesentlich mehr Zeit für sein VR-Mandat bei der NZZ. Aber er ist jetzt halt eben ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender.

Fred David:

Noch ein kleiner Nachtrag:


Ein NZZ-VR verdient im Schnitt Fr. 72'142.86 im Jahr, was gegenüber jenen Unternehmen, denen sich die NZZ nahe fühlt, eher bescheiden ist. Die VR der 20 grössten Schweizer Unternehmen verdienen im Schnitt das Vierfache, nämlich 295'000 Fr. und sind damit die am besten bezahlten VR in ganz Europa.

Auffallend ist hingegen, dass sich die NZZ-VR allein im letzten Jahr einen Zuschlag um 26% genehmigten, während sie das Management kurz hielten. Das muss seit Jahren Einschränkungen in Kauf nehmen, allein im letzten Jahr um 12,6%. Das hat aber wohl mit nicht neu besetzten Abgängen zu tun, was zeigt, wieviel Luft in so einem "Wasserkopf" denn auch noch drin sein kann. Oder haben die in Ehren Abgetretenen so hohe Bezüge gehabt, dass ihr Abgang in der Bilanz so deutlich ins Gewicht fällt?

Jedenfalls wird man auf solche interessanten Details aufmerksam, wenn man die Website der "Freunde der NZZ" näher anschaut.

So ein Clübli nebenher hat schon seine Vorteile. Sollte jeder grössere Verlag haben. Schafft ein wenig mehr Transparenz, gell, "Tagi" - oder so.

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