Dem Ringier-Sender Radio Energy wird die UKW-Konzession definitiv entzogen. Diesen Entscheid hat das Bundesverwaltungsgericht am Donnerstag bekannt gegeben (PDF). Und nicht nur im Hause Ringier wird heftig hyperventiliert:
- «‹Ich bin bestürzt und wütend›, sagte Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument heute an der Jahrestagung des Verbandes Schweizer Presse in Interlaken. Erstmals in der Geschichte sei durch den Staat ein Medienverbot (Hervorhebung M.H.) erlassen worden.»
Energy will sich nun «auf politischem Weg » eine UKW-Übergangsfrequenz erkämpfen. Diese soll «dereinst einen nahtlosen Wechsel zur digitalen Technologie DAB+» ermöglichen.
«Ein Happy End wäre möglich», meint Rainer Stadler dazu in der «NZZ».
Hallohoo?
Radio «Energy» wird gezwungen den Betrieb einzustellen – wozu sich insbesondere Medienminister Leuenberger wohlwollend geäussert hat …
Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass ein Medium in der Schweiz nicht mehr erscheinen darf. Es ist bloss das erste Mal, dass es ein Medium mit vielen Nutzern und einem potenten Unternehmen im Hintergrund trifft.
Das Thema «DAB» erscheint mir in diesem Zusammenhang OT, diskutiert werden müsste es aber endlich auch in der Schweiz, sprich wann wird das teure DAB-Experiment endlich abgebrochen?
Könnte mich Unwissenden mal jemand kurz ins Bild setzen, was es mit diesem DAB-Experiment auf sich hat? Worum geht es da genau? Was spricht dafür, was dagegen?
@Fred David: s. z.B. Nick Lüthis Medienspiegel-Kolumne “Stecker ziehen”.
Wenn ich das richtig verstehe, ist DAB ein teurer Flop und wird es aller Voraussicht nach bleiben, eine Technolgie, die den Kunden von oben herab schmackhaft gemacht werden soll, die aber von unten herauf kaum jemand will.
Man staunt.
Wie kann man auf so vielen Ungewissheiten ein teures Geschäftsmodell aufbauen wollen? Das ist nicht seriös.
@Martin: Merci für den Hinweis!
Wenn Leute wie die sich hier äussernden DAB-Kritiker in der Geschichte der Menschheit schon immer das Sagen gehabt hätten, wären wir heute alle immer noch Fred Feuersteins. Ist ja auch speziell, wenn man als Medienmann heute noch nie was von DAB gehört hat.
ras. > Ich würde es eher umgekehrt sehen: Dass viele Leute DAB nicht, oder wie ich, nur vom Hörensagen kennen, zeigt eher, wie bedeutungslos diese Technik ist und wie wenig sie einem echten Bedürfnis der Radiohörer entspricht. Daran wird sich herzlich wenig ändern, wenn Radio Energy dereinst auf DAB vor sich hin dudelt. DAB bietet mehr Sendeplätze? Ach, grossartig. Sollen wir jetzt alle neue Radios kaufen, nur damit Radio Energy ein Plätzchen findet und weiter dudeln kann?
Im übrigen war Fred Feuerstein nicht blöd. Und die post-Feuersteinsche Menschheit könnte auf viele Erfindungen problemlos verzichten, zB die CD oder das MP3. Die Vinylplatte klingt sowieso besser.
Alle Medientechniken werden digitalisiert. Nur beim Radio soll das nicht geschehen? Seltsam. Die Freunde des Telegramms fanden auch mal, es gehe doch ganz gut ohne E-Mail. Neue Techniken setzen sich nicht einfach gemäss Darwin durch. Es braucht auch eine geschickte Industrie- und Medienpolitik.
@) Nein, ras, es braucht nicht vor allem eine geschickte Industrie- und Medienpolitik, um so etwas wie DAB durchzusetzen.
Es braucht schlicht da Bedürfnis des zahlenden Publikums dazu.
Wenn das nicht da ist, kann sich die vereinigte “Industrie- und Medienpolitik” auf den Kopf stellen.
Beispiel: sms hat sich einfach so durchgesetzt, obwohl die Erfinder anfangs gar nicht scharf darauf waren; es war ein Nebenprodukt. Aber es entsprach einem Bedürfnis. Und DAB?