Nun ist sie vorbei, die Themenwoche «Kinder» des Schweizer Fernsehens. Insbesondere die von einer 6. Primarklasse gestaltete 18-Uhr-«Tagesschau» hat dabei in der Journalistenzunft für etwelches Stirnrunzeln gesorgt.
Zwei besorgte Bürger sahen sich gar zu Interventionen bei SRG-Ombudsmann Achille Casanova bemüssigt. Der eine, offenbar Ex-«Tagesschau»-Chef Anton Schaller, hatte die «Kinder-Tagesschau» bereits im Vorfeld als «Konzessionsverletzung» eingestuft. Der andere, Herr X, vertrat die Ansicht, bei der Kinder-Moderation würde es sich um «Kinderarbeit» handeln. Sowohl Schallers Beschwerde als auch jene von Herrn X wurden vom Ombudsmann postwendend abgelehnt.
Aber auch besonnenere Zeitgenossen setzten ein Fragezeichen hinter das SF-Projekt. Gegenüber dem Zürcher Lokalsender Radio 1 meinte etwa Medienspiegel-Kolumnist Peter Studer (vormals u.a. als Fernseh-Chefredaktor und Präsident des Presserats tätig), die «Kinder-Tagesschau» stelle eine «gewisse Entfremdung» von der Hauptaufgabe der «Tagesschau» dar und hinterlasse den Eindruck, Journalismus sei etwas Kinderleichtes.
Sorgenfalten wölbten sich anfangs aber offenbar auch auf «NZZ»-Medienredaktor Rainer Stadlers Stirn:
- «In der Tat geht SF damit ein Risiko ein. Nachrichtensendungen gehören zur Kernzone glaubwürdiger Marken. Das 12-jährige Mädchen hat allerdings am Montag die News so charmant präsentiert, dass kulturkritische Sorgenfalten sich unweigerlich glätten mussten. Der kindliche Blick auf Politik, Wirtschaft und Sport erzeugte überdies einen erfrischenden Verfremdungseffekt. Und machte bewusst, wie allzu normiert auch die Journalistensprache ist – und wie oft auch die Erwachsenenwelt nur ein seltsames Theater darstellt.»
Und im «Sonntag» meinte Kurt-Emil Merki empört (Artikel online nicht frei zugänglich):
- «[D]as Signal, das die SF-Informationsabteilung mit diesem Projekt aussendet, ist verheerend: Nachrichtenbeschaffung ist kinderleicht, Moderation bubieinfach, Fernsehredaktor ein Beruf, den selbst Primarschüler innerhalb weniger Stunden erlernen. So absurd es tönen mag: SF entwertet mit diesem vermeintlich so kreativen Experiment sein eigenes Informations-Flaggschiff und leistet dem Vorurteil Vorschub, Journalismus sei ein Metier für solche, die nichts Gescheites gelernt hätten.»
Von viel Vertrauen in den eigenen Berufsstand zeugen diese Aussagen ja nicht gerade. Zudem: Wer aufgrund einer einzigen Woche «Kinder-Tagesschau» das Journalistenhandwerk als Kinderzeugs betrachtet, hat dies vermutlich immer schon getan.
Aber damit nicht genug – Skandal, Skandal! Wie der «Blick» enthüllte, wurde die inkriminierte Sendung nicht einmal live ausgestrahlt, sondern jeweils eine halbe Stunde im Voraus aufgezeichnet.
Ein «Primeur», den die auf demselben Boulevard stöckelnde Konkurrenz natürlich gerne aufnahm: «Die ‹Kinder-Tagesschau&rsaquo kommt aus der Konserve», schrie denn auch «tagesanzeiger.ch» auf und ordnete in dem aus einer Zusammenfassung der «Blick»-Story bestehenden Artikel Peter Studer fälschlicherweise gleich noch eine Aussage von Anton Schaller zu.
Das hätten Kinder vermutlich tatsächlich besser gemacht!
Wie die zuletzt erwähnten Beispiele zeigen, gibt es eben auch im Leben der Erwachsenen Kinderjournalismus.
Vielleicht irre ich mich ja, oder nimmt der wirklich zu?
ich kann die bedenken von studer und konsorten durchaus nachvollziehen. einen festen nachrichtentermin mit einer kinderausgabe auszutauschen ist sicher das falsche signal. zumahl diese sendung letztlich ja doch von erwachsenen profis gemacht wurde.
ich finde solche themenwochen generell heikel. jedes ressort muss dann etwas machen und so kam es auch daher: meistens etwas beliebig (bis an den haaren herbeigezgogen).
gab es überhaupt einen anlass für diese kinderwoche? wem hat sie was gebracht? wäre es nicht besser, generell schlauere kindersendungen zu machen? und generell weniger kinderschrott à la musicstar?
und noch eine frage off topic: wo kann man hier für ein kommentarbenachrichtigungstool spenden?
Ich weiss, ich weiss, verehrter Herr Bugsierer, ein Kommentarbenachrichtigungstool ist eigentlich ein Muss. Was die Technik angeht, bin ich aber auf fremde Hilfe angewiesen. Und Geld hilft da leider nicht weiter. Zeit muss der Mann dafür haben!