Der «Tagi» auf dem Strich

Nicht einmal der eigene Zeitungskopf ist dem «Tages-Anzeiger» mehr heilig. Ein paar Fränkli von Omega und schon ist man bereit, den Kopf der «Qualitätszeitung» von weiss auf schwarz umzufärben:

tagi_kopf_090619.png

«Ein Markenexperte hat uns bestätigt, dass diese Reklame unbedenklich ist», meint «Tagi»-Chefredaktor Res Strehle gegenüber dem «Klein Report» dazu. «Wer das schlimm findet, hat die Ernsthaftigkeit der aktuellen ökonomischen Situation nicht erkannt.»

Ein Markenexperte? Was folgt als Nächstes? O tempora, o mores!

von Martin Hitz | Kategorie: Sparschwein

6 Bemerkungen zu «Der «Tagi» auf dem Strich»

  1. Da kann man gleich auf ein Zeitungslayout verzichten und das den Werbekunden überlassen. Für mich als Designer war schon die bisherige Weissflächeverwertung auf dem Titel von Tagi und züritipp ein Graus.

    Manche retten mit dem Design die Zeitung: http://www.ted.com/talks/jacek_utko_asks_can_design_save_the_newspaper.html
    Andere läuten mit einem Nicht-Design ihren Untergang ein.

  2. gis:

    Buhu, wie schlimm. Um mit Ulrike Meinhof zu sprechen: «Zeitschriften sind Unternehmungen, die Anzeigenraum produzieren als Ware, die durch den redaktionellen Inhalt absetzbar sind.» Amen!

  3. Nick:

    Interessante Reaktion einer Freundin: sie ging beim Anblick des Tagi-Kopfs von einem Kennedy-Jahrestag aus. Damit geht die Kampagne gleich doppelt in die Hose: wird nicht als Omega-Werbung wahrgenommen und von Kennedy steht dann auch nichts im Blatt.

  4. Frau Müller:

    Auf den ersten Blick habe ich weder die Uhrenwerbung noch Kennedy erkannt, sondern nahm lediglich das schwarze Band als einen Trauerflor wahr. «Uiii», dachte ich, «ist eine nationale Katastrophe passiert? Muss ich heute eine Schweigeminute einlegen für die Opfer – ja für welche Opfer eigentlich?» Für die Würde, die Authentizität und die Glaubwürdigkeit des Tages-Anzeigers.

    Wer seine Glaubwürdigkeit verkauft, seine Leser in die Irre führt und seine moralischen Grundsätze unterminiert, der hat die Ernsthaftigkeit der aktuellen Zeitungskrise nicht erkannt.

  5. Und ich bin zunächst davon ausgegangen, dass es sich um einen Special zum – mindestens – hundertjährigen Jubliläum der ersten Mondlandung handeln muss.

  6. Christof:

    jetzt reden chefredaktoren schon mit marketingexperten, um ihre prostitution zu legitimieren? wahnsinn!!!

    das beste an dieser aktion: der tagi sah besser aus als je zuvor mit diesem streifen.

Bemerkung anbringen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *